Die Türme von Gmünd

spruch1

Den Sommer über habe ich nun endlich mein Projekt vom letzten Jahr beendet. Ich wollte noch alle vorhandenen 6 Türme der Stadt Schwäbisch Gmünd entlang der ehemaligen Stadtmauer besichtigen, sofern möglich, auch begehen. Außerdem durfte der Johannisturm der gleichnamigen Kirche nicht fehlen. Glücklicherweise stimmten die Öffnungszeiten und meine Urlaubspläne überein, sodass ich mein Vorhaben verwirklichen konnte.

Den Anfang bildete der Fünfknopfturm, im Schwäbischen kurz Knöpflesturm genannt. Für mich das Schmuckkästchen der Stadt. Sein Grundriss weist eine fünfeckige Form auf. Allein sein Äußeres, vor allem beleuchtet bei Dunkelheit, ist ein echter Hingucker. Um 1420 erbaut, diente er an der westlichen Stadtmauer als Wehrturm, auch als Wachturm für Brandwächter. Ab 1918 bis 2003 diente er als Wohnturm, heute nur noch als Aussichtsturm für Besuchergruppen. Seine Gesamthöhe liegt bei 27 Metern und somit hat man durch die Fenster der kleinen Wohnung einen schönen ruhigen Rundumausblick auf die Stadt. Doch keiner möchte heute mehr auf die Wohnqualität von Bad und Heizung verzichten, auch den beschwerlichen Aufstieg möchte man im täglichen Leben nicht meistern.

Als nächstes kam der Faulturm in der Honiggasse dran. Diesen Turm hatte ich in der Vergangenheit nie bemerkt, er liegt direkt an der äußeren nördlichen Stadtmauer, etwas nach hinten versetzt und ich habe ihn nur durch eine Hinweistafel entdeckt. Leider war der Turm verschlossen, er wird seit 1952 von den Sankt-Georgs-Pfandfindern genutzt. Ursprünglich um 1350 gebaut, brannte er 1969 aus. Seine Höhe beträgt 20 Meter. Mehr ist leider nicht bekannt.

1

Weiter zu einem zusätzlichen Schätzchen, dem Königsturm:

turmansicht2

An der ehemaligen äußeren südlichen Stadtmauer gelegen, mit knapp 40 Metern Höhe, ragt dieser begehbare Turm aus dem Jahr 1350 als markantes Zeichen in den Himmel. Er diente wegen seiner Lage als Hochwacht im Mauerring. Einen Raum im Untergeschoss nutzte man vom Anfang des 17. Jhd. bis 1810 als Verlies. Vor allem zu Zeiten der Hexenverfolgung im 17. Jhd. wurden dutzende Frauen gefoltert und hier eingekerkert.

140 Stufen führen nach oben, an den Wänden befinden sich Malereien von wechselnden Künstlern. Hin und wieder erhellt ein Sprüchlein das angestrengte Antlitz:

treppen

spruch2

Und dann ist man oben, rundum liegt einem die Stadt wahrlich zu Füßen, man sieht das Münster, den Fünfknopfturm, den Glockenturm, die Johanniskirche mit Turm, den Faulturm, den Schmiedturm, den Wasserturm und den Rinderbacher Turm.

Das Verlies im Untergeschoss war nur durch eine Luke im Boden zu erreichen, erst später wurde von außen eine Tür errichtet. Eine eingeritzte Jahreszahl ist Zeitzeuge.

Frohen Mutes ging meine Entdeckungsreise weiter zur Johanniskirche. Den Innenraum der Kirche aus dem 13. Jhd. besichtigte ich zwar, doch mein eigentliches Ziel war ja der Turm, der an diesem Sonntag nur noch eine Stunde geöffnet haben sollte.

Also ging ich los. Nach der Entrichtung der Besichtigungsgebühr ging es über 5 Ebenen und ca. 165 Stufen hinauf in den Turm, der eine Gesamthöhe von ca. 45 Metern hat.

Abermals auch hier schöne Rundumperspektiven auf den direkten Marktplatzbereich.

Völlig beseelt vom Höhenrausch entschloss ich mich dazu, weiter zu marschieren. Es ging zum Rinderbacher-, Wasser- und Schmiedturm, die alle an der östlichen äußeren Stadtmauer stehen.

Der Rinderbacher Turm, vor 1350, mit einer Höhe von ca. 35 Metern ist nicht begehbar.

In nördlicher Blickweite steht der Wasserturm aus dem Jahr 1350 mit einer Höhe von ca. 26 Metern. Auch dieser Turm ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Durch eine Bogenöffnung unter dem Turm floss der Höferlesbach in die Stadt hinein.

img_0121

Abermals in Sichtweite steht der Schmiedturm. Auch dieser Turm ist von ca. 1350 und misst 32 Meter Höhe. Ebenfalls nicht zugänglich, leider.

Oberes Turmgeschoss mit der ehemaligen Türmerwohnung wurde wohl 1498 aufgesetzt.

Zum Schluss nun noch der Glockenturm direkt gegenüber dem Münster. Er diente ursprünglich als romanisches Steinwohnhaus eines begüterten Gmünder Bürgers in der Stauferzeit und wurde wohl 1227/28 erbaut. Der ca. 35 Meter hohe Turmbau ist vollständig unterkellert. 1497 stürzten jedoch die beiden Türme des romanischen Münsters ein und demzufolge wurde der Glockenturm in seiner jetzigen Form ausgebaut. Alle vier Glocken, die Liebfrauenglocke, ältere und jüngere Evangelistenglocke sowie Marienglocke stammen noch aus den eingestürzten Münstertürmen.

2016-09-21-glockenturm1

2015-07-04 Türmer4 Blick auf Glockenturm

Ums Gmünder Münster rum mit Blick auf den Glockenturm

Das war es – mein langersehntes Projekt. Noch viele weitere werden folgen.

Bis dahin, Gruß Karin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s