Der falsche Labskaus zwischen Roland und Stadtmusikanten

Einige meiner Leser wissen inzwischen, sollte ich mich lange Zeit nicht mehr melden, ist entweder gar nichts los, so dass es nichts zum Schreiben gibt – oder es herrscht zu viel Trubel, so dass ich einfach keine Zeit und Muse finde. Letzterer Zustand herrscht momentan, doch heute möchte ich endlich einmal einige Eckdaten unserer Urlaubsfahrt zum Besten geben.

Mein Göttergatte überraschte mich zum Geburtstag mit einem gebuchten einwöchigen Aufenthalt auf Norderney. Welche Freude! Endlich Erholungsurlaub, dazu auf einer deutschen Nordseeinsel! Sonne, Strand und Meer – meine langerträumten Wünsche sollten wahr werden. Ich weiß, die letzten Jahre hatten wir auch immer wieder mal etwas anderes als Alltag zu sehen bekommen. Doch unsere ausgesuchten Domizile arteten automatisch in anstrengende Besichtigungstouren und stundenlangen Autofahrten oder Fußmärsche. Pures Seele-Baumeln, Dösen und Faulenzen war nicht drin.

Auf die Reise machten wir uns von zu Hause bis zum Flughafen Stuttgart per Zug, von dort mit dem Flieger bis nach Bremen, wo wir eine Nacht verbrachten. Die Freie Hansestadt Bremen war uns bis dato gänzlich unbekannt. Hier muss ich unbedingt nochmals herkommen, um die beeindruckenden hanseatischen Gebäude näher betrachten zu können. In der Kürze der Zeit und der tropischen Hitze des Sommers 2018 streiften wir somit vom Hotel in Bahnhofsnähe durch das Herdentor in die Sögestraße Richtung Altstadt, über den Marktplatz durch die Böttcherstraße bis zur Weser auf die Teerhofbrücke und somit stelle ich euch hier einige Schnappschüsse ein.

Während unserer Tour rann das eine oder andere BECK’S Bier genüsslich unsere ausgedörrten Kehlen hinab. Im Traditions-Gastronomiebetrieb BREMER RATSKELLER, direkt unterhalb und um das Alte Rathaus, hatten wir Glück, einen der begehrten Sitzplätze im Außenbereich ergattern zu können. Nach dem ausgiebigen Studium der Speisekarte fragten wir den jungen flotten Kellner mit vernehmlichem hauptstädtischem Akzent, was man typisches in Bremen essen kann. Die kurze Antwort: „Labskaus!“ Klar, gehört hatte ich das schonmal und eben in der Karte auch kurz überflogen, auf meine erneute Nachfrage um was es sich dabei genau handeln würde, wurde ausweichend erklärt: „Ein ziemliches Durcheinander, sieht nicht schön aus, schmeckt aber klasse. Mit Fisch und Roter Beete!“ Passte, wir waren gespannt!

Somit bestellten wir zweimal Labskaus, genossen den schönen Rundumblick mit geschäftigem Treiben, das Umherschlendern der unterschiedlichsten Touristen, die Straßenmusikanten und leider auch die allzu häufig auffallenden Obdachlosen in der ganzen Stadt. Das erste Bierchen war schon leer, das zweite wurde bestellt, da stürmte eine junge Kellnerin an unseren Tisch, servierte uns den Labskaus, ein kurzer Blick mit dem Einwurf – Moment, da fehlt noch was! Sie eilte zurück, die Stufen hinab ins Restaurant und kam mit kleinen Schälchen zurück, stellte uns diese an den Teller und wünschte Guten Appetit. Wir schauten in die Schalen – Rollmops, wir schauten auf die Teller – Kartoffelstampf mit irgendwelchem Grünzeugs, Fleischscheiben, Zwiebel-Bohnen-Tomaten-Salat…. Ah ha! Ich fing an zu essen, Joachim rief den Kellner nochmals an den Tisch und fragte nach, wie man das nun essen solle, ob es eine bestimmte Reihenfolge gäbe… Nö, einfach essen!

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Das ganze Essen hindurch rätselte ich über das im Vorfeld beschriebene Durcheinander, äußerte mich noch über das Sonntagsessen, dass der Rollmops dazu allerdings etwas komisch anmutet, fand es sonst sehr normal … da fiel mir zum Ende hin ein, dass ich in der Speisekarte etwas mit Spiegelei gelesen hatte. Wir riefen erneut unseren berlinerischen Bremer an den Tisch, kurze Nachfrage was mit dem Spiegelei wäre… Totenstille, geschockter Blick, großer Aufschrei: „Sie hatten den Lammbraten!!!“ Eine Tirade von Entschuldigungen folgte, dazu die Auflösung einer Frage an sich selbst, da bei der Essensausgabe zwei Lammbraten gefehlt hatten! Zwischen weiteren Entschuldigungen, verdutzten Lachern unsererseits, meinte er dann, sie bezahlen jedoch nur den Labskaus, der Lammbraten wäre teurer gewesen! Er würde uns den Labskaus sofort bringen. Wir wehrten jedoch ab, die Mägen waren bei diesen Portionen mit der Flüssignahrung bei dieser Hitze mehr als gefüllt. Der arme Junge war so was von aufgelöst, er fragte uns, ob er uns eine Linie bringen dürfte? Von Joachim kam Schweigen, ich wiederum nachgefragt, was denn eine Linie sei? Bei all meinen Fragen die letzte Stunde hindurch, kam ich mir schon vor wie der Bauerntrampel, der in die große Stadt kommt.  Eine Linie Aquavit war die Antwort!

Ja bitte! – So schnell die Füße tragen, verschwand er im Untergeschoss des Alten Rathauses, wir lachten uns kugelig. Die Dame vom Nachbartisch meinte mit einem Fingerzeig auf ihren Gatten dann nur: „Mein Mann hatte diese Woche schon Labskaus und ich meinte eben noch, das sieht heute ganz anders aus!“

Der Schnaps kam, dazu das obligatorische Schälchen mit echtem Labskaus zum Probieren- mmhh! das war was anderes! Obwohl der Lammbraten auch ganz vorzüglich geschmeckt hatte – sieht man von dem Rollmops einmal ab!

Das war unsere Bremer Anekdote – die uns wohl ewig an unsere Stippvisite erinnern wird! Dass ich im Verlauf des weiteren Urlaubs unbedingt echten Labskaus essen wollte, brauchte ich wohl nicht weiter zu erwähnen. Doch lest einfach demnächst selbst nach, die Veröffentlichung kann jedoch noch etwas dauern…

Tschüss, Karin

 

 

 

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