Der König der Bäume,

Symbol der blühenden Liebe und Treue, des Friedens, der Freude und Hoffnung, des Wohlstands, des Lebens und der Fruchtbarkeit. Zeichen der Kraft und Stärke, des Lichts, der Zuversicht und für das Ewige.

Diese und viele weitere Aussagen findet man über den Olivenbaum.

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Seit Jahrtausenden begleitet er die Menschheit und seit einigen Jahren leben ich nun im arabischen Raum und doch war ich noch nie bei der Olivenernte dabei. Das hat sich nun geändert!

Seit kurzem bin ich Mitglied in der AIWA, All International Women in Amman. Letzte Woche hat diese Gruppe einen Ausflug angeboten. Es ging zur Olivenernte nach Al-Alouk, nahe Zarqa, nördlich von Amman. Das Programm war vielversprechend: Erst wird man bei der Ernte dabei sein, im Anschluss in der Nähe einen alten Eichenwald besichtigen und danach gemütlich einen Lunch einnehmen. Außerdem bestehe die Möglichkeit zum Erwerb von Biowaren und zum Schluss wird man bei der Olivenölpressung dabei sein. Das hörte sich alles sehr spannend und interessant an und somit meldete ich mich an.

Dies alles wurde von der Bio-Farm Yanboot Link organisiert, die dort ihre Olivenbaumplantage mit ca. 500 Bäumen hat. Und diese wollten abgeerntet werden. Leider wurde die Tour, durch eine Verantwortliche der Farm, sehr schlecht vorbereitet. Bereits die Hinfahrt im Autokorso mit 5 PKWs, ließ die 20 angemeldeten Damen nur den Kopf schütteln, fand die junge Frau zur besagten Plantage nicht einmal auf Anhieb den Weg! Somit waren wir statt der veranschlagten 45 Minuten doch locker die doppelte Zeit auf der Straße. Etwas entnervt endlich am Ziel angelangt, konnten wir nach Tee- und Pinkelpause endlich losmarschieren. Ja wohin denn? Unsere besagte Reiseleiterin fand vor lauter Bäumen nicht die ihrigen! Nach kurzer Nachfrage standen wir dann also auf einem abgesteckten Platz, wo bereits zwei Arbeiter der Farm beim Ernten waren.

Nun dachte ich immer, die Früchte werden einzeln von Hand gepflückt – dem war nicht so! Am Boden um den Baum herum eine Plane ausgelegt, wird ein kurzstieliger Kunststoff-Rechen einfach durchs Geäst gezogen und somit hat man mit relativ wenig Aufwand ein großes Ergebnis. Versteht sich von selbst, dass wir 20 Damen nicht dazu da waren, die 500 Bäume abzuernten, dazu kamen unser Gequassel in allen möglichen Sprachen und das Fotografieren zu sehr ins Gehege. Aber immerhin – der Wille zählt!

Leider kam von unserer inzwischen peinlich dreinblickenden jungen Dame (denn das Getuschel und Kopfschütteln über den Ablauf bekam sie natürlich mit) so rein gar kein Kommentar zur Olive, alles musste erfragt und dann erst umständlich übersetzt und von den beiden Arbeitern erfragt werden.

Alles was wir somit erfuhren, war also nun, dass es grüne und schwarze Oliven gibt und sie sehr gesund seien. Na, wer hätte das gedacht!!! Doch die Ausführungen gingen weiter: Es gibt zwar verschiedene Sorten, jedoch sind die grünen lediglich unreif, die schwarzen voll ausgereift. Normalerweise erfolgt die Ernte nach den ersten heftigsten Regenschauern, damit der Dreck der letzten Monate abgewaschen wird und die Früchte noch saftiger werden. Da der Regen dieses Jahr jedoch drei Wochen später einsetzte als letztes Jahr, musste man aus Zeitgründen eher anfangen. Roh sind sie nicht genießbar, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Steckte mir natürlich eine schöne schwarze Olive in den Mund, biss einmal darauf, um sie sofort wieder auszuspucken und dieses bittere, pelzige, leicht scharfe, taube Gefühl in der Mundhöhle hielt einige Zeit an. Daher werden Oliven immer in Öl- oder Salzlake eingelegt, wobei jede Familie ihr eigenes geheimes Rezept hat. Das beste Qualitätssiegel für Öl sei es, die grünen und auch schwarzen Früchte kalt zu pressen. Auch das ist in der heutigen Zeit eigentlich allen bekannt! Frisch gepresst ist es total trüb, kann für manch einen auch etwas scharf im Geschmack erscheinen, man lässt es dann bis zum Gebrauch einfach länger reifen.

Nun sollte es weiter zum Eichenwald gehen. Stetig bergab wanderten wir, bis unsere Anführerin dann mitten durch aufgewühlte Erde trampeln wollte. Da manche unserer angemeldeten Damen mit Flip-Flops und Handtäschchen aufgekreuzt waren, wollten wir einen etwas bequemeren Weg gehen. Beim abermaligen Nachfragen bei einem der Arbeiter stellte sich dann jedoch heraus, dass wir genau entgegengesetzt, also stetig bergauf gehen mussten. Abermaliges Kopfschütteln! Ganz oben am Hügelkamm angekommen, erwartete uns eine feine Brise, klare Luft, eine herrliche weite 360 Grad Aussicht und Ruhe!

Von einem Eichenwald kann nun nicht unbedingt gesprochen werden. Auf einem riesigen Areal stehen viele kleinere Bäume, ein staatliches Projekt, welches natürlich mit großem Stolz gehegt wird, da es sehr selten ist, dass in dieser Region überhaupt solche Bäume wachsen.

Im Anschluss ging es wieder bergab zurück zum Gebäude. Es sollte Mittagessen geben. Yanboot verkauft auf mehreren Märkten seine frischen Biowaren und selbstgebackenes Brot. Auch bietet es freitags derzeit in einem Café einen Brunch an, frisch zubereitete Speisen aus den Produkten der Farm. Wir waren alle gespannt, was es wohl zu essen gebe würde. Da wurde aufgetischt: Wasser, Tee und Zitronenlimonade und einige Aluminiumbehältnisse in verschiedenen Größen, Portionspackungen für abgepacktes Essen. Für mich ein absolutes No-Go! Bio Erzeugnisse und dann diese Müllflut aus Plastikbechern, Plastikbesteck und Aluminiumbehälter! Einige der Damen fingen an zu essen, die Portionsgrößen und Auswahl der Speisen sehr spärlich – da war man von der Website und den Werbeprospekten anderes gewohnt. Irgendwann wurden dann Brotscheiben verteilt und wir schauten uns schon komisch an, bis dann der Aufschrei aus der Küche auch uns erreichte. Der Salat als Vorspeise und das Dessert für alle wären zwar da, jedoch das Hauptgericht nur für ein Drittel der Damen reichen würde. Sie hatte den Karton im Restaurant vergessen! Somit war die Katastrophe komplett, es flossen Tränen, sie war am Boden zerstört, als auch dann noch Teilnehmerinnen zu ihr kamen und ihr Geld zurückverlangten. Somit wurde aufgetischt, was immer die Küche und der Verkaufsstand hergab. Eingelegte Oliven und gefüllte Auberginen, Brot zum Dippen in Olivenöl mit Zatar, einer Kräutermischung. Auch wäre der Ehemann schon unterwegs, um das restliche Essen nachzuliefern.

Bis wir dann alles soweit verspeist hatten, was der Tisch so hergab, mussten die ersten bereits aufbrechen, in diesem Moment kam der Ehemann mit dem restlichen Essen. Die Packungen wurden dann nur verteilt und wir machten uns auf zur Ölmühle, angeleitet durch den Ehemann, dem Chef von der Farm. Ich denke, wir hatten uns alle etwas anderes, uriges, originelleres vorgestellt, als das, was uns erwartete.

Es handelt sich um eine konventionelle elektrisch betriebene Ölmühle für die Bauern in der Umgebung. Dutzende Männer hielten sich essend, rauchend, schwatzend, schlafend und starrend, ob der Meute von exotischen Frauen, vor und in dem Gebäude auf. Auf dem Vorplatz hatte jeder Bauer sein Häufchen mit kleinen oder größeren Säcken voller Oliven zur weiteren Bearbeitung parat.

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Innen ein ohrenbetäubender Lärm und Dieselgestank, allerdings wurde uns sehr freundlich alles gezeigt und extra darauf hingewiesen, ein Foto von einem besonderen Detail zu machen. Die hatten ihren Spaß an uns! Übrigens dauert es eine Stunde von der Waschmaschine, über die Pressung bis zum fertigen Abfüllen.

Besonders zu erwähnen wäre noch, dass Yanboot hier nicht presst. Sie stellen ausschließlich kaltgepresstes Öl in Bioqualität her, welches bei Madaba in einer speziellen Mühle gepresst wird. Dort dürfen die Oliven z. B. auch nicht in Säcken angeliefert werden.

Anschließend fuhren wir auf direktem Weg wieder zurück nach Amman und am nächsten Tag erreichte mich die Nachricht, dass die gesamte Gruppe am morgigen Freitag zum kostenlosen Brunch eingeladen wird, alternativ gibt es Olivenöl. Der Chef der Farm war selbst erstaunt über den Ablauf und die Menge des Essens, welches jedoch hervorragend geschmeckt hat. Auch sonst war es ein schöner Tag, andere Frauen verschiedenster Nationalität zu treffen und trotz der ganzen Pannen – oder gerade deshalb? – konnten wir viel lachen.

Doch nun bin ich erst einmal auf morgen gespannt!

Bis dahin, Gruß Karin

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