Der alte Schlitten

An eine Kellerwand gelehnt,
der alte Schlitten steht, sich sehnt
nach winterlicher Jahreszeit;
wähnt Kälte, Schnee nicht allzu weit.

Am nächsten Morgen schneit’s fein still;
geschieht tatsächlich, was er will.
Geräusch ertönt, grell scheint ein Licht;
die Zeit des Nichtstun unterbricht.

Ein Kind trägt ihn zum Korridor,
holt Werkzeug und ein Tuch hervor.
Er wird geschliffen und entstaubt.
Stets hatte er daran geglaubt…

Es lockt und funkelt Pulverschnee.
Die Schlittenfahrt ein Spaß – juchhe!

C.M.Beisswenger

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So ähnlich wie in diesem Gedicht für die Winterzeit hat es sich bei uns zu Hause auch abgespielt. Göttergatte entdeckte letzten Sommer unter dem Dach des Schuppens zwei alte Holzschlitten. Verstaubt, die Kuven verrostet, etwas lädiert und somit Zeugen einer Zeit, womit Kinder auf den verschneiten Hängen links und rechts des Grundstücks wohl lustig und vergnügt rodelten. Doch dann wurde der Flitzer abgestellt und von den Vorbesitzern beim Auszug wohl vergessen. Letzten Samstag drängte ich dann darauf, den größeren der Beiden vom dunklen Dachboden herunterzuholen. Sofort wurde, vom Handwerker im Haus, den Kuven mit Schleifmaschine und Öllappen zu Leibe gerückt, mit dem Handfeger entstaubt und sehnsuchtsvoll wurde der Einsatz erwartet – und dieser kam!

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Die letzten beiden Tage bekam die Natur so ein herrlich weißes Winterkleid verpasst und bescherte mir somit einen unglaublichen Spaß! Gestern am Nachmittag genoss ich unter Coronabedingungen mit einer Freundin zusammen das Schlittenfahren. Zuletzt hatten wir wohl vor 20 Jahren mit unseren Kindern dieses Rodelvergnügen.

Die Steigung wird unterschätzt, es geht ganz schön steil bergauf und dann etwas holprig natürlich auch bergab. Momentan schneit es erneut, mal schauen ob ich mich heute abermals dazu aufraffen möchte.

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Ab morgen soll es tagelang Regenschauer geben und damit wird sich die weiße Pracht wohl ziemlich schnell auflösen. Ob sich diesen Winter dann erneut eine Gelegenheit bieten wird, bleibt fraglich.

Dann verstauen wir eben unseren Schlitten wieder auf den Dachboden des Schuppens und hoffen, dass er nächstes Jahr erneut aus seinem Dämmerschlaf erwachen darf. Zusammen mit seinem kleinen Bruder – das als kleiner Hinweis an meinen Handwerker!

Bleibt beim kommenden Schmuddelwetter gesund und in Form!

Eure Karin

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Die weiße Pracht

hat uns erneut heimgesucht und bleibt diesmal sogar etwas länger liegen. Etwas Schnee hatten wir ja nun schon des Öfteren, doch bei uns im Tal schmolz alles relativ schnell wieder weg, vor allem waren die Wiesen und Hänge ums Haus herum nicht flächendeckend weiss. Doch vorgestern sah dies ganz anders aus! Ruhig und still war es am frühen Morgen. Sämtliche Geräusche wurden verschluckt, es schien so, als wäre unsere Nachbarschaft im Winterschlaf versunken. Da war kein Schneepflug zu hören, keine kratzende Schneeschippe oder tösende Schneefräse – alles friedlich verstummt und damit sooo schön!

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Hier nun einige Eindrücke einmal rund ums Haus abgelichtet. Ich weiß daß in höheren Lagen die Schneedecke wesentlich ausgeprägter ist, aber hier in den Ausläufern des Remstals und in unserer geschützten Wohngegend war doch ordentlich Niederschlag. Schließlich haben wir seit dem Erwerb unseres Grund und Bodens dies hier noch nie erlebt.

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Nachdem es nun seit heute schon wieder taut, dürfen wir gespannt abwarten ob wir nochmals überrascht werden. Vielleicht kann ja dann mal etwas Wintersport auf den angrenzenden Hängen gewagt werden.

Üben wir uns in Geduld – das Kind in uns würde sich zumindest mächtig freuen.

Weiße Grüße, Karin

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Winter Wunderland im Götzental

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Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah! Nach dem erneuten Schneefall rief die Natur geradezu nach uns und somit befolgten wir Goethes Worte und machten uns von zu Hause aus auf den 500 Meter kurzen Weg, bis wir an der einstigen Götzenmühle den ehemaligen Limes kreuzten und den Wald betraten. Hach, was waren die weißgezuckerten Bäume schön anzusehen! Jogi machte obligatorisch an seinem Brünnele eine Trinkpause und weiter ging es Richtung Picknickplatz der Schelmenklinge. Nein, wir legten keine Vesperpause ein, hatten gar keinen Rucksack dabei. Ab und zu kamen uns doch vereinzelte Spaziergänger und Jogger entgegen, aber insgesamt war es eigentlich nicht erwähnenswert.

Nun waren wir bereits einen Kilometer gelaufen, mit dem Rückweg zusammen hätte es mir eigentlich bis dahin schon gereicht, wollte ich doch einfach nur mal kurz die weiße Winterpracht genießen – aber nein, Göttergatte wollte noch ein kleines Stückchen weiter gehen. Na denn….

Somit ging es dem Götzenbach entlang immer geradeaus weiter. Nun wird sich so mancher Leser wundern, dass ja wohl ein Foto dem anderen gleicht – aber nein, jedes Foto hat für mich seine Berechtigung, es war so schön dort, auch wenn ich schon keine Lust mehr hatte zu Laufen, doch nach den Worten meines Gatten hatten wir schon die Hälfte unseres Weges geschafft und somit machte es keinen Sinn umzukehren sondern eine Schleife zu wandern. „Noch 200 Meter geradeaus, dann links den Berg hinauf, ein kleines Stück weiter bis wir am Waldheim sind und dann sind wir auch schon gleich wieder zu Hause“ – das waren seine Worte. Somit stetig geradlinig bis zum Ende der Gemarkung Lorch, dann links ab den Berg hinauf und abermals immer dem Weg nach.

Ich wurde etwas quengelig, die Thermounterwäsche hielt meinen Körper zwar mollig warm, doch leider waren die Oberschenkel eisig kalt, das Knie motzte, der Fersensporn schrie nach seiner gewohnten Schuheinlage, zum zweiten Mal musste ein stilles Örtchen hinter einem schützenden Busch gesucht werden und da wir leider auch unsere Sitzkissen nicht mit hatten war das pausieren auch nicht das Wahre – alles nicht so einfach für Mann, wenn Frau einfach nicht mehr möchte! Aber es blieb mir gar nichts anderes übrig als weiter durchzuhalten und einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Die Landschaft war aber auch zu schön! Die Wege waren inzwischen ebenso zugeschneit, der Schnee knirschte unter den Stiefeln, es herrschte absolute Ruhe, traumhaft!

Glücklicherweise kam endlich die Anlage des Evangelischen Waldheims in Sicht. Auf dem weitläufigen Gelände mit Grillplatz, Spielmöglichkeiten und tief verschneiten Wiesen befanden sich doch einige Familien, die Spiel und Spaß im Schnee suchten. Artig trottete ich meinem Wanderführer hinterher, nun ging es bergab und ich freute mich bereits auf zu Hause.

Kurz darauf konnten wir durch die Büsche schon unser Heim erspähen, die verschiedensten Körperteile frohlockten und freuten sich auf das Sofa. Nun waren wir 2,5 Stunden unterwegs und hatten 5,8 km zurückgelegt – dabei wollte ich nur mal kurz mein Näschen durchlüften!

Nun bin ich also gespannt, wo es uns als nächstes so hinzieht.

Bis dahin, bleibt gesund, eure Karin

Schwäbische Sinnsprüche

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2021, weiterhin befindet sich die Welt in der Corona-Krise und somit beherzigen wir artig die Regeln des Lockdowns. Um dem häuslichen Koller entgegenzuwirken oder auszuweichen, folgten wir am Wochenende abermals einem Ausflugstipp unserer Tagespresse.

Die Fahrt ging ins 26 km entfernte Dürnau bei Bad Boll im Kreis Göppingen. Die Gemeinde liegt eingebettet zwischen der Schwäbischen Alb und dem Bodensee und bietet u.a. allerlei Wandermöglichkeiten. Zwischen Obstlehrpfad und historischem Ortspfad befindet sich seit 2004 auch der schwäbische Spruch-Weg. Genau auf diesem Pfad wollten wir wandern, vielleicht erführen wir ja noch die eine oder andere Weisheit fürs tägliche Läba.

Wanderparkplätze gibt es mehr als reichlich, da es sich um einen Rundweg handelt, ist es auch egal an welchem Punkt man anfängt, alles hat ein Ende – nur die Wurst hat zwei. Apropos Wurst! Außer Getränke hatten wir diesmal nichts im Rucksäggle dabei, konnte Jogi nach unserem reichhaltigen Mittagessen gerade noch davon abhalten, darüber hinaus noch ein Wurschdweggle zu schmieren. Ihr seht liebe Leser, heute kommt hier und da doch ein schwäbisch Begriff vor, bin mir jedoch fast sicher, dass diese von „ausländischen“ Lesern ins Hochdeutsche übersetzt werden können.

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Und so gingen wir dann unseren Weg, leider bei nicht so tollem Wetter.

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Es regnete zwar nicht, jedoch war es diesig, wolkig, trostlos, die Bäume streckten ihr Geäst kahl und einsam in die Höhe. Der Wanderweg zwischen dem Obstlehrpfad war matschig und aufgewühlt von den vielen Spaziergängern, die uns immer wieder entgegenkamen. Der reinste Volkswandertag war das und ich denke mir, der Artikel in der Tageszeitung war überregional veröffentlich worden. Auf jeden Fall muss es im Frühjahr zur Obstblüte herrlich sein, den Höhenweg entlang zu gehen.

Und hier kommen nun einige der Tafeln mit den Sprüchen, viel Spaß beim Läsa!

Auch sonst bietet die Gemeinde einiges an Kunstinstallationen entlang der Wegen, ich konnte gar nicht alles ablichten, besonders schön fand ich die weihnachtlichen Dekorationen an den Privathäusern. Mit so viel Liebe und Engagement wurde Tannengrün, Zapfen, Lichter, Kränze und dergleichen drapiert, in vielen Gärten fanden sich diese Sterne in unterschiedlicher Form vor. Könnte mir gut vorstellen, dass dies ein Gemeinschaftsprojekt zur Verschönerung der Gemeinde war.

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Weitere Sprüche wollten von mir abgelichtet werden, auf einem Handlauf fanden sich Weisheiten zum Thema Bewegung.

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Weitere Wege hätten wir gehen können. Doch die große Frage zu den Lockdown-Zeiten ist nach wie vor, hauptsächlich als Frau: wohin in der Not mit der Notdurft? Bei Scharen von Fußgängern und kahlem Gestrüpp ist das ein sehr schwieriges Unterfangen. Dazu die Schichten von Kleidung – da hat ein Mann – sprich mein Mann – es wesentlich einfacher! Und somit haben wir uns auf den Weg Richtung Heimat gemacht, mit dem eigenen heiligs Blechle, obwohl ich diese Tramperstelle doch zu schön fand.

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Wie gesagt, Richtung Heimat haben wir uns aufgemacht…

“Hoimed isch
ned bloß a Word,
Hoimed isch
ned bloß a Ord –
Hoimed isch
dr Schdandord vom Herza“
(Michael Wahl)

Bis demnächst einmal wieder – aus der Heimat, aus der Fremde – Gruß Karin