Bunkeranlage in Waldstetten

Es scheint wohl ein Dauerbrenner zu sein – die Wanderung durch die ehemalige amerikanische Bunkerlandschaft im sogenannten Staatswald in Waldstetten, Ostalbkreis, B.-W.. Nachdem 2012 die Sonderausstellung zu diesem Thema vom Heimatverein Waldstetten/Wißgoldingen e.V. sehr großen Anklang erlebte, kam auch die Frage zu diesen Führungen auf. Seit dieser Zeit werden diese Touren vom Verein angeboten und erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, sodass diese immer sofort überbelegt sind. Somit bot Herr Barth, 1. Vorsitzender des Vereins und ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde, eine private Führung außer der Reihe nur für Familie und Freunde an, jawohl – dazu kam dann ich in weiterer Verbindung dazu. Die 107. Begehung wohlbemerkt! Aus Radio, Presse und Fernsehen inzwischen ebenso bekannt, man sieht, es besteht sichtlich Interesse.

Die 2-stündige Wanderung durch das Naturschutzgebiet „Erdrutsch 1988“ erfordert gutes Schuhwerk und etwas Ausdauer.

Beim Treffpunkt Wanderparkplatz beim Abenteuerspielplatz am Ende der Wolfsgasse in Waldstetten, bekam unser Grüppchen noch einige erklärende Ausführungen, bevor es dann stetig steil bergauf ging um dann fast eben auf dem Bergrücken durch den Wald zu gehen um in einer Schleife dann final wieder steil bergab zum Ausgangspunkt zu gelangen.

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Während der NS-Zeit wurde das weitläufige Gelände den einstigen Besitzern einfach enteignet, militärische Anlagen sollten entstehen. Das Ende des Krieges kam dazwischen, das Areal ging automatisch an Deutschland über und somit dann auf die damalige amerikanische Militärverwaltung. Diese ließ zwischen 1954 und 1958 auf dem 30 ha großen Gebiet 28 massive oberirdische Bunker errichten. Die Lage war optimal, genau in der Verbindungslinie für die damalige Hardt- und Birmarckkaserne in Schwäbisch Gmünd und den Cooke Barracks in Göppingen. Sicher vor eventuellen Bombenanschlägen auf die Kasernen wurden hier große Mengen an Lebensmittel gelagert, ferner Waffen, Munition, Feldbetten, Zelte und wohl noch so einiges mehr, sowie die Sprengköpfe für die Pershing II-Raketen, die ab 1982 auf der Mutlanger Heide stationiert waren. Der Kalte Krieg, demzufolge die Bedrohungen der andauernden politischen Konflikte, fanden direkt vor unserer Haustüre statt. Weitere Einsatzgebiete dieser Bunker sind nicht bekannt, man weiß nur, dass in einem Anwendungstests für Gasmasken stattfanden, ansonsten kann anhand Wandbemalungen nur spekuliert werden. Leider bieten so viele leere Betonwände natürlich auch Raum für Bemalungen modernerer Art.

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Die Dächer der Bunker wurden zur Tarnung direkt nach Fertigstellung mit viel Grün bepflanzt, Stacheldrahtumzäunungen, Warn- und Verbotsschilder sowie starke Bewachung des Sperrbezirks ließen in der Bevölkerung die wildesten Spekulationen aufkommen. Alle 8 Stunden fanden Wachablösungen statt, Kettenfahrzeuge, schweres Gerät und schwer beladene Sattelschlepper sah man den Berg hinauf und wieder hinabfahren – doch genaue Einzelheiten wusste niemand. Die Bunker sehen ungefähr alle gleich aus, 12 Meter breit, 4 Meter hoch und 14,5 Meter tief. Sie wurden durchnummeriert, beginnen jedoch alle mit einer 8, womit man sie zur Gemarkung Waldstetten zuordnen konnte. Heute stehen nur noch wenige Teile der Umzäunung wie ein Mahnmal zwischen den Bäumen.

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Als die Amerikaner abzogen und die Bunker geräumt wurden, gab man diese an deutsche zivile Stellen zurück. 1988 erfolgte aufgrund starken Regenfällen ein Erdrutsch, 3 Bunker wurden so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass man sie abtragen musste. Das Gelände wurde dann in ein Naturschutzgebiet umgewandelt, einige Bunker wurden zugemauert und dienen als Rückzugsort für Schmetterlinge und Fledermäuse.

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An der Schautafel kann jedoch genau die Lage der verbliebenen 25 Bunker abgelesen werden und somit steht der privaten Erkundungstour nichts mehr im Wege. Wir hatten in den 2 Stunden natürlich nicht alle 25 Relikte erkunden können, hier eine kleine Auswahl.

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Herr Barth ist ein wandelndes Lexikon, unzählige Anekdoten und Geschichten auch aus der Waldstetter Umgebung und seinen Bewohnern gab er zum Besten. Vielen Dank für diesen informativen Sonntag und bis bald einmal im Heimatmuseum https://www.museum-waldstetten.de/das_andere_museum.html und der neuesten Sonderausstellung.

Grüßle, Karin

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