Street-Art in Mannheim

Vor Jahren schon wurde ich durch einen Fernsehbeitrag neugierig auf diese Kunst, dann endlich der Umzug nach Deutschland, kurze Zeit später dann Corona und jegliche Pläne wurden auf Eis gelegt – bis dann endlich Termine passten und glücklicherweise noch das 9-Euro-Ticket der Bahn genutzt werden konnte. Doch ob dies so ein glücklicher Umstand war, bleibt fraglich. Diese Odyssee die ich mit Freundin Birgit zusammen erlebte, wäre schon fast ein eigener Beitrag wert – aber ich möchte euch mit den altbekannten Anekdoten bezüglich vergünstigtem Ticket und Deutscher Bahn nicht langweilen und daher fange ich direkt in Mannheim an. Termin ausgewählt, gebucht, pro Person 11 Euro online bezahlt und Bestätigungsmail erhalten. Dies ging einfach, schnell, unkompliziert – wenn es doch bei anderen Anbietern auch so wäre!

Stadt.Wand.Kunst – Street Art in den Quadraten. So das Thema der Stadtführung.

Quadraten? Hinter der Quadratestadt Mannheim verbirgt sich ein städtebauliches Prinzip, welches aus dem 17. Jhd. stammt und eigentlich ist es ganz leicht zu verstehen. Vier Ecken und rechte Winkel besitzt ein Quadrat, in Mannheims Innenstadt gibt es davon gleich 144. Und zwar zwischen Schloss und Neckar und Wasserturm und Kurt-Schuhmacher-Brücke. Genaugenommen sind nicht alle Quadrate quadratisch, manche sind rechteckig, manchen fehlen die Ecken, sind etwas krumm und schief, eben „schepp“, wie der Mannheimer sagt und diesen Charme auf seine Stadt überträgt.

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Wie nun auf dem Stadtplan ersichtlich ist, befindet sich Quadrat A-K links vom Schloss, L-U rechts. Die Reihen sind durchnummeriert, je weiter weg vom Schloss, je höher die Zahl. Die Hausnummer 1 steht immer an der zum Schloss zugewandten Ecke eines Quadrates. Somit läuft die Nummerierung von A-K gegen den Uhrzeigersinn, L-U mit dem Uhrzeigersinn. Aber keine Bange, überall gibt es entsprechende Schilder und wenn das System erst einmal verinnerlicht wurde, kann man sich schnell zurechtfinden.

Während der Tour wurden uns noch Reste der ehemaligen Stadtmauer gezeigt. Integriert als Separierung im Hinterhofgarten.

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Doch nun endlich zur Kunst: Auf meiner Buchungsbestätigung und auf der Website vom Stadtmarketing Mannheim ist dieser Text veröffentlicht:

Seit 2013 verwandeln nationale und internationale Streetart-Künstler*innen Mannheims graue Fassaden in großflächige „Murals“. Aus den über das gesamte Stadtgebiet verteilten, farbenprächtigen Wandgemälden ist das frei zugängliche Open Urban Art Museum „STADT.WAND.KUNST“ entstanden – ein Projekt der Alten Feuerwache Mannheim und ein beeindruckendes Beispiel, wie in Mannheim innovative Kreativkonzepte umgesetzt werden. Bei der geführten Tour durch die Innenstadt (die sogenannten Quadrate) entdecken Sie Kunstwerke von Streetartists wie HERAKUT, LOW BROS oder Sourati.

http://www.visit-mannheim.de

Unser Gästeführer analysierte mit der Gruppe zusammen die einzelnen Malereien, oftmals war der Künstler unbekannt oder es gab keinerlei Infos über die gewollte Aussage des Bildes. Dann wurde zusammen überlegt und sinniert, man versuchte den Hintergrund der Aussage in Erfahrung zu bringen, man schweifte vom Thema ab und somit wurden aus den ursprünglichen 90 Minuten ganz schnell 2 Stunden. Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich auf dieses allzu ausschweifende Analysieren gerne verzichtet, auch wenn es nebenbei wertvolle Informationen gab. Allerdings war auch der eine oder andere durchaus sehr wissbegierige und engagierte Gast dabei. Mich interessierten in erster Linie die Bilder und hier sind sie nun endlich:

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Während der Tour haben wir auch einiges über Mannheim gehört, das war sehr löblich. Nun war dies mein erster Besuch in der mit pulsierendem Leben gefüllten Universitätsstadt. Hier gibt es viel zu entdecken, einzukaufen und zu erleben, unübersehbar ist der hohe Anteil an fremdländischer Kultur. Da unsere Tour im westlichen Marktviertel Little Istanbul endete, kann sich jeder denken, wo wir uns befanden. Ich kam mir vor wie in einem arabischen Land, hab‘ ich doch schon einige davon gesehen. Friseure, Barbiere, opulente Brautgeschäfte, Elektronikläden, Klamotten und türkische Spezialitäten von Döner, Fast Food, Gegrilltem, Baklava und Hausmannskost. Laut, bunt, geschäftiges Treiben am Samstagnachmittag und dann wieder arabische Gelassenheit und Genießen am Marktplatz.

Die Aussage des Gästeführers „Hier isst man Döner und keinen Strammen Max“ sagt doch einfach alles aus. Wir fanden ein total gemütliches RestoCafé und bestellten aus der reichhaltigen Karte und wurden aufs Äußerste angenehm überrascht. Ich hätte mich in meine Lamm-Gemüse-Reis-Joghurt-Pfanne reinlegen können, so köstlich!

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Übrigens wird noch eine weitere Thementour angeboten: Streetart in der Neckarstadt-West. Hier sollen verstärkt 3D-Effekte und somit optische Täuschungen entstanden sein. Man sollte somit auf jeden Fall nochmals in Baden-Württembergs drittgrößte Stadt reisen. Die ehemalige Residenzstadt bietet ein großes Füllhorn an touristischen Zielen.

Állaa, machs gud! (Nein, wir verwenden hier keinen moslemischen Begriff). Állaa kommt vom französischen Állez und bedeutet Los! Auf! Alsdann!

In diesem Sinne

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Entspannter? Kurztrip an den Bodensee

Einem Spontanentschluss meines Gatten zufolge und auch um das 9-Euro-Ticket nochmals zu nutzen, fuhren wir für 3 Tage mit Bus und Bahn ans Schwäbische Meer zum Baden. So schön und kurzweilig hätte die Fahrt von Lorch nach Kressbronn innerhalb 3 Stunden sein können. Können! Insider wissen um das derzeitige Chaos an deutschen Bahnhöfen, Zugüberfüllungen, -verspätungen und -ausfällen, dazu komplett ausgefallenem Bus wegen Straßensperrung, natürlich ohne Info über die App oder Fahrplanaushang – es kam alles zusammen.

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Genervt und erleichtert über die Ankunft kamen wir irgendwann in Kressbronn am Bahnhof an und die bessere Hälfte stellte mit Entsetzen fest, dass er sein Handy im Zug liegen ließ. Wem dies schon einmal passierte, der kann sich genau in unsere Lage versetzen. Kurz und gut, die nächsten Stunden verbrachten wir mit Recherchen und Kommunikation über mein Telefon, denn irgendwann meldete sich eine Fahrgästin, die das Handy fand und vorsorglich mitnahm (sie war ebenso ein gebranntes Kind) und auf unseren Anruf reagierte. Am Abend trafen wir uns dann in Lindau-Insel am Bahnhof wo die Übergabe stattfand. So eine freundliche, nette, hilfsbereite und grundehrliche Frau – herzlichen Dank an alle Personen, die ebenso handeln.

Unser Hotel befand sich fußläufig in Bahnhofsnähe, beim Einchecken bekamen wir auch die Gästekarte ECHT BODENSEE CARD 2022 überreicht.

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Mit dieser personalisierten Karte fährt man während dem gesamten Aufenthalt kostenlos mit Bus und Bahn im Bodensee-Oberschwaben-Verbundgebiet und profitiert ebenso von vielen Vorteilen bei Freizeiteinrichtungen. Kostenlos oder preisreduziert. Somit lasen wir in der Infobroschüre auch vom Fahrradverleih und dem kostenlosen Zutritt zum Naturstrandbad und da wir sowieso zum Baden kamen, war dies die perfekte Verbindung. Jogi trottete freundlicherweise los und lieh uns zwei Räder, Badesachen gepackt und ab ging die Fahrt. Für mich etwas sehr ängstlich und wackelig, da ich zuletzt 2018 auf dem Drahtesel saß Sommer, Insel, Meer & Fisch und sonst auch nicht zweirädrig unterwegs bin. Aber nach kurzer Zeit fuhr auch ich frei nach der Devise – Fahrradfahren verlernt man nicht – und genoss die Sonne und den frischen Wind um die Nase. Und wie soll es am Bodensee auch anders sein, nicht nur auf dem Wasser fährt das eine oder andere Schiff, auch in der Luft. Da kamen Erinnerungen auf! Silbernes Jubiläum im Luftschiff

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Das Naturstrandbad überraschte uns sehr positiv und wir können diese Anlage wärmstens weiterempfehlen.

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Auf der Website des selbigen wird erwähnt, dass es mit Sicherheit zu den schönsten und größten Naturbädern am Bodensee zählt. Gegenüber ein sehr groß angelegter Fahrradabstellplatz, der Tageseintritt kostet normalerweise 3 Euro, natürlich gibt es Preisstaffelungen für Familien oder Saisonkarteninhaber. Wie bereits erwähnt, für uns mit der Bodensee Card und einem Lichtbildausweis kostenlos. Eine großzügig angelegte Liegewiese unter schattenspendendem altem Baumbestand stach als Erstes ins Auge.

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Nach und nach entdeckten wir dann die weiteren Vorzüge dieses Bades: Liegestuhlverleih, Schließfächer, Warmwasserduschkabinen, Umkleidekabinen, WCs, Kiosk für Getränke, Eis, Imbiss, Biergarten, Spielwiese und Spielplatz, Frischwasserduschen am Kiesstrand, Rettungsschwimmer, Umkleidekabinen auf der Liegewiese, auch ein Stand Up Paddling Verleih war angegliedert. Dazu eine Ruhe, alle Gäste verhielten sich still, vom gut besuchten Spielplatz oder der Spielwiese hörte man kaum was, es verlor sich alles auf dieser riesigen Wiese.

Und dann die Wasserqualität! Mein allererstes Bad im Bodensee – ich hätte nie gedacht, dass hier glasklares Wasser zu finden ist, dazu noch wohl temperiert, es war eine Wucht. Allerdings empfiehlt es sich hier, feste Gummibadeschuhe mitzunehmen. Der Strand und auch der Zutritt bis ins tiefe Wasser ist übersät mit großen Steinen, die im Wasser dann auch glitschig sind, mit Schuhen hat man einen leichteren und sichereren Zutritt.

Wie bereits erwähnt, fuhren wir abends noch nach Lindau-Reutin und weiter nach Lindau-Insel. Ich war noch nie in Lindau, auch war mir bis dato nicht bekannt, dass es eine Insel gibt und ich war beim Verlassen des Bahnhofs und auf dem Weg Richtung Wasser bei diesem Anblick erst einmal sprachlos.

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Egal ob von land- oder seewärts, majestätisch begrüßen der bayrische Löwe und der neue Leuchtturm die Gäste. Das Wahrzeichen der Stadt gilt als die schönste Hafeneinfahrt am ganzen Bodensee. Am Sockel des Löwen prangt die Entstehungszahl des Bauwerks 1856. Das Besondere am Leuchtturm ist die Uhr, die in die Fassade eingefasst ist. Auch dieser Turm wurde 1856 fertiggestellt.

Wir ließen uns erst einmal am Hafenplatz bei einem kühlen Bier nieder, genossen das herrliche Alpenpanorama, die vielen Touristen und den Blick auf den Mangturm aus dem 12. Jahrhundert. Im Mittelalter zugehörig zur Stadtmauer als Signal- und Beobachtungsturm und umgeben von Wasser, wurde dieser während der Hafenanlage 1856 um ein Geschoss erweitert und erhielt die markanten glasierten Ziegel. Der lange blonde Zopf der aus einer Schießscharte hinabgelassen wurde, deutet auf die Märchenstunden hin, die heutzutage im Turm stattfinden.

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Einen weiteren Fahrradausflug unternahmen wir zur historischen Kabelhängebrücke über die Argen.

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Zwischen dem Kressbronner Teilort Gohren und der Nachbargemeinde Langenargen, genau parallel zwischen der Eisenbahnbrücke und seeseits der Spannbetonbrücke für den Verkehr, steht Deutschlands drittälteste Hängebrücke. Die unter dem württembergischen König Wilhelm II. errichtete Straßenbrücke, dient heute als Fußgänger- und Fahrradbrücke und ist natürlich ein großer Touristenmagnet in der Umgebung.

In den Jahren 1896 und 1897 wurde diese 72 Meter lange und 6,2 Meter breite Konstruktion, die als technische Meisterleistung in der Brückenbaukunst gilt, erbaut.

Hier nun der Blick von der Brücke parallel gen Norden zur Eisenbahnbrücke,

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und Richtung Süden auf die parallel verlaufende Spanbetonbrücke. Im Hintergrund der Bodensee.

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Das war es dann auch schon wieder, ich bin mir jedoch sicher, der Bodensee und seine Umgebung wird uns irgendwann abermals begrüßen dürfen. Die Rückfahrt nach Hause war ebenso gespickt mit Zugverspätungen, Überfüllungen und verpasster Busverbindung und somit verspäteter Ankunft zu Hause.

Vielleicht sollte man sich beim nächsten Mal gleich aufs Zweirad verlassen? Bis dahin, Gruß Karin

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Klangreise ins Mittelalter

Abermals war ich mit dem Schwesterlein unterwegs, unser Ziel war die Burg Wäscherschloss in Wäschenbeuren, gerade einmal 9 km von meinem Zuhause entfernt. Zuletzt besuchte ich die Burg vor vielen Jahren. Baufällig, verstaubt und ein wirres Durcheinander von zusammengetragenem Trödel fanden wir damals vor. Die angekündigte Veranstaltung machte uns beide neugierig und wir wurden sehr positiv überrascht! Kein Wunder, dass dieser Ort heutzutage für Feste gebucht werden kann.

Parkmöglichkeiten sind neben der Burg am Wanderparkplatz ausreichend vorhanden. Das Wetter war traumhaft, vom Vorhof der Burg bietet sich ein schöner Ausblick auf die Stauferstele und weit am Horizont sichtbar, der Kaiserberg Hohenstaufen mit seiner Burgruine. Da bemerkten wir beide, dass wir dort auch noch nie waren…

Die Burg Wäscherschloss in Wäschenbeuren liegt zu Füßen des Hohenstaufens, der Stammburg der Staufer. Die kleine mittelalterliche Burg wurde zum Schutz des Hohenstaufens errichtet.

Besonders eindrucksvoll sind die fast zehn Meter hohen Mauern aus Buckelquaderwerk, die auch den trapezförmigen Burghof umschließen. Interessant ist die Ansicht des Models, wie sie 1377 vor ihrer Zerstörung aussah.

Im Burginnenhof warteten schon einige Besucher. Auch Musiker der Band „Lavandera“ mit ihren mittelalterlichen Kostümen machten mich neugierig, obwohl diese Art von Musik nun nicht unbedingt meinem persönlichen Geschmack entspricht – jedoch passte sie zum Ort und zum Thema und somit war dies in Ordnung für mich. Lavandera bedeutet übrigens Waschfrau. Passt doch perfekt hierher.

Nach dem Eröffnungsspiel lief plötzlich eiligst die äußerst redselige „Wäscherin Ada“ die Treppen herab, plauderte aus dem Nähkästchen, dem Leben auf der Burg, seinen Bewohnern und ihrem harten Leben.

Weiterhin musikalisch umrahmt ging unsere Klangreise dann ins Innere der Burg. Von Raum zu Raum hörte man Musik und Gesang zu der jeweils passenden Umgebung einschließlich den gekonnt vorgetragenen Weisheiten unserer Ada. Ohne diese fiktive Person wäre der Abend nur halb so schön gewesen, eine große Schauspielkunst wohnt in diesem Persönchen inne. Von der Schänke, über den Ankleide- und Schlafbereich bis zum Kaminzimmer wurden Lieder und Tänze vom Wein, der Liebe, den Frauen und der Wunderheilung aus dem 12., 13. und 14. Jahrhundert dargebracht.

Nach dem Rundgang ging es hinauf in den Festsaal zu einem gemütlichen Beisammensein mit Musik und Wein. Die vierköpfige Band spielte weiterhin Musik auf den verschiedensten Instrumenten. Flöten, Sackpfeife, Geige, Drehleier, Gitarre, Darabuka, große Trommel, Rahmentrommel,Tamburello und Glockenspiel kamen zum Gehör, auch lieblicher Gesang mittelalterlicher Lieder in verschiedenen Sprachen wurden dargebracht.

Dazwischen die traumhaften Ausblicke ins Umland. Aufgrund der reichhaltigen und hoch gewachsenen Vegetation ist derzeit die Hälfte der Sicht zugewachsen.

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Ebenso fand eine Verköstigung von Weinen zum diesjährigen Themenjahr statt. Die Wäscherburg wird durch Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg verwaltet. Das Thema 2022 lautet Liebe – Lust – Leidenschaft. Dazu kreierten drei renommierte Weingüter zwei Weine und einen Secco, die das Thema kulinarisch verkörpern sollen.

Von der Liebe probierte ich und sie war mir nicht zu lieblich, die Lust war sehr süffig, wenn auch leider viel zu warm, die Leidenschaft war zwar eisgekühlt, jedoch wurde diese nicht zum Verkosten angeboten. Leider, leider hatten die Veranstalter keine Flaschen zum Verkauf parat. Da diese im freien Markt nicht zu erwerben sind, nur über den Shop oder in den jeweiligen Besuchsmonumenten, war dies für auswärtige Gäste etwas ungünstig. Da die Flaschen doch hervorragend zum derzeitigen Hochzeitsboom oder dem nahenden Weihnachtsfest passen, hätte man diese werbewirksamer vermarkten können.

Mal schauen, auf welchen Pfaden wir zwei Burgfräuleins demnächst wandeln werden,

bis dahin, Gruß Karin

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Mit dem Roten Flitzer ins Kloster

Nein – mit dem Roten Flitzer ist nicht mein elektrifizierter Chili-Flitzer gemeint, sondern ein historisches Schienenfahrzeug, welches derzeit sonntags ins Kloster Maulbronn fährt.

Der Rote Flitzer verbindet noch bis 11. September 2022 den Ballungsraum Stuttgart ohne Umstieg mit Maulbronn. Dazu gilt derzeit noch das 9-Euro-Ticket der Deutschen Bahn. Und wer das Kloster besichtigen möchte und mit der Bahn anreist, bekommt dazu noch einen Nachlass von 10% auf den Eintrittspreis. Diese Info las ich in der Tagespresse und plante ganz spontan mit dem Schwesterlein einen Sonntagsausflug.

Bei schönstem Sommerwetter reisten wir natürlich auch anhand unseres 9-Euro-Tickets mit der Bahn nach Stuttgart.

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Allerdings mussten wir am Bahnsteig dann feststellen, dass statt des Roten Flitzers der blaue Classic Courier auf uns wartete.

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Aufgrund Zugausfällen (Bahnreisenden hinlänglich bekannt!) und den damit verbundenen Umdisponierungen konnte der Rote Flitzer nicht eingesetzt werden und somit erlebten wir eine Bahnreise wie zu Zeiten der wilden 60er bis 80er Jahre. Das mondäne Interieur des Classic Couriers versprühte seinen Charme vergangener Zeiten, obwohl ich doch bei den aufwändigen Vorhangverkleidungen so manches Mal an „Bonanza“ und „Unsere kleine Farm“ dachte.

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Dann wieder ein Mix aus nostalgischen Werbe-Blechschildern und Tischdecken auf den Salontischen und nicht zu vergessen, die sehr komfortablen weich gepolsterten Sitze im 1. Klasse-Bereich, die mich an frühere Berufsschulzeiten erinnerten. Immer wenn Not an Zügen herrschte, wurden diese bequemen Abteile mit verwendet und der Schulstress konnte während der Fahrt abgebaut werden und man wurde ruhig und sanft ans Ziel befördert. Die 1. Klasse durften übrigens alle Passagiere belegen.

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In Maulbronn angekommen geht es dann bis zum Kloster ca. 800 Meter zu Fuß weiter. Das ehemalige Zisterzienserkloster gehört seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Übrigens erschien 2013 eine 2-Euro Sondermünze Baden-Württemberg mit dem Abbild der Klosterkirche und dem Klosterbrunnen.

Als großer Besuchermagnet, und nun vor allem während der Ferien mit diesem Sonderzug und dem günstigen Zugticket, rechnete ich mit starkem Besucherandrang und reservierte somit im Vorfeld telefonisch 2 Eintrittstickets mit Führung, da ich sicherstellen wollte, dass wir auch zur auserkorenen Uhrzeit einen Platz in der Gruppe erhalten würden. Dies nur als Tipp https://www.kloster-maulbronn.de/

Das südöstliche Eingangstor aus dem 15. Jahrhundert war eher unspektakulär klein, im Gegensatz zu dem, was nach den Klostermauern sichtbar wurde. Den Torturm, gebaut in Buckelquaderbauweise und früher noch mit Zugbrücke und Pechlade ausgestattet, kann heutzutage jeder ohne jegliche Erschwernisse passieren, so auch das weibliche Geschlecht. Diesem war der Zutritt zum gesamten Areal damals verwehrt. Die Mönche sollten neben der harten Arbeit und der Frömmigkeit nicht abgelenkt werden.

Neben dem Kassenbereich steht ein Modell der Anlage. Hier wird dann ganz schnell ersichtlich, wie ausgedehnt der Fußmarsch werden würde und dass die Zeit bis zur Rückfahrt nach Stuttgart um 17.30 Uhr inklusive Mittagessen, Kaffee trinken usw. auch benötigt wird.

Auf der großflächig angelegten Hoffläche konnten wir zunächst einmal staunend ringsum schauen. So schöne alte Gebäude. Alles lag so friedlich sauber aufgeräumt im heißen Sommersonnenschein vor uns, richtig idyllisch! Die Ursprünge des Klosters gehen auf das 12. Jhd. zurück und es gilt als die am vollständigsten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen.

Über Jahrhunderte hinweg entstand die Klosteranlage, die verschiedenen architektonischen Stilrichtungen sind Zeitzeugen der Baukunst von der Romanik bis zur Spätgotik. Meditation und Beten gehörten zum Tagesablauf wie harte Arbeit. Zu den Idealen des Ordens zählte die Selbstversorgung. Nutz- und Kräutergärten, Weinberge und Seen zur Fischzucht sind heute noch sichtbare Zeugen der Ordensregeln.

Beim Gang über den Hof wird die Linie der ehemaligen Trennungsmauer sichtbar.

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Der vordere weltliche Bezirk war den Arbeitsmönchen, den Laien, zugeteilt, der hintere kirchliche Bezirk den betenden und meditierenden Mönchen, den Herren. Beim Eintritt ins Kloster mussten die Herren damals die lateinische Sprache in Wort und Schrift bereits beherrschen. Dies war jedoch nur bei den höhergestellten Personen und Adligen möglich, somit war die Trennung zwischen Laien und Herren klare Sache. Die Laien durften nur zu bestimmten Zeiten auf das Kirchenareal um zu bestimmten Zeiten in einem bestimmten Bereich der Kirche zu beten oder um im Laienrefektorium das Essen einzunehmen. Dieser Saal war im Vergleich zum Herrenrefektorium deutlich gedrungener. Heute finden hier Kammerkonzerte statt.

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Im Herrenrefektorium nahmen die Mönche schweigend ihr Mahl ein. Auf einer erhöhten Lesekanzel wurde von einem Mitbruder aus der Bibel vorgelesen. Die ehemalige Durchreiche zur Klosterküche sowie der Schacht für die Warmluftzufuhr sind noch vorhanden.

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Das romanische Hauptportal der Klosterkirche mit Eisenbeschlägen aus dem Jahr 1178 ist noch original erhalten und einzigartig.

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Im Langhaus des Kircheninneren fällt auf, dass hinter dem steinernen Altarkreuz, eine halbhohe romanische Arkadenwand steht und die Kreuzgewölbedecke dahinter weiter verläuft.

Hier wird ebenso für die Laien und die Herren getrennt. Die Laien standen hier zum Beten, Sitzbänke gab es keine. Der Zugang für die Herren kam vom Schlafsaal aus. Hier befindet sich dann das Chorgestühl und das Hochaltarrelief. Das Gestühl bot 92 Mönchen Platz und wir erfuhren interessante Details zum Beten und woher der heutige Ausspruch „halte deine Klappe“ kommt.

Des Weiteren ist das Brunnenhaus zu sehen mit Blick hinaus in den Kreuzgarten mit der Magnolie, dessen Blütezeit ich leider verpasst habe. Übrigens werden die Räume über den Speisesälen, den früheren Schlafsälen, dem Brunnenhaus und auch über dem Kreuzgang alle von der angegliederten Schule genutzt. Schule und Kloster bilden somit baulich eine Einheit.

Bei dieser Gelegenheit ist auch endlich einmal Zeit für ein schönes Fotomotiv.

Hinter der Klosterkirche geht die Besichtigung weiter. Die Gebäude gehören alle zum Evangelischen Seminar, ein staatliches Gymnasium ab Klasse 9 mit den Schwerpunkten alte Sprachen, Musik und Religion. Ein Internat ist mit angegliedert. 1588 ließ der Landesherr Herzog Ludwig I. von Württemberg ein Jagdschlösschen über altem Kellergewölbe errichten. Im 19. Jahrhundert war dies das Verwaltungsgebäude des Oberamts Maulbronn. Heute wird es, wie das Ephorat, vom Evangelischen Seminar genutzt.

Gegenüber des Jagdschlösschens befindet sich das ehemalige Krankenhaus des Klosters. Die Mönche gelangten von der Klausur durch einen Gang ins Gebäude. Heute wird es ebenfalls vom Evangelischen Seminar genutzt und nennt sich Ephorat. Übrigens hat die ehemalige Klosterschule spätere Berühmtheiten unterrichtet, so z. B. Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin, Hermann Hesse u.a.

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Das ehemalige Gefängnis.

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Nebenan durch die Ruine des Pfründhauses schöner Ausblick auf die Salzach, der Kanal fließt z. T. unterirdisch durch das Klosterareal. Die hintere Ansicht der Klosterkirche.

Alles in allem haben die Schüler hier wunderschöne Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien. Allein die schönen Gärten innerhalb des Kirchareals konnten wir gar nicht besichtigen.

In der südwestlichen Ecke im Wirtschaftshof befindet sich ein Kräutergarten, Koch- und Backhäuser und die Sicht auf den sogenannten Hexenturm.

Ihr seht, es gibt viel zu Sehen und zu Staunen. Zwischen Mittagessen, Kaffee und Kuchen bleibt bei zeitiger Anreise genügend Freiraum um sich in Ruhe umzusehen. Auch außerhalb der Klostermauern können die Weinberge und Gewässer besichtigt werden.

Gegessen haben wir übrigens, wie sollte es in Maulbronn auch anders sein, Maultaschen. Leider vergaß ich gänzlich ein Foto davon zu machen. Berichtet habe ich euch darüber bereits einmal und mit etwas Stolz darf ich auch erwähnen, dass unsere selbst hergestellten um Längen besser waren. Herrgottsbscheißerla.

Im Trippelgang ging es dann wieder zurück zum Bahnsteig. Mit Verspätung, wie sollte es auch anders sein, kam dann irgendwann unser Classic Courier. Ich fand es sehr schade, dass wir auf der Rückfahrt nicht wenigstens in den Genuss des Roten Flitzers kamen. Aber wer weiß, vielleicht berichte ich euch einmal von diesem.

Bis dahin, die Schwestern aus dem Klosterexpress

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Das baltische Mitbringsel

Im September 2020 erzählte ich euch von der Motorradtour meines Gatten gen Nordkap und seinem Reiseandenken für mich Das finnische Mitbringsel. Dieses Jahr setzte er sich die baltischen Staaten als Ziel, genauer gesagt Estland, Lettland, Litauen. Gestartet hier aus dem Schwäbischen in Richtung Tschechien, Polen und dann Litauen, Lettland, Estland. Natürlich war auch die Ostseeküste Litauens mitsamt der Kurischen Nehrung ein Anlaufpunkt.

Die Kurische Nehrung, eine 98 km lange schmale Landzunge, die seit 1945 ungefähr zu beiden Hälften zu Litauen und Kaliningrad, ehemals Königsberg, gehört. Ursprünglich war die Nehrung mit Nadelwald überzogen. Die ersten Rodungen erfolgten jedoch schon zur Zeit des Deutschen Ordens. Der Kahlschlag im Nordischen Krieg (1674-1679) und in der russischen Herrscherzeit ließ unbewachsene und hohe Dünen entstehen. Nachdem in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. riesige Wanderdünen ganze Ortschaften begruben, begann man damit, die Dünen zu bepflanzen und damit zu stabilisieren.

Joachim setzte von Klaipéda (deutsch Memel) aus mit der Fähre auf den litauischen Teil der Kehrung, welche ein beliebtes Touristenziel ist. Vor allem die Grenzstadt Nida (deutsch Nidden), wo sich Hotels, Gastronomie, Ferienwohnungen und Campingplätze befinden.

Außerdem ist diese Region besonders für ihr Bernsteinvorkommen bekannt. Vor allem im Herbst, wenn Stürme das Meer aufwühlen, wird das versteinerte Baumharz an den Strand gespült. Der Stein schwebt im Salzwasser und kann für einen guten geübten Beobachter am sehr frühen Morgen in einem Bruchteil von Sekunden zwischen der aufschäumenden Gischt erblickt werden und mit dem Kescher abgefischt werden. Oftmals findet sich das kostbare Gut wohlversteckt in den Schlingen von Seetang, die Bernsteinfischer der Region kennen die Geheimnisse. Die wertvollen Funde werden direkt zu Schmuckstücken verarbeitet, im Bernsteinmuseum erhält man interessante Infos bezüglich Entstehung, Verarbeitung und dergleichen.

Auch mein motorradfahrender Bernsteinfischer hat sich auf die Suche begeben, wurde jedoch nicht fündig und hat mir somit ein Schmuckstück gekauft. Fein aufgearbeitet und poliert wird es demnächst meinen Hals schmücken, ihr dürft gespannt sein.

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Ganz leicht ist dieser Stein. Jogi entschuldige bitte – wie Kunststoff mutet er an. Ich hatte immer die Vorstellung, dass dies ein schwerer Stein sei, Stein eben. Aber nachgemachter Kunststoffbernstein geht auch in Salzwasser unter. Echter Bernstein schwimmt in Salzwasser. Sollte ich mal testen? :))

Aber nicht nur an der Ostsee gibt es Bernsteinvorkommen. Dieses einzigartige verfestigte Harz verteilt sich über die ganze Welt. Von der Ostsee bis Italien, dem Schwarzen Meer und Griechenland oder den Niederlangen bis Frankreich wird er gefunden, auch in Asien, Nord-, Mittel- und Südamerika findet man ihn.

Ich bin mir sicher, einige werden beim nächsten Urlaub nun am Strand genauer hinsehen. Ich für meinen Teil bestimmt!

Und als dann mein zweirädriger Fischer hier ankam, hatte er sogleich nochmals ein Mitbringsel im Gepäck. Animiert durch eine Fotobox mit so allerhand Verkleidungszubehör, die wir neulich auf einer Hochzeit ausprobieren durften, hat er sich ein Bärtchen wachsen lassen. Steht ihm aber gut, finde ich.

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Dann bin ich abermals gespannt, was die nächste Ausfahrt für Überraschungen bereit hält, bis dahin,

Gruß Karin

Der längste Straßentunnel und der höchste Berg…

…der Alpen, dies waren unsere Abschlussziele unserer diesjährigen Urlaubsreise. Als Schmankerl im vorletzten Beitrag Genua… angekündigt, möchte ich nun endlich davon berichten.

Mit dem Auto ging es somit vom zuletzt erwähnten Cherasco aus ins Aostatal, genauer gesagt nach Courmayeur. Dort befindet sich die Einfahrt zum Mont Blanc Tunnel, der die italienische Gemeinde Courmayeur mit der fränzösischen Gemeinde Chamonix-Mont-Blanc anhand des 11,611 km langen Straßentunnels durch das Mont Blanc Massiv verbindet.

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War das eine spannende Angelegenheit! Leider wimmelte es von Fahrzeugen. Großes Gedränge bis man sein Fahrzeug laut Klassifizierungstabelle in der jeweils richtigen Maut-Zahlstelle einreihte. Von der italienischen Seite her bezahlten wir am 12.06.2022 für den PKW 48,80€. Von der französischen Seite variiert dies aufgrund verschiedener Mehrwertsteuer, für Hin und Rückfahrttickets unterscheiden sich die Gebühren ebenso. Dasselbe gilt für Zweiräder, Fahrzeuge mit Anhänger usw. Informiert euch bitte vorab online. Auch ob Tunnelsperrungen bevorstehen, so wie z. B. vom 17.10. – 07.11.22. Mit der Quittung erhielten wir einen Infoflyer mit Sicherheitshinweisen in die Hand gedrückt und ab ging es anhand Ampelregelung zum Tunneleingang. Wäre Joachim in der Vergangenheit nicht schon einmal durchgefahren und hätte über die Sicherheitshinweise Bescheid gewusst – in diesem Wirrwarr hätten wir dies gar nicht so schnell erfassen können.

Wie bereits erwähnt, hat der Tunnel eine Länge von 11,611 km. Weiter konnte ich recherchieren, dass er eine Breite von 8,6 Meter und eine Höhe von 4,35 Meter hat. Der Tunnel liegt auf italienischer Seite auf 1381 m Eintrittshöhe, auf französischer Seite bei 1274 Metern. An beiden Einfahrten fährt man zunächst bergauf, damit in der Mitte, genau unterhalb des Berges Aiguille du Midi der höchste Punkt liegt, dann fährt man zu beiden Seiten wieder bergab. Somit ist gewährleistet, dass das Tunnelwasser zu beiden Seiten abfließen kann.

Die Bohrungen zum Tunnelbau erfolgten im Jahr 1959, der Durchstoß glückte 1962 und die feierliche Eröffnung zelebrierte man dann 1965 mit viel Pomp, schließlich galt der Straßentunnel zu damaliger Zeit als der längste weltweit. Jede Betreibergesellschaft ist für die Hälfte des Tunnels verantwortlich.    

Es ist strikt darauf zu achten, dass das absolute Überholverbot eingehalten wird. Da der Tunnel nur aus einer einzigen Röhre mit einer Doppelspur für Hin- und Gegenverkehr besteht wäre alles andere auch tödlich. Die Mindest- und Höchstgeschwindigkeiten von 50 km/h und 70 km/h müssen eingehalten werden. Der Sicherheitsabstand von 150 Meter zum vorausfahrenden Fahrzeug kann anhand blauen Markierungen am seitlichen Tunnelrand überprüft werden. Radiofrequenzen von 103,3 oder 107,7 sollen auf Empfang geschaltet werden. Lastkraftwagen fahren nur im Konvoi hindurch, jeweils mit einem Sicherheitsauto am Anfang und am Ende. Kameraüberwachung im Tunnel und eine bereits wartende Polizeistreife bei der Ausfahrt lassen dann auch die letzten Zweifler überzeugen, sich beim nächsten Mal streng nach Vorschrift zu verhalten. Diese strikten Sicherheitshinweise wurden 1999 nach dem großen Brand eingeführt.  Damals geriet im Tunnel der Motor eines LKWs in Brand. Diese Katastrophe kostete 39 Menschen das Leben und führte zu einer dreijährigen Tunnelsperrung. Einzelheiten hierrüber können im Netz nachgelesen werden.

Ja, und nach ungefähr 15-20 Minuten fuhren wir wieder aus dem Tunnel und konnten den 1. Teil des versprochenen Leckerlies abhaken. Nun befanden wir uns auf französischem Boden und fuhren direkt nach Chamonix-Mont-Blanc, um unsere Unterkunft für die Nacht aufzusuchen. Diese lag traumhaft ruhig außerhalb des Getümmels mit herrlichem Blick auf die gewaltigen Felsmassive.

Das überaus geschäftige und touristische Örtchen, welches auf 1030 Metern Höhe liegt, lebt von der Attraktion der Berge, voran dem Mont Blanc. Im Jahr 1924 fanden hier die ersten Olympischen Winterspiele statt. Horarce Bénédict de Saussure († 1799) wird ein besonderes Denkmal gesetzt. Der Genfer Naturforscher machte 1787 auf dem Gipfel geologische Beobachtungen und vergleichende barometrische und thermometrische Messungen mit dem Ergebnis, dass der Mont Blanc der höchste Gipfel Europas sei.

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Der Mont Blanc, der genau an der Grenze zwischen Frankreich und Italien liegt, sein Gipfel jedoch zu Frankreich gehörend ist, ist mit 4807,73 m Höhe der höchste Berg der Alpen und der Europäischen Union. Ob nun der Elbrus im Kaukasus der höchste Berg Europas ist, hängt davon ab, wie man die Grenzen versteht. Daher schreibe ich vom höchsten Berg der Alpen und wie man es damals, 1787 verstand.

Und auf dieses Bergmassiv wollten wir – als zweiten Teil Joachims Leckerli – am nächsten Morgen hinauf! Mit der Seilbahn. Ok, eine Seilbahn der Superlative, dazu die höchste Seilbahn Frankreichs! Wer meine Höhenangst kennt, der weiß vor welcher immensen Aufgabe ich stand! Exakt auf den Mont Blanc führt keine Seilbahn, nur zum benachbarten Aiguille du Midi (frei Übersetzt Mittagsnadel), einem schroffen felsigen Vorposten im Mont-Blanc-Massiv, der immerhin auch eine stolze Höhe von 3842 m aufweisen kann. Ein exzellenter Aussichtspunkt, doch auch Ausgangspunkt für alpine Berg- und Skitouren.

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Am nahe gelegenen großen Parkplatz war zur frühen Stunde noch reichlich Platz zur Verfügung. An der Seilbahnstation Alpinisten und Touristen so weit das Auge reicht. Mal richtig professionell ausgestattet, dann wieder nur ersichtliche Freizeitwanderer, dann solche die nicht geübt, jedoch durchaus gut ausgerüstet mit festem Bergschuh, Langarmshirt, Daunenwinterjacke, Mütze, Handschuhe, Rucksack mit allerlei Nützlichem ausgestattet sind – so wie ich!, und diejenigen, die sich eventuell gar keine Gedanken machten bezüglich Höhe und Temperatur und die mit Ballerinaschühchen, Kleidchen, Kurzarmshirt und kurzen Hosen den Weg in die Gondel wagen. An Sonnenbrille und Sonnenschutzcreme unbedingt denken, auch wenn es da oben mächtig kalt sein kann.

Im 15 Minutentakt können die ein- und ausfahrenden Gondeln, die bis zu 70 Personen Platz bieten, beobachtet werden. Somit saß ich irgendwann als heulendes Elend voller Angst da und schüttelte den Kopf über die bescheuerte Idee von Jogis besonderem Schmankerl und wollte am liebsten nur noch flüchten. Doch die Onlinebuchung der Tickets war für ihn eine besondere Herausforderung, Erst am Abend zuvor erfuhr er, dass über verschiedene Browser probiert werden müsste, nicht auf allen würde die Annahme der Kreditkarten funktionieren. Übrigens würde ich sehr empfehlen, die Tickets im Voraus online oder direkt am Schalter einen Tag zuvor zu kaufen. Vor allem bei bester Wetterlage bekommt man zur gewünschten Abfahrtszeit oft keinen freien Platz mehr. Für Kinder unter 3 Jahren ist der Zutritt nicht gestattet, für Kinder unter 5 Jahren nicht empfehlenswert. Allein mein Ticket kostete 69 Euro und da kam eben auch die Schwäbin in mir durch und der Ehrgeiz, es doch zu schaffen. Ich schickte „mein besonderes Schmankerl“ ins nächste Straßencafé, um mit mir allein, und den gefühlten 100 wartenden Mitreisenden, wieder zur Ruhe zu kommen, durchzuatmen, gegen die Angst zu atmen und mich zu beruhigen.

Es gelang mir. Sehr gesittet mit exakten Angaben welche Gruppe wo wann sich zu befinden hatte, wurde eingecheckt. Die Kontrolle der Onlinetickets funktionierte fehlerfrei, beim Einsteigen nahm mich Jogi an seine Seite, all die vielen Menschen konnte ich nicht anschauen. Mit eisernen Handgriffen umschlang ich die Haltestangen, versteifte den gesamten Körper, Blick auf den Boden und ab ging die rasant schnelle Fahrt. Manches Mal stieg die Panik in mir auf, jedoch war ich permanent mit Druckausgleich beschäftigt, nach draußen schauen konnte ich überhaupt nicht, der Schweiß der Anstrengung und Angst – nein, die Daunenjacke hatte ich nicht an – rann am ganzen Körper entlang. Nach 2,5 km erreicht man die 1. Sektion, den L’Aiguille du Plan in 2300 Metern über dem Meer. Hier befindet sich etwas abseits der Station ein Biergarten und eine Bewirtungshütte nebst Souvenirecke. Nun wird die Gondel gewechselt, hier können nun bis zu 50 Personen Platz finden. Nun ging es ohne Zwischenstützen erst über den Gletscher, um dann direkt am Berg entlang senkrecht in die Höhe zur 2. Sektion zu gelangen. Diese 2,9 km konnte ich sehr gut verkraften, den Berg direkt vor Augen, der bot mir Halt und Sicherheit, obwohl dies natürlich Quatsch war.

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Oben angekommen musste ich sofort die Jacke anziehen. Ich zitterte am ganzen Körper, war fix und fertig, das Atmen fiel mir schwer, war wie benommen. Ich lief treppauf und -ab, Souvenirshop, Restaurant.

Wir liefen durch einen Eistunnel, eine Röhre, Jogi bugsierte mich in einen Aufzug, 4 Personen passten dort hinein. In einem Schacht ging es dann nochmals rasant senkrecht direkt durch den Berg 50 Meter nach oben. Dies war nun überhaupt nicht schlimm für mich. Ihr seht aber, ich hatte so mit dem Funktionieren meines Körpers zu tun, dass ich überhaupt nicht auf die Reihenfolge achten konnte. Es ging mir auch alles etwas zu schnell, da ich nicht richtig durchatmen konnte.

Angekommen auf 3842 Metern schloss ich sofort die Jacke. Frisch war es, herrlich blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und traumhafte Ausblicke! Wir standen auf der Aussichtsterrasse und doch mitten im Winter. Schnee, ewiges Eis, Gletscher, eine andere Welt. Das Matterhorn, der Monte Rosa, der Mont Blanc und natürlich zig andere hohe Berge direkt vor Augen. Wunderschön!

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Ganz tief unten konnten die Bergwanderer stapfend durch den Schnee beobachtet werden.

Ein besonderer Höhepunkt für viele mutige Besucher war die Fotobox „Der Schritt ins Leere“. Ein Kasten, an 5 Seiten aus Glas im luftleeren Raum hängend, über tausend Meter hoch. Eine gigantische, schwindelerregende, aufregende und beeindruckende Fotokulisse. Da Jogi ebenfalls schon einmal mit der Seilbahn hier herauf fuhr und der Aufzug mitsamt Fotobox geschlossen war, konnte er sich diese Chance nicht entgehen lassen. Ich stand nun 25 Minuten seitlich, in einer sehr windigen und eiskalten Ecke, um ihn bei seiner mutigen Tat abzulichten. Was war ich über meine warme Verpackung froh. Unzählige weitere Besucher wagten dieses Erlebnis und obwohl die Fotos schon toll aussehen, das hätte ich mich nie getraut.

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Auf dem Bild seht ihr viele weitere Aussichtsterrassen, auch wir genossen noch die verschiedensten Blicke in weite Ferne und hinab ins Tal. Damit hatte ich überhaupt keine Probleme. Wahnsinn, was hier oben alles gebaut wurde. Allerdings bleibt es fraglich, ob dies alles sein muss?

Auch die Rückfahrt zur 1. Station bereitete mir keine Schwierigkeiten. Genüsslich ließen wir uns im Biergarten nieder, genossen die Aussicht auf Land und Leute und wagten dann, ebenso völlig unkompliziert, die Rückfahrt bis zur Talstation.

Dort hechtete ich noch schnell in den wunderschönen großen Souvenirladen, kaufte eine Ansichtskarte, beschrieb diese, Jogi marschierte in den nächsten Tabakladen um eine Briefmarke zu ergattern, Briefkasten gesucht und gefunden und auf ging es zur endgültigen Heimfahrt. Leider habe ich von 7 verschickten Postkarten erst 3 Rückmeldungen erhalten. Die Post scheint nicht nur in Deutschland sehr unzuverlässig geworden zu sein.

Bis bald, hoffentlich aus nicht gar so schwindelerregenden Höhen!

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Monumentalfriedhof in Genua

Ein Besuch auf dem Cimitero di Staglieno, dem Friedhof im Stadtteil Staglieno, war ein weiteres Highlight meines Genua-Urlaubs. Immer wieder erwähne ich es, dass ich eine besondere Beziehung zu Friedhöfen besitze und möglichst im Ausland einen besichtigen möchte. Nun las ich davon, dass Genua über einen der bedeutendsten Monumentalfriedhöfen in ganz Europa verfügt. Diesen wollte ich mir natürlich genauer ansehen. Joachim verspürte dazu überhaupt keine Lust und somit machte ich mich mit den verschiedensten Buslinien in den Stadtteil auf und war schlichtweg überwältigt.

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Zuvor möchte ich erwähnen, dass bereits am Eingang ein Schild in verschiedenen Sprachen hängt, ich hatte mich sowieso dementsprechend gekleidet.

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Über Verhaltensregeln bezüglich Fotografieren konnte ich nichts entdecken, ich war jedoch sehr dezent, unterbrach wenn jemand in der Nähe war, versuchte diskret und mit Respekt vor dem Heiligen Ort aufzutreten. Die Bilder sind alle von mir und nur für meinen privaten Blog bestimmt.

In den Jahren 1844-1851 von bedeutenden Genueser Stadtplanern angelegt, erstreckt sich das Areal über einen Quadratkilometer.

Es fährt sogar eine eigene Buslinie hindurch! Ein rechteckiger Zentralbau mit umlaufenden Bogengängen, vom Haupteingang blickt man auf das Pantheon, welches über eine monumentale Treppe zugänglich ist.

Inmitten grüner Hügellandschaft sind die verschiedensten Grabanlagen terrassenförmig angelegt. Halbkreisförmige Galerien dienten der Erweiterung, in mehrstöckigen Häusern befinden sich zudem Zimmer für Zimmer, vom Boden bis zur Decke Urnengräber.

Bereits direkt am Haupteingang verschlug es mir die Sprache – hätte ich mit jemandem gesprochen. In den 6 umlaufenden Bogengängen reiht sich eine Monumentalgrabstätte an die andere. Mit unglaublichem Pomp und bildhauerischer Detailtreue wurden hier Skulpturen geschaffen, die dem Verstorbenen ein Denkmal setzen. Es heißt auch, Staglieno ist ein pompöses Museum der Bildhauerei der letzten 150 Jahre.

Es gibt einen katholischen und einen evangelischen Bereich, direkt am Eingang vielen mir die nach Osten gerichteten Gräber der Muslime auf. Auch ein jüdischer, griechisch-orthodoxer und englischer Sektor soll vorhanden sein. Ebenso all die Soldatengräber. Obwohl ich stundenlang dort war und mich in den verschiedensten Bereichen auch kurz verirrte, habe ich längst nicht alles gesehen, zu riesig ist diese Anlage und ich konnte leider nicht in Erfahrung bringen, wie viele Millionen Seelen, darunter natürlich auch viele Prominente, bis heute dort ihre Ruhe fanden. In der Stadt der Toten – und doch unvergesslich.

Und nun dürft ihr einen Blick auf eine kleine Auswahl der Fotos werfen:

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Zahlreiche historische Persönlichkeiten, Schriftsteller, Reisende, Künstler und Philosophen wandelten bereits durch die großen monumentalen Galerien und hinterließen ihre Eindrücke. Nietzsche, Kaiserin Sissi, Ernest Hemingway, Oscar Wilde und viele weitere Berühmtheiten besuchten diese Anlage bereits.

Nun schließe ich mit den Worten von Mark Twain, der 1869 nach seinem Besuch folgendes vermerkt haben soll:

„Mein letzter Besuch war dem Friedhof bestimmt – eine Begräbnisstätte, die mehr als 60.000 Tote aufnehmen soll. An diesen Ort werde ich mich erinnern, selbst wenn ich die Paläste vergessen habe. Ein breiter Säulengang aus Marmor umgibt eine große leere Fläche, auch der Boden ist aus Marmor, und auf jeder einzelnen Platte ist eine Inschrift. Auf beiden Seiten entlang des Ganges kann man Denkmäler und Skulpturen bewundern, die bis ins kleinste Detail ausgearbeitet sind und Harmonie und Schönheit ausstrahlen.“

Gruß Karin

Genua…

Eigentlich wollten Joachim und ich wieder einmal Urlaub an der deutschen See machen. Mein Gatte meinte dann Anfang des Jahres zu mir: „Du möchtest doch mal wieder an die Nordsee, auf, wir fahren in Urlaub!“ Ich schlug dieses wohl gemeinte Angebot jedoch vehement zurück, da ich ja Sonne, Strand und Meer mit Baden im warmen Wasser verband. Und dem ist bestimmt im Februar nicht so! Da wir nun auch nicht unbedingt in den Sommerferien verreisen wollten und wir Mitte-Ende Juni dezente Terminprobleme hatten, so verreisten wir ganz spontan schon Ende Mai und zwar nach Genua. Nicht unbedingt eine Stadt um Strandurlaub zu machen, ich weiß, aber dafür hatten wir unsere Gründe. Dazu wollte mein Mann noch mit dem Auto fahren, über Liechtenstein, denn das kannten wir auch noch nicht und für den Rückweg hatte er noch ein ganz besonderes Schmankerl für mich im Gepäck – doch dazu später mehr.

Sehr früh morgens ging die Fahrt los und somit waren wir auch schon früh am Morgen in Liechtenstein. Das deutschsprachige 25 km lange Fürstentum zwischen Österreich und der Schweiz mit seiner Hauptstadt Vaduz, welche sich in der Morgenstunde noch recht kühl und feucht im Tal präsentierte, erwachte aus seinem Schlaf. Auf einer Bank packten wir unser mitgebrachtes Essen aus und frühstückten erst einmal. Hätten wir gewusst, dass der Supermarkt nebenan geöffnet hatte und nach und nach die Einwohner und Urlauber hier am Sonntagmorgen schon zum Einkaufen gehen, dann hätten wir dies wohl ebenso gemacht. So jedoch saßen wir mit der Wolldecke gegen die Feuchtigkeit und unseren Tupperbehältern mit allerlei Leckereien genüsslich da und konnten die erwachende Stadt beobachten. Natürlich fuhren wir auch hinauf zum Schloss Vaduz welches aus dem 12. Jh. stammt und ursprünglich eine Burg war, heute Wahrzeichen des Landes und private Residenz des Fürstenhauses Liechtensteins ist. 120 Meter thront sie auf einer Felsterrasse hoch über der Stadt. Nach herrlichen Ausblicken hinab ins Tal und einer Fahrt einmal durch die Hauptstadt verließen wir auch schon wieder den viertkleinsten Staat Europas und begaben uns auf die Weiterfahrt zu unserem eigentlichen Ziel.

Genua. Im Baedeker Reiseführer aus dem Jahr 2007! lese ich folgendes:

Die lebhafte Hafenstadt mit pittoresker Altstadt, neuem Freizeitgelände am Porto Antico, prachtvollen Bauten aus Renaissance und Barock sowie einer reichen Kulturszene. Die sechstgrößte Stadt Italiens macht es dem Besucher nicht leicht. Der Bereich Großgenua erstreckt sich vom Westen bis Osten der Küste entlang gut 40 km, nach Norden hin nochmals 15 km, das heißt: dichteste Bebauungen die sich auf dem schmalen Küstenstreifen und an den Berghängen drängen. Hohe, unschöne Wohnblocks und gigantische Industrieareale. Für den Autofahrer, der sich zum ersten Mal seinen Weg durch Genua bahnt, kann das Ganze – besonders zu Stoßzeiten – fast bedrohliche Züge annehmen. Weshalb man diese erstaunliche, faszinierende, teils auch monströse Stadt am besten per Bahn besucht.

Und dieser Text stammt aus dem Jahr 2007!

Am späten Nachmittag erreichten wir also unser Ziel, das Marriott AC Hotel Genua, checkten ein, bezogen unsere Zimmer, duschten, kurze Ruhepause und dann setzte sich Jogi abermals ins Auto um die 6 km nach Genua reinzufahren.

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Dort wollten wir gemütlich etwas essen und den Abend ausklingen lassen. Nachdem wir 1 Stunde kreuz und quer umherfuhren und nirgends einen Parkplatz für das relativ lange und breite Auto bekamen und die Stimmung immer gereizter wurde, fuhren wir wieder zum Hotel zurück, bekamen zum Glück wieder einen kostenlosen Parkplatz in der Umgebung und kehrten in einer kleinen Pizzeria gegenüber des Hotels ein. Nach Aufgabe der Bestellung wurde dann die Krisensitzung begonnen und am Ende waren wir uns einig, dass das Auto möglichst wenig bewegt werden sollte und wir uns möglichst per Bus, Bahn und Pedes bewegen würden.

Wie immer tüftele mein Joachim dann am Abend mit Hilfe des Rezeptionisten aus, wie wir am besten per Bus unterwegs sein könnten. Mit Hilfe der kostenlosen App „AMT Genova“, gekauften Bustickets, welche an jedem Tabacchi Shop oder auch im Hotel zu bekommen waren (Onlinekauf mit deutscher Kreditkarte über die App klappte nicht), düsten wir nun kreuz und quer sehr kostengünstig durch die Gegend, auch die Bahnlinie benutzten wir. Das Straßennetz ist sehr gut ausgebaut, die Haltestellen und Beschriftungen an den Bussen alles prima und verständlich geregelt. Anhand der App konnte sogar ich alleine meine Busverbindungen zu bestimmten Zielen bestimmen, außerdem sind alle Busfahrer äußerst freundlich und helfen auch bei nicht vorhandenen Englischkenntnissen mit Zeichensprache und Gestik weiter, welche Linie wo abfährt.

Am ersten Tag fuhren wir daher mit dem Bus in die Innenstadt, um mit dem bekannten City Sightseeing „Hop On – Hop Off“-Bus, eine Stadtrundfahrt zu machen und somit die Sehenswürdigkeiten zu bestaunen und über Kopfhörer in deutscher Sprache Informationen darüber zu bekommen. Wisst ihr eigentlich, dass ihr die Quittung eures gekauften Tickets aufbewahren solltet um dann bei Vorlage des selbigen bei einer weiteren Tour dieses Unternehmens weltweit dann 10% Nachlass zu bekommen? Das Einzeltagesticket kostet in Genua immerhin 19 Euro.

Es gab viel zu sehen. Imposanten Prachtbauten, Plätze, Brunnen, Gassen, Kirchen und vieles mehr.

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Ausgestiegen sind wir dann am „Mercato Orientale“, einem bunten Lebensmittelmarkt in den Gemäuern eines nie fertiggestellten Klosters aus dem 17. Jh. „Orientale“ weist übrigens nicht auf einen orientalischen Markt hin, sondern an seine östliche Lage im Stadtzentrum. Leider war es schon Nachmittag, die ersten Stände hatten schon geschlossen, aber für schöne Fotos reichte es allemal.

Anschließend gingen wir im oberen Stockwerk zum Essen. Stand um Stand werden die unterschiedlichsten Gerichte aller Welt angeboten. Es versteht sich wohl von selbst, dass wir nur ligurisches Essen auswählten.

Und wenn ich nun schon über all die kulinarischen Köstlichkeiten schreibe, dann möchte ich auch hier eine kleine Auswahl an Leckereien einstellen. Meist habe ich es vergessen zu fotografieren oder wollte den Moment einfach nur uns vorbehalten lassen.

Hier noch die Visitenkarten unserer erwähnenswerten Speisetempel. Wenn ihr in der Nähe seid, unbedingt einkehren. Ihr seht, das La Torre befindet sich in Cherasco. Dort wollte Jogi unbedingt auf unserer Heimreise essen. Vor vielen Jahren speiste er dort fürstlich und war nun jedoch unheimlich enttäuscht, dass, verständlicherweise, die Speisekarte immer mal wieder wechselt und die ersehnten geschmorten Ochsenbäckchen nicht mehr serviert wurden.

Das Baden im Meer gestaltete sich etwas komplizierter. Der kleine, sehr lebhafte Strandabschnitt in unserem Viertel, der fußläufig in 20 Minuten bergab und somit auch bergauf zu erreichen war, strichen wir komplett von unserer Wunschliste. Trotzdem trotteten wir eines Nachmittags zwischen Häusergassen hindurch, den Weg bis hinab zum Meer, liefen die Küstenstraße entlang und ließen uns ein Eis schmecken, kehrten auf eine Erfrischung ein und trotteten dann wieder ins Hotel zurück.

Am nächsten Tag setzte sich Joachim dann doch ins Auto und wir fuhren nach Sestri Levante, ein Städtchen, welches leider 42 km in östlicher Richtung unseres Hotels entfernt lag. Dort gibt es u. a. einen „Baia del Silenzio“, ein Strandabschnitt der seinem Namen Ehre macht. Sehr ruhig gelegen, nicht zu viele Menschen, zum Glück hatte ich Schirm und Picknickdecke mit, denn in die sündhaft teuren Liegestühle die die angegliederten Restaurants anboten, wollten wir nicht investieren. Noch nicht… Endlich konnte ich auch meine Wasserhängematte mit großem Genuss benützen.

Auch probierten wir mit dem Bus zu den nächstgelegenen Badeorten zu gelangen. Leider verließ ich mich dann eines Tages zu sehr auf meinen Gatten. Der Bus fuhr das auserkorene Örtchen Camogli gar nicht an, hielt weit oberhalb des Ortes an und uns wurde versichert, über einen Schleichweg hinab ans Meer zu gelangen. Nachdem wir dann schweißgebadet und hoch rot, mit wild stechendem Knie Stunden später endlich am Meer angelangt waren, war der auserkorene Strandabschnitt mit Schirmen und Liegen komplett belegt. Der italienische Nationalfeiertag und das angegliederte Brückenwochenende bescherten den Gastronomen ausverkaufte Plätze. Somit saßen wir auf unserer Decke, leider ohne Schirm jedoch mit schützendem Handtuch gegen die stechende Sonne inmitten des Menschengetümmel am Steinstrand. Das Wasser war göttlich erfrischend und glasklar, wir hatten eine gute Zeit und heimwärts ging es dann mit dem Zug.

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Wir entschieden für uns, dass sich für uns der beste Badeplatz in Sestri Levante befindet und zwar im Strandclub Bagni Sporting. Liegestühle mit Sonnendach, Sonnenschirm mit Haken für Taschen o. ä. und kleinem Tischchen, Frischwasserdusche am Strand, Umkleidekabine, saubere Toiletten, überdachte Terrasse des Bistros wo es eine große Auswahl an Getränken und kleineren Speisen gab, Badeaufsicht, Mülltonnen, flacher Sandstrand, freundliches englischsprachiges Personal und Ruhe. Dafür berappten wir dann 25 Euro für den Tag und Jogi fuhr jedes Mal so weit, dazu Park- und Mautgebühren, aber das war es uns dann auch wert. Hier hatten wir wirklich entspannten Badeurlaub. Der Reiseführer schreibt zu dem Ort: „Unbestreitbar einer der schönsten Plätze der Riviera ist das atmosphärische Städtchen auf der schmalen Landzunge zwischen der „Märchenbucht“ und der „Bucht der Stille“.

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Das Hotel verfügt leider über keinen Pool oder Schwimmbad, nur auf dem Dach war eine Sonnenterrasse mit Dusche. Immer wieder kamen wir hier herauf und lagen unter dem Schirm auf den Liegen und verweilten einige Stunden in völliger Ruhe. Halb Italien schien aufgrund des Feiertages unterwegs zu sein, überall Menschenmassen, so verbrachten wir dort oben auf dem Dach unsere Zeit bei Musik, lesen und schlafen.

Dann packte es mich eines Tages, ich wollte unbedingt die Altstadt anschauen, den Leuchtturm, die vielen Sehenswürdigkeiten. Joachim hatte bei der Hitze absolut keine Lust dazu, somit fuhr ich mit dem Bus nach Genua rein und schaute mir die Gegend rund um den Porto Antico an. Den längeren Fußmarsch Richtung Leuchtturm nahm ich auf mich, auf wenn ich mir dann das Eintrittsgeld zu viel war. Zutritt gibt es nur zusammen mit Park und Museum. Dazu hatte ich keine Lust und somit konnte ich dann nur dieses eine Foto vom Leuchtturm machen. Aber ich schlenderte stundenlang umher, staunte dann doch über die verborgenen Schönheiten der geschäftigen großen alten Stadt. Genua, der Name ist abgeleitet vom lateinischen Wort „genu“ für Knie. Was sich auf die Lage der Stadt bezieht. Sie wurde von den Liguren gegründet und war bereits im 5. Jh. v. Chr. ein bedeutender Seehafen. Erstmals erwähnt wird Genua im Jahr 218 v. Chr.!

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Ein weiteres Highlight war eine Bootsfahrt nach Portofino. Der wohl bekannteste Fischerort an der Riviera musste unbedingt per Boot angefahren werden. In den 1950er bis 1960er Jahren war es das Mekka von Hollywood-Größen. Von Humphrey Bogart bis Liz Tayler – so schreibt der Reiseführer. Zunächst fuhren wir frühmorgens mit dem Bus nach Nervi, schlenderten zum Hafen und warteten auf das Boot. Wir fuhren entlang der Küste mit herrlichen Blicken auf die z. T. sehr malerischen Dörfer mit ihren bunten Häuserfassaden. Zwischenstopps in Camogli und der Abtei San Fruttuoso, bis zum Endziel Portofino. Beim Anlegen ein Gewimmel und Gewusel von Booten und Menschen. Vom winzigen Fischerboot über eine goldlackierte Jacht bis zu riesigen Luxusyachten lag alles vor Anker. Ich konnte diesem kleinen malerischen Örtchen nichts Weiteres abgewinnen. Es sonnt sich wohl auf den Lorbeeren vergangener Jahrzehnte. Die Restaurants alle total überfüllt, horrend überteuerte Preise. Selbst das Kilo Kirschen am Obststand war doppelt so teuer als im Supermarkt neben dem Hotel. Und selbst dort waren die Kilopreise für Nektarinen, Pfirsiche, Kirschen & Co. teurer als in der Heimat. Allgemein war in Italien alles viel teurer als bei uns zu Hause. Auf jeden Fall zwang einen der Hunger, der Durst und das Ausflugserlebnis dazu, irgendwo einzukehren und den vorbeiziehenden Menschenmassen hinterherzuschauen. Vereinzelt wurde in einer der Luxusboutiquen eine Kundin bedient, die augenscheinlich zur höher gestellten Bevölkerungsschicht der Menschheit gehörte. Ich war geradezu froh, als für unser Boot der Zeitpunkt zum Ablegen kam und wir dieses künstlich hoch erhaltene, einst sicherlich sehr schöne und malerische, Fischerörtchen hinter uns lassen konnten.

Von einer weiteren Unternehmung die ich alleine in Angriff nahm, schreibe ich in einem separaten Beitrag. Auch über das eingangs erwähnte besondere Schmankerl werde ich gesondert berichten.

Heute verabschiede ich mich mit gigantischen Ausblicken und tiefblauem Himmel aus Genua.

Ciao, Karin

Bei Ernst und Heinrich

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Was machen Ernst und Heinrich: Comedy? Liederabend? Kabarett? Melodien? Parodien? Die Mischung macht’s!

Mit einem exotischen Sammelsurium von Instrumenten werden eigene, aber auch schöne Lieder live gespielt und gesunden. Dazu gibt es Szenen, Sketche und kuriose Moderationen unter dem Oberbegriff: Humor bzw. gehobener Schwachsinn mit Tiefgang.

Schwäbisch ist Amtssprache – aber wie sich gezeigt hat, versteht auch der interessierte Nicht-Schwabe das Dargebrachte. Hochdeutsch ist erste Fremdsprache, Englisch Wahlfach – eben international.

Quelle http://www.ernstundheinrich.de

Ernst kenne ich schon lange. Sein Vater war in Heuchlingen drei Jahre lang mein Grundschullehrer, die Familie wohnte gerade einmal 5 Häuser von uns entfernt. Viele Jahre war er uns Dörflern nur durch „Die Kleine Tierschau“ bekannt, einer Chaos-Musik-Theater-Gruppe. Später entstand dann das „schwäbisch-internationale Duo „Ernst und Heinrich“.

Und da die beiden längst kein Geheimtipp mehr sind, wurden sie auch bereits mehrfach ausgezeichnet.

Während unserer 25-jährigen Auslandsabwesenheit probierte ich in den Sommerurlauben in Deutschland immer wieder einmal zu einem Auftritt der Beiden hier in der Nähe zu gelangen, die Hausbühne „Käser’s Stall“ in Abtsgmünd-Laubach war mir dann immer zu weit zum Fahren. Dann wohnten wir endlich wieder dauerhaft im Ländle, leider zog dann Corona ein, doch dann kam der 28. Mai 2022 wo die zwei dann ausgerechnet in Heuchlingen gastierten. Zusammen mit dem Schwesterlein besuchte ich die „Perle des Leintals“, die rund 1800-Seelen Gemeinde, in der ich die ersten 21 Jahre meines Lebens verbrachte. In der Gemeindehalle kamen Erinnerungen an früher auf, Plausch mit einer damaligen Nachbarin und tatsächlich traf ich auch eine ehemalige Schulkameradin.

Ausverkauft war die Veranstaltung nicht. Vielleicht lag es daran, dass die Einwohnerschaft das Programm des Künstlerduos zum größten Teil schon kannte? In der Tagespresse kam ein großer Artikel, wie es sonst so mit Werbemaßnahmen bestellt war, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Auf jeden Fall war der Abend seitens des Veranstalters, dem Liederkranz Heuchlingen, bestens organisiert. Kostenlose Parkplätze ausreichend vorhanden, die Gemeindehalle erstrahlte im Glanz, Stühle waren nicht zu eng gestellt, für Speis und Trank war ausreichend gesorgt, Belüftung, Licht und Ton war optimal. Hätte nicht besser sein können.

Wir lachten viel. Ich erkannte mich im dargebrachten Song „Blogger“, schwelgte in Erinnerungen von „Bonanza“, dachte beim „Mc Leberkäs“ an den Gatten zu Hause, wusste nun, dass es im Badischen „schee“ ist, und dass „Schwäbisch isch gsond“ ist, das war mir allerdings schon bekannt! „Schätz amol“ erinnerte auch so an typisch schwäbisches Gebaren.

Weiter ging es mit Rapper Manieren, die dem Publikum lautstarke Lachsalven entlockten und als dann noch Frau Knaus und die Nachbarin sich fragten ob es „knoschpts oder ned?“, brachte dies das Publikum dann zu weiteren Lachattacken. Vielleicht sollten das Duo ihr Programm diesbezüglich erweitern?

Nach etlichen Zugaben war dann auch irgendwann Schluss. Wir trafen noch ehemalige Schulkameraden von Birgit und redeten noch einige Zeit, ich musste mich dann jedoch verabschieden und auf den Heimweg machen, denn am nächsten Morgen ging es früh los auf Urlaubsfahrt.

Doch davon bald mehr, bis dahin, ade

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Weiße Stationen Nr. 9,10,11

Weiße Stationen Nr. 6,7,8

Am vergangenen Sonntag, der uns ein herrlich sonniges Frühlingswetter bescherte, setzten wir uns ins Auto um die Erkundung weiterer weißer Stationen im Remstal in Angriff zu nehmen. Die Ziele waren somit diesmal Winterbach, Remshalden und Weinstadt.

Das Navi gab bei der Eingabe „Monopteros Winterbach“ sofort die Angabe Station 9 und die Wegbeschreibung für die 22 km bis zur letztmöglichen Parkgelegenheit bekannt.

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Zu Fuß ging es dann zunächst steil bergauf, bis der kleine runde, von einer Säulenreihe umgebene Tempel (=Monopteros) in strahlendem weiß zu sehen war.

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Einmal kurz die Infotafel gelesen und mich auf jeden Fall in mehreren Personen erkannt, für welche dieses weise weiße Haus erbaut wurde!

Mittig hineingestellt, gespürt, gesehen, gehört und geknipst und flugs dem Ruf des Gatten gefolgt, der den Weg Richtung Wald einschlug, da es ihn magisch zur Wassertretanlage zog.

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Ob es nun am unzureichenden Schuhwerk für solche Wanderungen lag und die Füße bereits schon schlapp machten, heiß gelaufen waren und nach Abkühlung lechzten…?

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Ich meinerseits war bestens gerüstet, trotzdem ging ich natürlich im Storchenschritt durchs eiskalte Becken. Das tat guuuuut!

Nun hatten wir ein Gefühl, wie wenn wir ganz weiche Füße hätten die in Watte gepackt wären, so ging es wieder zurück zum Tempel um auf meinen Lieblingsliegen zu träumen und die Aussicht zu genießen.

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Anschließend wieder bergab zum Auto und die Navi-Eingabe „Rosenpavillon Remshalden“ brachte uns auch zielgenau in die Rosenstraße zum 7,2 km entfernten Bürgerpark, in welchem der Pavillon steht.

Bereits beim Lesen der Infotafel stieg uns der Duft des Rosen- und Kräutergartens in die Nase. Bei uns zu Hause zeigten sich vorletzte Woche zaghaft die ersten Blätter der Kletterrose, hier war bereits alles voll erblüht und duftete himmlisch. Zusammen mit den Kräutern und weiteren Stauden ein herrlich angelegter Garten.

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Auch der Abenteuer-Wasserspielplatz in diesem Park war sehr gut besucht. Viele Familien nutzten das schöne Wetter um gemeinsam Zeit zu verbringen.

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Mich wunderte etwas, dass die lange Tafel auf der rechten Seite so gänzlich unbesucht war. Lag wahrscheinlich am fehlenden Sonnenschutz. Es war bereits Mittagszeit und die Sonne stach gewaltig vom Himmel. Hingegen war unten am Spielplatz im Schatten der Bäume der verfügbare Platz voll belegt.

Zum nächsten Ziel, dem Kaminhaus in Weinstadt gelangten wir nur durch lange Irrfahrten und Suchen. Das Internet ließ plötzlich sehr zu wünschen übrig, eine Komplettsperrung einer Straße brachte uns dann völlig aus dem Konzept, bis wir eher durch Zufall direkt zum Parkplatz Birkelareal gelangten.

Auch das Kaminhaus war sofort sichtbar.

Auf einer Halbinsel zwischen Rems und der Mündung des Haldenbachs, der sogenannten Birkelspitze, steht das Kaminhaus. Die filigrane Konstruktion aus dem Atelier von su und z Architekten München vermittelt zwischen vergangener Zeit und heute, erinnert an die Tradition des Fachwerkbaus und bietet Platz für Ruhe, Genuss und Geselligkeit. Als Rastplatz gewährt das kleine Haus Wanderern, Radfahrern und Bootstouristen stets eine offene Pforte. Auch bietet das Kaminhaus und die Freifläche ein einladendes Ambiente für Weinverkostungen und andere Veranstaltungen aller Art. Die allgegenwärtige Kultur des Weinbaus an den sonnenverwöhnten Rebhängen entlang der Rems und ihrer Seitentäler findet so ihren Weg von den Weinbergen ins Herz der Stadt.

http://www.remstal.der

Meiner Meinung nach fanden der Genuss und die Geselligkeit hier in ausufernden Maßen statt. Das sah überhaupt nicht mehr einladend aus. Das Paketklebeband und das Malerabdeckflies welche rundherum angeklebt wurden dienten wohl als Sicht- oder Kälteschutz, anders kann ich mir das nicht vorstellen. Sprayer hinterließen leider auch hier ein wildes Gekrakel, schade.

Doch die Umgebung des Häuschens auf dem Gelände der ehemaligen Nudelfabrik Birkel ist schön idyllisch. Auf den Steinstufen hinab zur Rems konnte eine Entenfamilie beobachtet werden, des Weiteren pumpte eine Familie eben ihr Kajak auf um es ganz bequem die Stufen hinab zu tragen und angenehmen Einstieg mitsamt den Kindern im flachen Wasser zu haben.

Bei all dem Wassergeplätscher dürstet es mich nach etwas anderem als nur meine öde Trinkwasserflasche, zudem quälte mich schon die ganze Zeit ein menschliches Bedürfnis. Ich bedauere ja immer wieder, dass es bei all diesen Ausflugsmöglichkeiten einfach zu wenig Toilettenhäuschen gibt. Da braucht man sich doch über Verschmutzungen dieser Art in Wald und Feld nicht zu wundern!

Somit machten wir uns auf den Heimweg und ich schrieb mir schon ganz nach alter Art auf Papier die nächsten Stationen genau auf, die Parkmöglichkeiten und die Länge der Gehminuten. Sind wir mal gespannt, wie das demnächst dann so klappt.

Bis dahin, wir grüßen euch

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Weiße Stationen Nr. 6,7,8

Des Öfteren berichtete ich schon über das Architekturprojekt „16 Stationen“, welches im Rahmen der Remstal Gartenschau 2019 realisiert wurde. Die Idee, Gemeinsamkeit und Vielfalt der Kommunen entlang der Rems, werden auf ganz besondere Weise sichtbar.

Der Park am alten Bahndamm in Böbingen

Weiße Station Lindenturm

Staufermarkt im Kloster Lorch

Im Einklang mit der Landschaft entstanden Orte der Begegnung, welche die Städte und Gemeinden auf ganz besondere Weise miteinander verknüpfen und doch deren Individualität wiederspiegeln.

https://remstal.de/themen/kultur/architektur/architekturprojekt-16-stationen#/article

Endlich nun wollte ich auch noch die restlichen Stationen besichtigen und somit unternahm ich nach langer Zeit mit Jogi zusammen einen Sonntagsausflug. Los ging die Fahrt von Lorch aus nach Plüderhausen. Diese Gemeinde hat sich etwas ganz Wunderbares einfallen lassen und diese Idee ist bisher mein Favorit! Bitte lest unbedingt diesen Text.

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Die Aussicht hinab nach Plüderhausen und das Umland ist von dieser Wiese aus natürlich auch herrlich. Wenn man dann noch so schönes Wetter bei klarem blauem Himmel und diese friedliche Sonntagmorgenstimmung vorfindet – besser geht es nicht.

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Die Fahrt ging weiter nach Urbach zum „Turm an der Birke“. Dorthin zu gelangen war nicht so ganz einfach, da die Beschilderung etwas verwirrend war. Am besten ihr parkt am Schützenhaus und geht zu Fuß immer geradeaus, bis eine Abzweigung nach rechts kommt. Dieser Weg führt in einem großen Bogen direkt zur Station.

Das Objekt ist auf der B29 auf der Fahrt von Plüderhausen nach Urbach bereits sichtbar, nun jedoch direkt vor dieser 14 Meter hohen Holzkonstruktion zu stehen – das ist schon imposant!

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Viele Spaziergänger begegnen mir, ein weiterer Weg soll ebenso hinab Richtung Dorf führen. Doch hier erst einmal die Aussicht vom Turm.

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Nach meinem Fußmarsch zurück zum Auto wo Jogi derweil mit einem Schützenkollegen fachsimpelte, ging die Fahrt weiter nach Schorndorf, wo inmitten der Weinberge das „Prisma“ steht. Leider war keine Infotafel vorhanden, daher der Text aus der Website hier reinkopiert:

Die tetraederförmige Raumskulptur, die von den Architekten schneider+schumacher aus Frankfurt für die Stadt Schorndorf entwickelt wurde, entsteht mitten in den Weinreben am Grafenberg. Das Prisma nimmt zwei entgegengesetzte Bezüge zur Landschaft auf: Die vertikale Öffnung orientiert sich zum Tal mit Blickausrichtung zur Schorndorfer Kirche. Die horizontale Öffnung orientiert sich zum Hang, zum Wald und zum Wanderweg. Der begehbare Ort lädt zum Entdecken, Verweilen und Fernblicken ein. Einige der 15 weiteren Stationen zur Remstal Gartenschau 2019 können von hier oben entdeckt werden.

https://remstal.de/themen/kultur/architektur/architekturprojekt-16-stationen#/article/df65104f-6ff5-43c1-b05c-3e996a312bec

Wie bereits oben beschrieben, bietet sich auch hier eine gigantische Aussicht, hinab nach Schorndorf und ins Umfeld.

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Es war bereits Nachmittag, der Appetit nach Mittagessen ließ uns in die Innenstadt fahren. Besichtigungen von weiteren Stationen werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

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Bis dahin, Grüße     

Remstalkino

Inzwischen habe ich hier ja schon über verschiedene Arten des Kinobesuches berichtet. Sei es über „Die Kirche bleibt im Dorf“ oder die Veranstaltungen in Amman seitens des Goethe-Instituts bis zum Autokinoerlebnis im letzten Jahr. Bei einer Routenrecherche über einen bekannten Online-Kartendienst entdeckte ich neulich zufällig den Hinweis „Remstalkino Weinstadt“. Gerade einmal 21 km von uns entfernt und trotzdem hatte ich diesen Begriff noch nie zuvor gehört. Ein weiterer Klick ließ mich schmunzeln und sofort wurde ein neues Ausflugsziel erkoren.

Mit einer kürzlich wiedergefundenen Freundin aus vergangenen Zeiten machte ich mich eines sonntags bei noch recht kühlen Temperaturen und kaltem Wind auf den Weg. Nach Einkehr in einer schwäbischen Gastwirtschaft fand das Navi auch den Weg zum auserwählten „Parkplatz Remstalkino“ und weiter ging der Fußmarsch auf dem Rundwanderweg „Weinbaulehrpfad“ zum Aussichtspunkt „Drei Riesen“.

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Der Aussichtspunkt Drei Riesen wurde in den 1970er Jahren im Rahmen der Rebflurbereinigung angelegt. Weiter kursieren Ansichten über Hinterlassenschaften aus der Vorgeschichte. Findlinge, eine Bezeichnung für Felsblöcke die nicht von Menschenhand errichtet werden, sondern während der Eiszeit von den Gletschern an die derzeitige Position geschoben wurden. Weiter westlich bei Kernen im Remstal wurden weitere dieser Blöcke mit eindeutigen Indizien auf eine keltische Kultur gefunden. Die Geister streiten sich somit über die Herkunft oder Entstehung dieser Felsblöcke. Auf jeden Fall ein Hingucker und Namensgeber für diesen gestalteten Platz, an dem sich einige Meter weiter dann endlich das Remstalkino befindet. Eingeweiht am 21.04.2018 war diese Attraktion ein Teil der Remstalgartenschau 2019 der Stadt Weinstadt.

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Das Remstalkino ist ein besonders gestalteter Aussichtspunkt in den Weinbergen von Weinstadt. In 385m Höhe genießen die Besucher die Aussicht oberhalb der Weinstädter Teilorte Beutelsbach und Schnait. Dieser singuläre Aussichtspunkt mit 26 Kinostühlen aus Stahl und Kastanienholz lädt die Besucher ein, Platz zu nehmen, zu reflektieren und die Aussicht ins Remstal, wie in einem Naturkino zu genießen. Wie in einem 3D-Kino ohne Kasse. Die Vorführung beginnt, wann immer man dazu bereit ist. Ihre Dauer kann selbst bestimmt werden. Der Schauplatz ist immer derselbe, der Film wechselt jedoch ständig. Mit den Jahreszeiten, mit den Tageszeiten, mit dem Wetter, täglich, stündlich – stets gibt es ein neues Programm.

Online Erklärungstext vom Veranstalter

Was gibt es schöneres, als schön gemütlich und Dank mitgebrachtem Sitzkissen auch warm im Stuhl zu sitzen, herrlichste Ausblicke weit ins Remstal zu genießen, wärmende Sonnenstrahlen im Gesicht zu spüren, über vergangene Zeiten zu sinnieren und dabei noch was Leckeres zu trinken?

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Auf dem Rückweg folgten wir noch dem Hinweisschild Burgruine Kappelberg, direkt oberhalb der Ortschaft Beutelsbach.

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Allzu viel gibt es nicht zu sehen. Wäre 2019 die Gartenschau nicht gewesen, wäre das alte Gemäuer wohl langsam verfallen, obwohl diese Anlage eine kulturhistorische Rolle für die Württemberger innehat. Somit wurde alles saniert, ein schön angelegter Grillplatz wurde geschaffen und die Aussicht ist abermals famos!

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Des Weiteren sei noch zu erwähnen, dass die Ruine auch auf dem Biblischem Wanderweg liegt. Auf einem 6,8km langen Rundweg mit 20 Stationen werden anhand Thementafeln biblische Zitate, Geschichten und Portraits besonderer Persönlichkeiten dargestellt. Außerdem können vier Audiosequenzen über QR Code abgerufen werden. Dieses Weinkreuz ist die 18. Station.

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Die Sonne verzog sich, es wurde noch kühler und auch wir verzogen uns. Wir hatten Kaffeedurst. Nach langem Hin und Her entschlossen wir uns, bei uns zu Hause ein Tässchen einzunehmen und wir machten uns auf den Heimweg.

Mal schauen, was „Kino“ uns das nächste Mal beschert, bis dahin, Gruß Karin

Steinpapier

Die Erfindung des Papiers und seiner Geschichte und Verbreitung dürfte uns allen wohl bekannt sein. Wie man überlieferten historischen Quellen entnehmen darf, wurde vor knapp 2000 Jahren dieses kostbare Gut in China erfunden. Ich ging schon in frühen Jahren sehr sorgsam mit Papier um, lernte während meiner Ausbildung, dass unbedingt auch die Rückseite eines Papieres zu bedrucken sei und auch die leere Rückseite eines Werbe- oder sonstigen unwichtigen Briefes als Schmier- und Konzeptpapier in Einsatz kommen kann und somit übers Jahr gerechnet, sich einiges an neuem Papier einsparen lässt. Auch ich praktiziere diese Methode bereits seit 38 Jahren und ich möchte nicht wissen, wie hoch der eingesparte Papierstapel bereits wäre. Ganz zu schweigen von den Kosten und den eingesparten Ressourcen. Mit den verschiedenen Arten von Papier hatte ich nie viel zu tun, berufs- und hobbymäßig arbeite ich nicht mit Spezialpapieren und kenne mich damit auch nicht aus. Heutzutage kaufe ich einmal im Jahr einen Pack Druckerpapier, mehr nicht.

Und heute im Jahr 2022 lese ich das erste Mal aufgrund eines verspäteten Geburtstagsgeschenkes über Steinpapier. Genauer gesagt über das weltweit erste klimapositive Steinpapier-Notizbuch. Nebst Wiesengras-Stift.

Zunächst war ich etwas ratlos. Steinpapier? Aus Stein? Wiesengras-Stift? Noch nie gehört!

Das sanfte Streicheln über das Papier fühlt sich tatsächlich anders an als gewohnt, total glatt, samtig, weich. Auf der Innenseite bestätigt sich mein Gefühl. Dort steht:

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Seidig-weiches Schreibpapiererlebnis. Auf Stein. Keine Bäume, kein Wasser, keine Säure, keine Bleiche, mit 100% Solarenergie hergestellt, klimakompensierter Transport, reißfest, wasserfest, bedruckt mit Sojatinte!!! Steinpapier wird zu 100% aus recycelten Materialien hergestellt. Notizbuch bitte in der Wertstofftonne entsorgen.

Wertstofftonne? Bei uns wäre dies der gelbe Sack. Aus was genau wird dieses Papier hergestellt, dass es in den gelben Sack soll? Meine allgemeine Recherche ergab, dass fein vermahlenes Kalksteinpulver mit Polyethylen-Harz als Bindemittel vermischt wird. Also doch wieder Kunststoff??? Soll dies am Ende umweltschonender sein als „normales“ Papier???

Ich muss weiter testen: Der Schnitt mit der Schere durchs Papier bringt nicht dieses gewohnte Geräusch zustande. Ganz weich fühlt es sich an, fast wie durch Stoff. Ich versuche es zu zerreißen. Es zieht sich wellig in die Breite wie eine ganz weiche Folie und gibt schließlich nach größerer Anstrengung nach und reißt entzwei. Ich mache es nass, es durchweicht nicht, ich halte ein brennendes Streichholz daran, es brennt nicht herkömmlich, es schmort eher zusammen und ein etwas unangenehmer Schmorgeruch entsteht und ich lösche den restlichen Brandherd mit Wasser ab. Da entsteht an der Asche ein schmieriger Film, beim Zerreiben zwischen den Fingern hat mein Steinmehl. Faszinierend! Ich hänge ein Stück Papier nach draußen an einen Baum. Dieses soll sich anhand der UV-Strahlung zu Stein zersetzen, bin mal gespannt wie lange dies dauert.

Muss ich nun meine Notizen, deren geistiger Inhalt definitiv nicht für den gelben Sack bestimmt sind, separat im Aktenvernichter zerkleinern um sie dann dem gelben Beutel zuzuführen? Oder regelmäßig ein kleines Lagerfeuer entzünden? Fragen über Fragen…

Fakt ist, dass ich dieses Notizbuch sicherlich gebrauchen werde, bis nur noch der Klappendeckel übrig ist und ich diesen dann auch fachgerecht entsorgen kann. Aufgrund meines reichen Vorrates an sonstigem Schreibpapier aus Schulzeiten unseres Sohnes werde ich mir Derartiges sowieso nicht kaufen, außerdem ließ mich der recherchierte Preis doch etwas sprachlos werden. Auch der langlebige und auffüllbare Wiesengrasstift aus recycelter BPA-freier Kunststoffhülle wäre mir dann doch zu hochpreisig, vor allem da man doch immer wieder einen kostenfreien Werbekugelschreiber eines Gönners übereicht bekommt.

Aber es wurde schon einmal ein Anfang gemacht, sicherlich auch ein hervorragendes Geschenk an umweltbewusste Mitmenschen und Neudenker und Menschen die solche Artikel sehr zu schätzen wissen. Was nicht heißen soll, dass ich nicht an die Umwelt denke und solche Geschenke nicht zu schätzen weiß. Doch letztendlich wäre es mir schlicht zu hochpreisig. Doch das muss der Interessierte selbst entscheiden.

Das Material an sich ist hervorragend für Land- und Spezialkarten, Plakate und Werbebanner, Etiketten und dergleichen. Die Industrie hat dies bestimmt schon lange für sich entdeckt und wahrscheinlich kam ich auch schon damit in Kontakt und wusste gar nicht, war für eine geniale Entdeckung ich da vor mir habe. Ich fand dies nun einfach so interessant und faszinierend, dass ich davon berichten wollte.

Gut, dass ich dafür kein Papier brauche 🙂 Lieben Gruß, Karin

Der umgedrehte Adventskalender

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,

dann steht das Christkind vor der Tür.

Verfasser unbekannt

Wer kennt diesen bekannten Kinderreim nicht? Zusammen mit dem altbewährten Adventskalender hat er schon so manchem Kinderherz die Wartezeit auf das Weihnachtsfest verkürzt.

Der Adventskalender! Was waren das noch Zeiten, ganz früher als Kleinkind, wo man sich über winzige Bildchen hinter den ausgestanzten Öffnungen erfreute. Dann kurze Zeit später, die einfachsten Pappkalender hinter deren Türchen dann Milchschokolade in allen erdenklichen Formen zum Vorschein kam. Wo wir Kinder ganz begierig, sofort nach dem Aufstehen noch im Schlafanzug und verwuschelten Haaren, gespannt waren, ob wir am jeweiligen Tage wohl mit einem Ball, einem Auto oder sonstigem Gegenstand aus Schokolade überrascht werden würden und schlossen verzückt die Äuglein über den süßen Genuss am frühen Morgen. Im Erwachsenenalter überraschte dann ich den angetrauten Ehemann und unseren Abkömmling jedes Jahr aufs Neue mit den kreativen Auswüchsen meiner Fantasie. Selbstgebastelte Kalender mit den abenteuerlichsten Innenleben habe ich im Laufe der Zeit gestaltet.

Seinen Ursprung fand der Adventskalender Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Quellen üben den Erfinder sind nicht ganz eindeutig, auch gibt es verschiedene Varianten aufgrund Religionszugehörigkeiten oder Länder.

Auf jeden Fall hat er seither sehr vielen kleinen und auch großen Menschen die Wartezeit aufs Christkind so manches Mal erträglich gemacht. Ob nun Kreidestriche an der Wand entfernt oder dazugemalt werden, Strohhalme in die Krippe gelegt, Kerzen angezündet, Bilder mit weihnachtlichen Motiven aufgehängt werden, täglich Kalenderblätter abgerissen werden, ein kleines geschnitztes Christkind eine hölzerne Himmelsleiter emporklettert, Schokolade, Spielzeug, sonstiger Krimskrams ausgepackt wird oder gar der virtuelle Kalender ins Spiel kommt – immer und jedes Jahr aufs Neue sieht man die Zeit die verbleibt, bis endlich Weihnachten ist.

Bei uns hat der Kalender stets 24 Türchen, für den 1. bis 24. Dezember. Früher oder auch in anderen Ländern variiert dies, da kann dieser auch bis zum Fest der Heilgen Drei Könige gehen.

Auf jeden Fall hat dieser Advents- oder auch Weihnachtskalender wie er früher hieß, einen christlichen Hintergrund. Und somit hat unsere evangelische Kirchengemeinde Lorch und Weitmars zum umgedrehten Adventskalender aufgerufen.

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Auch wir haben bei diesem Projekt dieses Jahr mitgemacht und somit hab‘ ich brav das Kistlein abgegeben in der Hoffnung, dass sich auch über unseren Kalender jemand freut.

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Heute durfte dann im herkömmlichen Kalender das letzte Türchen geöffnet oder das letzte Päckchen ausgepackt werden und ich bin mir sicher, im Laufe des Tages werden sicherlich viele Kinder ihre Eltern fragen, wann denn nun endlich das Christkind kommt.

Wir wünschen euch allen ein schönes Weihnachtsfest und für 2022 nur das Allerbeste!

Liebe Grüße, Karin

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Unser Baum 2021

Kürbisausstellung Ludwigsburg

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Seit Wochen schreitet der Herbst mit großen Schritten ins Land und selbst wenn die Temperaturen manches Mal diesen noch nicht einleiten sollten, die Hofläden und Supermärkte machen uns auf unübersehbare Weise darauf aufmerksam, denn es gibt Kürbisse wohin das Auge blickt. Eigentlich kommt man an diesem beliebten und auf viele verschiedene Arten zuzubereitendes Fruchtgemüse nicht vorbei, auch aus den deutschen Küchen ist der Kürbis nicht mehr wegzudenken. Ebenso dient er als ausgehöhlter und geschnitzter Kürbisgeist in der Nacht vom Reformationstag dem 31. Oktober auf Allerheiligen dem 1. November. In unserer Kindheit verwendete man dazu noch Rüben, am besten direkt stibitzt vom Acker des Bauern oder der von den Großeltern angepflanzte Kürbis auf dem Komposthaufen musste daran glauben. Heutzutage zelebriert man das Ende des Sommers als Halloween, was auf den irischen Ursprung All Hallows Eve zurückgeht. Doch ich möchte nun nicht weiter auf dieses schaurig gruselige Spektaktel mit Süßem oder Sauren eingehen, ich möchte beim Kürbis verweilen und somit auf die Überleitung zur Kürbisausstellung auf dem Gelände des Blühenden Barock in Ludwigsburg gelangen. Blühendes Barock nennt sich die einzigartige, etwa 30 ha große Parklandschaft, welches an drei Seiten das Ludwigsburger Residenzschloss umschließt.

Wir wanderten entlang an prachtvoller Gartenkunst und Skulpturen, flanierten um das Schloss herum und gelangten zum Ausstellungsgelände.

Seit dem Jahr 2000 findet hier jedes Jahr zwischen August/September und November/Dezember die angeblich größte Kürbisausstellung der Welt statt. 600 Sorten dieser Herbstfrüchte werden ausgestellt. Zierkürbisse, Schnitzkürbisse, Kalebassen, Winzlinge und Riesen. Zum Teil eingerahmt in die Überbleibsel der Sand-Kunst-Ausstellung vom Sommer.

Kunstvolle Figuren, die sich jährlich einem anderen Thema zuordnen, reihen sich ein in Kürbisarrangements, Verkaufsbuden und Imbissbuden. Das diesjährige Motto der Ausstellung lautet Unterwasserwelt. So thront z. B. Arielle die Meerjungfrau zwischen U-Boot, Fisch und Hai.

Zusammen mit Freundin Christiane und einer weiteren Bekannten namens Birgit – komisch, immer befindet sich in einer meiner Ausflugsgruppen eine Birgit – machte ich mich bei schönstem Herbstwetter auf ins Ludwigsburger Schloss.

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Bereits bei der Öffnung morgens um 10 Uhr waren schon zahlreiche Besucher vorhanden, gegen 15 Uhr herrschte Hochbetrieb! Der Besucherstrom war mir fast schon etwas zu viel, obwohl sich die Massen auf dem weitläufigen Parkgelände sehr gut verteilten. Stets gab es für eine kleines Pause einen Sitzplatz. Zahlreiche Mitbesucher saßen warm eingemummt und genossen die letzten wärmenden Sonnenstrahlen und ließen sich Kürbiswaffel, Kürbissuppe, Kürbisreisgericht, Kürbispasta, Kürbismaultaschen, Kürbisquiche, Kürbiskuchen, Kürbispommes, Kürbisspätzle und so manches mehr, munden. Zu köstlich war das kulinarische Angebot obwohl wir leider stets das Pech hatten, dass eine Prise Salz oder Pfeffer dem einen oder anderen Gericht gutgetan hätte.

Immer wieder erblickt man Riesen-Kürbisse, Attraktionen der deutschen und europäischen Meisterschaften im Schwergewicht. Dieses Jahr leider beide Male unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Leider steht selten bei den Exponaten dabei, wieviele Kilogramm sie auf die Waage bringen oder woher sie stammen. Dieses Jahr konnte sogar ein neuer Weltrekord prämiert werde. Das aus Italien stammende Schwergewicht wiegt stolze 1217,5 kg

Sie verweilen hier auf dem Gelände, bis sie zum Kürbis-Schlachtfest am 28.11.21 geopfert werden, um so an das begehrte Saatgut zu gelangen.

Mit unserer Eintrittskarte hatten wir ebenso Zutritt zum Märchengarten, der seit dem 16.05.1959 Klein und Groß gleichermaßen verzaubert. Nicht nur Prinzen und Prinzessinen sondern auch Kobolde, Fabeltiere und Riesen sind vertreten und warten darauf, die Besucher in ihren Bann zu ziehen. Leider, leider musste ich beobachten, dass vor den detailgenauen und liebevoll gestalteten Märchenhäuser die mit äußerster Spannung und Aufmerksamkeit lauschenden Kinder von ihren Eltern bereits vor dem Ende der Geschichte weitergezogen wurden und so manches Kind schmollend und weinend wegtrotten musste. Warum nur besucht man so einen Ort und hat keine Zeit zusammen mit seinen Kindern den Märchenerzählern zuzuhören???

Wir lauschten eifrig, ich kannte die ganze Anlage überhaupt noch nicht, selbst zu Kindertagen war ich hier noch nicht. Nun interessiert mich noch eine Führung durch das Schloss, dies wird demnächst einmal folgen. Für die Kürbisausstellung habt ihr noch bis zum 5. Dezember Zeit, dann dürfen wir gespannt warten, was sich die Macher für 2022 einfallen lassen.

Bis dahin, liebe Grüße, Karin

Ein Leuchtturm im Schwabenland?

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Meine eher zufällige Entdeckung ließ mich doch sehr erstaunen! Und wer mich etwas näher kennt der weiß, daß ich sofort ein inneres Verlangen hatte, diesen Turm zu erklimmen 🙂 und der Frage auf den Grund zu gehen, wieso hier ein Leuchtturm steht.

Gerade einmal 2 km vom Lorcher Stadtteil Rattenharz entfernt, jedoch bereits im Kreis Göppingen, steht direkt an der Kaiserstraße zwischen Rattenharz und Breech im Schweizerhof dieser 1916 erbaute Turm.

Benannt nach dem aus Schorndorf stammenden und ersten Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Reinhold Maier. Vor dem Turm ein Fahrradständer, Holz-Tisch-Bankgruppe, einige Meter vom Turm entfernt ein Parkplatz zum Abstellen des Autos. Eine Hinweistafel mit den wichtigsten Infos befindet sich an der Tür.

Im Innern dann ein Kuriosum, eine Parkuhr! Die Eintritts- und Aussichtsspende kann hier eingeworfen werden. Auf der Website des Turms http://www.boertlingen.de/turm/ ist die gesamte Gebührenordnung einsehbar, denn Kinder, Jugendliche, Familien, Gruppen o.ä. haben gesonderte Preise. Nebenbei bemerkt habe ich natürlich auch viele Infos meines Textes aus dieser Website. Fotos sind alle von mir. Gerne werfe ich meinen Obolus in den Münzeinwurf und drehe den Schalter nach rechts – wann habe ich dies das letze Mal gemacht??? Alles ist hier sehr schön angelegt und gepflegt und soll auch möglichst noch recht lange ein Besuchermagnet bleiben.

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20 Meter ging es nun hinauf. Die 110 Stufen bereiteten mir keinerlei Angstgefühl, da die Auftrittsflächen komplett aus Stahl gearbeitet waren, erst oben die Plattform bestand aus Gitterrost, da sah die Sache für mich wieder ganz anders aus. Doch das „Flair der Nordseeküste“ überwog alles und auch das Ruhebänkchen in luftiger Höhe machten mir die Sache erträglicher.

Auf dem Weg hinauf erfuhr ich dann Wissenswertes über Rainhold Maier.

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An den Stufen sind, wie schon an vielen anderen Türmen auch, die Geldgeber verewigt. Und fast oben angelangt dann Infotafeln über das Landeswasserversorgungsamt Stuttgart. Diese bauten 1916 diesen Pendelturm, um Druckschwankungen in den Hauptleitungen auszugleichen. Ahso! Dann war dies einmal ein Wasserturm. Später wurde er dann zu Zwecken der Trinkwasserversorgung nicht mehr gebraucht und 2010 wurde der Turm dann durch die Gemeinde Börtlingen saniert, zum Aussichtsturm umgebaut und dem 1. Ministerpräsidenten des im Jahr 1952 neu gebildeten Baden-Württemberg gewidmet. Wie wir nun schon aus den Infotafeln wissen, liegt dieser Turm direkt am Lieblingsspazierweg Maiers.

Eine stabile Stahltür führte nach draußen, wo mir sofort eine steife Brise um die Nase wehte – ich sag nur See! Doch im 360 Grad Blick ließ sich nichts dergleichen erblicken. Unsere schöne Schwäbisch Alb, den Rosenstein bei Heubach, die drei Kaiserberge Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen bis zur Teck bei Kirchheim erwarteten meine Äuglein. Da wäre dann wieder das Wasser 🙂

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Übrigens fand hier auch schon eine Abseilaktion statt, was ich mich natürlich nie trauen würde. Apropos trauen – standesamtlich heiraten kann man hier oben nebenbei bemerkt auch. Ich habe mich getraut, indem ich ganz allein hier oben auf dieser Plattform herumtappe.

Bis zum nächsten Wiedersehen, auf der Alb, auf der See… Ahoi Karin

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Bunkeranlage in Waldstetten

Es scheint wohl ein Dauerbrenner zu sein – die Wanderung durch die ehemalige amerikanische Bunkerlandschaft im sogenannten Staatswald in Waldstetten, Ostalbkreis, B.-W.. Nachdem 2012 die Sonderausstellung zu diesem Thema vom Heimatverein Waldstetten/Wißgoldingen e.V. sehr großen Anklang erlebte, kam auch die Frage zu diesen Führungen auf. Seit dieser Zeit werden diese Touren vom Verein angeboten und erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, sodass diese immer sofort überbelegt sind. Somit bot Herr Barth, 1. Vorsitzender des Vereins und ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde, eine private Führung außer der Reihe nur für Familie und Freunde an, jawohl – dazu kam dann ich in weiterer Verbindung dazu. Die 107. Begehung wohlbemerkt! Aus Radio, Presse und Fernsehen inzwischen ebenso bekannt, man sieht, es besteht sichtlich Interesse.

Die 2-stündige Wanderung durch das Naturschutzgebiet „Erdrutsch 1988“ erfordert gutes Schuhwerk und etwas Ausdauer.

Beim Treffpunkt Wanderparkplatz beim Abenteuerspielplatz am Ende der Wolfsgasse in Waldstetten, bekam unser Grüppchen noch einige erklärende Ausführungen, bevor es dann stetig steil bergauf ging um dann fast eben auf dem Bergrücken durch den Wald zu gehen um in einer Schleife dann final wieder steil bergab zum Ausgangspunkt zu gelangen.

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Während der NS-Zeit wurde das weitläufige Gelände den einstigen Besitzern einfach enteignet, militärische Anlagen sollten entstehen. Das Ende des Krieges kam dazwischen, das Areal ging automatisch an Deutschland über und somit dann auf die damalige amerikanische Militärverwaltung. Diese ließ zwischen 1954 und 1958 auf dem 30 ha großen Gebiet 28 massive oberirdische Bunker errichten. Die Lage war optimal, genau in der Verbindungslinie für die damalige Hardt- und Birmarckkaserne in Schwäbisch Gmünd und den Cooke Barracks in Göppingen. Sicher vor eventuellen Bombenanschlägen auf die Kasernen wurden hier große Mengen an Lebensmittel gelagert, ferner Waffen, Munition, Feldbetten, Zelte und wohl noch so einiges mehr, sowie die Sprengköpfe für die Pershing II-Raketen, die ab 1982 auf der Mutlanger Heide stationiert waren. Der Kalte Krieg, demzufolge die Bedrohungen der andauernden politischen Konflikte, fanden direkt vor unserer Haustüre statt. Weitere Einsatzgebiete dieser Bunker sind nicht bekannt, man weiß nur, dass in einem Anwendungstests für Gasmasken stattfanden, ansonsten kann anhand Wandbemalungen nur spekuliert werden. Leider bieten so viele leere Betonwände natürlich auch Raum für Bemalungen modernerer Art.

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Die Dächer der Bunker wurden zur Tarnung direkt nach Fertigstellung mit viel Grün bepflanzt, Stacheldrahtumzäunungen, Warn- und Verbotsschilder sowie starke Bewachung des Sperrbezirks ließen in der Bevölkerung die wildesten Spekulationen aufkommen. Alle 8 Stunden fanden Wachablösungen statt, Kettenfahrzeuge, schweres Gerät und schwer beladene Sattelschlepper sah man den Berg hinauf und wieder hinabfahren – doch genaue Einzelheiten wusste niemand. Die Bunker sehen ungefähr alle gleich aus, 12 Meter breit, 4 Meter hoch und 14,5 Meter tief. Sie wurden durchnummeriert, beginnen jedoch alle mit einer 8, womit man sie zur Gemarkung Waldstetten zuordnen konnte. Heute stehen nur noch wenige Teile der Umzäunung wie ein Mahnmal zwischen den Bäumen.

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Als die Amerikaner abzogen und die Bunker geräumt wurden, gab man diese an deutsche zivile Stellen zurück. 1988 erfolgte aufgrund starken Regenfällen ein Erdrutsch, 3 Bunker wurden so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass man sie abtragen musste. Das Gelände wurde dann in ein Naturschutzgebiet umgewandelt, einige Bunker wurden zugemauert und dienen als Rückzugsort für Schmetterlinge und Fledermäuse.

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An der Schautafel kann jedoch genau die Lage der verbliebenen 25 Bunker abgelesen werden und somit steht der privaten Erkundungstour nichts mehr im Wege. Wir hatten in den 2 Stunden natürlich nicht alle 25 Relikte erkunden können, hier eine kleine Auswahl.

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Herr Barth ist ein wandelndes Lexikon, unzählige Anekdoten und Geschichten auch aus der Waldstetter Umgebung und seinen Bewohnern gab er zum Besten. Vielen Dank für diesen informativen Sonntag und bis bald einmal im Heimatmuseum https://www.museum-waldstetten.de/das_andere_museum.html und der neuesten Sonderausstellung.

Grüßle, Karin

Thai-Street-Food-Fest

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Genau dies las ich in der Tagespresse und da wir beide mal in dieser 3300 Seelengemeinde wohnten, 11 km von Schwäbisch Gmünd entfernt, auch in diesem Ort wohnten und von dort dann für drei Jahre nach Thailand zogen und unser Sohn in Bangkok geboren wurden, war es für uns eine Ehrensache, dieses Fest zu besuchen. Somit schloss sich der Kreis wieder.

Diesen Verein gab es jedoch zu damaliger Zeit noch nicht und bereits bei der Parkplatzsuche waren wir über den großen Menschenauflauf sehr erstaunt. Die Community hier im Stauferland muss wohl größer sein als von uns vermutet.

Beim Ausfüllen des Kontakformulars, Kontrolle von „Genesen-Geimpft-Getestet“ und Handdesinfektion umwaberte uns schon laut schallend Thai-Musik mit Gesang und Tanz, das wohlvertraute Gewusel und Geschnatter wohin man auch nur schaute. Mit solch einem Andrang hätten wir nie gerechnet!

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Mittagszeit war schon längst vorbei, die kulinarischen Möglichkeiten waren mannigfaltig, somit begannen wir erst einmal mit einem Süppchen. Vor lauter Vorfreude vergaßen wir ein Foto, auch bei Jogis 2. Gaumengenuss dachte ich überhaupt nicht daran, erst vor meiner 2. Suppe dann endlich ein Bild. Lecker war’s! Leider konnte ich nirgends gebratenen Reis entdecken, überall gabs nur Nudeln, so schien es mir.

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Die asiatischen Gäste kauften üppig ein, abgepackte typische thailändische Lebensmittel, frisches Gemüse und Kleidung wechselten die Besitzer. Die reichlich zur Verfügung gestellten Tische, Bänke und Stühle waren stehts gut besetzt, die angrenzende Wiese diente als Picknicklager.

Es herrschte so eine schöne gute und gelöste Stimmung – ich hätte noch ewig sitzen, schauen, zuhören und später noch ein weiteres Süppchen schlürfen können, doch nachdem es kein thailändisches Singha-Bier mehr gab und ich dann vor dem Ulmer Goldochsen sitzen musste, reichte es auch mir und wir machten uns wieder auf den Heimweg.

Bis zum nächsten Jahr, in aller Schärfe! 🙂 Gruß Karin

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Töpfermarkt

Bereits zum 30. Mal fand der Töpfermarkt im 13 km entfernten Urbach statt. Und nach der langen Abstinenz solcher Veranstaltungen war es wieder einmal klare Sache, dass ich diesen Event besuche. Nicht das erste Mal, schon in früheren Jahren brachte mich die dort ausgestellte Keramik in Verzückung. Das ganze Ambiente dort, die aufgestellten Verkaufsstände entlang den Wegen, durch den Garten, das allgemeine Angebot an sonstigem Kunsthandwerk erfreut schlichtweg meine Seele. Somit machte ich mich, abermals mit dem Schwesterlein, letzten Samstag bei herrlichstem Wetter auf den Weg.

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Nach der sorgfältigen 3G-Kontrolle und Kennzeichnung am Handgelenk seitens des Veranstalters, betraten wir das geschäftige Areal und bereits nach 10 Minuten waren wir stolze Besitzerinnen wunderschöner Objekte. So schnell war ich noch nie! Doch der letzte Marktbesuch zeigte mir, dass man bei Gefallen nicht lange fackeln sollte, die besonderen Stücke verkaufen sich schnell. Sollten unsere Gäste bei uns zu Hause einmal ein besonderes Verlangen verspüren, bekommen sie diesen besonderen Kunstgenuss zu Gesicht!

Das Urbacher Schloss dient heute als Begegnunsstätte, Treffpunkt und Veranstaltungsort verschiedenster Art. Der renovierte Gewölbekeller ist für Gemeindeveranstaltungen gedacht und kann von Urbachern Institutionen als Austragungort für öffentliche Veranstaltungen gebucht werden. Das Schloss erlebte in seiner langen Geschichte eine Anzahl von Eigentümern und diversen Bestimmungszwecken. Im 17. Jhrd. wurde es auf älteren Überresten erbaut.

Und hier nun eine Auswahl von Marktständlern. Bei einigen ist verständlicherweise das Fotografieren nicht gerne gesehen oder sogar gänzlich verboten. Daher habe ich diskret meine Aufnahmen gemacht, nur um euch Appetit aufs nächste Jahr zu machen und euch zu zeigen, wie wunderschön dieser Markt ist.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Für das leibliche Wohl wird ebenfalls gesorgt. Dieses Jahr waren die Speisenauswahl und auch das Sitzplatzangebot aufgrund Corona sehr eingeschränkt, normalerweise wird die Besucherschar auch hier etwas für den jeweiligen Geschmack finden.

Besonders löblich möchte ich erwähnen, dass für das Veranstaltungsgelände kein Eintritt verlangt wird. Sonst hätten sich zu diesen Kameraden wohl noch einige mehr dazugesellt. 🙂

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Wir sehn‘ uns im nächsten Jahr? Bis dahin, Gruß Karin

Rodeln im Sommer

Als ich vor vielen Jahren im Schwarzwald den Spaß einer Sommerrodelbahn erleben durfte, ist mir dieses Erlebnis nie wieder so richtig aus dem Kopf gegangen. Letzten Winter genoss ich ja dann die Schlittenfahrt auf der heimischen Wiese Der alte Schlitten und diesen Sommer kam ich durch puren Zufall zum erneuten Rodelvergnügen. Im örtlichen Mitteilungsblatt las ich den Bericht vom Ferienprogramm der Kinder. Diese unternahmen u.a. eine Ausfahrt ins Rodelzentrum in Kaisersbach http://www.rodelzentrum.de. Gerade einmal 20 km von zu Hause entfernt, wollte ich dies während dem kurzfristigen schönen Wetter unbedingt einmal ausprobieren. Dieses Rodelzentrum bietet im Winter auch eine Ski- und Schlittenpiste und einen Schlittenlift! Super Sache, wenn es spaßvoll bergab und bequem bergauf geht.

Idyllisch gelegen mit schöner Rundumsicht liegt die Anlage mitten im Naherholungsgebiet Schwäbischer Wald. Neben der Sommerrodelbahn befindet sich auch ein Spielplatz, ebenso ein Grillplatz und ausreichend Tische und Bänke um das mitgebrachte Vesper, die frischgegrillten Leckereien oder auch ein Eis oder Getränke aus dem Kiosk in aller Ruhe zu verspeisen.

Diejenigen die sich diesen Spaß leider entgehen lassen möchten, können auf Bänken, schön im Schatten unter Bäumen sitzend, ihre Lieben auf der 650 Meter langen Fahrt zumindest teilweise beobachten. Das kann sich unter Umständen dann einige Zeit hinziehen, bis dann auch der letzte Abenteurer genug vom Fahrspaß hat.

Als ich im Vorfeld so meine Bedenken bezüglich Bremsen, Geschwindigkeit und Kurven erläuterte, meinte Göttergatte dann so lapidar, ich könnte auf dieser Rutsche ja schon mal üben. Sehr witzig!

Und dann ging es auch los! Bei meinen 5 Fahrten hatte ich mal bessere, mal schlechtere Schlitten. Es gab merkliche Unterschiede bezüglich Bremsverhalten und Ruppeln. Für gut ausgewachsene Personen 🙂 mit der Zeit etwas unbequem, da beim Schleppen bergauf einfach die Rückenlehne fehlt.

Für mich ging die Fahrt rasant los, auch wenn Jogi meinte, er wäre aufgrund meines Schleichens fast in mich reingefahren. Ich sag nun nichts weiter dazu, wieso wegen ihm die ganze Anlage eine kleine Ewigkeit komplett außer Gefecht gesetzt war…

Ich hatte jedenfalls meinen Spaß, rasant bergab und gemütlich rattend bergauf.

Bis zum nächsten Rodelvergnügen, lange ist es ja nicht mehr hin, Grüßle Karin

Aussichtsturm Aalbäumle

Erneut ein Ausflugsziel, welches ich seit Jahren auf meinem Plan hatte. Manches Mal spielte das Wetter nicht mit, dann streikte das Knie, dann war der Turm aufgrund Sanierung geschlossen, die Coronazeit und was sonst nicht alles so dazwischen kommen kann – doch neulich war es endlich soweit! Zusammen mit der bewährten Birgit-Combo, Schwester Birgit & Freundin Birgit, wollte ich den Turm erklimmen. Bei unbeständigem Wetter ging die Fahrt Richtung Aalen, am Parkplatz der Limes-Thermen vorbei, hoch Richtung Wald zum Wanderparkplatz des Aalener Hausbergs. Ja ich weiß, wir hätten auch schon bei den Thermen parken können oder bereits von Essingen loslaufen können – doch ehrlich gesagt wollte ich nicht in einen Regenguss kommen. Für mich war der Turm das Ziel, nicht das Wandern. Trotzdem hatten wir eine kleine Wegstrecke vor uns, im Wald immer schön bergauf, jedoch auf gut ausgebauten Wegen, somit auch kinderwagenfreundlich.

Kurz vor dem Ziel gelangt man zu einem tollen Kinderspielplatz mit Grillstelle. Hallo! Ich schreibe Kinderspielplatz!!!

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Nach weiteren wenigen Metern bergauf sieht man dann auch schon den knapp 21 Meter hohen Turm.

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Warum heißt dieser Aalbäumle? Die Infotafel gibt Auskunft:

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten die Aalener die Lust am Wandern auf die Aalener Bucht. Auf dem besonders beliebten, damals noch unbewaldeten, Langertgipfel pflanzten einige Bürger am 05. Mai 1880 eine Fichte. Dieser Baum spendete den Wanderern Schatten und war von weither zu sehen. In Anlehnung an das alte Braunenbäumle auf dem Braunenberg bei Wasseralfingen, nannten die Aalener den Aussichtsbaum „Aalbäumle“.

Durch Aufforstung versperrten jedoch die Bäume bald die Aussicht ins Tal, somit sollte ein 10 Meter hoher Aussichtsturm den Baum ergänzen. Am 06. Juni 1898 konnte der erste Turm beim Aalbäumle feierlich eingeweiht werden. Ab dieser Zeit galt der Turm, nicht mehr die Fichte, als Aalbäumle.

Die umliegenden Bäume wuchsen in die Höhe, die Aussicht war versperrt und somit musste auch der Turm in die Höhe wachsen. 1934 und 1952 wuchs der Turm jeweils um ein Stockwerk, insgesamt 15 Meter höher. 1960 war der Turm altersschwach, er wurde 1964 durch einen neuen 17 Meter hohen Turm ersetzt. Dieser litt jedoch erheblich unter Konstruktionsmängeln, die Braunfäule zerfraß das Holz. Bereits nach 26 Jahren wurde ein dritter Turm erbaut, mit Dach. Am 10. Juli 1992 war eine elegante Metall-Holz-Konstruktion mit 20,9 Metern Höhe fertiggestellt worden.

Ja, und letztes Jahr im Herbst wurde der Turm abermals aufgrund Sanierungsarbeiten geschlossen und vor einigen Wochen wieder eröffnet.

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Hoch hinauf ging es somit für uns. Da ich ja nicht schwindelfrei bin und trotzdem auf jeden Turm hoch muss, überwand ich meine Angst. Beide Hände umklammerten wie Schraubstöcke die beidseitig angebrachten Handläufe, die Augen stur geradeaus starrend um auch ja nicht durch das Gitterwerk der Stahlstufen in die Tiefe blicken zu können. Der ganze Körper war angespannt, nach wenigen Metern bemerkte ich schon den Angstschweiß, der am Körper entlang lief – doch die 123 Stufen mussten unbedingt erklommen werden, um von der Aussichtsplattform, 702 Metern über Normalnull beste Aussichten in die Umgebung zu bekommen.

Oben angelangt fiel der erste Blick auf diese Zeilen und ein Erlösungslacher meinerseits.

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Ganz schön windig war es hier oben, das Wetter klarte auf, herrlich klare Sicht, gigantisches Panorama über Aalen, die Aalener Bucht, das Wellland und bis zum Rosenstein und Ellwangen.

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Edelstahltplatten mit Hinweisen zu den Aussichtspunkten sind am Geländer angebracht, ebenso die Entfernungen zu Metropolen dieser Welt.

Das obligatorische Selfie bei dieser Windstärke nicht gerade einfach, das bekannte Drei-Wetter-Haarspray hätte hier gute Dienste geleistet. Auch die Licht-Schatten-Verhältnisse unter dem Dach machten es uns nicht einfach, aber ich denke, hiermit können wir leben:

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Ja, irgendwann ging es dann wieder abwärts, meinerseits wieder ganz zum Schluss in aller Ruhe mit vielen Verschnaufpausen. Ich noch immer auf dem Turm, saßen die Birgits bereits unten an den Biertischen und genossen die herrliche Sonne die auf die Lichtung schien. Die Toilettenanlagen und der Biergarten waren leider geschlossen, glücklicherweise hatten die zwei an etwas Proviant gedacht und somit konnten wir unsere Ruhepause etwas länger ausdehnen.

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Tja, hätte Frau sich mit den alpinen Regeln ausgekannt, dann hätte im Falle einer bewirtschafteten Hütte eine rot-weiße Fahne von der Spitze des Aalbäumles weithin sichtbar geweht!

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Ein schöner kurzer Ausflug und kein einziger Regentropfen hat uns den Spaß getrübt.

Mal schauen was mir als nächstes so einfällt. Gruß Karin

Herrgottsbscheißerla

Heute konfrontiere ich euch wieder einmal mit meiner schwäbischen Heimat und einer unserer Lieblingsspeisen – der Maultasche. Im urschwäbischen Dialekt auch Herrgottsbscheißerla genannt. In dem Wort steckt der Herrgott, diesen kennt wohl jeder, die zweite Silbe bscheißerla kommt von – ja, bescheißen (betrügen) und da es nicht gar so hart klingt verniedlicht der Schwabe ja vieles, somit das la.

Tatsächlich ist nicht klar überliefert, woher die Maultasche ihre Bezeichnung oder ihren Ursprung hat. Nur die Begriffserklärung ist knapp und kurz erzählt. Es handelt sich um eine gefüllte Nudelteigtasche, vornehmlich mit Gemüse, Zwiebel, Brot, Ei und Brät. Dazu kann Spinat, gekochter Schinken und durchtriebenes Fleisch (Fleisch welches durch einen Fleischwolf „durchgetrieben“ wurde) gemischt werden. Ob nun mit oder ohne Spinat, mit oder ohne Hackfleisch, mit oder ohne Speck, gerollt oder gewickelt, rund oder eckig – da scheiden sich viele Geister. Ein jeder Haushalt hat wohl seine Vorlieben, genau so wie es die Familienmitglieder kennen und mögen.

Und woher kommt nun der Name Maultasche? Einige Mythen ranken sich um dieses Thema. Im 16. Jahrhundert fand das Wort Maultasche seine Bedeutung in einer Ohrfeige. Als Maul bezeichnet der Urschwabe den Mund. Tasche steht für tatschen, tätschen – also schlagen. Und da die fertige zubereitete Maultasche in der Suppenbrühe so aufschwillt wie eine Wange nach einer Ohrfeige, kam es zu der Bezeichnung.

Meine Lieblingslegende ist jedoch folgende aus dem späten 20. Jahrhundert: Die Zisterziensermönche aus dem Kloster Maulbronn in Baden-Württemberg waren wohl findige Meister in der Verwendung von Lebensmitteln. Ausgerechnet während der Fastenzeit kamen sie zu einem Stück Fleisch, welches bis nach Ostern verdorben gewesen wäre, hätten sie nicht eine schlaue Idee zur Verwendung des kostbaren Gutes gehabt. Sie wickelten das Fleisch zusammen mit dem Gemüse in Teig ein, um es so vor dem Hergott zu verstecken – Herrgottsbscheißerla.

Auch aus anderen Kulturen kennt man die gefüllte Teigtasche. Die Italiener meinen sich in die erst Reihe mit ihren Ravioli oder Tortellini einreihen zu können, dann kommt der Pole mit den Piroggen und der Russe mit Pelmeni, dazu die Chinesen mit den bekannten Wan Tan. So könnten wir wohl auf jedem Land dieser Erde eine gefüllte Teigtasche finden und ein jeder wollte der Erste der Erfindung sein. Tatsächlich gibt es hierzu jedoch auch nur Vermutungen.

Wie bekannt, lebte ich ja lange Zeit außerhalb Deutschlands und auch dort wollten der Schwabe und seine Gattin nicht auf heimatliche Kulinarik verzichten. Der im Koffer mitgebrachte Vorrat, der sich hier in fast jedem Supermarkt fertig gekocht und vakuumiert kaufen lässt, ist trotz tiefgefrieren irgendwann aufgebraucht und dann fängt Frau mit allerhand Rezepten aus dem geduldigen Internet das Basteln an. Das für uns notwendige feine Brät war nie verfügbar, feine rohe Bratwürste die man aus der Pelle hätte drücken können ebenso – kurz und gut, die viele Mühe war es im Vergleich zum Endprodukt nie wert. Somit hatte ich dieses Projekt jahrelang wieder auf Eis gelegt. Bis meine Freundin Birgit davon erzählte, dass sie mal wieder Maultaschen zubereiten müsse und da kam mir die Idee, dass wir daraus einen kleinen Workshop machen könnten und sie mir die Zubereitung ihrer schnellen, jedoch durchaus sehr schmackhaften Variante lehrt.

Nun muss im Vorfeld allerdings noch erklärt werden, dass man die Teigtäschla als Suppeneinlage in einer Brühe essen kann, dazu vielleicht geschmälzte Zwiebelringe und gegebenfalls Kartoffelsalat, oder in Scheiben geschnitten und angeröstet mit grünem Salat und oder auch Kartoffelsalat. Hierzu sollte ich noch erwähnen, dass mein Schwabe auch seinen Kartoffelsalat über alles liebt und es wohl seiner Meinung nach selten ein Gericht gibt, wo dieser nicht dazu passen könnte. Auch werden die Teilchen heutzutage gegrillt oder einfach nur als schneller Sattmacher kalt, direkt aus der Pachung verspeist – wenn ich aus dem Nähkästchen meiner Männer plaudern darf. Die Maultaschenherstellungsindustrie hat auf jeglichen Trend reagiert. Es gibt sie traditionell schwäbisch, vegetarisch, vegan, halal, mit Schweinefleisch, mit Rind, mit Kalb, speziell zum Grillen… selbst außerhalb unserer schwäbischen Landesgrenze gibt es sie zu kaufen. Vorbei die Zeiten, wo nur der Metzger des Vertrauens an einem bestimmten Tag die frisch zubereiteten Lieblinge in der Auslage zum Verkauf anbot.

Doch nun endlich zu unserem Workshop. Am Tag zuvor setzte Birgit bereits eine reichhaltige Rinderbrühe mit Siedfleisch und Gemüse an, ließ diese lange vor sich hin simmern bis das Fleisch ganz zart war. Dann wird abgeseiht, bis die klare Brühe übrig bleibt. Darin werden die Maultaschen gegart und auch serviert. Das Fleisch kann auseinandergerupft als Suppeneinlage oder auch für andere Zwecke verwendet werden.

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Die Zutatenliste sieht folgendes vor:

1 Packung fertigen Maultaschen-Nudelteig (die fleißige Hausfrau macht diesen selbst, bei uns soll es ja schnell gehen). Die Teigrolle bis zur Verwendung im Kühlschrank belassen.

600g feines Bratwurstbrät (muss meist beim Metzger vorbestellt werden)

300g feines gemischtes Hackfleisch

300g gekochter Spinat, wir nehmen aufgetauten Rahmspinat. Beim Blattspinat stören die Stile, sonst müsste alles durch den Fleischwolf gedreht werden und vorbei ist es mit der schnellen Variante.

2 harte Brötchen, in Milch einweichen, gut ausdrücken und fein mit der Gabel zerdrücken

1 Zwiebel, fein gewürfelt

80g gerauchter Schweinebauch fein gewürfelt, gibt es fertig geschnitten und abgepackt zu kaufen

50g Lauch, in feine Würfel geschnitten

1 Bund glatte Petersilie, fein geschnitten

1 Ei

Salz, Pfeffer, Muskat, Majoran, ganz wenig Thymian

Zwiebeln zum Schmälzen, wir gestehen es – wir verwendeten fertige Röstzwiebeln

Schnittlauch zum Anrichten

Für die Zubereitung schwitzt man die Zwiebeln mit dem Schweinebauch in einer Pfanne an, gibt den Lauch und die Petersilie dazu und lässt alles gut andünsten, erkalten lassen.

Nun gibt man alle Zutaten in eine große Rührschüssel, entweder mit dem Handmixer und den Knethaken gut vermengen oder mit der elektrischen Küchenmaschine verkneten.

Nun die Teigrolle aus der Kühlung nehmen, aufpacken, und die Hälfe davon auf der Arbeitsplatte mitsamt dem Papier auslegen.

Die Hälfte der Füllung darauf glattstreichen. Am Ende 1 cm frei lassen.

Von der langen Seite her mit Hilfe des Papiers eng aufwickeln.

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Mit einem Sägemesser etwa 4 cm breite Stücke schneiden und diese in der leise simmernden Fleischbrühe in 15-20 Minuten gar ziehen lassen.

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In der Zwischenzeit die andere Hälfte Teig und Füllung verarbeiten. Die inzwischen fertigen Maultaschen mit einem Schaumlöffel herausnehmen und wenn möglich warm halten, die andere Hälfte der Maultaschen garen.

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Währenddessen feine Zwiebelringe in Butter schmälzen.

Schnittlauch, fein schneiden.

Im Anschluss nun alle Maultaschen in die Brühe legen und nochmals erwärmen.

Dann wird angerichtet. In den Suppenteller kommen die Maultaschen, eventuell das kleingezupfte Suppenfleisch, Brühe, die geschmälzten Zwiebelringe und Schnittlauch.

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Es war köstlich! Birgit, vielen Dank fürs Kochen und dem Veröffentlichen deines Rezeptes. Natürlich hab ich diese postwendend nachgekocht. Die Hälfte der Maultaschen kleiner geschnitten und nach dem Garen und Erkalten eingefroren. Bald wird ausprobiert, ob sich diese auch gut anrösten lassen und zusammen mit Kartoffelsalat ein schmackhaftes Essen geben.

Und wem dies alles trotz vieler fertiger Produkte immer noch zu viel Arbeit ist und der Supermarkt bereits geschlossen haben sollte, an einer Tankstelle in Schwäbisch Gmünd entdeckte ich diesen Automaten – für den Maultaschenliebhaber to go! Was es alles gibt!

An guada Abbedid! Gruaß, Karin

Was Frauen drunter anhaben

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Brustattrappe, Body, Bustier, Büstenhalter, Hüftformer, Rundstepper, Schnürmieder, Busenbinde, Korsett, Schnürbrust, Strumpfhalter, Wonderbra, Torselett, Sportgürtel, Hüfthalter, Büstenheber, Reformleibchen, Push-up-BH und so vieles mehr hatten das schöne Geschlecht im Laufe der Jahrhunderte so auf den Leib geschneidert bekommen. Die ganze Entwicklung der weiblichen Unterwäsche aus Heubacher Produktion kann im Miedermuseum in Heubach bestaunt werden.

Seit 2005 befindet sich in historischen Räumen des Heubacher Schlosses dieses Museum. Aktuelle Öffnungszeiten und coronabedingte Bedingungen sollten vor einem Besuch erfragt werden. 100 Meter vom Rathaus entfernt, direkt an einem öffentlichen Parkplatz gelegen, befindet sich dieses ehemalige Adelshaus, welches momentan – oder immer noch – saniert wird. Daher sind Teile des Gebäudes immer wieder für die Öffentlichkeit gesperrt, so derzeit das historische Klassenzimmer.

 

Für den beschaulichen Eintrittspreis (für Erwachsene) von 2 Euro wird dem Besucher anhand 13 Vitrinen anschaulich der Verlauf des Zeitgeistes, der Mode und dem Frauenbild dargelegt. Vieles gibt es zu bestaunen und lesen, in den Schauvitrinen sind Schubladen eingelassen, in denen sich auch noch allerhand Wissenswertes verbirgt. So war ich über eine Stunde lang in den Räumen unterwegs und konnte auch z. T. ein wenig den ehemaligen Glanz dieses alten Gebäudes erahnen.

Nachzulesen war, dass nicht nur Mode und Zeitgeschmack bei der Wahl des Drunter und Drübers galt, auch wurde per Gesetz die Kleiderausstattung geregelt, je nach Klassenstand in der Gesellschaft.

Bereits in Kindheitstagen umschwirrten mich die Begriffe Susa und Triumph, wenn sich erwachsene Frauen darüber austauschten, woher sie nun wieder einmal kostengünstiger ihre Miederwaren beziehen sollten. Von meinem Wohnort der Kindheit bis nach Heubach waren es gerade einmal 10 km. Nachbarinnen und Bekannte waren bei den großen Heubacher Firmen Susa und Triumph beschäftigt und kamen mit ihrem Betriebsausweis somit günstiger zu den begehrten Artikeln und versorgten die eine oder andere Dame ihres Vertrauens mit Unterwäsche, Bademoden und auch Frottierware. Später konnte dann auch Ottonormalverbraucherin mit Ausweis, Gutscheinen oder zu besonderen Verkaufszeiten im Betrieb angegliederten Lädchen einkaufen. Heutzutage gibt es in Heubach bei Susa Outlet und Triumph Factory Outlet die Gelegenheit zum Einkauf für Jedermann und -frau, Öffnungszeiten können online nachgelesen werden.

Allerdings fragte ich mich immer, wieso sich ausgerechnet zwei renommierte Wäschehersteller in Heubach befinden und wieso bitteschön, dieses kleine schwäbische Kleinstädtchen die Urwiege beider Konzerne sind. Im Museum nun habe ich dies erfahren und alles begann hiermit:

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Heubach liegt am Nordrand der Schwäbischen Alb und ist an drei Seiten von den Bergen Rosenstein, Glasenberg, Hochberg, Nägelberg, Himmelreich und Scheuelberg umschlossen. Zum Remstal hin öffnet sich eine weite Ebene. Die im 19. Jhrd. noch nicht aufgeforsteten Berge dienten als Obstwiesen, Schaf- und Ziegenweiden. Das Klima war rauh, für Ackerbau stand wenig Fläche zur Verfügung, die Qualität der Böden nur bedingt geeignet. Da die Schwäbische Alb als strukturschwache Region keine Alternative bot, hatten die Menschen vom Leben mit der Landwirtschaft zuwenig zum Leben, zuviel zum Sterben und suchten sich zur Existenzsicherung einen Nebenerwerb: Die Weberei.

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Die Entwicklung der Heubacher Miederwarenindustrie war nicht möglich, ohne an die ortsansässigen Handweber zu denken.

Den genauen Verlauf der Geschichte über die Heubacher Weber könnt ihr im Museum weiterlesen, wann genau sie ihre eigene Zunft organisierten, ist nicht dokumentiert. Ab Mitte des 19. Jhrd. gehörten zur Heubacher Weberzunft Leinwand- und Barchentweber, Strumpf- und Seidenweber sowie Baumwollweber. Sie alle wurden als Zeuglesweber bezeichnet.

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Die Verbesserung der Dampfmaschine und die Erfindung des mechanischen Webstuhls leitete den Niedergang des Weberhandwerks ein und führten zu einem Strukturwandel. Mit dem Ende der Kontinentalsperre fielen Handelsschranken und die württembergischen Handwerker bekamen Konkurrenz aus England, Schlesien und Sachsen da diese ihre Waren zu niedrigeren Preisen anboten und schneller auf den Wandel der Mode reagieren konnten.

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Als Lohnarbeiter für Verleger waren die ehemaligen selbstständigen Weber bei schlechter Auftragslage bald arbeitslos. Fabrikarbeit hingegen bedeutete einen relativ sicheren Arbeitsplatz, gleichbleibenden Lohn und feste Arbeitszeiten. In Kauf genommen wurde eine 6-Tage-Woche, lange Fußmärsche bei Wind und Wetter bis zum Arbeitsplatz, strenge Fabrikregeln und monotone Arbeit. Auch die Kinder mussten mit zur Arbeit erscheinen und leisteten Hilfsarbeit.

Eine weitere Möglichkeit zum Broterwerb bot die Heimarbeit für Frauen und Mädchen. Die Korsettweberei war Männerarbeit, doch die Weiterverarbeitung oblag den Frauen. Sticken, Verschlüsse annnähen und Verstärkungsstäbe einschieben.

Trotz der vielen Firmenpleiten und der anhaltenden Armut stieg die Einwohnerzahl Heubachs und die kleine Landstadt entwickelte sich zum lokalen Industriestandort.

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Nun waren meine Fragen bezüglich Gründung dieser Firmenimpere gelöst und ich konnte mich wieder der eigentlichen Ausstellung widmen.

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Mit Mieder oder Korsett versuchten Frauen, die es sich leisten konnten, ihre Figur dem jeweiligen Zeitgeschmack anzupassen und damit Körperformen zu betonen oder zu verbergen. Mal sollten weibliche Rundungen verborgen bleiben da sie als unschön galten, dann wieder hervorgehoben und betont werden.

Hat man zur Reformmode ab 1910 der Dame mehr Raum gelassen, das Korsett nicht mehr ganz so fest geschnürt, denn nachweislich wurden Organe deformiert, so galten zu Kriegszeiten per Gesetz andere Maßstäbe, Rohstoffe waren Mangelware. BHs wurden selbst genäht, das Körbchen gehäkelt.

In den goldigen Zwanzigern hingegen versteckte man geradezu die weiblichen Formen. Gerade Schnitte, möglichst schlank sollte die Silhouette sein.

1950 hingegen sollte Frau ihre Unterwäsche nach der Tageszeit und dem Geschehen wählen. Zum Hausanzug genügte ein Miederhöschen, für Rock und Pullover musste ein Büstenhalter und Hüftgürtel gewählt werden, für das klassische Cocktailkleid dagegen Korselett mit angesetztem Petticoat. Einheimische Schauspielerinnen verdeutlichten nochmals das Frauenideal der deutschen Nachkriegszeit. Ausländische Darstellerinnen, etwa Sophia Loren und Marylin Monroe, die in den Filmen ihre Kurven mit körperbetonten Dessous in Szene setzten, galten als Sexsymbole.

Mitte der 60er Jahre und mit Aufkommen des Minirocks, verlor der Hüftgürtel immer mehr an Bedeutung. Die praktische Perlonstrumpfhose machte Hüftgürtel, Strumpfhalter und Strümpfe überflüssig, die BHs hatten eine spitze Form. Junge Frauen orientierten sich nicht mehr am Kleidungsstil ihrer Mütter, sie setzten ihre eigenen Trends. BHs, Schlüpfer und Miederhosen wurden nun in leuchtenden Farben, mit Punkten, Streifen und Karos angeboten.

Bereits im nächsten Jahrzehnt erklang die Parole „Mein Körper gehört mir!“ durch Deutschland. Die Damenhose wurde gesellschaftsfähig, die Frauenwelt kaufte mehr Hosen als Röcke. Bequemlichkeit und Bewegunsfreiheit war die Devise. Viele Frauen legten als Zeichen der Emanzipation den Büstenhalter ab. Die Industrie reagierte entsprechend und fertige leichte und transparente BHs aus elastischen Stoffen an. „Frei – aber nicht haltlos, das ist der Busen 1974“ so lautete der Slogan der neuen BH Generation.

In den wilden 80er Jahren nahm die Gleichberechtigung der Frau einen immer größer werdenden Stellenwert ein. Im Business gehörten Kostüm und Hosenanzug zum Alltagsdress. Ansonsten galt, erlaubt ist was gefällt. Es sollte kleidsam, komfortabel und kultiviert aussehen. Durch Popikonen und Stars bekamen Corsagen, Schnürmieder und Strapse auch wieder einen Platz in der Abendgarderobe, sogar als Oberbekleidung.

Das folgende Jahrzehnt setzte Dessous & Co. ins rechte Licht. Vor allem bei jungen Frauen gehörte die Unterwäsche zum täglichen Outfit. Büstenhalter und Bustier wurde zum Eyecatcher unter Kostümjacken, Blazer und Blusen, Frau ließ Spitze blicken wann immer es ging. Bei Tops mit Spaghettiträgern durfte sich der BH-Träger auch gerne in einer anderen Farbe als das Top abzeichnen. Eine wohlproportionierte Brust war wieder in Mode und die Industrie reagierte natürlich auch darauf.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Modetrends kamen und gingen. Heute wie damals. Was soll den Modeschöpfern auch immer Neues einfallen? Irgendwann wiederholt sich eben alles, ob nur kleine Nuancen eines Stils kopiert werden oder mit anderen Trends verknüpft wird. Auch heutzutage leben wir diese Stile aus, nur in anderer Bezeichnung. Da ist von Push-ups und Minimizern, BH mit und ohne Schalen, für die Stillzeit, Slips und Hipster nebst String und Panty, Bodyformer, Shapewear und Sportwäsche die Rede. Unterbekleidung soll bequem, komfortabel, funktional und manches Mal auch seidig liebkosend und verführerisch sein. Die Materialien haben einen Sprung ins Hightech-Zeitalter erlebt. Nahtlos, Microfaser, schnell trocknend, hochelastisch, atmungsaktiv und temperaturausgleichend. Dazu in allen Farben des Regenbogens.

Alles hat seine Zeit, die einen mögen dies, die anderen befürworten jenes.

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Zum Abschluss dieses sehr interessanten Museumsbesuchs möchte ich noch den Wunsch einer jeden Dame und die damit verbunden 7 Regeln zum Besten geben!

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Bin ich froh, dass ich in einer anderen Zeit lebe und ich denke, der Großteil meiner Geschlechtsgenossinen ist meiner Meinung. Vor allem, dass der Staat nicht diktiert, was Frauen drunter anhaben!

Gruß Karin

Ich hatte die Erlaubnis zum Fotografieren. Sämliche Fotos habe ich selbst im oder vor dem Museum gemacht, Textinhalte sind zum größten Teil vom ausgestellten Lesematerial.

Autokino

Seit meinen Jugendtagen, somit noch in der Blütezeit des deutschen Autokinos, verspürte ich das Verlangen, auch dieses Freizeitvergnügen einmal ausprobieren zu wollen. Herübergeschwappt, wie soll es auch anders sein, kam die etwas andere Variante eines Lichtspielhauses über den großen Teich aus den USA zu uns. Schon in den 1930er Jahren erfreute man sich dort am Freilichtkino. Wobei ich denke, dass man zu früherer Zeit sicherlich kaum die Handlung des Film mitverfolgte. Bei der seltenen Gelegenheit der Zweisamkeit, hat man im engen dunklen Auto wohl eher an ganz andere Handlungen gedacht.

In Zeiten in den es noch kein Internet gab, wusste ich nicht, wo sich das nächste Autokino befindet, dann war ich mir nicht so sicher mit wem ich dort hin sollte, dann kam es in Vergessenheit, dazu war ich viele Jahre nicht in Deutschland wohnhaft. Doch seit einigen Jahren nun verfolge ich meinen Plan mit ernsten Absichten und somit hat mir Göttergatte letztes Jahr zum Geburtstag diesen Besuch geschenkt. Dann jedoch war das Wetter zu kalt, Corona, geschlossen, zu heiß, zu regnerisch, die falschen Filme…

Letzte Woche Montag war es dann endlich soweit. Der ausgesuchte Film versprach laut Trailer doch einige Lacher, ich buchte die Tickets, Jogi machte das Auto klar, Trinken und Knabbereien nebst warmer Decke, Kissen und Jacke wurden eingepackt und los ging die Fahrt ins 54 km entfernt gelegene Kornwestheim. Nicht gerade der nächste Weg, aber was macht Mann nicht alles, um Frau einen weiteren Traum zu erfüllen.

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Während der Fahrt regnete es bereits, mir schwante nichts Gutes. Am Eingang wurde am Kassenhäuschen nur der CR-Quode der Kaufbestellung gescannt, kurze Einweisung auf welches Gelände es gehen sollte und die Info, welche Radiofrequenz für die Tonübertragung eingestellt werden sollte. Zusätzlich die Mitteilung, dass bei der Imbissbude Abdeckhauben für die Scheinwerfer gegen Pfandübergabe abgeholt werden könnten. Da Jogi schon ein älteres Auto besitzt und dieses somit nicht über automatische Tagfahrleuchten verfügt, war dies für uns hinfällig.

Somit hin zum Parkplatz, in der ersten Reihe eingereiht und mit dem Regenschirm kurz raus aus dem Wagen um dieses Foto zu schießen. Eigentlich wollte ich noch Fotos vom Imbiss oder allgemein dem ganzen Gelände machen, aber es war ja schon stockdunkel, nach 21 Uhr, dazu der Regen – da schlüpfte ich nur wieder ganz schnell zurück ins Auto.

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Mit der Zeit kamen doch einige weitere Kinointeressenten dazu. Doch leider kapierte der eine oder andere Zeitgenosse nicht gleich, dass die Scheinwerfer seiner Karrosse die vorderen und seitlichen Wageninsassen doch sehr blendeten. Durch Lautsprecherdurchsagen und ermahnende Spots im Werbeblog konnte dies dann doch irgendwann beseitigt werden. Damit die Scheiben nicht gar zu sehr beschlugen, mussten die Fenster etwas geöffnet bleiben, was durch den Regen natürlich nicht ganz so angenehm war, auch musste somit der Scheibenwischer immer wieder in Betrieb sein. Kopfweh setzte ein, die Lacher des Films befanden sich wohl alle im besagten Trailer und der Streifen war nicht wirklich der Brüller… irgendwann dachte ich mir, warum ich blöde Kuh so versessen darauf war, das hätte zu Hause auf dem Sofa wesentlich bequemer sein können.

Aber so ist es mit Träumen, man muss sie gelebt haben, dann ist es auch gut und es kann losgehn zur nächsten Erfüllung. Mal schauen was, wann und wo.

Bis dahin, prost und Gruß

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Wohnen unterm Regenturm,

so heißt die berühmteste Wohnanlage in Plochingen am Neckar. Unübersehbar thront ein Turm mit vier goldenen Kugeln auf bunten Säulen – bereits von Weitem ist dieses Wahrzeichen der Stadt sichtbar und macht neugierig auf mehr.

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Im Zuge der Stadtkernsanierung bekamen Plochinger Architekten 1985 den Planungsauftrag für den Neubach eines Wohn- und Geschäftshauses in der Innenstadt. Dazu mussten baufällige Gebäude weichen, stattdessen sollte sich ein Ringbau um einen Innenhof an vorhandenen Straßenzügen einfügen.

Das Besondere: Die Gestaltung der Innenhoffassade mitsamt der Planung des Gartens sollte Friedensreich Hundertwasser übernehmen. Von der Idee war er leicht zu überzeugen und zu begeistern.

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Der berühmte Wiener Künstler war nicht nur Maler und Grafiker, seine philosophischen Denkansätze auch in Bezug auf natur- und menschengerechter Architektur sind heute aktueller denn je. Sein eigentlicher Name war Friedrich Stowasser, geboren 1928 in Wien, gestorben im Jahre 2000 an Bord der Queen Elizabeth 2 vor Brisbane. 1973 konnte er sich seinen Traum vom Leben erfüllen, zog in eine kleine neuseeländische Gemeinde namens Kawakawa, 200 km nördlich von Auckland und lebte ein weitesgehend sehr einfaches und autarkes Leben mit und in der Natur. Wer einmal in diese Gegend reist, sollte unbedingt die Hauptattraktion dieses kleinen Örtchens (was für ein Namensspiel!) besuchen – das öffentliche stille Örtchen – besser bekannt unter öffentlicher Toilette! Diese wurde von Hundertwasser entworfen und gestaltet und im Jahr 1999 eröffnet.

Sein Künstlername „Hundertwasser“ entstand folgendermaßen: In der slawischen Sprache bedeutet „sto“ „hundert“. Das Pseudonym „Friedensreich“ stammt von seinem richtigen Vornamen Friedrich ab. „Fried“ steht für Frieden, „rich“ kommt von reich. Sein vollständiger Künstlername lautete übrigens Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt. Regentag stammt von seinem Schiff namens „Regentag“ ab, welches er 1967 erwarb und sieben Jahre lang umbaute. Es war sein erstes realisiertes Architekturprojekt und somit ein bedeutender Lebensabschnitt. Jahrelang lebte und arbeitete er auf diesem Schiff, war sein Zuhause, der Fels in der Brandung. Außerdem liebte er es, wie die bungen Farben bei Regen leuchten. Dunkelbunt war für ihn die äußerste Konzentration von satter Farbe und setzte ihr metallische oder phosphoreszierende Farben als Kontrast gegenüber.

Doch zurück nach Plochingen. Diese Anlage wollte ich mir nun etwas genauer anschauen. Zusammen mit meinem Schwesterlein machte ich mich letzten Samstag ins 30 km entfernte Plochingen auf. Das dortige Tourismusbüro bot eine geführte Tour zu der Anlage an. Infos zu den Terminen bitte über die Website der Stadt Plochingen in Erfahrung bringen.

Zunächst wollte die Gästeführerin ihrer Besucherschar noch den Bereich um die Marktstraße etwas näher erläutern. Wir erfuhren Wissenswertes über die Ottilienkapelle, die Stadtbibliothek, dem Rathaus, dem Marktbrunnen und weiteren Skulpturen von Karl Ulrich Nuss (siehe auch Witzige Gestalten), der Gaststätte Grüner Baum und seinem Glockenspiel und noch weiteren Gebäuden entlang des alten Stadtkerns.

1998 befand sich die Landesgartenschau in Plochingen, zu diesem Anlass installierte man auch diese Wegweiser-Damen. Insgesamt 7 solcher Skulpturen wurden an wichtigen Schnittstellen der Stadt installiert. Der Künstler Wolfgang Thiel hat inzwischen eine weitere Dame mit kleinem Kopf und breiten Schultern erschaffen, alle in einer anderen Farbe.

Ein weiteres Schmankerl in der Innenstadt ist, ja – ich schreibe nun schon wieder davon – das öffentliche Toilettenhäuschen. Sehr auffallend, kurios, witzig, toll, super, denkwürdig, abstoßend, hässlich – viele Meinungen grasieren über das Werk des elsässischen Künstlers und Karikaturisten Tomi Ungerer. In Sichtweite zum Hundertwasserbau, hinter der Kirche, direkt an der vielbefahrenden Straße und somit in aller Augen. Einige Anläufe bedarf es, bis es so aussah wie heute. Man beachte das rosafarbene Kuppeldach, wie die Haut am Allerwertesten, die vielen Klobrillen zur Deko.. vieles könnte noch darüber erzählt werden. Der „Eintritt“ ist übrigens frei, und ja – auch innerhalb der Keramikabteilung ist alles schön rosa – auch bei den Männern!

Doch dann kamen wir endlich zur fabenfrohen Hundertwasser-Welt. Bereits seitlich am Treppenaufgang plätschert dieses kleine Rinnsal entlang und stimmt den Besucher noch neugieriger. Oben angelangt, erblickten meine Augen diese tolle Idee einer Kinderzahnarztpraxis – ein Schnullerbaum! Dutzende Trostspender in allen erdenklichen Farben und Modellen hingen an den Zweigen und Erinnerungen wurden wach, als Sohnemann seine sieben Nuckel während der Krabbelgruppenzeit dem Nikolaus übergab, damit er diese an kleine Babys weiterleitet.

Am Zugang zum Innenhof erhielten wir dann ausführliche Informationen zu der Anlage, die ich hier nur stichpunktartig wiedergebe: Bauzeit war von November 1991 bis September 1994. Das Areal besitzt eine Fläche von 1,5 ha, 64 Eigentumswohnungen unterschiedlicher Größe von ein bis fünf Zimmer sind vorhanden, zusätzlich 16 gewerblich genutzte Einheiten. Der Turm ist 33m hoch, die 4 goldenen Kugeln besitzen einen Styroporkern, dieser wurde verstärkt und mit Blattgold belegt. Durchmesser jeder Kugel ist 1,60m. Türme waren für Hundertwasser eine Brücke zwischen Menschen und Höherem, ein Fingerzeig zum Himmel. Unterhalb des Innenhofs befindet sich auf 2.300qm ein Lebensmittelmarkt, außerdem noch zwei Tiefgaragenebenen mit 300 Parkplätzen. Die Fenster sind alle verschieden groß und unterschiedlich angeordnet, es befinden sich Rollläden vor den Fenstern, denn in einer schwäbischen Kleinstadt könnte man keine Eigentumswohnung ohne Rollladen veräußern :)). Die Dachziegel haben für jedes einzelne Haus unterschiedliche Farben, leider sind diese inzwischen sehr verblasst oder die Sonne schien einfach zu nachgiebig an diesem Samstag. Denn getreu dem Künstler beginnen an einem Regentag die Farben zu leuchten. Und farbig ist hier vieles. Jedes Fenster, jeder Rollladen, die Mosaike – alles verschieden bunt. Die rot-blauen Keramikbänder symbolisieren herabrinnende Regentropfen, denn Wasser ist eine wichtige Grundlage für Leben. Es gibt keine geraden Ecken oder Kanten, die Mauern alle schief und krumm. Die Hoffläche wie ein natürlicher Garten gestaltet, unebener Boden, jedoch auch Begegnunsstätte für die Bewohner. Bäume und Sträucher besiedeln das Haus und sprießen von Balkonen und Erkern, somit nennt man diese „Baummieter“. Grüne Farben findet man nicht, das Grün bleibt hier nur der Natur überlassen. Und so könnte man hier unendlich aufzählen, warum und wieso dies und jenes so ist. Zur Wiederholung, Hundertwasser war nur für die Gestaltung der Fassade zum Innenhof, des Turms und des Gartens zuständig. Wenn man sich das Eingangsbild anschaut, dann erscheint die Außenfassade mit dem REWE-Logo auch völlig unspektakulär. Hier auf diesem Foto sieht man den Kontrast sehr deutlich.

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Und nun endlich die restlichen Fotos:

Wie ihr seht, hielten wir uns die ganze Zeit nur vor dem Absperrzaun auf. Um die Privatspäre der Bewohner zu schützen, kommt man auch bei geführten Touren nicht bis ganz in den Innenhof hinein. Etwas schade finde ich dies, aber mir würde es auch nicht passen, dass gerade am Wochenende Besucherscharen an meiner Terrasse vorbeiziehen.

Zum Abschluss hechteten wir alle nochmals zur Gaststätte Grüner Baum, denn um 15 Uhr spielte das Glockenspiel, dies wollten wir nicht verpassen.

Ein schöner Ausflug, bis bald einmal wieder, Grüße

Weiße Station Lindenturm

Unter den Linden

Die Blätter der Bäume fallen

Die herrlichen Linden entlang

In allen Farben und Formen

Bestreut ist der reizende Gang

Ihr Blätter und Bäume und Menschen

Verschieben an Farbe so sehr

Ein Windstoß weht alles zusammen

Man merkt keinen Unterschied mehr

Friederike Kempner

Das eine oder andere Mal berichtete ich bereits von „Weißen Stationen“, einem Architekturprojekt anläßlich der Remstal-Gartenschau 2019. 16 Orte beteiligten sich daran und konnten sich somit auf eine individuelle Weise präsentieren. Die Stadt Schwäbisch Gmünd entschied sich am Aussichtspunkt Lindenfirst für einen ca. 10 Meter hohen Lindenturm. Das besondere daran, die Holzkonstruktion dieses Bauwerks windet sich um einen alten Lindenbaum. Auf zwei Ebenen bieten sich in Wohnzimmeratmosphäre herrliche Ausblicke auf die Stadt, die Dreikaiserberge und das Remstal. Leider war der Treppenaufgang zur oberen Ebene geschlossen, dies sei pandemiebedingt, so die Auskunft der Touristeninformation. Ebenso schade für das ganze Erscheinungsbild, dass die ehemals weißen wallenden Vorhänge an der oberen Etage nur noch, wenn überhaupt, als vergilbt-vergraute unschöne Lappen herunterhängen.

Die Sicht nun von Osten her bis auf den Fernsehturm auf dem Rosenstein, über den Gaskessel am östlichen Stadtrand, der Stadtmitte mit Kirchen, Klöstern, Türmen, Stadtmauerring und den neuzeitlich entstandenen Bauten, über die Kaiserberge bis zum westlichen Stadtrand ins Remstal.

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Da sich der Besucherstrom derzeit somit wohl in Grenzen hält, nutzen einige Mitmenschen diesen Ort augenfällig wohl als Entspannungs- und Freizeitort. Verpackungsmüll von Lebensmitteln, Getränkeflaschen und -becher, Rauchwaren und noch so allerhand anderen Müll findet sich rund um den Turm. Dabei wurde doch extra ein Mülleimer und dieses nette Mahnschild aufgehängt – aber dieses Problem kenn wohl jede Kommune auch an anderen Stellen.

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Noch eine kleine Anmerkung zu diesem Berg: Die Stadt feiert normalerweise im Sommer (coronabedingt sieht dies die letzten beiden Male etwas anders aus) sogenannte Altersgenossenfeste. Dazu veranstalten die Jahrgangsvereine an Samstagen in Folge sogenannte 40., 50., 60., 70. und 80. Feiern mit Festumzug und Gesang vor der Johanniskirche. Dazu erschallt aus der Turmstube die Hymne der Altersgenossenvereine „Grüß di‘ Gott Alois“. Ebenso donnern vom Lindenfirst aus stadteigenen Kanonen nach dem feierlichen Gottesdienst und zu Beginn des Festumzuges Salutschüsse für die Jubilare.

Desweiteren kann noch erwähnt werden, dass sich am östlichen und westlichen Ende der Stadt jeweils die Einfahrten zum 2,2 km langen Gmünder Einhorn-Tunnel befinden, der seit 2013 die Stadt vom immerwährenden Verkehrsstau befreit. Der Besucher auf dem Lindenfirst befindet sich genau in der Mitte des Tunnels, ca. 150 Meter darüber. In Sichtweite des Lindenturms steht der 30 Meter hohe Abzugskamin auf einem 127 Meter tiefen Abluftschacht. Nebenbei noch der allerhöchste Turm, den die Gmünder in ihrer 859-jährigen Stadtgeschichte je bauten.

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Ein netter kleiner Rundgang den ich hier oben letzte Woche tätigte. Der Lindenfirst liegt direkt am Limes-Wanderweg und dem Remstalweg. Entweder man wandert vom Bahnhof Schwäbisch Gmünd hier herauf oder man fährt direkt in den Stadtteil Rehnenhof und parkt vor dem Bier- und Jagdmuseum, durch einen Wegweiser gelangt man durch ein kurzes Waldstück ebenso zum Turm.

Nun liebe Naturliebhaber, macht euch auf zur kleinen Wanderung, lasst die Seele baumeln, das Auge weit blicken, Ruhe genießen – über den Unrat müsst ihr einfach hinwegschauen oder ihr sammelt ihn ein – auf jeden Fall ist auch dieser Blick auf die Stadt und das Umland sehenswert! Allerdings nur im Stehen, auf den Ruhebänkchen mit Blick ins weite Land hat man inzwischen nur noch Blick auf Sträucher und Gebüsch :))

Lieben Gruß, Karin

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Flohmarkt im Hof

Bücher, CDs, Filme, Kleidung, Schuhe, Modeschmuck, Geschirr und Glaswaren, kleine Elektrogeräte, Puzzles, Gesellschaftsspiele, Spielwaren und vieles mehr wurde letzten Samstag bei uns zu Hause zu Schnäppchenpreisen oder gar umsonst angeboten.

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Zusammen mit Familienangehörigen veranstaltete ich den Flohmarkt. Dazu verteilte ich in der Stadt einige Aushänge, in den sozialen Medien wurde inseriert und in unserer Straße warf ich kleine Handzettel in die Briefkästen. Kostenlose Werbemaßnahmen, dazu kostenlose Standgebühr – bei den Massen unseres Angebotes wollten wir so viel Profit als möglich erbeuten. Final sagten mir dann 4 Standbetreiber ab, die zuvor Interesse angemeldet hatten. Somit hatten wir reichlich Platz auf unserem weitläufigen Gelände.

Da das Wetter die Wochen über nicht so richtig mitspielte und man fast täglich Rudi Carrell’s Kassenschlager „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ aus dem Jahr 1975 hätte trällern können, hatten wir punktgenau am Samstag ein Traumwetter. Blauer Himmel, Sonne, etwas Brise, nicht zu heiß – perfekt! Am Tag zuvor noch schüttete es wie aus Kübeln und ich brauche wohl nicht erwähnen, dass auch der folgende Sonntag nur verregnet war. Ja, mit dem Wetter hatten wir Glück. Wahrscheinlich nutzten dies auch die Lorcher, machten Ausflüge, betätigten sich im Garten, waren vielleicht schon auf Urlaubsfahrt, besaßen eventuell alle selbst viel zu viele Flohmarktartikel – auf jeden Fall war die Besucherzahl sehr überschaubar. Einige Nachbarn kamen und somit lernte ich diese kennen, was mich sehr erfreute. Dazu mir gänzlich Unbekannte oder liebe Freunde und Bekannte.

Auch untereinander kauften, verschenkten oder tauschten wir Waren. Außerdem herrschte den Tag über einfach eine schöne entspannte Atmosphäre. Rumlungern, ausruhen, mit der Familie zusammen zu sein, tratschen, erzählen, Würstchen grillen und Kaffeetrinken.

Wie bereits erwähnt, verschenkten wir auch viele Dinge und zum Schluss packten wir die Gelegenheit am Schopf und überwanden uns, wenn auch schweren Herzens, einige Gegenstände einfach wegzuwerfen. Somit mistete eine jede nochmals kräftig aus um Platz zu schaffen für weitere Ausmistaktionen. Im Gespräch sind bereits weitere Verkaufsveranstaltungen, denn über ein kleines zusätzliches Taschengeld freuen wir uns alle natürlich sehr! Ihr werdet davon lesen.

Bis dahin, schafft Platz in eurem Heim, befreit euch von Ballast, räumt und sortiert aus und bereitet somit anderen Menschen mit euren Schätzen eine Freude!

Grüßle Karin

Kalimera und Jammas

das waren wohl die meist gebrauchten Vokabeln in meinem diesjährigen Sommerurlaub, den ich zusammen mit zwei Freundinnen auf der griechischen Insel Zakynthos verbracht habe.

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Wohlbemerkt die Begrüßungsformel eher bis zum Mittag und wann immer die Gläser gegeneinanderklitten… Jammas! Und das taten sie wirklich oft!

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Gleich zu Beginn muss ich bezüglich Zuprosten etwas aufklären. In jedem Restaurant bekamen wir nach dem Essen auf Kosten des Hauses einen Nachtisch serviert. Kuchen, Eis oder eine Crème, je nach dem. Die bräuchliche Sitte nach dem Essen einen Schnaps zu erhalten, scheint wohl eine typische deutsche Tugend zu sein.

Doch nun sollte ich vielleicht einmal von Vorne beginnen. Das Eiland ist die zehntgrößte griechische Insel, ist 40 km lang und 20 km breit und der Hauptort heißt ebenso Zakynthos. Von Stuttgart aus, landet man im Direktflug nach 2,5 Stunden Flugzeit auf dem internationalen Flughafen Zakynthos Dionysios Solomos.

Der Flug über die Alpen, den Dolomiten und der Anflug auf die Insel war mit Fensterplatz auf der richtigen Flugzeugseite ein tolles Erlebnis.

Die Einreisekontrolle aufgrund der Coronabestimmungen hatten wir flugs hinter uns gebracht und unser Abholservice brachte uns aufgrund der kurzen Strecke auch schnell zu unserer Unterkunft. Abschließend lässt sich noch erklären, dass Zakynthos zu den durch Erdbeben meist gefährdeten Gebieten Griechenlands zählt. Das konnten wir in der einen Woche Aufenthalt am eigenen Leib erspüren. Durch stetiges Rütteln meiner metallenen Bettstatt wurde ich mitten in der Nacht geweckt. Aufgeschreckt, von der Matratze gehüpft, die Lauscher gespitzt ob noch mehr nachkommt oder meine beiden Mitbewohnerinnen unserer kleinen Maisonettwohnung ebenfalls aus dem Schlaf gerüttelt wurden. Doch es blieb alles ruhig, solche Situationen kannte ich schon aus dem Libanon, somit wieder zurück ins Bett und weitergeschlafen. Schlafen – dies habe ich, nur so am Rande vermerkt, bestimmt schon Jahrzehnte nicht mehr so gut wie in dieser einen Woche.

Das Bett war perfekt, die Klimaanlage von der Lautstärke und der Einstellung ideal – ich war meist die Letzte, die die Wendeltreppe hinunter ins Wohnzimmer trappte und die beiden Damen schon draußen im Garten beim Kaffeetrinken vorfand. Dabei hatte ich im Vorfeld schon den Ruf: „Karin steht mit den Hühnern auf!“ Dabei wurden wir jeden Morgen durch die beiden Esel des Nachbarn mit laut vernehmlichem Duettgesang begrüßt.

6.2.

Ihr seht, fernab von touristischem Lärm, eingebettet in der Natur mit Blick auf die Anhöhe oder atemberaubender Sicht aufs Meer mit gigantischen Sonnenaufgängen. Diese jedoch nicht von mir abgelichtet, wie gesagt, hab geschlafen :))

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Blick vom Schlafzimmerbalkon


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Blick aus dem Schlafzimmerfenster


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Die Aida kreuzt

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Unsere Gasteltern wohnten nebenan und kümmerten sich sehr rührend um uns. Besondere Orte und Restaurants wurden empfohlen, Reservierungen wurden veranlasst, zur Autovermietung gefahren, begleitende Hilfe für den Schnelltest zur Ausreise geleistet usw. Wir wurden umsorgt mit frischen Tomaten und Melone aus dem Garten, griechischer gekochter Hausmannskost wie gefüllte geschmorte Paprika und Moussaka, gebackener Kuchen und an den Orangen konnten wir uns bedienen so oft wir wollten.

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Am Terrassentisch den Arm ausgestreckt und schon lag die super süße saftige sonnengereifte Frucht in den Händen. Sonne – mehr als genug – konnten wir dort Anfang Juli genießen. Manches Mal für mich etwas zu heiß, so dass ich mal einen Tag Auszeit von Unternehmungen und Strand benötigte. Ansonsten waren wir stetig mit unserem kleinen Leihauto unterwegs, klapperten die verschiedensten Strände ab und machten Ausflüge.

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Die Strände sind alle öffentlich zugänglich. Es gibt Unterschiede an der Benutzung. Manches Mal ist alles frei, oder man trinkt an der Bar ein Getränk und bekommt im Gegenzug Liegestuhl und Schirm frei. Dann wieder kosten zwei Liegestühle und Schirm 10 Euro – total verschieden. Sonnenschirm ist unserer Meinung auf jeden Fall ein Muss. Oftmals gibt es nirgends ein Schattenplätzchen oder keine vorhandenen Schirme. Nimmt man also im Gepäck keinen Schirm mit, dann wäre es ratsam gleich zu Beginn in den vorhandenen Strandausstattungsshops sich einen billigen Schirm für die Dauer des Urlaubs zu kaufen, diesen ins Auto packen und somit ist man unabhängig. Dasselbe übrigens auch mit einer Strandmatte. Sollte man sie zum Draufliegen nicht benötigen, dient sie als Sonnenschutz hinter der Windschutzscheibe des Autos.

Hier nun eine Auswahl einiger Strandabschnitte und schöne Meerausblicke

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Auch Ausflüge unternahmen wir, malerische Landschaften wurden entdeckt und natürlich musste auch eingekauft werden.

Die Insel bekam für mich den Beinamen „Olivenbauminsel“. Noch nie habe ich so viele Olivenbäume gesehen, vor allem alte, wie hier. Vereinzelt, knorrig und majestätisch und dann wieder im großen Rudel auf einer Plantage.

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Meine Freundin Birgit hatte während unserem Urlaub auch Geburtstag. An diesem Tag machten wir einen besonderen Ausflug zu zwei der größten touristischen Highlights der Insel. Wir fuhren mit unserem kleinen roten Flitzer, übrigens chauffierte uns Birgit während der ganzen Zeit flott, sicher und routiniert von A nach B, bis hoch zum nördlichen Kap Skinari beim Leuchtturm. Von dort führt ein kleines Sträßchen bergab zum Parkplatz einer Bootsanlegestelle. Mit dem Glasbodenboot ging es dann zu den blauen Grotten. Diese sind übrigens nur mit dem Boot zu erreichen. Entlang der Küste tummeln sich die verschiedensten Anlegestellen, unsere war die nächst gelegenste und preislich war sie unschlagbar – einschließlich dem Empfehlungsschreiben unserer Gastgeberin. Die See war ruhig an diesem Tag, kam mir super gelegen, hatte ich doch schon die größten Bedenken aufgrund meiner Seekrankheit. Die blauen Grotten sind eines der bekanntesten natürlichen Attraktionen des Landes, Motive davon finden sich auf fast jeder Postkarte wieder. Entdeckt wurden diese geologischen Formen im Jahre 1897, Wasserauswaschungen formen immer wieder neue Höhlen. Kleinere und größere Höhlen können z. T. ganz mit dem Boot durchfahren werden, jährlich werden tausende Besucher in ihren Bann gezogen. So auch wir. Die Wasserspiegelungen in allen erdenklichen Blautönen verleihen den Grotten den Namen. Birgit sprang vom Boot ins Wasser und genoss die Erfrischung.

Mit dem Glasboot zurück zur Anlegestelle und dem Überwechseln in ein größeres Boot ging es weiter zur nächsten Attraktion, der Schmugglerbucht mit dem Schiffswrack.

Aber mal ganz ehrlich unter uns, für mich hatte nun das Schiffswrack gegenüber dem Strand haushoch verloren, es interessierte mich nicht so sehr, außer dass es uns etwas Schatten spenden konnte. Der Strand ist der schönste von allen, weil es an ihm das allerschönste Wasser gibt, das ich je gesehen habe – ehrlich! Ok, hab noch nicht so viele Strände, Traumstrände dieser Erde gesehen, aber so müsste er sein.

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Doch wieder einmal der Reihe nach: 1980 wurde ein Schmugglerschiff, voll mit geschmuggelten Zigaretten aus der Türkei, von der Küstenwache verfolgt. Während ungünstigen Wetterverhältnissen erlitt es einen Motorschaden und lief auf Grund. Zwei Jahre später entschloss man sich, an dieser Strandbucht das Schiffswrack der Panagiotis kunstvoll zu installieren. Umgeben von 200m hohen Kalksteinfelsen ist der einzige Zugang zu diesem Strandabschnitt über das Meer. Das Wasser hat eine so unglaublich türkisene Färbung, die Bilder geben dies auf jeden Fall wieder.

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Leider ist der Strand mit Booten, ob klein oder groß, geradezu überfüllt, es wimmelt vor Menschen. Und dies bei diesen Temperaturen. Man sollte so wenig wie möglich Gepäck dabei haben, denn vom und aufs Boot geht es nur mit der Bootsleiter, immer in Kontakt mit dem Wasser. Dazu empfiehlt es sich, wie übrigens an anderen Stränden auch, feste Schwimmschuhe anzuziehen, denn der grobe Kies im Wasser kann bei Wellengang sonst sehr schmerzhaft für die Füße sein.

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Außerdem Sonnenschutz und Verpflegung. Auf den Booten und am Strand gibt es nirgends auch nur eine Wasserflasche zu kaufen. Aber der Besuch ist es wert!!! Für mich der absolute Höhepunkt! So ein Wasser, diese moderaten Wellen, die angenehme Wassertemperatur, einfach spitze! Übrigens habe ich nach dem Urlaub für die Recherche irgendwo gelesen, dass eine Bucht weiter ein ebenso schöner Strand mit türkisblauem Wasser ist, eben nur ohne Schiffswrack und somit unspektakulär – aber ruhig und ohne Massenauflauf. Beim nächsten Besuch wissen wir’s!

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Das waren die beiden Hauptattraktionen, es gebe noch weitere, doch eine Woche ist nicht allzu lange. Wieder an Land ging es auf einen kleinen Salat und einem Radler ins Restaurant, anschließend an einen Strand in der Nähe unserer Unterkunft. Nach dem Duschen und Herausputzen wurde am Abend in einer Taverne Birgits Geburtstag mit einem beeindruckenden Fischessen gewürdigt. Ein Barakuda lag da auf der Platte und ich hatte die Ehre ihn zu filetieren.

Leider fraßen uns die Fliegen unter dem Tisch bald auf und wir verließen die Taverne. Wohlgesättigt ging es noch in den benachbarten Touristenort auf einen Drink. Aufgrund des EM-Halbfinalspiels England-Dänemark waren in den Bars die Fernseher an, viele Besucher waren nicht wirklich anwesend und somit gab es nicht viel zu kucken, aber wir ließen uns die Cocktails trotzdem schmecken. Jammas!

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Ein weiteres Plantschvergnügen war das Bad an der Xigia Beach, da diese an einer Schwefelquelle liegt. Man sah noch keinen Strand, nur riechen konnte man ihn aus einigen hundert Metern Entfernung, wie faule Eier. In früheren Zeiten als ruhiger Geheimtipp, erwies sich dies selbst bei noch niedrigen Besucherzahlen als Gewimmel und Gewusel.

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Am Wasser selbst roch nichts unangenehm. Nur ist es ratsam, ältere Badebekleidung zu tragen, das diese auch nach dem Waschen noch riechen könnte. Auch mit Silberschmuck sollte man vorsichtig sein, da sich dieser verfärben könnte. Im klaren Wasser befinden sich immer wieder größere Felsbrocken, auch hier sind die Gummischuhe wieder von Vorteil. Aber was macht Frau nicht alles für die Heilwirkung dieses Wassers!

Auf dem sehr kleinen Strandabschnitt versuchte jeder, ein bisschen Schatten abzubekommen, die die Felsen abwarfen. Liegen und Schirme waren natürlich belegt. Letztendlich setzten wir uns nach dem ausgiebigen und erfrischenden Bad nur hin und machten uns dann wieder auf den Weg, die 50 Treppenstufen aufwärts.

Wie bereits immer wieder vermerkt, wurde auch viel auswärts gegessen. Hatte einige Salate, viel verschiedenen Fisch, auch mal Hähnchen und den klassischen typischen einheimischen Kaninchenschmorbraten. Alles war lecker und ab und an gab es auch einmal ein Foto von uns Dreien am Tisch.

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Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf den „National Marine Park von Zakynthos (NMPZ) lege. Dessen Ziel ist es, die Tier- und Pflanzenwelt sowie deren Lebensräume zu schützen und zu erhalten. Das Naturerbe soll bewahrt werden und das ökologische Gleichgewicht der Meeres- und Küstenbereiche verschiedener Buchten der Insel unter gleichzeitiger Berücksichtigung menschlicher Aktivitäten in Einklang zu bringen.

Auf dem Gebiet des Parks befindet sich eine der wichtigsten Kolonien der Unechten Karettschildkröte im Mittelmeer. Ebenso der durch das Aussterben bedrohten Mönchsrobbe, unzähliger Zugvögel sowie Flora, Dünen und Seegraswiesen.

Daher sind an einigen Stellen große Aufklärungsplakate aufgestellt und an den Strandabschnitten sind über den Schildkrötengelegen Schutzkäfige gestellt. Einige benachbarte Inseln sind für eine Überfahrt komplett gesperrt, da sich auch dort Schutzgebiete befinden.

Zum Abschluss unseres Urlaubes musste ich noch nach Zakynthos Stadt um einen Schnelltest für die Einreise nach Deutschland zu absolvieren. Wir nutzten somit die Gelegenheit für einen kleinen Stadtbummel und um einige Souveniers zu kaufen. Besonders viel haben wir nicht gerade gesehen, aber der Fußgängerbereich war schon schön anzuschauen.

So, das war’s. Ein schöner sonniger Urlaub ging zu Ende, das kühle und regennasse Deutschland erwartete uns. Fast faules Nichtstun, viel Lachen, Neckereien, tiefgründige Gespräche, gutes Essen und Trinken durften wir erleben.

Adio bis demnächst, Karin

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Das Limestor bei Rainau-Dalkingen

Vor über 40 Jahren wurde am Limes bei Rainau-Dalkingen im Ostalbkreis, ein rätselhafter Baukomplex ausgegraben. Spuren von Türmen, Sperranlagen und Gebäuden mehrerer Bauphasen wurden gefunden. Seit diesen Forschungen ist der Fundplatz als „Limestor Dalkingen“ bekannt. Einzigartig auf diesem Limesabschnitt ist, dass ein Übergang mit einem Bogen gestaltet wurde. Das Unesco-Welterbe Obergermanisch-Raetischer Limes durchzieht auf einer Länge von ca. 6 km das Gebiet der Gemeinde Rainau mit seinen Ortsteilen Buch, Schwabsberg und Dalkingen. Auf dieser Strecke haben sich einige der schönsten Teilstücke und Denkmäler des Limes in einer einmaligen Konzentration erhalten. Ob Wachtürme, Limestor, Römerbad oder Kastell, an allen Sehenswürdigkeiten befinden sich Infotafeln, an denen sich der Besucher orientieren kann. Über mehrere Parkplätze und einem 11 km langen Rundwanderweg kann die Geschichte der Befestigungsanlage erlebt werden. Eingebettet in den Limes-Park Rainau entstand somit ein attraktives Freizeitangebot, zumal sich der Bucher Stausee ebenfalls in der Nähe befindet.

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Mich interessierte am Wochenende explizit jedoch nur das Limestor. Zusammen mit meiner Freundin Birgit machte ich mich auf den Weg. Bereits am Eingang zum Parkplatz wird man im Reich der Römer begrüßt und eine große Infotafel klärt den Besucher über den Limes-Park Rainau auf.

Vom Parkplatz aus, geht es entlang der „Teufelsmauer“ eine geteerte kleinen Anhöhe hinauf, somit rollstuhl- und kinderwagenfreundlich, zum eigentlichen Besuchermagnet. Entlang dieses Weges wurde eine Hecke gepflanzt, genau auf den Fundamenten der ehemaligen Steinmauer. Die Begriffserklärung „Teufelsmauer“ könnt ihr der Infotafel entnehmen. Wir befanden uns somit auf ehemaligem römischen Boden, jenseits dem Land der „Barbaren“.

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Und dann steht man auch schon vor dem riesigen Schutzhaus, welches die Überreste des ehemaligen Tores umhüllen.

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Mitten auf einer Anhöhe schön ruhig im Grünen mit imposanten Ausblicken in alle Richtungen, bis nach Heubach zum Rosenstein mit seinem Fernmeldeturm. Strategisch wieder einmal genial gewählt – wie immer zu damaligen Zeiten. Ruhebänkchen mit Blick auf den Glasbau runden das Ganze ab.

Um die Ruine vor wechselnden Witterungseinflüssen zu schützen, wurde sie im Jahr 2010 mit einem gewaltigen Glaskubus umhüllt. 23 Meter breit, 21 Meter lang und mit einer Höhe von 7-16 Metern bietet es der original römischen Bausubstanz dauerhaften Schutz.

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Im Inneren fällt sofort der abgehängte Stoffkubus auf, dieser gibt im Verhältnis 1:1 die architektonischen Besonderheiten des ehemaligen Limestors wieder. Leider kam nur von der Rückseite ein brauchbares Foto heraus. Die Vorderseite ist auf dem Bild mit dem Glaskubus zu erahnen.

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Hier ist die Ruine des monumentalen Bogens, dessen Entstehung mit dem Germanenfeldzugs des Kaisers Caracalla (213 n. Chr.) in Verbindung gebracht wird. Bei den Ausgrabungen wurden außerdem Reste einer bronzenen Kaiserstatue gefunden, die heute im Limesmuseum in Aalen bestaunt werden kann.

Doch nun endlich die Aufnahmen der steinernen Überreste. Eigentlich fehlt am Eingang eine Erhöhung, damit das Ganze von der Vogelpespektive betrachtet werden könnte. Meine Fotos halten sich somit in Grenzen.

Weitere Trasparente klären über den Limes auf und auch seiner Entstehung von den Anfängen eines einfachen Holzturms mit einem Flechtwerkzaun bis zur gemauerten Prunkfassade, die jedoch dann 233 n.Chr. einem Brand zum Opfer fiel und nicht mehr aufgebaut wurde.

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Desweiteren ist ein Römischer Meilenstein ausgestellt, das Original kann ebenfalls im Limesmuseum in Aalen besichtigt werden.

Dem legendären Kaiser Caracalla wurde natürlich auch ein Denkmal gesetzt. Eigentlich hieß er mit vollem Namen Marcus Aurelius Severus Antoninus. Caracalla bedeutet übersetzt Kapuzenmantelmann. Stets trug er einen weiten keltischen Mantel mit Kapuze, der um ihn wehte. Ansonsten hatte er nicht den besten Ruf, galt er als Tyrann und blutrünstig. So erstach er z. B. seinen Bruder, um keinen weiteren Rivalen für den Thron zu haben. Er selbst wurde kurz nach seinem 29-jährigen Geburtstag erstochen.

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In diesem Glashaus war es heiß, keine Öffnung an der gegenüberliegenden Tür, die Sonne brannte aufs Glas – es wurde Zeit zu gehen. Zu erwähnen bleibt noch, dass der Eintritt frei war, auf dem beschriebenen Parkplatz ebenso, eine Aufsichtsperson anwesend war und laut Coronaverodnung vorhandene Besuchszettel ausgefüllt werden mussten. Die Öffnungszeiten variieren derzeit, vor einem geplanten Besuch bitte aktuell abfragen.

Es wurde Zeit zum Mittagessen, wir beratschlagten, dass wir am Bucher Stausee beim dortigen Imbiss direkt am See etwas essen würden. Das „Naherholungsgebiet Rainau-Buch“ ist mit seinen 60 ha eines der größten seiner Art in Nord-Württemberg. Schwimmen, spielen, segeln, surfen, wandern, Tretboot fahren, radeln, inlinern, sonnenbaden… und dies bei freiem Eintritt! Parken und der Toilettengang muss bezahlt werden. Somit bitte an Kleingeld denken.

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Wir ergatterten auf der ins Wasser vorgelagerten Terrasse noch ein super Schattenplätzchen, aßen wirklich gut, beobachteten die Wassersportler und weitere Gäste – nach der langen Coronapause kam ich mir vor wie in einem anderen Leben.

Beim anschließenden Verdauungsspaziergang entlang des Sees trafen wir nicht nur auf sonnehungrige Mitmenschen. Diese beiden kamen ganz zutraulich und hoffnungsvoll schnatternd auf uns zu. Leider gab es für sie keinen Leckerbissen.

Wir zwei ließen uns an den Sitzgelegenheiten noch etwas am Ufer nieder, beobachteten die Badenden und prosteten uns zu.

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Auf unseren nächten Urlaub,

sonnige Grüße Karin

Pflanzentauschbörse

Vielleicht erinnert ihr euch daran, als ich im März 2019 von einer Pflanzenadoption schrieb Eine andere Art der Adoption. Nun hat die Stadt Schwäbisch Gmünd, genauer gesagt das Stadtteilzentrum Ost, eine kostenlose Pflanzentauschbörse ins Leben gerufen. Erfahren habe ich davon, wie so oft, aus der hiesigen Gmünder Tagespost. Ich hoffe dass ich für diese tolle Sache den folgenden Artikel hineinkopieren und teile aus dem Text hier wiedergeben darf.

Eine prima Sache um Ressourcen einzusparen, gleich ob Geld oder Zeit. Auch kommt man somit an außergewöhnliches Pflanzgut oder probiert auf diesem Wege fremderscheinendes Grünzeugs aus. Und dies ohne weitere Verpflichtung.

Kontaktarm, unter Beachtung der derzeitigen Coronavorsichtsmaßnahmen, können momentan zu bestimmten Zeiträumen Pflanzen einfach abgegeben und/oder abgeholt werden. Die nächsten Termine sind somit vom 15.-18. Juni, 15.-18. Juli, 15.-18. September und letztendlich vom 15.-18. Oktober.

In der Buchstraße 145/1 steht unübersehbar im gemütlich gestalteten Garten ein Selbstbedienungsregal, an diesem können die Pflanzen abgestellt oder entnommen werden.

Bei Gelegenheit bitte auch einmal die vorhandenen Pflänzchen kontrollieren ob sie gut mit Wasser versorgt sind, ansonsten bitte mit den bereitgestellten Gießkannen wässern.

Zugelassen sind alle möglichen Arten von Gewächsen. Zimmerpflanzen, Stauden, Gehölze, Stecklinge, Aussaaten, Blumenzwiebeln, Sämereien oder selbstgezogene Jungpflanzen – das Repertoire kennt wohl kein Ende. Dass die Pflanzen gesund und ohne Schädlinge sein sollten versteht sich beim Pflanzenliebhaber wohl von selbst.

Als ich im Mai voller Neugier das Angebot wahrnahm, kam gerade ein Hobbygärtner vorgefahren und entlud sein voll beladenes Auto mit allen Arten von Tomatenpflanzen. Die Töpfchen schön beschriftet mit Farbe und Größe der fertigen Nachtschattengewächse. Da fanden sich rote Cocktailtomaten zwischen roten, grünen und orangenen Tomaten, Fleischtomaten u.v.m. Zögerlich nahm ich mir auch einen Setzling, dazu noch Samentütchen und eine Pflanze. Inzwischen wurde ich auf privatem Weg durch diese Tauschbörse reich beschenkt. Gartenprimeln, Hyazinthen, Erdbeeren, Bärlauch und so manches schöne Blümlein und Kräutlein durfte in unseren Garten umziehen. Vielen tausend Dank kann ich da nur sagen!

Eigentlich hab ich mit dem Gärteln ja nicht so viel am Hut, bediene mich jedoch sehr gerne an dem reichhaltigen Kräuterangebot auf der Wiese und freue mich über jedes essbare Kräutlein oder Blümchen, welche mich anlächeln. Es versteht sich von selbst, dass ich beim nächsten Tauschtermin im Gegenzug einiges aus unserem Hof und Garten dort ins Regal stellen werde. Vielleicht kann dann auch ich das Herz einer Gärtnerseele aufblühen lassen.

Somit, macht euch auf zur Runde durch euren Garten, dem Balkon, der Wohnung – vielleicht steht irgendwo ein Gewächs, welches ihr jemand anderem überlassen möchtet und holt euch frisches Grün aus dem Regal ins Heim.

Bis übernächste Woche bei der Selbstbedienung,

eure Karin

Was duftet hier gar so fein?

An einem Sonnentag im Wonnemonat Mai,
streifte ich am Waldrand ganz in der Nähe vorbei,
bewundernd und staunend ich betracht,
was die Natur schon hat daraus gemacht
.

Da auf einmal, mich erfasst eine Wolke von Duft
den ich bis heute nie empfinden und einatmen durft,
mir verschlägt es fast den Verstand,
was der Wald hat hervorgebracht im Frühlingsgewand
.

Neugierig bin ich herangetreten bei schönem Wetter,
es leuchtet vor mir ein breites Band von grünen Blättern,
zwischen drin lugen weiße, zarte Blüten hervor,
betörender Geruch durchdringt meine Nase bis zum Ohr
.

Er ist von besonderer Frische, ein ätherischer Duft,
ich kann wieder frei atmen, bin nicht mehr verschnupft,
ich komme langsam zur Ruhe und kehre ein
es kann nur „seine Durchlaucht „ der Bärlauch sein!

Johann Forster

Genau so war auch mein Erlebnis, nur dass dies noch im April geschah. Durch meine 25-jährige Abwesenheit aus Deutschland in dieser besonderen Jahreszeit hatte ich nie Gelegenheit, dieses Kräutlein kennenzulernen. Nachdem ich nun im Garten ein Pflänzchen eingesetzt habe und auf reichhaltige Vermehrung warte, hat Joachim durch einen Bekannten den ultimativen Tipp erhalten. Ein Waldstück mit reichlich Vorkommen, wie ihr an diesem Foto erkennen könnt. Diesem dichten, fein und edel nach Knoblauch duftendem Teppich des Gesundheitskrauts, kann ich bestimmt nicht zur Gefahr werden.

Vom Fieber gepackt und die Geschmacksknospen sensibilisiert, war ich nun schon zwei Mal dort, um eine Haushaltsmenge zu ernten. Zunächst mit etwas viel Skepsis und Bedenken, da die hochgiftigen Doppelgänger Maiglöckchen und Herbstzeitlose wohl zum Verwechseln ähneln. Doch am besten erkundigt ihr euch selbst, worin die Unterscheidungsmerkmale liegen, wir haben alles richtig gemacht, sonst hätten wir bestimmt kein zweites Mal ernten können :))

Momentan beschenkt uns die Natur mit so vielen gesunden Kräutern, zum Glück wächst bei uns im Garten schon sehr vieles, was sich zu Salat und Pesto verarbeiten lässt, doch Bärlauch hat es ganz besonders in sich:

Am würzigsten ist der Bärlauch noch vor der Blüte, weshalb mancherorts bereits schon im März geerntet werden kann, doch auch zur Blütezeit ist er durchaus noch schmackhaft, auch die kleinen weißen sternartigen Blüten sind essbar. Geerntet wird er, indem man möglichst von einer Pflanze bodennah immer nur 1 Stängel abschneidet. Ziemlich mühselig das ganze, jedoch kann man so schon selektieren, indem man keine schadhaften Blätter abschneidet und wirklich auch nur Bärlauch erwischt und somit dem Pflänzchen dann die Möglichkeit gibt, wieder erneut auszutreiben.

Bis auf diese Weise 500 Gramm zusammen sind, dauert es etwas. Zwischendurch immer mal wieder den Standort wechseln und somit den Rücken durchstrecken und tief einatmen um den ätherischen Ölen die Gelegenheit zu geben, unsere Nase und Lungenflügel zu durchwabern.

Die Wunderpflanze gilt als starkes Heilkraut. Der Bärlauch kann Ablagerungen in den Blutgefäßen abbauen, hält die Arterien elastisch, senkt Blutdruck und Cholesterin, er wirkt gegen Arteriosklerose, beugt Herzinfarkt und Schlaganfällen vor, bringt den Darm ins Gleichgewicht und hilft bei Husten, Asthma und Bronchitis. Durch seine Schwefelverbindungen wirkt er entgiftend, stärkt das Immunsystem und ist desinfizierend, wirkt sich bei äußeren Anwendungen günstig auf Hautausschläge aus. Er enthält außerdem Senfglykoside, Vitamin C, Minerale, Eisen, Magnesium.

Und das allerbeste daran: er schmeckt einfach super!!! Verarbeitet in Pesto, Suppe, Butter, Pfannkuchen, Quiche, in Salaten oder aufs Brot… die Verarbeitung kennt wohl keine Grenzen. In ein feuchtes Tuch und einer luftdichten Box hält er sich ein paar Tage im Kühlschrank, Erfahrungen über das Einfrieren kann ich erst nächstes Jahr zum Besten bringen. Übrings hat man nach dem Genuss im Gegensatz zu Knoblauch am nächsten Tag keine „Fahne“. Desweiteren sollte Frau während der Schwangerschaft aufpassen, da frischer Bärlauch im Verdacht steht, eine Fehlgeburt auszulösen.

Wir haben ein leckeres Pesto mit Olivenöl, gerösteten Pinienkernen, Parmesan, Meersalz, etwas Chili und Fetakäse gezaubert, ebenso ein leckeres Kartoffel-Bärlauch-Süppchen, sie im Pfannkuchenteig mit verewigt und Weiteres wird folgen.

Nun geb ich euch den Rat, macht euch auf in Wald und Feld, schnuppert nach dem unverkennbaren Duft, haltet Augen und Sinne offen oder sucht im Fachmarkt nach dem einen oder anderen Bund Bärlauch. Aber bitte schaut euch jedes Blatt einzeln an, damit euch auch ja nichts passieren möge!

In diesem Sinne, bleibt gesund, Gruß Karin

Das Spiel mit den silbernen Kugeln

So nennen einige Mitmenschen die beliebte Kugelsportart „Boule“, wenn sie nicht auf die Schnelle auf den Begriff dieser Freizeitvariante des Kugelsports kommen. Wir haben das Spiel während unserer Kinshasa-Zeit kennen und lieben gelernt und seitdem sind wir im Besitz eines kleinen schweren schwarzen Köfferchens. Zu den verchromten Metallkugeln reiht sich die Zielkugel, „Schweinchen“ genannt, bei uns in dezentem grau da man dies im Gras besser sieht und keine andere Farbe im heimischen Fundus zur Auffrischung verfügbar war, ein Maßband und die super praktischen Magnetbänder zum leichteren Aufheben der Kugeln. Ein alter Lappen zum Abwischen derselben ist manches Mal ebenso sehr hilfreich, da sich kleine Steinchen in die Markierungsrillen setzen können oder die Hände an einem warmen Tag etwas feucht sein könnten.

Boule wird oft gleichgesetzt mit dem französichen Pétanque, dem italienischen Boccia oder dem britischen Bowls. Tatsächlich hat jedoch jeder Sport abgewandelte Spielregeln und auch Erscheinungsformen der Kugeln. Das bekannte Curling und auch der Stocksport ist unserer Variante ähnlich.

Bereits 460 v. Chr. gab es erste Hinweise auf ein Spiel mit Steinkugeln, im 2. Jh. n. Chr. fanden sich im Römischen Reich ebenso Hinweise und daraus entwickelte sich das spätere Boccia und Boule Lyonnaise. Die Anfänge der britischen Variante Bowls lassen sich bis ins London des 12. und 13. Jhdr. zurückverfolgen.

Ja, und nun wird im Jahr 2021 in Lorch Boule gespielt. Die letzten Jahre immer auf unserer Wiese, da diese jedoch komplett umgeackert, aufgeschüttet und neu eingesät wurde, ist dies derzeit leider noch nicht möglich. Durch meinen letzten Ausflug Der Park am alten Bahndamm in Böbingen kam ich dann mit dem Spiel wieder in Berührung und am schönen sonnigen Sonntagmorgen überzeugte ich den Göttergatten zu einem 1km Fußmarsch gen Bahnhof um dort auf dem Sandplatz eine Partie zu spielen.

Leider ist die Anlage nicht eben, die Splittverteilung lässt etwas zu wünschen übrig, sodass es immer mal wieder vorkommt, dass ein größeres Steinchen die Kugel in eine ganz andere Richtung rollen lässt als gewünscht. Aber all diese Dinge lassen dann das Spiel auch wieder spannender erscheinen und ruckzuck sieht die Rangführung ganz anders aus als zu Beginn – so wie es dann bei uns auch geschah.

Das Los entscheidet, wer beginnt. Nun gilt es, mittels Abwurfmarkierung dem zuvor geworfenen Schweinchen mit der Kugel so nah als möglich zu gelangen. Dabei darf auch das Schweinchen mit verrückt werden oder eine gegnerische Kugel weit ins Abseits geschossen werden. Pech, dass sich unser graues Schweinchen sehr schwer vom grauen Belag abhebt. Eine Farbänderung ist dringend nötig.

Dies probieren dann auch reihum die anderen Mitspieler.

Dann erfolgt der Wurf mit der zweiten Kugel, nun beginnt derjenige der am weitesten vom Schweinchen entfernt ist, dann folgen die anderen Spieler. Im Anschluss wird geschaut oder auch ausgemssen, wer am nächsten der Zielkugel liegt. Nun haben wir so ein praktisches Maßband und trotzdem misst man immer wieder doch nach altbewährter Methode aus der Kindheit…

So wird Runde um Runde gespielt bis ein Spieler die zuvor ausgemachte Punktzahl erreicht hat. Bei uns stand das Ergebnis fest, Jogi hatte haushoch gewonnen – wie immer, da ich einfach nicht zielen kann. Trotzdem gab es am angrenzenden Bahnhofskiosk ein Eis für mich und wir machten uns auf den Rückweg nach Hause.

Wen habe ich nun zum Spiel animiert? Viel Spaß – ich hab ihn dabei,

Gruß Karin

Der Park am alten Bahndamm in Böbingen

der anlässlich der Remstalgartenschau 2019 erschaffen wurde, ist immer ein Besuch wert. Dies habe ich nun an einem super sonnigen Samstag mit meiner Freundin Birgit festgestellt. Nach langen Wochen mit viel Arbeit und schlechtem Wetter lechzte ich geradezu nach etwas Natur in Verbindung mit Kultur und in Böbingen an der Rems fanden wir beides. Den kostenfreien Parkplatz direkt an der Landesstraße 1162 oder auch Rosensteinstraße genannt, zugleich die Verbindungsstraße von Oberböbingen nach Heubach, direkt nach dem REWE-Markt gelegen, kann man eigentlich nicht verfehlen.

Den Eingang säumt eine von mehreren Skulpturen, die sich in der Gemeinde Böbingen finden lassen und da ich mir überhaupt nichts unter dieser Parkanlage vorstellen konnte, war ich mehr als gespannt. Ein Übersichtsplan mit den verschiedenen Stationen klärt den Besucher auf und ich war sehr erstaunt, dass sich vom REWE bis zum Seniorenzentrum auf einer Fläche von 5ha die verschiedensten Attraktionen befinden. Die Bezeichnung „alter Bahndamm“ deshalb, da entlang dieses Areals und dem Gebiet um den Klotzbach von 1920-1975 die Bahnstrecke der „Heubachbahn“, zwischen Unterböbingen und Heubach, verlief.

Gleich zu Beginn, neben der Schutzhütte vom Waldkindergarten, steht eine Baumscheibe. Die Eiche war 200 Jahre alt und aufgrund ihres Gesundheitszustandes musste sie gefällt werden. Auf ihren Jahresringen wurden farbige Markierungen gesetzt und prägnanten Geschichtsereignissen gegenübergestellt. Da gilt es doch zu überdenken, ob wir in unseren Gesichtern zu jeder Falte die Entstehungsgeschichte festhalten sollten? :))

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Auf dem weiteren Weg reihen sich einige schöne Holzstümpfe mit Schnitzereien.

Übrigens ist das ganze Gelände kinderwagen- und seniorenfreundlich. Nicht nur Blumenbeete, Sträucher, Bäume und Wiesen sondern auch Spielgeräte zum aktiven Mitmachen für die Kleinsten und die Großen. Hier ein Drehpuzzle und eine Kugelbahn, nebenan am umfunktionierten Kaugummiautomaten kann man gegen ein geringes Entgelt die Kugeln erwerben.

Märchenhafte Fotomotive ergeben sich wohl immer, wenn Wasser, Sonne und Grün in Verbindung stehen

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Ein besonderes Highlight der Remstalgartenschau 2019 war das Architekturprojekt „16 Stationen“. 16 Gemeinden entlang der Rems gestalteten eine weiße Station. Böbingen entschied sich für das „weiße Fenster“, welches sich mitten im dichten Wald öffnet und ein kontraststarkes Raumerlebnis bietet.

Da auf der Blumenwiese gerade das Lieblingsmodell meiner Sitzgelegenheit frei wurde, entschieden wir uns für ein kleines Päuschen. Der richtige Durstlöscher war ebenso dabei wie tiefsinnige und humoristische Gespräche und dies musste unbedingt festgehalten werden – natürlich nicht ohne die Blumenwiesen zu vergessen!

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Im Bereich des Seniorenzentrums ändert sich das Mitmachangebot etwas. Ausblicke auf den Rosenstein, Riesenflipper, Seniorengarten, Sportgeräte, überdachte Sitzgelegenheiten, Leseecke mit Bücherschrank in der Telefonzelle, Kneippanlage mit vielen Liegesesseln, Blumenbeete u.v.m. Die Lage dieses Hauses ist doch wirklich traumhaft.

Ein ganz besonders delikates Objekt findet sich hier

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Der Weg zurück Richtung Ausgangspunkt wird abermals durch Kunstobjekte gesäumt. Leider hab ich keine Hinweisschilder gefunden.

Inzwischen nahmen die Parkbesucher immer mehr zu. Die coronabedingten Sicherheitsabstände wurden wohl gewahrt und es war sehr schön zu sehen, wie Jung und Alt ihren Spaß hatten, sei es am großen Spielplatz, dem Volleyballfeld oder der Boccia-bahn.

Und dann kam meine persönliche Rettung, wofür ich der Gemeinde so dankbar bin – ein richtig großes schönes festinstalliertes Toilettenhäuschen, rollstuhlgerecht und mit Wickelauflage!!! Endlich hat jemand daran gedacht, bei solchen Anlagen auch einmal an andere Bedürfnisse zu denken. Vielleicht liegt es auch am angrenzenden großen Veranstaltungsbereich und somit diese Anlage mehr als nötig ist oder auch daran, dass man die verwinkelten Ecken am Bach und Wald vor Verunreinigungen schützen wollte – kurz und gut – tagsüber hat das Häuschen geöffnet und ich war so dankbar. Imbiss- oder Getränkebuden waren keine geöffnet, klar – wegen Corona – doch REWE nebenan dürfte an solchen schönen Tagen dem einen oder anderen Besucher die Stunden versüßen.

Mehrere Zugänge zum Klotzbach lassen vor allem bei wärmeren Temperaturen das eine oder andere Herz und Füßchen lachen. Plantschen, platschen, ausruhen, sonnen, dem Wasser nachschauen und und und…

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Wie schon zu anfangs erwähnt, diese Anlage wird immer ein Besuch wert sein und es war mit Sicherheit nicht mein letzter. Die Verantwortlichen haben hier wirklich etwas sehr Schönes realisiert! Auch andere schöne Dinge lassen sich hier im Ort noch entdecken, wir dürfen gespannt sein…

Bis dahin, Gruß Karin

Naturschutzgebiet Weiherwiesen

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Auf einer von dichten Wäldern umschlossenen und von Birken bewachsenen weiten Lichtung bei Tauchenweiler erstreckt sich das Naturschutzgebiet „Weiherwiesen“.
Dieses aus dem Quellgebiet des urzeitlichen Wentalflusses hervorgegangene Moorgebiet mit seiner grandiosen Flora zieht seine Besucher in einen magischen Bann. Entstanden ist die faszinierende Moorlandschaft durch Feuersteinlehm, der im Laufe von Jahrmillionen in die flachen Mulden gespült wurde. Hierdurch haben sich deren Böden und Ränder mit einer wasserundurchlässigen Schicht überzogen. Im Laufe der Zeit konnte sich so auf diesen versauerten, nassen Böden das Feuchtgebiet mit seinen beiden Moorseen entwickeln.

Quelle: http://www.essingen.de

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Abermals ein sonnenverwöhnter Tag, dieser letzte Samstag im Februar 2021. Auch wenn ein garstiger kalter Wind um die Ohren wehte, die Kraft der Sonne war gut zu spüren und somit zog ich mit zwei Birgit’s raus in die Natur. Zu oft schon hörte ich von den Tauchenweilern Weiherwiesen bei Essingen und wollte dort unbedingt einmal hin. Zuletzt las ich in einem Wanderbüchlein meiner Schwester darüber und somit war der Startschuss gefallen.

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Auf einen allzu langen Fußmarsch hatte ich überhaupt keine Lust, eine kleine Runde sollte es sein und meine Mitstreiterinnen fügten sich. Bestimmt wäre es einige Wochen später oder erst im Frühsommer landschaftlich reizvoller, wenn Blumen und Gräser in voller Pracht zu bestaunen sind, das Heidekraut und Kräuter ihren Duft abgeben und somit die Insekten anziehen. Doch jede Jahreszeit hat ihren Reiz: die noch tiefstehende Februarsonne die alles in ein milchiges Licht taucht und die alten trockenen Grashalme die bisher tapfer gegen Schnee, Regen und Sturm stand hielten und an deren Wurzeln bestimmt schon die neuen Triebe darauf warten, ihre grünen Spitzen austreiben zu lassen. Die allmählich aus dem Winterschlaf erwachende Natur, die eifrig zwischernden Vögel und vor allem die, leider schon zu viele, Spaziergänger die ganz verträumt vor der beeindruckenden Naturkulisse die Ruhe und Stille genießen.

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Ein gut ausgeschildertes Wandernetz informiert die Besucher über die Entstehungsgeschichte des Gebietes und ermahnt eindringlich, auf den Wegen zu bleiben, daher sind Sitzgelegenheiten auch eher rar gesät. Allzu große Besucheransammlungen, die Flora und Fauna stören und schädigen könnten, möchten vermieden werden.

Die Höhepunkte des Gebietes sind für mich ganz klar die beiden Weiher. Die tollsten Fotomotive ergeben sich rundherum, der blaue Himmel, die glitzernde Sonne, Blick aufs Wasser und schon kommen Urlaubsgefühle herauf.

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Niedergelassen etwas abseits auf gefällten Holzstämmen, nehmen wir ein kleines Sonnenbad und stoßen mit Prosecco auf den kommenden Urlaub meiner Freundin an und genießen nebenbei die absolute Stille, die sich hier einstellt sobald einmal keine Tierlaute hörbar sind. Und ja, auch drei tratschende Frauen können durchaus einmal still sein!

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Doch irgendwann mussten wir wohl oder übel unseren Platz an der Sonne verlassen und machten uns auf den Rückweg. Ein kurzer Abstecher bei der Gaststätte Tauchenweiler vermittelte mir, wie schön man außerhalb Coronazeiten hier unter Kastanienbäumen im Biergarten sitzen könnte.

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Momentan werden hier jedoch auch Getränke oder kleine Snacks zum Mitnehmen verkauft, das finde ich eine tolle Sache. Doch wir waren auf dem Rückweg zum Parkplatz und heimwärts ging die Fahrt.

Obwohl inzwischen empfindlich kühl, waren es doch schöne Stunden die ich mit den Birgit’s verbringen durfte, vielen Dank für das Verständnis mit dem kurzen Fußmarsch und bis bald,

eure Karin

P.S. Heute kam in der Tagespresse folgender Artikel. Immer wieder verblüffend, wie ich mir die Ziele aussuche und danach ein Artikel erscheint.

GT Artikel

Auerochsen und so manches mehr

Kalendarisch befinden wir uns Ende Februar noch im Winter, temperaturmäßig jedoch bereits mitten im Frühling. Obwohl nachts noch um den Gefrierpunkt, herrscht gegen Mittag eine Wärme um die 18 Grad und am Abend muss der Kamin angeheizt werden, da es sonst empfindlich kühl im Wohnzimmer ist! Am vorletzten Sonntag noch tief vermummt durch den Schnee gestapft, folgte der Schneeschmelze bereits schon das tägliche Gießen der ersten Küchenkräuter, um sie vor dem sicheren Verdursten zu bewahren. Die reinste Achterbahn an Temperaturen, was wohl auf das Konto des Klimawandels verbucht werden kann. Somit wird die reich anfallende Gartenarbeit eingestellt und mit dem Schwesterlein eine Wanderung unternommen. Ziele gibt es anhand ihrer praktischen Wanderbüchlein genug, ich wollte aufgrund meines Knies jedoch nur ca. 6 km unterwegs sein, sonnig sollte die Tour werden und somit war das Ziel gefunden: Die Hirschbach-Auerochsen-Runde mit 6,3 km – perfekt! 36 km von zu Hause entfernt mit Zwischenstopp in Essingen ist nun auch nicht gerade um die Ecke – aber zu Pandemiezeiten hatten wir nun auch schon längere Anfahrtswege und Frau ist ja froh um jede Abwechslung!

Herrlich war es, ohne Thermounterwäsche, Handschuhe und Mütze durch die grüne Natur zu marschieren. Die Krähen am Himmel jagten sich gegenseitig laut krächzend um dann im Sturzflug auf den umgepflügten Feldern die Würmer aus der Erde zu picken, die Vögel tirilierten im Unterholz und auf den Zweigen, an denen schon die ersten Knospen zu erkennen waren. Abermals viele Spaziergänger. Darunter einige im sehr eifrigen Gang mit Walkingstöcken, dann wieder ein chic gekleidetes Ehepaar die die ansteigenden Temperaturen und die Länge ihres Spazierganges wohl überschätzt hatten und schwer mit ihren Jacken und dem ungeeigneten Schuhwerk zu kämpfen hatten. Kindergartengruppen die laut kreischend über die gut ausgebauten Wege tobten und sicherlich die Aufhebung des Lockdowns für Kitas und Kindergärten feierten. Rentner mit Kinderwagen die das Enkelchen vor sich her schoben, Radfahrer aller möglichen Sparten, ob nun BMX, Rennrad, E-Bike oder auf dem herkömmlichen Drahtesel – ein jeder lächzte förmlich nach der Wärme und der Sonne und etwas mehr Freiheit. So wie wir!

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Die Beschreibung in dem Büchlein ließ etwas zu wünschen übrig, ein manches Mal hätte die Autorin durchaus Fixpunkte wie „Sportplatz, Gasthof“ oder einen Straßennamen erwähnen können. „Das Bänkchen an der Kreuzung“ ist manches Mal durchaus etwas mau, da es erfreulicherweise sehr viele Ruhebänkchen auf dieser Strecke gibt. Doch meine Schwester kannte diese Schwierigkeiten schon und somit waren wir stets auf dem richtigen Pfad unterwegs.

Der steile Anstieg hinauf zur Weide zu den Auerochsen ließ ein Rinnsal an den Schläfen entstehen. Was war ich froh, dass ich immer wieder stehenbleiben und herrliche Ausblicke genießen konnte :))!

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Wie ruhig und zufrieden diese stattlichen Tiere im Gras liegen, ihr Fell glänzt seidig braun in der Sonne und man möchte direkt mit den Händen danach greifen – doch Vorsicht, es sind Wildtiere! Die Weide somit bitte nicht betreten und die Tiere nicht berühren!

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Der Weg führt weiter direkt am Hirschhof vorbei. Detailverliebt hätte ich ein ums andere Mal die Kamera zücken können, doch ich wollte die Privatspäre der Anwohner respektieren und beschränkte mich auf dieses eine Foto.

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Weiter ging es bergauf. Auf der Anhöhe angekommen, abermals Ruhebänkchen- und Fotopause…

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…, bevor wir in den Panoramaweg Aalen einbogen und diesem bis Röthardt folgten. Kurze Zeit später schon wieder Bankpause – bei diesem Anblick weiß man auch warum.

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Durch ein kleines Waldstück ging es bergab, wir querten den Hirschbach, genossen einen wunderschönen Weitblick nach Aalen und den Rosenstein mit Fernmeldeturm,

und durchquerten den Teilort Röthardt. In der 230-Seelen Gemeinde, die sich seit 2004 „Ort mit Heilstollen-Kurbetrieb“ nennen darf, gefiel mir besonders diese kleine Kapelle. Auch sonst finden sich überall Anzeichen dafür, dass das Besucherbergwerk Tiefer Stollen Wasseralfingen sich direkt dem Ort angliedert bzw unterirdisch befindet. Doch davon werde ich separat einmal berichten.

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Wiederrum bergab ging es Richtung Ausgangsziel. Vorbei an herrlich blühenden Wiesen

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kamen wir an einem Wegkreug und einer weiteren Ruhebank vorbei.

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Richtig! Wir machten Pause, denn unseren Proviant wollten wir nicht wieder mit nach Hause nehmen. Apfel, Karotte, Paprika, Käsesemmel und Wurstbrot nebst Wasser und coffeinhaltiger Brause ließen wir uns munden. Vorbeikommende Artgenossen wurden ausgiebig von uns begutachtet, bevor wir uns dann selbst zu den letzten 1,5 km aufrafften.

Auf dem Parkplatz am ehemaligen Hirschbach Freibad war der Abrißbagger zugange, es hämmerte und röhrte, die Zivilisation hatte uns wieder. Schnell noch ein Foto von uns zwei Hübschen und flugs zu Birgit nach Hause auf ein Tässchen Kaffee.

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Schön war’s und wird garantiert wiederholt. Irgendwo, irgendwann.

Bis dann, Gruß Karin

Die schönste Stelle im Ostalbkreis

Wer möchte dies nicht von seiner Stadt, seinem Dorf, einer Wiese, einem Denkmal oder einem besonders schönen Fleckchen Erde behaupten?

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Die Mögglinger haben diesen Ort gefunden. Am Ortsende Richtung Heuchlingen, in westlicher Richtung unweit des Limes-Wanderparkplatzes und direkt am Waldrand, wurde ein Aussichtsturm erbaut. Ein heimischer Zimmermannbetrieb erstellte dieses 11 Meter hohe Bauwerk aus witterungsbeständigem Lärchenholz. 29 Stufen führen hinauf zur Aussichtsplattform. Vertraut man der heimischen Presse, konnte durch Spenden und Sponsoren dieses ca. 30.000 Euro-Projekt ermöglicht werden. An jeder Stufe sind die Namen der Investoren zu lesen, um die Pflege auch rund um das Areal kümmert sich der Albverein.

Dieses, zugegebenermaßen, wunderschöne Fleckchen Erde habe ich aus meiner Kinderheit nur zu gut in Erinnerung. Im Nachbarort Heuchlingen aufgewachsen, sind wir zu allen möglichen Wandertagen, Schulausflügen und Unterrichtsstunden unter freiem Himmel, die rund 2,5 km hier heraufgewandert ins Grubenholz, dem Waldabschnitt zwischen den Gemeinden Heuchlingen und Mögglingen.

Einst verlief hier der römische Grenzwall, der Limes, und dazu hatte mein Grundschullehrer uns so einiges an Geschichte zu erzählen. Damals interessierte mich dies üerhaupt nicht, heute würde ich jedes Wort aufsaugen wie einen Schwamm. Folgt man auf den Spuren der Römer Richtung Böbingen, gelangt man zu den keltischen Grabhügeln, mehr als 40 an der Zahl, diese sind Zeugen einer Zeit aus 750 – 450 v. Chr. Ich kann mich noch gut erinnern, wie unser Lehrer so manchem Schulkameraden die Lust auf Ausgrabearbeiten ansah und dieser geplanten Aktion sofort den Wind aus den Segeln nahm.

Auch aus späterer Zeit zusammen mit meinem Sohn waren wir hier oben am Waldrand des Öfteren. Damals für kurze Zeit wohnhaft in Mögglingen, verbrachten wir so manchen Nachmittag auf den Wiesen beim Drachensteigen, besonders gut kann ich mich noch an die totale Sonnenfinsternisbeobachtung vom 11. August 1999 erinnern. Mit meinem 4-jährigen Steppke stand ich zusammen hier oben auf dem freien Feld und verfolgte das Naturereignis.

Doch ich schweife vom Thema ab. Letzten Sonntag war ein so unglaublich schöner Sonnentag mit trockener Kälte. Zum Leidwesen war der eisige Wind etwas unangenehm, kleidungstechnisch war somit der Zwiebellook mehr als angesagt. Ich traf mich mit einer uralten Freundin zum Spazierengehen explizit dort, um endlich einmal diesen Aussichtsturm kennenzulernen. Liebe Karola, uralt meine ich natürlich die Anzahl an Jahren die wir uns nun schon kennen, das dürften durchaus schon knapp 40 Jährchen sein!

Auch zahlreiche 2- und 4-beinige Artgenossen strotzten dem unangenehmen Wind und genossen somit den strahlend blauen Himmel und die bereits wärmende Sonne. Die ausgebauten Wege zwischen den noch weiß verschneiten Feldern wurden somit von coronageplagten Mitmenschen genutzt und ich war doch etwas erstaunt, dass der Aussichtsturm aufgrund Hygienemaßnahmen nicht gesperrt war. Welche Freude, dass ich diese überaus solide gebaute Konstruktion erklimmen konnte und einen herrlichen Ausblick genießen durfte. Vom Wellland mit dem markanten Kolbenberg über Essingen und seine Wälder, Schlossgut Hohenroden, Mögglingen, Lautern und Lauterburg, der Albtrauf mit Heubach, dem Rosenstein und dem Fernmeldeturm, die Windkraftanlagen von Barholomä, die drei Kaiserberge bis hinab ins Remstal – dieser Blick ist fantastisch. Ich verweilte jedoch nur kurz, da der Wind wie Nadelstiche im Gesicht zu spüren war.

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Wir wanderten querfeldein noch etwas weiter, durch Schnee, Matsch und Dreck und suchten auf dem Rückweg noch ein stilles Bänkchen um den mitgebrachten Kaffee zu genießen und auf unsere Gesundheit zu trinken.

Bleibt gesund und munter, bis bald, Grüße

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Wintertag

Fußstapfen im glitzernden Pulverschnee

knirschendes Geräusch

grimmige trockene Kälte die mir wunderbar guttut

absolute Ruhe die mich umgibt

die aufsteigende Sonne mit wunderschönem blauem Himmel die Urlaubsstimmung aufkommen lassen

kurz und gut – ein herrlich schöner Wintertag!

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Gestern hatte es schon stetig leise vor sich hingeschneit, das Schneeschippen war direkt ein Vergnügen, da der herrlich leichte trockene Pulverschnee sich sehr leicht von den Wegen beseitigen ließ. Am Abend kündigte die Wettervorhersage -12 Grad für Lorch an – da war ich gespannt – denn solche Temperaturen hatte ich schon lange nicht mehr erlebt.

Heute Morgen um 7 Uhr zeigte unser wettergeschütztes Thermometer dann -8 Grad an und die über dem Hügelkamm aufsteigende Sonne ließ die gegenüberliegenden Hänge wunderbar glitzern, wie wenn zum heutigen Weiberfasching mit der Spraydose nachgeholfen worden sei.

Ich musste einfach raus und diese traumhaften Motive einfangen – auch wenn es immer derselbe Blick rund ums Haus ist – ich halte diese Momente schließlich auch für später fest und freue mich sehr oft daran, wenn ich meine älteren Aufzeichnung durchlesen und mich erinnern kann.

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Für die nächsten Tage soll sich nicht wirklich etwas ändern, kalt und sonnig, kein Niederschlag.

Bin gespannt wann das Rinnsal wieder läuft, bleibt gesund, Gruß Karin

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Der alte Schlitten

An eine Kellerwand gelehnt,
der alte Schlitten steht, sich sehnt
nach winterlicher Jahreszeit;
wähnt Kälte, Schnee nicht allzu weit.

Am nächsten Morgen schneit’s fein still;
geschieht tatsächlich, was er will.
Geräusch ertönt, grell scheint ein Licht;
die Zeit des Nichtstun unterbricht.

Ein Kind trägt ihn zum Korridor,
holt Werkzeug und ein Tuch hervor.
Er wird geschliffen und entstaubt.
Stets hatte er daran geglaubt…

Es lockt und funkelt Pulverschnee.
Die Schlittenfahrt ein Spaß – juchhe!

C.M.Beisswenger

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So ähnlich wie in diesem Gedicht für die Winterzeit hat es sich bei uns zu Hause auch abgespielt. Göttergatte entdeckte letzten Sommer unter dem Dach des Schuppens zwei alte Holzschlitten. Verstaubt, die Kuven verrostet, etwas lädiert und somit Zeugen einer Zeit, womit Kinder auf den verschneiten Hängen links und rechts des Grundstücks wohl lustig und vergnügt rodelten. Doch dann wurde der Flitzer abgestellt und von den Vorbesitzern beim Auszug wohl vergessen. Letzten Samstag drängte ich dann darauf, den größeren der Beiden vom dunklen Dachboden herunterzuholen. Sofort wurde, vom Handwerker im Haus, den Kuven mit Schleifmaschine und Öllappen zu Leibe gerückt, mit dem Handfeger entstaubt und sehnsuchtsvoll wurde der Einsatz erwartet – und dieser kam!

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Die letzten beiden Tage bekam die Natur so ein herrlich weißes Winterkleid verpasst und bescherte mir somit einen unglaublichen Spaß! Gestern am Nachmittag genoss ich unter Coronabedingungen mit einer Freundin zusammen das Schlittenfahren. Zuletzt hatten wir wohl vor 20 Jahren mit unseren Kindern dieses Rodelvergnügen.

Die Steigung wird unterschätzt, es geht ganz schön steil bergauf und dann etwas holprig natürlich auch bergab. Momentan schneit es erneut, mal schauen ob ich mich heute abermals dazu aufraffen möchte.

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Ab morgen soll es tagelang Regenschauer geben und damit wird sich die weiße Pracht wohl ziemlich schnell auflösen. Ob sich diesen Winter dann erneut eine Gelegenheit bieten wird, bleibt fraglich.

Dann verstauen wir eben unseren Schlitten wieder auf den Dachboden des Schuppens und hoffen, dass er nächstes Jahr erneut aus seinem Dämmerschlaf erwachen darf. Zusammen mit seinem kleinen Bruder – das als kleiner Hinweis an meinen Handwerker!

Bleibt beim kommenden Schmuddelwetter gesund und in Form!

Eure Karin

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Die weiße Pracht

hat uns erneut heimgesucht und bleibt diesmal sogar etwas länger liegen. Etwas Schnee hatten wir ja nun schon des Öfteren, doch bei uns im Tal schmolz alles relativ schnell wieder weg, vor allem waren die Wiesen und Hänge ums Haus herum nicht flächendeckend weiss. Doch vorgestern sah dies ganz anders aus! Ruhig und still war es am frühen Morgen. Sämtliche Geräusche wurden verschluckt, es schien so, als wäre unsere Nachbarschaft im Winterschlaf versunken. Da war kein Schneepflug zu hören, keine kratzende Schneeschippe oder tösende Schneefräse – alles friedlich verstummt und damit sooo schön!

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Hier nun einige Eindrücke einmal rund ums Haus abgelichtet. Ich weiß daß in höheren Lagen die Schneedecke wesentlich ausgeprägter ist, aber hier in den Ausläufern des Remstals und in unserer geschützten Wohngegend war doch ordentlich Niederschlag. Schließlich haben wir seit dem Erwerb unseres Grund und Bodens dies hier noch nie erlebt.

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Nachdem es nun seit heute schon wieder taut, dürfen wir gespannt abwarten ob wir nochmals überrascht werden. Vielleicht kann ja dann mal etwas Wintersport auf den angrenzenden Hängen gewagt werden.

Üben wir uns in Geduld – das Kind in uns würde sich zumindest mächtig freuen.

Weiße Grüße, Karin

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Winter Wunderland im Götzental

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Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah! Nach dem erneuten Schneefall rief die Natur geradezu nach uns und somit befolgten wir Goethes Worte und machten uns von zu Hause aus auf den 500 Meter kurzen Weg, bis wir an der einstigen Götzenmühle den ehemaligen Limes kreuzten und den Wald betraten. Hach, was waren die weißgezuckerten Bäume schön anzusehen! Jogi machte obligatorisch an seinem Brünnele eine Trinkpause und weiter ging es Richtung Picknickplatz der Schelmenklinge. Nein, wir legten keine Vesperpause ein, hatten gar keinen Rucksack dabei. Ab und zu kamen uns doch vereinzelte Spaziergänger und Jogger entgegen, aber insgesamt war es eigentlich nicht erwähnenswert.

Nun waren wir bereits einen Kilometer gelaufen, mit dem Rückweg zusammen hätte es mir eigentlich bis dahin schon gereicht, wollte ich doch einfach nur mal kurz die weiße Winterpracht genießen – aber nein, Göttergatte wollte noch ein kleines Stückchen weiter gehen. Na denn….

Somit ging es dem Götzenbach entlang immer geradeaus weiter. Nun wird sich so mancher Leser wundern, dass ja wohl ein Foto dem anderen gleicht – aber nein, jedes Foto hat für mich seine Berechtigung, es war so schön dort, auch wenn ich schon keine Lust mehr hatte zu Laufen, doch nach den Worten meines Gatten hatten wir schon die Hälfte unseres Weges geschafft und somit machte es keinen Sinn umzukehren sondern eine Schleife zu wandern. „Noch 200 Meter geradeaus, dann links den Berg hinauf, ein kleines Stück weiter bis wir am Waldheim sind und dann sind wir auch schon gleich wieder zu Hause“ – das waren seine Worte. Somit stetig geradlinig bis zum Ende der Gemarkung Lorch, dann links ab den Berg hinauf und abermals immer dem Weg nach.

Ich wurde etwas quengelig, die Thermounterwäsche hielt meinen Körper zwar mollig warm, doch leider waren die Oberschenkel eisig kalt, das Knie motzte, der Fersensporn schrie nach seiner gewohnten Schuheinlage, zum zweiten Mal musste ein stilles Örtchen hinter einem schützenden Busch gesucht werden und da wir leider auch unsere Sitzkissen nicht mit hatten war das pausieren auch nicht das Wahre – alles nicht so einfach für Mann, wenn Frau einfach nicht mehr möchte! Aber es blieb mir gar nichts anderes übrig als weiter durchzuhalten und einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Die Landschaft war aber auch zu schön! Die Wege waren inzwischen ebenso zugeschneit, der Schnee knirschte unter den Stiefeln, es herrschte absolute Ruhe, traumhaft!

Glücklicherweise kam endlich die Anlage des Evangelischen Waldheims in Sicht. Auf dem weitläufigen Gelände mit Grillplatz, Spielmöglichkeiten und tief verschneiten Wiesen befanden sich doch einige Familien, die Spiel und Spaß im Schnee suchten. Artig trottete ich meinem Wanderführer hinterher, nun ging es bergab und ich freute mich bereits auf zu Hause.

Kurz darauf konnten wir durch die Büsche schon unser Heim erspähen, die verschiedensten Körperteile frohlockten und freuten sich auf das Sofa. Nun waren wir 2,5 Stunden unterwegs und hatten 5,8 km zurückgelegt – dabei wollte ich nur mal kurz mein Näschen durchlüften!

Nun bin ich also gespannt, wo es uns als nächstes so hinzieht.

Bis dahin, bleibt gesund, eure Karin

Schwäbische Sinnsprüche

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2021, weiterhin befindet sich die Welt in der Corona-Krise und somit beherzigen wir artig die Regeln des Lockdowns. Um dem häuslichen Koller entgegenzuwirken oder auszuweichen, folgten wir am Wochenende abermals einem Ausflugstipp unserer Tagespresse.

Die Fahrt ging ins 26 km entfernte Dürnau bei Bad Boll im Kreis Göppingen. Die Gemeinde liegt eingebettet zwischen der Schwäbischen Alb und dem Bodensee und bietet u.a. allerlei Wandermöglichkeiten. Zwischen Obstlehrpfad und historischem Ortspfad befindet sich seit 2004 auch der schwäbische Spruch-Weg. Genau auf diesem Pfad wollten wir wandern, vielleicht erführen wir ja noch die eine oder andere Weisheit fürs tägliche Läba.

Wanderparkplätze gibt es mehr als reichlich, da es sich um einen Rundweg handelt, ist es auch egal an welchem Punkt man anfängt, alles hat ein Ende – nur die Wurst hat zwei. Apropos Wurst! Außer Getränke hatten wir diesmal nichts im Rucksäggle dabei, konnte Jogi nach unserem reichhaltigen Mittagessen gerade noch davon abhalten, darüber hinaus noch ein Wurschdweggle zu schmieren. Ihr seht liebe Leser, heute kommt hier und da doch ein schwäbisch Begriff vor, bin mir jedoch fast sicher, dass diese von „ausländischen“ Lesern ins Hochdeutsche übersetzt werden können.

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Und so gingen wir dann unseren Weg, leider bei nicht so tollem Wetter.

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Es regnete zwar nicht, jedoch war es diesig, wolkig, trostlos, die Bäume streckten ihr Geäst kahl und einsam in die Höhe. Der Wanderweg zwischen dem Obstlehrpfad war matschig und aufgewühlt von den vielen Spaziergängern, die uns immer wieder entgegenkamen. Der reinste Volkswandertag war das und ich denke mir, der Artikel in der Tageszeitung war überregional veröffentlich worden. Auf jeden Fall muss es im Frühjahr zur Obstblüte herrlich sein, den Höhenweg entlang zu gehen.

Und hier kommen nun einige der Tafeln mit den Sprüchen, viel Spaß beim Läsa!

Auch sonst bietet die Gemeinde einiges an Kunstinstallationen entlang der Wegen, ich konnte gar nicht alles ablichten, besonders schön fand ich die weihnachtlichen Dekorationen an den Privathäusern. Mit so viel Liebe und Engagement wurde Tannengrün, Zapfen, Lichter, Kränze und dergleichen drapiert, in vielen Gärten fanden sich diese Sterne in unterschiedlicher Form vor. Könnte mir gut vorstellen, dass dies ein Gemeinschaftsprojekt zur Verschönerung der Gemeinde war.

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Weitere Sprüche wollten von mir abgelichtet werden, auf einem Handlauf fanden sich Weisheiten zum Thema Bewegung.

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Weitere Wege hätten wir gehen können. Doch die große Frage zu den Lockdown-Zeiten ist nach wie vor, hauptsächlich als Frau: wohin in der Not mit der Notdurft? Bei Scharen von Fußgängern und kahlem Gestrüpp ist das ein sehr schwieriges Unterfangen. Dazu die Schichten von Kleidung – da hat ein Mann – sprich mein Mann – es wesentlich einfacher! Und somit haben wir uns auf den Weg Richtung Heimat gemacht, mit dem eigenen heiligs Blechle, obwohl ich diese Tramperstelle doch zu schön fand.

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Wie gesagt, Richtung Heimat haben wir uns aufgemacht…

“Hoimed isch
ned bloß a Word,
Hoimed isch
ned bloß a Ord –
Hoimed isch
dr Schdandord vom Herza“
(Michael Wahl)

Bis demnächst einmal wieder – aus der Heimat, aus der Fremde – Gruß Karin

Früher war mehr Lametta,

dieses Jahr ist der Baum grün und umweltfreundlich!

So war es nicht nur 1978 bei Loriot und seinen Hoppenstedts – nein, 42 Jahre später trifft dieser Ausspruch auch auf unseren Christbaum zu. Denn Lametta ist schon lange verpönt, obwohl ich sagen muss, dass der silbrige Lichterglanz, der sich in den spärlich verteilten Metallfäden spiegelte, auch nicht ohne war. Zweifler werden nun meinen, dass ein mehrfach benutzter Kunstbaum allemal umweltfreundlicher ist, als ein echter. Ich bin der Meinung, dass wir mit unserem taiwanesischen Kunstbäumchen das uns über 20 Jahre begleitete, mehr als umweltfreundlich unterwegs waren und wir nun schon das zweite Jahr einen echten Baum aus heimischem Anbau mehr als vertreten können. Dazu wird das Tannengrün nach dem Abräumen klein geschnitten im Kompost landen und der Stamm als Brennholz dienen.

2020-24-12

Doch zurück zur Weihnachtsthematik. Der Baum steht, die Wohnung ist geschmückt, der erste Schnee ist schon wieder geschmolzen, die Gans ist eingekauft, die Beilagen werden sich irgendwo im Keller in den Vorräten finden, Plätzchen wurden dieses Jahr keine gebacken, dafür schon Apfelbrot und Quarkstollen vertilgt, das liebe Kindlein bereits seit April im elterlichen Haus im Homeoffice einquartiert, Geschenke – so wie ich es mitbekommen habe – sind wohl auch vorhanden, der Heilige Abend und die anschließenden Festtage können kommen!

Und ja! Früher war mehr Lametta, sprich mehr Glitzer, mehr Vorfreude, mehr Spannung, mehr strahlende Kinderaugen, mehr Ruhe, mehr Besinnlichkeit, mehr Singen und Musizieren unterm Weihnachtsbaum, mehr Ruhe, mehr Freude, mehr Schnee zu den Festtagen! Oder hab ich das als Kind nur so wahrgenommen? War da für die Hauptakteure nicht auch der Stress mit der Heimlichtuerei, dem heimlichen Basteln am Abend, den Einkäufen und dem heimlichen Einpacken und Verstecken? Der nicht so großzügigen Öffnungszeiten der Geschäfte und dem Erwerb des Baumes oftmals noch am Nachmittag des Heiligen Abends und dem anschließenden Schmücken? Doch wie war die Freude groß und die Augen riesig, wenn am Abend nach dem Ertönten des Glöckchens das Tuch vor der Glastür zum Wohnzimmer abgenommen wurde und wir Kinder hineindurften? Auch ich erinnere mich, dass ich diesen Brauch bei unserem Sprössling mit übernahm. Wie er den ganzen Tag am Fenster saß und unbedingt beoachten wollte, wie das Christkind über den Balkon ins Wohnzimmer kam? Und sich wunderte, dass ausgerechnet dann riesige Stiefeladrücke im Schnee sichtbar waren, während er doch nur ganz kurz im Badezimmer verschwinden musste…

Zurück zum Heute. Corona hin und her, wir haben überlegt und diskutiert und gerechnet ob wir die zulässige Personenanzahl nun einhalten können oder nicht, schließlich muss ja auch berücksichtigt werden ob jemand zum Haushalt gehörend ist oder nicht, unter oder über 14 Jahren alt ist… – was für ein Kuddelmuddel. Schlussendlich sind wir so verblieben, dass wir 3 allein zu Hause bleiben, keinen Besuch bekommen und auch wohl auch keinen abstatten und somit 100% Corona konform sind – na‘ wenn das mal nicht löblich ist!

In diesem Sinne, bleibt mir ja gesund und munter. Denjenigen die bis jetzt leider nicht so glimpflich davon kamen, wünsche ich auf Ihrem Weg der weiteren Genesung alles Gute!

Hoffe wir sehen uns 2021 hier und da in fröhlicher Runde wieder, wünsche euch alles Liebe und ein schönes Weihnachtsfest, verregnete Grüße aus Lorch

Karin und Familie

Natur, Kunst und Besinnung

Nachdem wir nun schon länger die Tage nur im Haus und im Garten verbrachten, war es Zeit für eine größere Wanderung. Der Schnee, der uns zum 1. und 9. Dezember freudig überraschte, war inzwischen weggeschmolzen, nasskalte Schmuddeltage waren überstanden und bevor zu den Weihnachtstagen die nächste Regenwelle anrollt, haben wir gestern noch das wunderschöne Wetter genutzt und sind einer Empfehlung meiner Schwester gefolgt und haben uns in Gschwend-Rotenhar auf den sogenannten weiterweg begeben. Falls ihr dieses Foto nicht öffnen und somit besser lesen könnt, gebe ich euch den Text hier wieder, damit euch bewusst wird, was man darunter versteht.

Der weiterweg ist ein Walderlebnispfad der besonderen Art. Er ist eine Mischung aus Kunstpfad und Besinnungsweg. An 10 Stationen werden die Besucher inspiriert, über zentrale Fragen des Lebens nachzudenken. Breitere und schmalere Wege erhöhen die Achtsamkeit für die Natur. An jeder Station finden Sie ein Kunstwerk und zwei Texttafeln. Auf der einen Tafel sind Texte mit Lebensweisheiten zu lesen, auf der anderen solche mit christlichem Inhalt. Der Weg wurde durch die Graf von Pückler und Limpurg’sche Wohltätigkeitsstiftung im eigenen Wald realisiert. Die künstlerische Konzeption und die Gestaltung der Stationen erfolgten durch den Tübinger Künstler Martin Burchard.

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Der Weg ist ca. 5 km lang. Je nachdem wie lange man sich an den einzelnen Stationen oder mannigfaltigen Sitzgelegenheiten niederlässt, das selbstmitgebrachte Vesper verspeist oder nur still und ruhig dasitzt, kann der Besuch zwischen 1,5 und 3 Stunden dauern. Besonders zu beachten ist, dass es keine Grillstellen gibt, Feuer tunlichst zu vermeiden ist. Ebenso gibt es keine Mülleimer. Liebe Wanderer – nehmt euren Müll bitte wieder mit nach Hause! Sehr schön finde ich auch, dass es 3 Varianten des Weges gibt. Einen Fuß-, Rundwanderweg, einen Kinderwagenweg und einen für Menschen mit Einschränkungen. Fast überall sind die Varianten deutlich mit Tafeln versehen, an einigen Stellen gilt es achtsam zu sein und nach dem Wegverlauf Ausschau zu halten.

Logischerweise sind wir Zwei dem ganz normalen Rundwanderweg gefolgt. Bereits nach den ersten zurückgelegten Schritten kam ich mir vor, als betrete ich einen Eisschrank. Düster, nass, kalt und feucht war es und ich war mehr als froh, über meinen angelegten Zwiebellook und alles erdenklich Wärmende, was ich in meinem Rucksackl so verstaut hatte. Bald schon gelangten wir zur 1. Station, dem „Durchblick1“.

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Die Lebensweisheit sagt aus, dass zwar der Blick durch die bunten Fenster verlockend wäre, jedoch bekommen wir nur in der Mitte durch das größte Fenster den ungetrübten Blick auf das Wesentliche und das größte und wichtigste Kunstwerk – die Natur!

Tiefer ging es in den Wald hinein, Pforten weisen dem Spaziergänger den Weg. Der Wald wird abschnittsweise sich selbst überlassen, hier fallen die Stämme wie Mikadostäbe zusammen.

Nach dem 1. Streich folgte der Zweite. Wir waren im Tal der Stille angelangt. Leider verwechselte mein (Y)Jogi den Baumstammkreis mit dem Steinkreis aus dem Film Outlander und war verwundert, dass er sich beim Berühren des Stammes noch nicht auf Zeitreise begab. Ooommm!

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Im Tal der Stille rückt die Unruhe des Alltags in die Ferne. Sie dürfen hier zur Ruhe kommen. Hier gibt es Bäche, kleine Tümpel, Moose, Gräser und Bäume, die alles überwölben. Die Betrachtung der Natur kann in die Stille führen: Schließen Sie die Augen, konzentrieren Sie sich auf Ihren Atemrhythmus und verbinden Sie ihn mit einem Leitwort, einer Leitmelodie oder einem meditativen Gedanken. Zwei kurze Stichwege führen zu schönen Meditationsplätzen mit sieben bzw. zwölf Sitzplätzen.

Nach einem längeren Wegstück kamen wir zum großen Tisch des Friedens – das große Abendmahl. 16 Meter Länge und Platz für 55 Personen! Hier wollte ich mich eigentlich mittig niederlassen und unser mitgebrachtes Vesper verzehren. Doch als mein Göttergatte den Tafeltext las meinte er ganz lapidar, da wäre es mit seinem Frieden vorbei, wenn er sein einzigstes Wurstbrötchen und seinen Becher Kaffee noch mit jemandem teilen sollte und somit gingen wir weiter. Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. Doch ehrlich gesagt hatte ich auf die klitschnasse und moosverschmierten Holzmöbel auch nicht so recht Lust. Ich wusste ja nun, dass sich hier zahlreiche Möglichkeiten ergeben würden, wo wir unser Klappkissen drauflegen könnten.

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Direkt nebenan befinden sich „der enge Weg und „der weite Weg“. Solltet ihr hierher kommen, bitte informiert euch nicht vorher an den Infotafeln über diese Station sondern geht spontan den jeweiligen Weg, den euer Herzen euch vorschlägt. Erst im Nachhinein dürft ihr lesen oder euch selbst Gedanken dazu machen.

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Nach der angekündigten Vesperpause mit Schinken-Käse-Brötchen, Mandarine, Kaffee und Keksen, ging es bergab weiter durch den verzauberten Wald. Schluchten und Täler, Anhöhen mit Sitzbänken, moos- und laubbedeckter Waldboden – so schön!

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Es folgte Station 6, der Teich.

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Dieser Teich ist ein Sinnbild für ein Leben in Balance. Auf der einen Seite braucht er frisches Wasser, das hereinfließt und auf der anderen Seite Wasser, das wieder abfließt. Ohne dieses Gleichgewicht von Zufluss und Abfließen kippt der Teich um. Auch wir Menschen brauchen diese Balance von Geben und Nehmen / Empfangen. Bekommen wir zu wenig, so trocknet unser kleines Lebenswasser langsam aus. Geben wir nichts her, so entsteht eine Stauung, die Lebendigkeit verhindert. Der Teich, den Sie hier sehen, ist Ruhe und Bewegung zugleich.

Beim Lesen musste ich doch schmunzeln und an Jogis Wurstsemmel denken. Eigentlich gibt er ja gerne… wenns nicht grad um sein Wurstbrot geht.

Auf der Ruhebank verweilten wir einige Zeit und genossen diese mystische Stimmung abermals. Dann viel uns der Baumstamm, direkt vor unserer Nase auf. Überwuchert mit Baumpilzen.

Bereits etwas müde mussten wir weiterziehen, ich sah kein Hinweisschild und war mir nicht ganz sicher wohin des Weges. Mein zweifüßiger GPS führte mich bergan und konnte es wieder einmal nicht lassen, mich auf meinen desolaten Orientierungssinn aufmerksam zu machen – wie wenn er dies nach 28 Jahren nicht wüsste! Frau muss nicht alles können…

Unterwegs abermals gigantische Ausblicke und allerhand Schönes, was hier gestaltet wurde.

Plötzlich traten wir aus dem Dickicht heraus auf einen breiten Weg und schon war auch die nächste Station sichtbar, der „Ring der Dunkelheit“ oder christlich ausgedrückt „Karfreitag“.

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Die Lebensweisheit meint dazu: Täglich erleben wir die Veränderung von Tag und Nacht. Auch das Leben ist ein Wechselspiel von Licht und Dunkelheit, von Freude und Leid. Und plötzlich – vielleicht durch ein Ereignis ausgelöst – befinden wir uns mitten im Ring der Dunkelheit. Alles ist schwarz. Wir sind eingekreist. Der Blick in den Himmel ist voller Stacheldraht. Auf Augenhöhe gibt es keinen Durchblick nach draußen. Vor lauter Schmerz geht der Blick für den Weiterweg verloren.

Direkt gegenüber ein Farbklecks im Regenbogenspektrum zum sonstigen Ton-in-Ton. Die „Himmelsleiter“ oder christlich „Ostern“.

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Der Weg führte weiter, unser Ziel musste nahe sein, denn der Straßenlärm den wir eigentlich die ganze Zeit auch tief im Wald hörten, wurde lauter. Im Frühjahr und Sommer, wenn die Bäume ihr dichtes Blattwerk tragen und die Vögel mit ihrem Gesang die Gemüter erhellen, dürfte eigentlich nichts weiter zu hören sein.

Und da waren sie, die „Leitplanken des Lebens“. Wie gut hätten wir diese in unserem Garten zur Hangabstützung brauchen können – dies war mein 1. Gedanke! Ich weiß, bei diesem Ausspruch habe ich den Sinn und Zweck dieses Weges komplett missverstanden. Aber so war es!

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Obwohl, wenn ich den Weisheitstext dazu lesen, bin ich nicht allzu weit davon entfernt.

Stellen Sie sich bitte eine Passstraße mit Leitplanken vor. Die Leitplanken bewahren Sie vor dem Sturz in den Abgrund. Kleine Unfälle, Dellen und Kratzer gehören wohl dazu. In allen menschlichen Gemeinschaften gibt es Leitplanken in Form von Regeln und Gesetzen, welche die Menschen vor dem Absturz bewahren. Lassen Sie sich schützen! Halten Sie sich an die Spielregeln. Niemand, dem das Leben lieb ist, stürzt sich freiwillig in den Abgrund. Nutzen Sie die Leitplanken, die Ihnen einen geschützten Weg durch das Leben ermöglichen.

Der christliche Impuls beschreibt natürlich die 10 Gebote, von denen die Leitplanken linker Hand auch umrahmt werden.

Wir Christen sind der Lust am „Immer-mehr-Wollen“ genauso ausgesetzt, wie alle anderen Menschen. Aber wir wissen, dass gute Beziehungen zu Gott und den Menschen wichtiger sind, als alles andere auf der Welt. Die Übertretung von Geboten gefährdet und zerstört letztendlich diese Lebensgrundlage.

Ein längeres Stück ging es wieder durch den Wald, bergab, bergauf, bis die letzte Station sichtbar wurde, der „Durchblick2“.

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Hier am Ende des weiterweges stellt sich nun die Frage: Hat sich Ihr Durchblick verändert? Wie geht es mit Ihnen weiter auf Ihrem persönlichen Weiterweg? Hat Ihre Wanderung auf dem weiterweg Sie weitergeführt? Sehen Sie nun sich selbst, die Menschen und die Welt etwas anders?

Dies liebe Leser, dies dürft ihr euch selbst beantworten, solltet ihr diesen Weg einmal gehen.

Wir hatten auf jeden Fall stundenlang Bewegung in bester Waldluft wobei wir 4 km zurückgelegt haben, zusammen und jeweils über den anderen gelacht, geredet, gemeinsam Stille genossen, unser Mittagsmahl ohne Gäste verspeist, geistige Verzückungen anhand der Natur erfahren und ein weiteres Stückchen unserer Heimat erkundet.

In diesem Sinne, bleibt in der Heimat, am besten zu Hause und hoffentlich gesund, bis zum nächsten Mal

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Gruß Karin

So weit die Füße tragen

Glücklicherweise ging es uns nicht wie dem Kriegsgefangenen der nach dem 2. Weltkrieg aus einem sibirischen Gefangenenlager nach Hause flieht, so lautet zumindest der bekannte Romantitel aus dem Jahr 1955 der auch später dann als Filmvorlage diente. Nein, wir wollten ganz lapidar am Sonntagmorgen um 10.30 Uhr bei schwäbischen knackigen 2 Grad plus abermals das herrliche Wetter ausnützen und uns etwas die Beine vertreten. Dass daraus eine stundenlange Wanderung werden würde auf der wir stattliche 9 km zurücklegen und leider heute noch mein Knie darüber etwas mürrisch reagiert – das hätten wir im Leben nicht gedacht. Doch leider muss ich auch gestehen, dass mein menschliches Bedürfnis meiner Blase nach 2 Tassen Frühstückskaffee, die coronabedingte Schließung von Cafés und Restaurants und meine Auswahl des stark frequentierten Wanderweges daran Schuld waren, dass unser Fußmarsch so gar keine Ende nehmen wollte und konnte und ich dann letztendlich auf dem Friedhof (wieder einmal!) Zuflucht und Erlösung fand – doch der Reihe nach:

Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, unbedingt einmal die Klepperle-Trasse um Schwäbisch Gmünd herum zu bewandern. Die alte Bahnverbindung von Schwäbisch Gmünd, vorbei an den Kaiserbergen Rechberg und Hohenstaufen bis nach Göppingen war von 1911-1984 eine der berühmtesten Panorama-Bahnstrecken im Ländle, war sie doch sensationell steil und eng. Im Volksmund nannte man das Zügle Klepperle, jedoch nur in Gmünd, denn in Göppingen wurde die Nebenbahn Josefle und hinter vorgehaltener Hand auch Rosenkranzexpress genannt. Für die protestantischen württembergischen Nachbarn war die katholische Prägung der ehemaligen Reichsstadt Gmünd wohl namensgebend. Gmünd war mit ihrem Klepperle sehr verbunden, somit kein Wunder, dass die weltberühmte Firma Märklin nicht nur in Göppingen zu Hause war, auch in Schwäbisch Gmünd bot das Märklin-Werk in der Wilhelmstraße bis zu 200 Menschen Arbeit. Nach der Stilllegung der Hohenstaufenbahn entstand auf der Trasse zwischen dem Rems- und dem Filstal ein beliebter Rad- und Wanderweg. In Verbindung mit weiteren Wegen ergibt sich somit ein Netz an Freizeitmöglichkeiten die bequem zu Fuß, mit dem Rad, Kinderwagen u.ä. zumindest z. T. zu bewältigen sind. An das besagte Klepperle kann ich mich aus meiner Jugendzeit überhaupt nicht mehr erinnern, momentan stehen Überlegungen an, auch diese Bahn wieder zu reaktivieren – mal schauen was die Zeit so bringt.

Das Auto wurde in Gmünd Ende Eutighoferstraße / Anfang Goethestraße geparkt und an der alten Brückenverbindung begann der Marsch bergauf. Ungewöhnliche traumhafte Ausblicke boten sich, auch waren wir erstaunt, wie viele Menschen bereits am Sonntagmorgen radfahrend oder joggend unterwegs waren. An der ehemaligen Haltestelle Stadtmitte befindet sich eine Übersichtskarte des Rad- und Wandernetzes. Hier ist wirklich einiges geboten. Auch ist erwähnenswert, dass stets Wege hinab Richtung Stadt führen.

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links im Hintergrund das Müster, vorne das Parler-Gymnasium,

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Weiter ging es bis zur Kreuzung Rechbergstraße, die von Gmünd nach Straßdorf führt.

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Kurz darauf folgte dann auch schon der Südbahnhof. In den 1990er Jahren noch als Restaurant und Biergarten in Betrieb, ist diese Lokalität leider schon einige Jahre geschlossen und wird privat genutzt.

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Der Südbahnhof


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Der Zauberer und die Hex

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Weiter ging der inzwischen für mich sehr beschwerliche Weg, immer mit einem Blick zur Seite ob sich eine Möglichkeit ergeben würde, die Büsche der Umgebung näher unter die Lupe zu nehmen, doch vergebens, zu viele Artgenossen waren unterwegs.

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links der Königsturm

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Blick von links vom Salvator bis rechts nach Bettringen

Machte es Sinn umzukehren und auf dem schnellsten Wege zur Tankstelle zu fahren? Joachim befragte das Internet und studierte ausgiebig die reich beschilderten Wegweiser und meinte dann, die Trasse zu verlassen und bergab bis zum Dreifaltigkeitsfriedhof zu gehen.

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Wegweiserstudium

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gleich da unten ist die Aussegnungshalle

Dort war ich mir wiederrum sicher, dass die Toiletten geöffnet hatten, denn Jogis Eltern und weitere Verwandte fanden dort alle ihre letzte Ruhe, dort kenn ich mich aus. Gesagt, getan. Bergab ging es mit kleinen Trippelschritten, da sahen wir noch diese kleine niedliche Dreifaltigkeitskapelle – Notdurft hin oder her – diese musste noch unbedingt abgelichtet werden.

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Dreifaltigkeitskapelle von Debler

Dann an der Hauptstraße entlang, schon tausend Mal diese Brücke überquert, immer mit dem Auto, nie zu Fuß und somit diesen schönen Blick auf den Waldstetter Bach abgelichtet,

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dazu noch die Kreiselanlage direkt am Dreifaltigkeitsfriedhof, wo das Einhorn Wache hält – das Wappentier von Schwäbisch Gmünd.

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Flugs über die Straße und schon war der rettende Friedhof mit seinem beheizten Toilettenhäuschen zu Diensten – ich muss nicht mehr erwähnen! Danach noch ein Besuch bei Schwiegereltern, Tante und Onkel und zurück ging der Weg der Straße entlang. Das Knie machte sich bemerkbar, auch die Lust aufs Wandern war nicht mehr allzu groß. So ein Pech aber auch, dass es nirgends ein gemütliches Plätzchen für einen Kaffee oder dergleichen gab. Aus den Häusern waberten Küchendüfte. Wir erschnüffelten Braten mit Spätzle und Soß‘, dann wieder Bolognesesoße, Würstchen und Pommes – und wir setzen stur einen Fuß vor den andern. Somit ging die Route entlang der Weißensteiner Straße bis auf die Waldstetter Brücke wo dieses schöne Bild vom Josefsbach, der Seilbrücke und der Turmuhr vom Parler-Gymansium zu Stande kam.

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Natürlich musste ich auch über diese Brücke gehn‘

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und anschließend wanderten wir dann am Ufergraben entlang, bewunderten die dortigen Enten und Kunstobjekte und

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Der Drache von Diane Herzogin von Württemberg

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nutzen jedes Ruhebänkchen bis wir dann auf die Idee kamen, im Frühstückslokal Stadtvilla einen Kaffee und etwas Süßes zu kaufen und auf den kommenden Parkbänken eine längere Rast einzulegen. Hmmh! Was war das warme Getränk himmlich! Nach wie vor war es sehr kalt, auch der Berliner schmeckte göttlich, die Sonne im Gesicht, warm eingepackt und die vielen Spaziergänger beoabachtend sammelte ich Kraft für die letzten Kilometer.

Am Kroatensteg verweilten wir vor der Treppe, die an die ehemalige Synagoge von Schwäbisch Gmünd erinnert,

auf dem Steg selbst noch einmal, weil’s gar so schön ist, Fotos nach links und rechts.

Über die Katharinenstraße und Schwerzerallee gelangten wir dann letztendlich wieder zu meinen Chiliflitzer. Dieser brachte uns nach Hause wo ich mich umgehend mit Kühlakku um 14.45 Uhr aufs Sofa legte und erst einmal den Spielfilm Heidi ansah, mich dabei erholte und darüber nachsann, wann wir den nächsten Abschnitt der Klepperle-Trasse erkunden können. Wenn das Wetter traumhaft bleibt und meine Füße mich so weit tragen, vielleicht bald.

Bis dahin, eure Karin

Kunstvolle Wegbegleiter

Diese Woche führte unser Freiheits- und Bewegungsdrang in den Schwäbisch Gmünder Stadtteil Straßdorf. Vor einigen Wochen wurde in der Tagespresse ein Artikel über „Wege zur Kunst“ veröffentlicht und dies machte mich neugierig.

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Hierbei handelt es sich um eine Dauerausstellung entlang den Wanderwegen der Straßdorfer Hochebene. Mit atemberaubenden Ausblicken auf blühende Herbstfelder und die 3 Kaiserberge Stuifen, Rechberg und Hohenstaufen.

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Ebenso auf Waldstetten, den Rosenstein und Heubach, hinüber nach Bettringen und hinab nach Schwäbisch Gmünd bis in das Remstal. Ausgestellt sind momentan ein gutes Dutzend Skulpturen, wobei wohl noch weitere folgen werden. Schaffenswerke die z.T. speziell für den Standort angefertigt wurden, jedoch auch ältere Objekte die eine Verbindung des Schaffenden mit der Stadt inne haben oder hatten. Ich weiß, Skulpturenwege oder dergleichen gibt es momentan viele, doch diesen finde ich wegen seiner Lage und der verschiedensten Exponate besonders. Zu bedauern ist es allerdings, dass die Wegbeschreibung etwas zu wünschen übrig lässt. Lediglich ein verblichenes Hinweisschild an der Einhornstraße führt in den Laawiesenweg, bei dem sich der Wanderparkplatz befindet. Der Spaziergänger wird dann jedoch auf dem weiten Feld sich selbst überlassen und der Ortsunkundige irrt somit etwas hin und her. Daher ist es ratsam, die Website des Förderverein Straßdorf e.V. im Vorfeld kurz zu Rate zu ziehen, damit man im Bilde ist, wo sich die Skulpturen im Einzelnen befinden. Denn auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei der Marienkapelle am Ortseingang von Schwäbisch Gmünd kommend, führt der Weg entlang des Neubaugebietes an weiteren Werken vorbei.

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Die barocke Marienkapelle, leider war sie geschlossen. Kleeblattförmige Wendelinskapelle von 1719.

Auch in der Ortsmitte befinden sich weitere Objekte, dies habe ich jedoch erst bei der Recherche im Nachhinein erfahren. Auf der Website finden sich auch nähere Infos zu den Künstlern und ihren Werken.

Doch hier nun einige der Ausstellungsstücke, im Hintergrund ist dann auch jeweils die Landschaft zu sehen. Viel Spaß!

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Enden möchte ich mit einem Edelstahlguss von Eckhart Dietz aus dem Jahr 2002, welcher es mir besonders angetan hat. Ehrlich gesagt nicht unbedingt das abstrakte Werk an sich, sondern der Titel

„Sieh‘ doch im Osten, das Morgenrot“!

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Bis zum nächsten Erlebnis, ob im Osten oder Westen, beim Sonnenuntergang oder -aufgang?

Grüße, Karin

Zusatz am 19.11.20: Gestern kam in unserer Tagespresse nochmals ein Artikel.

Die Völker unter der Erde

Wie im vorherigen Beitrag versprochen, erfolgt hier der zweite Streich unseres Ausfluges am vergangenen Sonntag. Unser Ziel war ebenso in der Nähe von Aalen, im Ortsteil Waldhausen-Beuren. Dort befindet sich das 24 Hektar große Naturschutzgebiet Dellenhäule mit einer der schönsten Heiden der Ostalb und einer der größten Ameisenstädte Mitteleuropas.

Der Name Dellenhäule kommt von den Dellen im Boden, den unsere Vorfahren beim Abbau des feinen Silbersandes hinterließen. Schutzzweck ist die Erhaltung der Wacholderheide als Schafweide und Wald mit lichtem Bestand aus Wacholder-, Mehlbeere-, Eschen- und Buchengehölz, Rosen- und Sohlengebüsch mit einzeln stehenden alten Weidbuchen.

Den sicheren Grund, warum sich hier ausgerechnet Ameisen angesiedelt haben, kennt man nicht. Vermutlich die besonderen Bodenbeschaffungen, die ideale Bedingungenen für die fleißigen Krabbler schaffen. Der im Boden vorhandene Sand ist leicht und stabil zugleich. Perfekt für Gänge und Hügel. Die Hügelnester können aufgrund der großen Oberfläche viel Sonnenlicht aufnehmen und die somit gewonnene Wärme speichern. Die Kuppel schützt zudem vor Regen und Kälte.

Kein Wunder, dass hier 22 Völker siedeln die eine stattliche Einwohnerzahl von etwa 300 Millionen Emsen aufweisen. Ich weiß gar nicht, wohin ich schauen soll, mehr als 10.000 Ameisenhügel sollen sich hier befinden, manche wachsen bis zu 50 Zentimeter in die Höhe.

Noch lange könnte man hier auf dem weichen Waldboden spazierengehen oder entlang des Radweges gehen. Doch mein Ziel waren die Hügel, zumal waren wir schon ziemlich lange unterwegs, die Mägen knurrten und aufgrund Corona war an eine Einkehr zum Sonntagsessen nicht zu denken.

Somit fuhren wir nach Hause und warfen den Grill an, warm verpackt aßen wir nochmals draußen auf der Terrasse.

Die Ameisenhügel sollen übrigens am besten im Winter zu sehen sein, wie mit Puderzucker bestäubt, doch ich finde, auf meinem heutigen Lieblinsfoto sind diese auch ganz wunderbar zu sehen.

Man darf also gespannt sein, über was ich hier als nächstes schreibe.

Bis dahin, bleibt gesund,

Gruß Karin

Das Viadukt in Unterkochen

Am letzten Sonntag nutzten wir abermals das wundervolle Herbstwetter für einen Ausflug in der Region, genauer gesagt führte uns der Weg nach Unterkochen bei Aalen. In einem Magazin für Gäste, Urlauber und Ostälbler habe ich noch so einige unbekannte Ausflugsziele entdeckt, die es nun zu erkunden gilt.

Da ich mit Joachim unterwegs war hätte ich mir eigentlich denken können, dass wir nicht einfach der Wegbeschreibung des Heftes folgen, nein – mein menschenscheuer Gatte wollte bei diesen traumhaften klimatischen Wetterverhältnissen anscheinend unbedingt allein unterwegs sein, was sich angesichts der sehr vielen Wanderer und Spaziergänger etwas schwierig gestaltete. Nach der 35km langen Fahrt wurde das Auto am Parkplatz des alten Sportplatzes in Unterkochen geparkt und dann ging es sprichwörtlich querfeldein, denn auf dem Fußweg befanden sich ja – Oh Schreck welch ein Graus! – bereits einige Spaziergänger. Entlang des dahinplätschernden kristallglasklaren Weißen Kochers und vorbei an der Kneippanlage ging es dann bergauf auf den Wanderweg durch den Wald. Da die Beschilderung etwas zu Wünschen übrig ließ und wir notgedrungen wandernde Artgenossen nach dem Weg fragten, wurde mir bewusst, dass dieser Ausflug etwas länger dauern könnte. Zum Glück hatte ich gut gefrühstückt, eine große Wasserflasche im Rucksack und was frierende Frau sonst noch bei einem Ziel unbekannter Art so brauchen könnte. Wir befanden uns nun zunächst einmal auf der Route zum Kocherursprung. Entlang auf gut ausgebauten Wegen folgten wir im Wald immer bergauf dem Pfad entlang. Am Kocherursprung war kein Wasser zu sehen, ich fand diesen auch sehr unspektakulär, zudem gingen mir auch die vielen Menschen gegen den Strich und somit fotographierte ich bis dahin auch nicht. Erst als wir uns schweißtreibend auf die Anhöhe hinaufgearbeitet hatten und etwas verschnaufen konnten, holte ich mein Handy aus der Tasche. Vor uns lag zu beiden Seiten ein breiter ebener Weg, übersät mit Herbstlaub in allen erdenklichen Farbtönen. Da nun auch ältere Menschen mit Walkingsstöcken, Jogger, Fahrradfahrer und kinderwagenschiebende Eltern den Weg kreuzten, war uns klar, dass diese alte Bahntrasse, die sich als ausgebauter, komfortable Wanderweg entpuppte, auch einen bequemeren Zugang haben müsste. Sicherheitshalber fragten wir nochmals nach dem Viadukt und los ging das Spazierengehen durch das raschelnde trockene Laub. In Kindertagen fühlte ich mich zurückgesetzt, wo man mit den Füßen die Laubschichten hochstieß und dieses typische Rascheln erzeugte.

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Unmittelbar kurz vor dem Viadukt kam dieser Felseinschnitt. Wenn man nicht weiß, was einen darin erwartet, mutet dieser Blick gespenstisch an.

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Und dann lag es vor uns. Majestätisch und mächtig. Das Viadukt der alten Härtsfeldbahn, insgesamt 85 Meter lang, ca. 25 Meter hoch mit 4 Bögen von je 15 Metern Breite.

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Im Jahr 1900 von 700 Arbeitern errichtet, die Hälfte davon italienische und österreichische Gastarbeiter. Zugleich musste auch das 2. große Bauprojekt der Härtsfeldbahn verwirklicht werden, der 96 Meter lange Wallenhau-Tunnel oder auch Kocherburgtunnel genannt. Derzeit ist der Tunnel verschlossen und zugemauert. Am 31.10.1901 konnte schließlich der reguläre Zugbetrieb auf dem Abschnitt Aalen-Neresheim-Balmertshofen aufgenommen werden. Jedoch endetet der Personenverkehr am 30.09.1972, der Güterverkehr 2 Monate später, schlussendlich wurden die Gleisanlagen demoniert. Wie schön nostalgisch wäre es, mit der „Schättere“, wie die alte schmalspurige Härtsfeldbahn im Volksmund genannt wird, von Aalen über Neresheim bis Dillingen/Donau komplett zu fahren. Beim Recherchieren stoß ich auf die Website vom Verein der Härtsfeld Museumsbahn. Hier könnt ihr nachlesen, wie der gegründete Verein wenigstens z. T. die Eisenbahngeschichte aufleben lässt.

https://www.hmb-ev.de/

Beeindruckende Blicke ergeben sich von der Brücke hinab auf den Weg zurück in den Ort, oder auch auf die Anhöhe, wo die kahlen Baumstämme streichholzgleich im Boden stecken.

Diesen Herbst erlebe ich sehr intensiv, die denke das erste Mal überhaupt. In den vielen Jahren im Ausland sowieso nicht und letztes Jahr um diese Zeit waren wir mit unserem Umzugsgut beschäftigt. Umso schöner, dass das Wetter derzeit mitspielt und daher war dies nur der erste Streich, der nächste folgte zugleich.

Bis gleich, Gruß Karin

Der Leonhardsfriedhof…

in Schwäbisch Gmünd war vorletzten Samstag bei schönstem Herbstwetter mein Ausflugsziel. Ja ich weiß, nicht unbedingt die erste Adresse für Ausflüge, doch die Volkshochschule lud zu einer Führung ein und da ich ja schon des öfteren erwähnte, dass mich ein Friedhof in eine ruhige und friedvolle Stimmung versetzt und ich diese Begräbnisanlage noch gar nicht kannte, war ich natürlich mit dabei. Aufgrund Corona mit Mund-Nasen-Maske und auf ausreichenden Abstand zu den anderen Teilnehmern bedacht, schlenderten wir über 2 Stunden lang an den Grabanlagen vorbei, wobei ich sagen muss, dass wir meistens standen und den interessanten Ausführungen der Stadtführerin Marlene Grimminger lauschten.

St. Leonhard, ein Friedhofskomplex östlich der Altstadt gelegen, eingebettet zwischen B 29 und Remsbahn, bestehend aus dem Leonhardsfriedhof, der gotischen Leonhardskirche und der nachgotischen Herrgottsruhkapelle.

Wie fast in ganz Deutschland, so herrscht auch in Baden-Württemberg Friedhofszwang. Diese über 200 Jahre alte Vorschrift stammt aus einer Zeit, in der nur im Sarg bestattet wurde und man aus Seuchenschutzgründen sicherstellen wollte, dass nur auf dafür vorgesehenen Flächen bestattet wird. Dies sollte sich bei Feuerbestattungen eigentlich erledigt haben, doch das Gesetz hält nach wie vor daran fest. Auch wenn immer wieder an der Auflösung dieser Vorschrift gerüttelt wird. Bremen hat dies geschafft, dort darf z. B. die Asche eines Verstorbenen im eigenen Garten oder unter bestimmten Voraussetzungen im öffentlichen Raum verstreut werden. Doch zurück zu der Stadt Schwäbisch Gmünd und seinen Stadtteilen, die zusammen über 13 Friedhöfe verfügen, wobei inzwischen alle städtisch sind. 17 verschiedene Bestattungsformen werden angeboten, wobei nicht auf allen Friedhöfen alle Varianten zur Verfügung stehen. Seit 1963 erlaubt auch die katholische Kirche die freie Bestattungsform. Ebenso herrscht im Gmünder Stadtraum freie Friedhofswahl und jährlich finden ungefähr 700 Beisetzungen statt. Inzwischen sind dies mehrheitlich Urnenbestattungen. Die Liegezeiten für Urnengräber betragen 15 Jahre, für Erdbestattungen 25. Heutzutage spricht man von einer Grabauflösung, nicht von einer Räumung. Der Gedenkstein oder das Kreuz wird abgenommen, die verbliebenen Überreste werden gesammelt und kommen in einer extra Schicht ganz tief unten ins neu zu belegende Grab. Früher gab es für die ausgegrabenen Knochen ein Beinhaus. Der Zugang zum früheren Beinhaus, einer unteridischen Gewölbeanlage, ist auf dem Leonhardsfriedhof nur noch an einer bodenebenen Abdeckplatte aus Edelstahl erkennbar.

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Der Friedhof besteht seit dem 14. Jhrd. und zählt somit zu einem der ältesten Deutschlands. 1802 verlor Schwäbisch Gmünd den Status der freien Stadt und die bis dato hauptsächlich genutzten innerstädtischen Friedhöfe rund um das Heiligkreuzmünster und die Johanniskirche wurden aus Platz- und gesundheitspolizeilichen Gründen aufgelöst und nun wurde außerhalb der Stadtmauer auf dem 1542 eingeweihten städtischen Leonhardsfriedhof bestattet. Dieser wurde bis dahin als zusätzlicher Friedhof vor allem für die vielen Pest- und Siechenopfer genutzt. Das erste nachweisbare Begräbnis fand hier übrigens schon 1477 statt. Nach und nach wurde der Leonhardsfriedhof erweitert, doch nach dem 2. Weltkrieg war die Kapazität nicht mehr ausreichend und der Dreifaltigkeitsfriedhof, südöstlich der Stadt gelegen und bedeutend größer, wurde eröffnet.

Der Heilige Leonhard, Schutzpatron der Gefangenen und Bauern, aber auch der Gmünder Sensenschmiede. Dies auch deshalb, da die Herstellung und der weite Vertrieb von Gmünder Sensen maßgeblich zum Ansehen und Wohlstand der freien Reichsstadt beigetragen hat.

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Steininschrift     Ketten zu Sensen    Jesaja 2,4

Die Kirche wird erstmals 1345 urkundlich erwähnt und war damals vor den Toren der Stadt für die Pilger, Wallfahrer und Besucher errichtet worden und wohl auch aus vorhandenen Opfer- und Spendengeldern finanziert worden. Erst 1542 wurde sie zur Friedhofskapelle. Linker Hand ist das Meßnerhaus mit angebaut, heute befindet sich dort auch die öffentliche WC Anlage.

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An der Rückseite der Kirche finden sich Gedenktafeln der alteingesessenen einflußreichen Familien Stahl. Die ganze Chronik und die Verknüpfung zu weiteren Würdenträgern der Stadt wurde uns darüber erzählt, leider viel zu viel um sich später im Einzelnen daran zu erinnern.

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Über die Herrgottsruhkapelle kann ich hier keine Auskunft geben, diese wurde nicht thematisiert, wird nicht von der Stadt verwaltet.

Die Aussegnungshalle und Aufbewahrungsräume, umgangssprachlich Leichenhalle, liegt im Norden der Anlage, direkt an der Bahnlinie. Im Jahre 1828 wurde die Beisetzung in Reihengräbern eingeführt und ein kreuzförmiger Weg angelegt, der den Friedhof in 4 Teile gliedert. Für das Aufbewahren der Toten stand eine offene Remise zur Verfügung. Da jedoch größtenteils die Verstorbenen bis zur Beisetzung zu Hause aufgebahrt wurden, wurde diese kaum genutzt. Nur in den weniger seltenen Fällen von Platzmangel oder bei Seuchen wurden die Toten außer Haus gebracht. Erst 1885-1887 wurde eine Leichenhalle errichtet. Das besondere an diesem Gebäude ist, dass in einem Aufbewahrungsraum eine Heizung eingebaut wurde. Damals glaubte man noch an den Scheintot, da nachweislich ein Fall domumentiert wurde, indem jemand begraben wurde und aus dem Sarg Klopfgeräusche vernommen wurden. Sollte nun also ein Totgeglaubter zum Leben erwachen, dann sollte er in dem Aufbewahrungsraum nicht erfrieren, darum die Heizung.

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Nimmt man den westlichen Eingang über die Friedhofstraße, gelangt man zum Ort der Ruhe. Im Zuge der Remstalgartenschau 2019 wurde rund um eine Wasserstelle ein Platz zum Innehalten angelegt. Die Kreise stehen für Zeitlosigkeit ohne Anfang und Ende, die Mitte gilt dem Gedenken, der Trauer und der Ermutigung.

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In direkter Nachbarschaft reihen sich die historischen Grabdenkmäler früherer Bürger der Stadt. Auch Sühnekreuze finden sich hier, wobei eines mit der Jahreszahl 1241 datiert ist.

Einen besonderen Platz nimmt das Kriegerdenkmal vom 06.08.1871 ein, welches an die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 erinnert.

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Auch den Gefallenen des I. und II. Weltkrieges wird ein besonderer Platz gewährt.

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Die Gefallenen des II. Weltkrieges

Das Ostlandkreuz vom Bund der Vertriebenen erinnert an die Opfer vom Krieg und der nachfolgenden Flucht und Vertreibung

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Desweiteren sind 16 sogenannte Russengräber zu finden. Gefangene und Zwangsarbeiter aus Russland – wobei nicht sicher ist, ob es sich um echte Gräber oder „nur“ Gedenksteine handelt.

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Natürliche dürfen die Geistlichen hier nicht fehlen, das Feld der verstorbenen Pfarrer

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und das der vielen Ordensschwestern.

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Auf diesem Friedhof wurden berühmte und bekannte Persönlichkeiten bestattet. Zahlreiche Straßennamen, Kreuzungen oder Gebäude wurden nach ihnen benannt. Bestimmt kann nun der eine oder andere Leser eine Verbindung zu bekannten Örtlichkeiten finden:

Folgende Aufstellung bestatteter Persönlichkeiten auf dem Leonhardsfriedhof habe ich hier komplett reinkopiert, die Quelle ist Wikipedia.

Johannes Buhl (1804–1882), Kaufmann, Turnpionier und Feuerwehrpionier.

Johann Baptist Bommas (1816–1893), Komponist und katholischer Pfarrer (Grabstätte aufgelöst; zuletzt 1959 bezeugt)

Anton Pfitzer (1818–1892), Stadtpfarrer und Heimatforscher

Julius Erhard (1820–1898), Fabrikant und Sammler

Adolph Untersee (1842–1893), Oberbürgermeister der Stadt und Landtagsabgeordneter

Bruno Klaus (1848–1915), Lehrer, Politiker und Heimatforscher

Paul Möhler (1852–1929), Zentrums-Politiker und Oberbürgermeister der Stadt

Karl Haußmann (1860–1940), Markscheider, Geomagnetiker und Hochschullehrer

Josef Bidlingmaier (1870–1967), Uhrenfabrikant

Alfred Boppel (1872–1951), Fotograf

Walter Klein (1877–1952), Rektor der Höheren Fachschule für Edelmetallindustrie Schwäbisch Gmünd und Heimatforscher

Hermann Erhard (1883–1968), Fabrikant und Politiker

Albert Deibele (1889–1972), Pädagoge, Heimatforscher und Stadtarchivar von Schwäbisch Gmünd

Konrad Burkhardt (1894–1978), Landrat des Landkreises Schwäbisch Gmünd

Fritz Möhler (1896–1978), Goldschmied und Professor an der Höheren Fachschule für Edelmetallindustrie Schwäbisch Gmünd

Hans Hirner (1906–2004), Kaufmann, Präsident der Deutschen Handelskammer für Spanien

Josef Janota (1911–1994), Politiker

Gebhard Luiz (1913–2013), katholischer Pfarrer

Erich Ganzenmüller (1914–1983), Pädagoge und Politiker

Alfred Lutz (1919–2013), Grafiker, Hochschullehrer und Prorektor der HfG Schwäbisch Gmünd

Peter Spranger (1926–2013), Historiker, Pädagoge, Schulleiter des Scheffold-Gymnasiums Schwäbisch Gmünd

Max Seiz (1927–2020), Bildhauer

Peter C. Schenk (1928–2020), Architekt und Hochschullehrer

Norbert Schoch (1932–2008), Rechtsanwalt und Oberbürgermeister der Stadt

Walter Giers (1937–2016), Licht-, Klang- und Medienkünstler

Hans Kloss (1938–2018), Maler und Grafiker

Und nun dürft ihr endlich die Fotos bestaunen. Markante Grabstätten, imposant, beeindruckend, prunkvoll, liebevoll, demütig – wie immer ihr diese benennen wollt. Darunter auch Gräber o.g. Persönlichkeiten.

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Noch vieles hätte ich ablichten können. Einige Zeit auf den Ruhebänken verweilen, unter altem Baumbestand der Stille lauschen, die noch wärmende Sonne des Herbstes genießen obwohl dieser bereits mächtig Einzug hält, doch irgendwann reichte es auch mir. Ich wollte nach Hause.

Ausdrücklich möchte ich hier erwähnen, dass ich alle Fotos selbst fotografiert habe, ohne Auftrag, aus rein privaten Zwecken, nicht kommerziell. Nur aus dem Wunsch, diese inzwischen selten gewordenen Denkmäler festzuhalten – für mich und für meine Leser.

Bleibt behütet und gesund,

Gruß Karin

Unser Bio-Säftchen

Eines musst du dir gut merken, wenn du schwach bist, Äpfel stärken. Äpfel sind die beste Speise, für zu Hause, für die Reise, für die Alten, für die Kinder, für den Sommer, für den Winter, für den Morgen, für den Abend, Äpfel essen ist stets labend! Äpfel glätten deine Stirn, bringen Phospor ins Gehirn, Äpfel geben Kraft und Mut und erneuern dir dein Blut. Auch vom Most, sofern dich durstet, wirst du fröhlich, wirst du lustig. Darum Freund, so lass dir raten, esse frisch, gekocht, gebraten, täglich ihrer fünf bis zehn. Wirst nicht dick, doch jung und schön, und kriegst Nerven wie ein Strick. Mensch, im Apfel liegt dein Glück!

(Georg Wilhelm Otto von Ries)

Jedes Jahr im August und September fühle ich mich wie im amerikanischen Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“! Nachdem man am Abend völlig k.o. ins Bett geht, da man den Tag über das ganze Fallobst verarbeitet hat, erwacht man am nächsten Morgen mit Blick auf die Wiese und sieht erneut Dutzende der saftigen Vitaminbomben auf dem Rasen liegen und die Prozedur geht von Neuem los. Und beim Verarbeiten der Früchtchen komme ich mir wie Diane Keaton in „Baby Boom“ vor. Ich weiß – einige von euch werden diese Filme aus den 80er und 90er Jahren nichts sagen, doch mir sind diese mit meinen eigenen Erlebnissen wie ins Gedächtnis gebrannt.

Äpfel soweit das Auge reicht. Gefühlte Tonnen von Apfelmus wurden zubereitet, zwischendurch mal Kuchen gebacken, Bratapfelmarmelade, Apfelküchlein und Apfelbrot hergestellt, der obligatorische gesunde Apfel täglich roh verspeist, Oma kam angekarrt um ebenfalls die Kellerregale mit Eingemachtem zu füllen, die Verwandschaft und Freunde wurden fast schon genötigt doch auch ein Eimerchen des kostbaren Gutes abzunehmen und trotzdem – der Garten lag voll mit Fallobst, die Bäume drohten abzuknicken ob ihrer Last, was letztendlich auch einer leider tat. Immer wieder musste ich die letzten Jahre Deutschland verlassen und überließ die süßen Früchte ihrem Schicksal – das schlechte Gewissen über diese Verschwendung wurde immer damit beruhigt, dass man dann später irgendwann mal saften würde.

Ja und dieses später ist nun eingetreten. Da der Trend zum Einmachen und Einwecken nach wie vor anhält, bewusste gesunde Ernährung einen nie dagewesenen Aufwärtstrend verbucht, so mancher Obstbaumbesitzer das kostbare Gut nicht einfach nur sich selbst überläßt, sind auch die örtlichen Mostereien auf diesen Zug aufgefahren. Bei einigen Betrieben kann man sein Obst abgeben und erhält im Gegenzug Einkaufsgutscheine für Saft, wir wollten jedoch das Produkt unserer eigenen Apfelbäume trinken, somit wissen wir genau was drin ist, außerdem garantiert in Bioqualität!

Somit war letzte Woche drei Tage lang in jeder freien Stunde Apfelsammeln angesagt. Die Vorlage der Mosterei war ein Mindestsaften von 150 kg Äpfel, wurm- und faulfrei sollte die Ware sein. Von 5 unterschiedlichen Bäumen haben wir unsere Ernte eingebracht, das Gewicht konnten wir natürlich nur grob schätzen, wir achteten auf ein ausgewogenes süß-sauer-Verhältnis, ansonsten konnten wir diese Aktion einfach nur mal testen.


Die Herausforderung an der ganzen Sache ist allerdings die Lage unserer Bäume. Sehr langer Steilhang, jeder Eimer musste mühsam bis zum Anhänger hinuntergetragen werden, eine echte Knochenarbeit.

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Letzten Samstag war es dann soweit. In der Mosterei Seiz im Schwäbisch Gmünder Stadtteil Straßdorf fühlten wir uns sehr willkommen.

Äußerst freundlich wurden wir zu unserem Termin begrüßt und in die Arbeit eingewiesen, ausführlich wurde alles erklärt und netterweise durfte ich auch alles fotografieren – dafür meinen herzlichen Dank!

Zuerst einmal mussten die Äpfel auf das Förderband kommen, damit diese zur Waschanlage gelangen konnten. Muskelkraft war angesagt!

Weiter ging es im Innern der Halle, ich durfte durch den „Desinfektionsvorhang“ knipsen, daher sind die Fotos eventuell etwas verwaschen. Der komplette zerschredderte Apfel wird in Formen eingegossen, in denen zuvor ein Tuch ausgelegt wird. Ähnlich wie beim Käsen. So wird Form auf Form gelegt, dieser Stapel wird dann gepresst und der Saft läuft durch ein Sieb in den Auffangbehälter.

Das Auto wurde in der Zwischenzeit um die Halle zur gegenüberliegenden Türöffnung gefahren und nun waren wir gefragt. Wir durften probieren!

Das Foto sagt alles aus! So begeisterte Mienen nach dem ersten Schlückchen. Himmlisches Aroma, genau das richtige süß-sauer-Verhältis, was waren wir erleichtert! Die Plackerei hatte sich gelohnt.

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Nun konnten wir geduldig zusehen, wie der Saft vom Auffangbehälter in das Fass der Heißabfüllanlage gepumpt wurde und wir mit Erstaunen unseren Ertrag von 115 Litern Saft erfuhren. Hier im Fass wurde nun auf 70 Grad erhitzt um eine Haltbarmachung zu erzielen.

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Da generell berechnet wird, dass man pro Zentner Äpfel (50 kg) ungefähr 30 Liter Saft erhält, ergab die Gegenrechnung, dass wir ca. 190 kg Äpfel gesammelt hatten. Wow!

Das kostbare Gut ließen wir nun in die praktischen Bag-in-Box Tüten füllen, wahlweise 10 oder 5l. Dazu noch einige Kartons, welche man auch nur in geringer Stückzahl zu kaufen braucht, da es sich empfiehlt aufgrund des Preises diese wiederzuverwerten. Die Beutel haben einen Ausgusshahn und somit kann aus dem Karton heraus ganz bequem ausgeschenkt werden. Das Haltbarkeitsdatum eines angezapften Beutels beträgt 3 Monate, die geschlossenen Beutel 1 Jahr. Somit küsst mich wohl nächsstes Jahr wieder das Murmeltier! Ohje!

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Ausgestattet mit Thermohandschuhen durfte Göttergatte nun die heißen Tüten vorsichtig auf den Anhänger legen. Der übriggebliebene Trester verbleibt in der Mosterei und wird für die Tierfütterung abgegeben.

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Im Laden an der Kasse wurde dann noch bezahlt und ab ging die Fahrt nach Hause. Nachdem die Ladung in der Garage über Nacht auskühlte, wurde in gemeinsamer Familienmanier in den Keller umgeschichtet und wird nun täglich von uns genossen, denn wie heißt es so schön?

Für die Alten, für die Kinder, für den Sommer, für den Winter…

Bleibt gesund, Gruß Karin

Nachtrag am 18.09.20: Dieser Artikel erschien heute in unserer Tagespresse – diese Zufälle sind immer wieder witzig.

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Das finnische Mitbringsel

Habe euch ja gestern erst erzählt, dass mein Göttergatte sich mit seinem Motorrad auf einer Urlaubsfahrt gen Nordkap befindet. Befand. Gestern kam er dann nach 17 Tagen wohlbehalten zurück. Gott sei Dank.

Mit einem Mitbringsel aus Finnland für mich. Genauer gesagt aus Inari. Das ist ganz oben in Lappland. Was mich sehr gefreut hat!

Grob umschrieben fuhr er von hier aus auf die A7, hoch bis Hamburg, Lübeck, Travemünde, von dort mit der Fähre nach Helsinki. Über den Polarkreis hoch über die Grenze nach Norwegen und schließlich weiter ans Nordkap. Zurück ging es dann in Norwegen über die Lofoten, ins Landesinnere bis nach Oslo, rüber nach Schweden, über Göteborg und Malmö, nach Flensburg und mit einem weiteren Stop in Deutschland kam er dann gestern wieder hier an. Wer sich dafür näher interessiert, er schrieb ein Reisetagebuch, ist noch nicht ganz fertig, aber ich darf den Link dafür hier bekanntgeben:

https://vakantio.de/nordkap-motoradtour-in-corona-zeiten

Doch nun zu meinem Reiseandenken:

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Ein Becher Lakkahillo! War mir gänzlich unbekannt, befragte sofort die Suchmaschine und nachdem ich im Übersetzungsprogramm den Begriff eingab um die richtige Aussprache zu hören, musste ich so lachen. Das hört sich für meine Ohren so witzig an.

Doch nun endlich die Auflösung, ich denke die wenigsten meiner Leser werden sofort wissen um was es sich handelt.

Moltebeeren Marmelade! Auch Multebeere, Multbeere, Schellbeere, Sumpfbrombeere oder Torfbeere genannt.

Wikipedia schreibt dazu,

dass das Hauptverbreitungsgebiet in den vier nordeuropäischen Staaten Russland, Schweden, Finnland und Norwegen sowie in Schottland und England liegt. Einzeln in West-, Mittel- und Osteuropa. In Grönland ereicht sie ihren nördlichsten Verbreitungspunkt. Der südlichste Punkt liegt in den Sudeten, Polen, Tschechien sowie im Riesengebirge. In Nordamerika in Kanada, auch in Sibirien und Nordjapan ist sie heimisch. In Deutschland kommt die Art nur noch in Niedersachsen in Moorgebieten vor und ist hier nach der Bundesartenschutzverodnung streng und besonders geschützt.

Die Moltebeere erträgt große Kälte im Winter, reagiert aber sehr empfindlich auf Kälteeinbrüche nach Beginn ihrer Vegetationsphase. Sie gedeiht auf sauren Böden, toleriert bis zu -38°C, reagiert aber empfindlich auf Salze.

Die Moltebeere ist eine robuste Pflanze, wie viele Rosengewächse. Sie ist reich an Vitaminen und Spurenelementen. Roh gegessen hat sie einen bitter-säuerlichen Geschmack, vielfach wird sie zu Marmelade und Gelee verarbeitet. In Schweden isst man sie gefroren mit Zucker, in Finnland zusammen mit einem teigartigen Käsegericht, auch bereitet man einen Likör daraus zu, namens Lakka (Lakka ist der finnischer Name für Moltebeere).

Der Ertrag der Moltebeere ist gering, daher ist sie die teuerste der wild gesammelten Beeren.

Auf jeden Fall schmeckt die Marmelade gut, etwas nach Honig, süß und doch etwas säuerlich.

Hier die restliche Beschriftung des Bechers, man kann sich schon einiges daraus zusammen reimen:

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Da hat mein Jogi ja nun was angefangen, bin gespannt wo es ihn als nächstes hinzieht und was er mir dann mitbringt…

Beerige Grüße, Karin