Museumsbesuch

Inzwischen ist das Wohn- und Esszimmer wieder komplett geputzt und eingerichtet, die ersten restlichen Zimmer sind ebenfalls durchgewischt, seit Tagen wechseln sich starke Regengüsse, Windstürme und Sonnenschein ab – da beschloss ich, für heute eine Arbeitspause einzulegen. Auf einer Website, auf der die aktuellen Veranstaltungen der Stadt veröffentlich werden, habe ich gestern gelesen, dass im Jordan Museum eine Fotoausstellung von Alois Musil (1868-1944) stattfindet mit dem Thema: «Photographer of Prophet’s Land» – seltene Fotographien von Jordanien und den angrenzenden Ländern.

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Das interessierte mich, zumal ich auch noch nie im Nationalmuseum war. Spontan rief ich eine Stammtischschwester an, bei der ich glaubte zu wissen, dass sie auch Interesse daran hatte und richtig, sie war hocherfreut. Also gabelte ich sie heute Morgen an einem Treffpunkt auf und wir fuhren nach Downtown. Fanden das Museum auf Anhieb, großer leerer kostenloser Parkplatz und sahen als erstes den berühmten alten Güterwagen der Hejaz-Bahn. Diese dampfte einst von Damaskus nach Amman und steht nun als stilles Relikt vergangener Zeiten auf dem Museumsgelände.

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Das Museum selbst ist ein Neubau, wurde erst vor ca. zwei Jahren offiziell eröffnet und der Blick geht bei diesem imposanten Bauwerk sofort auf die Mauern. Teils unbehauener Stein, dann wieder glattes Mauerwerk und Glas. Symbole für die Vergangenheit, Gegenwart und Blick in die Zukunft.

Nach der obligatorischen Taschenkontrolle bezahlen wir das günstige Eintrittsgeld für Einheimische (schließlich haben wir die Papiere dafür) und dann ging es auch los.

Alois Musil war ein österreichisch-tschechischer Orientalist, Theologe und Geograph. Er war der älteste Sohn einer armen Bauernfamilie aus Mähren. Dank eines Stipendiums des Erzbischofs durfte er in Tschechien katholische Theologie studieren und seine Studien später im Nahen Osten fortsetzen. 1891 wurde er zum Priester geweiht und einige Jahre später erhielt er den Doktorgrad in Theologie. Ebenso begann er ein Studium der orientalischen Sprachen in Jerusalem.

Studienjahre in Beirut, London, Cambridge und Berlin folgten. Anfang 1900 lehrte er als Professor an Universitäten in Tschechien und Wien. Er unternahm ausgedehnte Forschungsreisen durch Arabien und dem Heiligen Land. Veröffentlichte Kartenwerke und Schriften. Während dem ersten Weltkrieg unternahm er als Vermittler Reisen ins Osmanische Reich.

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Alois Musil

Nach dieser Zeit lehrte er in Prag, Mitte der 1920 reiste er mehrfach nach USA, veröffentlichte seine Werke in englischer Sprache. Zeitlebens beobachtete er die Verhältnisse im Vorderen Orient und publizierte immer wieder darüber und hielt dazu auch Vorträge.

Hier nur ein kleiner Teil der ausgestellten Fotos. Leider steht nirgends eine Jahreszahl drauf.

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Viele Jahre spaeter war auch ich dort

Viele Jahre später war auch ich dort

 

Und hier war ich auch

Und hier war ich auch

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Dann ging es weiter durch das eigentliche Museum.

Gleich zu Beginn werden die Funde aus Ain Ghazal ausgestellt. Eine neolithische Siedlung aus der Zeit um 7700 v. Chr., in der Kalkstatuen mit mandelförmigen Augen gefunden wurden.

(Nochmals zur Erinnerung: zum Vergrößern auf das Foto klicken)

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Auch die doppelköpfige Statue aus der Zeit um 7500 v. Chr.. Archäologen rätseln immer noch um die Bedeutung zweier Köpfe auf dem Körper.

Weiter zu dem Skelett eines Mannes, welches aus einem Grab in der Nähe von Petra ausgegraben wurde. Das Alter dieses Grabes wird auf 17.000 Jahre geschätzt. Der Mann war Jäger, 35-55 Jahre alt, von starker aber kleiner Statur. Es sind keine Anzeichen einer Verletzung oder Krankheit nachgewiesen worden. Nach seinem Tod wurde ihm ein ovales Loch in die Stirn gehauen, seine Arme wurden hinterrücks mit den angewinkelten Beinen zusammengebunden und er wurde bäuchlings begraben.

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Der Schädel wurde rekonstruiert, da er andernorts aufbewahrt wird

Gelehrte wissen bis heute weder die Bedeutung des Lochs, noch der Fesselung.

Während der späten Kupferzeit (3800-3600 v. chr.) wurden kleine Kinder in Tontöpfen in der Fötusstellung unter dem Fußboden des Hauses begraben. Leider können über diese Handlungen auch nur Vermutungen angestellt werden.

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Es ging durch die verschiedensten Epochen immer so weiter, leider waren wir etwas unter Zeitdruck, da meine Bekannte nach Hause musste.

Hier noch einige Fotos als Eindrücke.

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Wir sind uns sicher, dass wir den Besuch fortsetzen werden.

Bis dahin, Karin

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