Zu den Söhnen Sindbads

Nun war mein Göttergatte wahrlich nicht Scheherazade – und ich nicht sein König! Auch erzählte er mir keine Märchen aus Tausendundeiner Nacht in der Sindbad die sieben Weltmeere bereiste. Aber von seinen früheren beruflichen Reisen aus dem Oman schwärmte er mir vor und dass er mir dieses Land unbedingt noch zeigen möchte. Natürlich befragte ich in der heutigen Zeit das Internet und nicht das Märchenbuch und war total erstaunt über die Filme, Fotos und Erzählungen von reisefreudigen und mitteilungsbedürftigen Gleichgesinnten!

Und da ich bekanntlich die Jahrhunderthälfte an Lebensjahren erreichte, war dies der richtige Zeitpunkt für eine Reise. Sohnemann gerade verabschiedet, Koffer gepackt, warme Pullover gegen kurzärmelige T-Shirts, warme Unterwäsche gegen Badeanzug, Winterstiefel gegen Badelatschen getauscht, Adventskranz, Deko und Weihnachtsbaum Adieu gesagt und somit waren wir vom 06.01.-14.01.17 im Oman.

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Durchschnittliche kuschelige 28 Grad erwarteten uns, ungewohnte und doch bekannte Gerüche aus indischem Einschlag, Männer in Dischdaschas, dem langen weißen Gewand und der Kumma, dem bunt bestickten Käppi, oder für offizielle Anlässe einem Turban auf dem Haupt. Und augenscheinlich sehr viele Gastarbeiter und Ausländer. Und trotzdem merke ich, wie ich angestarrt werde – obwohl ich mir in diesen Ländern schon lange abgewöhnt habe, Blickkontakt mit der männlichen Spezies zu halten. Eines fällt mir sofort auf: jegliche Beschilderung und sei sie noch so unbedeutend oder klein ist auf Arabisch und Englisch zu lesen. Dieses Merkmal zieht sich durch das ganze Land, jedes kleine Lädchen im noch so kleinsten Kaff, jedes Straßenhinweisschild im höchsten Gebirge ist auch in englischer Sprache zu lesen! Super!

Bereits noch am Flughafen holen wir unser vorab gemietetes Leihauto ab. Für das Gebirge muss es geländetauglich sein, das ist Pflicht. Dass sich Jogi für diese Art von Transportmittel entschied, hat sich nachträglich auch als die beste Lösung erwiesen.

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Die verschiedensten Sehenswürdigkeiten liegen doch zu weit auseinander. Taxis sind nicht günstig und mit BIG BUS MUSCAT, einem Stadtrundfahrtbus, mit dem man z. B. einen Tag lang kreuz und quer durch Muscat fahren kann und an den verschiedenen Haltestellen so oft ein und aussteigen kann wie man möchte, erscheint uns der Preis von 63 Euro ebenso überteuert. Allgemein ist bis auf die Benzinpreise hier alles recht teuer. Das sage ich natürlich als deutscher Tourist, der durch den Gang im Supermarkt auch Wert auf importierte Waren legt, der auch mal alkoholische Getränke zu sich nehmen möchte, der es im Souk bestimmt gewohnt ist zu handeln und auch rigoros weiter geht, wenn es zu teuer ist. Der sich in schöne Restaurants setzen möchte und nicht nur aus der Hand ein gewickeltes Fladenbrot zu sich nehmen möchte. Trotzdem werden wir wohl nochmal herkommen müssen, denn einen großen Teil des Landes haben wir noch nicht bereist, obwohl Jogi über 1000 km gefahren ist. Zu schön ist es hier! Wüste, Meer, Gebirge, Wadis, Stadt, grüne Landschaften – so unglaubliche Gegensätze! Die Jahreszeit war hervorragend gewählt, das Straßennetz super ausgeleuchtet und ausgebaut, Sauberkeit, Ordnung, Blumenrabatte wohin man schaut. Und trotzdem ist es manchmal ganz schön gefährlich zu fahren. Urplötzlich kreuzen, je nach Vegetationsabschnitt, außerorts Kamele, Esel, Ziegenböcke und Geißen die Straße. Warnschilder weisen darauf hin. Aber bei diesem tollen Straßenausbau rechnet man nicht immer damit. Stationäre Radaranlagen und Polizeikontrollen halten die Geschwindigkeitsbegrenzungen unter Beobachtung. Es scheint Recht und Ordnung zu herrschen in diesem Land. Wenn auch alles mögliche Getier auf den Pickups transportiert wird, wie hier mein absolutes Lieblingsbild zeigt. Bei 120 km/h konnten wir dem rasanten Fahrer dann doch noch erfolgreich hinterherdüsen, alles für die perfekte Aufnahme!

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Hier noch einige Eckdaten zum Sultanat Oman und dessen Einwohner:

Die Omanis sind ein altes Seefahrervolk, welterfahren und -offen. Internationalität wird hier gelebt, die Hautfarbe spielt keine Rolle, es herrscht Religionsfreiheit, wobei der Islam die Staatsreligion ist. Jeder akzeptiert und respektiert die Einstellung des anderen. Die hohen verspiegelten Protzbauten wie man sie in anderen arabischen Staaten findet, fehlen hier gänzlich. Lautes, schillerndes Nachtleben zeigt sich hier nicht. Man ist nicht laut, nicht aufdringlich, manchmal vielleicht etwas langsam…

Bis 1970 lebten die Omanis unter der extremen konservativen Regierung des damaligen Sultans in Armut, politischer Isolation und mittelalterlicher Rückständigkeit. Die Sklaverei wurde aufrechterhalten, für Knaben gab es nur sehr vereinzelt Koranschulen was bereits das ganze Bildungswesen darstellte. Es gab kaum Elektrizität oder fließendes Wasser, Fremdsprachen waren verboten sowie Autos und sogar Sonnenbrillen. Über die Rechte der Frauen gibt es überhaupt nichts zu schreiben.

Erst mit der Amtsübernahme des heutigen Königs, Sultan Qabus ibn Said, der den Oman als absoluter Monarch regiert, öffnete sich das Land und erlebte, bedingt durch die Einnahmen von Erdöl- und Gasvorkommen, einen raschen wirtschaftlichen und politischen Aufstieg. Das Staats- und Bildungswesen wurde reformiert, Frauen sind im Oman rechtlich den Männern gleichgestellt, sie dürfen arbeiten, Auto fahren und öffentliche Ämter bekleiden. Bildungs- und Gesundheitswesen sind kostenlos. Die Arbeitslosenquote ist jedoch relativ hoch, denn die Omani arbeiten bevorzugt in der Verwaltung des Landes, wobei alle Dienstleistungen an Gastarbeiter delegiert werden. Somit arbeiten in der Hotellerie, der Gastronomie, im Handel, im Handwerk, in der Landwirtschaft und allgemein dem Dienstleistungsgewerbe, ausgenommen als Taxifahrer, keine Omanis.

Hier einfach wahllos einige Fotos aus dem Auto heraus fotografiert:

Im Stadtteil Ruwi von Muscat beziehen wir im Sheraton Hotel unser Quartier. In der Lobby ein riesiger Weihnachtsbaum, dezente Dekoration wohin man schaut – wer hätte das im tiefen Arabien vermutet? Am Nachmittag mache ich beim Kaffee trinken draußen auf der Terrasse noch dieses Foto, dies war gut so, denn nach Dreikönig war über Nacht wie von Zauberhand alles abgebaut.

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Unsere erste Ausflugstour führte uns in die alte Oasenstadt Nizwa. Dort schauten wir uns die alte Festung aus dem 17. Jahrhundert an. Vom 30 Meter hohen Turm hat man in alle Richtungen schöne Ausblicke in die Oase, in die Stadt mit dem Souk oder zu den Ausläufern des Gebirges. Im Untergeschoss der Festung wird traditionelle Kleidung und Handwerk dargestellt, der Ausblick zum Palmengarten ist traumhaft.

Durch den Souk von Nizwa bin ich nur ansatzweise, es war Samstagnachmittag zur Gebetszeit und die meisten Läden schlossen deshalb gerade. Somit genossen wir im kühlen Schatten sitzend nur einen guten Cappuccino, bevor wir die Weiterfahrt antraten.

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Auf dem Weg noch einen Abstecher nach Bahla, um uns das Fort von außen anzuschauen. Es ist die größte Festung des Landes, steht auf der Liste der erhaltenswerten Kulturdenkmäler. Sie hat in ihrem Innern unzählige Räume und Gemächer, das war uns für den Tag einfach schon zu spät, um uns das anzuschauen.

Tags darauf ging es früh los, wir wollten zum Grand Canyon des Omans, zum höchsten Berg dem Jebel Shams, der um die 3000 Meter hoch liegt. Eine gut ausgebaute Straße führt uns nach oben, bis diese dann plötzlich in eine Piste übergeht. Am besten Aussichtspunkt ist dann jedoch militärisches Sperrgebiet. Eine Radarstation die weitläufig eingezäunt ist. Jogi begeistert sich natürlich wieder fürs Offroad Fahren, mir wird es da nach 1,5 Stunden Geschaukel eher etwas unwohl.

Da wir hier anscheinend nur zwecks des Fahrspaßes hochgetuckert sind und nicht anhalten konnten um die Ruhe und die Aussicht zu genießen, sind sämtliche Bilder vom Gebirge verwackelt. Den anderen Weg zu der schönen Aussichtsterrasse mit direktem Blick in den Canyon hinein, fanden wir dann leider nicht mehr.  Aber hier noch ein sehr schöner Ausblick auf die Ortschaft Ghul.

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Am späten Nachmittag war dann Eile für den Rückweg geboten, damit wir nicht bei völliger Dunkelheit den weiten Weg zurück ins Hotel fahren mussten.

Für den nächsten Tag entschieden wir uns, eine Strandpause einzulegen. Am Privatstrand des Hotels wurden uns telefonisch 2 Liegestühle, Tisch und Schirm reserviert, wir würden dort auch Getränke erhalten. Nachdem uns Badetücher und Duschutensilien übergeben wurden mit einer genauen Wegbeschreibung zum besagten Strandabschnitt, fuhren wir los.

Am besagten Badeplatz waren von unserem Hotel keinerlei Gäste, wir hatten die 50 Meter für uns allein. Herrlich!

Nachdem wir sofort ins Wasser wateten, fiel uns auf, dass dieses erbsengrün war! Igitt! Am nächsten Abschnitt sahen wir Frauen und Kleinkinder, die alle drin waren, aber uns hat es so ein unangenehmes Gefühl vermittelt, dass wir nur entlangmarschiert sind, die Sonne, Wärme und Ruhe genossen und sonst einfach faul rumlagen, bis wir uns wieder auf den Rückweg machten. Um diese Jahreszeit wäre dies normal, man könnte ruhig baden und sich nachher einfach gut abduschen, wurde uns auf unsere Nachfrage hin mitgeteilt.

Am nächsten Morgen ging es bereits früh los, denn ich wollte unbedingt in die Große Moschee Sultan Qaboos. Sie ist die Hauptmoschee im Oman und gilt weltweit als eine der größten. Diese hatte wochentags für Touristen nur bis 11 Uhr geöffnet. Ich hatte dazu im Internet bereits Videos und Fotos gesehen, diese Pracht wollte ich unbedingt mit eigenen Augen bestaunen. Die im Jahre 2001 fertiggestellte Moschee war ein Geschenk des Sultans an sein Volk zu seinem 30-jährigen Thronjubiläum.

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Das gesamte Areal der Moschee beträgt 416.000 qm. Die 61 x 71 Meter große Gebetshalle bietet 6.600 Gläubigen für das Gebet Platz. Diese Halle ist mit einem 4263 qm großen Teppich ausgelegt, eine persische Webkunst. Die reich verzierte Decke mit Kalligraphien und Arabesken wird zusätzlich noch durch eine 34 Meter hohe Kuppel dominiert. In deren Mitte hängt ein Lüster aus Swarovski Kristall, welcher mit 1122 Lampen bestückt ist.

Die parkähnlichen Gartenanlagen laden zum Verweilen ein. Wäre es mir in meiner langärmeligen hochgeschlossenen Bluse und dem großzügig geschnittenen Tuch um den Kopf und Oberkörper nicht schon so warm geworden, gerne hätte ich mich einen Moment auf eine der Bänke gesetzt und den Anblick der von den Rasensprengern befeuchteten Rasenanlagen und Blumenbeete genossen. Es herrschte so eine friedliche Atmosphäre, ich fühlte mich direkt wohl.

Doch wir fuhren zurück zum Hotel, ich zog mich um und weiter ging es nach Mutrah, in die alte Innenstadt.

Unser erstes Ziel war der Souk und was uns sofort auffiel, deutsche Sprache wohin man hörte! Überall liefen deutschsprachige Touristen! Die Händler waren in ihrem Element! Der Souk ist sehr schön gestaltet, die Deckengestaltung fiel mir als erstes auf. Manche Geschäfte waren sehr interessant – aber im Großen und Ganzen ist bis auf die traditionelle Kleidung und das Kunsthandwerk das Angebot mit hier vergleichbar. Kurz darauf war aber wieder Mittagszeit, manche Läden schlossen, es war Gebetszeit.

Somit liefen wir raus zur Uferpromenade und da sahen wir im Hafen die Kreuzfahrtschiffe. Zig Reisebusse fuhren und Reisegruppen liefen umher, es schienen doch einige Schiffe geankert zu haben. Bei manchen Besuchern musste man sich doch schon sehr wundern, dass sie noch nie etwas von Bekleidungsempfehlungen im tiefen arabischen Raum gehört hatten.

Wir schlenderten an der Corniche entlang, beobachteten die Möwen, warfen Blicke hoch zum Wachturm, dem überdimensionalen Weihrauchkessel hoch über der Stadt, auf das Al Jalali Fort und die restaurierten alten Handelshäuser aus dem 19. Jahrhundert direkt an der Uferstraße.

Nach einem Mittagessen mit viel frischem Fisch setzen wir uns wieder ins Auto und fuhren nach Muscat rein, ich wollte unbedingt einen Blick auf den Sultan Palast von außen werfen, denn Zutritt ins Innere ist nicht gestattet. Ganze Horden von Touristen, vornehmlich deutschsprachigen, kreuzten unseren Weg.

Direkt gegenüber dem Palast liegt das Nationalmuseum, somit hat man einen schönen Blick auf die jeweils andere Seite.

Danach hatte Jogi noch ein besonderes Schmankerl im Ärmel: Er fuhr uns ins Al-Bustan Palace Hotel, das bereits 1985 eröffnete und damals zu den absoluten Luxushotels zählte. Wenn man sich den Entwicklungsstand zur damaligen Zeit denkt, dann kann ich mir wahrlich vorstellen, dass sich Joachim Anfang der 90er Jahre schon königlich beim Kaffee trinken fühlte. Auch wir saßen in der Lobby und gönnten uns diesen sündhaft teuren Kaffee in dieser Kulisse, die wohl damals schon so aussah wie heute.

Die Luft war weihrauchgeschwängert, wie auch die Nebelschwaden auf den Fotos zeigen. Dies ist übrigens an einigen Plätzen, Geschäften oder Hotels so. Im Freien riecht es eigentlich wie überall. Entweder nach frischer Natur, Salz, Fisch, Tang, Meer oder Abgasen. Weihrauch und Kupfer waren früher die Handelswaren die in die ganze Welt gingen und hier im Land soll es auch immer noch den besten Weihrauch geben.

Den Geist voll mit neuen Eindrücken ging es zurück ins Hotel. Joachim fing sich während dem Aufenthalt leider eine Grippe ein, auch plagte uns beide ein Brechdurchfall, somit fehlte uns oft die Energie um die Dinge näher zu besichtigen oder zu hinterfragen. Aber im Grunde genommen reichte mir das auch so, wir entspannten und schliefen viel, oder genossen einfach unsere gemeinsame Zeit.

Ein weiterer Punkt unserer Besichtigungstour war die Fahrt zum Bimah Sinkhole, auch Hawiyat Najm (Fallender Stern) genannt. Über die Entstehung dieses mit Wasser gefüllte 60 Meter tiefe Erdloch sind sich Experten uneins. Einer Legende nach ist hier einmal ein Meteorit eingeschlagen und hat so das Loch geschaffen. Geologen gehen davon aus, dass die tiefer liegenden Gesteinsschichten vom Wasser ausgewaschen wurden und die obere Erdschicht einstürzte. Mir alles egal. Es war ein ganz besonders tolles Erlebnis, in dem Gemisch aus Salzwasser vom nahen Meer vermischt mit Süßwasser aus den Bergen, zu schwimmen.

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Frau sollte nur darauf achten, dass sie sittsame Badekleidung trägt und für den langen Fußmarsch vom und bis zum Toilettenhaus etwas zum Überwerfen dabeihat.

Genau gegenüber dem Hotel steht auch der Clock Tower (Uhrenturm). Rundherum eine große Fläche für allerlei Freizeitsport, wiederum drumherum eine schön angelegte Rasenfläche.

Was sich in dem großen Sockel befindet oder was die arabische Aufschrift außen bedeutet, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.

Tut gut, nach so vielen Minaretten, denn oft steht alle 500 Meter eine Moschee, mal eine Turmuhr zu sehen.

Nach längeren Erholungsphasen setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren in östlicher Richtung gen Sur. Landschaftlich auch wieder eine sehr schöne Fahrt.

Joachim wollte sich den Ras Al Hadd Strand anschauen, wo die Schildkröten zum Brüten an Land kommen. Meine Äußerung bezüglich falscher Jahreszeit, falsche Tageszeit wurden alle in den Wind geschlagen, er wollte dort unbedingt hinfahren. Mir schwante eine lange Fahrt und eine Rückfahrt im Dunkeln, was dann auch so war. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt! Ein herrlicher Sandstrand mit Felsen drumherum, wenn auch dort das Wasser grün war. Leider war es schon später Nachmittag und wir mussten zurück.

Hier noch einige Daten, die ich aus dem Netz zusammengetragen habe: Der Strand liegt 60 km von der Stadt Sur entfernt. Seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. ließen sich hier Menschen nieder. Er gilt seitdem als Zuflucht für Schiffe vor Meeresstürmen. Während dem 2. Weltkrieg landeten hier Kampfflugzeuge, deren Start- und Landebahnen bis heute zu sehen sind. Der Strand wurde nun zum Naturschutzgebiet für die grüne Meeresschildkröte erklärt. Jährlich kommen zwischen Juni und August zwischen 6000 und 13000 Tiere, um ihre Eier abzulegen. Der Strand ist außerdem berühmt für seine vielen Buchten und Felsformationen, die verschiedensten Vogelarten Unterschlupf gewähren.

Zu guter Letzt möchte ich nun noch von meinem 50. Geburtstag berichten: Joachim ging es gesundheitlich gar nicht gut, er hustete wie verrückt und man sah ihm wirklich an, dass er krank war. Trotzdem kam er mit zum Frühstück.  Draußen auf der Terrasse plötzlich hinter meinem Rücken Happy-Birthday-Gesang, ich drehte mich um, da stand die ganze Belegschaft des Restaurants, mit einem Tortenstückchen, in deren Mitte eine brennende Kerze und alle gratulierten mir. Hab‘ ich mich gefreut! Zurück im Zimmer stand dort eine große Torte von der Hoteldirektion.

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Den ganzen Tag verbrachten wir dann auf dem Zimmer bis ich mich für den Abend fertigmachen sollte. Wir würden auswärts essen, ich solle mal einen Schal mitnehmen.

Ein Auto holte uns ab und los ging die geheimnisvolle Fahrt. Wir fuhren ca. 25 Minuten, bis wir dann plötzlich abbogen ins Hotel The Chedi. Davon hatte mir Joachim die Woche über schon vorgeschwärmt. In Zen-Atmosphäre wurde hier unter Berücksichtigung von Feng-Shui Aspekten eine Hotelanlage der Luxusklasse geschaffen. Nach der Anmeldung bat uns der Restaurantleiter zu folgen. Wir liefen und liefen, durch ein Restaurant, über die Terrasse, auf Holzbohlen über einen Teich, Richtung Strand … ich musste mit meinen Schuhen so aufpassen, dass ich mit dem Absatz nirgends hängenbleibe, sonst hätte ich mal links und rechts schauen können. Es wurde nur immer dunkler und einsamer und ich dachte mir die ganze Zeit nur, Oh Gott, wohin laufen wir denn? Wir waren bereits am Strand, ich sah und hörte das Wasser und da sah ich dann auch plötzlich die Lichter. Ein roter Teppich, ein fackelgesäumter Weg durch den Sand bis zu einem runden Tisch, umzäunt mit Fackeln, direkt am Wasser. Mir fehlten die Worte. Wie im Traumschiff oder im schönsten Liebesfilm! Ich war noch total sprachlos, da hatte ich schon ein Glas Champagner in der Hand und es wurde geknipst und ich glaub, bis ich alles so richtig realisiert hatte, war die Vorspeise bestellt und ich nahm war, dass vereinzelte Abendspaziergänger hinter uns und vor uns direkt im Wasser verstohlen diskret lächelten, wie übrigens auch der (Fast)Vollmond über uns!

Es wurde dann jedoch empfindlich kühl, zum Glück hatte ich eine Strickjacke dabei, ließ mir noch einen Schal zum Überwerfen geben, aber Joachim fror leider ganz erbärmlich.

Nachdem letztendlich nach dem Essen auch noch vom Restaurant ein Geburtstagsküchlein kam und wir dieses verspeist hatten, brachen wir dann wieder in unser eigenes Hotel auf.

Und was fand ich vor? Die gesamte Belegschaft, ob von der Rezeption, dem Restaurant, der SPG Lounge – alle hatten sich tagelang Gedanken gemacht, wie sie mich überraschen könnten.

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Sie hatten gebastelt, ich bekam Geschenke, Rosen und auch die nächsten Tage wollten die Glückwünsche nicht enden.

Was will Frau mehr? Im Vorfeld schon von Joachim beschenkt, dann diese Reise, dieser Traumevent zum Abendessen… hach – da kann man doch frohen Mutes auf die 60 zugehen!

Hoffe nur, dass ich nicht mehr so lange warten muss, bis wir unsere Omanreise fortführen. Ich hoffe ebenso, dass dieses Land weiterhin blühen und gedeihen kann. Der Sultan ist nicht verheiratet, noch hat er Kinder. Das Volk macht sich bei dem 76-jährigen Monarchen natürlich Sorgen um die Zukunft des Landes.

Warten wir ab, was die Zukunft bringen mag, bis dahin

Gruß Karin

Frohe Weihnachten

Wieder gekommen ist die Zeit der Lichter
mit ihrem hellen, frohen Schein.
Dränge doch in aller Menschen Herzen und Gesichter
vom Lichte, nur ein Schimmer ein.
Ihr Lieben,
die Plätzchen sind gebacken, die Wohnung und der Weihnachtsbaum sind geschmückt, Kühlschrank und Vorräte aufgefüllt, das Gästezimmer hergerichtet und Sohnemann ist seit Donnerstag bei uns – somit kann auch Weihnachten kommen.
Wie ich mich freue, dass wir noch zu Dritt feiern werden!
Unser Sprössling wird am 4. Januar wieder abfliegen, hoffentlich gesund und munter, denn er kam mit einer starken Grippe bei uns hier an.
Joachim und ich werden vom 06.-14. Januar in Urlaub fliegen!
Werde mein halbes Jahrhundert somit im Oman verbringen und freue mich auch darauf mächtig.
Nun wünschen wir euch ruhige, stressfreie, besinnliche Feiertage, bleibt gesund und zufrieden!
Vereinzelt werden wir uns sicher 2017 wieder sehen.
Bis dahin alles Liebe, Gruß Karin

Weihnachtsmarkt

Glockenklingen, Weihnachtslieder, Chorgesang, Dekorationen, Christbäume, Glühwein, kühles Bier, Würstchen, Sandwiches, Suppe und noch vieles mehr. Schokolade, Plätzchen, Kuchen, Schmuck und Zierde, Selbstgemachtes, Gläser, Tassen, Schüsseln, Hüte und mittendrin wir – meine Freundin Claudia, die u.a. wunderbare Papierarbeiten herstellt und eine andere Bekannte, die allerlei Weihnachtskrimskrams anbietet, so auch selbstgemachte Filz-Nikolausstiefel und Tischsets aus schönem Sackleinen und dann ich – die eine kleine Ecke von Claudias Tisch gemietet hat und wo ich meine selbstgehäkelten und -gestrickten Dinge wie Loops, Topflappen, Herzen, Eierwärmer und Babyschuhe anbiete, die ich das ganze Jahr über nebenher beim Fernsehen oder Sonnenbaden so angefertigt hatte.

Viele große namhafte Hotels bieten in diesen Tagen Weihnachtsbasare oder -märkte an, so auch das Marriott Amman, welches im Außenbereich für hiesige Verhältnisse wirklich eine wunderschöne Atmosphäre gezaubert hat.

Warm eingepackt und dank der Heizstrahler ist es uns auch gar nicht kalt, nur etwas langweilig manchmal. Da muss man mit allen Tricks arbeiten, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

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Die Besucherströme an diesen sieben Tagen von jeweils 16 bis 22 Uhr sind manchmal mehr, manchmal sehr viel weniger, leider auch aufgrund des Regens und der Stürme, wo am Mittwoch der Markt sogar komplett geschlossen werden musste.

Wie überall können sich die Betreiber der Flüssig- und Festnahrung über mangelnden Zulauf nicht beklagen. Nur wir anderen bedauern das mangelnde Kaufinteresse der Besucher ein wenig. An Entdeckerfreude, Aufmerksamkeit und Anklang mangelt es nicht – doch jeder möchte die Dinge fast geschenkt bekommen, Handarbeit wird leider nicht wertgeschätzt und somit schlecht bezahlt. Doch trotzdem macht es Spaß dabei zu sein. Meine Freundin verbucht die Aktion unter Werbung, hat sie doch schon einige Aufträge erhalten, die sie in ihrem reich bestückten Atelier die nächsten Wochen ausführen wird. Auch ich habe tatsächlich eine Strickarbeit in Auftrag bekommen, wofür ich mich sofort dahinterklemmen muss, deshalb ende ich nun.

Bis bald, Gruß Karin

In der Weihnachtsbäckerei

gibt es manche Leckerei! Das wissen nicht nur alle singenden Kinder von Rolf Zuckowski – nein, das wissen auch die deutschsprachigen Frauen in Amman. Und somit wollten wir uns in der Backkunst von Weihnachtsplätzchen etwas weiterbilden und buchten einen Backkurs in der Royal Academy Of Culinary Arts in Amman, der Königlichen Akademie für Kochkünste. Diese ist eine Tochtergesellschaft der Les Roches International School of Hotel Management, Schweiz.

1Daraufhin waren letzten Samstag 13 begeisterte Frauen und ein männlicher Anhang pünktlich um 9 Uhr angetreten, um mit Chefkoch Ahmad Sammour und 10 seiner Schüler Kipferl, englischen Weihnachtskuchen, Kokosnussmakronen, Lebkuchenausstecher, Stollen, Zimtsterne und Florentiner zu backen.

2Nachdem die hygienischen Standards erfüllt wurden, ging es ans Werk. Eigentlich mehr für den Chef und seine Helfer, wir standen mehr oder weniger an der Seite und lauschten, hinterfragten, diskutierten und fotografierten, bis wir dann reihum selbst einmal endlich Hand anlegen durften.

Kiloweise wurden Butter, Zucker, Eier, Mandeln, Nüsse und Rosinen verwendet. Je nach Rezept waren die zu verwendeten Zutaten bereits schon vorbereitet, somit gab der Chef diese dann nur in die riesigen Rührmaschinen und lies schlagen oder kneten.

Anschließend erfolgte eine Demonstrationsrunde durch ihn, dann konnte jede selbst mal ausstechen, kneten oder formen und den Rest machten dann die stillen Helferlein fertig, während die anderen schon wieder zum nächsten Arbeitstisch wanderten.

Detailliert wurde erklärt, einige Tricks und Kniffe bekamen wir mit, scheuten uns jedoch auch nicht, z. B. unsere Denkweise über eine andere Zutatengabe kundzutun. Jede gab ihren Senf dazu, es wurde manchmal wild gequasselt, so dass unser Chef hin und wieder mit durchgreifendem Befehlston die schnatternde Bande zur Ruhe bringen musste. Des Öfteren dachte ich mir im Stillen, was er sich da wohl antat! Aber bei so einer großen Frauenrunde muss ich das bestimmt nicht erklären, das kann sich jeder bestimmt bildlich vorstellen.

Nach 4 Stunden waren wir trotzdem ganz schön erledigt. Obwohl wir nun körperlich nicht viel taten. Das dreckige Geschirr wurde auf großen Transportwägen gesammelt und wie von Geisterhand von Zeit zu Zeit abgeholt. Alles wurde uns vorbereitet und hergerichtet und immer wieder hörte man die Kommentare wie „ich will auch so eine Ausrollmaschine“, „ich will auch so verschiedene Öfen“, „ich will auch nicht spülen müssen“, „so eine KitchenAid ist schon toll“ usw.

Zwischendurch kam immer mal wieder ein neugieriger deutschsprachiger Kollege des Chefs vorbei, leicht irritiert ob der „großen“ Anzahl von deutschsprachigen Frauen. Hat ihm niemand erklärt, dass allein unsere Gruppe Deutsche Frauen Amman inzwischen über 60 Interessierte zählt?

Pünktlich um 13 Uhr bekam jeder Teilnehmer einen Karton voll mit einer Auswahl der gebackenen Plätzchen, einem Stollen und einem Weihnachtskuchen mitsamt dem Rezeptheft.

Obwohl wir uns das nun alle hinsichtlich praktischen Einsatz etwas anders vorgestellt hatten, waren wir uns einig, dass es sehr lehrreich, lohnend und lustig war und vor allem eine Ehre, in einer so renommierten Schule einen Kurs belegen zu dürfen.

Viele von uns sind sich einig, die Kokosnussmakronen und vor allem die Florentiner sind einsame Spitze und auf jeden Fall nachahmungswürdig. Nachdem ich die letzten zwei Wochen mit einer schweren Gelenkgliederschmerzen-Grippe darniederlag wird es sowieso allmählich Zeit, dass ich anfange zu backen. Derzeit bin ich jedoch in einem Weihnachtsbasar involviert, dazu jedoch zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Bis dahin, Gruß Karin

Die Entschuldigungseinladung

Wollte euch nun von der Einladung seitens Yanboot letzten Freitag berichten. Da Joachim mal wieder auf Reisen war, verabredete ich mich mit zwei Bekannten, um gemeinsam dorthin zu fahren. Als ich am frühen Nachmittag wieder zu Hause war, musste ich mir erstmal meine Sportkleidung anziehen und eine Runde hier um den Block mit forschem Schritt marschieren. Ich hatte ein etwas Zuviel von den äußerst köstlichen Dingen, die dort geboten waren.

Im Schein der restlichen warmen Sonnenstrahlen saßen wir im Garten des italienischen Kulturzentrums im Herzen Ammans und nach und nach kamen noch einige „Ausflugsfrauen“ mit deren Männern oder Kindern und wir waren sehr froh, dass wir so früh dran waren, denn es gab doch erheblichen Platzmangel. Natürlich waren auch sonst noch viele Besucher des am Freitag stattfindenden Brunch mit kleinem Wochenmarkt anwesend. Alle äußerst entspannt und fröhlich und unsere Gastgeber waren merklich erleichtert ob der vielen Lobeshymnen unsererseits.

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Auberginenmus, Kichererbsenmus, eingelegte Oliven, gegrillter Käse, gefüllte Minipaprikas, verschiedene Linsensalate, gemischte grüne Salate, Dips, Pastetchen, Käseküchlein und und und. Ich hätte mich reinlegen können… Natürlich kennt man viele dieser Dinge nach 14 Jahren im arabischen Raum, aber alles war so anders abgeschmeckt als normalerweise.

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Im Anschluss haben am Marktstand auch viele eingekauft: Brot, Baguette, Ciabatta, Eier, Oliven, verschiedenes Gemüse, Zitronenlimonade, Olivenöl, frische Nudeln – da war so einiges im Angebot.

Nun möchte ich natürlich kommenden Freitag unbedingt nochmals die letzten Sonnenstrahlen in diesem Garten dort genießen ♥, hoffe nur Jogi macht mit. Dass alles so rein vegetarisch ist, das ist mit seinen Vorstellungen noch nicht ganz konform.

Schau ‚ n wir mal, bis dann, Gruß Karin

Der König der Bäume,

Symbol der blühenden Liebe und Treue, des Friedens, der Freude und Hoffnung, des Wohlstands, des Lebens und der Fruchtbarkeit. Zeichen der Kraft und Stärke, des Lichts, der Zuversicht und für das Ewige.

Diese und viele weitere Aussagen findet man über den Olivenbaum.

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Seit Jahrtausenden begleitet er die Menschheit und seit einigen Jahren leben ich nun im arabischen Raum und doch war ich noch nie bei der Olivenernte dabei. Das hat sich nun geändert!

Seit kurzem bin ich Mitglied in der AIWA, All International Women in Amman. Letzte Woche hat diese Gruppe einen Ausflug angeboten. Es ging zur Olivenernte nach Al-Alouk, nahe Zarqa, nördlich von Amman. Das Programm war vielversprechend: Erst wird man bei der Ernte dabei sein, im Anschluss in der Nähe einen alten Eichenwald besichtigen und danach gemütlich einen Lunch einnehmen. Außerdem bestehe die Möglichkeit zum Erwerb von Biowaren und zum Schluss wird man bei der Olivenölpressung dabei sein. Das hörte sich alles sehr spannend und interessant an und somit meldete ich mich an.

Dies alles wurde von der Bio-Farm Yanboot Link organisiert, die dort ihre Olivenbaumplantage mit ca. 500 Bäumen hat. Und diese wollten abgeerntet werden. Leider wurde die Tour, durch eine Verantwortliche der Farm, sehr schlecht vorbereitet. Bereits die Hinfahrt im Autokorso mit 5 PKWs, ließ die 20 angemeldeten Damen nur den Kopf schütteln, fand die junge Frau zur besagten Plantage nicht einmal auf Anhieb den Weg! Somit waren wir statt der veranschlagten 45 Minuten doch locker die doppelte Zeit auf der Straße. Etwas entnervt endlich am Ziel angelangt, konnten wir nach Tee- und Pinkelpause endlich losmarschieren. Ja wohin denn? Unsere besagte Reiseleiterin fand vor lauter Bäumen nicht die ihrigen! Nach kurzer Nachfrage standen wir dann also auf einem abgesteckten Platz, wo bereits zwei Arbeiter der Farm beim Ernten waren.

Nun dachte ich immer, die Früchte werden einzeln von Hand gepflückt – dem war nicht so! Am Boden um den Baum herum eine Plane ausgelegt, wird ein kurzstieliger Kunststoff-Rechen einfach durchs Geäst gezogen und somit hat man mit relativ wenig Aufwand ein großes Ergebnis. Versteht sich von selbst, dass wir 20 Damen nicht dazu da waren, die 500 Bäume abzuernten, dazu kamen unser Gequassel in allen möglichen Sprachen und das Fotografieren zu sehr ins Gehege. Aber immerhin – der Wille zählt!

Leider kam von unserer inzwischen peinlich dreinblickenden jungen Dame (denn das Getuschel und Kopfschütteln über den Ablauf bekam sie natürlich mit) so rein gar kein Kommentar zur Olive, alles musste erfragt und dann erst umständlich übersetzt und von den beiden Arbeitern erfragt werden.

Alles was wir somit erfuhren, war also nun, dass es grüne und schwarze Oliven gibt und sie sehr gesund seien. Na, wer hätte das gedacht!!! Doch die Ausführungen gingen weiter: Es gibt zwar verschiedene Sorten, jedoch sind die grünen lediglich unreif, die schwarzen voll ausgereift. Normalerweise erfolgt die Ernte nach den ersten heftigsten Regenschauern, damit der Dreck der letzten Monate abgewaschen wird und die Früchte noch saftiger werden. Da der Regen dieses Jahr jedoch drei Wochen später einsetzte als letztes Jahr, musste man aus Zeitgründen eher anfangen. Roh sind sie nicht genießbar, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Steckte mir natürlich eine schöne schwarze Olive in den Mund, biss einmal darauf, um sie sofort wieder auszuspucken und dieses bittere, pelzige, leicht scharfe, taube Gefühl in der Mundhöhle hielt einige Zeit an. Daher werden Oliven immer in Öl- oder Salzlake eingelegt, wobei jede Familie ihr eigenes geheimes Rezept hat. Das beste Qualitätssiegel für Öl sei es, die grünen und auch schwarzen Früchte kalt zu pressen. Auch das ist in der heutigen Zeit eigentlich allen bekannt! Frisch gepresst ist es total trüb, kann für manch einen auch etwas scharf im Geschmack erscheinen, man lässt es dann bis zum Gebrauch einfach länger reifen.

Nun sollte es weiter zum Eichenwald gehen. Stetig bergab wanderten wir, bis unsere Anführerin dann mitten durch aufgewühlte Erde trampeln wollte. Da manche unserer angemeldeten Damen mit Flip-Flops und Handtäschchen aufgekreuzt waren, wollten wir einen etwas bequemeren Weg gehen. Beim abermaligen Nachfragen bei einem der Arbeiter stellte sich dann jedoch heraus, dass wir genau entgegengesetzt, also stetig bergauf gehen mussten. Abermaliges Kopfschütteln! Ganz oben am Hügelkamm angekommen, erwartete uns eine feine Brise, klare Luft, eine herrliche weite 360 Grad Aussicht und Ruhe!

Von einem Eichenwald kann nun nicht unbedingt gesprochen werden. Auf einem riesigen Areal stehen viele kleinere Bäume, ein staatliches Projekt, welches natürlich mit großem Stolz gehegt wird, da es sehr selten ist, dass in dieser Region überhaupt solche Bäume wachsen.

Im Anschluss ging es wieder bergab zurück zum Gebäude. Es sollte Mittagessen geben. Yanboot verkauft auf mehreren Märkten seine frischen Biowaren und selbstgebackenes Brot. Auch bietet es freitags derzeit in einem Café einen Brunch an, frisch zubereitete Speisen aus den Produkten der Farm. Wir waren alle gespannt, was es wohl zu essen gebe würde. Da wurde aufgetischt: Wasser, Tee und Zitronenlimonade und einige Aluminiumbehältnisse in verschiedenen Größen, Portionspackungen für abgepacktes Essen. Für mich ein absolutes No-Go! Bio Erzeugnisse und dann diese Müllflut aus Plastikbechern, Plastikbesteck und Aluminiumbehälter! Einige der Damen fingen an zu essen, die Portionsgrößen und Auswahl der Speisen sehr spärlich – da war man von der Website und den Werbeprospekten anderes gewohnt. Irgendwann wurden dann Brotscheiben verteilt und wir schauten uns schon komisch an, bis dann der Aufschrei aus der Küche auch uns erreichte. Der Salat als Vorspeise und das Dessert für alle wären zwar da, jedoch das Hauptgericht nur für ein Drittel der Damen reichen würde. Sie hatte den Karton im Restaurant vergessen! Somit war die Katastrophe komplett, es flossen Tränen, sie war am Boden zerstört, als auch dann noch Teilnehmerinnen zu ihr kamen und ihr Geld zurückverlangten. Somit wurde aufgetischt, was immer die Küche und der Verkaufsstand hergab. Eingelegte Oliven und gefüllte Auberginen, Brot zum Dippen in Olivenöl mit Zatar, einer Kräutermischung. Auch wäre der Ehemann schon unterwegs, um das restliche Essen nachzuliefern.

Bis wir dann alles soweit verspeist hatten, was der Tisch so hergab, mussten die ersten bereits aufbrechen, in diesem Moment kam der Ehemann mit dem restlichen Essen. Die Packungen wurden dann nur verteilt und wir machten uns auf zur Ölmühle, angeleitet durch den Ehemann, dem Chef von der Farm. Ich denke, wir hatten uns alle etwas anderes, uriges, originelleres vorgestellt, als das, was uns erwartete.

Es handelt sich um eine konventionelle elektrisch betriebene Ölmühle für die Bauern in der Umgebung. Dutzende Männer hielten sich essend, rauchend, schwatzend, schlafend und starrend, ob der Meute von exotischen Frauen, vor und in dem Gebäude auf. Auf dem Vorplatz hatte jeder Bauer sein Häufchen mit kleinen oder größeren Säcken voller Oliven zur weiteren Bearbeitung parat.

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Innen ein ohrenbetäubender Lärm und Dieselgestank, allerdings wurde uns sehr freundlich alles gezeigt und extra darauf hingewiesen, ein Foto von einem besonderen Detail zu machen. Die hatten ihren Spaß an uns! Übrigens dauert es eine Stunde von der Waschmaschine, über die Pressung bis zum fertigen Abfüllen.

Besonders zu erwähnen wäre noch, dass Yanboot hier nicht presst. Sie stellen ausschließlich kaltgepresstes Öl in Bioqualität her, welches bei Madaba in einer speziellen Mühle gepresst wird. Dort dürfen die Oliven z. B. auch nicht in Säcken angeliefert werden.

Anschließend fuhren wir auf direktem Weg wieder zurück nach Amman und am nächsten Tag erreichte mich die Nachricht, dass die gesamte Gruppe am morgigen Freitag zum kostenlosen Brunch eingeladen wird, alternativ gibt es Olivenöl. Der Chef der Farm war selbst erstaunt über den Ablauf und die Menge des Essens, welches jedoch hervorragend geschmeckt hat. Auch sonst war es ein schöner Tag, andere Frauen verschiedenster Nationalität zu treffen und trotz der ganzen Pannen – oder gerade deshalb? – konnten wir viel lachen.

Doch nun bin ich erst einmal auf morgen gespannt!

Bis dahin, Gruß Karin

Das erste Mal…

…ein Fußballspiel in einem Stadion miterleben! Wenn mir jemand vorausgesagt hätte, dass ich das ausgerechnet einmal in Jordanien mitmachen würde, nie im Leben hätte ich das geglaubt! Mit diesem Breitensport habe ich eigentlich überhaupt nichts am Hut, ganz im Gegenteil. Nur zu den Weltmeisterschaftsspielen der Männer und bei Beteiligung der deutschen Mannschaft, leiste ich Jogi vor der Flimmerkiste Gesellschaft, ansonsten nehme ich eher Reißaus, wenn so viele Beine einem Ball hinterherjagen.

Seit knapp zwei Wochen bin ich wieder zurück aus Deutschland. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 3. Oktober waren wir von der derzeitigen Botschafterin zum Empfang geladen. Einige der anwesenden weiblichen Gäste kannte ich aus der deutschsprachigen Frauengruppe und zusammen mit deren Ehegatten plauderten wir in gewohnt ungezwungener Weise miteinander. Da in Jordanien derzeit die FIFA U-17 Frauen Weltmeisterschaft stattfindet, war unter der illustren Gästeschar auch das deutsche Team. Da durfte ein Gruppenfoto nicht fehlen!

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Da diese Mädels am darauffolgenden Abend in Amman im Internationalen Stadion, auf dem Gelände der Al-Hussein Youth City, gegen Canada spielen sollten, hatten Jogi und ich uns spontan dazu entschlossen, dem deutschen Fanblock unsere Unterstützung zuteilwerden zu lassen.

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Nun saß ich also in einem Stadion, welches über 13.000 Sitzplätze verfügt, in den 60er Jahren erbaut und für die Spiele im Vorfeld umfassend renoviert wurde, um den neuesten internationalen Anforderungen zu entsprechen.

Viele viele Plätze waren leer, doch ein ganzer Block arabischer junger Männer brachte durch seinen Animateur und deren La-Ola-Wellen ordentlich Stimmung!

Auch die vielen Fans, die für die beiden Mannschaften fieberten, die Gesänge, das Klatschen, die Vuvuzelas, Fähnchen, Flaggen und sonstige Kostümierungen brachten so richtig Stimmung in die Arena.

Fast zeitgleich mit dem Pfiff zur Halbzeit setzten dann die schwarz-rot-goldenen Mädchen dann auch den Ausgleich zum 1:1. War das spannend!

Während der Pause marschierte dann auch Aseela, das offizielle Maskottchen dieser Spiele, durch das Stadion. Es symbolisiert eine arabische Oryx und ist eine der wichtigsten Botschafter der größten Sportveranstaltung, die je auf jordanischem Boden stattfand.

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Das Spiel blieb auch in der 2. Halbzeit ein Nervenkitzel. Unsere Kickerinnen hatten eindeutig die besseren Chancen, das sah selbst ich als die totale Unwissende. Auch wenn diese Chancen ungenutzt blieben und die Partie 1:1 endete, dieses Erlebnis hatte sich gelohnt!

Schau ‚ n wir mal, wann dieses wiederholt wird, bis dahin

Gruß Karin

Schulmuseum

Ein weiterer Punkt meiner Unternehmungen diesen Sommer war der Besuch des Schulmuseums in Schwäbisch Gmünd. Zusammen mit meiner Freundin Christiane bin ich durch die Ausstellung gewandert und obwohl sie etwas jünger ist als ich, konnten wir gemeinsam Erinnerungen an die vergangene Schulzeit auffrischen.

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Themen wie Entwicklung der Schrift, Mädchenbildung, historisches Klassenzimmer und Schulbildung, Ranzen und Zeugnisse werden eindrucksvoll Dank vielen originellen und originalen Details erklärt.

Anhand Schaumaterial werden die Wurzeln unserer Schrift beginnend von Felszeichnungen, Keilschrift, Hieroglyphen bis zu der Deutschen Schrift über Sütterlin, Lateinischer Ausgangschrift die ich noch erlernte, bis zur vereinfachten Ausgangsschrift, die unser Sohnemann dann schon lernte, gezeigt.

Im nächsten Raum hätte dann wohl die Generation unserer Mütter lächelnd und kopfnickend die vielen kleinen Gegenstände, Schriften und Ausstellungsstücke betrachtet. Meiner Freundin und mir stand wohl eher der Protest im Gesicht obgleich solcher Ausdrücke:

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Das sagt mehr aus als tausend Fotos! Davon welche zu machen, dazu hatte ich schon gar keine Lust mehr, stand ich doch wie gebannt vor den Wänden und bestaunte, belächelte und betrachtete ich teils kopfschüttelnd – teils empört – die vielen Exponate zu diesem Thema.

Hauswirtschaft und Handarbeit waren die Lerninhalte für Mädchen! Fremdsprachen, Algebra und Musik lehrten vor 100 Jahren in Schwäbisch Gmünd nur die Höheren Töchterschulen!

Weiter ging es zum nächsten Raum mit der Aufschrift:

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Gezeigt wird ein historisches Klassenzimmer, eingerichtet wie um 1930 mit Griffelkasten, Schiefertafeln und Putzschwämmen und vielen weiteren Dingen in Schaukästen, die einen innehalten lassen.

Nachdenklichkeit erfüllt mich, wenn ich die vielen uralten Fotographien von Anfang des 20. Jahrhunderts und zu Kriegszeiten von Schulkindern betrachte. Deren Gesichter erfroren und verhärmt, ausgemergelt und abgemagert, unglücklich und freudlos in die Kamera stieren. Die bereits das Glück hatten zur Schule gehen zu dürfen und trotzdem vor und nach dem Unterricht nur harte Entbehrungen und Arbeit erwartete, um dem kargen Leben entgegentreten zu können.

Dann wieder wohlgenährte, grinsende und lachende Kinder so wie wir sie heute auch kennen. Eine unbeschwerte Kindheit! Und auch diese dürfen leider viele Kinder dieser Welt gerade heutzutage wieder nicht erleben. Da greift der Satz erneut: Schule im Wandel!

Hier noch einige Aufzeichnungen aus einem Schulheft vom 24.04.1956, wozu ich sagen muss, dass auch 60 Jahre später immer noch einiges zutrifft:

10 Gebote für Kinder!

  1. Spiele nicht auf der Straße!
  2. Stehe nicht an Straßenecken herum und versperre den Weg!
  3. Der Schupo hilft dir beim Überqueren der Straße.
  4. Gehe schnurstracks auf dem Zebrastreifen hinüber!
  5. Habt es nicht zu eilig!
  6. Springe nicht auf die Fahrbahn!
  7. Fahrzeuge sind nicht zum Spielen da!
  8. Renne nicht hinter Fahrzeugen her und hängt euch nicht an!
  9. Helfe Alten und Kranken beim Überqueren!
  10. Schau beim Überqueren der Straße erst nach links, dann nach rechts!

Die große Zeugnisausstellung lässt einen immer wieder erstaunen ob der z. T. harschen Kommentare.

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Zum Schluss noch eine Ansammlung von Ranzen. Wir konnten unseren aus der Grundschulzeit entdecken, wenn auch in einer anderen Farbe. Und ihr?

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Dann wird es Zeit, dass ihr euch aufmacht ins Schulmuseum im Klösterle in Schwäbisch Gmünd, bis dahin,

Gruß Karin

Die Türme von Gmünd

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Den Sommer über habe ich nun endlich mein Projekt vom letzten Jahr beendet. Ich wollte noch alle vorhandenen 6 Türme der Stadt Schwäbisch Gmünd entlang der ehemaligen Stadtmauer besichtigen, sofern möglich, auch begehen. Außerdem durfte der Johannisturm der gleichnamigen Kirche nicht fehlen. Glücklicherweise stimmten die Öffnungszeiten und meine Urlaubspläne überein, sodass ich mein Vorhaben verwirklichen konnte.

Den Anfang bildete der Fünfknopfturm, im Schwäbischen kurz Knöpflesturm genannt. Für mich das Schmuckkästchen der Stadt. Sein Grundriss weist eine fünfeckige Form auf. Allein sein Äußeres, vor allem beleuchtet bei Dunkelheit, ist ein echter Hingucker. Um 1420 erbaut, diente er an der westlichen Stadtmauer als Wehrturm, auch als Wachturm für Brandwächter. Ab 1918 bis 2003 diente er als Wohnturm, heute nur noch als Aussichtsturm für Besuchergruppen. Seine Gesamthöhe liegt bei 27 Metern und somit hat man durch die Fenster der kleinen Wohnung einen schönen ruhigen Rundumausblick auf die Stadt. Doch keiner möchte heute mehr auf die Wohnqualität von Bad und Heizung verzichten, auch den beschwerlichen Aufstieg möchte man im täglichen Leben nicht meistern.

Als nächstes kam der Faulturm in der Honiggasse dran. Diesen Turm hatte ich in der Vergangenheit nie bemerkt, er liegt direkt an der äußeren nördlichen Stadtmauer, etwas nach hinten versetzt und ich habe ihn nur durch eine Hinweistafel entdeckt. Leider war der Turm verschlossen, er wird seit 1952 von den Sankt-Georgs-Pfandfindern genutzt. Ursprünglich um 1350 gebaut, brannte er 1969 aus. Seine Höhe beträgt 20 Meter. Mehr ist leider nicht bekannt.

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Weiter zu einem zusätzlichen Schätzchen, dem Königsturm:

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An der ehemaligen äußeren südlichen Stadtmauer gelegen, mit knapp 40 Metern Höhe, ragt dieser begehbare Turm aus dem Jahr 1350 als markantes Zeichen in den Himmel. Er diente wegen seiner Lage als Hochwacht im Mauerring. Einen Raum im Untergeschoss nutzte man vom Anfang des 17. Jhd. bis 1810 als Verlies. Vor allem zu Zeiten der Hexenverfolgung im 17. Jhd. wurden dutzende Frauen gefoltert und hier eingekerkert.

140 Stufen führen nach oben, an den Wänden befinden sich Malereien von wechselnden Künstlern. Hin und wieder erhellt ein Sprüchlein das angestrengte Antlitz:

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Und dann ist man oben, rundum liegt einem die Stadt wahrlich zu Füßen, man sieht das Münster, den Fünfknopfturm, den Glockenturm, die Johanniskirche mit Turm, den Faulturm, den Schmiedturm, den Wasserturm und den Rinderbacher Turm.

Das Verlies im Untergeschoss war nur durch eine Luke im Boden zu erreichen, erst später wurde von außen eine Tür errichtet. Eine eingeritzte Jahreszahl ist Zeitzeuge.

Frohen Mutes ging meine Entdeckungsreise weiter zur Johanniskirche. Den Innenraum der Kirche aus dem 13. Jhd. besichtigte ich zwar, doch mein eigentliches Ziel war ja der Turm, der an diesem Sonntag nur noch eine Stunde geöffnet haben sollte.

Also ging ich los. Nach der Entrichtung der Besichtigungsgebühr ging es über 5 Ebenen und ca. 165 Stufen hinauf in den Turm, der eine Gesamthöhe von ca. 45 Metern hat.

Abermals auch hier schöne Rundumperspektiven auf den direkten Marktplatzbereich.

Völlig beseelt vom Höhenrausch entschloss ich mich dazu, weiter zu marschieren. Es ging zum Rinderbacher-, Wasser- und Schmiedturm, die alle an der östlichen äußeren Stadtmauer stehen.

Der Rinderbacher Turm, vor 1350, mit einer Höhe von ca. 35 Metern ist nicht begehbar.

In nördlicher Blickweite steht der Wasserturm aus dem Jahr 1350 mit einer Höhe von ca. 26 Metern. Auch dieser Turm ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Durch eine Bogenöffnung unter dem Turm floss der Höferlesbach in die Stadt hinein.

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Abermals in Sichtweite steht der Schmiedturm. Auch dieser Turm ist von ca. 1350 und misst 32 Meter Höhe. Ebenfalls nicht zugänglich, leider.

Oberes Turmgeschoss mit der ehemaligen Türmerwohnung wurde wohl 1498 aufgesetzt.

Zum Schluss nun noch der Glockenturm direkt gegenüber dem Münster. Er diente ursprünglich als romanisches Steinwohnhaus eines begüterten Gmünder Bürgers in der Stauferzeit und wurde wohl 1227/28 erbaut. Der ca. 35 Meter hohe Turmbau ist vollständig unterkellert. 1497 stürzten jedoch die beiden Türme des romanischen Münsters ein und demzufolge wurde der Glockenturm in seiner jetzigen Form ausgebaut. Alle vier Glocken, die Liebfrauenglocke, ältere und jüngere Evangelistenglocke sowie Marienglocke stammen noch aus den eingestürzten Münstertürmen.

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2015-07-04 Türmer4 Blick auf Glockenturm

Ums Gmünder Münster rum mit Blick auf den Glockenturm

Das war es – mein langersehntes Projekt. Noch viele weitere werden folgen.

Bis dahin, Gruß Karin

So was verhextes!

Diese Woche fuhr ich mit einer 5-jährigen Familienangehörigen nach Heidenheim ins Naturtheater. Jahrelang ist dieser Ort für mich direkt in Vergessenheit geraten, bis ich im Frühjahr zufällig durch eine Onlineanzeige wieder darauf stieß. Dabei bin ich mit unserem Sohnemann vor mehr als 15 Jahren mit großer Freude zu Aufführungen von Räuber Hotzenplotz und Pippi Langstrumpf gefahren.

Ausgestattet mit Wolldecke, Kissen, Kindersitzerhöhung vom Auto, Getränken, Snacks und allem möglichen, was die lieben Kleinen und auch Großen während der Aufführung wohl gebrauchen könnten oder an kühlen Tagen und während der Abendvorstellung Linderung gegen das Frösteln bringen könnte. Dabei sind auf dem Areal im Laufe der Jahre Imbiss-, Getränke-, Eis- und Andenkenladen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Kaum einer, der nicht auf Drängen des kleinen Nimmersatts zu der einen oder anderen Bude geschickt wird, um ein paar Euros gegen Süßes oder Saures, dem passenden T-Shirt oder Müslischale je nach Aufführungsthema, einzutauschen. Doch trotzdem leuchten die Kinderaugen in der heutigen Konsumwelt noch um einiges größer, wenn Mama, Papa, Oma oder Opa irgendwann in der mitgebrachten Tasche nesteln und verheißungsvolle Tupperware hervorzaubern. In der Erwartung der Leckerei sind die Augen dann plötzlich nicht mehr auf der Bühne, sondern verfolgen gespannt, bis der Deckel der Dose endlich offen ist und die kleinen Grabsch Händchen gierig nach dem Inhalt verlangen. So wird dann 45 Minuten lang kauend und trinkend konzentriert der Handlung gefolgt, dann kommt die 20-minütige Pause in der dann abermalige Kaufwünsche geäußert werden bis dann zur 2. Hälfte des Schauspiels aufgerufen wird. Wer hat diese Esserei neben Film und Fernsehen eigentlich erfunden? Selbst wenn man sich vehement dagegen wehrt, man könnte schwach werden! Frischzubereitetes Popcorn, lecker gebräunte Pommes mit Ketchup und wisst ihr überhaupt, wie so ein krosses frisches Hotdog Brötchen mit Senf verführerisch riechen kann? Wir blieben jedenfalls bei den mitgebrachten Gummibärchen in Tupper und gönnten uns dann auf der Heimfahrt in Heubach unterm Rosenstein eine Eistüte.

Hier nun noch einige Hintergrundinfos zum Naturtheater Heidenheim, Quelle: Website der Stadt Heidenheim/Brenz:

Gespielt wird unter freiem Himmel in zauberhafter Waldkulisse – bei jedem Wetter. Das Publikum sitzt allerdings unter einem schützenden Dach. Die Schauspieler des Naturtheaters agieren hochprofessionell. In großartigen Inszenierungen demonstrieren sie von Juni bis August ihr Können – mit Leib und Seele, mit Herz und Verstand. Jedes Jahr wird für die Freilichtbühne ein Stück für Erwachsene und ein Stück für Kinder einstudiert. Die Resonanz: überwältigend. Die Pressestimmen: voll des Lobes.

Die Geschichte des Naturtheaters reicht zurück bis ans Ende des Ersten Weltkrieges. Der Heidenheimer Gärtnermeister und Unteroffizier Gustav Müller berichtete, dass ihm die Idee, einen Theaterverein zu gründen, unter schwerem Beschuss im Schützengraben gekommen sei. Dort habe er sich geschworen: „Wenn ich hier rauskomme, will ich mein Leben einsetzen für etwas, was die Menschen verbindet: die Kunst.“ Gustav Müller überlebte den Krieg und setzte sein Vorhaben in die Tat um. 1919 gründete er die „Volkskunstvereinigung Heidenheim“. 1924 erfolgte die Einweihung der Naturbühne mit dem Stück „Wilhelm Tell“. Seither ist hier, mit Ausnahme der Zeit des Zweiten Weltkriegs, in jedem Jahr Theater gespielt worden. Die Vielfalt der Inszenierungen ist kaum zu übertreffen. Ausverkaufte Vorstellungen jährlich, zeugen von der Klasse der Darsteller und der Theaterbegeisterung des Publikums aus nah und fern.

Um nun endlich zum eigentlichen Thema zu kommen, dieses Jahr wurde Die kleine Hexe nach Otfried Preußler, gezeigt. Sehr schöne, gelungene Vorstellung mit nicht enden wollendem Applaus. Die 1100 überdachten Sitzplätze waren nahezu ausverkauft und die Pyrotechnik brachte auch mich das eine oder andere Mal zum Zusammenzucken.

Der kleinen Dame neben mir hat’s gefallen und sie war sich sicher: „Da möcht‘ ich nächstes Jahr wieder hin, aber zu einer anderen Geschichte!“

Schau ’n wir mal, bis dann, Gruß von uns zweien, hex hex…

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Ich, Judas…

so lautete die Ankündigung im Rahmen des Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd. Ben Becker, bekannt aus Film und Fernsehen, und Andreas Sieling, Orgelprofessor und Domorganist in Berlin, gaben im Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd eine Theaterperformance der besonderen Art. Nicht nur meine Schwester und ich lauschten in der vollbesetzten Kirche den Orgelklängen und den stimmgewaltigen, durch Mimik und Gesten unterstrichenen Ausführungen des Künstlers.

Quelle Gmünder Tagespost

Ich, Judas – ein Verräter, ein Teufel, ein Abgrund des Bösen, ein Gesandter der Hölle, der Jesus ans Kreuz geliefert hat? Oder dessen Bruder und liebster Freund, treu bis in den Tod. Der das bittere Los auf sich nahm, dem Plan Gottes zur Geltung zu verhelfen?

Eine andere Sicht- und Denkweise hat das Publikum zum Grübeln und Nachdenken gebracht. Stille, in der man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Wäre da nicht ein klingelndes Handy gewesen, das zum Entsetzen aller die Aufführung störte und den Redefluss Ben Beckers unterbrach. Der dann seiner Verärgerung Luft machte und ein kurzes Lehrstück zum Thema Handy gab: „Handys haben im Theater und in der Kirche nichts, aber auch gar nichts verloren! Warum? Aus Respekt!“ Ein rauschender Beifall bekräftigte ihn in seiner Meinung und ich dachte in diesem Moment an den armen Judas da vorne in der Kirchenbank, dem ein solches Missgeschick wohl nie wieder passieren würde.

Quelle Remszeitung

90 Minuten ohne Unterbrechung, das völlige in sich aufgehen und Einssein mit der Rolle, die totale Erschöpfung sah und hörte man ihm am Schluss auch an. So habe ich mir diesen Abend auch vorgestellt, denn die DVD von Ben Becker, Die Bibel – eine gesprochene Symphonie, zieht mich jedes Mal erneut in ihren Bann.

Der nicht enden wollende Applaus für Ben Becker und Andreas Sieling zeigte die Begeisterung des Publikums und wir dürfen gespannt sein, was er sich als Nächstes einfallen lässt.

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Bis dahin, Gruß Karin

Witzige Gestalten

Gestern haben Jogi und ich einen sehr schönen Ausflug gemacht, welcher verschiedene Spektren der Freizeitgestaltung beinhaltete. Wandern, Natur, Ruhe, Kunst und Kulinarik – das dürfte doch eigentlich viele Menschen ansprechen, oder? Wir fuhren nach Weinstadt-Strümpfelbach, um durch den Skulpturenpfad zu wandern. Skulpturenpfad

Bereits am Parkplatz Kirschblütenweg stand die erste Skulptur und als wir der Hauptstraße folgten und die nächste Figur sahen, stand außer Frage, wohin der Weg wohl führt.

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Wegweiser

Dutzende Werke aus Bronze und Stein, oftmals lebensgroß, reihen sich am Wegesrand entlang, vom Ortskern durch eine Wohnsiedlung, bis hinauf durch die Weinberge. Arbeiten aus drei Generationen, von Professor Fritz Nuss, dessen Sohn Karl-Ulrich Nuss, sowie von Christoph Traub, dem Enkel des Professors.

Wer kann schon auf diese Dame mit dem Titel „Bein hoch“ an seinem Grundstücksgartentor verzichten?

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Und wie wäre es mit diesen Paaren im Vorgarten?

Ich konnte mich an den kuriosen Figuren gar nicht satt sehen, zu witzig sahen mache aus!

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Flugübungen?

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Bacchus ist sichtbar und somit sind wir in den Weinbergen

Bei schönstem Sommerwetter ging es schweißtreibend und nach Luft schnappend immer weiter bergauf. An den Skulpturen waren prägnante Körperteile direkt blank gewienert, zu oft wurden diese wohl von den Spaziergängern gestreichelt.

Herrliche Blicke über die Berge bis ins Tal und die weiteren Ortschaften luden zum Verschnaufen ein. Auch eine gemütliche Vesperecke wurde geschaffen.

Kopulierende Gestalten der griechischen Mythologie sind ebenso vertreten.

Ganz oben am Berg fanden wir eine gemütliche Grillstelle. Bänke, Tische, Grill und sogar Feuerholz warteten auf Benutzung. Eine super Idee nach dem anstrengenden Aufstieg! Leider hatten wir nur Mineralwasser im Rucksack.

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Auf dem Rückweg bergab sahen wir diesen großen Findling, der Vogelstein, der bei der Rebflurreform im Jahr 1969 zufällig fast genau in die Mitte der Region Stuttgart gesetzt wurde. Daneben sitzt der Horchende, dem wohl ein Schelm Wangenrouge, Lippenstift und Nagellack verpasst hat!

Am Fuße eines Weinberges warteten dann noch Ziegenbock und Schaf auf uns,

bevor wir dann wieder zum Auto liefen und ins Gasthaus Zum Gretle fuhren, wo wir uns im Biergarten an schwäbischem Rostbraten mit Spätzle und Salat sowie saure Nierchen mit Bratkartoffeln und Salat stärkten, bevor wir uns auf den Nachhauseweg machten.

Ach ja, oben am Grillplatz stand noch dieses Kästchen, was sich darin befindet, das kann dann jeder selbst sehen, wenn er sich aufmacht in den Wengert..

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bis demnächst am Grillplatz,

Gruß Karin

Schwörtage

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Am vergangenen Wochenende fanden in Schwäbisch Gmünd zum ersten Mal seit 1802 die Schwörtage statt. Pünktlich um 10 Uhr fand unter der Regie von Pat Müller das Nachspiel des Schwurs vom damaligen Stadtschreiber und dem Bürgermeister statt.

Das Volk wurde im Anschluss zu Speis und Trank und Tanz geladen.

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Auch der derzeitige Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold, hielt vom Rathausbalkon die neue Schwörrede.

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Im Anschluss folgten die Schwörspiele, die aus den 11 Stadtteil- nebst Kernstadtteam, bestritten wurden und bis in den Abend dauerten.

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Die „Großkopfete“, die Ortsvorsteher, der 12 Stadtbezirke geben sich ein Wettrennen

Begleitet von der Musikkapelle Herlikofen nebst Fanfaren und Moderation durch Pat Müller.

Außerdem wurde in der gesamten Innenstadt ein Mittelaltermarkt aus 213 Ständen nebst weiteren Attraktionen dargeboten.

Jogi und ich waren nur am Samstag dort, am Sonntag fand noch der große Stauferumzug mit allen Beteiligten der Staufersaga statt. Dies sahen wir jedoch schon 2012 und verbrachten diesen heißen Sommertag lieber zu Hause.

Hier noch ein Tribünenbild vom Samstag, vielleicht findet ihr uns?

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Bis zum nächsten Mal, Gruß Karin

Historisches Schauspiel

Bereits seit zwei Wochen befinde ich mich zur Sommerfrische in Deutschland und gleich zu Beginn habe ich am 26.06.16 in Schwäbisch Gmünd die Freilichtaufführung der Staufersaga besucht. Bereits 2012 fand die Uraufführung anlässlich des 850-jährigen Stadtjubiläums statt, wovon Jogi und ich total begeistert waren. Aufgrund des riesigen Erfolges fand dieses Jahr eine Wiederholung statt, die ich mir auf keinen Fall entgehen ließ. Insgesamt fanden dieses Jahr nun 10 Aufführungen statt, woran sich 23.000 Besucher erfreuen konnten.

Die Saga handelt von der zweihundertjährigen Geschichte des Hauses Staufen, der Hochblüte des Mittelalters. Dessen Fürsten haben die Geschichte des Herzogtums Schwaben und des Heiligen Römischen Reiches bestimmt und Schwäbisch Gmünd fungierte damals als Zentrum des Stauferlandes.

Erzählt wird die glanzvolle Dynastie um Graf Friedrich v. Büren und seiner Gattin Hildegard von Schlettstadt, deren Sohn Herzog Friedrich v. Schwaben und Agnes von Waiblingen, deren Söhne König Konrad III. mit Gertrud von Sulzbach und Herzog Friedrich dem Einäugigen mit Judith von Bayern, Konrads Neffe Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Beatrix von Burgund, deren Söhne Kaiser Heinrich VI. und Konstanze von Sizilien und König Philipp v. Schwaben mit Irene Maria von Byzanz, Heinrichs Sohn Kaiser Friedrich II. und Isabella von England und König Konrad IV. mit Elisabeth von Bayern und deren Sohn Herzog Konradin. (Quelle: Klappentext der DVD zur Sage)

Eine engagierte Bürgerschaft von 2000 Menschen inszenierte dieses monumentale historische Schauspiel in der Stauferarena auf dem Johannisplatz in Schwäbisch Gmünd. Über 1000 individuell gestaltete Gewänder, Waffen, Nachbildungen von Reichsapfel-, -krone und -schwert sowie dem Krönungsmantel wurden in akribischer Kleinstarbeit nachgearbeitet. Gigantische Kulissen um die Johanniskirche wurden erstellt, Maskenbildner, Bühnen- und Lichttechnik, Musikgruppen sowie nicht zu vergessen Choreographie und Regie sowie Inszenierung und Gesamtkoordination leisteten neben all den anderen Helfern vor und hinter den Kulissen eine bewundernswerte Arbeit. Besonders erwähnen möchte ich hierbei Pat Müller, der als Zeitreisender allein durch seine Stimme, seiner Gestik, seinem Witz, seinem Elan und natürlich seinem Kostüm die Zuschauer gekonnt durch die Jahrhunderte geleitete.

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Der junge Konradin im Kerker

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Abt Bernhard von Clairvaux ruft zu den Waffen

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Der intrigante Papst

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Schlussbild

Auch wenn uns ein kurzer Regenschauer zwischendurch etwas ärgerte und es gegen Mitternacht doch schon recht kühl war, warm angezogen und verpackt mit Jacken, Regenschutz, Sitzkissen und Wolldecke hatten wir Zuschauer immer noch unseren Spaß dabei.

K regen

In vier Jahren wäre die nächste Aufführung geplant, ich bin auf jeden Fall wieder dabei.

Ihr auch?

Bis dann, Gruß Karin

Ein Zuhause für Kunst und Künstler

aus der arabischen Welt. So bezeichnet sich Darat al Funun – The Khalid Shoman Foundation. Ein stimmungsvolles Kunstzentrum in Amman, welches von einem Jordanier, einem Palästinenser, einem Syrer und einem Libanesen erschaffen wurde. Was im Jahre 1988 begann und nun aus 6 restaurierten historischen Gebäuden und einer archäologischen Ausgrabungsstelle besteht. Es bietet Platz für Ausstellungen, Gesprächs- und Diskussionsrunden, Lesungen, Filmvorführungen, Workshops und Konzerten. Auch ein Café, welches während dem Ramadan nun leider geschlossen war, und eine öffentliche Bibliothek für die Recherchen der Kunstliebhaber findet man hier.   mehr Info

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Beim Entdecken durch das am Hang angelegte terrassenartige Areal strömt der Duft von den unterschiedlichsten Obst- und Nadelbäumen und Blumenrabatten in die Nase. Mitten in der Stadt die totale Oase des Friedens und der Ruhe.

Die Ruinen einer byzantinischen Kirche aus dem 6. Jh. wurden 1992 restauriert und rekonstruiert. Heute finden hier Open-Air-Veranstaltungen statt.

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Auch eine Höhle mit Grabkammern wurde gefunden

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Die ersten Häuser wurden um 1920 erbaut und gehörten renommierten Familien der Stadt, auch Mitglieder der Königsfamilie lebten einst dort. Die wunderschönen Steinfliesen in den unterschiedlichsten Mustern und Farben und auch die alten Türen und Fenster sind Zeitzeugen dieser Ära.

Der verträumt angelegte Garten vor dem Café mit dem Springbrunnen in der Mitte – gerne hätten wir uns für eine Erfrischung niedergelassen.

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Unter dem Dach des Hauptgebäudes fand die Bibliothek ihren Platz.

Allzu viel Kunst war nicht ausgestellt. Einige Werke mit politisch-religiösem Hintergrund und die Bilder eines privaten Sammlers konnten besichtigt werden.

Doch diese Installation von Schaukeln mit dem Titel „We“ der syrischen Künstlerin Buthayna Ali war wirklich sehenswert.

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Im Dunkeln gelegen, nur durch Spots erhellt, steht auf jeder Schaukel die Antwort für die Frage: Was bedeutet Leben? So z. B. Hoffnung, Schlaf, Frieden, Essen usw.

Als die Künstlerin dieses Projekt plante, befragte sie die verschiedensten Menschen und schrieb deren Antwort, welche jeweils nur aus einem Wort bestehen durfte, auf die Schaukeln. Der Sand am Boden soll an ihre unbeschwerte Kindheit erinnern, als sie im Garten spielte und in unbekümmerter Freiheit schaukeln konnte.

Ihr Fazit dazu: Wir befinden uns immer zwischen den Seilen und müssen die Balance halten, um nicht runterzufallen. Dies lässt sich auf alle Lebenslagen übertragen.

Ursprünglich wurde das Projekt 2006 mit 350 Schaukeln gearbeitet. Dies muss gigantisch ausgesehen haben.

Durch Lautsprecher wurde in die Stille hinein etwas auf Arabisch gesprochen.  Leider war niemand da, der es uns übersetzen konnte, vielleicht war es das Gedicht, welches zu dem Kunstwerk gehört, vielleicht wurde auch nur die Frage mit den verschiedensten Antworten gesprochen.

Everyone chooses his own swing
We all swing like children
Yet someone else is pulling the strings
The greatest push is yet to come

Politics, Economy, Religion, Love,
War versus peace
Love versus hate

We are here and there, we are alive.
We are Humans.

text by Buthayna Ali

Eventuell komme ich im Herbst einmal wieder, wenn die leeren Wände der Ausstellungsräume gefüllt sind. Trotzdem war es ein schöner Ausflug mit meiner Bekannten, die Ende Juli leider das Land verlässt. Zum Abschluss waren wir noch im legendären Books@Café, unweit der bekannten Rainbow Street, wo wir auch während dem Fastenmonat mitten am Tag verköstigt wurden. Ein schöner Abschluss für einen schönen Tag, bis zum nächsten Mal

Gruß Karin


We all swing like children

 

Yet someone else is pulling the strings
The greatest push is yet to come,
Politics, Economy, Religion, Love,
War versus peace
Love versus hate
We are here and there, we are alive.
We are Humans.

„We“ (2006)

Die Höhle der Siebenschläfer

Letztes Wochenende fuhren wir in südöstlicher Richtung nach Abu Alanda, um uns die Pilgerstätte Cave of the seven sleepers anzuschauen. Mitten im Industriegebiet steht auf einer Anhöhe eine moderne Moschee mit einem Schulungszentrum für Imame und daneben kann das zu der Legende gehörende Areal besichtigt werden.

Es waren viele Besucher unterschiedlicher Nationalität da, jedoch musste ich als einzige Nichtmuslima meinen Kopf und die nackten Unterarme bedecken und bekam somit einen Kapuzenmantel verpasst. Bitte hierzu keinerlei Kommentare, musste mir schon einiges anhören. Wie ich mich bei über 35 Grad darin gefühlt habe, kann sich wohl jeder denken.

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Die Legende wird erstmals im 6. Jahrhundert schriftlich ins Lateinische dokumentiert. Es gibt christliche, syrische und griechische Varianten, auch der Islam erzählt eine Version der Legende. Und genauso oft stellen die einzelnen Länder für sich den Anspruch, die Ruhestätte der Siebenschläfer zu haben.

Unter Kaiser Decius (249-251) versteckten sich sechs junge Christen und ein Hund vor der Christenverfolgung in einer Berghöhle und verfielen in einen 200-jährigen Schlaf. Nachdem das Christentum zur Staatsreligion aufgerückt war, erwachten die Schlafenden, bezeugten die Auferstehung der Toten und verstarben kurz danach friedlich.

Über der Höhle wurde eine Kirche errichtet, die später in eine Moschee umgebaut wurde.

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Der Eingang zur Höhle. Links und rechts flankiert von Halbsäulen und Bogennische

Im Innern sind Sarkophage aus dem Felsen gehauen, in einem wird durch eine Glasscheibe der Blick zu einem Wirrwarr von Knochen freigegeben. Allerdings wurden die Fotos nichts, auch in der Höhle konnte ich aufgrund der vielen Menschen nicht in Ruhe fotografieren. Vom Touristenführer, der in arabischer und englischer Sprache etwas zu der Pilgerstätte erwähnte, wurde man in schnellem Tempo durch die Höhle gehetzt und aufgrund der vielen Menschen darin und meinem Umhang, spürte ich bereits Rinnsale auf meinen Rücken und meinem Gesicht entlanglaufen, sodass ich zusah, schnellstens vom Gelände und aus meinem Umhang zu kommen.

Hier noch einige Fotos – weil’s so schön war! Joachim wartet am Eingang, bis der Touristenführer zum Aufschließen der Höhle per Telefon gerufen wird. Karin wandert durchs Gemäuer wie im Filmklassiker Im Namen der Rose und Joachim beim Fotografieren eines Pilgers vor dem Hinweisschild der Höhle.

Ein kurzer Ausflug der sich trotzdem gelohnt hat. Mal sehen wann und wo wir uns beim Betrachten der Gebeine von den Siebenschläfern erneut treffen,

bis dahin, Gruß Karin

Ich hab noch Sand in den Schuhen…

… aus Wadi Rum.

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„Die Sieben Säulen der Weisheit“ des T. E. Lawrence

Das größte Wadi des Landes, ganz im Süden östlich von Aquaba gelegen, haben wir letzte Woche als weiteren Entdeckungspunkt auf unserer persönlichen To-do-Liste abhaken können. Sohnemann war für eine Woche zu Besuch da und somit haben wir dieses Abenteuer endlich in Angriff genommen.

Mit meinem Jeep, der ausreichend mit Getränken, Essen, Decken, warmer Kleidung und allem eventuell nötigen Krimskrams ausgestattet wurde, sind wir am Dienstagmorgen losgefahren. Die 317 km bis zum Visitor Center haben wir mit mehreren Trinkpausen für Auto und Besatzung in 4,5 Stunden bewältigt. Nach dem Bezahlen des Eintritts für Fahrzeug und 3 Personen sind wir in die Wadi Rum Protected Area eingefahren und haben uns erst einmal ein schönes Plätzchen für ein Picknick gesucht.

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Frisch gestärkt sind wir bis zum späten Nachmittag kreuz und quer durch die sehr einsame Gegend gedüst. Eigentlich ein absolutes Verbot, so alleine und ohne Mobilempfang zu fahren. Der Sand war teilweise sehr tief, meine Männer haben sich immer wieder verschwörerische Blicke zugeworfen, doch ich vertraute total auf die Afrika- und Utah-Erfahrungen meines Mannes und hab nicht im Traum daran gedacht, dass wir irgendwo steckenbleiben würden – obwohl es manchmal haarscharf daran vorbeiging. Doch Dank Vierradantrieb und Vierradantrieb untersetzt mit Vorder- und Hinterradsperren kamen wir überall durch.

Das Wadi Rum entstand vor ca. 30 Mio. Jahren. Bei der Bildung des ostafrikanischen Grabenbruchs wurden Verwerfungen aus Sandsteinfelsen auf Granitsockeln angehoben. Die Trockentäler zwischen diesen gigantischen Bergen nennt man Wadi.

Die zum Teil sehr erhabenen Sanddünen und die schroffen Berge zeugen von jahrelanger Erosion. Körniger Sand und bizarre Formen und Muster wohin das Auge blickt.

Auch gibt es interessante Sehenswürdigkeiten im Wadi Rum. Trotz GPS-Daten derselben und einer, zugegebenermaßen sehr einfachen, Übersichtskarte haben wir nicht alle gefunden. So z.B. die Felszeichnungen aus der Zeit der Nabatäer und Felsenbrücken. Das Wadi war bereits zu prähistorischer Zeit von vielen Kulturen bevölkert worden. Auch diente es als Filmkulisse unter anderem für Lawrence von Arabien, Red Planet und der Marsianer.

Irgendwann wurde es Zeit, das Gebiet wieder zu verlassen, um zu unserer gebuchten Camp-Unterkunft zu fahren.

Camp     Sun City Camp war groß ausgeschildert, es sollte das Luxus-Camp unter den vielen Anbietern sein. Beim Betrachten meiner Fotos und der Website war es dies bestimmt einmal. Leider hat auch hier seit langem die Erosion des Alterns eingesetzt. Vieles wirkt auf uns Europäer heruntergekommen, schmuddelig und Defektes wurde einfach nie ausgetauscht und somit ist auch dieses Domizil im Preis-Leistungs-Verhältnis überteuert.

Trotzdem haben wir in unserer 2-Zimmer-Suite noch schöne erholsame Stunden erlebt.

Am Abend haben wir mit den anderen Gästen zusammen der Zeremonie beim Ausgraben von „Zarb“ zugesehen. Auf traditionelle Weise wird Lammfleisch im Boden vergraben und dort gegart. Auch Huhn, Kartoffeln, Karotten und Safranreis wurden auf diese Weise mitgegart.

Nachdem arabische Vorspeisen, Zarb, Nachtisch und allerlei Softdrinks verputzt waren, kam die Müdigkeit und wir sind im Schein unserer Taschenlampe zu unserem Zelt marschiert, haben dort auf der Veranda noch einen Drink eingenommen und uns in unsere Zimmer zurückgezogen.

Am nächsten Morgen beim Frühstück habe ich dann einsam und verlassen unseren treuen Begleiter auf dem Parkplatz stehen sehen, zusammen mit zwei Vorgängermodellen. Fragt sich nur, wer wen beneidet oder bemitleidet hat.

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Nach dem Auschecken haben wir uns nochmals ins Wadi aufgemacht und sind von dort aus direkt nach Aquaba und auf dem Wüstenhighway Richtung Amman zurückgefahren. Schön war es, vor allem, da Junior mit dabei war. Wer weiß, wie oft dies noch der Fall sein wird.

Gestern ist Sohnemann wieder zurück nach Beirut geflogen. Morgen fängt sein Sommersemester an, doch Ende Juli sehen wir uns in Deutschland wieder.

Bis dahin, Gruß Karin

Nahrung für die Kunst

Da ich die letzten Wochen ja nicht gerade mit sprühendem Schreib-Enthusiasmus geglänzt habe, möchte ich dies heute nachholen. Wenn ich einen Beitrag nicht gleich schreibe, schiebe ich dies immer weiter hinaus, bis ich dann denke, so interessant wäre es nun auch nicht gewesen, sodass ich dann gar nichts mehr veröffentliche.

Vorletzte Woche war ich mit einer Freundin und deren Tochter zusammen auf Entdeckungstour im Shams El Balad Café, nahe der Rainbow Street in der Innenstadt. Eigentlich haben wir uns aufgemacht, um uns eine Fotoausstellung anzuschauen, die dort für eine Woche zu besichtigen war.

Doch erst einmal haben wir uns im lauschigen Gärtchen zwischen allerlei Bäumen, Sträuchern und Kakteen arabische Kleinigkeiten zum Essen bestellt. Das Konzept des bodenständigen Cafés besteht darin, dass Nahrung vom Erzeuger ohne Zwischenhändler direkt auf den Tisch kommt. Es werden ausschließlich frische einheimische saisonale Produkte umliegender Bauern, wenn möglich in Bioqualität, verarbeitet. Außerdem wird Wert auf die traditionelle Verarbeitung gelegt, jedoch auch mit Einschlag modernen Impulsen. Zudem herrscht innerhalb des Cafés striktes Rauchverbot, was bisher in Jordanien sehr selten ist.

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Leider kein Grapefruitsaft zu bestellen, die Früchte sind noch nicht reif!

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Herrlicher Blick zur Zitadelle

Für manch einen mag das Café auf den ersten Blick etwas alternativ anmuten. Tatsache ist jedoch, dass ein künstlerisches Sammelsurium von Uhren, Weckern, Schreibmaschinen und dergleichen an den Wänden und Sideboards verteilt ist.

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Ein Teil der Inneneinrichtung

Ein Teil unserer Bestellung. Alles war sehr köstlich und empfehlenswert! Trinkwasser kann keines bestellt werden, dafür kommt frisch abgefülltes, gefiltertes Wasser in verschließbaren Glasflaschen auf den Tisch.

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Frisch gestärkt sind wir dann treppauf, treppab und quer durch das ganze Haus, um uns die Ausstellung historischer Fotografien des Künstlers Kelvin Bown mit dem Titel

From Ruins to Rebirth – Amman 1900-1950 anzuschauen. Die Fotos können auch erworben werden.      Kelvin Bown

Hier ein kleiner laienhafter Ausschnitt von den 26 Exponaten:

Amman, View of Nympheum, Jabal Ashrafeih 1900-1920

Amman, Jabal Ashrafeih 1900-1920

View towards Jabal Ashrafeih 1920-33

Amman, Jabal Ashrafeih 1920-1933

Ariel View of Roman Theatre, Hotel Philadelpia and fields

Amman, Blick aufs Roman Theatre, Hotel Philadelphia 1932

King Faisal Street, View of Jabal Webdeh 1938

Blick auf Jabal Webdeh, King Faisal Street, 1938

Railway Station 1900-1920

Amman Bahnhof, 1900-1920

View of donwton Amman, 1940

Amman Innenstadt 1940

Das waren noch Zeiten! Bestimmt nicht so laut, so grell, so bunt! Aber leben hätte ich zu dieser Zeit an diesem Ort trotzdem nicht wollen.

Im Anschluss sind wir einige Straßen weiter ins „Soap House“ von TRINITAE

Seifen Haus    und bereits beim Eingang auf das Gelände war ich in einer Duftwolke aus unterschiedlichsten Aromen gefangen.

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Zum Teil von der reichhaltigen Blumenpracht im Garten, zum anderen kamen Zitronenaromen und Moschusdüfte aus der offenstehenden Ladentür.

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Glücklicherweise habe ich im Laden aufgrund eines Tipps meiner Freundin eingekauft und kann mich täglich in der Dusche am Zitrusduft des Fuß-Bimsstein dran erfreuen.

Inzwischen habe ich dieselbe Tour mit Jogi gemacht, auch er hat eingekauft und ich bin mir sicher, das war nicht der letzte Besuch im Café und im Soap House.

Bis dahin, vielleicht begegnen wir uns mal

Karin

Silberwarenmuseum

Inzwischen bin ich seit knapp zwei Wochen wieder in Amman und komme erst heute dazu, von einer weiteren Aktivität während des Deutschlandaufenthaltes, einem Besuch im Silberwarenmuseum Ott-Pausersche Fabrik in Schwäbisch Gmünd, zu berichten.

Am 3. April haben somit Jogi und ich das älteste erhaltene Fabrikgebäude der Stadt, welches 1845 errichtet wurde, durch eine sehr interessante öffentliche Führung kennengelernt.

Bereits beim Betreten des Gebäudes fühlt man sich um viele Jahre zurückversetzt. Ausgetretene Steinstufen, aus der Mode gekommene Türbeschilderungen die einem den Weg ins Kontor oder auch zum Abort zeigen. Natürlich darf das berühmte schwäbische Kehrwoche Hinweisschild nicht fehlen. Knarrendes Holzparkett und dieser „alte“ Geruch nach Büro, Amtsstube und Fabrik liegt in der Luft. Vielleicht bildet man sich dies auch nur ein, denn während Herr Wahl in urigstem Schwäbisch eindrucksvoll alles erklärt, meint man, die arbeitenden Frauen und Männer sind gerade alle nicht da, denn die Werkstatt, das Kontor, die einzelnen Abteilungen – alles Material und Handwerkszeug liegt so da, als ob nur mal kurz Pause eingekehrt wäre. Alle Maschinen sind bis heute im Original erhalten und intakt.

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Das Gold- und Silberhandwerk hat in Schwäbisch Gmünd eine jahrhundertelange Tradition. Bereits 1372 wird der erste Goldschmied urkundlich erwähnt. Heute noch gibt es mehr als 50 Gold- und Silberschmieden, Schmuckgestalter, Manufakturen und Fabriken, deren Schmuck in aller Welt zu finden ist. Wie bereits schon 1860 die Firma Ott jährlich allein nach Kuba Goldwaren im Wert von 200.000 Gulden exportierte. In den Jahren 1851-1873 nimmt das Unternehmen an den Weltausstellungen in London, Paris und Wien teil.

Um 1906 wird auch ein Gasmotor als zentraler Kraftantrieb in einem Nebengebäude eingebaut. Das überschüssige Gas wird an die Stadt und die Gastronomiebetriebe, den „Wirtschaften“ verkauft, da diese für die Gas-Laternenbeleuchtung auf den öffentlichen Straßen rund um ihre Gebäude verantwortlich waren.

Trepp auf und -ab geht es durch die verschiedensten Abteilungen. Die Schubladen, Regale und Schränke sind heute noch mit Arbeitsmaterialien, Stahlgesenken und alten Auftragsbüchern, Ordnern und Rechnungen zu sehen.

Dem letzten Besitzer, Emil Pauser, ist ein großer Dank verpflichtet, dass er 1979 nach Einstellung der Produktion alles bewahrt und nicht verkauft hat. Nach seinem Tod im Jahre 1984 kümmerte sich eine Bürgerinitiative zusammen mit der Stadt, die Fabrik zu erwerben und als Industriemuseum einzurichten.

Hoffen wir, dass es noch sehr lange erhalten bleibt 20160403_151131_resized

1986 erfolgte die Ernennung zum Kulturdenkmal und seit 1992 fungiert das Gebäude als Silberwarenmuseum, welches immer wieder ein Besuch wert sein wird.

Vielleicht trifft man sich mal – vor der Goldschmiedewerkstatt, dem Guillochierrraum, dem Glühofen, dem Fallhammer, der Metalldrückbank, der Transmissionsanlage, der Ziehbank, der Schmelzanlage, der Galvanikabteilung, der Bandsäge, der Rändelmaschine, dem Polierraum, vor dem Kontor…

Bis dahin, Gruß Karin

Schwäbisches Kabarett

Seit einer Woche bin ich in D, wir haben so einiges zu erledigen und verbringen die Osterfeiertage mit der Familie.

Letzten Samstagabend habe ich mit Familienangehörigen den schwäbischen Komödianten Alois Gscheidle Alois  belacht, bewundert und genossen. Schwäbisches Kabarett zum Anfassen! Er zieht sein Publikum mit in seine Show, spricht mit ihm, holt es auf die Bühne, läuft durch die Stuhlreihen und integriert die auserkorenen Personen in seine Darbietungen mit ein. Alltagsszenen, die jeder Schwabe so kennt! Das Thema des Abends „s’ghert gscheid kehrt“ beginnt bereits mit einem Omm zur esoterischen Reinigung und endet dann beim Bürgersteigkehren und der philosophischen Frage: „Liegt das Laub auf meiner Grundstücksseite oder dem der Nachbarin?“

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Das Omm und das Auspeilen der Mitte

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„Die Nachbarin“ beim Kehren

So schlüpft er während des Abends in die verschiedensten Rollen und strapaziert die Lachmuskeln seines Publikums.

Ein gelungener Abend, der nach Wiederholung schreit!

Bis dahin, Gruß Karin

Heiße Quellen

Letztes Wochenende verbrachten wir in Hammamat Ma’in, einem Bade- und Kurort, der südwestlich von Madaba liegt, fast schon am Toten Meer. Der Ort ist über Madaba und über die Küstenstraße entlang des Toten Meeres zu erreichen.

Meiner Meinung nach handelt es sich nicht um einen Ort, vielmehr um die weitläufige Evason Ma’In Hot Springs Hotelanlage, die 240 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Auf dem rechten Bild, ganz unten in der Schlucht sind Teile der Anlage zu erkennen.

In der Gegend entspringen zahlreiche heiße und kalte Quellen. Die Angaben dazu sind sehr unterschiedlich. Mal liest man von 50, dann von 109. Feine Haarrisse im unterirdischen Lavagestein lassen die Erdwärme austreten, die das Wasser auf 63 °Celsius erhitzt, während es sich seinen Weg durch das Tal zum Fluss Zarqa bahnt.

Die wasserreichste Quelle in Form eines Wasserfalls, stürzt etwa 25 Meter über Felsklippen hinab, unter der man sich abduschen kann. Für den Zutritt muss Eintritt bezahlt werden, Hotelgäste sind frei. Die Einheimischen nutzen diese Erfrischung natürlich in Verbindung mit ihrem beliebten Grill-Picknick. Der ganze Familienclan erscheint mit Decken, Kissen, Grill, Wasserpfeife, zahlreichen Getränke- und Essensvorräten und verbringen in jeder zur Verfügung stehenden Nische auf der Erde sitzend und liegend, ihren freien Tag. Leider nehmen nur die Wenigstens auch ihren Müll wieder mit. Hinzuzufügen wäre noch, dass man als Ausländerin besser in voller Montur diesen Badespaß genießen sollte.

Somit wagten wir nur einen Blick auf dieses Spektakel (hatten leider keine Kamera dabei) und blieben in der Hotelanlage. Auch dort stürzt nebenan ein Wasserfall in die Tiefe. Allerdings wurde der Treppenabgang aus Sicherheitsgründen gesperrt und dafür regnet nun eine heiße Wasserfontäne direkt in den heißen Pool, welcher mit allerlei Mineralien angereichert ist. Direkt unterhalb der Fontäne befindet sich der Eingang zu einer kleinen Dampfsauna im Stil einer Grotte, welche direkt durch das heiße Wasser betrieben wird.

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Der Wasserfall direkt neben dem heißen Pool

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Der heiße Pool, die heiße Fontäne und darunter der Eingang zur Sauna

Leider ist die Hotelanlage etwas in die Jahre gekommen, vieles defekt oder überholungswürdig. Der größere Außenpool war noch geschlossen, die Reinigungsarbeiten dauerten noch an. Auch ein weiteres Restaurant und der Weinkeller hatten aufgrund der Nebensaison noch geschlossen. Wenn auch das Baden im sehr heißen Wasser, die Dampfsauna, das geschützte und somit angenehm warme und sonnige Klima, die herrliche ruhige Umgebung und das gute Essen im Restaurant sehr schön waren, sind wir uns einig, dass wir bei diesen völlig überteuerten Zimmerpreisen zur Erholung lieber ans Tote Meer fahren. Über den Spa-Bereich haben wir gar keine Infos eingeholt, um die Badeanlage werden verschiedene Wander- und Trekkingtouren angeboten, auch kann man sich Fahrräder leihen.

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Der Blick vom Balkon unserer Suite. Ganz in der Ferne ist ein Stück vom Toten Meer zu sehen, dahinter die Berge von Israel

Am nächsten Tag auf der Rückfahrt nach Hause haben wir dann die Strecke runter ans Tote Meer genommen und einen Zwischenstopp am Dead Sea Panoramic Complex gemacht.

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Der Blick vom Museum runter ins Restaurant

Dieser ansprechende Gebäudekomplex hat u.a. ein sehr informatives Museum über die Geschichte des Toten Meeres. Außerdem ist auf dem Gelände ein 1,4 km langer Rundweg entlang der Klippen angelegt, der atemberaubende Ausblicke, die buntesten Blumen im kargen Wüstenboden und die schönsten Vulkansteine bietet.

Nach einer Erfrischung auf der großzügig angelegten Sonnenterrasse des angegliederten Restaurants sind wir nach Hause gefahren.

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Bis zum nächsten Mal

Königliches Automobilmuseum

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Letzen Samstagnachmittag haben wir uns noch dazu entschlossen, dieses Museum anzuschauen. Joachim war vor langer Zeit schon einmal hier und auch ich wollte dies nun einmal sehen.

Ich muss sagen, selbst wer kein Autonarr ist – es lohnt sich!    Automobilmuseum

Vor allem, da sooo viele alte Schätzchen zu sehen sind. Zusätzlich zu einigen Modellen werden Original-Filmaufnahmen mit „Königs“ gezeigt! Außerdem Fotomaterial und Beschreibungen, wann und zu welchem Anlass das Fahrzeug gefahren wurde. Auch Sturzhelme, Handschuhe und Rennanzüge vom verstorbenen König Hussein I sind ausgestellt. Sagenhafte Sammlung, ich war total begeistert!

Die Fotos hier werde ich nicht einzeln beschreiben. Auf der Website des Museums ist dies zur Genüge getan, es soll hier nur ein kleiner Ausschnitt neugierig auf MEHR machen.

Vielleicht sehen wir uns einmal dort, bis dahin, Gruß Karin

Kreuzritterfestung von Al-Karak

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Vergangenen Freitagmorgen fuhren wir in südlicher Richtung auf dem Wüsten-Highway nach Al-Karak, auch Kerak genannt, um uns die dortige Burg des ehemaligen Königreich Jerusalems anzuschauen. Frühere Bauten werden bereits im Alten Testament erwähnt, tatsächlich geht die Geschichte der Stadt bis ins 9. Jhr. v.Chr. zurück. Im Jahr 1161 wurde diese Burg letztendlich fertiggestellt. Sie wurde auf dem dreieckigen Plateau eines Bergs errichtet und liegt 960 Meter über dem Meeresspiegel. Auch Teile der alten Stadtmauer und Wachtürme sind noch sehr gut erhalten.  Natürlich wechselten sich die verschiedensten Herrscher mit ihren Religionen ab. Auch am ungleichen Mauerwerk, von den klobigen Steinen der Kreuzritter bis zu den fein gearbeiteten Blöcken der Araber, ist dies zu erkennen. Heute hat Karak ungefähr 170.000 Einwohner. Neben einer sehr geschäftigen Stadt mit seinen vielen kleinen Shops ist wohl die alte Festung die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt.

Hier ein Blick vom Hügel gegenüber, wo mit einer Sound- and Lightshow geworben wird. Der dazu errichtete geschlossene Glasbau sah jedoch sehr verwahrlost aus, nirgends eine Hinweistafel, wann diese Show geboten wird.

Auf den ersten Blick ist an der Burg nicht viel Sehenswertes mehr übrig. Lediglich der Donjon, der zum Wohnen benutzte Hauptturm, entlockt ein OH!

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Von der ehemaligen Kirche und der Moschee ist nicht wirklich viel zu erkennen. Die Stadtbewohner haben in der Vergangenheit die Steine der verfallenen Gebäude zum eigenen Häuserbau entwendet.

Auch das integrierte Museum war aufgrund Renovierungsarbeiten leider geschlossen.

Die Aussicht ist jedoch super. In westlicher Richtung ganz in der Ferne kann man in der Senke die südlichen Ausläufer des Toten Meers und darüber hinweg, Israel erkennen.

Auf dem Foto ist auch der Zugang zur Burg zu sehen. Die Brücke, die über einen ursprünglich 30 m tiefen Graben führt. Heute ist dieser teilweise aufgefüllt. So grenzten die Kreuzritter ihre Burg von der Stadt ab.

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Rechts der Blick auf die Reste des Donjon. Auf dem Gelände verteilt, sieht man auf der Erde immer wieder Lichtschächte für die unterirdischen Räume und Gänge.

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Am Fuße der Burg sind die Überreste eines Friedhofs zu erkennen, leider führt die Straße direkt hindurch, denn auf der anderen Seite gehen die Gräber weiter.

Sehr schade, dass zu früherer Zeit Kulturgüter nicht erkannt und geschützt wurden.

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Begibt man sich jedoch in den Untergrund, erwarten einen gewölbte Decken und ein unzähliges Labyrinth an Gängen. Riesige Räume und dutzende kleine Kammern. Hier empfiehlt es sich unbedingt, für jede Person eine Taschenlampe mitzunehmen, denn diese restaurierten Gänge sind wirklich sehenswert!

Allerdings lag auch haufenweise Müll herum, von Getränkedosen und -flaschen bis zu ganzen Styroporpackungen für abgepacktes Essen, Fischkonservenbüchsen u. ä. Die zahlreich aufgestellten Mülleimer quollen über, hier wurde schon lange nicht mehr gesäubert. Wie wir schon aus Petra wissen, sind das leider nicht nur die Touris, die diese Art von Müll hinterlassen. Wachmänner und sonstige Gestalten erkennen leider nicht den Kulturschatz, welchen es zu erhalten gilt!

Wir sind dann nach Westen weitergefahren Richtung Totes Meer. Stetig bergab, mit herrlichem Ausblick auf zerklüftete Felsen und dann das ruhig daliegende Tote Meer – für mich immer wieder ein Erlebnis! Zielstrebig sind wir zur Samarah Mall gefahren, wo wir im Rovers Return, einem Irish Pub, draußen auf der Terrasse die gegrillte Fischplatte und libanesisches Almaza Bier genossen haben! Köstlich!

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Anschließend wieder zurück nach Amman mit einem guten Gefühl, endlich mal wieder das Land erkundet zu haben. Wir sind gespannt, wo es als nächstes hin geht.

Bis dahin, Gruß Karin

Beschützende Silberverzierungen

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Die Hand der Fatima, Silber Amulett, Amman-Jordanien um 1960

YA HAFETH YA AMEEN – so lautet der Titel der derzeitigen Ausstellung im Tiraz Centre in Amman, welche ich heute besucht habe. Der Titel beinhaltet 2 der 99 Bezeichnungen für Allah. Ungefähr etwa Beschützer, Held. Der Link zum Centre: Tiraz Centre

Eine Ausstellung über beschützende Silberverzierungen aus Jordanien, Palästina, Syrien, Libanon, Jemen und dem Oman. Gegenstände die über Jahrzehnte aus diesen Ländern zusammengetragen wurden und Zeitzeugen einer anderen Kultur, Religion, Tradition und auch Aberglauben sind.

Opulenter weiblicher Hochzeitsschmuck, der als Aussteuer, Kapitalanlage, Notgroschen und Statussymbol fungierte. Mit roten und blauen Stickereien als Symbol für eine Hochzeit, mit weißen Steinen für reichlich Milch in der Stillzeit, der Hand der Fatima die alle bösen Geister fernhält, Marienbilder als Halsschmuck, den verschiedensten Silbermünzen, Gravierungen und Steinen welche Glück und Segen bringen sollen.

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Links: Hochzeitskette der Beduinen aus dem Jemen um 1920. Rechts: Halskette mit Amuletten aus dem Jemen um 1910.

Auch war Beschneidungsschmuck von 1930 für Jungen ausgestellt. Dieser sollte alles Schmutzige und Unreine fernhalten, guten Erfolg der Operation und schnelle Genesung bringen.

Jordanischer Beduinenschmuck um 1930. Meist handelt es sich um Brautschmuck, wobei wieder zu beachten ist, dass Formen und die Auswahl an Schriftzeichen und Steinen von Region und Stamm verschieden waren. Talismane, die einen in einer unsicheren Welt sicher wägen sollten.

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Zusätzlich waren noch Gewänder zu sehen, denn schließlich steht dies schon im Namen des Hauses und war der ursprüngliche Grund zur Sammlung: TIRAZ Widad Kawar – home for arab dress.

Hochzeits- und Festkleider, an denen jedes Muster eine Bedeutung hat, jede Farbe, jede Verzierung, jede verschiedene Art von Stickerei. Alles in mühevoller Handarbeit hergestellt und einiges schon über 100 Jahre alt.

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Dieses jordanische Kleid ist 2,80 Meter lang. Es war für den Alltag bestimmt. Es wird in Schichten um den Körper hochgebunden und die somit erhaltenen Nischen dienen als Tragetasche für alle möglichen Dinge: dem Kind, den Einkäufen, als Gemüsehalter auf dem Feld, ein Ärmel wird um den Kopf geschlungen und dient als Kopftuch, der andere um den Leib und ist somit eine andere Tasche. In der nächsten Ausstellung soll darüber ein Film gezeigt werden, es bleibt wieder einmal spannend.

Bis dahin, Gruß Karin

Kulinarisches Neuland

Durch Zufall hörte ich vor einigen Wochen in den deutschsprachigen Nachrichten von einem Kamelburger. Neugierig geworden sah ich mir dazu einen Kurzfilm an und war mir sicher, dass ich diesen probieren möchte.

In Jordanien gibt es diesen Burger seither nur in einem einzigen Restaurant, und zwar in der bekannten Rainbow Street, dem Q Restaurant. Auf Tripadvisor bekommt man im Netz dazu noch zusätzliche Infos. Witzigerweise war ich im Café direkt nebenan schon zweimal, mir viel jedoch die Werbetafel vor der Tür überhaupt nicht auf:

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Da wir ja auch schon die Kamelmilch probiert hatten und diese uns gar nicht mundete, war Göttergatte etwas skeptisch, wie denn das Fleisch schmecken würde. Aufgrund meiner Nachfragen bei meinen Bekannten hörte ich eigentlich nur Gutes und somit stand für mich fest, dass ich diesen Burger auf jeden Fall probieren würde. Ich habe in Afrika schon so viele exotische Fleischarten gegessen, da durfte diese Art nicht fehlen.

Weil wir gestern Abend sowieso in der Straße waren, bot sich das direkt an. Im Restaurant befanden sich im Erdgeschoss keinerlei Gäste. Die mit urig bunten Kissen ausgepolsterten Holzsessel luden eigentlich zum Verweilen ein, ringsum waren die Wände mit Büchern und Bildbänden dekoriert, diese können auch erworben werden. Was es damit auf sich hat, muss ich beim nächsten Besuch erfragen. Wir wurden dann sofort gefragt, ob wir in der oberen Etage schauen möchten. Und da fand das Leben statt! Musik von Bob Marley empfing uns, der reich ausgestattete Bartresen lies keine Wünsche offen, viele Tische besetzt, gedämmtes Licht, Kerzen, Zigarettenqualm – ich sah auf den ersten Blick, auf welcher Etage es meinem Mann besser gefiel.

Somit blieben wir und bestellen Bier, Gin Tonic und zwei Kamelburger. Ich erkundigte mich dann bei der freundlich lächelnden männlichen Servicekraft, woher das Fleisch bezogen wird. In Madaba gibt es dafür extra eine Zucht, sie bekommen es regelmäßig frisch und es wäre wirklich nur Kamelfleisch. Es enthält fast kein Fett, sei sehr gesund und liege nicht schwer im Magen.

Kurze Zeit später kamen dann unsere Teller:

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Außerdem gab es noch Pommes mit Ketchup und Majo, Krautsalat und gebratene Tomaten mit Zwiebeln, lecker abgeschmeckt.

Alles schmeckte wunderbar, wenn ich nicht gewusst hätte, dass es Kamelfleisch ist – ich hätte es nicht geglaubt. Alles in allem ist es mir wunderbar bekommen und sicherlich war dies nicht der letzte Besuch.

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Bis dahin, Gruß Karin

Freiburg in Amman

Gestern erhielt ich über den Nachrichtenverteiler unserer Deutschen Frauengruppe die Info über einen besonders urigen Laden. Die beigefügten Fotos ließen mich fast sprachlos werden, das mussten wir mit eigenen Augen sehen.

Da Göttergatte nun 2,5 Wochen auf Reisen war und seit Donnerstagabend wieder zurück ist, war dies heute die richtige Gelegenheit für einen Kurzausflug. Die beschriebene Sehenswürdigkeit lag schon außerhalb des Stadtkerns, nordwestlich in Richtung Salt. Nachdem wir im Al-Hussein Youth City (The Sport City) walken waren, fuhren wir anschließend dorthin.

Der Laden heißt „Freiburg“ und befindet sich im Bezirk Al-Kamaliyya, direkt an der Al-Salt Street, No. 8. Mithilfe meines Navis fanden wir es auch auf Anhieb. Ich gebe das hier so genau an, damit ich oder meine Mitleser das gut wiederfinden.

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Im Laden erwartete uns eine Mischung aus Gelsenkirchener Barock, Schwarzwald und Frankreich.

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Ich kam mir zeitweilig vor, als ob ich durch den Antik-, Trödel- oder Flohmarkt schlenderte. Einige Dinge kannten wir aus unserer Kindheit, auch so manche Farbe oder das Muster von Vasen ließen Erinnerungen wach werden.

Französisches Porzellan trifft auf röhrenden Hirsch und Kuckucksuhr. Letztere hat der Besitzer bei unserem Eintritt in den Laden sofort aufgezogen und nach kurzer Zeit gongte es hier und da und die verschiedensten Tonarten der Kuckucke schallten durch den ansonsten menschenleeren Laden.

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Der Besitzer, der auch ein wenig deutsch sprechen konnte, importiert die Waren von Haushaltsauflösungen aus dem Elsass und dem Schwarzwald.

Wirklich gefunden haben wir nichts, wir haben dort drin jedoch unzählige Teller, Schüsseln, Figuren und Schalen gedreht und gewendet. Immer auf der Suche nach einem Schätzchen, nach der richtigen Markierung oder Stempel. Fündig geworden sind wir allerdings noch nicht, aber wer weiß – vielleicht beim nächsten Mal?

Bis dahin, Gruß Karin

„Melodies from Jordan“

So nennt der jordanische Künstler Sami Nabeel seine derzeitige Fotoausstellung, die ich gestern in der Jordan National Gallery of Fine Arts besucht habe.

Gigantische Fotos von einer Klarheit und einem Lichtspiel, die mich total verzaubert und in ihren Bann gezogen haben, dass es mir wert ist, hier davon zu berichten.

Ich weiß, meine laienhaften Aufnahmen mit Spiegelungen vom Bilderrahmen können diese Kunst nicht wiedergeben, trotzdem möchte ich hier einen kleinen Einblick geben.

Sechs Jahre lang hat sich der Künstler mit diesem Projekt beschäftigt. Leider sind diese großen Fotos eher als Kapitalanlage wie als Souvenir zu sehen.

Weitere Fotos aus dieser Serie und sonstige Projekte Arbeiten von Sami Nabeel

In der Galerie können auch noch andere Ausstellungsobjekte besichtigt werden, wobei ich doch oft dachte, diese Kunst kann ich auch! Und dann wieder das totale OH Erlebnis.

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Bookworm

Es bleibt weiterhin spannend, bis zum nächsten Mal

Gruß Karin

Volkstanz aus Rajasthan

Am Donnerstagabend sind wir ins Al-Hussein Cultural Center in Amman, wo wir zu einer Darbietung der RAJASTHANI CULTURAL TROUP eingeladen waren.  Der indische Botschafter, Mr. Anil Trigunayat, hatte zum Anlass des 65. Jahrestag der diplomatischen Verbindung zwischen Jordanien und Indien zu dieser Kulturveranstaltung geladen.

Rajasthan ist ein indischer Bundesstaat, welcher im Nordwesten an Pakistan grenzt. Dieser Staat ist flächenmäßig der größte Indiens, und nur ein wenig kleiner als Deutschland. Seine Hauptstadt ist Jaipur und im Staat selbst sollen derzeit ca. 73 Millionen Menschen leben.

Jede Region in Indien hat auch ihre eigene Folklore, Musik und Art von Tänzen. Und ehrlicherweise muss ich sagen, dass die Art von Musik, die ich bei einem Kurzbesuch Ende der 90er Jahre, damals im Taxi rund um Mumbai so hörte, nun nicht unbedingt etwas für meine Ohren war. Auch der Boom der Bollywood Filme vor einigen Jahren hat da nicht unbedingt dazu beigetragen, ganz im Gegenteil. Umso gemischter waren meine Erwartungen für den Event.

Der ganze Abend fing erst einmal mit „Lighting the Lamp“ an, dem Entzünden der Lampe. Licht und Feuer sind in Indien Symbole für die verschiedensten Dinge. So z. B. Glück, Zufriedenheit, Makellosigkeit, Reinheit, Güte, Wärme, Wohlergehen und Erfolg. Weiterhin steht Licht aber auch für die Weisheit, die alle Dunkelheit des Unwissens vertreibt. Allgemein wird immer eine Lampe entzündet, wenn etwas begonnen wird.

Dazu wird meist ein hoher Leuchter aufgestellt, oben eine Schale gefüllt mit Öl und einer Glück verheißenden ungeraden Anzahl an Dochten, die kreisrund angeordnet sind und die von den wichtigsten Personen der jeweiligen Veranstaltung entzündet werden.

Anschließend wurden von Herrn Botschafter und Vertreter der Stadtverwaltung kurze Ansprachen gehalten und nach einführenden Worten über den 1. Teil der Aufführung ging es dann auch los.

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Die Musiker und Sänger eröffneten den musikalischen Teil. Laut war es zunächst – sehr laut – , doch zum Glück klang die Musik in meinen Ohren erträglich, überhaupt nicht unangenehm – ich konnte mich entspannen.

Nachdem in der Ankündigung eine 10-köpfige Truppe angesagt wurde, wusste ich nicht genau, was noch folgen würde. Doch dann kamen sie, die Damen des 2. Teils…

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Bunt, leuchtende Farben, Glitzer, Glöckchen, Bimmel, Fransen, kohlschwarz umrandete Augen, Nasenring, der Punkt auf der Stirnmitte – alles was man sich so vorstellt. Sie haben sich im Kreis gedreht, dass mir beim Zuschauen bald schwindelig wurde. Bei akrobatischen Darbietungen Arme, Beine und Rückgrat verdreht, dass ich bereits Phantomschmerz in meinen Gelenken spürte. Und zwischendurch immer wieder die Musik und der für unsere Ohren fast jammernd anmutende Klang der aus den Kehlen der Männer drang. Deren Köpfe und Hälse immer wieder von rechts nach links wanderte, obwohl der restliche Körper völlig ruhig kniete und deren Ohrringe wild baumelten. Das Tempo der Musik und der Tänzerinnen steigerte sich stetig, es war direkt faszinierend für mich, meine anfänglichen Bedenken wurden völlig zerstreut.

Dann kam der nächste Teil und ein Mann betrat die Bühne.

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Seine Bewegungen, sein Kostüm, die kleinen Ohrgehänge – es verwirrte mich sehr, diesem Mann zuzuschauen. Alles war so feminin, nur seine Gesichtszüge, sein kurzer Haarschnitt und sein Schnauzbart passten nicht in dieses Bild. Auch er tanzte, und balancierte mitsamt diesem „Dosenturm“ auf dem Kopf, zum Schluss seines Soloauftritts auch noch auf einem Glasscherbenbett herum.

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Dann kamen nochmals die Damen dazu und abermals wurde wild gedreht und verdreht und dann war die 1-stündige Aufführung auch schon wieder um.

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Wir haben dann am Ausgang noch auf den Botschafter gewartet, um ihn zu begrüßen und ihm zu danken und sind dann zum Essen – italienisch – nicht indisch!

Phir milenge! Karin

Ergebnisse Zensus 2015

Gestern war es nun soweit! In der Presse wurden die Ergebnisse der Volkszählung veröffentlicht und so mancher war wohl überrascht.

2016-02-01Results Zensus

Die Bevölkerung des Königreiches ist auf 9,523 Millionen Einwohner angestiegen, davon allein 2,9 Mio. Ausländer. Allein in der Hauptstadt Amman leben 4 Mio. Menschen.

Zur Erinnerung an meinen Beitrag vor der Zählung: 2004 wurden 5,1 Mio. Einwohner gezählt.

Link zum Beitrag:  1, 2, 3, 4, 5,… der gläserne Mensch

Hier nun einige aktuelle Zahlen der ausländischen Gäste:

Syrien: 1,265 Mio.

Ägypten: 636.270

Palästina (ohne jordanischen Pass): 634.182

Irak: 130.911

Jemen: 31.163

Libyen: 22.700

andere Nationalitäten: 197.385

Wer den ganzen Artikel in der lokalen englischen Zeitung lesen möchte, hier der Link:

The Jordan Times Artikel Zensus

Interessant wird es wohl nach der nächsten Zählung in 10 Jahren. Bis dahin wird sich hoffentlich die Flüchtlingssituation entspannt haben und die Höhe der Zahlen sich vermindert haben, wir dürfen gespannt sein.

Gruß Karin

„einfach-i-indisch-vegan-Dal“

So lautete die Ankündigung der hiesigen Evangelischen Gemeinde zum gemeinsamen Kochen. Da musste ich doch erst einmal die Suchmaschine befragen, was „Dal“ denn überhaupt bedeutet. Aha! Vegetarisches Linsengericht aus gelben Linsen. U.a. mit Chili, Ingwer, Kurkuma, Curry und Kokosmilch – das war genau richtig für meinen Gaumen! Somit meldete ich mich an und fuhr gestern Abend in die Gemeinde, wo wir in lockerer, munterer Atmosphäre in der Wohnküche des derzeitigen Pfarrerehepaares miteinander schnippelten und kochten.

Dal ist ein „Arme-Leute-Essen“, die Zutaten sind sehr überschaubar, nur die typischen Gewürze geben dem Essen den richtigen Schliff und somit gab es nicht wirklich viel zu tun. Einige saßen dann nur auf dem Sofa und gequasselt wurde sowieso.

Insgesamt waren wir 12 Personen, darunter 2 Männer. Ich habe einige neue Leute kennengelernt und am schön eingedeckten Tisch im Gemeindesaal haben wir dann miteinander gegessen und geredet und viel gelacht.

Vor lauter Reden habe ich gerade noch das fertige Dal fotografiert, eigentlich wollte ich noch den fertig zusammengestellten Teller ablichten – aber wie immer – im Eifer des Gefechtes habe ich das dann vergessen.

Es gab zusammen auf dem Teller das Dal, dann kleingewürfelte Tomaten, Joghurt mit Gurkenstückchen und Petersilie drin, Blattspinat und Brot.

Sobald ich das Rezept erhalten habe, werde ich es hier einstellen und dann auch nachkochen. Allerdings werde ich Reis anstelle des Brotes reichen.

Es wurde schon gerätselt, was wir als nächstes kochen werden und da eine Person einen polnischen Hintergrund in der Familie hat, wird als nächstes wohl ein polnisches Gericht gekocht werden.

Bis dahin, guten Appetit,

Karin

Nachtrag am 01.02.16: Gestern habe ich das Rezept erhalten und möchte euch dies nun nicht vorenthalten:

Dal – indisches Linsengericht

250 g gelbe Linsen                   einige Stunden in kaltem Wasser einweichen, abseihen, abspülen, abtropfen lassen.

In einem Topf

Öl erhitzen, dazu

1 Tl Senfsamen oder körniger Senf,

1 Viertel Zimtstange,

3 Kardamomkapseln,

½ Tl Kümmelpulver,

1 El Currypulver                      alles anrösten, bis die Senfkörner geplatzt sind, dann

2 klein gewürfelte Zwiebeln,

3 gehackte Knoblauchzehen,

1 Tl gehackter Ingwer,

1 Tl Zucker                               dünsten, bis Zwiebeln glasig sind.

Linsen und

1 grüne Chili in Ringe (je nach Schärfe) dazu und

1 Dose Kokosmilch zugießen.

Bei geschlossenem Topf ca. 15-20 Minuten köcheln lassen. Immer wieder umrühren und aufpassen, dass nichts angeht, sonst Wasser zugießen.

Abschmecken mit Salz, Kurkuma, Garam Masala (ein Muss!) und gemahlenem Koriander.

Es können auch Tomatenstücke und/oder gedünsteter Blattspinat dazu gereicht werden oder auch mitgekocht werden.

Man richtet dazu Naturjoghurt mit geraspelter Gurke, abgeschmeckt mit Salz, Minze und Curry an. Fertig

Habe es gestern gleich gekocht, jedoch ohne Senfsaat, Zimt, Kümmel, Kardamom, Koriander. Alles andere hatte ich jedoch im Haus und es hat auch super geschmeckt. Habe noch kleingeschnittene getrocknete Tomaten mit rein. Dazu gab es gegrillte Hähnchenschlegel und den Joghurt mit Gurken, jedoch mit Petersilie statt mit Minze.

Nun werde ich mir die fehlenden Gewürze besorgen und nochmals genau nach Rezept kochen.

Gutes Gelingen!

Es wurde gefeiert!

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Da ich vergangenen Sonntag mit Sohnemann und Jogi meinen Geburtstag in stiller Dreisamkeit verbrachte, habe ich am vergangenen Mittwoch zum monatlichen Stammtisch der Deutschen Frauen in Amman zu uns nach Hause eingeladen, um diesen in größerer Runde nachzufeiern. Schneechaos war dieses Jahr keines angesagt, doch viele der Frauen befanden sich aufgrund der Feier- und Urlaubstage noch außerhalb des Landes und somit konnte ich von den 35 eingeladenen doch immerhin 14 deutschsprachige redselige und gut gelaunte Damen um 10 Uhr morgens begrüßen.

Einige von ihnen kannte ich noch gar nicht, deshalb fand ich es doppelt schön, dass wir auf diesem Wege in Verbindung kamen.

Wer mich kennt der weiß, dass ich zu meinen Einladungen stets ein leckeres Büffet zaubere. Von Suppe über Knabbereien, Gemüse, Obst, Dips, Salaten, Wurst- und Käseplatte bis Kuchen und Torte, Brot und Brezeln vom deutschen Bäcker, Softdrinks aller Art und Kaffee oder Tee blieb, glaube ich, kaum ein Gaumen ungekitzelt.

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Auch durfte ich mich über schöne Geschenke erfreuen und nach 3 Stunden war die lockere, heitere und unterhaltsame Runde leider schon wieder beendet.

Doch am kommenden Dienstag findet der Frauengesprächskreis in der Evangelischen Gemeinde statt, im Klartext: Kaffee, Tee, Gebäck und Tratschen, da werde ich bestimmt die eine oder andere wieder sehen.

Vielleicht berichte ich auch einmal von dort, bis dahin,

Gruß Karin

Irakisches Nationalgericht

Gestern Abend haben wir mit Sohnemann zusammen das orientalische Zad El-Khair Restaurant in Amman besucht.

Das Konzept des Restaurants besteht darin, die irakischen traditionellen Kulinaritäten nach Jordanien zu bringen.

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Beim Betreten des Restaurants werden wir fast von einer erschlagenden Wärme empfangen, arabische dezente Hintergrundmusik, schwere dunkle Deckenhölzer und Wandtäfelungen, heimelige Wandleuchten zaubern ein Lichtspiel an die Wände, dick gepolsterte Stühle laden zum Verweilen ein, doch auch ein üppig geschmückter Weihnachtsbaum mit wild flackerndem Lichtspiel und hunderten von Kugeln – so scheint es – zaubert eine heimelige Stimmung, tannengrüne Girlanden mit weihnachtlichem Behang schlängeln sich um Gardinenstangen und Raumsäulen und ein zuvorkommender Service werden uns die nächsten Stunden willkommen heißen.

Joachim hat uns hierhergeführt, damit wir ein irakisches Nationalgericht kennenlernen: Masgoof – gegrillter Karpfen.

Auf der Speisekarte eine Auswahl von libanesischen Vorspeisen und irakischen Spezialitäten. So zaubern der libanesische und irakische Küchenchef auch unsere Speisenauswahl.

Doch direkt nach der Bestellung gehen wir nach nebenan und suchen uns aus dem Becken „unseren“ Karpfen aus.

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Dieser wird gefangen, aus dem Kescher auf den Boden geworfen, ein kräftiger Schlag auf den Kopf, dann gewogen. Unserer wiegt 2,3 kg und mit einem Blick auf meine Person bestätige ich, dass uns dieses Exemplar reicht.

Nun sollen wir wieder zurück ins Restaurant, es würde ca. 1,5 Stunden dauern, bis serviert werden würde. Dabei wäre ich noch so gerne geblieben, um bei der weiteren Zubereitungsart dabei sein zu können.

Kurze Zeit später kommt unsere Mezze. Das sind einige kleine libanesische Vorspeisen. Hommos (Kichererbsenpürree), Fatoush (ein spezieller gemischter Salat, bei dem es auf die Marinade ankommt), Hühnerleber (so lecker), gegrillter Halloumi (Käse), Batata harra (eine Art pikante Bratkartoffeln) und dazu ein frisch gebackenes Fladenbrot, welches ich noch nie auf eine solche Art gegessen habe. Eigentlich ein ganz einfacher Fladen, aber geschmacklich so gut gemacht, das allein war schon ein Highlight.

Irgendwann wurden wir dann wieder raus gebeten, um den weiteren Schritt der Zubereitung zu verfolgen.

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Da grillte er, unser Kumpel. Und ein zweiter hatte sich schon dazugesellt. Ich meine nun die Karpfen.

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Nach dem Stich ins Herz, dem Ausweiden und Säubern wird der Karpfen ganz aufgeklappt und mit einer Marinade aus Öl, Salz und Tomate bestrichen und auf diese Konstruktion gespießt und ganz nah am Feuer gegrillt.

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Die Außenseite des Fischs kommt nach außen. Ganz zum Schluss, wenn der Fisch fertig ist, wird die Kohle geebnet und der Karpfen mit der Haut nochmals auf die Kohle gelegt.

Somit überbrückten wir die Zeit. Mezze genießen, trinken, reden, lachen, bis es dann soweit war. Eigentlich waren wir schon so satt und auch müde, doch auch total gespannt auf den so lecker aussehenden Karpfen, dass ich dann total vergaß ein Foto zu machen.

Diesen Fisch aßen wir dann ohne jegliche Beilage und wenn jemand bei dem Begriff Karpfen an einen sumpfigen oder modrigen Geschmack denkt, kann ich das nicht bestätigen. Diese Fische hatten in dem klaren Becken wohl noch einige Zeit, sich „freizuschwimmen“.

Danach gab es noch Dessert, welches von manchen Restaurants automatisch aufgetischt wird. Leckeres frisches Obst, außerdem gab es noch eine Art Vanillepudding mit fruchtigem Götterspeisenspiegel und eine Art Reispudding. Beides auch sehr lecker, sonst wird zu unserem Leidwesen meist zu großzügig mit Rosenwasser parfümiert.

Alles in allem ein sehr gelungener im wahrsten Sinne köstlicher Abend, danke Jogi.

Bis zum nächsten Besuch, Gruß Karin

Kurztrip

Ich heiße euch im Neuen Jahr willkommen, hoffentlich seid ihr ohne Blessuren gut hineingerutscht!

Wie immer haben wir alles ganz geruhsam und ohne großes Tamtam an uns vorbeiziehen lassen. Den einzigen Luxus zum Jahreswechsel haben wir uns gegönnt, in dem wir vom 28.12.-31.12.15 nach Aqaba gefahren sind.

Wir nahmen die landschaftlich schönere Strecke am Toten Meer entlang, denn trostloses Wüstendurchqueren kam danach sowieso.

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Das Tote Meer, im Hintergrund ist Israel

Die ganz im Süden gelegene Hafenstadt am Roten Meer, besser gesagt am Golf von Aqaba, hatten wir nach 320 km bei herrlichen 24 Grad nach 3,5 Stunden Autofahrt erreicht. Wir fuhren um 8.30 Uhr am Morgen hier in Amman bei knackigen 8 Grad los und ich kam mir dann mit Stiefeletten, Winterpulli und Cape in der Lobby des Hotels reichlich deplatziert vor. Die Gäste flanierten in kurzen Hosen, Sommerkleidchen und barfuß in Badelatschen an uns vorbei! Dabei fand ich es gar nicht so warm, es ging ein kühler Wind und im Schatten war es merklich kalt. Trotzdem machten wir uns gleich auf zum Strand und da lagen wir dann in Badesachen auf dem Liegestuhl in der Sonne.

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Strandansicht, im Hintergrund die Sinai Halbinsel

Ich konnte es gar nicht fassen, zu Hause brauchte man die Heizung und nun lag man halbnackt am Strand. Entgegen Joachim habe ich mich aber nicht ins Wasser getraut, das war schon sehr kalt und ich hatte keine Badekleidung zum Wechseln dabei. Am Abend zeigte sich dann ein gigantischer Sonnenuntergang, der allerdings auch ein bedenkliches Wolkenspiel mit sich brachte.

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Am nächsten Tag dann nur Regen, kühl und Trostlosigkeit. Somit fiel der Strandaufenthalt sprichwörtlich ins Wasser. Da unser Hotel, das Radisson Blu, sich in der neu angelegten Tala Bay Bucht, ca. 16 km südlich von Aqaba befindet, haben wir uns zu einem Spaziergang durch die ganze Anlage aufgemacht. Hotels, Privatwohnungen, Shops und Marina sind dort angelegt. Anschließend sind wir nach Aqaba gefahren um uns dort ein wenig umzusehen.

Mein auserkorenes Ziel war die mittelalterliche Festung und der direkt danebengelegene Flaggenmast. Ansonsten ist Aqaba ein sehr geschäftiges lautes Städtchen mit vielen kleinen Läden wie in jeder anderen Stadt eben auch. Hauptsächlich kommt man hierher, um zu baden, schnorcheln, tauchen oder zu relaxen.

Die Gegend um Aqaba war bereits im 4. Jahrtausend v.Chr. besiedelt. Ob es die Ptolemäer, Römer, Nabatäer, die Byzantiner, Kreuzritter oder Moslems, die Osmanen oder Araber waren, jedes Volk hat etwas zum Entstehen der heutigen etwa 80 000 Einwohner-Stadt beigetragen.

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Nach dem Rückzug der Osmanen wurde das Wappen über dem Eingang durch die gekreuzten Schwerter der Hashemiten ersetzt

Die Ruinen der Festung sind sehr verfallen, doch die dicken Mauern und der Innenhof sind bereits gut restauriert, die angrenzenden Räume konnte man aufgrund Renovierungsarbeiten nicht besichtigen.

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Der Innenhof der Festung mit Blick auf den Eingang

Direkt nebenan steht der Flaggenmast mit einer Höhe von 137 Metern und einer Fahne von 20 x 40 Metern. Die Fahne zeigt nicht die jordanische Flagge, sondern die der arabischen Revolution von 1916. Genau an diesem Platz fand 1916 der arabische Aufstand unter dem Ururgroßvater des heutigen Königs statt. Dieser Aufstand führte zur Unabhängigkeit vom osmanischen Reich.

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Nun noch ein Foto meiner selbst. Im Hintergrund seht ihr die israelische Hafenstadt Elat.

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Sohnemann verbrachte die Zeit im Fitnessraum oder bei Regenpause an den Trainingsgeräten am Strand, schlafend, Filmeschauend im Zimmer oder mit Kaffee beladen lauernd auf dem Balkon nach knackigen An- und Aussichten. Die geplanten Tauchgänge konnten aufgrund des Wetters leider nicht getätigt werden. Außerdem verweilten sich meine Männer beim Bodenschachspiel in der Anlage und ich versuchte mein Buch fertigzulesen, was mir jedoch nicht gelang, gab es doch immer wieder Menschen zu beobachten. Auch ich nutzte die Trainingsgeräte am Strand oder tat einfach mal nichts.

Am Mittwoch war zum Glück wieder Traumwetter, wir konnten bereits auf der Restaurantterrasse im Sonnenschein frühstücken. Anschließend ging es direkt zum Strand, allerdings schoben sich immer wieder dunkle Wolken vor die Sonne, so dass es dann empfindlich kühl wurde.

Am Silvestermorgen sind wir schon gegen 10 Uhr wieder zurück Richtung Amman gefahren, Joachim hatte am Nachmittag eine Jahresabschlussfeier mit der Belegschaft. Ich mühte mich durch den Straßenverkehr um zum Supermarkt zu gelangen. Heftigste Regenstürme und auch Schneeschauer wurden erwartet. Somit gab es wieder Hamstereinkäufe. Die Wetterprognose war richtig, der Sturm war sehr heftig, der Schneeschauer der am späten Abend einsetzte war erträglich, heute gegen Mittag war alles wieder weggeschmolzen.

Bleibt abzuwarten, wann die nächste Schneefront eintrifft, bis dahin,

Gruß Karin

Kalter Vollmond…

…, so nennt sich dieser Vollmond zur Winterzeit! Ansonsten war es tagsüber ja eher warm und sonnig.

Auch wir konnten den „Frostmond“ zum 1. Weihnachtsfeiertag am wolkenlosen Nachthimmel leuchten sehen.

Gegen 23 Uhr stand er ganz weit oben hoch am Himmel, ich musste mich zum Fotografieren weit nach hinten beugen.

2015-12-25

Zuletzt gab es vor 38 Jahren, also 1977, zum 1. Feiertag einen Vollmond und der nächste wird uns erst wieder 2034 beschert.

Was wird in dieser Zeit wohl alles passieren? Wir dürfen gespannt sein!

Bis dahin, gute Träume,

Gruß Karin

Winteranfang!?

Draußen strahlender Sonnenschein, seit Wochen trocken, die angekündigten tagelangen Regenschauer blieben letzte Wochen aus, es geht ein kalter Wind und trotzdem möchte man sich raussetzen, warm verpackt, denn drinnen in der Wohnung scheint es noch kühler, trotz dass ich sehr warm angezogen bin. Somit werde ich in etwa 2 Stunden, wenn die größte Hausarbeit erledigt ist, wie jeden Tag die Heizung einschalten. Da ich mich seit einer Woche abwechselnd mit heftigsten Migräneanfällen, stundenweise fließender Nase, plötzlichen Reizhustenattacken und allgemeinem Unwohlsein plage und mir just in diesem Moment eigentlich keinen neuen Kopf wünsche, da er ausnahmsweise mal klar und frei von diesem dumpfen Klopfschmerz ist, der ideale Zeitpunkt, meine Weihnachtspost in den Äther zu senden.

Heute ist also kalendarisch Winteranfang. Wir merken wohl alle überall auf der Welt, dass die Klimaveränderung uns merklich ihren Stempel aufdrückt. Momentan zeigt unser Außenthermometer im zugigen Schatten 13 Grad Celsius. Eigentlich wollte ich diesen Beitrag mit einem Gedicht zu Weihnachten eröffnen, doch fast immer schrieben die Autoren in vergangener Zeit von tiefverschneitem Wald, weißen Wegen und Eiseskälte. Werden wir wohl noch einige Wochen warten müssen und dann hoffen wir wiederrum, dass es uns nicht gar so sehr erwischt!

Übermorgen ist Heilig Abend! Unser Sohn wird am Morgen eintreffen. Alles ist bereits vorbereitet, das Gästezimmer wartet auf ihn. Ich habe einige Plätzchen gebacken, weniger Sorten als sonst. Dafür ist Quarkstollen, Hefezopf und Apfelstrudel fertig im Gefrierfach. Auch Zwiebelkuchen, Gemüsetarte, Leberspätzle, Schupfnudeln und Kürbissuppe warten dort auf ihre Verwendung. Habe heute Morgen schon Biskuitboden für eine Schwarzwälder Kirschtorte gebacken. Ich habe noch kostbare Kirschen im Glas aus dem Libanon. Kostbar deshalb, da man diese hier nicht kaufen kann. Somit gibt es zu Weihnachten dieses Jahr eine Torte. Und dann kann ich ganz bequem immer mal was auftauen, vielleicht kündigt sich ja auch mal ein Besuch an, wer weiß. Da fällt mir ein, gleich noch beim deutschen Bäcker Brot und Brezeln zum Abholen für morgen zu bestellen, denn Weißwürste aus Deutschland haben wir auch noch eingefroren. Ihr seht, wenn Junior zu den Feiertagen kommt, der optimale Grund die ganzen Kostbarkeiten zu genießen!

Am Heilig Abend wird es Kartoffelsalat und Bratwürstchen aus Deutschland geben und am 1. Feiertag habe ich Truthahnkeulen, Kartoffelklöße und Blaukraut geplant. 2. Feiertag gibt es hier ja nicht, ist wieder Alltag.

Die Wohnung ist nun inklusive Baum fertig geschmückt. Dezent sind hier und da kleine Lichtquellen, in denen sich Kugeln und Schmuck aller Art spiegeln.

Die letzten vier Wochen war ich beschäftigt, zahlreiche Weihnachtsbasare und -Märkte zu besuchen. Joachim belächelte mich ja schon, ob ich es denn nicht irgendwann übertreiben würde. Doch da ich letztes Jahr bis auf den Kirchenbasar in der Nachbarschaft überhaupt nichts mitbekam, sei dem Netzwerk der Deutschen Frauen in Amman Dank, denn somit wurden mannigfaltige Infos von Veranstaltungen weitergeleitet. Die einen für mich sehr empfehlenswert, so auch ein sehr schön gestalteter Weihnachtsmarkt im Vorgarten des italienischen Restaurants Romero, bei dem es richtig leckeren Glühwein zu kaufen gab. Bei anderen Veranstaltungen reichte es, sie einmal besucht zu haben.

Morgen mach ich also nochmals meine Tour durch den Supermarkt und dann ist Ruhe!

Auch diese wünsche ich euch, macht langsam, es muss nicht alles perfekt sein. Bleibt dafür gelassen und zufrieden und lacht miteinander!

Frohe Weihnachten und für 2016 die besten Wünsche,

bis dahin Karin

2015-12-22

Unser Baum 2015

1, 2, 3, 4, 5,… der gläserne Mensch

Jordanien hat am 30. November mit einer Volkszählung begonnen. Laut Gesetz soll dies alle 10 Jahre geschehen, die letzte war 2004 und es wurden 5,1 Millionen Einwohner gezählt. Somit mehr als überfällig, um vor allem einen Überblick über die Flüchtlingssituation zu bekommen. Angeblich sind bereits allein 33.000 syrische Schutzsuchende im Land.

Laut Website der Deutschen Botschaft Amman hat das Land nun 6,1 Millionen Einwohner, allein in der Hauptstadt Amman sollen sich 2,1 Mio. befinden.

Auch wir wurden letzte Woche von einem der 21.000 Mitarbeiter des Statistikamtes besucht. Leider sprach er nur sehr schlecht englisch, auch ich hätte einiges wissen wollen. Aber somit gaben wir ihm Auskunft auf seine vielen Fragen, die er emsig in seinen MiniPC eintippte.

Fragen zu Personalien, Nationalität, Heiratsdatum, warum im Land, wie viele Personen, Arbeitgeber, Größe der Wohnung, Mietpreis, Zimmeranzahl, Anzahl von TV, PC, und Mobiltelefonen, Internet, Autos, Krankenversicherung usw.

Somit darf auf das offizielle Ergebnis, welches für Februar 2016 erwartet wird, gespannt sein.

Bis dahin, Gruß Karin

 

Zum 1. Advent

2015-11-29 1. Advent

Zum heutigen 1. Advent am 29. November 2015 schicke ich euch die besten Vorweihnachtsgrüße und wünsche euch schöne, ruhige, nicht zu hektische Wochen vor Weihnachten.

Die ersten Lebkuchen hab ich schon gebacken, jedoch muss ich zu unserer Schande auch gestehen – schon gegessen. Die Wohnung ist dekoriert, den Halbbogen meines Arrangements habe ich selbst gebunden mit Grünzeugs aus dem Garten. Ansonsten bin ich hochmotiviert, dass es die nächsten Wochen mit Backen weitergeht, denn pünktlich zum Heiligen Abend erwarten wir Sohnemann – ich freu mich mächtig!

Bis dahin, Gruß Karin

Peter Pan

Gestern Nachmittag besuchten wir eine Vorstellung der

Russian Ice Stars in Peter Pan on Ice.

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1,5 Stunden lang wirbelten 18 Eiskunstläufer über die Eisfläche und stellten die Geschichte um Peter Pan, Captain Hook, Tinker Bell und all den anderen Figuren im Nimmerland, dar.

2

Die Handlung von J. M. Barrie wurde nur anhand der musikalischen Untermalung, dem Eistanz, Gesten und Mimik erzählt, kein einziges Wort kam über die Lippen der Darsteller.

3

Das taten sie äußerst wirkungsvoll, die Pantomimik beherrschte die Truppe aus dem Effeff. Vielleicht lag es auch daran, dass wir in der 4. Reihe natürlich eine super Sicht auf die Bühne hatten. Natürlich das Eislaufen nicht zu vergessen. Waghalsige Sprünge, harmonisches Paarlaufen, akrobatische Hebefiguren – das Publikum war begeistert und spendetet reichhaltigen Applaus und Standing Ovation.

4

Unser Fazit: Dafür, dass nur Schiebekulissen aus Pappe, die mit einfachster Malerei versehen waren und nur vereinzelt Requisiten verwendet wurden, dazu keinerlei Stimme oder Laute zu hören waren, war der Eintrittspreis, egal in welcher Kategorie, definitiv zu hoch. Auch wenn es sonst eine sehr schöne Vorstellung war.

Sind wir mal gespannt, was wir uns als nächstes anschauen dürfen, bis dahin,

Gruß Karin

Goethe Filmwoche

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Vom 15. – 19. November 2015 veranstaltete das Goethe-Institut Amman eine Filmwoche. Fünf neue deutsche Publikumsfilme, alle mit Preisen und Auszeichnungen, wurden kostenlos im Rainbow Theatre ausgestrahlt.

Leider war es uns letztendlich möglich, nur eine der Vorstellungen zu besuchen. Aber dies war ein so herausragendes Erlebnis, dass es mir wert ist, darüber zu schreiben.

Es handelt sich um den Film Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht von Edgar Reitz aus dem Jahre 2013. Nun fällt mir auf, ich schreibe schon wieder von Sehnsucht! Das Goehte-Institut Beirut mit den kurzen Geschichten zum Thema Deutsche Sehnsucht, und nun hier der ausgestrahlte Film vom Goethe-Institut Amman. Bitte nun keine psychologischen Rückschlüsse ziehen! Aber zurück zum Thema.

Kino

Der Film thematisiert die Jahre 1840 bis 1844 und die damalige Welle von Auswanderungen aus dem Hunsrück nach Brasilien. Der Schwarz-Weiß-Film irritierte mich zu anfangs, werden wir in unserer heutigen Zeit mit Farben doch nahezu überschüttet! Hingegen das Hunsrücker Platt mich manchmal eher an meine schwäbische Heimat erinnerte. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich oftmals ertappte indem ich bei Unverständnis automatisch die englischen Untertitel las.

Während der Filmlänge von 230 Minuten, gab es eine Pause, in der Erfrischungen und Snacks angeboten wurden. Wir stärkten uns an Laugenbrezeln und Croissants, Apfelsaft und Wasser löschte unseren Durst, bevor es mit dem 2. Teil weiterging.

Noch tagelang unterhielten wir uns über den Film, waren wie gefangen in der Handlung. Sollte es jemandem von euch möglich sein, diesen anzuschaun‘ – zögert nicht und gebt mir euer Feedback!

Bis dahin, Gruß Karin

 

 

Terrassenverschönerung!?

Endlich ist es vollbracht! Nach über drei Wochen, in denen wir unsere Terrasse nicht nutzen konnten, ist auch diese Renovierung nun fertig!

Nach abermals viel Dreck und Staub und vor allem Lärm, konnte ich vorhin unsere Terrassenmöbel putzen und endlich nun ist auch dieses Projekt beendet.

Am 31.10.15 kamen ohne vorherige Ankündigung die Handwerker und stemmten die alten Fliesen heraus.

Am nächsten Tag wurde alles abtransportiert und der darunterliegende Kies zusammengekratzt und außerhalb der Terrasse gelagert.

Am 05.11.15 wurde spät nachmittags mit Terrassenlicht der Zementsockel gegossen, auf den es dann auch sofort draufregnete. War das eine Sauerei!

Bis dann die Regentage wieder vorbei waren und alles gut durchgetrocknet war, verging abermals Zeit, bis dann an einem Freitag die Marmorfliesen verlegt und verfugt wurden.

Nach drei Tagen sollte das Abschleifen erfolgen, wir warteten jedoch unter Protest über eine Woche. Die Arbeiter kamen dann vorgestern Nachmittag um 16 Uhr und schliffen und polierten bis nach 22 Uhr! Diesen Krach fürs Haus und die Nachbarschaft muss man sich vorstellen! Doch anscheinend stört das hier niemanden! Auch dass immer nur im spärlichen Licht gearbeitet werden muss, wundert mich, denn um 17 Uhr ist es hier duster.

Der Belag ist sicherlich schöner und ebenmäßiger als vorher. Zum Rest vom natursteinverkleideten Haus passt der Marmorboden nicht wirklich, auch die Schmierereien entlang des Sockels sind meinem ordnungsliebenden Auge ein Dorn im selbigen. Aber ich habe gelernt, mit Dingen, die nicht uns gehören, anders umzugehen.

Nebenbei war dann auch noch der Fensterbauer da und hat in der Küche die Räder der Glasschiebetür erneut. Diese flutscht nun nahezu geräuschlos in der Schiene.

Nun warten wir eigentlich nur noch auf den Sichtschutz zur Straße hin. Ausgemessen wurde schon vor vielen Wochen, hoffen wir, dass dieser auch bald installiert wird.

Bis dahin, Gruß Karin

 

Deutsche Sehnsucht

Vor zweieinhalb Jahren etwa, startete die Leiterin der Deutsch-Libanesischen Vereinigung zur Förderung der Kultur ein Projekt, Kurzgeschichten zu dem Thema Deutsche Begegnungen mit dem Libanon zu sammeln und diese dann in einem Buch zu veröffentlichen.

Dieses Werk sollte auf der Buchmesse erscheinen und die beteiligten Autoren sollten dazu eingeladen werden. Das klang spannend und da wollte ich möglichst dabei sein!

Ich schickte meine Geschichte ein, später wurde noch nach einem Passbild gefragt und ich wartete dann geduldig auf Nachricht.

Genau vor einem Jahr wurde ich vom Goethe-Institut informiert, dass die Pläne sich geändert hätten und ob ich noch Interesse an einer Veröffentlichung hätte. Natürlich! Somit schickte ich meine Geschichte abermals ein.

Es wurde ein gemeinsames Projekt der Sprachabteilung und der Informations- und Bibliotheksabteilung des Goethe-Instituts Libanon

Dann hörte ich nichts mehr – bis heute!

Eben wollte ich noch schnell zum Einkaufen gehen, danach noch endlich liegengebliebene Mails beantworten, Wäsche erledigen, vor dem Wochenende nochmals die Wohnung durchsaugen, da erreicht mich eine Mail des Goethe-Instituts Beirut, dass endlich die kurzen Geschichten online auf Deutsch, Englisch und Arabisch erschienen sind.

Da wurde ich natürlich neugierig und folgte dem Link…

Tja, und da sitz ich nun seit geraumer Zeit und bin natürlich erst einmal mit Lesen beschäftigt. Sehr interessant, lustig und auch nachdenklich, was die Autoren so preisgeben. Und da ich auch so schnell als möglich euch informieren wollte, musste ich natürlich schnell im Blog weiterschreiben, doch nun lest erst einmal selbst, viel Spaß!

Goethe-Institut Beirut kurze Geschichten

Allerdings bin ich sehr erstaunt, dass nicht mehr Erzählungen veröffentlicht wurden.

Aber die Aktion ist noch online gestellt, vielleicht möchte eine/r meiner Leser/innen sich noch beteiligen?

Freue mich schon heute über einen Beitrag von euch, bis dann

Karin

Stammtisch und Olivenholzfabrik

Immer am 1. Mittwoch des Monats treffen sich Deutsche Frauen Amman am Vormittag für 2-3 Stunden hier in der Nähe in einem Café zum Stammtisch. Die Gruppe existierte früher unter Deutschsprachiger Club. Die Treffen kamen jedoch im Laufe der Jahre komplett zum Stillstand und die Idee einer Reaktivierung kam eigentlich durch mich und meiner Suche nach Kontakt. Das Durchschnittsalter dieser Damen ist wesentlich jünger als das der German Speaking Ladies, welche ich im Februar aufsuchte. Alle möglichen Nationalitäten, aber alle deutschsprachig. Eine der Damen hat nun die Organisation übernommen, Kontakt kommt über eine WhatsApp Gruppe und per E-Mail zustande. Wir haben mit 6 Frauen begonnen und nun sind wir in der Verteilerliste fast 30.

Somit kommen nun von allen Ecken Infos, auch kann überall um Rat und Hilfe gefragt werden und es ist sehr nützlich, wenn manche der Frauen schon seit Jahrzehnten hier verheiratet sind und sich auskennen. Ein anderer Teil der Frauen sind auch nur für 3-5 Jahre oder eben die Dauer des Auslandeinsatzes hier. Also genau so, wie in anderen Ländern eben auch.

Letzte Woche hat uns eine von der Olivenholzfabrik erzählt, und da zum Wochenende bereits die ersten Frauen zum Weihnachtsurlaub nach Deutschland aufbrechen, wollten wir diese Fabrik schnellstens besuchen und eventuell auch Geschenke einkaufen. Ich denke, aufgrund der hohen Preise fielen die Einkäufe nicht so groß aus. Ich erstand lediglich Christbaumanhänger und hatte das Glück, 1b Ware zum halben Preis zu bekommen.

Im Industriegebiet Bayader, nahe dem 8. Circle, befindet sich Desert Rose Holy Land Designs. Ein von Amerikanern geführtes Unternehmen, welches unter Fairem Handel und dem Grundprinzip der Frohen Botschaft, für das Wohl der Gemeinschaft arbeitet. Beschäftigung von Menschen praktiziert, die aufgrund eines Defizits, (körperlich oder sozial) in der freien Wirtschaft keine Arbeit erhalten würden und diese somit sich und ihren Familien Wohnung, Nahrung und Bildung ermöglichen. Dieses Unternehmen stellt aus Olivenholz speziell für den amerikanischen Markt Figuren, Anhänger, Schalen, Besteck und dergleichen her. Größtenteils haben diese Dinge einen sakralen Hintergrund, also Krippen, Figuren, Kreuze usw.

Nun muss man sich das so vorstellen: Wenn ein Olivenbaum nach vielen Jahren keine gute Ernte mehr abwirft, wird der Stamm radikal 1,5 Metern über dem Boden abgesägt. Er treibt dann wieder neu aus und bringt somit Ertrag.

Mit diesem Fallholz arbeitet das Unternehmen. Möglichst alles wird wiederverwendet. Kein Baum wird nur aus dem Grund der Holzgewinnung gefällt.

Hier nun einige Bilder der Werkstatt

 
In diese Maschine warden zurechtgesaegte Holzkoetze einespannt...

In diese Maschine werden zurechtgesägte Holzklötze eingespannt…

...und diese Rohlinge herausgefraest

…und diese Rohlinge herausgefräst

Arbeitsschutz?

Arbeitsschutz?

Warten bis zum Finetuning

Warten bis zum Finetuning

Die Damen in der oberen Etage beim Sandstrahlen, Schmirgeln, Feilen, Polieren, Ölen u.a.

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Und hier Ausschnitte vom Verkaufsraum:

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Derzeit wird schon für Ostern produziert und versendet. In der Zwischenzeit werde ich mit Joachim nochmals vorbeischauen, vielleicht lässt sich ja nochmals ein Schnäppchen finden, bis dahin

Gruß Karin

Am Tag als der Regen kam

Nachdem nun die letzten Tage die weit entfernten Ausläufer des Zyklon Chapala über uns hinweggeweht sind, vor allem gestern war es extrem schlimm, kam nun der Regen. Segen oder Fluch?

Dachte heute Morgen beim Hochziehen der Rollläden, ich seh nicht richtig. Gestern Abend noch alles grau-gelb verhangen, die ganze Atmosphäre voll Sand, heute Morgen nun wieder einmal sintflutartige Regengüsse mit Blitzlichtgewitter. Wenigstens ist die Luft wieder klar und rein, so dass man wieder tief durchatmen kann.

Letzte Woche erst lief dem Nachbarn gegenüber in Strömen das Wasser durch seine stark abschüssige Einfahrt in die Garage hinein, sodass am Nachmittag stundenlang abgepumpt werden musste. Doch heute, beim 2. großen Regen nach dem Sommer, übertraf es auch dies. Im Sträßchen vor unserem Haupteingang suchte sich ein reißender Bachlauf seinen Weg hinab, von Gehwegen nichts mehr zu sehen, nur eine grau-braune Brühe mit Unrat. Musste das Wasser auf dem Küchenbalkon mit dem Abzieher immer wieder die Treppe hinunterschieben, es wäre sonst mangels Gefälle zur Tür hineingelaufen.

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Ein unverbesserlicher Mercedes-Lenker fuhr mit seiner Limousine mitten durchs Hochwasser. Scheibenwischer, Licht und Motor ging aus und er steckte über eine Stunde lang fest, bis zwei beherzte Hausmeister durchs knietiefe Wasser wateten und ihn aus der Senke schoben um das Fahrzeug einige hundert Meter weiter sicher abzustellen.

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Mein WhatsApp Messenger lief heiß, denn meine Stammtischschwestern schickten sich die abenteuerlichsten Fotos und Videos. Leider kann ich hier keine Videos veröffentlichen, sonst hätte ich haarsträubende Szenen von gefluteten Tunnelunterführungen zeigen können, wobei nur noch die Dächer der Kleinbusse und Autos zu sehen sind, auf denen hilfesuchend die Passagiere stehen. Bis jetzt in den Nachmittag hinein werden Bilder und Berichte gepostet. In der alten Innenstadt sei das Roman Theater noch mit Müll und Wasser überschwemmt, die Geschäfte seien mit abpumpen und putzen beschäftigt.

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Inzwischen ist das Wasser hier in der Straße abgeflossen und die Hausmeister haben mit den Abziehern den ganzen Asphalt gereinigt. Chapeau! Bin mal gespannt, wann hier systematisch die Abflüsse und Schächte gesäubert werden, vorhin wurde ein Schubkarren voll Schlamm, Dreck und Sand aus nur einem Gulli gegraben.

Dabei soll es noch weiterregnen. Joachim kehrt morgen früh wieder zurück, hoffe nur, er kann wohlbehalten landen und nach Hause kommen. Dann trällere ich wie Dalida einst 1957!

Bis dahin, bleibt trockenen Fußes!

Karin

Konzertabend

QUADRO NUEVO – A Night of Music –  so lautete die Programmankündigung über das Goethe-Institut.

An zwei Abenden gastierte das Instrumental-Quartett im Al-Balad Theater in Amman. Da die Gruppe mir gänzlich unbekannt war, habe ich mich online informiert, Hörproben gelauscht und wollte dann sehr gerne zum Konzert gehen.

Quadro Nuevo

Zitat laut der Ankündigung durch das Goethe-Institut:

Quadro Nuevo, die europäische Antwort auf den Argentinischen Tango. Arabesken, Balkan-Swing, Balladen, waghalsige Improvisationen, Melodien aus dem alten Europa und mediterrane Leichtigkeit verdichten sich zu märchenhaften Klangfabeln.

Das hörte sich spannend an! Zumal mir nach dem ersten Abend einige Stammtischschwestern per Telefon versicherten, welch toller Abend dies war. Somit habe ich gestern Abend alleine den Weg in die alte Innenstadt Ammans gesucht, da Joachim ganz kurzfristig am Abend beruflich schon wieder auf Reisen musste.

Das Al-Balad Theater im Herzen der Innenstadt wurde aus einem ursprünglich im Jahre 1940 erbauten Kino in ein Theater umgebaut. Es fördert junge Künstler aus dem Land und der Umgebung. Auch dient das Gebäude als Übungsraum, Lesungen werden abgehalten, für Film- und Videovorführungen, als Seminar- und Workshopstätte, für Konzerte u.v.m.

Al Balad Theater1Finanziert durch Unterstützungen, Förderprogrammen, Mitgliedschaften und Spenden soll das Haus einem breiten Publikum offen stehen, gleich welcher Herkunft oder Kultur, sozialem oder finanziellem Status. Kunst soll allen ermöglicht werden! Das spiegelt sich auch in dem sehr günstigen Eintrittsgeld und dem Publikum wieder. Der flippige Student mit Rastazöpfen sitzt neben dem gutsituierten Herrn und die abgehetzte junge Frau mit der durchsichtigen Plastiktüte, aus der Tomaten und Avocado hindurchscheinen, genießen die Vorstellung ebenso wie verliebte Pärchen, junge Kerle in kurzen Hosen, Rucksack und Sandalen, Frauencliquen und zurechtgemachte Damen jenseits der 70. Am Ende werden schlafende Kinder hinausgetragen, worüber ich mich im Vorfeld schon wunderte, dass diese während der Schulwoche überhaupt anwesend waren. Das Theater wirkt mit seiner Inneneinrichtung auf Außenstehende sehr alternativ, provisorisch und fast schon heruntergekommen. Im Foyer spenden die zusammengesessenen uralten und zig Mal überzogenen Polstersessel und die als Tisch zusammengenagelten und mit einer Glasplatte versehenen Europaletten neben derben Holzstühlen trotz allem Gemütlich- und Behaglichkeit.

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Das 1,5-stündige Konzert war super klasse! Anders kann ich es nicht beschreiben. Der tosende nicht enden wollende Applaus hat den deutschsprachigen Künstlern gedankt.

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Sie wollen wiederkehren, irgendwann, ich wär‘ dabei, bis dahin

Gruß, Karin

Zeitumstellung

Uhr

So, vergangene Nacht um 1 Uhr wurden auch hier in Jordanien die Uhren auf Mitternacht zurückgestellt und somit auf die Winterzeit umgestellt. Somit liegen wir Deutschland wieder eine Stunde voraus. Die letzten Tage, seit der Umstellung in Deutschland, waren fernsehtechnisch gesehen nicht so toll. Die Filme um 20.15 Uhr, fingen dann hier erst um 22.15 Uhr an – einer Zeit, in der ich oftmals nur im Halbschlaf der Handlung eines Filmes folgen kann.

Auch deshalb bin ich echt froh, dass die Regierung sich entschloss, diese Tradition wieder mitzumachen. Hier ist es nämlich durchaus nicht normal, dass umgestellt wird. Auch weiß die Bevölkerung dies nicht im Voraus. Man soll die Info aus TV und Zeitung entnehmen. Ebenso wurde mir neulich erzählt, vor einigen Jahren wurde umgestellt und am nächsten Tag wurde dies wieder rückgängig gemacht. So ein Chaos! Aber gestern Nachmittag hörte ich bereits im Radio die Info, man solle die Zeitumstellung in der Nacht berücksichtigen.

Für mich, wie bestimmt auch für viele andere Mitmenschen, trotzdem eine eher lästige Prozedur. Ich sehe ja ein, dass sich frühaufstehende Berufstätige über mehr Licht am frühen Morgen freuen. Aber wie sieht es dann in der zweiten Tageshälfte aus? Da muss bereits am späten Nachmittag schon das Licht in der Wohnung angemacht werden, furchtbare Zeit.

Ich habe mich an meine Vorstandstätigkeit der Vereinigung deutschsprachiger Frauen im Libanon erinnert, und meine damaligen Aufzeichnungen herausgekramt. Lest mal, was ich 2008 an unsere Mitgliederinnen verschickte:

In Deutschland wurde die jetzt gültige Zeitumstellung von der Normalzeit – oder wie von vielen bezeichnet „Winterzeit“ – auf die Sommerzeit im Jahr 1980 eingeführt. Als ein wichtiger Grund galt die Überzeugung, mit der Regelung durch eine bessere Nutzung des Tageslichts Energie sparen zu können. Diese Überlegung war insbesondere noch eine Nachwirkung aus der Zeit der Ölkrise in Deutschland 1973. Ein weiterer Grund war zudem die Anpassung an Nachbarländer, die diese Regelung schon früher eingeführt hatten.

Von 1950 – 1980 gab es in Deutschland keine Sommerzeit, jedoch existierten vor diesem Zeitraum bereits mehrere Sommerzeiten, so gab es 1947 neben der Sommerzeit sogar noch eine Hochsommerzeit.

Eingeführt wurde die Zeitumstellung erstmals 1916 in Deutschland, drei Wochen später folgten Großbritannien und Irland.

Schon seit der Einführung der Sommerzeit wird über den Sinn und Unsinn dieser Maßnahme diskutiert. Laut Erkenntnissen des Bundesumweltamtes spart man während der Sommerzeit zwar abends elektrisches Licht, jedoch wird dann morgens mehr geheizt, besonders in den kalten Monaten (März, April und Oktober).

Insgesamt steigt der Energieverbrauch dadurch sogar an.

Mediziner haben negative Auswirkungen der Zeitumstellung festgestellt, da sich der Organismus mit der Anpassung seines Rhythmus schwertut. Besonders Menschen mit Schlafstörungen oder organischen Erkrankungen haben hier anscheinend größere Probleme.

Übrigens: Laut Studien gibt es am Montagmorgen nach der Zeitumstellung von der Winter- / Normalzeit auf die Sommerzeit mehr Verkehrsunfälle als an einem gewöhnlichen Montagmorgen.

Warum also, tut man dies Mensch und Tier an? Vielleicht sollte einfach mal ein Staat damit aufhören?

Bis dahin, Gruß Karin

Museumsbesuch

Inzwischen ist das Wohn- und Esszimmer wieder komplett geputzt und eingerichtet, die ersten restlichen Zimmer sind ebenfalls durchgewischt, seit Tagen wechseln sich starke Regengüsse, Windstürme und Sonnenschein ab – da beschloss ich, für heute eine Arbeitspause einzulegen. Auf einer Website, auf der die aktuellen Veranstaltungen der Stadt veröffentlich werden, habe ich gestern gelesen, dass im Jordan Museum eine Fotoausstellung von Alois Musil (1868-1944) stattfindet mit dem Thema: «Photographer of Prophet’s Land» – seltene Fotographien von Jordanien und den angrenzenden Ländern.

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Das interessierte mich, zumal ich auch noch nie im Nationalmuseum war. Spontan rief ich eine Stammtischschwester an, bei der ich glaubte zu wissen, dass sie auch Interesse daran hatte und richtig, sie war hocherfreut. Also gabelte ich sie heute Morgen an einem Treffpunkt auf und wir fuhren nach Downtown. Fanden das Museum auf Anhieb, großer leerer kostenloser Parkplatz und sahen als erstes den berühmten alten Güterwagen der Hejaz-Bahn. Diese dampfte einst von Damaskus nach Amman und steht nun als stilles Relikt vergangener Zeiten auf dem Museumsgelände.

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Das Museum selbst ist ein Neubau, wurde erst vor ca. zwei Jahren offiziell eröffnet und der Blick geht bei diesem imposanten Bauwerk sofort auf die Mauern. Teils unbehauener Stein, dann wieder glattes Mauerwerk und Glas. Symbole für die Vergangenheit, Gegenwart und Blick in die Zukunft.

Nach der obligatorischen Taschenkontrolle bezahlen wir das günstige Eintrittsgeld für Einheimische (schließlich haben wir die Papiere dafür) und dann ging es auch los.

Alois Musil war ein österreichisch-tschechischer Orientalist, Theologe und Geograph. Er war der älteste Sohn einer armen Bauernfamilie aus Mähren. Dank eines Stipendiums des Erzbischofs durfte er in Tschechien katholische Theologie studieren und seine Studien später im Nahen Osten fortsetzen. 1891 wurde er zum Priester geweiht und einige Jahre später erhielt er den Doktorgrad in Theologie. Ebenso begann er ein Studium der orientalischen Sprachen in Jerusalem.

Studienjahre in Beirut, London, Cambridge und Berlin folgten. Anfang 1900 lehrte er als Professor an Universitäten in Tschechien und Wien. Er unternahm ausgedehnte Forschungsreisen durch Arabien und dem Heiligen Land. Veröffentlichte Kartenwerke und Schriften. Während dem ersten Weltkrieg unternahm er als Vermittler Reisen ins Osmanische Reich.

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Alois Musil

Nach dieser Zeit lehrte er in Prag, Mitte der 1920 reiste er mehrfach nach USA, veröffentlichte seine Werke in englischer Sprache. Zeitlebens beobachtete er die Verhältnisse im Vorderen Orient und publizierte immer wieder darüber und hielt dazu auch Vorträge.

Hier nur ein kleiner Teil der ausgestellten Fotos. Leider steht nirgends eine Jahreszahl drauf.

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Viele Jahre spaeter war auch ich dort

Viele Jahre später war auch ich dort

 

Und hier war ich auch

Und hier war ich auch

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Dann ging es weiter durch das eigentliche Museum.

Gleich zu Beginn werden die Funde aus Ain Ghazal ausgestellt. Eine neolithische Siedlung aus der Zeit um 7700 v. Chr., in der Kalkstatuen mit mandelförmigen Augen gefunden wurden.

(Nochmals zur Erinnerung: zum Vergrößern auf das Foto klicken)

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Auch die doppelköpfige Statue aus der Zeit um 7500 v. Chr.. Archäologen rätseln immer noch um die Bedeutung zweier Köpfe auf dem Körper.

Weiter zu dem Skelett eines Mannes, welches aus einem Grab in der Nähe von Petra ausgegraben wurde. Das Alter dieses Grabes wird auf 17.000 Jahre geschätzt. Der Mann war Jäger, 35-55 Jahre alt, von starker aber kleiner Statur. Es sind keine Anzeichen einer Verletzung oder Krankheit nachgewiesen worden. Nach seinem Tod wurde ihm ein ovales Loch in die Stirn gehauen, seine Arme wurden hinterrücks mit den angewinkelten Beinen zusammengebunden und er wurde bäuchlings begraben.

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Der Schädel wurde rekonstruiert, da er andernorts aufbewahrt wird

Gelehrte wissen bis heute weder die Bedeutung des Lochs, noch der Fesselung.

Während der späten Kupferzeit (3800-3600 v. chr.) wurden kleine Kinder in Tontöpfen in der Fötusstellung unter dem Fußboden des Hauses begraben. Leider können über diese Handlungen auch nur Vermutungen angestellt werden.

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Es ging durch die verschiedensten Epochen immer so weiter, leider waren wir etwas unter Zeitdruck, da meine Bekannte nach Hause musste.

Hier noch einige Fotos als Eindrücke.

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Wir sind uns sicher, dass wir den Besuch fortsetzen werden.

Bis dahin, Karin

Renovierung

Als ich vor einem Jahr zum Einzug hier die Wohnung putzte, viel mir schon auf, dass sich im Wohnzimmer an manchen Stellen die Tapete von der Wand löste und darunter alles schwarz war. Oh je!

Nach dem Winter mit dem vielen Regen und Schnee wurde es natürlich nicht besser, als ich jedoch Ende August aus Deutschland zurückkam, erschrak ich regelrecht. Massive Schäden waren sichtbar, aufgequollene Wände – wir mussten handeln. Nach Absprache mit unserem Vermieter war er damit einverstanden, dass die Tapete partiell entfernt und die Wände nur weiß gestrichen werden. Ich war hoch erfreut! Habe mich nach so vielen Jahren Auslandsaufenthalt ohne Tapete zwar an diesem Wandschmuck erfreut, jedoch war das Wohn- und Esszimmer insgesamt viel zu dunkel und somit war ich froh, dass wieder mehr Helligkeit ins Zimmer kommen würde.

Direkt am Abreisetag meiner Freundin fing ich an und nach drei Tagen hatten wir es auch geschafft, das Zimmer leerzuräumen. Schrankwand, Sofas, Esstisch, Sideboard und Laufband mussten aufgrund Platzmangels im Zimmer bleiben, aber alles andere konnten wir auf die restlichen Räume verteilen.

Am vereinbarten Montag wartete ich dann vergeblich, niemand kam, auch der Vermieter war den ganzen Tag nicht zu erreichen. Erst am späten Abend, und wie sollte es auch anders sein, er hatte vergessen den Handwerkern Bescheid zu geben. Jedoch kam er eine Stunde später mit dem Maler zur Besichtigung und für den nächsten Tag war alles ausgemacht.

Joachim ließ im Vorfeld bei der Besprechung schon verkündigen, wir hätten weder Maid noch Putzfrau – sprich, alles was verschmiert wird, muss entfernt werden.

Pünktlich am nächsten Morgen kamen dann auch zwei junge Männer und sie legten direkt los. Abdecken von Möbeln oder Fußboden kannten die Jungs nicht, obwohl ich es nochmals erwähnte. Mit Unterstützung unseres Hausmeisters waren ratz fatz die in Frage kommenden Tapeten unten und ich erschrak!

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2015-10-20.1Jedoch war nur die Untertapete schwarz, die Wand war in Ordnung, an einigen Stellen war Wassereintritt zu bemängeln, aber sonst sah es normal aus.

Habe dann gleich noch alte und nutzlose Kabel, einige bereits vorhandene Bohrlöcher und Schrauben von den Wänden und eine inaktive Außenantenne am Fenster entfernen lassen. Bis dann die Spachtel- und Schleifarbeiten und 2-3 Anstriche getan waren, vergingen zwei Tage. Es wurde ordentlich gearbeitet, sieht gut aus! Nebenher plärrte keine Musik, zum Trinken, Essen und Rauchen gingen sie ohne Aufforderung nach draußen – wunderbar!

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Für die Leser, die schon jahrelang in der Weltgeschichte umhertingeln, sind die nun folgenden Ausführungen Alltag, aber einige meiner Leser, die sowas nicht kennen, die interessiert dies bestimmt brennend.

Nun waren die Maler also vorgestern Nachmittag fertig und der Oberkappo verlangte nach einem Lappen. Ich sprang dann los, holte Eimer mit Wasser und mehreren Lappen. Nun muss man sich zwei arabische junge Männer, Anfang Zwanzig, in deren Wortschatz das Wort „Putzen“ bestimmt nur mit der Hausangestellten oder höchstens der Mutter in Verbindung gebracht wird, beim Putzen vorstellen. Der Oberkappo fing dann mit dem trockenen Lappen an, den weißen Schleifstaub auf dem Sideboard zu entfernen – mein Stichwort einzugreifen.

Ich, der Arabischen Sprache nach wie vor fast nicht mächtig, er nur knapp 5 Worte mehr an Englischkenntnissen. Ansonsten verständigten wir uns die letzten Tage so lala, ich versorgte die Jungs mit Wasser und Kaffee und arabischen Fladenbroten. Wir lachten viel und jeder dachte sich über den anderen wohl seinen Teil.

Nach meinem Eingreifen machte ich ihm verständlich, dass ich die Möbel selbst putzen würde. Da waren ja noch jede Menge anderer Teile, die vom weißen Schleifstaub wie gepudert aussahen. Als da wären die Klimaanlage, die Rollladenabdeckung, Heizkörper, Heizkörperabdeckungen, Fußbodenleisten, Türen und Laminat. Ich verdeutlichte mit Gesten und Worten, wie und wo geputzt werden muss. Irgendwann stieg er dann auf die Leiter, nasser Lappen in der Hand und fing voller Elan von oben an. Der Kollege verdrückte sich auf die Terrasse zum Rauchen, der Hausmeister und ich schauten zu, er gab ihm immer wieder gestikulierend auf Arabisch Hinweise, ich das gleiche in Englisch. Der Arme! Als der Oberkappo dann jedoch merkte, was ich alles sehe, fing dann auch der Hausmeister an, mit der Spachtel die Farbe vom Laminat zu kratzen. Irgendwann verlangte der Maler nach einem Abzieher und machte Anstalten die inzwischen braune Brühe im Eimer, auf dem Boden auszuschütten um diesen nach arabischer Sitte zu putzen. Ich sag nur, Laminat!

Ich wiegelte erneut ab, dass ich das selbst tun würde, gab den aufatmenden Jungs ein Trinkgeld und sie verließen fast fluchtartig unser Heim.

Jogi ist gestern Morgen um kurz nach acht aus dem Haus, er ist für eineinhalb Wochen auf Reisen, von hier in Libanon, dann Deutschland, zurück in Libanon, von dort nach Dubai und zurück hierher. Wenn ich mir recht überlege, verließ er auch er fluchtartig unser Heim, warum nur???

Somit fing ich also gestern Morgen zu putzen an, bis heute Nachmittag, dann war ich fertig. Zum Glück war der größte Dreck schon weggeschmiert worden, nur am hellen Laminat bin ich bald verzweifelt. Hab bestimmt zehnmal darübergewischt und noch immer sind Schmierspuren sichtbar. Der Hausmeister half mir, die Möbel zurückzustellen. Morgen werde ich dann beginnen, die ersten Gläser zu spülen und nach und nach wieder einzurichten. Hoffe ich bin in einigen Tagen fertig, denn inzwischen sind auch die anderen Zimmer schon so eingestaubt, dass diese auch einer Reinigung bedürfen.

Dann bin ich mal gespannt wann es im Außenbereich weitergehen wird. Der Vermieter meinte, nur mit Abdichten wäre es wohl nicht getan, die ganzen Fliesen außen, die gebrochen und abgesetzt sind, müssten wohl erneuert werden, da dort wohl das Wasser eindringen würde. Bin mal gespannt wann das sein wird, nun ist erst einmal ab Sonntag Regen angesagt, da kann das Wasser ja wieder seinen Weg finden!

Bis dahin, Karin

 

Besuch…

hatte sich angekündigt und zwar von meiner Freundin Birgit aus Deutschland. Vom 08.-15.10.15 war sie im Königreich zu Gast. Für die acht Tage war sie ganz schön schwer bepackt! Bis zum letzten Gramm waren die Gepäckfreimengen ausgereizt. Allerlei Leckeres kam zum Vorschein und somit möchte ich meinen Beitrag mit Zeilen von Wilhelm Busch beginnen – natürlich mit großem Augenzwinkern allen Beteiligten gegenüber!

Die Tüte

Wenn die Tante Adelheide als Logierbesuch erschien,

fühlte Fritzchen große Freude, denn dann gab es was für ihn.

Immer hat die liebe Gute tief im Reisekorb versteckt,

eine angenehme Tüte, deren Inhalt köstlich schmeckt.

Täglich wird dem braven Knaben, draus ein hübsches Stück beschert,

bis wir schließlich nichts mehr haben und die Tante weiterfährt.

Mit der Post fuhr sie von hinnen, Fritzchens Trauer ist nur schwach,

einer Tüte, wo nichts drinnen, weint man keine Träne nach.

Ich denke, wir waren ganz schön fleißig unterwegs. Da der Straßenverkehr hier ja viel erträglicher als im Libanon ist, war es nicht ganz so anstrengend zum Fahren. Probleme bereitete eher die Suche nach den auserkorenen Zielen mit Navi und Karte und den verschiedensten Schreibweisen – aber eigentlich fanden wir alles was wir suchten.

Wir waren am 1. Circle in der Rainbow Street, dort wo von Mai bis September der Kunsthandwerkermarkt stattfindet. Auch im angrenzenden Ausstellungsraum der Jordan River Foundation und man kann nur Bauklötze staunen und sich fragen, ob dort anhand der völlig überzogenen Preise für das angebotene Kunsthandwerk überhaupt etwas verkauft wird. Danach bergab Richtung CityCenter, dem ehemaligen römischen Zentrum. Links um eine Kurve herum und was sehen wir da?

City Center

Im geschäftigen und tristen Häusermeer total witzig!

Auf der Suche nach dem Römischen Theater kamen wir an den verschiedensten Souks vorbei. Kleine Gässchen in denen das Leben pulsiert, unzählige Läden, schwatzenden und lärmenden Menschen – Fotomotive für unzählige Themen.

IMG_3129City Center2

Doch unser Ziel war das Roman Theater. Der riesige Steinbau, der vermutlich aus dem 2. Jh. n. C. stammt, fasst ungefähr 6000 Zuschauer und ist somit das größte römische Theater des Landes. Es wurde direkt in den Hang des Hügels hineingebaut und fügt sich somit gut in das heutige Stadtbild ein.

Auch das angegliederte Folkloremuseum und die Ruinen des Odeons von Philadelphia konnten wir mit unserem Eintrittsticket besichtigen.

Roman Theater1Roman Theater2

Am nächsten Tag ging es zusammen mit Joachim in die Mosaikstadt Madaba. Wir wollten uns die St. Georgskirche anschauen.

Madaba1Diese griechisch-orthodoxe Kirche wurde 1896 über das berühmteste Mosaik, der Palästina-Landkarte, gebaut. Dieses stammt aus dem 6. Jh. und ursprünglich wurde die 6 x 25 m Karte aus 2,3 Mio. Steinchen zusammengesetzt. Leider wurde im Laufe der Zeit ein großer Teil zerstört bis man Mitte 1960 die Kostbarkeit zu schützen und erhalten lernte.

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An den Wänden der Kirche hängen viele moderne Mosaike, in der Krypta sind Ikonen ausgestellt.

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Weiter ging es durch die Gassen, wo sich ein Andenkenladen an den anderen reiht und da nicht viele Touris unterwegs waren, wurden die Waren lautstark feilgeboten. Am Ende der Gasse konnten wir unseren Augen nicht trauen und als wir zum Fotografieren begannen, kam Bewegung in die Ladenbetreiber und plötzlich schallte es laut aus Lautsprechern:

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Einmal am Rhein und dann zu zweit alleine sein….  Ich dachte, mich hauts um! Natürlich mussten wir in den Laden! Fanden aber außer den obligatorischen Chips, Säften, Schokolade nichts typisch Deutsches. Da sprach uns der sehr geschäftstüchtige junge Mann auf Deutsch an und bat uns Baklava an, die seine Mama morgens frisch hergestellt hatte, mit den Worten: Nicht so süß und nicht so groß!!! Auch frische Datteln, Sesamkekse und Olivenöl. Alles war wunderbar, wir kauften fleißig ein und dann wechselte die Musik auch in englischen Pop.

Anschließend waren wir im bekannten Haret Jdoudna zum Mittagessen. Leider war es gar nicht gut, wir waren sehr enttäuscht.

Danach ging die Fahrt in westlicher Richtung ans nördlichste Ende des Toten Meers, zum Taufplatz Bethania. Jesus soll dort von Johannes dem Täufer getauft worden sein.

Urspruengliche Taufstelle

Ursprüngliche Taufstelle

Heutige Taufstelle

Heutige Taufstelle

Wir kannten diese Anlage schon von einem früheren Besuch. Schön ausgebaute Wege zur ursprünglichen Taufstelle und dem neuangelegten Taufplatz am Jordanufer. Der Jordan an sich ist nur als grau-braunes Bächlein zu erkennen, durch dessen Mitte die Grenze zu Israel verläuft. Am gegenüberliegenden Ufer, welches vielleicht nur 4 Meter entfernt ist, protzt der Prunkbau der westlichen Nachbarn. Zu erwähnen sei hier noch, dass die ganze Anlage nur per Fremdenführer und Bus ab dem Besucherzentrum zugänglich ist. Fotografieren zu den Nachbarn ist zu unterlassen, besonders der neue Taufplatz ist unter ständiger militärischer Beobachtung.

Der Jordan schlingelt sich dahin. Im Hintergrund eine der vielen Kirche, die es in der Gegend gibt

Der Jordan schlängelt sich dahin. Im Hintergrund die griechisch-orthodoxe Kirche, welche direkt am Taufplatz steht.

Am nächsten Vormittag machte ich für einige Stunden schlapp, somit besuchte Joachim mit Birgit zusammen den Diplomatic Bazaar, welcher jährlich stattfindet. Die verschiedensten Länder bieten Kunsthandwerk und Kulinarisches zum Kauf an. Unter der Schirmherrschaft von Prinzessin Basma Bint Talal werden Spenden gesammelt und diese karitativen Einrichtungen zugeführt. Deutschland, Schweiz und Österreich waren leider nicht vertreten. Warum?

Am Nachmittag fuhr ich dann mit Birgit zur King Hussein Moschee.

King Hussein Moschee

King Hussein Moschee

Wir wurden am Tor schon sehr unfreundlich mit arabischen Worten wieder weggeschickt, ohne dass wir auch nur den Mund aufmachten. Geschlossene Schuhe, lange Hosen, langärmelige Kleidung und ich denke, nur aufgrund des Vorzeigens unserer mitgebrachten Kopfücher durften wir dann gnädig den heiligen Boden betreten. Allerdings nur in den Frauenbereich im Obergeschoss, dort jedoch wurden wir sehr freundlich von einer englischsprechenden Muslima hereingebeten und sie öffnete sofort die Sichtgitter, damit wir einen freien Blick nach unten in den Gebetsraum der Männer hatten.

Blick vom schmucklosen Frauenkaemmerlein hinunter in den Gebetsraum der Maenner

Blick vom schmucklosen Frauenkämmerlein hinunter in den Gebetsraum der Männer

Das weitläufige, gepflegt angelegte Außenareal lädt eigentlich zum Niederlassen und Verweilen ein, jedoch wurden wir regelrecht vom Wachmann unter Kontrolle gehalten und verließen fast fluchtartig das Gelände.

Am Sonntagmorgen sind Birgit und ich mit der Busgesellschaft JETT nach Wadi Musa gefahren. Die Felsenstadt Petra wollten wir zwei Tage lang besichtigen. Das Büro und die Haltestelle der Gesellschaft ist bei uns in direkter Nähe, die Tickets erwarb ich schon Wochen vorher und konnte somit auch die besten Plätze im Bus reservieren. Das war eine sehr angenehme 3-stündige Fahrt. Wir konnten tratschen, zum Fenster rausschauen, fotografieren oder einfach schweigen und dösen. Auf halber Fahrstrecke wurde in einem Souvenirshop Pause eingelegt. Beine vertreten, einkaufen, rauchen, Erfrischungen erwerben oder WC Besuch. Vor vielen Jahren war ich schon einmal in Petra, entschloss mich aber, diese Busfahrt und auch die Übernachtung im Hotel zu testen. Für kommende Besucher kann ich dies nur empfehlen. Die Haltestelle in Petra direkt beim Eingang zum Besucherzentrum, das auserkorene Hotel gegenüber, mit Frühstück und Abend Buffett – somit keine langen Wege oder Taxifahrten. Ich muss jedoch auch hinzufügen, wenn man Petra nicht allzu akribisch erforschen möchte, reicht es auch, morgens hin und abends wieder zurückzufahren.

Info für Besucher: Jordanien hat seit neuestem den sogenannten Jordan Pass (www.jordanpass.jo). In diesem sind Visagebühren und Eintrittsgelder für die verschiedensten Sehenswürdigkeiten beinhaltet. Wenn man Petra besichtigen möchte, lohnt sich dies auf jeden Fall, denn das Tagesticket für Petra kostet für Ausländer schon 50 JD.

Petra, einstige Hauptstadt im Reich der Nabatäer, extrem geschützt zwischen Felsengebirgen, strategisch im Kreuzpunkt mehrerer Karawanenwege liegend, wurde bereits um 9000 v. Chr. mit einfachsten Zeltbehausungen besiedelt und im 3. Jh. v. Chr. allmählich durch feste Bauten abgelöst. Sie besteht aus bizarrer Landschaftskulisse und Felsenarchitektur, bei der wir uns in der heutigen Zeit nicht vorstellen können, wie die Steinmetze damals mit einfachsten Mitteln und unglaublichem Kraftaufwand diese wundervollen Fassaden geschaffen haben. Die Innenräume der zu besichtigten Stätten und Gräber sind jedoch nahezu schmucklos und weisen keine Besonderheiten auf – bis auf den penetranten Geruch der Hinterlassenschaften von Kamel und Esel.

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Es ist eine faszinierende Wanderung in die Vergangenheit, aber auch sehr anstrengend und kräftezehrend. Der Besucher muss sich im Klaren sein, über den langen Abwärtsmarsch bis zum Eintritt in den Siq und durch diesen hindurch bis man erst zum eigentlichen Gelände kommt, ebenso der mühevolle Aufstieg für den Rückweg.

Der Siq: 1200 m lange Schlucht, 80 m hohe Felswaende. Bizarre Felsformationen und unglaubliches Farbenspiel

Der Siq: 1200 m lange Schlucht, 80 m hohe Felswände. Bizarre Felsformationen und unglaubliches Farbenspiel

Vieles hat sich in Petra verändert, seit ich das letzte Mal dort war. Direkt fünf Meter nach dem Eingang wurden mir für meine blonde Freundin schon 1000 Kamele geboten mit der Versicherung, sie wäre eine gute Ehefrau. Auch die, für unseren Geschmack, zu vielen und vor allem hartnäckigen Händler waren manchmal fast lästig. Die zu vielen Pferdekutschen, Kamele, Pferde und Esel und die damit verbundenen Offerten sie zu mieten, war auch ein Zuviel für mich. Aber auch sehr oft hatten wir wirklich Spass an deren Sprüchen, sie scheinen ein ganzes Lexikon an Anmachsprüchen auswendig zu kennen und brachten uns sehr oft zum Lachen und somit ging es frohen Mutes wieder weiter.

Auch gibt es unterwegs sehr viele Möglichkeiten, Getränke, Knabbereien und Souvenirs zu erwerben. Toiletten, Ruhebänkchen und kleine Cafés mit Sitzöglichkeiten zum Rasten und Innehalten laden ein. Da die Kühlschränke und die Beleuchtung Strom benötigen, stören manch einen die Geräusche der Generatoren in der sonst so kargen Landschaft.

Das Schatzhaus: Atemberaubender Anblick am Ende des Siq

Das Schatzhaus:
Atemberaubender Anblick am Ende des Siq

Dies alles soll jedoch trotzdem keinen davon abhalten, dieses neue Weltwunder, das auch seit 1985 auf der Liste der Weltkulturerben steht, zu besichtigen. Ich werde die einzelnen Fotos nicht näher erläutern, wer diese Reise plant, macht sich vorher sowieso schlau.

100 Steinstufen nach oben, um einen Teil der Fassadenstrasse ueberblicken zu koennen

100 Steinstufen nach oben, um einen Teil der Fassadenstraße überblicken zu können

Beim grossen Tempel. Im Hintergrund die Koenigsgraeber

Beim großen Tempel. Im Hintergrund die Königsgräber

Eine Grabhoehle von innen

Eine Grabhöhle von innen

Steinmarmorierungen wie gemalt

Steinmarmorierungen wie gemalt

Unser Hotel direkt gegenueber dem Busbahnnof

Unser Hotel direkt gegenüber dem Busbahnhof

Blick vom Zimmer zum Busbahnhof

Blick vom Zimmer zum Busbahnhof

Als wir am nächsten Tag wieder zu Hause waren, sind wir dann los, um die King Abdullah Moschee, auch blaue Moschee genannt, zu besichtigen. Von einer meiner Stammtischschwestern haben wir erfahren, dass diese für Touristen zugänglich ist. Leider wird die blaue Kuppel gerade renoviert. Schon von der Straße her ist ein großes Schild in allen möglichen Sprachen angebracht mit dem Hinweis auf den Eingang für Touristen. Man kommt in ein großzügig angelegtes Souveniergeschäft und soll sich umschauen. Alle sehr freundlich und hilfsbereit. Dann kann man sich einen schwarzen Kapuzenkaftan aussuchen und wird dann zum Ticketschalter verwiesen. Aufgrund meiner örtlichen Papiere habe ich auch hier viel weniger Eintritt bezahlt als die Touristen. Dann wird man weiter verwiesen, auch hier gilt selbstverständlich Schuhe aus und man darf auch als Frau in den großen Gebetsraum. So kannte ich es auch aus Damaskus von der Ummayyaden Moschee. Wir durften auch draußen rumlaufen, sollten uns, selbstverständlich, ruhig verhalten.

King Abdullah Moschee1King Abdullah Moschee2

Anschließend ging die Fahrt weiter zur Flagpole, der großen Nationalflagge, worüber ich schon einmal schrieb.

Am nächsten Tag war Erholung angesagt. Im Vorfeld erkundigten wir uns in verschiedenen Hotels am Toten Meer nach Tagestickets. Dies erschien uns, trotz beinhaltetem Getränke- und Essensgutschein für die paar Stunden zu teuer. Somit erhielt ich von einer anderen Stammtischschwester die Info über Amman Beach, eine Art Freibad mit Restaurant und Zutritt zum Meer. Schlamm zum Einschmieren und eventuell Badetücher müssen extra bezahlt werden. Mit meinem lokalen Ausweis bezahlten wir nur 10 JD/Person Eintritt. Essen und Getränke dürfen nicht mitgebracht werden.

Amman Beach

Amman Beach

Das war o.k. für uns. Der Pool danach war wirklich schön. Frisch abgeduscht und umgezogen ging es gegen Nachmittag wieder heimwärts, denn am Abend wollten wir ins Kan Zaman Village Essen gehen. Von dort habe ich auch schon einmal berichtet.

Auf der Terrasse beim Essen am Abend

Am Abend auf der Terrasse des Restaurants beim Essen

Für den letzten Tag hab ich wiederrum von einer anderen Stammtischschwester den Tipp bekommen, dass es bei uns in der Nähe einen ganz tollen Gewürzladen gibt und dort genau gegenüber eine große lokale Bäckerei.

Der Gewürzladen Bin Izheiman war eine Augenweide. Die Mischung zwischen chinesischer Apotheke, Kaffeerösterei, Nussladen und Kolonialwaren war total witzig und interessant.

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Auch die Bäckerei Sufara gegenüber war toll. Sehr stark besucht, wuseln die Menschen mit Plastiktüten zwischen den Kuchenblechwagen umher und bedienen sich selbst. An den Theken ringsum wird man bedient und man weiss gar nicht, für welche Art von Keksen oder Dauergebäck man sich entscheiden soll. Birgit hat sich fleißig durchprobiert und gut eingekauft.

Das war es dann auch, in der Nacht ging es für sie zurück nach Deutschland. Sehr schön war’s, lustig – aber auch anstrengend.

Bis zum nächsten Mal, Karin

Oktoberfest auf „jordanisch“…

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…dies wollten wir uns nicht entgehen lassen. Somit sind wir gestern Abend ins Crowne Plaza Hotel zur Jährlichen Deutschen Woche mit deutscher Musik und beliebtem Essen.

Zu vermerken sei noch, diese deutsche Woche findet an zwei Abenden von 19.00-0.00 statt.

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In einem voll klimatisierten großen Zelt war es noch recht ruhig. Die Band, Claudia Fuchs Entertainment, machte gerade Pause. Doch als diese dann wieder zu spielen und singen anfing, war von deutschsprachiger Volksmusik und Schunkelliedern bis zu Wolfgang Petry und Bonnie Tyler alles dabei. Und als dann auch noch das Lasso rausgeholt und Cowboy und Indianer gespielt wurde und ein Stern meinen Namen trug, war nicht nur die Helene atemlos.

Die Saengerin wurde von einem Gast zum Tanz gebeten

Die Sängerin wurde von einem Gast zum Tanz gebeten

Die Tanzfläche war voll, ein einheimisches älteres Pärchen bewegte sich zur Musik, die eine Hand swingend im Takt, in der anderen Hand deren jeweiligen Krückstock schwingend. Sieht man mal, was unsere Volksweisen so bewirken können.

Gegen später probierte sich die Band an rockiger Musik, knockin on heaven’s door und bed of roses – da erinnerte ich mich an unsere Hochzeit.

Im Freien war ein köstliches Buffet aufgebaut. Von Spanferkel vom Grill, über alle möglichen Grillwürste, Kartoffelsalat, Kräuterquark, Kartoffelpuffer, Weißwürste, panierte Schnitzelchen bis zum Mohnkuchen und Apfelstrudel mit Vanillesoße. Es blieben fast keine Wünsche offen.

Irgendwann war auch meine Maß Bier leer und wir fuhren nach Hause und sind uns sicher, dies wiederholen wir nächstes Jahr – Inshallah!

Bis dahin, Karin

Blutmond

2015-09-28 Mondfinsternis

Auch ich habe ihn gesehen.

Am 28.09.2015 um 5.47 Uhr zeigte sich die totale Mondfinsternis am sternenklaren Himmel hier in Jordanien.

So lange wollte ich jedoch nicht warten und hab schon vorher beobachtet und versucht zu knipsen – was mein marodes Mobiltelefon halt so hergibt. Dann wurde es mir an den nackten Beinen und Armen jedoch zu kühl und ich bin wieder ab ins Bett. Schließlich durfte ich noch zwei Stunden dort träumen – vom Mann im Mond.

Aber ein Erlebnis war es allemal!

Bis zur nächsten Beobachtung, Karin