Das Viadukt in Unterkochen

Am letzten Sonntag nutzten wir abermals das wundervolle Herbstwetter für einen Ausflug in der Region, genauer gesagt führte uns der Weg nach Unterkochen bei Aalen. In einem Magazin für Gäste, Urlauber und Ostälbler habe ich noch so einige unbekannte Ausflugsziele entdeckt, die es nun zu erkunden gilt.

Da ich mit Joachim unterwegs war hätte ich mir eigentlich denken können, dass wir nicht einfach der Wegbeschreibung des Heftes folgen, nein – mein menschenscheuer Gatte wollte bei diesen traumhaften klimatischen Wetterverhältnissen anscheinend unbedingt allein unterwegs sein, was sich angesichts der sehr vielen Wanderer und Spaziergänger etwas schwierig gestaltete. Nach der 35km langen Fahrt wurde das Auto am Parkplatz des alten Sportplatzes in Unterkochen geparkt und dann ging es sprichwörtlich querfeldein, denn auf dem Fußweg befanden sich ja – Oh Schreck welch ein Graus! – bereits einige Spaziergänger. Entlang des dahinplätschernden kristallglasklaren Weißen Kochers und vorbei an der Kneippanlage ging es dann bergauf auf den Wanderweg durch den Wald. Da die Beschilderung etwas zu Wünschen übrig ließ und wir notgedrungen wandernde Artgenossen nach dem Weg fragten, wurde mir bewusst, dass dieser Ausflug etwas länger dauern könnte. Zum Glück hatte ich gut gefrühstückt, eine große Wasserflasche im Rucksack und was frierende Frau sonst noch bei einem Ziel unbekannter Art so brauchen könnte. Wir befanden uns nun zunächst einmal auf der Route zum Kocherursprung. Entlang auf gut ausgebauten Wegen folgten wir im Wald immer bergauf dem Pfad entlang. Am Kocherursprung war kein Wasser zu sehen, ich fand diesen auch sehr unspektakulär, zudem gingen mir auch die vielen Menschen gegen den Strich und somit fotographierte ich bis dahin auch nicht. Erst als wir uns schweißtreibend auf die Anhöhe hinaufgearbeitet hatten und etwas verschnaufen konnten, holte ich mein Handy aus der Tasche. Vor uns lag zu beiden Seiten ein breiter ebener Weg, übersät mit Herbstlaub in allen erdenklichen Farbtönen. Da nun auch ältere Menschen mit Walkingsstöcken, Jogger, Fahrradfahrer und kinderwagenschiebende Eltern den Weg kreuzten, war uns klar, dass diese alte Bahntrasse, die sich als ausgebauter, komfortable Wanderweg entpuppte, auch einen bequemeren Zugang haben müsste. Sicherheitshalber fragten wir nochmals nach dem Viadukt und los ging das Spazierengehen durch das raschelnde trockene Laub. In Kindertagen fühlte ich mich zurückgesetzt, wo man mit den Füßen die Laubschichten hochstieß und dieses typische Rascheln erzeugte.

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Unmittelbar kurz vor dem Viadukt kam dieser Felseinschnitt. Wenn man nicht weiß, was einen darin erwartet, mutet dieser Blick gespenstisch an.

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Und dann lag es vor uns. Majestätisch und mächtig. Das Viadukt der alten Härtsfeldbahn, insgesamt 85 Meter lang, ca. 25 Meter hoch mit 4 Bögen von je 15 Metern Breite.

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Im Jahr 1900 von 700 Arbeitern errichtet, die Hälfte davon italienische und österreichische Gastarbeiter. Zugleich musste auch das 2. große Bauprojekt der Härtsfeldbahn verwirklicht werden, der 96 Meter lange Wallenhau-Tunnel oder auch Kocherburgtunnel genannt. Derzeit ist der Tunnel verschlossen und zugemauert. Am 31.10.1901 konnte schließlich der reguläre Zugbetrieb auf dem Abschnitt Aalen-Neresheim-Balmertshofen aufgenommen werden. Jedoch endetet der Personenverkehr am 30.09.1972, der Güterverkehr 2 Monate später, schlussendlich wurden die Gleisanlagen demoniert. Wie schön nostalgisch wäre es, mit der „Schättere“, wie die alte schmalspurige Härtsfeldbahn im Volksmund genannt wird, von Aalen über Neresheim bis Dillingen/Donau komplett zu fahren. Beim Recherchieren stoß ich auf die Website vom Verein der Härtsfeld Museumsbahn. Hier könnt ihr nachlesen, wie der gegründete Verein wenigstens z. T. die Eisenbahngeschichte aufleben lässt.

https://www.hmb-ev.de/

Beeindruckende Blicke ergeben sich von der Brücke hinab auf den Weg zurück in den Ort, oder auch auf die Anhöhe, wo die kahlen Baumstämme streichholzgleich im Boden stecken.

Diesen Herbst erlebe ich sehr intensiv, die denke das erste Mal überhaupt. In den vielen Jahren im Ausland sowieso nicht und letztes Jahr um diese Zeit waren wir mit unserem Umzugsgut beschäftigt. Umso schöner, dass das Wetter derzeit mitspielt und daher war dies nur der erste Streich, der nächste folgte zugleich.

Bis gleich, Gruß Karin

2 Kommentare zu “Das Viadukt in Unterkochen

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