Sommer, Insel, Meer & Fisch

Hier nun also die Fortsetzung unserer Urlaubserlebnisse. Per Zug fuhren wir gänzlich entspannt von Bremen über Oldenburg nach Norddeich Mole. Norddeich ist ein Stadtteil von der Stadt Norden in Niedersachsen, nahe der Nordseekünste. Die Endhaltestation Norddeich Mole liegt direkt an den Fähranlegern, die ganz bequem zu Fuß in wenigen Metern vom Bahnsteig zu erreichen sind  – dies als Erklärung für die unwissenden zukünftigen Urlauber. Während der Hauptsaison verkehren die Fähren im Stundentakt von und nach Norderney, unabhängig von der Tide. Urlauber mit Koffern oder komplett mit dem Auto oder Motorrad, Lieferanten, Taxis, Insulaner, Tages- und Wochenendurlauber – ich konnte nur so staunen, dass diese Menschenmassen im Stundenrhythmus auf die Insel strömen! Während der knapp einstündigen Fahrt auf spiegelglattem Meer, die vorsorglich eingenommene Tablette gegen Seekrankheit hätte ich gar nicht nehmen müssen, kam uns natürlich auch eine Fähre entgegen. Autos, Motorräder und Menschen die für uns alle Platz gemacht hatten!

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2018-07-23 Fahrt nach Norderney

Herrlichster Sonnenschein und in freudiger Erwartung urlaubsselige Menschen umgaben uns, allein die Überfahrt war schon Entspannung pur.

Bei der Ankunft im Hafen blieb uns nichts anderes übrig, als dem Passanten-Strom zu folgen. Bei der Kontrolle wurden wir nach unseren Tickets gefragt und im Gegenzug wurden uns die Norderney-Karten in die Hand gedrückt. Busse mit den unterschiedlichsten Ankunftszielen standen bereit, ein kurzer Check in welcher Straße unser Hotel lag, die Busgebühr entlohnt und ab ging die 10-minütige Fahrt direkt bis vor das Hotel – welch ein Glück.

Privatautos dürfen sich während der Hauptsaison vom Zeitpunkt des Anlegens eine Stunde lange in der Stadt bewegen, dann muss das Fahrzeug außerhalb auf Parkplätzen kostenpflichtig abgestellt werden. Außer man hat eine Sondergenehmigung, diese muss im Vorfeld beantragt werden. Eine weitere Möglichkeit wäre auch, das Auto am Bahnhof Norddeich auf den dafür vorgesehenen Parkplätzen abzustellen und dann nur mit dem Gepäck auf die Fähre zu gehen. Genaugenommen braucht man auf der Insel nämlich gar kein Auto. Zu Fuß, Fahrrad, Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln kann alles bequem erreicht werden. Für Taxis, Anwohner, Linienbusse und Lieferanten gelten gesonderte Regelungen.

Beim Einchecken im Hotel haben wir anhand der Norderney-Karte gleich die Kur-Taxe beglichen, somit war dies erledigt und wir mussten vor der Rückfahrt nicht noch dran denken. Es empfiehlt sich auch, die Karte stets bei sich zu tragen, an einigen Orten bekommt man damit ermäßigte Eintritts- oder Leihgebühren.

Kurz das Gepäck aufs Zimmer gebracht, ausgepackt, Badesachen zusammengepackt und ab zum Weststrand. Gegen Nachmittag war es hier schon merklich ruhiger, obwohl das Traumwetter des Sommers 2018 auch hier im hohen Norden bis in den späten Abend reichte. Bis auf einige Stunden verwöhnte uns der Wettergott den ganzen Aufenthalt hindurch mit tropisch anmutenden Temperaturen – Segen und Fluch zugleich!

Die sieben Tage vergingen wie im Flug. Wir erkundeten die Gegend zu Fuß und per Fahrrad, stöberten in den verschiedensten Läden. Hier kann ich ganz besonders das Sanddorn-Stübchen in der Friedrichstr. 28 empfehlen. Bereits beim Eintritt in den Laden mit den vorherrschenden orangefarbenen Tönen und dem betörenden Duft kommt man schon in Genießer-Laune. Stübchen

Außerdem gönnten wir uns eine Thalasso Behandlung und für die innere Wohltat aßen wir täglich Fisch in den verschiedensten Variationen. Nachdem wir  die diversesten Lokalitäten schon probiert hatten, toppte der Restaurantbesuch am letzten Abend alles bis dahin konsumierte. „Das kleine Fischrestaurant“ möchte ich absolut empfehlen, Tischreservierung unbedingt empfohlen! Restaurant

Schaut mal, was ich beim Schlendern durch die Stadt entdeckte. Witzig, was?

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Des weiteren waren wir natürlich am Strand, genossen kostenlose Konzerte und waren im Kino und erfreuten uns dort an Mamma Mia 2. Natürlich wurde auch die alte Mühle bestaunt und last but not least – aßen wir richtigen Labskaus! Doch hierüber später mehr.

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Am Weststrand

Im Sommer, wie soll es anders sein,
freut man sich auf Sonnenschein.
Sonnencreme und Sonnenhut –
damit man sich gut schützen tut!

 

Am Strand konnte ich ewig lange nach schönen Muscheln Ausschau halten um die schönsten dann als Souvenir mit nach Hause zu nehmen. Andere Badegäste verweilten sich derweil die Zeit mit ganz anderen Herausforderungen. Bevor das Kunstwerk gänzlich fertig wurde kam die Flut und holte sich Seetang und Muscheln wieder zurück.

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Strandkunst

Außerdem tuckerten wir mit der Bömmelbahn  einmal rund um die Insel. In gemächlichem Tempo und angenehm luftigen Abteilen bekommt man per Lautsprecher vom Fahrer spannende und informative Erklärungen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und mit dem typischen trockenen nordischen Humor wird die eine oder andere Anekdote zum besten gegeben.  Ausgangspunkt war im Rosengarten, direkt vor unserem Hotel. Vorbei am Hafen, am Hundefriedhof, den Pferdekoppeln, den Galloway-Rindern, Golfplatz, Leuchtturm, Oase, Kap und wieder zum Ausgangspunkt zurück. Auf jeden Fall lohnenswert. Während der 90 Minuten dauernden Rundfahrt wird an der wunderschönen Oase sogar ein Stop von einer halben Stunde eingelegt. In der Zeit schafft man es, zur weißen Düne und dem FKK Strand hochzulaufen, den feinsten weißen Sand, das Meer und die Ausblicke zu genießen und wieder zurück zur Bahn zu gehen. Bahn

Während dieser Fahrt reifte dann auch der Wunsch in uns heran, mit dem Fahrrad hinaus aus der Stadt auf den Deich zu fahren und die weitere Gegend zu erkunden. An diesem Tag war es etwas kühl und bedeckt, später kam dann auch etwas Regen auf, aber es war herrlich. Der vierte Fahrradverleiher hatte dann auch noch Räder für uns, die Idee für diese Unternehmung an diesem Tag hatten somit noch mehrere Urlauber.

Auf einem meiner Alleingänge durch das Städtchen fiel mir die Evangelische Lutherische Kirche und der alte Friedhof im Kirchgarten auf. Ich weiß nicht warum Friedhöfe so eine magische Anziehungskraft auf mich ausüben. Ich musste den Kirchhof besuchen und versuchen die uralten Inschriften der Grabtafeln aus dem 19. Jahrhundert zu entziffern.

Obwohl Tauben und Möwen selbstverständlich zu Norderney gehören, können gerade Möwen die Menschheit dort regelrecht belästigen. Die Spezies haben ihren Speiseplan so an das zur leichten Verfügung gestellte Essen angepasst, dass man sich nicht mehr getraut, auf offener Straße Eis, Fischbrötchen, Pommes o.ä. zu verspeisen. Im Sturzflug kommen wie in Alfred Hitchcock’s Klassiker „Die Vögel“ die z. T. sehr großen Tiere auf einen zugeflogen und entreißen einem das Essen. Selbst im Restaurant kam eine Möwe auf unseren Teller und stibitzte sich ein Stück Brot oder direkt vom Grill ein Stück Fleisch. An den unmöglichsten Stellen wurden daher schon die Taubenabwehrspikes installiert, doch die lieben Tiere finden überall ein Plätzen zum Spähen oder um die Notdurft zu erledigen.

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Möwe

 

Es heißt, Norderney hat 6.200 Einwohner und 30.000 Kaninchen. Tatsächlich sind auch diese lieben Tierchen überall anzufinden. Im Jahr 1620 wurden diese für den Landadel zu Jagdzwecken ausgesetzt und Fakt ist, dass die Nachkommenschaft schneller da ist, als die Waidmänner für die Dezimierung sorgen können. Nicht nur, dass sämtliche Wiesen, Waldböden und freie Flächen unterhöhlt werden, auch die mühsam mit Strandhafer- und -roggen bepflanzten Sanddünen werden unterhöhlt, stürzen ein und müssen somit neu bepflanzt werden. Das meterlange Wurzelwerk der Pflanzen bindet den Sand und wirkt somit der Erosion der Dünen vor Wind und Sturmfluten entgegen – und die possierlichen Mümmelmänner machen alles wieder zunichte. Allerdings fungieren sie neben den Vögeln und anderen Tierchen auch zur Verminderung anderer unlieben Inselbewohner.

Auch diese kleine Familie entdeckte ich eines Tages trapsend neben mir – zu süß!

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Enten?

Ansonsten erblickt man beim Gang durch die Stadt, dass noch anderen Tieren ein Denkmal gesetzt wurde.

Fernando, der etwas andere Seehund, tat es mir besonders an. Der Titelheld eines Kinderbuches von Christa Duden.

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Fernando

 

Folgende Buchbeschreibung darf ich mit Genehmigung der Autorin veröffentlichen:

Der kleine Fernando ist ein junger Seehund. Er lebt schon so lang er denken kann an der Küste Italiens, und im Mittelmeer scheint er der Einzige seiner Art zu sein. Auffällig an ihm sind sein blau-weiß-gestreifter Anzug und die Kappe. Weshalb er ohne Eltern oder sonstige Familienangehörige dort lebt, weiß er nicht… !
Sein bester Freund Dolphin, ein junger Delfin, und dessen Familie, haben ihn schon vor langer Zeit bei ihm aufgenommen und kümmern sich rührend.
Nichtsdestotrotz sucht er mit zunehmenden Alter nach Antworten. Dolphins Idee, die weise Tintenfischdame Pullpettina zu fragen, bringt allmählich Licht ins. Sie bekommt anhand ihrer vielen Bücher heraus, dass Fernando aus der Nordsee stammen muss und das Wappen auf seinem Anzug besiegt die letzten Zweifel.
Nun steht zweifelsohne fest, dass Fernando vermutlich auf einer kleinen Nordseeinsel namens Norderney geboren wurde.
Damit wurde aber nur ein kleiner Teil seiner Fragen beantwortet, denn weshalb er im Mittelmeer wohnt, kann sich niemand so recht erklären.
Damit wächst in dem jungen Seehund der unbändige Wunsch, sich auf eine ungewisse Reise nach Norderney zu begeben. Hilfe bekommt er nicht nur von Dolphins Familie, sondern auch von vielen anderen Meeresbewohnern. Es wird für ihn eine lehrreiche Zeit voller Abenteuer.
Fernandos Geschichte handelt von tiefer Freundschaft, großem Mut und davon, die eigenen Träume niemals aufzugeben. Ebenso von Abschiednehmen, Trauer, Tod und der Kraft eines positiven Willens, alles im Leben erreichen zu können.
Es ist eine aufmunternde Reise für Kinder, Eltern und Großeltern.
Für all diejenigen, die fest daran glauben, dass das Leben Veränderungen bedeutet und die damit verbundenen Herausforderungen als Abenteuer zu verstehen sind. (Quelle: Buchbeschreibung )

 

Weiter ging unsere Entdeckungstour. Auf der Georgshöhe bietet sich ein gigantischer Ausblick aufs Meer und ins Landesinnere.

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Historischer Stockanker auf der Georgshöhe

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Auf der Georgshöhe

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Von der Georgshöhe Blick zum Wasserturm und zum Kap

 

Eine lange Zeit verbrachten wir im bade~museum. Ausführlich wurden sämtliche Aspekte bezüglich Reiselust und Badespaß erörtert. Beeindruckend und sehr interessant, dass eine so große Sammlung zusammengetragen werden konnte. Irgendwann zeigte uns das Thermometer mitten in der Ausstellung auch, warum es mit der Zeit so ermüdend wurde obwohl es höchst informativ war – es war einfach unglaublich warm dort drin.

Mit Hilfe von Schaukästen, anhand Plakaten, Fotos und Aufzeichnungen werden dem Besucher auf einer 650 qm großen Fläche die lange Badetradition auf Norderney nahegebracht. Im Jahre 1800 wurde Norderney offiziell als Seebad eröffnet und ist somit das älteste an der deutschen Nordseeküste!

Das Museum berücksichtigt in einer Dauerausstellung Aspekte der Reise- und Badekultur, Gründung der Seebäder, Werbung, Reisemöglichkeiten, Einrichtungen, Badesitten und Strandleben.

Ein Fremdenzimmer aus dem Jahre 1920 kann ebenso besichtigt werden wie die Strandgarderobe der damaligen Zeit bis zum Aufkommen des Bikinis im Jahre 1946 oder dem Burkini für muslimische Damen aus dem Jahr 2015. Reisezubehör vom Haartrockner, der Schreibmaschine, Schreibsets, Kleiderpflege und Dinge zu allen nur erdenklichen Reisethemen werden ausgestellt.

Von den Anfängen der Badekarren, der ersten festen Badeanstalten, der strengen Trennung zwischen den Geschlechtern, vom Damen- und Herrenbad bis zum Familienbad – welches damals schon als ungewöhnlich freizügig bis anrüchig galt.

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Und nicht zu vergessen die Freikörperkultur, wo bereits 1946 an „der Weißen Düne“ die ersten Hüllen fielen.

Erinnerungen weckten bei uns vor allem die ausgestellten bunten Plakate und Produkte aus der Zeit unserer Kindheit. Wer kann sich nicht an die massiven Sonnenbrände erinnern bis die ersten Sonnenschutzcremes auf dem Markt waren? Und über so manches Exponat einer Badekappe die wir selbst trugen konnte auch kopfnickend geschmunzelt werden.

Sehr schön waren die Stunden, die wir dort im Museum verbrachten. Doch auch bei unseren Spaziergängen innerhalb der Stadt konnte noch so manches besichtigt werden.

Ein schöner Sonnenuntergang durfte nicht fehlen. Und die Zeilen von Heinrich Heine nach einem seiner Besuche auf der Insel sprachen mir aus der Seele. An diesem Abend ging doch ein frischer Wind, sodass ich über meinen warmen Fleece Pulli mehr als froh war. Das war aber auch der einzige Zeitpunkt, wo etwas langärmeliges ertragbar war.

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Strandpromenade Nord

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Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der Windmühle.

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Im Innern der Mühle befindet sich eine Teestube und ein Restaurant. Bei den Temperaturen ließen sich die Gäste nur im Garten bewirten, freiwillig setzte sich in diesen Tagen niemand ins Innere.

Und wie ihr euch schon denken könnt, haben wir hier an diesem historischen Platz endlich unseren Labskaus gegessen! Ein Gericht aus gestampften Kartoffeln und Rindfleisch. Rote Beete, Essiggurke, Spiegelei und Fisch – hier ein Matjes, gehört unbedingt auch mit dazu. Ich kann nur sagen, hat sich gelohnt, mochte ich sehr gerne!

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Labskaus

Hey ihr Lieben, das war’s! „Hey“ ist übrigens die einheimische Begrüßung unter sehr guten Bekannten, ansonsten einfach „Moin“. Irgendwie passte diese Erklärung nun zum Schluss. Vieles hätten wir noch unternehmen können, die Insel bietet noch einiges mehr. Erwähnenswert ist noch, dass während dem Sommer stets bekannte Künstler auf Konzerttour ihr Stelldichein geben. Auf den Rummel und Lärm von Anastacia hatte ich nicht so recht Lust und Göttergatte konnte ich zu Howard Carpendale nicht motivieren – somit entschieden wir uns für keines von beiden. Gemütlich bei einem Glas Wein oder Bier, beim Abendessen, einer Kugel Eis oder beim gemütlichen Bummeln durchs Städtchen- das war allemal entspannter.

Die Überfahrt mit der Fähre nach Norddeich Mole war ebenso ruhig und entspannt, jedoch etwas wehmütig! Urlaub ist einfach zu schön!

Bis zur nächsten Auszeit!

Gruß Karin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu “Sommer, Insel, Meer & Fisch

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