Die Skorpione rocken die Bühne

Nachdem unser Sohnemann und ich selbst im Juli 2011 in Byblos die deutsche Hard-Rock / Heavy-Metal Band Scorpions bei ihrer Welt-Abschiedstournee erleben durften, war es für Joachim und mich eine Ehre, das Konzert der legendären Jungs auf ihrer diesmaligen Crazy World Tour 2018 am 27.10.2018 in der Seaside Arena Waterfront in Beirut ebenso zu besuchen.

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v.li.: Pawel Maciwoda (*1967), Matthias Jabs (*1955), Klaus Meine (*1948), Rudolf Schenker (*1948), Mikkey Dee (*1963)

Ursprünglich wurde eine Amateur-Band im Jahre 1965 durch den Gitarristen Rudolf Schenker und dem Drummer Wolfgang Dziony gegründet. In Ermangelung eines Namens nannte sich die Gruppe zuerst Nameless, ein Jahr später bereits Scorpions. Nach einigem Hin und Her, Entlassungen, Auflösungen und Neubildungen stieß dann 1996 unter anderem Sänger Klaus Meine zu der Gruppe und 1978 Matthias Jabs. Erneut folgten Umgruppierungen bis 2003 der Pole Pawel Maciwoda und 2016 auch der Schwede Mikkey Dee, der ursprüngliche Drummer von Motörhead, mit ins Team kamen.

Wider allen Abschiedskonzerten rund um den Erdball scheint die Band noch nicht ans Aufhören zu denken. Eigenen Aussagen zufolge wollen sie eventuell nächstes Jahr eine kleine Auszeit nehmen und neue Songs schreiben. Wenn ich mir jedoch die Tourdaten für 2019 anschaue, frage ich mich wirklich, wann da noch Zeit für eine Pause sein soll.

Als Vorband und Publikumsanheizer agierten der libanesische DJ Rodge und der Gitarrist Jay Wud. Uns zwei völlig unbekannte Namen, scheinen sie jedoch beim hiesigen jüngeren Volk große Berühmt- und Beliebtheit zu genießen.

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Die Musik, die jedoch aufgelegt und in allen möglichen Abwandlungen gespielt wurde, war auch uns bekannt. Verzerrt erkannte ich die Stimme von David Bowie und vornehmlich kamen Songs der 80er und 90er Jahre. Ich glaube die anwesenden Jugendlichen wussten gar nicht, wie alt diese Lieder schon waren. Die zwei Akteure feuerten die Zuschauer jedoch gehörig an, leider war dann bis zum Auftritt von Scorpions wieder 30 Minuten Funkstille und die Besucher wurden erneut auf Ausgangstemperatur herabgekühlt.

Aber dann – bereits beim ersten Ton – jaulte die Menge auf! Der Zuschauerraum war erfüllt vom Licht der tausenden in Einsatz gebrachten Mobiltelefonen!  Die Band, der Sound, die Animationen im Hintergrund, das Publikum – Gänsehaut hoch drei!!!

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Nacheinander wurde ein Hit nach dem anderen vorgestellt, altbekannte Lieder doch auch ebenso neuere Songs donnerten durch die riesige Halle. Klaus Meine ließ Revue passieren von den letzten Auftritten im Libanon und gab bereits eine Vorschau auf die kommenden Konzerte in Australien, Neu Seeland und China.

 

Dem letzten Gitarristen der Band, gleichzeitig Gründungsmitglied von Motörhead, wurde nochmals im Einzelnen ein Denkmal gesetzt. 2015 verstarb Lemmy und somit nahm der heutige Drummer Mikkey seinen Platz ein. Sein Solopart überzeugte jedoch auch noch die letzten Zweifler. Mikkey trommelte was das Zeug hielt und dementsprechend war sein Applaus. Doch auch die Solos der anderen Bandmitglieder waren herausragend. Das Publikum tobte, kreischte, sang und johlte – einfach spitze!

Die z. T. in die Jahre gekommenen Bandmitglieder wirbelten und rockten über die Bühne, dass ich mich nur wundern kann, wovon diese Energie herkommt. Wahrscheinlich aus der Musik, dem Erfolg und dem Dank der Fans.

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In diesem Sinne, hoffen wir, dass wir noch so weiteres Mal den Stachel dieser Energie zu spüren bekommen.

Bis zum nächsten Welt-Abschiedskonzert,

Gruß Karin

Im Himmel wird Tischtennis gespielt…

… und ab und an fällt ein Ball auf die Erde.

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Meine Hand

So hat es sich am Mittag des 25.10.2018 angefühlt, als für 5 Minuten das totale Chaos herrschte. Wie auf Knopfdruck öffneten sich die Schleusen und verheerende Wassermassen, Hagel, Blitz und Donner verursachten z. T. massive Schäden.

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An der überdachten Terrassentür läuft das Wasser in Strömen die Scheibe entlang – es kam von allen Richtungen.

Nachdem die Wettervorhersage schon Gewitterstürme ankündigte, wurde ich kurz vorher nochmals telefonisch gewarnt, auf dem Balkon Tisch und Stühle zu sichern, es sollte etwas Grösseres erwartet werden. Flüge waren bereits anuliert, der Hafen war gesperrt – da wurde ich hellhörig. Gerade wollte ich noch den letzten Rollladen im Schlafzimmer schließen, da stand ich auch schon sprachlos am Fenster und staunte nur noch Bauklötze – bis ich dann die Tischtennisbälle sah. Es toste und krachte, die Fensterläden erzitterten, ich dachte draußen bearbeitet jemand mit dem Vorschlaghammer die Jalousien.

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Plötzlich war es vorbei, die große Terrasse hinter den Schlafräumen war überflutet, ich musste raus und die Abflüsse von herabgefallenen Piniennadeln und Laub entfernen, denn es grollte und donnerte weiterhin und ich wollte vermeiden, dass das Wasser in die Schlafräume eindringt.

Stundenlang war ich beschäftigt, in den kommenden Regenpausen hinauszuwaten und den Wasserablauf zu sichern, gleichzeitig lief im Büro an den Schiebefenstern das Wasser die Wand entlang, auf dem Wohnzimmerbalkon sah es aus wie nach einem Tornado. Die Pflanzen beinahe zerfetzt, die Marmorfliesen übersät mit grünen Pflanzenresten – so etwas hatte ich noch nie erlebt!

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Die Sicht hinab von unserem Wohnzimmerbalkon

Zum Glück war mein Auto überdacht geparkt, zu viele Blechschäden gab es für diese paar Minuten. Die Fenster der verglasten Einkaufszentren wurden vom Hagel eingeschlagen und die Wassermassen konnten sich ungehindert in den Geschäften, Cafes und Restaurant verteilen, Baugerüste stürzten ein, Dächer wurden abgedeckt – die massiven Schäden von herabströmenden Wassermassen kann sich jeder selbst ausdenken. Die solarbetriebenen Straßenlaternen außer Funktion, das ohnehin schon sehr langsame Internet geht seither nur noch etappenweise.

Im Süden des Landes, auch im Norden in Tripoli – kein einziger Regentropfen! Tja, die da oben können schließlich nicht überall gleichzeitig Tischtennis spielen!

In diesem Sinne, lasst euch bitte Zeit bis zum nächsten Aufschlag!

Gruß Karin

 

 

 

 

 

Glanz und Zauber vergangener Zeit des Grand Hotel Sofar

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Gestern erlebten wir eine Zeitreise der besonderen Art. Wir, meine Freundin Anne, mein lieber Mann und ich selbst. Nachdem meine Pilates-Mitstreiterinnen vergangene Woche so sehr von einem alten Grand Hotel und einer Ausstellung schwärmten und es unendlich bedauerten, dass diese ja leider schon beendet worden sei und ich somit diese Gemälde in dieser besonderen Atmosphäre leider nicht sehen konnte, wurde ich natürlich neugierig. Tja, da hatten die Damen die Rechnung leider ohne das detektivische Gespür von Anne und mir gemacht! Dank des weltweiten Netzes konnten wir in Erfahrung bringen, dass aufgrund grosser Nachfrage diese Ausstellung um eine Woche verlängert wurde und somit auch wir noch in diesen Genuss kamen. Ja – Genuss! Denn es war ein Schmaus für die Augen, für die Sinne und das Gehirn – welches sich in die Zeit der glamourösen goldenen 20er- und beschwingten 60er-Jahre des letzten Jahrtausends zurückversetzen konnte.

Doch zunächst einige Erklärungen zu diesem legendären The Grand Hotel Casino Ain Sofar. Es wurde von der berühmten und einflussreichen Familie Sursock im Jahre 1892 im Ort Ain Sofar erbaut. Etwa 30 km östlich von Beirut entfernt, direkt auf der Hauptverbindungsstraße Beirut-Damaskus, liegt es auf ca. 1300 Höhenmetern.  Für Jahrzehnte war es das berühmteste Hotel im Mittleren Osten. Könige und Emire, Künstler, Schauspieler, Prominente und Diplomaten aus aller Welt ruhten und schlummerten nicht nur in den Zimmern, sondern wurden auch zu Gesang, Tanz und Poker gelockt. Denn dieses Hotel erhielt zu damaliger Zeit als einziges im Libanon die Lizenz zum Glücksspiel.

Besonders praktisch für die zahlreichen Besucher war die direkte Anbindung an die Bahnlinie. Welch ein Luxus und Fortschritt zu damaliger Zeit, wo doch heutzutage keinerlei Bahnverkehr mehr existiert geschweige denn Bahnlinien mehr vorhanden sind! Das Verkehrschaos im Land wäre um einiges dezimiert – doch dies ist ein anderes Thema.

Den Sommer über blieben die Gäste oft bis zu drei Monaten, sie entflohen somit der Hitze des Mittleren Ostens, dazu musste sich die weite und beschwerliche Reise auch lohnen!

Mühelos können auch heute noch durch die Korridore der 75 Zimmern des Grand Hotels die geheimnisvollen Absprachen und Machenschaften zwischen Generälen und Ministern gehört werden und die Liebesaffären mit Berühmtheiten im Schutze der Monkey Bar beobachtet werden. Leider war der Zutritt nur im Erdgeschoss gestattet, zu gerne hätte ich auch einen Blick in eines der Gästezimmer werfen mögen.

Leider war das Hotel Opfer des Bürgerkrieges. Unter Beschuss, von Vandalen malträtiert und geplündert, außerdem diente es als Hauptquartier der syrischen Armee. Doch ein Mitglied der Familie Sursock hat es ab 2014 so weit wieder in einen sicheren Zustand gebracht um die Pforten für Kunstausstellungen, Hochzeiten und Empfänge zu öffnen und somit wird dem breiten Publikum erneut Zugang gewährt. Ein regenfestes Dach, Deckenabstützung durch Drahtgitter, Elektrizität und moderne Toilettenanlagen lassen die zahlreichen begeisterten Besucher und Fotografen sicher und bequem durch die Etage flanieren. Die Obergeschosse sind in solchem desolaten Zustand, dass diese wohl für längere Zeit der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Doch die große Terrasse und vor allem der weitläufige Park sollen nach und nach wieder in Ordnung gebracht werden.

Der Künstler Tom Young stellt hier derzeit 40 Leinwand-Gemälde aus und in Zusammenarbeit mit einem Kurator und einem Bühnenbildner werden die Besucher in die Zeit von damals zurückversetzt. Gemälde und Umfeld bilden eine Einheit, durch Requisiten in den entsprechenden Räumen und den passenden Bildern dazu, konnte ich mühelos Mäuschen spielen. Ebenso wird ein Film in Endlosschleife gezeigt. Der Initiator berichtet über das Projekt, Original-filme und -fotos aus der Vergangenheit des Hotels und Interviews mit Zeitzeugen geben dem Ganzen nochmal ein weiteres Gesicht.

Nachfolgend seht ihr nun einige Fotos. Zwischen den Textpassagen hätte es nicht so gepasst, da weiterführende Erklärungen gefehlt hätten. Lehnt euch somit zurück und lasst euch verzaubern vom Glanz der vergangenen Zeit.

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Der Außenbereich des Hotels ist begehbar. An mehreren bereits restaurierten Rundbogenfenstern wird klar, wie schön das Haus einmal sein könnte. Alte Bäume – unter anderem eine riesige Zeder – stehen mächtig als stumme Zeugen der Geschehnisse im Garten. Was sie wohl alles erlebt hatten?

Ein geschäftstüchtiger Bäcker einige Häuser weiter, hatte seinen Verkaufsstand kurzerhand auf die Terrasse des Anwesens verlegt. Neben Hochstapelei ließen auch wir uns die leckeren Manouche Zaatar schmecken – köstlich!

Besonders erwähnenswert sind die Details um das Bahn fahren. Auf den Fotos sieht man die Lage des Bahnhofs und des Hotels.

Diesem Thema wurde im Hotel eine eigene Nische gewährt. Dank Postkarten, alten Aufzeichnungen, Fahrplänen, Bestelllisten und dergleichen konnte dem Besucher vieles klarer dargestellt werden. Vielleicht liest ein Nachkomme von Carl Felix aus Kassel hier mit und meldet sich?

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Fahrplan Beirut-Rayak

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Deutsche Grüsse

Zuletzt besichtigten wir natürlich noch den verbliebenen Bahnhof. Das Wärterhäuschen steht noch, auch der Wasserturm. Wo ehemals die Gleise verliefen, wächst heute schöner Rasen.

 

 

Wünschen wir uns somit am Ende dieser herrlichen Besichtigung, dass noch mehreren erhaltungswürdigen Bauten ein ehrendes Denkmal gesetzt wird. Dass die Libanesen weiterhin aufgeschlossen bleiben, den Mut haben ein Wagnis einzugehen und neue Wege einzuschlagen. Fern ab der Abrissbirne und Planierraupe, damit auch die Kinder der Kinder noch den Glanz und den Zauber der Vergangenheit spüren.

Gruß Karin

 

 

 

Der etwas andere Erntedankgottesdienst

Seit Jahren ist es in der Evangelischen Gemeinde zu Beirut Tradition geworden, dass der Gottesdienst zum Erntedankfest im Hotel Russli bei Familie Aramouni in Broummana gefeiert wird. Nach Angaben des heutigen Besitzers, stammte seine Großmutter aus Deutschland, der Großvater aus der Schweiz. Die beiden hatten im Jahre 1930 das Hotel eröffnet. Der ursprüngliche Hotelbau diente nach dem großen Neubau nicht mehr als Gästeunterkunft, der besondere Charme ist jedoch bis heute erhalten geblieben.

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Das ursprüngliche Hotel Russli

Irgendwann kam unter der Mithilfe der Mutter des jetzigen Besitzers die Tradition auf, dass das Erntedankfest in den Räumen oder im Garten des Hotels stattfindet. Der Mutter, die inzwischen verstorben ist, wird somit heute noch ein Denkmal gesetzt.

Der große Hotelneubau ist inzwischen sehr in die Jahre gekommen und etwas antiquiert. Die Einrichtung im 50er- und 60er-Jahre Stil jedoch sehr gepflegt und eigentlich weiß man nicht so richtig, ob im Haus überhaupt noch Gäste aufgenommen werden. Alles deutet jedoch darauf hin, dass noch reger Betrieb herrscht. Beim Eintreten in die Lobby fällt die gut bestückte Hausbar auf, aus der Küche kommen verführerische Düfte und lautstarkes Geschirrgeklapper und hie und da wuselt jemand mit einem Besen oder Staubmopp umher. Eigentlich könnte ich mir direkt ein Filmteam vorstellen, die Kulissen wären komplett vorhanden.

Doch zurück zum eigentlichen Thema. Die Mitteilung im monatlich erscheinenden Rundbrief der Gemeinde kündigte einen Familiengottesdienst mit Abendmahlsfeier an, im Anschluss geselliges Beisammensein, wobei ein jeder etwas für das leibliche Wohl beisteuert. Dieses Jahr dann mit unserem frisch ins Amt eingesetzten Pfarrer Jürgen Henning. Da wollte ich doch auch mit von der Partie sein, zumal mein Anfahrtsweg gerade einmal 3 Minuten Autofahrt in Anspruch nimmt – optimaler kann es ja nicht sein.

Nach der etwas kürzeren Nacht, denn am Abend zuvor war ich noch in Byblos auf dem Oktoberfest, bereitete ich am Morgen noch meinen besonderen Nudelsalat vor und machte mich auf zum Hotel. Auf den Parkplätzen standen schon mehrere Autos, im Garten inmitten der Pinienbäume war für mehrere Personen aufgestuhlt und dann erblickte ich auch schon unter dem Dach der Pinien den sehr schön vorbereiteten Erntedankaltar und liebliche leise Musiktöne strömten mir entgegen. Aha – der Gottesdienst findet also im Freien statt, sehr schön und was für ein Glück, dass das Wetter auch mitspielt. Und welch entspannte und friedliche Atmosphäre! Und als mir dann noch meine Freundin Bettina entgegenlief und wir uns nach drei Monaten gesund, munter, glücklich und fidel in die Arme schließen konnten – da stimmte doch einfach (fast) alles. Bei dieser Gelegenheit wurde mir dann auch der neue Pfarrer vorgestellt, denn zu seiner Amtseinführung vier Wochen zuvor war ich ja leider nicht da.

Kurz noch einige andere bekannte Gottesdienstbesucher begrüsst, Sitzplatz auserkoren, aus einer reichhaltigen Farbenpalette das Liedblatt ausgesucht und dann erhielten wir von Jürgen noch nähere Erklärungen zur Liturgie und stimmten jedes Lied kurz an.

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Schaut mal, wohin der Sonnenstrahl fällt!

Der Gottesdienst konnte beginnen. Mehrer Kinder setzten sich zu ihren Eltern, hüpften jedoch wieder von dannen um kurze Zeit später wieder für einen kleinen Augenblick zur Gemeinschaft zurückzukehren. Der treue vierbeinige Begleiter einer Dame hinter mir wollte nicht so recht neben ihrem Stuhl Platz nehmen, die Düfte vom vorbereiteten Büffet waren für den kleinen Wauwau wohl zu verlockend. Unter Mitwirkung von einigen Gottesdienstbesuchern beim Vorlesen von Texten, musikalischer Begleitung vom Band und unserer aktiven Sichtbarmachung des Regenbogens bekamen wir dann doch Probleme beim Singen, denn Dutzende von Piepmätzen im Piniendach über uns, versuchten stimmgewaltig unseren Gesang und Musik zu übertönen. Was für ein lebendiger und erfrischender Gottesdienst, hier war Gottes Schöpfung wahrlich spürbar!

Im Halbkreis vor dem Altar beim Abendmahl sah ich dann auch, dass die Anzahl der Besucher ganz beachtlich war, inklusive der Kinder müssten es um die 35-40 Personen gewesen sein. Wünschenswert, wenn jeden Sonntag so viele zusammenkommen könnten.

Die leckeren mitgebrachten Speisen unterschiedlichster Art wurden von allen dankbar angenommen und verspeist.

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Das Hotel kochte uns Wasser für den Kaffee oder Tee. Wasser, Softdrinks, sogar Wein gab es zur Auswahl. Die neuen wiederverwendbaren Trinkbecher der Gemeinde wurden benützt, auch richtiges Besteck wurde verwendet – auch hier wird löblicherweise versucht, dem Müllberg entgegenzutreten.

Nette Gespräche, Neuigkeiten, Tratsch und Klatsch und witzige Anekdoten wurden ausgetauscht. Es waren sehr schöne und gesellige Stunden die wir verbringen konnten.

Auch wenn es in der Gemeinde inzwischen sicherlich zur Gewohnheit geworden ist – auf diese Weise das Erntedankfest zu feiern – ist etwas ganz besonderes!

Hoffen wir, dass wir auch im nächsten Jahr in Frieden DANKE zu einer reichhaltigen Ernte sagen dürfen!

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Gruß, Karin

 

 

Oktoberfest in Byblos

Wiedereinmal zeigt sich, dass sich im Laufe der Jahre doch einiges verändern kann. Frisch aus dem Sommerurlaub zurückgekehrt, erstaunt mich das Angebot an Oktoberfesten. Seit Ende September bieten die verschiedensten Hotels und Restaurants das Spektakel an, auch das Küstenstädtchen Byblos, was sich einheimisch Jbeil nennt, bot am letzten Wochenende ein Fest der Superlative.

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Unter der Schirmherrschaft des Münchener Flughafens, des Münchener Touristikbüros, der Stadt Byblos und dem Pub-Restaurant München aus Beirut fand der Festakt mit dem besonderen Schmankerl statt, dass die bayerische Bierkönigin 2018, Johanna Seiler aus Schwaben, mit anwesend war. Das hörte sich doch alles ganz gut und organisiert an!

Nachdem Joachim die Woche zuvor von einer ähnlichen Feierlichkeit in Beirut mehr oder weniger enttäuscht war, entschlossen wir uns, gemeinsam nach Byblos zu gehen. Um dem üblichen chaotischen und nervenaufreibendem Verkehr am Samstagabend etwas zu entkommen, waren wir bereits pünktlich kurz nach 18 Uhr dort, fanden ganz in der Nähe erstaunlicherweise noch einen Parkplatz und marschierten zur Kasse.

Dort erfuhren wir, dass es zwei Varianten zum Eintrittsgeld gibt. Die eine für 50 Dollar, wofür man Paulaner-Bier bis zum Abwinken bekommt, dazu Brezeln und eine „Deutsche Platte“. Diese beinhaltete verschiedene Grillwürste, Kartoffel- und Krautsalat. Die andere Variante kostete knapp 7 Dollar, dafür bekam man einen kleinen Glaskrug, einmal gefüllt mit Bier. Der Krug durfte dann auch mit nach Hause genommen werden. Alles weitere musste man sich dann kaufen. Die Entscheidung war schnell gefällt, für Joachim die Deluxe Variante, für mich das Sparangebot. Unsere Handgelenke wurden noch je nach Eintrittspreis verschieden farbig mit Bändern markiert und wir traten durch die Sicherheitskontrolle auf das Festgelände.

Unter freiem Himmel, wunderschön beleuchtet mit Lichterketten, original authentischen Biertischgarnituren und Holzbuden wollten wir uns an einem für uns geeigneten Platz niederlassen. Doch da wurden wir bereits vom Personal darauf hingewiesen, dass ich mit meinem grünen Bändchen hinten Platz nehmen dürfte und Joachim sich mit seiner pinkfarbenen (VIP!) Markierung nach der Absperrung im vorderen, der Bühne zugewandten Bereich, setzen dürfte. Ich dachte ich hatte ich mich verhört! Wir sollten dies- und jenseits der Absperrung getrennt voneinander sitzen und uns immer wieder nur zuwinken und je nach Sichtfeld zuprosten können? Auch das Angebot, dass wir beide im hinteren Beireich bleiben könnten, wurde nicht akzeptiert. Der Manager wurde geholt, typisch libanesisch große Diskussion, ein Hin, ein Her und ich bekam letztendlich dann auch ein pinkfarbenes Band und durfte zusammen mit meinem kleinen Glas bei Joachim Platz nehmen. Die Konditionen bezüglich Speisen und Getränke blieben natürlich erhalten und ich hielt sie auch strikt ein.

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Da sassen wir dann und beobachteten im fast leeren 1. Klasse Bereich, wie sich die Bänke und Tische im hinteren Bereich immer mehr füllten, bei uns im vorderen sich jedoch nur allmählich etwas tat. Bei diesen Preisen kein Wunder. Da entdeckte ich ein blondes lockiges Madl, verpackt im Dirndl mit Krönchen auf dem Haupt – das konnte doch nur die Bierkönigin sein! Ich marschierte natürlich flugs zu ihr hin, fragte artig, wir stellten uns gegenseitig vor, und wechselten einige Sätze. Sie war unglaublich nett und erzählte auch sofort darauf los, war freudig überrascht vom Libanon – natürlich hörte sie in ihrer Heimat die gängigen negativen Ratschläge bezüglich Reisen im Libanon – ansonsten humpelte die Arme mit Orthese auf Krücken, da sich sich kurz vor ihrem Ablug noch eine schlimme Fußverletzung zuzog. Ehrensache, dass ich mit ihr zusammen ein Selfie schoss.

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An der Grillstation bemühte man sich doch immerhin kurz vor 7 Uhr, die Holzkohle zum Glühen zu bringen, die Bühne war noch unbesetzt, die Spezialisten an den Mischpulten spielten lautstark Musik ein, die eher in einen Club als auf eine „Festwiese“ gehörten.  Doch muss ich zu deren Verteidigung auch erwähnen, dass einmal sogar ganz kurz die Helene auf Deutsch atemlos hörbar war, doch leider konnte fast niemand mitsingen und somit schwappte die Musik wieder ins Englische über. Doch die Menschen hatten ihren Spaß, das Personal war eifrig dabei, die leeren Krüge zu füllen, auch ich marschierte irgendwann los und ließ die Luft aus meinem Krügchen. Am Grillstand im Abteil der Arbeiterklasse stapelten sich auf einer Platte die fertig gegrillten aus Deutschland importierten Schweinewürste und somit entschied ich mich kurzerhand für mein Abendessen, denn die Jungs im VIP Bereich fächelten der Kohle immer noch Luft zu in der Hoffnung, die Würste endlich auf den Grill zu bekommen. Leider bekam mein armes Würstchen nur ein schlaffes Hotdog-Brötchen als Partner, die Wurst war bereits erkaltet, aber immerhin war es eine gute deutsche Wurst, die mein Gaumen auch gewöhnt war und mochte.

Irgendwann marschierte dann die bayerische Musikkapelle auf die Bühne und als die ersten Klänge ertönten schaute das, vorwiegend, libanesische Volk doch recht seltsam aus der Wäsche, gewöhnte sich jedoch recht schnell an die Musik.

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Etwas seltsam fand ich dann doch eher den Sprecher der Gruppe. In sehr schlechtem Englisch und extrem bayrischem Dialekt versuchte er die Besucher zum Mitmachen zu animieren, was anfangs eher in eine etwas peinliche Reaktion endete, zum Schluss jedoch eher in das Gegenteil. Mit Biegen und Brechen wurde anfangs ein Mädchen aus Byblos zum Musikspiel auf die Bühne gerufen, sie war so peinlich berührt, dass sie vorzeitig wieder von dannen ziehen wollte. Zum Schluss des Auftritts wurden 8 Mädels gesucht und ein Vielfaches bestürmte die Bretter die die Welt bedeuten, machten mit grosser Freude mit und posierten natürlich genau so gerne vor den Kameras für die Erinnerungsfotos. Im Allgemeinen versuchen die Libanesen mit einer ungewohnten Situation schnell klar zu kommen, das beste daraus zu machen und außerdem noch Spaß daran zu haben.

Der Zustrom auf dem Festgelände war enorm! Der hintere Bereich war voll, die Leute mussten stehen, vorne war mehr als genügend Platz, somit hieß es für uns, unsere Plätze noch weiter nach vorne zu verlegen, die Absperrung kam ebenso weiter nach vorne, das Volk hatte Platz! Am Tag zuvor wurde die Absperrung entfernt, was sich als fataler Fehler erwiesen hatte, das Bier kippte unkontrolliert von den Maßkrügen in die kleinen Glaskrüge, die Maßkrüge wurden gestohlen, es herrschte wohl ein grosses Durcheinander, deshalb wurde beschlossen, die Trennung auf jeden Fall beizubehalten.

Desweiteren waren noch andere libanesische Musikgruppen zu Gast. „Normale Musik“, fern ab von Jodeln und Kuhglocken-Musik.  Die Stimmung stieg, die Menschen johlten und tanzten auf den Tischen.

Irgendwann gesellte sich zu all dem Bier beim hungrigen Göttergatten auch seine „Deutsche Platte“,

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gönnerhaft schob er mir immer wieder einen Wursthappen in den Mund, natürlich wurde der Kartoffel- und Krautsalat als nicht gut jedoch essbar befunden – was hatte er erwartet?- die Brezeln im Körbchen waren zwischenzeitlich steinhart und zäh – aber es ist wie es ist – ich finde es schon großartig, dass versucht wird, etwas auf die Beine zu stellen, die Betreiber können nur dabei lernen, dass es im nächsten Jahr optimiert wird.

Irgendwann versuchte das viele Bier im Durchfluss auch wieder auf anderen Wegen herauszukommen. Und abermals traute ich meinen Augen nicht, es gab richtige Toilettenwagen! Wie sollte es auch anders sein – nur die deluxe-Ausgabe war gut genug für diesen Abend, inclusive Service-Frau und Service-Mann! Davon hatte ich hier im Libanon ebenso noch nie gehört oder gesehen. Ich kann mich nur wundern.

Das war es, das Oktoberfest Byblos 2018!

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Auf die Schwaben im Libanon beim bayerischen Oktoberfest! Oans – zwoa – drei – gsuffa!

Pepper & Salt

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So nennt sich eine Stuttgarter Vokal-Gruppe die zum größten Teil im herrlichsten schwäbischen Dialekt a cappella singen. Mit ihrem derzeitigen Programm SENGSALABEM – A CAPELLA VERZAUBERT. KEIN HOKUS-POKUS – SONDERN WAHRE MAGIE bleibt die Komödiantik natürlich nicht aus und beschert am Samstagabend in der vollbesetzten Theaterwerkstatt im Spital in Schwäbisch Gmünd den rund 100 Zuschauern wieder einmal eine unvergessene Zeit mit Augen-, Ohren- und Herzschmaus!

Natürlich darf eine besondere Aussage zwischen den Liedzeilen nicht fehlen: Schwäbisch isch seggsie ond schee!

Mit unverwechselbarem, authentischem schwäbischem Humor werden alltägliche Themen wie der Wunsch eines Motorrades, der Zauber der Lorelei, dem täglichen Ärger mit der Post und den verschwundenen Paketen, der Magie der Liebe im Allgemeinen, die verschiedensten Musicalaufführungen und alte weltbekannte Musikhits besungen.

In der Zugabe wurde dann letztendlich verdeutlicht, dass schwäbisch durchaus auch einen chinesischen Klang bekommen kann und im ersten Moment durchaus mit der Sprache aus dem Land der aufgehenden Sonne verwechselt werden kann. Dies wurde uns Zuschauern erst nach einigen Sätzen deutlich und die Lacher waren dafür um so größer. Auf die richtige Tonart und Betonung im Singsang kommt es an und somit wurde die überschwemmende Zwetschgenernte und dem daraus resultierenden Schnaps und „Moscht“ im Sommer 2018 nochmals auf fremdklingende Weise ein Denkmal gesetzt!

Schön war’s – und lustig und lehrreich und es gab den Zuschauern dieses Gefühl von eingeschworener Zusammengehörigkeit. Denn ein „fremdländisch Sprechender“ hat an diesem Abend nur sehr wenig verstanden!

Ade, war schee!

Karin

 

Grüne Soße am Römer

Langsam aber sicher sollte ich aufpassen, dass der Blog nicht mit meinen kulinarischen Vorlieben in Verbindung gebracht wird. Doch das Probieren der berühmten Frankfurter Grünen Soße war auch so ein Punkt auf meiner inneren To-do-Liste. Seit Jahrzehnten ist Frankfurt für uns ein Zwischenstopp bei unseren vielen Flugreisen, doch außerhalb des Flughafenareals setzte ich bis dato noch keinen Fuß, das heißt bis neulich!

Da eine langjährige Freundin seit einiger Zeit in Frankfurt wohnt, bot sich eine kurze Stippvisite mehr als an. Längeren Aufenthalt gab unser beiderseitig prall gefüllter Kalender auf die Schnelle leider nicht her. Trotzdem wurde ich liebevoll empfangen und verwöhnt. Wir verlebten schöne, lustige und entspannte Stunden miteinander. Meine Leser die nun denken, hey ich wohne auch in Frankfurt und auch wir kennen uns – kann ich nur beruhigen, irgendwann sehen auch wir uns.

Mit dem Zug ging es samstagmorgens hin und sonntagmorgens wieder zurück. Auch hier, wie in Bremen, ist das Bahnhofsgebäude von außen schon so schön!

Trotz meinem lädierten Knie waren wir stundenlang in der Stadt unterwegs, jedoch mit vielen Pausen, mit einer kleinen Schifffahrt auf dem Main, für ein kleines Gebet im Dom und natürlich aß ich auch die bekannte Frankfurter Grüne Soße, welche ich im traditionsreichen Restaurant „Zum Schwarzen Stern“ genießen durfte.

Und das hier ist sie, die Frankfurter Grie Soß!

Grüne Soße

In die kalte Soße gehören sieben Kräuter; Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Sauerampfer, Schnittlauch und Pimpernelle. Saisonstart ist traditionell am Gründonnerstag und dauert bis zum ersten Frost im Herbst. Unter die fein gehackten Kräuter wird Sauerrahm, Crème fraiche oder Schmand gerührt. Aufgeschlagen mit Essig, Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Öl. Dazu Salzkartoffeln und gekochte Eier. Wie bei jedem anderen Rezept auch, gibt es verschiedene Abarten. Manches Mal werden die Eier fein gehackt unter die Soße gezogen oder es wird Quark oder Joghurt dazu gemengt. Zwiebel, Knoblauch oder Senf wird auch des Öfteren beschrieben – man sieht – DAS richtige Rezept gibt es oftmals nicht, bis auf die bestimmten sieben Kräuter. Gerne gibt es Fisch, Tafelspitz oder Ochsenfleisch dazu, ich wollte es pur und am liebsten im Original. Lecker!

Das war mein Kurztrip nach Frankfurt, Besuch bei lieben Freunden, vielen Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Gaumenfreuden. Bis bald einmal wieder, Danke an meine Gastgeber,

Gruß Karin

Sommer, Insel, Meer & Fisch

Hier nun also die Fortsetzung unserer Urlaubserlebnisse. Per Zug fuhren wir gänzlich entspannt von Bremen über Oldenburg nach Norddeich Mole. Norddeich ist ein Stadtteil von der Stadt Norden in Niedersachsen, nahe der Nordseekünste. Die Endhaltestation Norddeich Mole liegt direkt an den Fähranlegern, die ganz bequem zu Fuß in wenigen Metern vom Bahnsteig zu erreichen sind  – dies als Erklärung für die unwissenden zukünftigen Urlauber. Während der Hauptsaison verkehren die Fähren im Stundentakt von und nach Norderney, unabhängig von der Tide. Urlauber mit Koffern oder komplett mit dem Auto oder Motorrad, Lieferanten, Taxis, Insulaner, Tages- und Wochenendurlauber – ich konnte nur so staunen, dass diese Menschenmassen im Stundenrhythmus auf die Insel strömen! Während der knapp einstündigen Fahrt auf spiegelglattem Meer, die vorsorglich eingenommene Tablette gegen Seekrankheit hätte ich gar nicht nehmen müssen, kam uns natürlich auch eine Fähre entgegen. Autos, Motorräder und Menschen die für uns alle Platz gemacht hatten!

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2018-07-23 Fahrt nach Norderney

Herrlichster Sonnenschein und in freudiger Erwartung urlaubsselige Menschen umgaben uns, allein die Überfahrt war schon Entspannung pur.

Bei der Ankunft im Hafen blieb uns nichts anderes übrig, als dem Passanten-Strom zu folgen. Bei der Kontrolle wurden wir nach unseren Tickets gefragt und im Gegenzug wurden uns die Norderney-Karten in die Hand gedrückt. Busse mit den unterschiedlichsten Ankunftszielen standen bereit, ein kurzer Check in welcher Straße unser Hotel lag, die Busgebühr entlohnt und ab ging die 10-minütige Fahrt direkt bis vor das Hotel – welch ein Glück.

Privatautos dürfen sich während der Hauptsaison vom Zeitpunkt des Anlegens eine Stunde lange in der Stadt bewegen, dann muss das Fahrzeug außerhalb auf Parkplätzen kostenpflichtig abgestellt werden. Außer man hat eine Sondergenehmigung, diese muss im Vorfeld beantragt werden. Eine weitere Möglichkeit wäre auch, das Auto am Bahnhof Norddeich auf den dafür vorgesehenen Parkplätzen abzustellen und dann nur mit dem Gepäck auf die Fähre zu gehen. Genaugenommen braucht man auf der Insel nämlich gar kein Auto. Zu Fuß, Fahrrad, Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln kann alles bequem erreicht werden. Für Taxis, Anwohner, Linienbusse und Lieferanten gelten gesonderte Regelungen.

Beim Einchecken im Hotel haben wir anhand der Norderney-Karte gleich die Kur-Taxe beglichen, somit war dies erledigt und wir mussten vor der Rückfahrt nicht noch dran denken. Es empfiehlt sich auch, die Karte stets bei sich zu tragen, an einigen Orten bekommt man damit ermäßigte Eintritts- oder Leihgebühren.

Kurz das Gepäck aufs Zimmer gebracht, ausgepackt, Badesachen zusammengepackt und ab zum Weststrand. Gegen Nachmittag war es hier schon merklich ruhiger, obwohl das Traumwetter des Sommers 2018 auch hier im hohen Norden bis in den späten Abend reichte. Bis auf einige Stunden verwöhnte uns der Wettergott den ganzen Aufenthalt hindurch mit tropisch anmutenden Temperaturen – Segen und Fluch zugleich!

Die sieben Tage vergingen wie im Flug. Wir erkundeten die Gegend zu Fuß und per Fahrrad, stöberten in den verschiedensten Läden. Hier kann ich ganz besonders das Sanddorn-Stübchen in der Friedrichstr. 28 empfehlen. Bereits beim Eintritt in den Laden mit den vorherrschenden orangefarbenen Tönen und dem betörenden Duft kommt man schon in Genießer-Laune. Stübchen

Außerdem gönnten wir uns eine Thalasso Behandlung und für die innere Wohltat aßen wir täglich Fisch in den verschiedensten Variationen. Nachdem wir  die diversesten Lokalitäten schon probiert hatten, toppte der Restaurantbesuch am letzten Abend alles bis dahin konsumierte. „Das kleine Fischrestaurant“ möchte ich absolut empfehlen, Tischreservierung unbedingt empfohlen! Restaurant

Schaut mal, was ich beim Schlendern durch die Stadt entdeckte. Witzig, was?

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Des weiteren waren wir natürlich am Strand, genossen kostenlose Konzerte und waren im Kino und erfreuten uns dort an Mamma Mia 2. Natürlich wurde auch die alte Mühle bestaunt und last but not least – aßen wir richtigen Labskaus! Doch hierüber später mehr.

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Am Weststrand

Im Sommer, wie soll es anders sein,
freut man sich auf Sonnenschein.
Sonnencreme und Sonnenhut –
damit man sich gut schützen tut!

 

Am Strand konnte ich ewig lange nach schönen Muscheln Ausschau halten um die schönsten dann als Souvenir mit nach Hause zu nehmen. Andere Badegäste verweilten sich derweil die Zeit mit ganz anderen Herausforderungen. Bevor das Kunstwerk gänzlich fertig wurde kam die Flut und holte sich Seetang und Muscheln wieder zurück.

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Strandkunst

Außerdem tuckerten wir mit der Bömmelbahn  einmal rund um die Insel. In gemächlichem Tempo und angenehm luftigen Abteilen bekommt man per Lautsprecher vom Fahrer spannende und informative Erklärungen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und mit dem typischen trockenen nordischen Humor wird die eine oder andere Anekdote zum besten gegeben.  Ausgangspunkt war im Rosengarten, direkt vor unserem Hotel. Vorbei am Hafen, am Hundefriedhof, den Pferdekoppeln, den Galloway-Rindern, Golfplatz, Leuchtturm, Oase, Kap und wieder zum Ausgangspunkt zurück. Auf jeden Fall lohnenswert. Während der 90 Minuten dauernden Rundfahrt wird an der wunderschönen Oase sogar ein Stop von einer halben Stunde eingelegt. In der Zeit schafft man es, zur weißen Düne und dem FKK Strand hochzulaufen, den feinsten weißen Sand, das Meer und die Ausblicke zu genießen und wieder zurück zur Bahn zu gehen. Bahn

Während dieser Fahrt reifte dann auch der Wunsch in uns heran, mit dem Fahrrad hinaus aus der Stadt auf den Deich zu fahren und die weitere Gegend zu erkunden. An diesem Tag war es etwas kühl und bedeckt, später kam dann auch etwas Regen auf, aber es war herrlich. Der vierte Fahrradverleiher hatte dann auch noch Räder für uns, die Idee für diese Unternehmung an diesem Tag hatten somit noch mehrere Urlauber.

Auf einem meiner Alleingänge durch das Städtchen fiel mir die Evangelische Lutherische Kirche und der alte Friedhof im Kirchgarten auf. Ich weiß nicht warum Friedhöfe so eine magische Anziehungskraft auf mich ausüben. Ich musste den Kirchhof besuchen und versuchen die uralten Inschriften der Grabtafeln aus dem 19. Jahrhundert zu entziffern.

Obwohl Tauben und Möwen selbstverständlich zu Norderney gehören, können gerade Möwen die Menschheit dort regelrecht belästigen. Die Spezies haben ihren Speiseplan so an das zur leichten Verfügung gestellte Essen angepasst, dass man sich nicht mehr getraut, auf offener Straße Eis, Fischbrötchen, Pommes o.ä. zu verspeisen. Im Sturzflug kommen wie in Alfred Hitchcock’s Klassiker „Die Vögel“ die z. T. sehr großen Tiere auf einen zugeflogen und entreißen einem das Essen. Selbst im Restaurant kam eine Möwe auf unseren Teller und stibitzte sich ein Stück Brot oder direkt vom Grill ein Stück Fleisch. An den unmöglichsten Stellen wurden daher schon die Taubenabwehrspikes installiert, doch die lieben Tiere finden überall ein Plätzen zum Spähen oder um die Notdurft zu erledigen.

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Möwe

 

Es heißt, Norderney hat 6.200 Einwohner und 30.000 Kaninchen. Tatsächlich sind auch diese lieben Tierchen überall anzufinden. Im Jahr 1620 wurden diese für den Landadel zu Jagdzwecken ausgesetzt und Fakt ist, dass die Nachkommenschaft schneller da ist, als die Waidmänner für die Dezimierung sorgen können. Nicht nur, dass sämtliche Wiesen, Waldböden und freie Flächen unterhöhlt werden, auch die mühsam mit Strandhafer- und -roggen bepflanzten Sanddünen werden unterhöhlt, stürzen ein und müssen somit neu bepflanzt werden. Das meterlange Wurzelwerk der Pflanzen bindet den Sand und wirkt somit der Erosion der Dünen vor Wind und Sturmfluten entgegen – und die possierlichen Mümmelmänner machen alles wieder zunichte. Allerdings fungieren sie neben den Vögeln und anderen Tierchen auch zur Verminderung anderer unlieben Inselbewohner.

Auch diese kleine Familie entdeckte ich eines Tages trapsend neben mir – zu süß!

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Enten?

Ansonsten erblickt man beim Gang durch die Stadt, dass noch anderen Tieren ein Denkmal gesetzt wurde.

Fernando, der etwas andere Seehund, tat es mir besonders an. Der Titelheld eines Kinderbuches von Christa Duden.

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Fernando

 

Folgende Buchbeschreibung darf ich mit Genehmigung der Autorin veröffentlichen:

Der kleine Fernando ist ein junger Seehund. Er lebt schon so lang er denken kann an der Küste Italiens, und im Mittelmeer scheint er der Einzige seiner Art zu sein. Auffällig an ihm sind sein blau-weiß-gestreifter Anzug und die Kappe. Weshalb er ohne Eltern oder sonstige Familienangehörige dort lebt, weiß er nicht… !
Sein bester Freund Dolphin, ein junger Delfin, und dessen Familie, haben ihn schon vor langer Zeit bei ihm aufgenommen und kümmern sich rührend.
Nichtsdestotrotz sucht er mit zunehmenden Alter nach Antworten. Dolphins Idee, die weise Tintenfischdame Pullpettina zu fragen, bringt allmählich Licht ins. Sie bekommt anhand ihrer vielen Bücher heraus, dass Fernando aus der Nordsee stammen muss und das Wappen auf seinem Anzug besiegt die letzten Zweifel.
Nun steht zweifelsohne fest, dass Fernando vermutlich auf einer kleinen Nordseeinsel namens Norderney geboren wurde.
Damit wurde aber nur ein kleiner Teil seiner Fragen beantwortet, denn weshalb er im Mittelmeer wohnt, kann sich niemand so recht erklären.
Damit wächst in dem jungen Seehund der unbändige Wunsch, sich auf eine ungewisse Reise nach Norderney zu begeben. Hilfe bekommt er nicht nur von Dolphins Familie, sondern auch von vielen anderen Meeresbewohnern. Es wird für ihn eine lehrreiche Zeit voller Abenteuer.
Fernandos Geschichte handelt von tiefer Freundschaft, großem Mut und davon, die eigenen Träume niemals aufzugeben. Ebenso von Abschiednehmen, Trauer, Tod und der Kraft eines positiven Willens, alles im Leben erreichen zu können.
Es ist eine aufmunternde Reise für Kinder, Eltern und Großeltern.
Für all diejenigen, die fest daran glauben, dass das Leben Veränderungen bedeutet und die damit verbundenen Herausforderungen als Abenteuer zu verstehen sind. (Quelle: Buchbeschreibung )

 

Weiter ging unsere Entdeckungstour. Auf der Georgshöhe bietet sich ein gigantischer Ausblick aufs Meer und ins Landesinnere.

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Historischer Stockanker auf der Georgshöhe

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Auf der Georgshöhe

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Von der Georgshöhe Blick zum Wasserturm und zum Kap

 

Eine lange Zeit verbrachten wir im bade~museum. Ausführlich wurden sämtliche Aspekte bezüglich Reiselust und Badespaß erörtert. Beeindruckend und sehr interessant, dass eine so große Sammlung zusammengetragen werden konnte. Irgendwann zeigte uns das Thermometer mitten in der Ausstellung auch, warum es mit der Zeit so ermüdend wurde obwohl es höchst informativ war – es war einfach unglaublich warm dort drin.

Mit Hilfe von Schaukästen, anhand Plakaten, Fotos und Aufzeichnungen werden dem Besucher auf einer 650 qm großen Fläche die lange Badetradition auf Norderney nahegebracht. Im Jahre 1800 wurde Norderney offiziell als Seebad eröffnet und ist somit das älteste an der deutschen Nordseeküste!

Das Museum berücksichtigt in einer Dauerausstellung Aspekte der Reise- und Badekultur, Gründung der Seebäder, Werbung, Reisemöglichkeiten, Einrichtungen, Badesitten und Strandleben.

Ein Fremdenzimmer aus dem Jahre 1920 kann ebenso besichtigt werden wie die Strandgarderobe der damaligen Zeit bis zum Aufkommen des Bikinis im Jahre 1946 oder dem Burkini für muslimische Damen aus dem Jahr 2015. Reisezubehör vom Haartrockner, der Schreibmaschine, Schreibsets, Kleiderpflege und Dinge zu allen nur erdenklichen Reisethemen werden ausgestellt.

Von den Anfängen der Badekarren, der ersten festen Badeanstalten, der strengen Trennung zwischen den Geschlechtern, vom Damen- und Herrenbad bis zum Familienbad – welches damals schon als ungewöhnlich freizügig bis anrüchig galt.

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Und nicht zu vergessen die Freikörperkultur, wo bereits 1946 an „der Weißen Düne“ die ersten Hüllen fielen.

Erinnerungen weckten bei uns vor allem die ausgestellten bunten Plakate und Produkte aus der Zeit unserer Kindheit. Wer kann sich nicht an die massiven Sonnenbrände erinnern bis die ersten Sonnenschutzcremes auf dem Markt waren? Und über so manches Exponat einer Badekappe die wir selbst trugen konnte auch kopfnickend geschmunzelt werden.

Sehr schön waren die Stunden, die wir dort im Museum verbrachten. Doch auch bei unseren Spaziergängen innerhalb der Stadt konnte noch so manches besichtigt werden.

Ein schöner Sonnenuntergang durfte nicht fehlen. Und die Zeilen von Heinrich Heine nach einem seiner Besuche auf der Insel sprachen mir aus der Seele. An diesem Abend ging doch ein frischer Wind, sodass ich über meinen warmen Fleece Pulli mehr als froh war. Das war aber auch der einzige Zeitpunkt, wo etwas langärmeliges ertragbar war.

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Strandpromenade Nord

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Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der Windmühle.

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Im Innern der Mühle befindet sich eine Teestube und ein Restaurant. Bei den Temperaturen ließen sich die Gäste nur im Garten bewirten, freiwillig setzte sich in diesen Tagen niemand ins Innere.

Und wie ihr euch schon denken könnt, haben wir hier an diesem historischen Platz endlich unseren Labskaus gegessen! Ein Gericht aus gestampften Kartoffeln und Rindfleisch. Rote Beete, Essiggurke, Spiegelei und Fisch – hier ein Matjes, gehört unbedingt auch mit dazu. Ich kann nur sagen, hat sich gelohnt, mochte ich sehr gerne!

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Labskaus

Hey ihr Lieben, das war’s! „Hey“ ist übrigens die einheimische Begrüßung unter sehr guten Bekannten, ansonsten einfach „Moin“. Irgendwie passte diese Erklärung nun zum Schluss. Vieles hätten wir noch unternehmen können, die Insel bietet noch einiges mehr. Erwähnenswert ist noch, dass während dem Sommer stets bekannte Künstler auf Konzerttour ihr Stelldichein geben. Auf den Rummel und Lärm von Anastacia hatte ich nicht so recht Lust und Göttergatte konnte ich zu Howard Carpendale nicht motivieren – somit entschieden wir uns für keines von beiden. Gemütlich bei einem Glas Wein oder Bier, beim Abendessen, einer Kugel Eis oder beim gemütlichen Bummeln durchs Städtchen- das war allemal entspannter.

Die Überfahrt mit der Fähre nach Norddeich Mole war ebenso ruhig und entspannt, jedoch etwas wehmütig! Urlaub ist einfach zu schön!

Bis zur nächsten Auszeit!

Gruß Karin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der falsche Labskaus zwischen Roland und Stadtmusikanten

Einige meiner Leser wissen inzwischen, sollte ich mich lange Zeit nicht mehr melden, ist entweder gar nichts los, so dass es nichts zum Schreiben gibt – oder es herrscht zu viel Trubel, so dass ich einfach keine Zeit und Muse finde. Letzterer Zustand herrscht momentan, doch heute möchte ich endlich einmal einige Eckdaten unserer Urlaubsfahrt zum Besten geben.

Mein Göttergatte überraschte mich zum Geburtstag mit einem gebuchten einwöchigen Aufenthalt auf Norderney. Welche Freude! Endlich Erholungsurlaub, dazu auf einer deutschen Nordseeinsel! Sonne, Strand und Meer – meine langerträumten Wünsche sollten wahr werden. Ich weiß, die letzten Jahre hatten wir auch immer wieder mal etwas anderes als Alltag zu sehen bekommen. Doch unsere ausgesuchten Domizile arteten automatisch in anstrengende Besichtigungstouren und stundenlangen Autofahrten oder Fußmärsche. Pures Seele-Baumeln, Dösen und Faulenzen war nicht drin.

Auf die Reise machten wir uns von zu Hause bis zum Flughafen Stuttgart per Zug, von dort mit dem Flieger bis nach Bremen, wo wir eine Nacht verbrachten. Die Freie Hansestadt Bremen war uns bis dato gänzlich unbekannt. Hier muss ich unbedingt nochmals herkommen, um die beeindruckenden hanseatischen Gebäude näher betrachten zu können. In der Kürze der Zeit und der tropischen Hitze des Sommers 2018 streiften wir somit vom Hotel in Bahnhofsnähe durch das Herdentor in die Sögestraße Richtung Altstadt, über den Marktplatz durch die Böttcherstraße bis zur Weser auf die Teerhofbrücke und somit stelle ich euch hier einige Schnappschüsse ein.

Während unserer Tour rann das eine oder andere BECK’S Bier genüsslich unsere ausgedörrten Kehlen hinab. Im Traditions-Gastronomiebetrieb BREMER RATSKELLER, direkt unterhalb und um das Alte Rathaus, hatten wir Glück, einen der begehrten Sitzplätze im Außenbereich ergattern zu können. Nach dem ausgiebigen Studium der Speisekarte fragten wir den jungen flotten Kellner mit vernehmlichem hauptstädtischem Akzent, was man typisches in Bremen essen kann. Die kurze Antwort: „Labskaus!“ Klar, gehört hatte ich das schonmal und eben in der Karte auch kurz überflogen, auf meine erneute Nachfrage um was es sich dabei genau handeln würde, wurde ausweichend erklärt: „Ein ziemliches Durcheinander, sieht nicht schön aus, schmeckt aber klasse. Mit Fisch und Roter Beete!“ Passte, wir waren gespannt!

Somit bestellten wir zweimal Labskaus, genossen den schönen Rundumblick mit geschäftigem Treiben, das Umherschlendern der unterschiedlichsten Touristen, die Straßenmusikanten und leider auch die allzu häufig auffallenden Obdachlosen in der ganzen Stadt. Das erste Bierchen war schon leer, das zweite wurde bestellt, da stürmte eine junge Kellnerin an unseren Tisch, servierte uns den Labskaus, ein kurzer Blick mit dem Einwurf – Moment, da fehlt noch was! Sie eilte zurück, die Stufen hinab ins Restaurant und kam mit kleinen Schälchen zurück, stellte uns diese an den Teller und wünschte Guten Appetit. Wir schauten in die Schalen – Rollmops, wir schauten auf die Teller – Kartoffelstampf mit irgendwelchem Grünzeugs, Fleischscheiben, Zwiebel-Bohnen-Tomaten-Salat…. Ah ha! Ich fing an zu essen, Joachim rief den Kellner nochmals an den Tisch und fragte nach, wie man das nun essen solle, ob es eine bestimmte Reihenfolge gäbe… Nö, einfach essen!

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Das ganze Essen hindurch rätselte ich über das im Vorfeld beschriebene Durcheinander, äußerte mich noch über das Sonntagsessen, dass der Rollmops dazu allerdings etwas komisch anmutet, fand es sonst sehr normal … da fiel mir zum Ende hin ein, dass ich in der Speisekarte etwas mit Spiegelei gelesen hatte. Wir riefen erneut unseren berlinerischen Bremer an den Tisch, kurze Nachfrage was mit dem Spiegelei wäre… Totenstille, geschockter Blick, großer Aufschrei: „Sie hatten den Lammbraten!!!“ Eine Tirade von Entschuldigungen folgte, dazu die Auflösung einer Frage an sich selbst, da bei der Essensausgabe zwei Lammbraten gefehlt hatten! Zwischen weiteren Entschuldigungen, verdutzten Lachern unsererseits, meinte er dann, sie bezahlen jedoch nur den Labskaus, der Lammbraten wäre teurer gewesen! Er würde uns den Labskaus sofort bringen. Wir wehrten jedoch ab, die Mägen waren bei diesen Portionen mit der Flüssignahrung bei dieser Hitze mehr als gefüllt. Der arme Junge war so was von aufgelöst, er fragte uns, ob er uns eine Linie bringen dürfte? Von Joachim kam Schweigen, ich wiederum nachgefragt, was denn eine Linie sei? Bei all meinen Fragen die letzte Stunde hindurch, kam ich mir schon vor wie der Bauerntrampel, der in die große Stadt kommt.  Eine Linie Aquavit war die Antwort!

Ja bitte! – So schnell die Füße tragen, verschwand er im Untergeschoss des Alten Rathauses, wir lachten uns kugelig. Die Dame vom Nachbartisch meinte mit einem Fingerzeig auf ihren Gatten dann nur: „Mein Mann hatte diese Woche schon Labskaus und ich meinte eben noch, das sieht heute ganz anders aus!“

Der Schnaps kam, dazu das obligatorische Schälchen mit echtem Labskaus zum Probieren- mmhh! das war was anderes! Obwohl der Lammbraten auch ganz vorzüglich geschmeckt hatte – sieht man von dem Rollmops einmal ab!

Das war unsere Bremer Anekdote – die uns wohl ewig an unsere Stippvisite erinnern wird! Dass ich im Verlauf des weiteren Urlaubs unbedingt echten Labskaus essen wollte, brauchte ich wohl nicht weiter zu erwähnen. Doch lest einfach demnächst selbst nach, die Veröffentlichung kann jedoch noch etwas dauern…

Tschüss, Karin

 

 

 

Die Sankt Charbel Statue

Am vergangenen Sonntag unternahm ich nach langer Zeit einen Ausflug zusammen mit meinem Mann. Einige Dinge stehen immer noch auf meiner Liste, die ich unbedingt im Libanon noch sehen oder erleben möchte.

Letztes Jahr im August erreichte uns während dem Deutschlandurlaub die Nachricht, dass eine riesige Statue des Heiligen Sankt Charbel in Faraya aufgestellt wurde. Dazu wurde der Verkehr mancherorts komplett gesperrt, damit der Transport durch die stellenweise engen Kurven und Straßen auch gelingen konnte. Dieses Monument wollte ich nun mit eigenen Augen sehen.

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Urheber unbekannt, Foto aus dem Internet

Faraya Mzaar Kfardebian ist eines von sechs Skigebieten im Libanon. Es liegt zwischen 1838 und 2465 Höhenmetern. Viele Male führte unser Weg dorthin. Aufgrund der verschiedensten Wohnadressen teilweise immer auf anderen Wegen, das letzte Stück war jedoch immer dasselbe.

Dieses Mal erspähten wir schon von Weitem diese Ansichten, dort ganz oben auf den Gipfel wollten wir hin!

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Eine gut ausgebaute Straße und mehrere Beschilderungen machten es uns leicht, den Weg zu finden. Auf dem großzügig angelegten Parkplatz standen schon viele Autos und beim kurzen Fußmarsch bergab kamen uns einige Menschen entgegen, augenscheinlich vor allem Touristen. Wir selbst als  „Pseudo-Einheimische“ erkennen diese anhand des äußeren Erscheinungsbildes sofort.

Eine gigantische Aussicht erwartete uns. Hinunter in den Ort Faraya, auf die Berge und den nahegelegenen Faraya-Chabrouh-Damm. Dank Internet und Wikipedia bekomme ich die Antwort, dass dieser Damm im Jahr 2007 eingeweiht wurde, eine Tiefe von 63 Meter hat und ein Fassungsvermögen von 9 Millionen Kubikmeter hat. Hoffen wir, dass dieses Wasser für die vielen Menschen im Land nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Und dann natürlich die riesige Statue, die den heiligen Sankt Charbel darstellt. Von einem privaten Investor gesponsert, aus Fiberglas hergestellt, ist die 23 Meter hohe und 40 Tonnen schwere Statue ein Anziehungsmagnet für das ganze Land.

Joussef Antoun Makhlouf wurde am 08.05.1828 im Libanon geboren, trat mit 23 Jahren dem libanesischen Maroniten Orden bei. Nach einem wirkungsvollen Leben als Mönch und Priester erlitt er am 16. Dezember 1898 während einer Messe einen Schlaganfall und verstarb am Heiligen Abend, dem 24.12.1898. Zeit seines Lebens wurden ihm Wunder nachgesagt. Todkranke Menschen gesundeten und phänomenale Dinge geschahen, die nur er bewirken konnte. Auch sein Leichnam verweste nach vielen Jahren nicht. Am 05. Dezember 1965 wurde Charbel durch Papst Paul VI. seliggesprochen und am 09. Oktober 1977 folgte die Heiligsprechung. Seitdem ist Sankt Charbel wohl einer der bekanntesten Heiligen im Libanon und zum Schutzpatron des Landes berufen. Auch wenn ich nicht dieser Glaubensgemeinschaft angehöre, bin ich mir sicher, auch meine Gebete wurden erhört.

Neben dem Bergplateau, auf der die ganze Anlage steht, war ebenso eine Quad-Station. Für diejenigen unter euch, denen dies kein Begriff sein sollte: ein Quad ist ein geländefähiges, vierrädriges motorradähnliches Gefährt.  Da die Station geschlossen hatte, beschloss Göttergatte, seinen Jeep kurzerhand selbst über Stock, Stein, Senke, Hügel und durch Wasserlöcher zu manövrieren. Im weiten Umland suchte er nahe einem Skilift ein ganz bestimmtes Restaurant wo wir zu Mittag essen wollten. Für mich völlig schleierhaft, wo man unter zig Hütten, zwischen unzähligen Bergen und Hügeln eine bestimmte Hütte finden wollte…

Vorbei an Schafherden und Eseln,

an Bienenstöcken samt Imkern,

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vorbei an typisch libanesischen Wegkreuzen,

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sahen wir dann plötzlich den Lift samt Hütte! La Cabane du Mzaar nennt sich dieser Ort.

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Rundherum nichts als Natur. Joachim musste damals im Winter links durch die Holztreppe die Hütte betreten, da alles voller Schnee war. Heute schwer vorstellbar, es war strahlend blauer Himmel, warum und ein leichtes Lüftchen wehte.

Nach dem Aufgeben der Bestellung ging ich einige Schritte und knipste reihum, wer ganz genau hinsieht, sieht Joachim auch winken.

Nach und nach kamen viele weitere Gäste, diskret leise wurde die libanesische Musik eingespielt und mit der Ruhe war es vorbei. Das Essen schmeckte jedoch hervorragend, der Service war super und wir hatten eine sehr schöne Zeit dort.

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Schaun‘ wir mal, an welchen kuriosen entlegenen Ort sich mein Gatte als nächstes erinnert und mich vor allem von dort auch wieder sicher nach Hause kutschiert!

Doch momentan bin ich nun erst einmal in Deutschland, von hier liebe Grüße

Karin

Fußballfieber im Libanon

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Nachdem nun unsere Mannschaft gestern bei der WM 2018 leider ausgeschieden ist und ich in einigen Tagen auf Reisen gehen werde, möchte ich unbedingt noch meine gesammelten Fotos der letzten Wochen veröffentlichen. Egal durch welches Bergdorf ich fuhr, welche grössere Ortschaft ich passierte oder mich im umtriebigen Großstadtgetümmel aufhielt – man hätte meinen können, außer Fußball gibt es kein weiteres Leben!

In einem libanesischen Restaurant entdeckte ich letzten Samstag diese Tafel, die als Plat du Jour (Tagesgericht) dieses im Angebot hatten:

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Restaurants, Pubs und Cafes übertrumpfen sich um die grösste Aufmerksamkeit zum Rudelgucken oder neudeutsch ausgedrückt  – Public Viewing.

Allgemein fällt mir auf, dass ich deutlich mehr deutsche Fahnen und Wimpel zu sehen bekomme als andere. Vielleicht auch nur deshalb, da die bekannten Farben sofort ins Auge stechen?

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ich weiß es nicht, jedoch sehe ich auch, dass im Laufe der Wochen die brasilianische Fangemeinde ungemein wächst.

Ein ganz besonders tolles Foto ist mir von diesem Schätzchen geglückt. Besonders zu beachten ist der Gepäckkorb samt Warndreieck! Es handelt sich hierbei um eine typische Obst- und Gemüsekiste aus Plastik, die normalerweise schwarz, grau oder blau ist und in diesem Fall farblich angeglichen wurde.

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Unzählige Läden und 1 $ Shops verkaufen ihre Fanartikel. Ich denke es gibt nichts, was es nicht gibt. Weltweit lässt sich mit der WM alles vermarkten. Ob Getränke- oder Lebensmittelverpackungen aller Art, Putz- und Toilettenartikel bis hin zum Klopapier – alles trägt den Stempel dieses Sommers!

Eben während meiner Erledigungstour konnte ich mir vom Mitarbeiter der Reinigung schon ein leidvolles „Oh Germany!“ anhören und der Tankwart fast schon zu weinen anfing, als er mir im arabischen Kauderwelsch erklären wollte, wie weh es gestern tat und wenn man die unzähligen WhatsApp-Filmchen, Statusbilder und Pressekommentare nur allein hier im Lande hört und liest, dann kann man sich die Tragweite des Debakels von gestern Abend vorstellen.

Ja, sogar ich, die mit Fußball ansonsten so gar nichts zu tun hat, habe mir die deutschen Spiele angesehen. Viele waren es dieses Mal ja nicht, aber mal schauen wie es in 4 Jahren aussieht.

Bis dahin wünsche ich noch gute, spannende und faire Spiele

Gruß Karin

 

Die Wächter des Meeres

Seit mehr als 150 Jahren wachen Generationen der Familie Cheblis über den Leuchtturm. Der allererste Turm von Beirut stammte noch aus der osmanischen Regentschaft aus dem Jahr 1840. Aus Ziegelsteinen gemauert, 25 Meter hoch, Kerosin-Lampen sorgten für das Licht. Zu damaliger Zeit war der Turm das höchste Gebäude des Landes. Hoch oben auf einem Hügel, etwas fern ab der Küste gebaut, da die Brandungswellen oft sehr hoch schwappten. Damals gab es noch nicht viele Häuser drumherum, keine Cafes oder Restaurants, am Strand gab es nur Sand und die Ziegen suchten im kargen Boden ihr Futter. Im ersten Weltkrieg wurde er dann stark beschädigt und 1918 behelfsmäßig wieder in Betrieb genommen.

1920

Jahr 1920 – Urheber unbekannt, Foto im Internet entdeckt

Einige Meter weiter wurde in den 1920-er Jahren der heutige alte schwarz-weiß gestreifte, 27 Meter hohe Leuchtturm, den Manara, wie er auch genannt wird, erbaut. Al Manara heißt auch der ganze Stadtteil im Bezirk Ras Beirut. Leider war der Neubau zugleich auch das Aus für den 1. alten Leuchtturm – er wurde abgerissen.

1925

Jahr 1925 – Urheber unbekannt, Foto im Internet entdeckt

1942

Jahr 1942 – Urheber unbekannt, Foto im Internet entdeckt

Am 22.12.1952 sank vor der Küste südlich von Beirut bei Ouzai, aufgrund eines Navigationsfehler bei schwerer See, ein grosses französisches Passagierschiff namens Champollion. Das Schiff steuerte irrtümlicherweise auf die 15 km entfernten Leuchtfeuer des Flughafens hin, lief dort auf Grund und brach auseinander. Aufgrund der Rechtsstreitigkeiten, ob der Leuchtturm brannte oder nicht, ob die Schiffsbesatzung die Leuchtfeuer verwechselten oder nicht, beschloss man dann 1953, den Leuchtturm zu modernisieren, es wurde auf elektrischen Betrieb umgestellt und zu damaliger Zeit mit der modernsten Technik ausgestattet, und somit wurde dieser dann 1957 wieder in Betrieb genommen.

1974

Jahr 1974 – Urheber unbekannt, Foto im Internet entdeckt

Während des Bürgerkriegs von 1975 bis 1990 kamen schwere Zeiten auf die Familie und den Leuchtturm zu. Gezwungenermaßen erloschen die Lichter in dieser Zeit für einige Jahre um dann Mitte der 1990-er Jahre wieder in Betrieb genommen zu werden.

Gleichzeitig begann dann natürlich auch die Bautätigkeit rings um den Turm und vielen Investoren war dieser auf dem teuren wertvollen Baugelände ein Dorn im Auge. Bald darauf erhielt dann ein einflussreicher Geschäftsmann die Genehmigung, direkt vor dem Leuchtturm ein Hochhaus mit 18 Etagen zu errichten, was für die Funktion des Gebäudes natürlich problematisch wurde. Sämtliche Beschwerden und Einwände halfen nichts, es wurde gebaut und ebenso beschlossen, einen neuen Leuchtturm, direkt am Meer zu bauen.

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Jahr 1995 – Urheber unbekannt, Foto im Internet entdeckt

Seit 2003 steht dieser 70 Meter hohe neue Leuchtturm aus grauem Beton und sendet alle 10 Sekunden zwei weiße Blitze aus. Es versteht sich wohl von selbst, dass der alte Leuchtturm seither ohne Funktion ist. Doch erfreulicherweise steht er noch! Bürgerinitiativen sei Dank! Und wen wundert es, dass auch im neuen Leuchtturm die Familie Chebli die Wächter sind, die den Schiffen des nachts den Weg zeigen?

2003 © by Ayman Raad

Jahr 2003 – © by Ayman Raad, Foto im Internet entdeckt

Auch dieser Turm wurde im Jahr 2006 das Ziel feindlicher Waffen. Die Leuchttürme Beiruts waren somit über all die Jahrzehnte hinweg strategisch wichtige Ziele! Zu Friedenszeiten wird der Turm und die ringsherum angegliederten Cafes und Restaurants allerdings zum Ziel von Ausflüglern aller Art. Touristen und Einheimische verbringen gerne ihre Zeit am nahen Wasser, genießen die Sonne, Land und Leute.

Somit höchste Zeit, mich nochmals selbst auf Entdeckungsreise zu machen, um euch aktuelle Fotos liefern zu können. Zu Beginn unseres Libanonaufenthaltes war ich natürlich schon an beiden Türmen, doch gestern vor dem Gottesdienst machte ich mich nochmals auf die Tour.

Von der Corniche aus, Beiruts legendäre 4,8 km lange Seepromenade, kann man den alten und den neuen Leuchtturm erblicken.

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Um den neuen abzulichten fuhr ich direkt bis zum Turm auf den Parkplatz des dortigen Restaurants. Beim Knipsen kamen aus dem Turm Männer vom Militär auf mich zu und klärten mich freundlich aber bestimmt darüber auf, dass der Leuchtturm zur militärischen Zone gehöre und das Fotografieren verboten sei. Sie wollten meine Fotos sehen, waren beruhigt dass sie selbst nicht darauf zu sehen waren und meinten dann, ich dürfte das Bild behalten aber nun keine weiteren Ablichtungen mehr machen. Sie hießen mich im Libanon willkommen, wünschten mir einen schönen Tag und zogen wieder von dannen. Warum der Turm momentan verhüllt ist bzw. welche Ausbesserungsarbeiten vorgenommen werden – das entzieht sich leider meiner Kenntnis.

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Rechts vom Turm reihen sich direkt ans Meer die verschiedensten Möglichkeiten zur Nahrungsaufnahme.

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Doch mein Weg ging weiter, ich wollte den alten Turm mitsamt der alten Villa Rosa noch ablichten. Über diese Residenz muss ich unbedingt noch Informationen sammeln bzw. mich kundig machen, ob man das Gebäude besichtigen kann. Leider stand die Sonne etwas ungünstig, sodass man die rosafarbene alte Pracht nicht ganz so gut erkennen kann.

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Nach dem Gottesdienst auf dem Nachhauseweg fuhr ich dann direkt am alten Turm vorbei und es war Ehrensache, anzuhalten und Fotos aus direkter Nähe zu machen.

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Am Sockel des Turms sind noch die alten Straßenbeschilderungen zu sehen und direkt gegenüber eine Nebentür von der Deutschen Internationalen Schule Beirut, die ich hier gleich mit verewigen möchte.

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Mein Traum wäre es ja nun letztendlich, den Ausblick von einem der Türme genießen zu dürfen – es wird wohl immer ein Traum bleiben, denke ich.

Hoffen wir, dass uns der neue Leuchtturm für alle Zeiten erhalten bleibt und nur aus Gründen der Modernisierung repariert bzw. generalüberholt werden muss und somit  weiterhin verlässlich seinen Dienst tun kann als Wächter des Meeres.

Gruß Karin

Nachtrag im Januar 2019: Hier der neu restaurierte farbige Leuchtturm. Sieht doch gleich viel freundlicher aus!

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Die Sommer-Bowle

Als wir nach der letzten Buchlesung im Gemeindezentrum noch nett beisammen standen, fragte eine Freundin so locker in die weinselige Runde, ob wir nicht Lust auf ein Sommer-Bowle-Fest hätten. Bowle? Fest? Na klar! Da waren wir anderen drei sofort dabei.

Unverzüglich wurde zwecks leichterer Kommunikation eine Chat-Gruppe eingerichtet, die eine und andere interessierte Bekannte wurde noch hinzugefügt und bereits am nächsten Tag wurde eifrig mit Terminvorschlägen hin- und hergeschrieben. Als dann das Datum und der Veranstaltungsort endlich stand, wurde im Gemeindezentrum ein Aushang gemacht, im monatlich erscheinenden Newsletter der Gemeinde die Ankündigung gemacht, der Pfarrer machte während dem Gottesdienst im Zuge der verschiedensten Bekanntmachungen auch unseren Event nochmals publik und dann warteten wir gespannt, wer sich so anmelden würde.

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In der Woche davor wurde dann abermals per Chat eifrig diskutiert, wer welche Köstlichkeit zum Fest beisteuern oder  einkaufen würde und somit konnte die Party am 08. Juni steigen!

Erfreulicherweise fanden doch einige Damen den Weg in den 8. Stock, der Dachterrasse des Gemeindehauses. Ein laues Lüftchen und ein herrlicher Blick auf den alten Leuchtturm erwartete uns. Auch sonst zeigte der Rundumblick, dass einige alte Gebäude in der Nachbarschaft liebevoll restauriert wurden. Tief unten sah man das Dach der Kirche und im Hof spielten dutzende Kinder vom Kindertreff, die das Fest zum Ende des Schuljahres mit der Verabschiedung des Pfarrerehepaares verband, welches in Kürze den Libanon nach 9 Jahren Aufenthalt verlassen würde.

Ganz typisch nach Frauenart wurde erst einmal dekoriert. Tischdecken, Kerzen und hier und da stimmungsvolles Laternenlicht, Lampions und Luftballons rundeten unser Werk ab. An Musik dachte leider niemand, für mich war es jedoch o.k.

Beachtet bitte die Säule auf der Terrasse, genau so schwarz-weiß gestreift wie der alte Leuchtturm, der in direkter Verlängerung steht! Da hat sich aber jemand was bei gedacht, was?

Somit war es mehr ein gemütliches Beisammensein bei leckeren Speisen und süffiger Bowle. Und da ich nicht fahren musste, durfte ich beim alkoholhaltigen Mischgetränk tief in den großen Topf blicken. Anne fuhr mich spät am Abend extra noch nach Hause, das war mal klasse!

Um 22.30 Uhr kam bereits unser bestellter Putzmann. Bis Anne, Bettina und ich noch die Getränke- und Essensreste verteilten, hatte er schon die Tische abgeräumt, die Balkonmöbel zusammengestellt und war am Spülen. Dies ist ganz klar einer der Vorteile, wenn man in einem Land lebt, in dem Dienstleistungen nicht teuer sind und bedürftige Menschen immer gerne etwas dazuverdienen.

Somit bekommt man doch Lust, die nächste Party zu feiern, oder?

Bis dahin, Gruß Karin

 

Frauenklönschnack im Libanon

Am 15.11.2010 gründete ich aus der Not heraus mit zwei anderen Freundinnen zusammen den Frauenklönschnack im Libanon. Not deshalb, da schon zur damaligen Zeit die Aktivitäten der Vereinigung deutschsprachiger Frauen im Libanon entweder sehr gering oder nur auf den Stadtkern Beiruts angesetzt waren. Was für die anderen Frauen die außerhalb lebten oder schulpflichtige Kinder oder Haustiere zu versorgen hatten, aufgrund des Straßenverkehrs nicht immer ein leichtes Unterfangen war. Somit verabredete ich mich mit einigen Freundinnen sowieso regelmäßig zum Mittagessen oder zum schnellen Kaffee. Unser kleines Netzwerk bekam zu dieser Zeit immer des Öfteren zu hören, dass neu Hinzugezogene mit den aufkommenden täglichen Schwierigkeiten rat- und hilflos auf der Suche nach Ansprechpartner waren. Da wollten wir helfend und unterstützend zur Seite stehen. Was für Außenstehende wohl mehr nach Kaffeeklatsch, klönen und tratschen anmutet, ist für manche Frau und auch Mann wichtiger Erfahrungsaustausch,  Infobörse und Lebenshilfe, um in einem fremden Land Fuß zu fassen. Dieses Netzwerk sollte sich vergrößern und anhand Mund-zu-Mund-Propaganda Hilfe zur Selbsthilfe geben. Monatlich wurden wir mehr, zum Sommer hin verließen dann wieder einige das Land, im Herbst kamen neue hinzu und so wuchs und gedieh unser Projekt.

Desweiteren wollten wir in wohltätiger Form unsere privilegierten Lebensumstände und lukrativen Kontakte einsetzen. Mit einem SOS Kinderdorf veranstalteten wir zu Weihnachten 2011 eine große Geschenke-Spendenaktion.  Anhand selbst gestalteten Plakaten und gezielten Spendenanfragen sammelten wir eine beträchtliche Geldsumme, so dass wir für jedes Kind des Heimes zusammen mit den Hausmüttern die gewünschten Geschenke besorgen konnten und in einer großen Feierstunde samt Nikolaus die Übergabe zelebrieren konnten.

Als meine beiden Freundinnen dann 2011 und 2012 das Land verließen wurde es ruhiger in der Gruppe. Wir trafen uns nach wie vor, doch mich aktiv bei der Organisation zu unterstützen, das wollte zu damaliger Zeit niemand und alleine konnte ich solche aufwändigen Aktionen nicht stemmen und somit blieb es nur bei monatlichen Stammtischtreffen.

Als dann auch ich im Juni 2014 das Land verließ und nach Jordanien weiter zog, hat sich meine Freundin Anne bereit erklärt, die Organisation zu übernehmen. Seitdem wächst oder schrumpft die Gruppe, je nachdem wie Interesse besteht. Einen geeigneten Termin zu finden an dem möglichst viele Zeit haben, das wird wohl nie sein. Reisepläne, Events, Einladungen, Krankheit und Kinder machen so einige Absichten zunichte, so dass die letzten Male Anne und ich alleine zu den angesetzten Terminen erschienen. So auch letzten Freitag beim Abendstammtisch in der Bar Dragonfly im Beiruter Stadtteil Gemmayze. Die Cocktails, ob mit oder ohne Umdrehungen, waren süffig, die Musik war erstklassig –  ein richtig toller Abend, auch wenn wir uns alleine im Takt der Musik wiegen mussten!

Das tut unserem Spaß zwar keinen Abbruch, doch irgendwie ist es auch deprimierend und traurig. Ab und an kommt mal eine ehemalige Schnacklerin nebst Gatten aus Tunesien zu Besuch und ist dann bei unseren Treffen auch sehr gerne mit dabei und von einer anderen Freundin war der Ehemann wohl öfters mit bei unseren Treffen als seine Frau selbst, doch da diesen Sommer wieder einige das Land verlassen wir es wohl noch ruhiger werden in der Gruppe.

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Somit höchste Zeit, von unserem „Baby“ zu berichten. Für so eine Gruppengründung bedarf es doch einiges an Vorbereitungen. Ein Logo musste entworfen werden und eine von uns Dreien hatte es dann gezeichnet, es wurde eine E-Mailadresse und Facebook-Seite eingerichtet, wobei letzteres eigentlich überhaupt nicht mehr aktiv ist. Langsam aber sicher ist vieles am Einschlafen, wir hoffen trotzdem, dass Rat- und Hilfesuchende sich weiterhin an uns wenden – und sei es auch nur zum Klönen, Schnacken, Tratschen, Ratschen….Logo Kloenschnack 1Folgt uns zu Klönschnack,

Gruß Karin

Der Die Das Küche!?

Beim Surfen im weltweiten Netz stieß ich zufällig auf die Anzeige von „Das Küche“. Erst dachte ich, ich hätte mich verlesen – nein! Da stand „Das Küche“ , „Restaurant“, „das Würstchenhaus“ – und folgte natürlich dem Link. Und siehe da, im Beiruter Stadtteil Mar Mikhael in der Madrid Street befindet sich besagtes Restaurant Das Kuche.

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Ehrensache, dass Anne und ich nach der Garden Show dort hin sind und getestet haben. In einer Seitenstraße der umtriebigen Armenia Strasse, wo sich Restaurants, Kneipen, Pubs, Galerien oder ähnliches aneinander reihen, liegt in einer Seitenstraße, optisch  ziemlich auffällig durch den Schriftzug über dem Eingang, dieses Kleinod.

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Der Sitzbereich in der Außenanlage ist wesentlich großzügiger gestaltet als innen. Um 20 Uhr hatten wir noch die freie Platzwahl, jedoch muss ich auch erwähnen, dass bei unserem Aufbruch bereits Menschen auf dem Gehsteig warteten, um unsere heiß begehrten Plätze zu ergattern.

Die Speisekarte ist übersichtlich, trotzdem gibt es eine reichhaltige Auswahl.

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Polnische, Österreichische  und Deutsche Bratwürste teilen sich das Angebot aus Rinder-, Schweine- oder Truthahnfleisch. Dazu leckere Pommes und Salat, der nicht vom obligatorischen Mayo-dressing ertränkt wurde, ein knuspriges Brötchen, Senf, Röstzwiebeln und eine Miniportion Sauerkraut rundeten meine traditionelle Deutsche Bratwurst ab und sie hat klasse geschmeckt. Anne wählte die Currywurst und war aus ihrer deutschen Heimat wohl etwas verwöhnt. Diese Wurst kam nur mit Currypulver daher, wobei mein Rheinisches Mädel da wohl eine ganz leckere Sauce kennen würde. Dafür hat ihr der halbe Liter frisch Gezapftes gemundet, wohin ich dagegen mir mein stilles Wässerchen schmecken ließ, da ich an diesem Tag Fahrdienst hatte.

Außerdem gibt es auch grössere Platten für 2 Personen mit allerlei Koestlichem, Ofenkartoffeln mit verschiedenen Dips und so weiter und so fort.

Hier noch einige Fotos vom Ort des Geschehens. Doch macht euch bitte selbst ein Bild beim nächsten Besuch in Das Küche.

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Übrigens, DAS wurde deshalb gewählt, da man DIE nicht schreiben wollte, da DIE im Englischen bekanntlich sterben bedeutet. Vielleicht auch eine originelle Art, sich einen markanten einprägbaren Namen zu schaffen!?

Bis zum nächsten Würstchen,

Gruss Karin

 

 

 

 

Garden Show & Spring Festival 2018

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Zum 15. Mal fand diese Woche auf dem Anwesen der Pferderennbahn in Beirut, THE GARDEN SHOW & SPRING FESTIVAL statt. Nachdem ich nun diesen Mega-Event jahrelang nicht mehr besucht hatte, war es ohne Frage, dass ich mich zusammen mit meiner Freundin zur großen Besichtigungstour nach Beirut aufraffte. Da unüblicherweise Ende Mai noch heftigste Gewitterregen durch die Region zogen und die verschiedensten Wettervorhersagen für die ganze Zeit der Ausstellung nicht gerade schönstes Wetter prophezeiten, nutzten wir gleich den Mittwoch für unser Unternehmen und hatten Glück. Zuhause noch bei kühlen Temperaturen mit grauem Himmel losgefahren, wurden wir mit blauem Firmament, strahlendem Sonnenschein und angenehmen warmen Temperaturen in der Stadt empfangen.

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Auf einer Ausstellungsfläche von 20.000 qm hatten mehr als 250 Aussteller ihr Domizil aufgeschlagen. Die verschiedensten Kategorien waren vertreten: Landschaftsgärtner, Gartenmöbel, -geräte und -werkzeuge, Reinigungsgerätschaften, Blumentöpfe, Blumen, Stauden, Sträucher, Büsche, Bäume, Kräuter und Gewürze waren ebenso zu bestaunen wie zahlreicher dekorativer Schnickschnack. Einige wenige Kinderspielgeräte, Informationsstände für die Müllentsorgung und Ökotourismus, Reiseveranstalter im Allgemeinen und dann natürlich noch die zahlreichen Stände der verschiedensten Wohltätigkeitsvereine. Gerätschaften zur Herstellung von Arrak und beim Bier- Wasser- und Weinerzeuger konnte ebenso eingekauft werden wie die vielen Reinigungs- und Pflegeprodukte für Haut und Haar in Bioqualität. Allgemein fiel mir im Vergleich zu früher auf, findet die Sparte „Bio“, „Handarbeit“ und „Hausgemacht“ einen sehr großen Stellenwert und hat wohl den ersten Platz als Werbeslogan eingenommen.

 

Kochtöpfe konnten ebenso wie Pfannen und Auflaufformen erworben werden, Bilder, ein Automobilaussteller und noch so manches mehr, wobei man sich dann irgendwann fragt, was dies noch mit Garten und Frühling zu tun hat. Aber der Libanese an sich denkt wohl: „In die Natur fahr’ ich mit dem Auto und esse was aus dem Topf kommt“!?

Einige Organisatoren und Studentengruppen klärten explizit darüber auf, die Natur mit allen Sinnen wahr zu nehmen, sie zu schützen und zu bewahren. Zeigten die verschiedensten Schutzgebiete und die Regionen der Zedernwälder. Wie die Besucherresonanz an diesen Ständen war, brauche ich für die Kenner unter uns wohl nicht extra zu erörtern.

Nicht zu vergessen das große Feld der Kulinarik! Unter den hohen Pinien mit laut schallender Musik und wechselndem Bühnenprogramm konnte auf stabilen Holzmöbeln Platz genommen werden und das reichhaltige Sortiment an flüssiger, pappiger und fester Nahrung konsumiert werden. Wenn man die Flut der Zelte und Stände so durchzählte, waren es wohl weit mehr, als die restlichen Aussteller insgesamt.

Auch wir genehmigten uns zur Erfrischung eine Zitronenlimonade, fanden trotz dem unangenehm ansteigendem Musikpegel, dass es schöne Stunden waren, die wir dort verbrachten.

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Wir sahen interessante Dinge und konnten ausgiebig unserer liebsten Beschäftigung bei solchen Veranstaltungen nachgehen, der Konversation! Im Volksmund auch Lästern genannt! Gründe gibt es die verschiedensten. Die Preise oder das Schuhwerk mancher Damen zum Beispiel. Die hohen Absätze die im tiefen Sand versinken. Doch die Schwerstarbeit von Wadenmuskulaturen müsste wirklich nicht unser Problem sein! Somit wenden wir uns mit Kennerblick der einen oder anderen nicht so geglückten Schönheitskorrektur zu. Viele meiner Leser die schon einmal hier waren wissen nun genau, wovon ich schreibe und beende somit dieses Thema.

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Wir verlassen den Ort der Veranstaltung und fahren Richtung Innenstadt, wo ich ein Restaurant der anderen Art entdeckt hatte, doch hiervon im nächsten Beitrag.

Bleibt dran, Gruß Karin

Luftige Herausforderung

In Maameltein, einem kleinen Teilort des Küstenstädtchens Jounieh, welches 16 km nördlich von Beirut liegt, wurde im Jahr 1965 die Anlage einer Gondel-Seilbahn in Betrieb genommen. Teleferique Diese fährt innerhalb neun Minuten in 4-Personen Gondeln die Passagiere die 1,5 km lange Strecke hinauf nach Harissa. Aus der Bucht Jouniehs, geht es über den Highway mitten durch die Hochhäuser, dann durch den restlich verbliebenen Pinienwald bis hinauf zur ersten Station, wo dann für die restlichen wenigen Meter in eine Standseilbahn gewechselt wird.

Für mich war es insofern eine Herausforderung, da ich vor vielen Jahren hysterisch weinend aus der Gondel stolperte, da meine beiden männlichen Ungeheuer im Zuge prä- und postpubertalem Übermut während der Fahrt in luftiger Höhe die Gondel zum Schaukeln brachten, nachdem ich zuvor schon erwähnte, dass ich in totaler Angst einsteige. Seitdem habe ich dann lieber die asphaltierte Strasse nach oben gewählt oder fuhr gar nicht hinauf. Da ich jedoch unbedingt dieses Trauma noch bewältigen wollte und meine Freundin Anne den Ort auch besuchen wollte, hat sie mir bei der Bewältigung der schweren Aufgabe sehr geholfen. Hiermit nochmals meinen Dank liebe Anne, die Dusche am Abend war trotzdem mehr als nötig bei meiner Angst.

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Harissa ist eine beliebte und bekannte Pilgerstätte die auf 650 Metern über Meeresspiegel liegt. Frische klare Luft, manchmal etwas diesig und neblig, mit gigantischem Ausblick hinunter aufs Meer und natürlich die 15 Tonnen schwere weiß gefärbte Bronzestatue der Jungfrau Maria. Sie steht auf einem 8,5 Meter hohen gemauerten konischen Sockel mit einem Durchmesser von fünf Metern, eine spiralförmige Treppe führt hinauf zur Aussichtsplattform mit der Statue, welche mit ausgestreckten Armen hinunter gen Beirut schaut. Im Sockel befindet sich noch eine kleine Kapelle.

Außerdem befinden sich auf der Anlage noch weitere Kapellen und Kirchen, ein Andenkenladen mit sakralen Artikeln und natürlich auch die große Kathedrale aus Glas und Beton, leider hatte diese geschlossen. Ich war jedoch schon einmal drin, doch allein die Form des Gebäudes, die an eine Zeder erinnern soll, finde ich mächtig imposant.

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Quelle Wikipedia, © Mikhael Bitar

Quelle Wikipedia, © Mikhael Bitar

1997 besichtigten Papst Johannes Paul II. und 2012 Papst Benedikt XVI. den Ort. Auch sonst sind ganzjährig die unterschiedlichsten Menschen vor Ort. Viele Möglichkeiten zum Verweilen sind gegeben, die schönen Zedern, die reihum gepflanzt sind, spenden Schatten und gute Luft.

Nachdem wir noch Kerzen angezündet hatten machten wir uns auf den Rückweg. Anne lief den schön gestalteten Weg bis zum Einstieg in die Gondel zu Fuss.

Dann ging es weiter bergab. Diesmal tauschten wir die Plätze, so dass ich den Blick bergauf hatte.

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Zwischen all den dicht stehenden Häusern kann hier und da doch tatsächlich noch das eine oder andere Kleinod aus früheren Zeiten erspäht werden.

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Dann wiederum kann in einem Appartement direkt auf den Tisch geschaut werden und in einem anderen zweifelhaften Etablissement direkt auf die Liegestatt. Welche Einblicke!

Schauen wir mal, welche Herausforderungen, Ein- und Ausblicke als nächstes auf mich warten, bis dahin

Gruß Karin

Seelenfenster

Diese Woche habe ich eine sehr interessante Bilderausstellung des libanesischen Künstlers Serge Oryan mit dem Titel „EYES ARE THE WINDOW TO THE SOUL“2 besucht. Der erste Teil dieser Art entstand bereits 2015, doch in der neuen Serie sind noch einige Werke ausgestellt, ähnlich in der Art und doch so verschieden, dass sie direkt herausstechen.

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Serge wurde in Baskinta geboren. Meine aufmerksamen Leser erinnern sich eventuell, dass ich im Oktober vergangenen Jahres vom dortigen Apfelfest berichtet hatte. Er studierte Graphic Design und Werbung, streckte seine Fühler jedoch auch ins Filmgeschäft aus.  Nach erfolgreichem Berufsleben im Libanon und Dubai ließ er sich schließlich wieder in seiner Heimat nieder. Immer schon war er von Gesichtern fasziniert, speziell den Augen. Selbst sagt er aus, er beobachtet Menschen, schaut ihnen in die Augen. Diese sind die einzigen Fenster zur innersten Seele und er sieht die Wahrheit in ihnen. Menschen können kontrollieren, was über ihre Lippen kommt und ihre Körpersprache beeinflussen. Aber sie haben keinen Einfluss, was ihre Augen ausdrücken, dadurch werden sie enttarnt.

Ich wurde sehr freundlich von einem Mitarbeiter begrüsst. Er begleitete mich durch die Ausstellung, gab Erklärungen zu den großen Ölgemӓlden ab. Der Künstler sass anfangs, augenscheinlich völlig desinteressiert in einer Ecke – im Nachhinein denke ich eher, er spielte wohl stiller Beobachter!

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Ich war so gefangen von den vielen Augenpaaren, selbst im Rücken konnte ich die verschiedensten Blicke spüren. Mal traurig, aggressiv, verletzt, stolz, hinterhältig, erstaunt – die Fotos können den Zauber natürlich überhaupt nicht vermitteln!

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Am Ende meiner Besichtigung kam dann Serge noch hinzu und dieses nette Foto entstand.

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Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass ich die Fotos in meinem Blog veröffentlichen darf und ich doch bitte auch auf den Instagram Account hinweisen solle, was ich hiermit gerne tue: @sergeoryan_theartist

Hoffe die dritte Serie ist mental schon am Enstehen, also bitte aufpassen, wer euch so beobachtet…

Gruß Karin

 

 

 

Tanztheater „Falling Minds“

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Letzte Woche war ich mit zwei Freundinnen in Beirut in der Hamra Strasse im Masra Al Madina Theater  Theater , übersetzt heißt es in etwa „Stadt-Theater“. Eingebettet zwischen Fastfood-Läden liegt etwas versteckt der schmale Eingangsbereich. Die Gründerin, die sich bereits in jungen Jahren mit Kunst und Künstlern umgab und 1994 dieses Theater zuerst in einem anderen Bezirks Beiruts gründete, zog 2005 an diesen Platz. Als historisches Kino vorgefunden, dem legendären Saroulla Cinema, daher zeugen die stummen wuchtigen und schweren gusseisernen Filmvorführmaschinen im Eingang des Gebäudes, dienen die beiden Säle heute nach umfangreichen Renovierungen als Theater, für Filmvorführungen, Konzerte, Workshops, Lesungen, Seminare und dergleichen.

Im Untergeschoss wird dann die Größe des Theaters ersichtlich. Zwei Säle für jeweils 450 und 110 Zuschauer, einer Bar, und einer Galerie. Überall hängen Fotos und Plakate vergangener Schauspielgrößen, viele arabische Persönlichkeiten, jedoch leider alles nur auf Arabisch beschriftet. Auch ist etwas unklar, ob die Aufnahmen aus dem Nachlass des alten Kinos stammen oder aus den vorangegangen Räumlichkeiten mitgebracht wurden. Egal – sie sind auf jeden Fall sehr interessant und sollten weiterhin ausgestellt werden.

Dann erschien der Klingelton und wir betraten den großen Saal. Während wir nach unseren Plätzen Ausschau hielten, fielen mir schon die komischen Gestalten auf der Bühne auf, die sich sprichwörtlich gegenseitig über den Tisch zogen um dann wiederum nur mit großen Augen ins Publikum zu starren.

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Dies gehörte also schon zur Choreographie! Bis wir uns dann gegenseitig darüber austauschten, ob der lästigen Hintergrundgeräusche, dem störenden Luftzug der mir in den Nacken blies, dem gleißenden Licht eines Deckenfluters und über das Publikum, das typisch libanesisch von einem Platz zum anderen hechtete – obwohl es ja Platzkarten gab! – und wir noch hektisch versuchten ein Foto zu machen, war es stockdunkel und totenstill und dann ging es los.

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Laut der Online-Ankündigung sollte die Show von 21 Uhr bis Mitternacht dauern. Nach kurzer Zeit vernahm ich von meiner rechten Seite: „Schieben die jetzt die ganze Zeit die Bänke hin und her? – War es das jetzt? – Hoffe da kommt noch mehr! – Ich geh sonst!“ War ich die ganze Zeit nur am innerlichen Kichern und am Versuch, ein halbwegs anständiges Foto hinzubekommen.

Szenenwechsel ohne Bänke – und ich sah gebannt zu und war so was von erstaunt ob der sportlichen Leistung und dacht mir nur: „Mein Pilates ist noch ausbaufähig!“

Alle weiteren Fotos waren total verschwommen, das Tempo der zuckenden, springenden Leiber und deren Bewegungen waren einfach zu schnell und ich sah auch nur gebannt zu und war mir sicher, ich hätte noch genug Zeit um weitere Fotos zu machen.

Plötzlich Szenenabschluss, Licht an, mein Blick auf die Uhr zeigt halb elf, Applaus, die Akteure verlassen die Bühne, das Publikum strömt nach draußen und wir erheben uns völlig ratlos und zögernd, ob dies nur die Pause ist oder ob es gar zu Ende ist? Meine Nachfrage draußen bei einem Angestellten bestätigt es: Ende!

Wie kann in der Vorschau bis Mitternacht stehen? Wie kann es so einen spärlichen Applaus für so eine super Leistung geben? Warum wurden keine Zugaben gefordert? Beirut Dance Company – warum werden die Tänzer, die Choreographin und wichtigen Menschen hinter den Kulissen nicht vorgestellt?

Wir gingen wie betäubt aus dem Untergeschoss wieder nach oben, Anne fiel noch diese alte wunderschön restaurierte Sitzbank auf.

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Allgemein wurde bei den Renovierungsarbeiten darauf geachtet, Altes neu erstrahlen zu lassen, Altes hervorzuheben um ein Mahnmal zu geben, nicht alles vergeht, nicht alles wurde zerstört, vieles bleibt bestehen und überdauert!

Auf diesen Schock hin gingen wir noch lecker Cocktail trinken, da ich Fahrdienst hatte leider alkoholfrei und um Viertel vor eins war ich dann auch zu Hause!

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Bis zum nächsten Abend,

Gruß Karin

 

Frühlingsmarkt

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Seit vielen Jahren findet in der Evangelischen Gemeinde zu Beirut ein Frühlingsmarkt statt. Hauptattraktion ist der Flohmarkt für den sich Jedermann einen Tisch anmieten und seine Schätze zum Verkauf anbieten kann. Darum herum reihen sich die verschiedensten Stände für das kulinarische Wohl. Angefangen vom obligatorischen Kartoffelsalat mit Würstchen, Frikadellen, Bier, Kuchen, Kaffee, Tee und natürlich die deutsche Bäckerei aus Tyros vom Mosan Center. Auch Kunsthandwerk, Schmuck, Spielzeug und kosmetische Artikel gab es dieses Jahr.

Da ich bereits im letzten Jahr beim Auspacken der Umzugskartons selektierte, welche unnütz gewordenen Gegenstände unseren Haushalt demnächst verlassen könnten und im Laufe der Monate immer mehr Artikel dazu kamen, war es sonnenklar, dass auch ich einen Tisch anmieten würde. Wen wundert es, dass auch meine Freundin Anne direkt neben mir ihre Kostbarkeiten feilbot? Treten wir beiden doch eigentlich nur noch im Zweierpack auf! Ihre deutschsprachigen Kinderbücher und Filme waren der Renner.

Der Besucherstrom war nicht besonders hoch. Die Ankündigung im monatlich erscheinenden Rundschreiben war spärlich, da halfen auch die Werbung im Radio und die verteilten Handzettel nicht viel. Doch möchte ich überhaupt nicht klagen, dafür dass ich fast nur „Kruscht“ hatte – wertloses Zeugs, Ramsch, Krempel, Plunder, Kladderadatsch oder Glump – ihr dürft euch die für euch gängige Bezeichnung aussuchen, hatte ich super verkauft! Die hochpreisigeren Dinge konnte ich alle wieder mit nach Hause nehmen, das macht nichts, die werden im nächsten Jahr abermals auf dem Tisch positioniert werden. Denn in Gedanken bin ich schon wieder durch die Schränke gewandert und da es dann bis zur Abreise nicht mehr lange hin sein wird und wir in der Heimat bis auf wenige Teile ausgestattet sind, kann ich wahrscheinlich wieder viele Mitmenschen glücklich machen, indem sie ein Schnäppchen bei mir machen.

Wir sehen uns wieder, bis dahin,

Karin

 

 

Buchlesung „Am Ende bleiben die Zedern“

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Diese Ankündigung interessierte mich sehr, zumal die Gemeinde in ihrem monatlichen Rundschreiben noch folgende Informationen zufügte:

Der Bühnen-Poet und Autor Pierre Jarawan, geboren 1985 als Sohn einer deutschen Mutter und eines libanesischen Vaters, liest aus seinem Debutroman »Am Ende bleiben die Zedern«, der 2016 mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet wurde. Der Ich-Erzähler ist Samir. Seine Eltern flohen vor dem libanesischen Bürgerkrieg nach Deutschland bevor Samir geboren wurde. Als er acht Jahre als ist, verschwindet sein Vater spurlos. Zwanzig Jahre später macht sich Samir auf in das Land der Zedern, um das Rätsel des Verschwindens seines Vaters zu lösen. Pierre Jarawan erzählt eine wendungsreiche, anrührende Geschichte über die Suche nach den eigenen Wurzeln, die eng mit den der Geschichte des Nahen Osten verwoben ist. Während seiner Recherche zu diesem Roman wohnte Pierre Jarawan einige Zeit in einem der Gästezimmer der Gemeinde. 

Wenige waren gekommen am letzten Samstag, zu wenige – wie ich finde! Viele Ältere wollen am Abend eben nicht mehr aus dem Haus, die Jüngeren haben Familie, haben andere Pläne, vielen ist der Weg nach Beirut auch einfach zu weit, zu nervenaufreibend, zu stressig. Jedoch bin ich davon überzeugt,  dass denjenigen, die anwesend waren, die einstündige Vorlesung sehr gefallen hat, neugierig gemacht hat auf mehr und den Ausgang der Geschichte. Einige kannten das Buch bereits oder lesen es gerade, hatten es zum Signieren mit dabei. Konnten bereits Gelesenes gedanklich auffrischen oder wurden zum erneuten Lesen motiviert. Oder so wie ich – hatten keine Ahnung von nichts!

Die vorgetragenen Textpassagen waren sehr geschickt gewählt, immer nur soviel, um die Neugierde zu wecken, die Spannung zu halten und um die Fantasie schweifen zu lassen. Zeitsprünge bei den Texten, zwischendrin eigene mündliche Erklärungen des Autors über Beweggründe und Vorgehensweisen und auch kurze Befragungen der Gäste, ob sich jemand an dieses oder jenes aus dem Krieg oder der schweren Zeit danach erinnern konnte lockerte alles etwas auf, machte es lebendiger, brachte uns den „fremden Mann der da saß“ etwas näher, vertrauter.

Im Anschluss hatte man noch Gelegenheit für eine lockere Gesprächsrunde.

Leider war Herr Jarawan immer im Austausch mit anderen Menschen, gerne hätte ich auch das eine oder andere kurze Wort mit ihm gewechselt. Aber wer weiß, vielleicht handelt sein zweiter Roman, der momentan am Entstehen ist, ebenfalls aus dieser Gegend und wir sehen uns ein zweites Mal wieder. Weitere Infos bekommt man auf seiner website, auch bei YouTube kann man unter dem Titel „Auch meine Eltern“ eine sehr interessante Seite seiner Lebensgeschichte erfahren.

Eigentlich wäre ich nach der Buchvorstellung am liebsten direkt nach Hause zum Lesen. Pierre Jarawan hatte jedoch keine Bücher zum Verkauf im Reisegepäck mit dabei. Sehr schade, sehr bedauerlich. Da wurde seitens der Organisatoren einfach nicht dran gedacht, dass es für „Normalos“ einfach schwierig und kostenintensiv ist, sich Pakete aus Deutschland schicken zu lassen. Doch zum Glück bekam ich das Buch von meiner Freundin ausgeliehen und somit verbrachte ich den letzten Sonntag bis auf die Mahlzeiten komplett lesend im Bett zu, heute Morgen nach dem Frühstück noch die letzten 40 Seiten, dann war es geschafft. Nun liest mein Göttergatte und ich kann schreiben. Ich wurde von den ersten Buchseiten an gefesselt, war neugierig auf mehr, aufs Ende. Ich erkannte mich als Deutsche in Deutschland und als Deutsche im Libanon. Kannte die Situation Ausländer in Deutschland und im Libanon lebend. Ich habe so oft geschmunzelt, aber auch Tränen vergossen, ich war so in dem Buch gefangen, vergaß die ganze Welt um mich herum, das ganze Denken handelte von der Geschichte. Ich habe das Positive an diesem Land wieder neu entdecken können. Die Gastfreundschaft, die ursprüngliche Herzenswärme der Menschen, die jedoch aufgrund der täglichen Probleme, der Existenzängste, der Hektik, dem Stress und dem Geltungsdrang leider vielen Menschen verloren ging. Habe mich an die wunderbare Natur erinnert und mir fest vorgenommen nochmals in die Zedern zu fahren und dann schweiften die Gedanken zu unserem kleinen libanesischen Zedernbӓumchen im Garten in der schwäbischen Heimat ab. Möge es weiter gedeihen und uns später an die vielen Jahre hier im Libanon erinnern.

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Gruß Karin

P.S. Würde mich über Kommentare freuen von denjenigen, die das Buch gelesen haben. Aber natürlich auch sonst, darf hier jeder seine Meinung zu meinen Beiträgen abgeben.

Das Gockelmobil

Vor einigen Wochen stellte sich eher durch Zufall beim Telefon-Chat mit einer Freundin heraus, dass durchweg wohl nicht alle Bundesbürger wissen, was ein „Göckelemobil“ ist. Zugegeben, ICH ansässig im süddeutschen Raum und SIE aus dem Bergischen Land – da weiß Frau oder Mann nicht unbedingt, was ein Göckele ist. Das ist die schwäbische Verniedlichung von Gockel. Und die Bemerkung „stolz wie ein Gockel“ oder „der stolziert wie ein Gockel“ dürften durchaus gängige Sprachbezeichnungen sein. Ein Gockel ist somit ein männliches Huhn, sprich ein Hahn. Und ein Mobil ist in diesem Fall ein Fahrzeug, das die Hähne umherfährt. Und in diesem speziellen Fall die gegrillten Hähne, also ein mobiler Brathähnchenstand. Das dürfte den meisten Lesern wohl ein Begriff sein.

Bei uns in der Gegend heißt die Firma „Gockelmobil“ und fährt täglich andere Ortschaften an, um dann den ganzen Tag stets frisch gegrillte knusprige halbe Hähnchen, Hähnchenschenkel, Schweinshaxen und Spare Ribs der hungrigen Bevölkerung anzubieten. Das Mobil kann für Festivitäten auch gemietet werden, dazu mit leckeren Salaten nebst Geschirr-Service.

2018-04-11

Bei uns in Lorch ist am Mittwoch der Gockeltag. Am frühen Vormittag ziehen bereits die verführerisch duftenden Schwaden durch die Innenstadt, heute sogar noch mit lauter Schlagermusik unterbreitet. Direkt Festtagsstimmung. Allerdings frage ich mich, ob die angrenzenden Ladengeschäfte die Düfte den ganzen Tag über auch so lecker finden? Sieht man dann in der Eisdiele gegenüber anstatt der Waffeltüte einen Hähnchenschlegel? Denken die Mitarbeiter im Kosmetikstudio rechts vom Stand beim Gesichtspeeling nicht an knusprige Hähnchenhaut und hat mein Friseur schräg gegenüber heute beim Schneiden meiner Haare nicht an Federn gedacht? Bleibt nur zu hoffen, dass der Schreibwarenhändler links vom Stand anstatt Spare Ribs immer noch Spare Parts fürs Office anbietet und die Damen im Café noch wissen, dass die Schweinsohren in diesem Fall ein süßes Blätterteiggebäck sind. Aber um 18 Uhr ist der Spuk meist vorbei, wer jetzt nicht zugeschlagen hat, der hat Pech, da ist das Mobil ausverkauft und die Klappen gehen zu. Es war einfach zu lecker!

Bis zum nächsten Mittwoch, beim Gockelmobil

Gruß Karin

P.S. Übrigens habe ich beim netten Grillmeister extra um Erlaubnis zum Fotografieren und Veröffentlichen gefragt.

 

Der Osterbrunnen…

…von Schechingen steht seit vielen Jahren auf meiner Liste der wünschenswerten Besichtigungstouren während unserem Deutschlandaufenthalt. Nie hat es geklappt, bis gestern. Da sind wir nach dem Schlossbesuch ins nahegelegene Schechingen gefahren um uns diese Pracht in Natura anzuschauen. Wochen vor Ostern erscheinen in der Tagespresse bereits die ersten Artikel über die lobenswerte Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helfer, das Ergebnis wollte ich mir einmal selbst anschauen. Ein wahrer Menschenauflauf erwartete uns, verführerisch wehten die Bratwurstschwaden aus der nahe aufgebauten Grillbude um die Nase, im angegliederten Rathaus gab es Kaffee und Kuchen, vor den Gastwirtschaften im Ort waren die Parkplätze bis zur Erschöpfung belegt – die knapp 2300 Einwohner-Ortschaft schien sich gut auf die Besucherströme vorbereitet zu haben.

 

Für einige Eckdaten habe ich der Einfachheit halber die Infotafeln abfotografiert

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Detailgenau werden verschiedene Themengebiete zusammengestellt: Briefmarken aus aller Welt, kirchliche Szenen, Märchen, Comics, Sehenswürdigkeiten der Ostalb, Gesellschaftsspiele, venezianische Masken, Vereinslogos und Aktivitäten aus dem Ort. Trinksprüche, Häschen, Motive bekannter und berühmter Maler, historische Werbung, Tiere, Blumen, Lebensweisheiten, Ornamente und die neuesten Motive „Liebe ist“ oder „s’Äffle onds Pferdle“ – die berühmten Zeichentrickfiguren die als Pausenfüller aus dem SWR Fernsehen fungieren – sowie die Mainzelmännchen wurden auf’s Ei verewigt.

 

Auch die ganz Kleinen, die Kindergarten- und Grundschulkinder präsentieren ihre liebevoll gestaltete Hasenlandschaft. Stundenlang könnte man um den Brunnen wandern und sich die einzelnen Ovale betrachten.

 

Ganz klar, dass die Betrachter dabei untereinander ins Gespräch kommen, denn wie versucht meine Freundin Anne aus dem Bergischen Land mein Schwäbisch nachzuahmen?

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In diesem Sinne, bis bald beim Plausch ums Ei

– Gruß Karin

 

Ostern im Schloss…

– Markt für Kunst und Handwerk im Schloss Untergröningen – so lautete die Ankündigung in der hiesigen Presse und da wurde ich doch neugierig, da frohlockte mein begeistertes Herz und meine Seele freute sich auf allerlei Nettes, Schönes und Liebliches. Zwar streikte mein lädiertes Knie auch gestern, doch mit Hilfe meines treuen Gefährten überwand ich so manche Hürde.

Mein Göttergatte und ich verweilen seit einer Woche in Deutschland. Es hat uns wie immer viel Arbeit erwartet, doch der gestrige kalte und regnerische Ostersonntag war wie geschaffen für eine 40-minütige Autofahrt in den knapp 1300 Einwohner großen Teilort von Abtsgmünd im Ostalbkreis / Baden-Württemberg.

Hier thront, hoch oben über dem Kochertal auf einem Bergsporn und von allen Seiten sichtbar, auch aufgrund der gelben Farbe, das Schloss Untergröningen. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte Mitte des 14. Jhd. Nach einem sehr bewegten Leben mit wechselnden Bewohnern finden heutzutage der Kunstverein KISS (Kultur im Schloss), die katholische Kirchengemeinde und der Heimatverein Untergröningen im alten Gemäuer ein Zuhause.

Was war ich angenehm überrascht über die zahlreichen Aussteller und ihrem Angebot! Auf drei Etagen tummelten sich 43 Aussteller mit mannigfaltigen Offerten.

(Die folgende Info stammt teilweise aus dem Flyer, der vom Veranstalter MaringaMedia herausgegeben wurde)

Schmuck und Design, Schätze aus Gold, Silber, Edelstein, Glas, Stoff, Keramik und Holz, Bekleidung aller Art, Leder- und Papierwaren, Wolle, Bilder und allerlei Nützliches und wunderschöne Artikel für den täglichen Gebrauch oder einfach zur Dekoration. Auch unsere Schneiderin aus Lorch war mit einem Teil ihrer Kollektion anwesend. Außerdem wurden die verschiedensten Honige, Senfe, Weine, Biere und Met, Pestos, Gewürze, Brotaufstriche, Spezialitäten vom Wildschwein, Käse, Bratwurst, Waffeln, Kuchen und Kaffee und so manches mehr angeboten. Es durfte probiert und gekostet werden – es war herrlich und insgesamt war dieser Ausflug lohnenswert und sobald meine Reisepläne es nächstes Jahr zulassen, werde ich zum Wiederholungstäter – denn wir kamen schwer bepackt wieder nach Hause.

Vor dem Eingang im Hof gab es die Kasse, denn pro Erwachsener waren 4 Euro zu entlohnen. Dazu die Bratstände, Bier, Käse, Wolle und allerlei Deko. Aufgrund von wiederkehrendem Platzregen leider sehr schlecht besucht.

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Im Erd- und 1. Obergeschoss war alles wild verteilt und durcheinander, was ich sehr gut fand, somit gab es Abwechslung und immer mal wieder was zum Probieren und es wurde nie langweilig.

Dann ging es hinab in den alten Gewölbekeller. Hier gab es Wein, Honig, Met, Schmuck und Silber, Senf und Deko.

Eines sollte ich zum Schluss noch erwähnen. Die Parkplatzsituation ist leider etwas ungünstig. Die Autos müssen fern ab vom Schloss geparkt werden, ein 10-minütiger Fußmarsch führt dann ans Ziel. Die Verkehrsordner lassen einen nur mit einem Behindertenausweis näher parken, Gehbehinderte oder Menschen ohne Ausweis die nicht so weit laufen können, sind dann leider benachteiligt.  Dies sollte man auch beim Einkaufen beachten, denn einen Shuttleservice gibt es leider nicht.

Auch wenn das Osterfest nun fast vorbei ist, möchte ich euch meine Grüße nicht vorenthalten

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Der Osterhas‘
der kann nicht ruhn‘,
hat alle Pfoten voll zu tun.
Und daher liefert er im Trab,
euch unsere besten Grüße ab.
Ostern ist zwar nicht der Mai,
doch immerhin – drei Tage frei.
Mit dem Wunsch sie zu genießen,
will ich diesen Gruß nun schließen.
Der Frühling hockt schon im Gesträuch,
wir grüßen und wir wünschen euch,
bei allerbester Wetterlage,
ganz herzlich „Frohe Ostertage“!

 

Mit liebem Gruß und bis ganz bald, Karin & Familie

 

 

 

 

Buchtipps!

Heute möchte ich euch zwei wunderbare Bücher vorstellen. Nein! Keine Krimis, keine Liebesschnulzen, keine Belletristik! Obwohl – spannend, verliebend und schön sind sie allemal.

Nachdem ich letzten Sommer während der Kräuterwanderung das Potenzial unseres vermeintlichen Unkrautgartens mit ganz anderen Augen sah und versuchte, mich etwas genauer damit zu beschäftigen, stieß ich bei meiner Freundin Gaby auf ein super tolles Bestimmungsbuch, welches mich auch nach zig Recherchen nach anderen Quellen, nicht mehr los ließ. Und siehe da, ich bekam es zu Weihnachten von Sohnemann geschenkt!

Essbare Wildpflanzen einfach bestimmen, von Fleischhauer/Guthmann/Spiegelberger, erschienen im AT Verlag.

Bis jetzt habe ich vom Verlag noch keine Erlaubnis zur Veröffentlichung von Schrift und Text bekommen. Sollte ich diese doch noch bekommen, werde ich einige Fotos hier mit reinsetzen.

Welche Freude, nun kann ich diesen Sommer in Deutschland so richtig loslegen. Wer weiß, was ich außer Massen von Brennnessel, Löwenzahn, Giersch, Frauenmantel, Nacht- und Königskerze, Rot-Klee und Spitz-Wegerich noch so alles finden werde. Richtig interessant wird es erst einmal, wenn wir ganzjährig dort wohnen werden und ich die Entwicklung der Pflanzen das Jahr über beobachten kann.

Das Buch ist sehr gut aufgebaut und gegliedert. Eine Übersicht der Blätter und Blüten, Grundregeln zum Sammeln von Wildpflanzen bezüglich dem Naturschutz, sowie Unterteilungen nach verschiedensten Fundorten finden sich in dem praktischen DIN A 5 Format wieder. Ebenso gibt es kurze Rezepthinweise für die Verwendung in der Küche. Eine Tabelle zur Erntezeit sowie Gefahrenhinweise der giftigen Doppelgänger findet sich ebenfalls.

Ein weiteres ebenso tolles Buch bekam ich zu meinem Geburtstag von einer lieben Bekannten geschenkt.

Die Einkochbibel von Ulrich Jakob Zeni, erschienen im Löwenzahn Verlag. An dieser Stelle meinen Dank an den Verlag zur Erlaubnis von Bild- und Textveröffentlichung.

Fotocredits ©www.fotowerk-aichner.at

In diesem Buch finde ich die verschiedenen Stichwort-Register einfach toll. Zu Beginn des Buches von A wie Ananas bis Z wie Zwiebel  finden sich die Rezepte nach der jeweiligen Hauptzutat. Am Ende des Buches das Register, alphabetisch nach Warengruppen-Endprodukt aufgelistet. Von A wie Aromatisches über Chutney, Gelee, Pesto…Süß, Saures. So gibt es die verschiedensten Nachschlagemöglichkeiten.

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Neulich bekam ich eine große Tüte Bio-Zitronen geschenkt. Was sollte ich mit dieser Masse auf einen Schlag veranstalten? Erst habe ich von einem Teil die Schale abgerieben und getrocknet. Dann die sauren Teile ausgepresst und in Eiswürfelbehälter portioniert eingefroren. Als ich dachte, ich bin über ein Jahr mit Zitronensaft eingedeckt, kam mir die Idee, in dieses Buch zu schauen. Und siehe da! Unter dem Stichwort Zitrone fand sich u.a. ein Rezept für Zitronenmarmelade. Nachgekocht, als höchst interessant bewertet und in meine Rezeptsammlung mit aufgenommen. Gewöhnliches findet ebenso seinen Platz wie Außergewöhnliches. Oder wer hätte gedacht, dass es Ingwerkonfitüre gibt und sich aus Eberesche und Vogelbeere ebenso etwas Leckeres zubereiten lässt?

Spannend zu lesen wie ein Krimi, schöne Fotos und vor allem kurze, verständliche Rezepte in die man sich verlieben kann.

Ihr lieben Leser, ich denke ihr habt in eurer Familie und eurem Bekanntenkreis bestimmt die oder den anderen  Kräuterliebhaber oder  begeisterte/n Hobbykoch/in die/der Spaß  an Selbstgemachten hat. Zwei tolle Geschenkideen – Möglichkeiten zum Verschenken gibt es das ganze Jahr über – auch an sich selbst!

Bis demnächst im Buchhandel…

Gruß Karin

 

 

Das Gelbe Haus in Beirut

„The Yellow House“ – wie es umgangssprachlich unter Kennern genannt wird – wurde 1924  von einem libanesischen Architekten erbaut und 1932 von einem anderen Konstrukteur um zwei weitere Etagen aufgestockt. Die ockergelben Sandsteine, die zum Bau verwendet wurden, gaben dem Gebäude seinen Namen. Es steht genau an der Kreuzung Damascus- und Independence Street, somit in Verlängerung zum deutsch-französischen Friedhof und somit ebenfalls an der, zu Kriegszeiten genannten, grünen Grenze.

2 - 2018

Es war besetzt durch die Scharf- und Heckenschützen und diente als Vorposten. Somit ist es nicht verwunderlich, dass das Haus durch den Krieg stark beschädigt wurde. Auch der Zerfall aufgrund des Alters und Zerstörung durch Vandalismus Ende der 1990er Jahre setzten dem Gebäude stark zu. Gerettet wurde es durch Bemühungen der Stadt Beirut und Bürgergesellschaften, indem es im Jahr 2003 zu einer Zwangsenteignung aufgrund bürgerlichem Interesse kam.

Kriegsruinen dieser Art, vor allem in der Innenstadt Beiruts, hatten bis dahin meinst nur ein Schicksal. Einreißen und platt ebnen um somit teuren, begehrten Bauplatz für noch höhere, noch moderne Prunkbauten anbieten zu können. Die schönen alten, charmebehafteten Häuser wichen mehr und mehr dem Straßenbild. Zum Glück gibt es immer Personen, die für eine gute Sache kämpfen.

Mit der Enteignung, damit das Gelbe Haus nach der Restauration als Zeitzeuge und Mahnmal erhalten bleiben kann, wurden verschiedene Auflagen erstellt, z. B. dass es als Museum und Kultur- und Veranstaltungsort genutzt werden kann.

Das Projekt wurde somit 2008 in Kooperation der Stadt Beirut und der Stadt Paris initiiert und nannte sich dann „Beit Beirut“. Was im Arabischen so viel wie „Haus Beirut“ bedeutet.

Heute besticht dieses Haus mit seiner ungewöhnlichen Struktur mit einem Mix aus einheimischer, sehr moderner und „Kriegs“-Architektur. Denn die Soldaten, die das Haus während des Krieges besetzten, mussten mit unkonventionellen Baumitteln ausbessern.

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Das Gebäude beinhaltet eigentlich zwei Häuser in einem. Nach dem Eingang gingen damals links und rechts mächtige Treppen hinauf, diese sind inzwischen fast komplett eingestürzt. Heute kommt man mit mehreren Fahrstühlen oder einer großen Treppe vom Innenbereich in die verschiedenen Stockwerke.  Die zentrale Achse des Gebäudes führt in den Innenhof des Hauses und ist komplett offen bis unter den Himmel. Eine Dachterrasse rundet alles ab.

Die Fassade des Mittelteiles, die beide Häuser miteinander verbindet, ist zur Straße hin somit offen und nur mit markanten Säulen gestaltet, die weithin sichtbar sind. Welcher Baustil zur damaligen Zeit! In die hintere Ecke des Gebäudes wurde, meiner Meinung nach, ein zu modern gestalteter Komplex angebaut, jedoch passend zu dem Stahl, der sonst zur Restauration sowie für Türen oder Fenster verwendet wurde.

Manche Fotos musste ich durch verschmutzte Fensterscheiben knipsen, daher sind sie milchig und verwaschen.

Hier der Link zu  Beit Beirut , falls jemand näher nachlesen möchte.

Und genau an diesem Ort findet derzeit eine Gemäldeausstellung  mit dem Titel „Echo of the Silence“ von dem libanesischen Maler Brahim Samaha statt. Der Künstler war selbst anwesend und ich bekam die Erlaubnis, einen Teil seiner 20 Exponate zu fotografieren. Für sich selbst scheint mir der gute Mann jedoch etwas kamerascheu zu sein, vehement wehrte er ab, als ich nach einem Foto mit ihm fragte.

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Beirut, die Stadt aller Stimmen und Klänge, die Stadt, wo sich die Resonanz der Sprachen der Welt mit dem Klang der Glocken und religiösen Vorschriften trafen. Ganz Beirut sollte still sein. In ständiger Stille lebt die Erinnerung von hunderten von Generationen, tausenden von Jahren und sich ständig veränderten Erfahrungen…Durch all dies hat sich Beirut immer noch nicht offenbart, noch die letzten Worte ihrer eigenen Geschichte kundgetan.     (freie Übersetzung zur Titelbeschreibung der Ausstellung )

Die Fotos können den Glanz, die Tiefe und je nach Anschauungswinkel die entstandene 3D-Optik nicht einfangen. Gold- und Silberfarbe dominieren, sind jedoch geschickt großflächig oder nur akzentuiert eingesetzt, geben Licht und Schatten und lassen manches Bild sehr edel erscheinen.

Unseren Geschmack traf es trotzdem nicht ganz. Der Sonntagsausflug gestern hatte sich trotzdem gelohnt, auch wenn wir 50 Minuten warten mussten, bis endlich geöffnet wurde. Ein Dutzend Menschen wartete bereits auf dem Gehsteig und machten den Wachmann schon ganz nervös, bis dieser dann doch endlich erfolgreich den Verantwortlichen zum Öffnen des Gebäudes vor Ort zitieren konnte.  Das ist halt Libanon!

Im Erdgeschoss war noch eine kleine Ausstellung mit uralten Porträtfotos und allerlei Auftragszetteln, Rechnungen und dergleichen von AGFA und KODAK. Zu Beginn stand dieses Foto mit der Ansicht von 1960. Im Erdgeschoss vom Haupteingang die 2. Tür rechts mit dem gelben Schild, war damals der Laden und diese Exponate fand man dort.

1 - 1960

Mal schauen, was wir als nächstes hier noch so entdecken,

bis dahin, Gruß Karin

 

Kreatives Matschen

So lautete zwar nicht die Mitteilung für den Workshop im MACAM, jedoch lief es genau darauf hinaus. Angekündigt wurde „Experiment with Terracotta – Creative Workshop“. Unter der Leitung des irakisch-niederländischen Künstlers Nedim Kufi werden die Teilnehmer mit den Händen Ton bearbeiten.

Das hörte sich für meine Freundin Anne und mich doch höchst interessant an, vor allem sah ich mich selbst in die 5. Klasse zurückversetzt, wo ich mich nachweislich mit dem Töpfer-Virus infiziert hatte. Voller Spannung und Vorfreude sah ich den vielen Tricks und Tipps entgegen, mit den verschiedensten Techniken ohne Töpferscheibe ansehnliche Werke zu kreieren.

Somit machten wir uns letzten Samstag bei kaltem Regenwetter in das knapp von hier aus 50 km entfernte Bergdorf Alita bei Byblos auf. MACAM

Dort befindet sich das MACAM, das MODERN AND CONTEMPORARY ART MUSEUM, das einzige Museum seiner Art im Libanon. Ein grandioses Anwesen in friedlicher und idyllischer Ruhe inmitten der Natur mit schönem Panorama auf die Berge und das Meer, mit 4000 qm Ausstellungsfläche in alten riesigen Fabrikhallen. Wechselnde und bleibende Ausstellungen und Veranstaltungen verschiedenster Art geben immer einen frischen Impuls zum erneuten Besuch des Museums.

Meine Fotos sind z. T. unscharf, das war gewollt, schließlich sollt ihr das Museum selbst besuchen und euch einen eigenen Eindruck verschaffen.

Im angrenzenden Kreativbereich saßen dann wir 14 Teilnehmer vor unserer Arbeitsplatte mit einem Klumpen Ton. Bei der viel zu kurzen Arbeitseinweisung durch unseren Meister, stellte sich dann heraus, dass bereits richtige Profis unter totalen Grünhörnern anwesend waren. Eine genauere Eventbeschreibung im Vorfeld wäre sicher hilfreich gewesen. Somit erhofften sich die einen wertvolle praktische Anregungen, die anderen hatten direkt Berührungsängste mit dem kalten nassen Matsch und befingerten diesen erst einmal mit gespreizten Fingerspitzen. Die gestellte Aufgabe einer Espressotasse mit festgesetztem Durchmesser und Höhe ließ so manchen fast verzweifeln, um sich somit letztendlich komplett für ein anderes Werkstück umzuentscheiden.

Wir kamen mit den anderen Teilnehmern in Kontakt, lachten viel und hatten wirklich Spaß, auch wenn mir dieser langsam aber sicher verloren ging. Ich fror erbärmlich, bei der durchdringenden allgegenwärtigen Kälte in dem abgeteilten Bereich zog es durch Mark und Bein. Liebe Veranstalter, die Zugänge zu dem Bereich mit Folien abdämmen und generell Sitzkissen auf den Plastikstühlen wäre bei solchen Temperaturen sicherlich eine gute Investition. Das frühe Aufbrechen der Teilnehmer lag mit Bestimmtheit daran, dass uns einfach die Lust fehlte. Wir saßen zwar schon vermummt mit allem was zur Verfügung stand da, aber die Finger klamm, das Kreuz, die Beine, die Knie und Füße kalt, viele wollten einfach nicht mehr.

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Die zwei Heizstrahler reichten nicht aus, doch die liebevolle Verköstigung mit Tee, Kaffee, Softdrinks und Wein, frischen sehr leckeren Fladen und allerlei anderen Köstlichkeiten brachten kurzfristig ein warmes, wohliges Gefühl für Körper und Geist.

Unsere Werkstücke werden nun noch gebrannt und sind in ein paar Wochen abholfertig. Ich bin mal gespannt, ob aufgrund der Schrumpfung oder meiner Verarbeitung mit meinen Schätzen dann überhaupt etwas anzufangen ist.

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Es war mir jedenfalls eine Herzenssache, dabei gewesen zu sein!

Außerdem hoffe ich, der 2. Kurs am morgigen Samstag kann unter weniger widrigen Umständen starten.

Bis demnächst,

Gruß Karin

Hoch droben auf dem Berg…

da sehen wir nun tagtäglich die weiße Pracht, welche Jogi und ich uns gestern einmal von der Nähe aus anschauen wollten. Diesen Blick hatten wir von unserem Nachbarort Baabdat aus. Ist das nicht einfach nur schön?

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Eine Woche bin ich nun schon wieder hier. Habe alles einmal durchgeputzt, die angefallene Wäsche gewaschen, eingekauft, war beim Friseur und beim Sport, der Papierkram auf dem Schreibtisch wird allmählich weniger, und bevor die Arbeit wieder von vorne beginnt war es Zeit für einen Tapetenwechsel. Die Woche über hatte es sehr stark geregnet, Petrus meinte es fast zu gut für Land und Leute. Es hat wie verrückt gestürmt, gewittert und gehagelt, dazu die Kälte, die durch jede Mauerritze und jedes undichte Fenster und jede Türe kriecht. Und gestern Morgen strahlender Sonnenschein bei 4 Grad, blauer Himmel, wind- und wolkenlos! Genau das richtige Wetter, um warm verpackt Richtung Schnee zu fahren. Ohne genaues Ziel ging es einfach immer bergauf. Größere und kleinere Ortschaften passierten wir, bis plötzlich der erste Schnee als zusammengeschobene, verschmutzte Masse am Straßenrand sichtbar wurde und dann nach einigen Straßenwindungen als große weiße Pracht bestaunt werden konnte.

An den Straßenrändern parkten immer wieder Autos, Kinder und deren Eltern mitsamt Hund hatten Spaß beim Rodeln oder Spiel im Schnee.

Auf gut ausgebauten und teils freigeräumten Straßen folgten wir den Wegweisern Mount Sannine, dessen höchster Punkt auf 2628 Metern liegt. An der dafür wichtigsten Weggabelung bogen wir jedoch nach rechts ab und folgten dem Straßenverlauf, bis wir plötzlich im Skigebiet Zaarour landeten.

Zaarourclub Einem Resort, welches als privater Club nur Mitgliedern vorbehalten ist. Der Pförtner ließ uns jedoch passieren und vorbei ging die Fahrt an unzähligen Chalets, bis wir an Hotels und der eigentlichen Skiliftstation und ausgedehnten Parkplätzen vorbeikamen.

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Wir bogen jedoch ab und weiter ging die Fahrt vorbei an schneeverhangenen Hügeln mit gigantischen Postkartenmotiven in der Ferne. Schneeverhangene Bergketten zur einen, das Meer tief unten zur anderen Seite.

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Langsam aber sicher eröffnete sich für uns die Größe dieser Anlage. Ein künstlich angelegter See neben einer riesigen Terrasse, ein Stück weiter standen tief im Schnee gusseiserne Parklaternen um kleinere Wasserflächen, eingezäunte Spielfelder, weitere Gästehäuser – der viele Schnee verbarg wohl die Hälfte all der Freizeitmöglichkeiten vor unseren Augen. Jetzt im Nachhinein weiß ich, dass dies ein Resort für alle Jahreszeiten ist. Mountainbike-Verleih, Pools, Eventvermietungen und vielem mehr. Wir erreichten eine weitere Attraktion mit einem anderen Lift. Einladende rustikale Bänke und Tische, einem Restaurant und Getränkeverkauf in einer Holzhütte, die zum Glück auch geöffnet hatte. Vieles andere war nämlich leider geschlossen, so auch der Lift. Aufgrund des Schnees und der Nässe auf den Bänken konnte man sich leider auch nicht setzen. Kein Service, keine Sitzkissen – schade. Doch beim Blättern durch die Website erfuhr ich, dass bei den verschiedensten Stationen die Öffnungs- und Bewirtungszeiten variieren.

7 Auf 1710 Metern
Auf 1710 Metern

Somit tranken wir unseren Kaffee im Stehen, erfreuten uns an der Ruhe und der erholenden Pracht und machten uns zu einem kleinen Spaziergang über geräumte Straßen auf.

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Plötzlich kreuzte unseren Weg dieser friedliche Genosse, eine leere Nescafétüte als Schatz fest im Maul verankert. Wem möchte er hiermit wohl eine Freude machen?

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Wir verließen das Resort und nahmen an besagter Abzweigung dann doch noch den Weg Richtung Sannine. Inzwischen war der Weg nicht mehr gänzlich geräumt, Jogi kam aber mit 4 Wheel Drive und spezieller Schneeeinstellung prima die Wege bergauf, bis auch wir nicht mehr weiterkonnten, da entgegenkommenden Kamikazefahrern nicht mehr ausgewichen werden konnte. Somit hielten wir an einem schönen Aussichtspunkt an und stiegen aus um nochmals Fotos zu machen. Dort hielt bereits ein anderes Auto und der einheimische Fahrer mitten im Nirgendwo war doch tatsächlich der deutschen Sprache mächtig! Von ihm erhielten wir auf Nachfrage unsererseits auch den Tipp, dass wir weiter unten direkt an der Straße im neuerrichteten Restaurant gut zu Mittag essen könnten.

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Auf 1722 Metern

Also ging der Weg wieder bergab zurück. Für uns ohne Probleme, viele andere steckten fest oder kapitulierten gleich und fuhren im Rückwärtsgang wieder bergab.

Zur Erklärung muss ich nochmals erwähnen, dass es hier keine Winterreifen gibt und wer als Privatperson besitzt schon Schneeketten, wenn er nur mal aus Neugierde als Wochenendunternehmen in den Schnee fahren möchte?

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Das Restaurant Auberge Salameh war schnell gefunden, sah einladend aus und somit gingen wir hinein. Eine eigene Website gibt es nicht, es ist jedoch über die Suchmaschine in den sozialen Netzwerken zu finden. Vor acht Monaten erst eröffnet, wurde hier ein wunderschönes Plätzchen mit schönem Rundumblick gefunden.

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Beim Aufgeben unserer Bestellung fragte die Dame des Hauses ganz erfreut, ob wir deutsch sprechen würden. Sie und ihr Mann Gaby (im Libanon auch ein Männername) waren schon einmal in Deutschland. Sie hätte ziemlich viel an Sprachschatz verloren, aber verstehen würde sie noch ganz gut. Noch nie hätte sie hier deutschsprechende Gäste gehabt und freute sich sehr.

Das Ambiente ist ansprechend, großzügige Fensterfronten sorgen für den schönen Ausblick, nach und nach kamen noch viele weitere Gäste. Zügig kam unsere Bestellung, es schmeckte alles ganz wunderbar.

Satt und zufrieden machten wir uns auf die Heimfahrt. Nach 40 Minuten waren wir bereits schon wieder hier, hatten schöne Stunden in friedlicher Atmosphäre erlebt und vor allem kannten wir diese Gegend noch nicht.

Mal schauen, über was ich beim nächsten Mal berichte, bleibt gespannt, bis dahin,

Gruß Karin

Geburtstag

Nachdem Weihnachten vorbei war, kam am 29.12. gegen Abend der Schnee. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt war ich mit dem Auto unterwegs und hatte mächtig Respekt, nach 16 Jahren diesen Straßenverhältnissen ausgesetzt zu sein. Aber irgendwann kam ich Heil zu Hause an und am nächsten Tag war die ganze schöne weiße Pracht aufgrund des Tauwetters schon wieder weggeschwemmt.

Silvester verlief sehr ruhig und unspektakulär, Jogi flog kurz darauf wieder in den Libanon zurück und ich feierte nach vielen Jahren vorgestern meinen Geburtstag wieder einmal in Deutschland.

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Um 11.30 Uhr kam die erste Gästin. Am Nachmittag war etwas Pause in der dann allerdings fleißig telefoniert wurde und am späten Nachmittag trudelten weitere Gäste ein. Im Verlauf der folgenden Stunden, in denen viel gelacht, getrunken, gegessen und z. T. heiß und heftig diskutiert wurde, verließ dann gegen 23 Uhr auch die letzte Gästin die Runde. Ich danke euch allen, dass ihr mit mir zusammen gefeiert habt und ich den Tag nicht allein im stillen Kämmerlein verbringen musste.

Viele liebe Menschen gedachten meiner, obwohl mich doch einige liebe Personen gänzlich vergaßen, was mich doch traurig stimmt, wenn ich ganz ehrlich bin.

Mal schau ’n, wo ich nächstes Jahr meinen Geburtstag verbringen werde, wohin die Reise führt, wie weit die Füße tragen…

Morgen werde ich zunächst einmal wieder zurück in den Libanon fliegen, bin gespannt, was mich nach vier Wochen Abwesenheit so alles erwartet,

bis dahin, Gruß

Karin

Rieselt der Schnee? Nein!

„Puderzuckerglitzerweise Tannenspitzen, schokoladennusszimtige Plätzchen, lebkuchenapfelkandierte Wohlgerüche und glückseligfriedvolle Gemüter – es ist wieder soweit: Weihnachten steht vor der Tür! Mach das Herz weit und genieße die schöne Zeit im Jahr!

Diesen Postkartenspruch habe ich im weltweiten Netz gefunden, und wenn es auch aufgrund Schneemangel während der Weihnachtfeiertage bei uns keine weißen Tannenspitzen geben wird und da ich dieses Jahr keine Plätzchen gebacken habe auch keine schokoladen-nuss-zimt-lebkuchen-apfelkandierten-Aromen durch die Wohnung schweben und nur Gott allein weiß, ob unsere Gemüter glückseligfriedvoll sein werden – so feiern wir doch seit 16 Jahren das erste Mal wieder das Weihnachtsfest in Deutschland, dazu noch wir drei alle gemeinsam! Welche Freude, welch ein wertvoller Schatz, der zumindest mein Gemüt glückselig stimmt und mich voll Freude erfüllt!

Ebenso hoch erfreut bin ich über mein Christbäumchen. Nein – nicht das treue taiwanesische, welches uns seit 2002 begleitet! Nein, ein echtes! Eine kleine Blau-Fichte und ja! Sie sticht! Dafür aber, zumindest ganz schwach – duftet! Von mir liebevoll geschmückt mit Dingen, die ich so zusammengetragen hatte. Meine uralte Lichterkette, die ich im Ausland schon längst durch eine modernere getauscht hatte, allerlei Kugeln welche ich bei der Wohnungsauflösung bei Schwiegermutter fand und meine selbstgehäkelten Herzen, womit ich mir vorletzten Sommer die Zeit beim Sonnenbaden vertrieb. Der Baumständer stammt noch aus dem Jahr 1998 aus meiner 1. eigenen Wohnung. Damals schon hoch modern mit Behälter zum Wässern.

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Eine weitere große Freude war, dass ich Joachim gestern in Stuttgart am Bahnhof traf, er kam direkt aus dem Libanon. Wir verbrachten den Abend auf dem wundervollen Stuttgarter Weihnachtsmarkt und nächtigten im Hotel, heute Mittag kamen wir dann per Zug zu Hause an. Nun ist eben schon ein Quarkstollen im Backofen, ich warte mal gespannt, ob die Düfte dann durchs Haus ziehen…Ich bin mir jedoch sicher, spätestens heute Abend beim Käsefondue, wenn auch auf andere Art.

Ich wünsche euch allen ein schönes, ruhiges, friedvolles und freudiges Weihnachten,

Süße Grüße, Karin

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Weihnachtsbasar

Plakat

Wie bereits seit vielen Jahren schon, findet immer am Samstag vor dem 1. Advent in der Evangelischen Gemeinde zu Beirut der Weihnachtsbasar statt. Der Erlös kommt den verschiedensten karitativen Projekten zugute, sollte ich nähere Infos darüber erhalten, werde ich sie an dieser Stelle noch nachträglich erwähnen.

Aus Nah und Fern kommen die Besucher sämtlicher Religionen meist schon seit Jahren. Ein jeder weiß dann bereits, wo er direkt beim Öffnen des Tores hin hetzen muss, damit er oder sie noch das beste Stücke abbekommt. Jemand möchte die schönste Secondhandkleidung, ein anderer unbedingt die heißersehnten Lebkuchen aus Deutschland oder in der Flohmarktecke ein Schnäppchen machen. Einen anderen gelüstet es am frühen Morgen schon nach Sauerkraut mit Bratwurst oder möchte erst einmal gemütlich einen deutschen selbstgebackenen Kuchen essen und Kaffee trinken. Auch die in Handarbeit gefertigten und reichverzierten Lebkuchenhäuser sind sehr begehrt, andere Menschen wiederum haben dieses Jahr das erste Mal davon gehört und schauen nur mal neugierig vorbei.

Schon direkt nach der Sommerpause beginnen verstärkt die Vorbereitungen, wobei im Prinzip ganzjährig das Motto lautet: „Nach dem Basar ist vor dem Basar“! Somit werden von den Gemeindemitgliedern und ehrenamtlichen Helfern jederzeit Kleiderspenden, Flohmarkt- und Dekoartikel, Bücher, Tombolapreise und vieles mehr zusammengetragen. Auch werden ganzjährig die verschiedensten Marmeladen eingekocht und während der Adventszeit Plätzchen, Lebkuchenhäuser und Früchtebrot gebacken, Adventskränze gebunden, Bastel- und Handarbeitsartikel angefertigt. Auch Spendenaufrufe und Ankündigungsposter werden verteilt. Am Veranstaltungstag bringen so viele Menschen als möglich, selbstgebackene Kuchen oder Torten als Beitrag für das reichhaltige Küchenbuffet mit. Es braucht viele helfende und gebende Hände, damit ein Basar in dieser Größenordnung und zu diesem Zweck zustande kommen kann.

Auch ich habe meinen Beitrag geleistet. Fuhr mit einem vollen Kofferraum zur Gemeinde, gefüllt mit Spenden und selbstgebackenen Plätzchen. War im Vorfeld zum Kränze binden anwesend, habe mitgeholfen die Datteln und Aprikosen für das Früchtebrot zu schneiden und habe natürlich auch Werbung gemacht und Plakate verteilt.

Am Basartag habe ich für einige Stunden im Obergeschoss des Gemeindehauses Essens- und Getränkebons verkauft. Diese konnten dann von den Käufern gegen Kuchen, Torten, Quarkbällchen, Kartoffelsalat, Sauerkraut, heiße Würstchen, Bier, Glühwein, Kaffee, Tee oder Softdrinks eingetauscht werden.

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Zusätzlich verkaufte auch das „Blackforest haus“ aus Broummana – Blackforest haus ein Laden der neben allerlei deutschen Lebensmitteln hauptsächlich deutsche Wurstspezialitäten und deutsche Alkoholika verkauft – deutsche Grillbratwürste und allerlei Artikel aus seinem Sortiment.

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Auch die deutsche Bäckerei vom „Mosan Center“ aus Tyrus Mosan Center verkaufte deutsche Backwaren und der Deutsche Chocolatier Dominic Hirschfelder Armonia bot seine sündigen schokoladenen Versuchungen ebenfalls an.

Zwischendrin wurden die Marmeladen und Plätzchen der Gemeinde verkauft und daneben die Weihnachtsbackwaren, die dafür extra aus Deutschland eingeflogen wurden.

Der Glasbläser befand sich gegenüber den hergestellten Adventskränzen und -gestecken. Leider war er zu Beginn meiner Aufnahmen nicht anwesend sonst hätte ich mich informiert wo er herstammt und ob er auch Kugeln anbietet. Denn ich sah dort nur Glassterne und Glaeser stehen und viel zu viele Menschen drumherum damit ich ihn hätte stören wollen.

Nach meinem Dienst war ich zu beschäftigt, um für meine Freundin und mich noch ein warmes Essen zu ergattern oder selbst mal durch den Markt zu schlendern. Außerdem war Jogi da, wir kauften unseren obligatorischen „Tombolaumschlag“. Die darin enthaltenen 100 Lose wollten dann auch nach Nieten und Gewinne sortiert werden.

Zwischen Kraut- und Würstchenduft und der Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern fanden wir dann auch die versprochene 10% Gewinnrate und wir müssen sagen – dieses Jahr hat sich der Einsatz mehr als gelohnt – eine wunderbare Ausbeute!

Am Gemeindestand konnten neben handgestrickten Socken, gehäkelten Kissen, genähten Decken und gebastelter Deko auch allerlei weiterer Krimskrams erworben werden und in der Kirche fand wie immer das Kinderprogramm statt.

Der Verein „Step together“ step together fand ebenso Platz um seine Waren anzubieten, wie die Lebkuchenhäuser der Gemeinde.

In der Garage im Untergeschoss befand sich noch der Secondhandkleidermarkt, der Floh- und der Büchermarkt. Leider vergaß ich total, dort vorbeizuschauen. Doch weiß ich von den Jahren zuvor, dass es vor allem beim Bücher- und Kleidermarkt ein großes Gedränge gibt.

Ansonsten herrschte mal mehr mal weniger Getümmel. Leider kam ich erst fast zum Schluss der Veranstaltung zum nochmaligen fotografieren. Die Menge lichtete sich, es gab Platz zum Sitzen und Durchatmen.

Nachdem meine Freundin Anne mit der Herstellung der Quarkbällchen nach dem Rezept ihres Opas – die übrigens außerordentlich lecker, geschmacklich unübertreffbar, genial sind – fertig war

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und noch eine weitere Bekannte ihren Arbeitseinsatz beim Kaffee- und Teeausschank beendet hatte, genehmigten wir uns den letzten zur Verfügung stehenden Glühwein und tranken auf unser aller Wohl.

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Prost! Bis zum nächsten Mal,

Gruß Karin

Ein unerwartetes OH!-Erlebnis

Gestern Vormittag planten meine Freundin Anne und ich wieder einmal einen Ausstellungsbesuch. Die Ankündigung des Events zeigte uns eine Galerie im Beiruter Stadtteil Gemmayze-Mar Mikhael, direkt in der Armenian Street. Leider wurde die Ausstellung an einen anderen Ort verlegt, Richtung Innenstadt-Getümmel und somit zu weit für uns entfernt, sodass wir uns dies bei dem hohen Verkehrsaufkommen und nasskaltem Regenwetter nicht antun wollten. Das Parkticket war bereits für zwei Stunden gelöst, die interessante Boutique nebenan mit libanesischem Kunsthandwerk ausgiebig begutachtet, folglich war noch ausreichend Zeit für eine Kaffeepause. In der geschäftigen Straße, wo sich Cafés, Restaurants und die verschiedensten Läden aneinander reihen, wurde ganz schnell eines auserkoren. Enab – Libanese Restaurant, uns beiden bis dato unbekannt.

1Eingang mit Anne
Anne vor dem Enab

Bereits der Blick vom Bürgersteig auf den Treppenaufgang sah außergewöhnlich aus und somit fuhren wir, nach Empfehlung eines Handwerkers der gerade an den Stiegen werkelte, mit dem Fahrstuhl nach oben. Schon in der gläsernen Kabine kam das erste OH! und dann beim Heraustreten weitere Ausrufe von uns beiden.

3Eingang

Was waren wir erstaunt, hier in dieser Enge des Viertels, abermals so ein weitläufiges, lichtdurchflutetes, schnuckeliges, romantisch anmutendes Ambiente zu finden. Traditioneller libanesischer Baustil, gebogene Fenster, alte Bodenfliesen, Wandornamente, Kristalllüster und typische hölzerne Stühle mit arabischen Stuhlkissen wechseln sich ab mit bonbonfarben gestrichenen Wänden oder Holzpanelen, Sesselbezügen mit Blümchen- oder Streifenmuster, Lampenstile aus vergangenen Jahrzehnten und Vogelbauern ohne Piepmätze.

Überall hängt, liegt oder steht etwas, das dem Betrachter ins Auge sticht. Ebenso gibt es einen Außenbereich, der sich fast nahtlos anschließt. Wäre der Regen nicht gewesen, ich bin mir sicher, auch hier wäre ebenso originell dekoriert gewesen.

Der Inneneinrichter hat genau die richtige Schiene zwischen Kitsch, Romantik, Behaglichkeit, Kühle und Wohlfühlen getroffen. Einrichtungstrends wie Skandinavischer- und mediterraner Stil, englischer Landhaus- und Retro-Stil, Vintage- oder Shabby Look sind hier und da vertreten.

Wir wollten nicht speisen, nur einen Kaffee und Tee trinken und wurden trotzdem sehr höflich bedient.

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Bereitwillig erhielt ich die Genehmigung zum Fotografieren und wir sind uns sicher, dass wir hier unbedingt einmal unseren Frauenkloenschnack veranstalten müssen. Nun im Nachhinein beim Recherchieren las ich in den sozialen Netzwerken nur gute Kommentare über das Essen – können wir somit weiterhin gespannt bleiben. Natürlich ist es da fast selbstverständlich, dass bereits weitere Filialen im Land vertreten sind, wie auch in weiteren arabischen Ländern. Das Konzept scheint also aufzugehen!

2Visitenkarte

Die Visitenkarte

Unsere Ausstellung schauen wir uns jedoch demnächst trotzdem an, das Thema ist zu spannend. Aber hierüber ein anderes Mal, bis dahin,

Gruß Karin

 

 

Die Poesie der Ruinen

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Letzte Woche machte ich mich mit meiner Freundin Anne auf den Weg in den Beiruter Stadtteil Achrafieh, um dort in der Villa Audi eine Fotoausstellung der Künstlerin Rania Azar Berbery anzuschauen. Der Titel allein und das Ankündigungsposter weckte unsere Neugierde und stellte im Voraus schon Anforderungen, die dann auch zu 100 Prozent erfüllt wurden!

Über die frisch renovierte Kunstgalerie Villa Audi lässt sich bestimmt ein eigener Beitrag schreiben, nur so viel, mächtig pompös im äußeren Erscheinungsbild steht sie mitten im dicht gedrängten Stadtgewühl und beim Passieren des Eingangstors denkt mal plötzlich: „Wow, wo bin ich denn da gelandet!“ So etwas erwartet man an diesem Platz einfach nicht.

Die Villa wird derzeit auch als Mosaik-Museum betitelt. Im ebenso beeindruckenden Inneren reiht sich ein Wand- und Bodenmosaik ans andere, leider waren nirgends Infotafeln oder Auskünfte über nähere Informationen hierüber zu erhalten. Auch war das Fotografieren bedauernswerterweise nicht gestattet.

Im Untergeschoss befand sich dann besagte Fotoausstellung, glücklicherweise war die Künstlerin persönlich anwesend, da gerade mehrere Busse mit Schulkindern von einer angemeldeten Besichtigungstour abgefahren waren.

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Welches Glück, somit erfuhren wir doch Einzelheiten direkt von ihr, denn die Infotafel in französischer Sprache brachte mich nicht wirklich weiter.

Vor einem Jahr gab sie ihren Beruf in der Finanzbranche auf, um ihrer Leidenschaft für die Fotografie engagiert zu folgen, was sie bis heute nie bereut hat. Optimal kann sie dies mit ihrem ebenso großen Interesse am Reisen verbinden. Mehrere, auch internationale Kurse, besuchte sie, sucht sich weiterhin Inspirationen und Anregungen und versucht immer weiter zu lernen, die Sicht und Blickwinkel auf Dinge unter Bezug von Licht und Schatten auch auf andere Art und Weise darzustellen. Mehrere Ausstellungen mit unterschiedlichen Themen hat sie schon, auch international, getätigt.  Leider bringen meine abermals stümperhaften Handyfotos nicht im Geringsten die Schönheit der Fotos zutage. Wir waren total fasziniert und brachten dies auch mehrfach zum Ausdruck und die sympathische Rania schien ganz gerührt ob der vielen lobenden Worte.

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Alle Bilder stammen von einer alten Villa, erbaut 1890 im Stadtteil Hazmieh, vom Bürgerkrieg 1975 sichtlich lädiert, bekam sie die Genehmigung mit Begleitschutz Aufnahmen von dem einsturzgefährdeten Gelände zu machen.

Beindruckend, wie das Licht der Umgebung sich im Gemäuer widerspiegelt. Wie sich das Unkraut, die Büsche und Bäume, Blumen und sonstigen Pflanzen ihren Platz zurückerobern, erneut ihren Duft ausströmen und ihren Samen dem Wind zur Verbreitung überlassen.

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Metall, das sich auflöst, dem natürlichen Prozess des Verfalls nicht widerstehen kann und Ansichten, die sich aus einer anderen Perspektive ganz anders darstellen.

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Kleine Pflänzchen, die bald alles überwuchern und zersetzen werden, was je von Menschenhand erschaffen wurde.

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Umwelteinflüsse wie Regen, Kälte, Hitze und Erschütterungen lassen die stärksten Gemäuer zerbersten. Was könnten diese Mauern erzählen, was haben sie Schönes erlebt und Böses mitgemacht?

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Zum Schluss der Ausstellung noch das Foto des Ankündigungsposters. Nach all den Überlegungen und dem Gedankenaustausch, kann man das Lachen und Weinen der einstigen Bewohner direkt hören, wie es durch die Zimmer und Gänge hallt und uns Geschichten von früher erzählt – und nun als Poesie durch Ruinen weitergegeben wird.

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Das war unser Besuch, zum Schluss noch der Eintrag ins Gästebuch, mal schauen, von wem sich Rania diesen übersetzen lässt.

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Ausdrücklich habe ich um Erlaubnis zum Fotografieren gefragt und ausdrücklich wurde auch erbeten, dass ich ihre Website verlinke, was ich hiermit gerne mache. Website Rania

Gerne betrachte ich deine nächsten Werke, bis dahin,

Gruß Karin

Letzte Ruhestätten

Im Rundschreiben der Evangelischen Gemeinde zu Beirut wurde bekannt gegeben, dass die Verwaltung des deutsch-französischen Friedhofs in Beirut an der Rue Damaskus seit geraumer Zeit in den Händen einer gemeinsamen Kommission der beiden Gemeinden liegt. Im Verlauf des Jahres konnte nicht nur die Neugestaltung des Friedhofs organisiert werden, sondern auch ein Buch zur Geschichte desselbigen in Auftrag gegeben werden. Dies sollte im Rahmen einer Feierstunde vorgestellt werden und da wollte ich unbedingt dabei sein. In den 12 Jahren während meinem letzten Libanonaufenthalt konnte ich den alten Friedhof nie besichtigen. Zum einen wohnte ich immer viel zu weit weg, zum anderen wusste ich nie wo er sich genau befindet, auch ist dessen Tor normalerweise verschlossen und wird erst durch einen Anruf bei einem Hausmeister geöffnet. Von der Straße nicht einsehbar, da eine sehr hohe Mauer mit festem Tor das Areal zum Gehweg und der stark befahrenen Straße abschirmt und nur ein kleines Schildchen über dem Eingang den Weg weist, waren im Gegenzug letzten Samstag die Tore weit geöffnet und unser derzeitiger deutscher evangelischer Pfarrer Jonas Weiss-Lange begrüßte mich herzlich.

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Mir wurde trotz Zeitnot erklärt, dass bereits die Tür und der gesamte Eingangsbereich neugestaltet wurde, ein gepflasterter Weg und Sprinkleranlagen errichtet wurden und auch sonst dem „Dschungel“ zu Leibe gerückt wurde. Lange konnten wir natürlich nicht näher darauf eingehen, denn hohe Würdenträger, Botschafter und geladene Gäste wurden erwartet. Bis zur offiziellen Eröffnung las ich noch die ebenfalls neuen Infotafeln – über die dortigen Schreibfehler muss hinweggesehen werden – und freute mich über nähere Informationen.

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Was war ich doch erstaunt zu lesen, wie es zu diesem „Evangelischen Friedhof der Ausländer“ kam und vor allem, dass dieses Jahr seinem 150. Jahrestag bedacht werden kann!

Dann schritt ich noch durch die Grabreihen und war fasziniert, solche Denkmäler vorzufinden. Welcher Gegensatz zu den Hochhäusern der Umgebung!

Auch die sogenannten Soldatengräber aus den Weltkriegen sah ich mir an, hier findet jedes Jahr zum Totensonntag eine Kranzniederlegung statt.

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Von anderen Gästen erfuhr ich, dass die meisten Soldaten den 1. Weltkrieg überstanden, die Briten die Herrschaft hatten und dann eine Seuche ausbrach, welcher viele Menschen dann im Lazarett zum Opfer fielen. Welch ein Schicksal!

An weiteren Ruhestätten lief ich vorbei und immer wieder fragte ich mich, was die Menschen damals wohl bewog, in ein so fernes und fremdes Land zu reisen und welche Strapazen sie auf sich nahmen und welchen Mut sie damals bewiesen.

In der Zwischenzeit begannen die Eröffnungsreden auf der ebenfalls neu gestalteten Terrasse des Gerätehauses. Die Gäste saßen auf bereitgestellten Gartenstühlen auf dem Rasen. Der französische und der deutsche Pastor sprachen, der deutsche Botschafter, Vertreter von Organisationen, ein kirchlicher Würdenträger spendete seinen Segen. Leider fanden fast alle Reden in französischer Sprache statt und somit konnte ich nicht viel verstehen, sehr schade!

Von einem französischen Chor hörte man zwei hervorragend gesungene Lieder, da hätte ich gerne noch länger lauschen wollen.

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Dann wurde das Buch von einem der Autoren vorgestellt.

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Leider auch nur auf Französisch, doch im Anschluss erfolgte der Verkauf und ich konnte einen Blick in das Werk werfen. Wie viele informative Bücher im Libanon, ist es in verschiedenen Sprachen geschrieben – in diesem Fall auf Arabisch, Französisch und Deutsch und ich werde mir dieses einmal ausleihen und lesen.  Abschließend wurde von der Deutschen Gemeinde noch ein Olivenbäumchen gepflanzt.

Der neugestalteten Urnenwand wurde bedacht

und dabei sah ich das gerade mal drei Wochen alte Grab von einer Frau, die ich durch die Gemeinde und die Frauenvereinigung kannte. Der Duft der zahlreichen Blumen von einem anderen, gerade mal 2 Tage altem Grab, wehte über das ganze Gelände. Sehr schön, wenn der Friedhof auch weiterhin bestehen bleibt.

Unter den Gästen war eine gute Bekannte, diese zeigte mir zwei weitere Gräber von Frauen, die ich von der Vereinigung kannte, die in den letzten Jahren verstarben.

Zum Abschluss stieg ich noch auf die Dachterrasse des Gerätehauses und schaute mir die Friedhöfe sämtlicher Religionen ringsum an, doch am schönsten war der Ausblick durch die hohen Bäume auf „unseren“. Ich fühlte mich sichtlich wohl, eine friedliche Atmosphäre lag auf allem.

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Umso friedlicher, dass ich in heutiger Zeit einfach durch die Friedhofstore wieder hinaus auf die Rue Damas treten kann. Sie war während dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 die grüne Linie, der sogenannte Todesstreifen, der Ost- und West-Beirut voneinander trennte. Kein Wunder, dass manche Gräber so zerstört oder mit Einschusslöchern versehen sind. Anscheinend wurden auch Milizen auf dem Friedhof einquartiert und je nach Religion, sind diese wohl nicht besonders pfleglich mit den Gräbern umgegangen, aber ich möchte hier niemandem etwas unterstellen.

Sobald ich die Genehmigung von „Der Tagesspiegel“ erhalten habe, werde ich deren Artikel vom 09.11.2015 mit dem Titel „Beirut, die unsichtbar geteilte Stadt“ hier verlinken.

So, die Genehmigung ist da, hier ist der Link Zeitungsartikel

Bis bald, Gruß Karin

Apfelfest

Letztes Wochenende fand in Baskinta ein Apfelfest statt. Die Info hatte ich von einer Veranstaltungswebsite, die ich regelmäßig checke.

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Baskinta ist ein christliches Bergdorf, welches sich auf einer Höhe zwischen 1200 und 1800 Metern befindet und ca. 45 km nordöstlich von Beirut liegt. Leider war das Dorf von parkenden Autos regelrecht belagert und somit konnten wir uns dort gar nicht richtig umschauen, selbst die Aussicht zum 2628 Meter hohen Berg Sannine war nebelverhangen und somit versperrte sich auch der Blick auf diese Attraktion.

Doch die Veranstaltung an sich bot schon allerlei. Um die generell schlechte wirtschaftliche Lage zum Ende des Sommers ein wenig anzukurbeln, wurde dieses Fest zum ersten Mal ins Leben gerufen. Bei schönstem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen erlebten wir entspannte Stunden bei leckeren Würsten, Sandwiches und Schokoladen Crêpe. Die Kinder wurden mit Spielen, Kinderschminken und Liedersingen bespaßt und wir waren froh, dass wir aus dieser Phase heraus waren und einfach nur genießen durften.

Die leckeren gemixten Cocktails „unserer“ Barkeeperin waren so was von süffig, ich hätte noch längere Zeit an der Theke stehen können und das Gemisch aus Mangonektar, Erdbeerpüree, Limettensaft und Rum in meine durstige Kehle laufen lassen wollen!

Tolle Musik ließ mich an der Bar nicht wie angewurzelt stehen bleiben, sofern es mein desolates Knie zuließ, bewegte ich mich voller Freude im Takt, sodass ich sogar andere Gäste dazu animierte, die direkt hinter mir eine kleine Tanzfläche eröffneten und sich mit zuckenden Bewegungen dem Takt hingaben.

Aber eigentlich waren wir ja auch gekommen, um Produkte direkt vom Erzeuger einzukaufen! Somit schlenderten wir durch die verschiedensten Stände und deckten uns mit Äpfeln, Pflaumen, Walnüssen und Apfelessig ein und ab ging es schwer bepackt wieder nach Hause.

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Unsere Ausbeute

Die Äpfel wurden zum Teil schon verarbeitet, die lecker aromatischen Pflaumen zur Gänze, somit heißt es nun erneut ab in die Küche und einen Apfelkuchen fürs Wochenende backen!

In diesem Sinne, ran an den Herd! Gruß Karin

Weinfest

Vorletzte Woche kam Joachim mit Eintrittskarten für das Vinifest nach Hause.

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Das Weinfest findet seit 10 Jahren statt und die weitläufige Anlage der Pferderennbahn in Beirut ist dafür ein gut geeigneter Platz. Da wir wieder libanesischen Wein einkaufen wollten und die Firma dort auch Autos ausgestellt hatte, war es natürlich obligatorisch, diesem Event beizuwohnen. Nach der Begrüßung von Angestellten, Kollegen, Geschäftsbesuchern und Firmeninhabern machten wir uns dann auf, von Zelt zu Zelt zu wandern, um die angebotenen Weine der zahlreich vertretenen libanesischen Winzern zu probieren. Natürlich konnten wir bei der Flut der Anbieter nur einen ganz geringen Teil verkosten, vornehmlich „unsere“ altbekannten Winzer wurden besucht, doch auch gänzlich unbekannte und neue Weine von Weingütern wurden von uns getestet.

Zwischendurch sah und hörte man noch offizielle Eröffnungsreden der Veranstalter und eingeladenen Botschaftsvertretern, Musik- und Tanzeinlagen wurden dargeboten und als Ausgleich für den vielen Wein gab es auch feste Nahrung. Die verschiedensten Leckereien wurden zum Kauf angeboten, darunter auch – man staune – Elsässischen Flammkuchen! Ich musste dann wirklich schmunzeln, als Gäste sich unterhielten was sie denn nun essen wollten und eine Frau schlug „diese Pizza ohne Tomaten“ vor. Alles in allem war es ein netter Abend, der laue Wind der über das Gelände wehte machte alles erträglich, ich finde jedoch, das Angebot könnte deutlich erweitert werden. Vor allem alles was um den Wein herum so Nützliches und Unnötiges erworben werden könnte, sollte angeboten werden. Auch das kulinarische Angebot wäre ausbaufähig. Doch alles in allem hat sich in den drei Jahren unserer Abwesenheit bei Veranstaltungen dieser Art doch einiges getan und schlussendlich haben wir „unseren“ Wein gefunden und bestellt und schon geliefert bekommen und natürlich auch verkostet.

Somit sehen wir uns dort nächstes Jahr wohl wieder, bis dahin

zum Wohl!

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Neustart

Endlich ein Lebenszeichen! Immer wieder nehme ich mir fest vor, zu mindestens für ein paar Stunden, das Einräumen und Sortieren und die leidige Hausarbeit zu unterbrechen.

Seit drei Wochen bin ich nun schon wieder im Libanon, habe Deutschland erneut für einige Monate den Rücken gekehrt. Langsam wurde es dort auch echt ungemütlich, der Herbst zeigte sich bis dato von seiner unschönen Seite. Regen, Wind und Kälte machten es mir nicht allzu schwer, in den wärmeren Mittelmeeranrainerstaat zu reisen. Auch die Aussicht, Joachim nach zwei Monaten wieder einmal in die Arme zu schließen dämmte die Abschiedstränen ein, selbst mit dem Wissen, dass ungefähr 100 Umzugskartons und deren Inhalt auf mich warteten.  Aber zunächst einmal wurde ich von meinem Mann am Flughafen herzlich willkommen geheißen und ab ging die Fahrt zu unserem neuen Zuhause.

Nach knapp fünf Minuten Autofahrt klopfte mein Herz bereits bis zum Hals, die Hände schweißnass – und leider muss ich gestehen, dass dies nicht in freudiger Erwartung auf unsere Zweisamkeit im neuen Heim geschah – sondern aufgrund des Straßenverkehrs und dem Drumherum!

2017-10-19

Nach drei Jahren gesitteten Verkehrsverhältnissen aus Jordanien und drei Monaten Deutschland auf dem Lande war ich nicht mehr daran gewöhnt, so einem Tohuwabohu ausgesetzt zu sein. Fast schon wollte ich meine Entscheidung, wieder selbst Auto zu fahren, rückgängig machen um in Zukunft mit dem Taxi chauffiert zu werden. Verschob dann jedoch diese Entscheidung auf einen ausgeschlafenen und hellerleuchteten Tag und heute bin ich froh darum. Kutschiere ich doch mit meinem inzwischen erworbenen Jeep Compass fleißig von einem Supermarkt zum anderen, um sämtliche Vorräte wieder aufzufüllen. Auch die Flut von Werbeplakaten entlang dem Highway, nachts dazu noch grell schillernd und blinkend in allen Farben – das war ich von meiner schwäbisch gemütlich dörflich anmutenden Heimat nicht mehr gewohnt! Auf den ursprünglich vier Fahrspuren fanden wie zu früheren Zeiten auch, locker fünf bis sechs Autokolonnen ihren Weg. Hupend und links und rechts ausweichend, immer wieder fuhr mal ein Zweirad am Straßenrand entgegen der Fahrtrichtung, auch kam bei Dunkelheit ein Auto rückwärts entgegen, ab und an mal ohne Rücklicht und vor allem – 90 % der Fahrer mit dem Handy in der Hand! Während der Fahrt telefonieren oder Sprachnachrichten senden ist wohl noch die harmloseste Variante. Die Unterarme am Lenkrad abstützen und das Auto somit zu steuern, wird mit dem in den Händen gehaltenem Telefon während der Fahrt ein ganzer Roman von Textnachrichten geschrieben. Das ist nun leider die bittere Realität und ich frage mich wirklich, wo bitteschön finden da die polizeilichen Kontrollen statt?

Somit war ich an diesem Abend heilfroh, im ruhigen Bergdörfchen in der stillen Wohnung angekommen zu sein. Hier versuche ich nun tagtäglich dem Chaos Frau zu werden. Räume hier ein um es am nächsten Tag dorthin umzuräumen, finde dann in diesem Karton noch was und dort noch was, es dauert noch einige Zeit, bis ich dann letztendlich fertig bin. Die hunderte von Moskitos die sich hier in der langen Zeit leerstehenden Wohnung und durch die undichten Fliegengitter und den teils geöffneten Kartons häuslich niederließen und sich von uns wohl gestört fühlen und uns in nächtlichen Attacken stundenlang um den Schlaf bringen – entspannen die Situation nicht wirklich! Mithilfe dieser elektrischen Fliegenklatschen und der systematischen Vernichtung dieser Mistviecher wird es langsam besser.

Moskitoklatsche

Habe in der ganzen Zeit nun drei Mal durchschlafen können, der arme Joachim macht dies schon seit zwei Monaten durch, deshalb wird es Zeit, dass ich endlich alles auspacke und verstaue.

Doch hier schon einmal einen Einblick in unser eingerichtetes Wohn- und Esszimmer, hoffe die restlichen Räume der Wohnung sehen auch bald so schön aufgeräumt aus.

Ansonsten fühle ich mich hier im Haus recht wohl, die Umgebung ist noch ruhig, ich hoffe in der direkten Nachbarschaft fängt niemand an zu bauen. Letzte Woche war meine Freundin aus alten Zeiten hier zu Besuch, wir hatten bis in den Abend hinein entspannte und lustige Stunden. Irgendwann werde ich dann auch einmal bereit sein, zum Frauentreff in die Evangelische Gemeinde Beirut zu gehen, um dort die altbekannten Gesichter der Vereinigung deutschsprachiger Frauen im Libanon von früher zu treffen. Außerdem gibt es ja noch den Frauenklönschnack im Libanon, welchen ich mit zwei anderen Freundinnen, die bereits wieder in Deutschland leben, vor fast sieben Jahren ins Leben gerufen habe. Doch erst einmal heißt es weiterhin auspacken und einräumen…

Bis bald, Karin

Hit-Parade, Teig-Falle, Julchen, KäseMax & Co.

Eingeweihte unter uns wissen bestimmt sofort, von was die Rede ist! Alle anderen möchte ich darüber aufklären, dass dies die Artikelbezeichnungen von Tupperware® sind und der Markenname sowie einige Artikelbezeichnungen hier nur verwendet werden, um von meiner kürzlich veranstalteten Tupperparty® zu berichten.

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Einige von euch haben so einem Ereignis bestimmt noch nie beigewohnt, andere hingegen werden darüber mit Kennermiene wissend mit dem Kopf nicken.

Bereits aus meiner frühesten Kindheit kenne ich diese Küchen- und Haushaltsartikel, besuchte doch bereits meine Mutter ab und an bei der Nachbarin die eine oder andere Verkaufsveranstaltung und somit wuchs ich mit diesen Produkten auf und erwarb diese überaus praktischen Artikel natürlich auch nach und nach für meinen eigenen Haushalt.

Das amerikanische Unternehmen wurde bereits 1938 gegründet und ist seit 1962 auch in Deutschland vertreten. Bis heute sieht das Konzept so aus, dass man als interessierte Gastgeberin eine Tupperberaterin oder PartyManagerin seines Vertrauens kontaktiert – entweder ist diese bereits bekannt oder man findet die für sich geeignete Person über die Website des Unternehmens – einen Termin bespricht, seine Gäste aussucht und ihnen eine Einladung ausspricht. Zum vereinbarten Termin stellt man dann seine Wohnung als Verkaufsraum zur Verfügung, bewirtet seine Gäste und zum Dank wird man dafür prozentual zum Umsatz mit Gratis-Einkauf, Preisnachlass oder Bonuspunkten belohnt. Auch jeder Gast erhält ein Gastgeschenk. Nach einiger Zeit meldet sich die Tupperberaterin wieder beim Gastgeber, um einen Termin für die Auslieferung der Ware und die Entgegennahme des Gesamtpreises abzustimmen. In der Zwischenzeit sammelt die Gastgeberin die einzelnen Kaufbeträge bei ihren Gästen ein. Nach Erhalt der Ware werden die Gäste von der Gastgeberin wieder kontaktiert, damit die Bestellungen übergeben werden können. Das Unternehmen gibt auf einzelne Artikel Garantien, diese verschiedenen Fristen können gesondert in den Garantiebestimmungen nachgelesen werden. Auch einzelne Deckel- oder Behälterteile, Klingen oder sonstige Ersatzteile können, sofern sie noch erhältlich sind, nachbestellt werden.

Somit hatte ich also neulich abends um 20 Uhr elf Gästinnen zu bewirten. Es wurde gelauscht, gerätselt, gelacht, getrunken, gegessen, beratschlagt, auch probegebacken und zum Schluss bestellt. Einige hatten auch Ware zum Tausch innerhalb der Garantiebestimmungen dabei, andere wiederum brauchten nochmals Tipps und Ratschläge zur richtigen Verwendung bereits vorhandener Artikel.

Kurz und gut – es war ein voller Erfolg. Ich denke meine Gästinnen hatten einen netten, informativen und schönen Abend.

Vorgestern war es dann soweit, die Ware wurde geliefert und bis heute steht nur noch eine Tüte im Wohnzimmer und wartet auf die Besitzerin.

Dann bis zum nächsten Mal – wenn es heißt: „Lust auf Tupperparty®?“

Gruß Karin

Ein Traum wird wahr!

Jahrelang erträumt, erhofft und erwünscht

nun endlich ist er da

es fehlt nur noch die Zeit und die Muße

um das Leben faul zu genießen

entspannt liegen und sitzen

einfach trinken und schwitzen

nichts mehr denken

nur noch lesen und schlafen

relaxen und träumen in meinem

Strandkorb!

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Vier Jahre lang befasste ich mich mit dem Thema, wälzte mich durch zig Websites. Las, recherchierte, hab Probe gesessen und kam immer wieder auf einen Anbieter zurück, da dieser für mich das größte Angebot hatte, die beste Auswahl an verschiedenstem Zubehör.

Ich konnte die Farbe und Größe des Korbs wählen, geölt oder naturbelassen, das Stoffdesign, ob mit oder ohne Bullaugen, Taschen für Handy und/oder Zeitung, Klapptische, Schwenktische. Außerdem verfügen die Fußteile über abnehmbare und waschbare Bezüge, konnte wählen ob ich den Korb mit der Funktion eines Hydraulikdämpfers möchte, denn der Korb ist bis zur Liegeposition in vier Stufen verstellbar, ob er Rollenfüße oder Gleiter haben sollte, ob Kuschelkissen und Kuscheldecke erwünscht ist, Abdeckhaube…

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So eine Investition will wohl überlegt sein und somit verwarf ich den Gedanken immer wieder, bis ich mich doch dazu entschloss, einen meiner heimlichen Träume zu verwirklichen. Endlose Mails mit der Firma gingen hin und her um auch so vieles als möglich perfekt zu haben, bis ich dann doch meine finale Bestellung bei Strandkorbwerk aufgab. Innerhalb 10 Tagen wurde per Spedition versandkostenfrei nach Hause geliefert.

Vorab musste natürlich noch der Untergrund vorbereitet werden. Um flexibel auf- und abzubauen und auch gegen Regen und somit nassen Untergrund gewappnet zu sein, entschloss ich mich für Terrassenfliesen im Klick-System aus Kunststoff.

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Nun bin ich stolze Besitzerin eines sehr schönen Strandkorbs und freue mich mächtig über das ungewohnte Ungetüm im Garten. Leider hatte ich noch nicht wirklich viel Zeit, um das Möbel auch ausgiebig nutzen zu können, obwohl wir nach heftigen und ausgiebigen Regengüssen die letzte Woche nun dieser Tage wirklich mit Sonne verwöhnt werden.

Doch irgendwann kommt meine Zeit und dann werde ich genießen und träumen…von meinem nächsten Projekt!

Bis dahin, ich werde euch berichten,

Gruß Karin

Kräuterwanderung

Letzte Woche hatte ich das Glück, zu einer Kräuterwanderung durch den Wald eingeladen zu werden. Treffpunkt war der Waldkindergarten Hasenköhl in Pfahlbronn und geleitet wurde dieser sehr interessante Abend von der Kräuterpädagogin Annemarie Guckes aus Lorch. Da wir in Deutschland ja auch mitten in der Natur wohnen und sich hier auf dem Grundstück bestimmt so allerlei essbares Kraut befindet, stellte ich mir bei der lästigen Gartenarbeit schon des Öfteren die kunstvolle Frage: Ist das essbar oder kann das weg? Beziehungsweise ist dieses Kraut überhaupt Unkraut? Oder handelt es sich um ein wertvolles Kräutlein?  Werde ich mich irgendwann über all die wiederkehrende Pracht nicht mehr ärgern, sondern freuen?

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Allein schon bei der Ankündigung der Veranstaltung erhoffte ich mir einige wertvolle Antworten auf alle meine Fragezeichen bei der Bestimmung der vielen verschiedenen Krautarten und ich kann jetzt schon verraten, ich wurde nicht enttäuscht!

Bereits bei der Ankunft im Wald erwartete die Teilnehmer mitten zwischen Bäumen und Sträuchern und den Sitzgelegenheiten für die Kindergartenkinder ein reich gedeckter Tisch mit allerlei bunten, vielversprechenden kulinarischen Genüssen! War das eine Pracht, dies anzuschauen. Die Geschmacksexplosionen die sich entwickeln würden, brachten bereits beim Anblick meine oralen Säfte in Wallung! Annemarie stimmte auf diesen lehrreichen Abend erst einmal mit dem Ergebnis der Studien ein. Mit Sekt und Holunderblütensirup, Almdudler den ich nicht nur gerne trank, sondern mich hätte reinlegen können, Brot, Dips, Pestos, Salate und Tarte warteten auf uns. Alles natürlich selbst gesammelt und selbst hergestellt von der Expertin! Ein großes Lob an sie, es schmeckte traumhaft!

Zwischendurch erfuhren wir schon die ersten Infos, was wo drinsteckt. Ich outete mich, dass dies für mich völliges Neuland ist und ich gerade mal meine Walderdbeeren von Löwenzahn und Brennnessel unterscheiden kann. Bis dato hörte ich zwar mal Namen wie Taglilie, Frauenmantel, Waldmeister, Spitzwegerich & Co. Wie diese Exemplare aussehen und warum sie auf diesem Planeten weilen war mir jedoch unbekannt. Seit der Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd im Jahr 2014 habe ich erkannt, dass sich die gemeine Akelei, Nachtkerze und Königkerze in unserem Garten auch wohlfühlen. Doch nun weiß ich auch, dass die Blüten der beiden „Kerzenarten“ sich auch wunderbar im Salat machen. Genauso wie die aller unbehandelter Rosenarten, der Löwenzahnblüten und vielen anderen.

Dass der Wiesen-Bärenklau vor allem für die männliche Spezies der Schöpfung ein Kraut mit „Bärenwirkung“ ist und daher auch Herkuleskraut genannt wird und unsere Männer stark wie Herkules macht und nicht nur bei Erkältungen und Husten helfend wirken kann, darüber wurden wir genau so aufgeklärt wie über die Anwendungsgebiete vom Frauenmantel.

Und dass die herabhängenden Samen der Brennnessel ein natürliches Dopingmittel sind, wird uns wohl in Zukunft unterstützend bei der Bekämpfung der selbigen sein. Was für ein Widerspruch in unserem Tun und Handeln! Doch vielleicht traue ich mich irgendwann und koche aus den Blättern der Nessel einen Spinat, eine Suppe oder einen Tee und kehre somit das Unkraut in ein nutzvolles Kraut um damit es zurecht auch in unserem Garten als Kosmopolit gilt.

Weiterhin erfuhr ich, dass auf unserem Grundstück der Giersch sein Unwesen treibt und dieser auch Geißfuß oder „Zipperleinkraut“ genannt wird. Die jungen Triebe wanderten bereits schon einige Male kleingehackt in manchen Salat oder Gemüse, sollen sie doch sehr gut gegen so manches körperliche Zipperlein ankämpfen.

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Giersch

Auf unserer Wanderung durch den Wald blieben wir immer in Sichtweite zur Schutzhütte des Waldkindergartens, da das Angebot an nutzvollen Pflanzen und Kräutern am Wegesrand zu groß war. Wir sahen Holunder, Brom- und Himbeeren, ich erfuhr, dass Efeu aufgrund seiner seifenartigen Substanzen auch gut zum Wäschewaschen ist.

Weiter hörte ich Namen wie Beinwell, Schafgarbe, Hohlzahn, Gänsefingerkraut, Braunelle, Waldziest, stinkender Storchschnabel, Knoblauchranke, Gundermann, kriechendes Fingerkraut, Kohlkratzdistel, Wiesenflockenblume, Mädesüß und wie sie alle heißen.

Für das Klettenlabkraut haben die beiden teilnehmenden Mädels, die vor vielen Jahren selbst diesen Waldkindergarten besuchten, ganz schnell eine Verwendung gefunden.

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Bei meinem nächsten Besuch in der hiesigen öffentlichen Bücherei werde ich mir mal das eine oder andere Buch mitnehmen und mein Wissen weiter vertiefen. Allein in den drei Stunden im Wald habe ich schon so viel gelernt und hier im Garten wiedererkannt, da steckt bestimmt noch mehr Potenzial drin.

In diesem Sinne, bleibt mir grün, Gruß Karin

Packe, packe Kartons…

Inzwischen ging bereits alles über die Bühne, seit zwei Wochen sind wir in Deutschland und versuchen hier Haus und Hof nach monatelanger Abwesenheit wieder auf Vordermann zu bringen. Doch erst einmal der Reihe nach:

In Amman unternahm ich keine großen Unternehmungen mehr. Hatte noch einiges zu besorgen, es standen Einladungen und Veranstaltungen an, Joachim flog nochmals in den Libanon und unterschrieb den Mietvertrag, ich war in der Wohnung beschäftigt, außerdem fand aufgrund des Ramadans tagsüber sowieso nicht mehr viel statt. Mit einem Teil meiner Partyhühnern traf ich mich nochmals zum Abendessen und am 17. Juni 2017 war es dann soweit, die Packer kamen.

Da unsere Verkaufsaktion sehr gut lief, hatte sich unser Hausrat doch um einiges dezimiert und die Packer benutzten großzügig Einwickelpapier und Folie, da unsere letztendlich 147 Packstücke locker in den Container passten. Und trotzdem stand Joachim am besagten Packtag doch immer wieder kopfschüttelnd vor all dem Zeugs und fragte sich, ob man so viele Sachen überhaupt brauchen würde und wo wir diese Flut von Küchenrat später einmal in Deutschland unterbringen sollten. Aber mein guter Mann vergisst immer wieder, dass in zwei Jahren wohl bestimmt über die Hälfte der Küchenutensilien und Bettzeugs an Bedürftige abgegeben werden kann, da es nach so vielen Jahren Benützung einfach Zeit wird, sich davon zu trennen.

Die Packerei ging langsamer vonstatten, als von uns gehofft. Die Männer fasteten allesamt und somit ging dies bei der Hitze ohne Wasser und Nahrung in gemächlichem Tempo voran. Die fertig gepackten Kartons stapelten sich in der Wohnung, wir schliefen nochmals eine Nacht dort und am nächsten Tag wurde ich vor die Wohnungstür gesetzt und sollte anhand der Packliste akribisch die Kartons abzeichnen, die dann in den LKW verladen wurden.

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Danach putze ich noch die Bäder, fegte die Wohnung komplett durch und wir übergaben dem Hausmeister die Schlüssel. Ich verabschiedete mich schweren Herzens von den Katzen und wir fuhren für drei Nächte ans Tote Meer. Joachim pendelte jeden Tag nach Amman ins Büro und ich genoss Sonne, Pool und Meer.

Danach waren wir nochmals für zwei Nächte in Amman im Hotel bis es dann endlich am 23.06. gen Flughafen ging. Ich schreibe endlich, denn es war nur noch ein Hinauszögern, richtig genießen konnte ich die Tage nicht mehr, die ganzen Koffer waren bis dahin total durchwühlt, ich war nur noch am Suchen, denn allein in Amman wechselten wir viermal das Zimmer, bis wir endlich mit den Gegebenheiten zufrieden waren.

In Deutschland empfing uns Sohnemann. Dieser hat sein Bachelor-Studium zwischenzeitlich im Libanon erfolgreich beendet, dort sämtliche Zelte abgebrochen und wohnt nun hier.

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Momentan jobbt er noch und ist in der Findungsphase zwischen einer Festanstellung und Master-Studium. Doch alles braucht seine Zeit und wird sich finden, er wird seinen Weg machen, da sind wir sicher.

Ich werde berichten, bis dahin, Gruß Karin

 

Amman ade, scheiden tut weh…

Ihr lest richtig! Die Ereignisse haben sich die letzten Monate etwas überstürzt, wie immer war vieles bis zuletzt unsicher und deshalb habe ich bis jetzt nichts verlauten lassen, doch nun ist es sicher! Am 23. Juni 2017 werden wir Jordanien verlassen und nach dem Sommerurlaub für voraussichtlich zwei Jahre im Libanon wieder die Zelte aufschlagen.

Einige von euch werden auch hierüber total baff und erstaunt sein, wo sie doch wissen, wie froh ich vor drei Jahren war, dass ich dieses Kapitel hinter mir lassen konnte. Und nun muss ich dort erneut mein Leben verbringen. Ja – muss, denn ich gehe mit großem Widerwillen zurück. An keinem anderen Ort seit unseren Auslandseinsätzen fühlte ich mich so wohl wie hier! Im Vergleich zu den anderen Wohnorten haben wir hier super klimatische Verhältnisse, bessere Luft, mehr Ruhe, optimale Lebensmitteleinkaufsmöglichkeiten, einen etwas besser geregelteren Straßenverkehr und somit schnelleres Durchkommen und als Folge dessen auch mehr Möglichkeiten, die mannigfaltigen Kulturangebote wahrzunehmen. Last but not least muss ich unbedingt unsere super Frauengruppe „Deutsche Frauen Amman“ erwähnen und natürlich meine Partyhühner. So eine tolle Truppe habe ich im Ausland bis jetzt noch nicht erleben dürfen, ich werde euch sehr vermissen!

Inzwischen sind Jogi und ich auch schon im Libanon auf Wohnungssuche gewesen. Auch wenn wir noch immer auf die Zusendung des Mietvertrages warten, sind wir doch zuversichtlich, dass wir den Zuschlag für die auserkorene möblierte Wohnung in Broumana bekommen werden. Broumana ist ein kleines christliches Städtchen in den Bergen, welches im Sommer bevorzugt von arabischen Touristen bevölkert wird, wodurch es einige Hotels, Restaurants, Pubs und natürlich auch Einkaufsmöglichkeiten gibt. Doch auch auf dem Highway hinunter auf Meereshöhe ist man mit dem Auto in 20 Minuten und somit ist es auch für Joachim ins Büro nicht allzu weit. Doch das Verkehrsaufkommen hat sich die letzten drei Jahre natürlich nicht reduziert und wird uns noch viele Nerven kosten!

Doch erst einmal bin ich seit Wochen hier mit der Auflösung der Wohnung beschäftigt. Das große Ausmisten und Sortieren hat schon lange begonnen, auch haben schon einige Dekorationsgegenstände und Möbel den Besitzer gewechselt, sowie die Verhandlungen über Waschmaschine und Wäschetrockner sowie Getränkekühlschrank, Wohnzimmerschrankwand und -tisch. Ebenso steht das Verabschieden von liebgewordenen Menschen zur Debatte. Zum Anfang des Ramadans am kommenden Wochenende verlassen bereits die Ersten das Land und somit zieht sich das Adieu sagen für mich sehr in die Länge.

Trotz der ganzen Aufbruchsstimmung hoffe ich, dass ich noch das eine oder andere über meine Aktivitäten hier berichten darf, bis dahin,

Gruß Karin

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Haariger Nachwuchs

Viele schleichen ums Haus, mauzen und miezen, schlafen und wachen – doch nur eine darf auch hinein, das ist seit ungefähr zwei Jahren unsere Spazi. Auf dem Sofa hat sie seit langem ihren eigenen Platz, kommt und geht wann immer sie will, doch am späten Abend, wenn wir uns zur Nachtruhe niederlegen möchten, dann muss sie hinaus. Und das meistens unfreiwillig mit fauchen und mauzen. Die Katzen leben alle wild draußen, ernähren sich von den Almosen der Anwohner, diejenigen die es ganz schlimm trifft, plündern die Mülltonnen. Unsere Spazi hat aufgrund ihrer gepflegten und adretten Ausstrahlung wohl mehrere Gönner, auch die Nachbarin gegenüber kümmert sich um sie und die vielen anderen wilden Schmusetiger.

Zwei Mal wurde unsere Mieze schon Mama. Beim ersten Mal während einer wochenlangen Abwesenheit, da konnte sie in einem Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses gegenüber, ihre Kinder zur Welt bringen, Wochen später kam sie dann auf ihren Streifzügen auch regelmäßig mit ihren Jüngsten bei uns vorbei, eines davon hat letztendlich bis jetzt überlebt und besucht uns auch noch fleißig.

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Beim zweiten Mal, letztes Jahr im September während meines Deutschlandaufenthaltes, da hat unsere Spazi im Putzlappenschrank meiner Waschküche Joachim ein Geschenk gemacht, als er sie dort eines Abends mit 5 Jungen fand. Drei davon sitzen immer noch tagtäglich an der Küchentür und betteln nach Futter.

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Die junge Mama, die sich dann immer sehr fürsorglich und liebevoll um ihren Nachwuchs kümmerte, war dann nach der Entwöhnung ihren Kindern gegenüber eine richtige Furie. Teilt auch heute noch regelmäßig Krallenhiebe aus, sollte eines ihrer Kinder auch nur in ihre Nähe kommen.

Tja, und Ende Februar war es dann wieder soweit. Sie war eine Woche lang rollig, die Kavaliere standen Schlange, der Krach war bald nicht mehr auszuhalten. Im Laufe der Wochen wurde sie dicker und rundlicher, lag viel auf dem Sofa und schlief und gestern nun hatten wir das Ergebnis.

Nachdem sie mir tagelang auf Schritt und Tritt hinterherlief, mich mit Zuneigungen überschüttete und am liebsten in mich hineingeschlüpft wäre, hat sie dann gestern ab dem Nachmittag in längeren Abständen den 4 Kleinen Knäueln das Leben geschenkt.

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Nummer eins ist da

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Nummer zwei ist da

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Alle vier sind da

Dieses Ereignis konnte ich die ganze Zeit mit verfolgen. Eine herbeigerufene Freundin war auch dankbar, so etwas mal erlebt zu haben. Spatzi hat es wunderbar gemacht und überstanden. Sie ist wieder eine ganz liebe Mama, hat auch bereits heute schon die ersten Ausflüge zu den Nachbarn gegenüber unternommen und kam wieder brav nach Hause.

Da ich am Freitag nach Deutschland fliege, werde ich die Kiste morgen Vormittag für einige Stunden nach draußen auf den Küchenbalkon stellen, denn ab Freitag müssen sie dann wie alle anderen auch draußen wohnen. Der Hausmeister wird wohl bestimmt mit Futter versorgt werden, damit er täglich nach der kleinen Familie schauen kann.

Und hier noch das Neueste Foto, viel zu erkennen ist nicht, die lieben Kleinen hängen wie die Feuerwehrschläuche an Mamas Zitzen.

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Nach meiner Rückkehr im Mai werde ich euch abermals davon berichten.

Bis dahin, Gruß Karin

Wochenmarkt

Sobald die Saison beginnt, wo Obst und Gemüse wieder wächst oder die Sturm- und Regenfälle nichts verwüsten können, findet samstags von 10 bis 15 Uhr der Nour Al-Barakah Saturday Market statt. Im Stadtteil Rabieh im Princess Iman Garden ist dafür meiner Meinung nach ein sehr schöner Standort gewählt worden.

Lokale Gärtner und Bauer verkaufen hier frisch vom Feld ihre, zumeist, BIO-Ware. Sollte dies beim Anbau nicht ganz geklappt haben, so halten sie zumindest die Ruhezeiten zwischen der letzten Chemiekeule und der Ernte ein. Denn hier erlebt man es viel zu oft, dass die Gurken oder Karotten im Kühlschrank plötzlich weiterwachsen oder Kartoffeln überhaupt nicht mehr auskeimen. Auch Verpackungsmaterial wird gerne wieder zurückgenommen. Und im Allgemeinen wird auch hier die Bevölkerung daran erinnert, auf lokale Produkte zurückzugreifen. Organischer Kompost kann gekauft werden und im Gegenzug kann man auch seine Kompostabfälle abgeben. Junge Menschen die erkennen, dass die Lebensweise eines Jeden verbessert werden sollte, sind hier herzlich willkommen mitzumachen.

Zwischendurch beim Umherschlendern trifft man bestimmt mindestens ein bekanntes Gesicht, man kommt ins Erzählen, tauscht sich aus, an welchem Stand es die besten Erdbeeren, Rote Beete oder Gurken gibt. Auch einen Tee, Kaffee oder Saft kann man bekommen. Der nette Syrer, der die selbst gekochte Hausmannskost seiner Frau verkauft, ist auch wieder da. Die Speisen sicher verpackt zum Mitnehmen oder zum direkten Verzehr auf einer der vielen Sitzmöglichkeiten auf dem Gelände.

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Ein Stand mit italienischen Nudelgerichten bereitet direkt auf Wunsch alles vor, die obligatorische Hamburger-Bude darf natürlich auch nicht fehlen. Wobei als Bude eher der Plastikbalkontisch gemeint ist.

Auch die Deutsche Petra und ihr Mann sind vertreten. Sie produzieren natives Olivenöl, kleine Quantitäten, mehr ein Hobby, jedoch von ausgezeichneter Qualität, dass es letztes Jahr sogar prämiert wurde. Außerdem bietet sie selbst gekochte Marmeladen an, eingelegte Oliven, selbstgebackenen Rührkuchen und selbst hergestellte Olivenseife.

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Auch an die Kinder wird gedacht. Ein kleines Spielfeld wurde angelegt, Kinderschminken erfreut die Kleinsten, doch am beliebtesten sind bei schönem Wetter eindeutig die Schaukeln und Klettergerüste. Allgemein herrscht eine fröhliche gelöste Stimmung.

Auch spezielle glutenfreie Lebensmittel, diätetische Waren, Trockenerzeugnisse in BIO Qualität usw. werden angeboten und eine Dame verkauft Datteln aus heimischer Produktion.

Die österreichische Bäckerei möchte ich natürlich auch erwähnen, auch wenn ich eher die deutsche Bäckerei bevorzuge.

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Ich weiß, für die Europäer unter euch mag das ja normal sein, aber im arabischen Raum nicht unbedingt. Wir können uns eben noch an (fast) allem Neuen erfreuen, und somit packen wir nun ein und fahren weiter zu Mistaka, der Käsefrau.

Bis zum nächsten Mal, Gruß Karin

Die einstige römische Provinzstadt

Gerasa – oder auch gleichbedeutend mit dem heutigen modernen Namen Jerash – liegt auf Platz zwei der touristischen Sehenswürdigkeiten von Jordanien und somit musste auch ich diese Stätte endlich einmal gesehen haben.

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Mit meiner Freundin Andrea und ihren beiden Besucherinnen und einer weiteren Freundin mit wiederum zwei Besuchern, machten wir diese Woche bei schönstem Frühlingswetter diesen Ausflug, um 40 km nördlich von Amman die sehr gut erhaltene und beeindruckende römische Ruinenstadt, die mitten in der modernen Stadt liegt, zu erkunden.  Seit 1925 wird das Gebiet erforscht und Schätzungen zufolge, sollen erst 10 % der möglichen Funde entdeckt worden sein. Vieles wird wohl für alle Zeiten verschwunden oder verborgen bleiben, denn die heutige 50.000 Einwohner große Stadt wurde natürlich z. T. auf altes Gemäuer und ebenso aus alten Steinen der antiken Stadt gebaut.

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von links: Andrea, Karin, Andrea, Karin – Ist das nicht witzig?

Ab 6000 v. C. gibt es bereits Hinweise auf eine Besiedlung des Ortes. Alle möglichen Völker mit ihren Kulturen und Religionen hinterließen ihre Spuren, bis 63 v. C. die Römer Gerasa eroberten und die Stadt sich im Laufe der Zeit vergrößerte. Das heutige für die Besucher zugängliche rund 90 Hektar große antike Stadtgebiet war damals das Geschäfts- und Repräsentationszentrum. Die Topografie gleicht anderen römischen Städten. Die von Kolonnaden gesäumte, mit Steinplatten belegte Haupt- und Flanierstraße, die Cardo Maximus, die sich über eine Länge von 700 Metern erstreckt, verläuft vom repräsentativen Südtor zum einfacheren Nordtor. Die Steinplatten verdecken einen Abwasserkanal und selbst heute sind noch die tief eingefahrenen Wagenräderspuren auf den glatt polierten Steinplatten zu sehen. Zwei von West nach Ost kreuzende Querstraßen führten über Brücken in den Ostteil von Gerasa.

Rundherum können noch die Überreste oder z.T. restaurierten Gebäude besichtigt werden. Unzählige Kirchen mit teilweise noch sichtbaren Mosaiken, Tempel, Synagoge, Moschee, Pferderennbahn und Theater warten darauf, abgelichtet zu werden.

Zwischen Vogelgezwitscher, blühenden Wildblumenwiesen und dem Ruf des Muezzins aus der nahegelegenen Moschee wandern wir stundenlang entspannt und fröhlich durch das riesige Areal und machen ab und an auch mal Pause wie dieser nette Wächter, der sich bereitwillig von mir fotografieren ließ:

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Doch nun erst einmal der Reihe nach: Nachdem wir beim Besucherzentrum durch die überdachte markthallenanmutige Ansammlung von unzähligen Verkaufsständen mit allem möglichen Souvenir-Krimskrams endlich zum Ticketschalter kamen, konnte es los gehen.

Durch das Hadrianstor, welches 130 n. C. zur Erinnerung an den Besuch des Kaisers erbaut wurde und eine stolze Höhe von 21 Metern hat, gelangten wir linker Hand direkt zum Hippodrom. Diese 244 m lange Pferderennbahn bot mit ihrer Tribüne immerhin 15.000 Zuschauern Platz. Leider wurden aufgrund Besuchereinbußen Aufführungen aller Art in der heutigen Zeit eingestellt, hoffen wir darauf, dass sich dies in der Zukunft ändern wird.

Auf dem langen Weg parallel zum Hippodrom kamen wir an das ebenfalls unter Kaiser Hadrian erbaute Südtor, dort fand dann auch die Ticketkontrolle statt und wir bestaunten originelle Blumenbeet- Einfassungen, welche inmitten all dieser alten Steine irgendwie fehl am Platze waren.

Ein kurzes Stück weiter waren wir schon beim imposanten Ovalen Forum. Der Zweck dieses 90 x 80 Meter großen Platzes ist nicht ganz klar. Handels- oder Marktplatz, Opferplatz – die Meinungen gehen auseinander. Auf jeden Fall ist er mit originalen Steinplatten gepflastert und mit 56 ionischen Säulen begrenzt.

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Das Forum mündet in den Cardo Maximus, wir jedoch gingen nach links, schauten uns die Überreste des Zeus Tempels an und betraten dann das Südtheater.

Dieses ist in den Berg gebettet bzw. wird von ihm abgestützt und es gehört zu den schönsten Bauwerken der Stadt.

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Wie so vieles wurde auch dieses Theater beim schlimmen Erdbeben 747 zerstört und ab 1925 wieder restauriert. Auf 32 Sitzreihen haben ungefähr 4000 Besucher Platz. Glücklicherweise fand während unserem Besuch eine kleine Musikeinlage statt und junge arabische Besucher ließen es sich nicht nehmen, nach Männlein und Weiblein getrennt versteht sich – eine kleine Tanzeinlage zum Besten zu geben.

Die zahlreichen Zuschauer applaudierten kräftig und da viel mir auch direkt in meiner Nähe dieser Paradiesvogel auf. Sehr gewagt – finde ich…, vielleicht halte ich mich auch nur schon zu lange in arabischen Ländern auf?

Übrigens findet jährlich im Sommer das Jordan Festival mit Theateraufführungen, Konzerten, Literaturlesungen und jede Menge Folklore statt. Auch hierzu wird die Anlage genutzt, das Ovale Forum und die Theater bieten sich hierfür ja geradezu an.

Ganz beschwingt ging es weiter die kleine Anhöhe hinauf und dann schauten wir uns eine Reihe von Kirchenruinen an, bis wir zum imposanten Artemis Tempel kamen.

Zu Ehren Artemis, Tochter von Zeus, Jagd- und Fruchtbarkeitsgöttin und Schutzgöttin von Gerasa wurde dieser Tempel errichtet. Leider stehen von den ursprünglichen 32 Tempelsäulen nur noch 11, wobei man bei 9 Säulen die schönen korinthischen Kapitelle bewundern kann. Auch sonst ist dieser Tempel leider sehr zerstört.

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Unser Weg ging weiter zum Nordtheater aus dem 2. Jh. n..C.  Nach den ursprünglichen 800 Plätzen wurde es auf die doppelte Anzahl erweitert, was man sehr gut an dem Absatz erkennen kann.

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Von hier oben hatte man einen herrlichen Ausblick auf das Tetrapylon, dem vierteiligen, quadratischen Monument, und dem Säulengang bis zum Nordtor.

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Auch rechter Hand auf die Westbäder und die moderne Stadt Jerash.

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Letztendlich ging es entlang des Cardo Maximus, dem gepflastertem Säulengang, an dem rechter Hand auch noch etliche angedeutete Gebäude und eine große Kathedrale liegen, wieder zurück über das Ovale Forum zum Ausgang.

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Hier verabschiedete sich das Quartett Andrea-Karin von den anderen, denn wir wollten noch im libanesischen Restaurant Um Khalil in Jerash einkehren, was ich an dieser Stelle hier unbedingt empfehlen muss. War das köstlich! Ein perfekter Abschluss für einen perfekten Tag!

Mögen noch weiter folgen, in diesem Sinne, bis bald,

Gruß Karin

Mmh! (M)eine arabische Köstlichkeit

Im Libanon kennen, schätzen- und lieben gelernt. Hier in Jordanien etwas in Vergessenheit geraten, bis ich mit einer Freundin in der Altstadt umherschlenderte, da wir warteten, bis unsere jeweiligen SINGER Nähmaschinen repariert wurden. Sie zeigte mir dann, versteckt in einer Seitengasse neben der Al Arab Bank, eine winzige Filiale von momentan insgesamt fünf HABIBAH Läden, wo ich meiner Meinung nach, das beste Knafeh aller Zeiten gegessen habe.

Habibah kam 1948 aus Palästina nach Amman, um hier zu arbeiten. Er gründete 1951 zusammen mit seinem Bruder die Firma Al-Haj Mahmoud Habibah Sweets und sie eröffneten noch im selben Jahr diesen kleinen Laden in der Altstadt. Im Laufe der Zeit wurden weitere größere, präsentablere Läden eröffnet, später gingen die Brüder beruflich jeder seine eigenen Wege. Inzwischen wurde der Betrieb von den Söhnen übernommen. Das Angebot reicht von arabischen Süßigkeiten, Kuchen, Schokolade über Datteln bis zu kalten und warmen Süßspeisen, so wie dieses köstliche Knafeh. Hier, inmitten der Häuser ist diese Filiale weiterhin ein Kleinod für Einheimische und eingeweihten Touristen.

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Am Kassenhäuschen vor dem Laden wird erst bezahlt und anhand eines Tickets stellt man sich dann in die Reihe der hungrigen Genossen und wählt zwischen feinerem und gröberem Knafeh. Man setzt sich im Freien auf die wenigen bereitgestellten Plastikstühle oder auf die Mauerabschnitte ringsum oder steht einfach und löffelt seinen Plastikteller leer, um dann weiter seinen Besorgungen oder Geschäften nachzugehen. Knafeh, ist ein warmer flacher Kuchen. Als Basis dient Fadenteig, mancherorts auch Engelshaarteigfäden genannt, in Deutschland dürfte man diesen Teig eventuell in türkischen Lebensmittelläden im Kühlregal finden. Darauf kommt Butter, eine Schicht aus Käse, Zuckerwasser, Brösel, Pistazien. Das Ganze wird dann gebacken und so schnell wie diese wagenradgroßen Bleche leer sind, kann man gar nicht blinzeln. Das Geheimnis besteht einfach in der optimalen Mischung aus Teig, Butter, Käse, Rosen- und Zuckerwasser. Keine Komponente sollte für unseren europäischen Gaumen zu sehr hervorstechen und dies ist bei Habibah einfach der Fall!

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Da ich beim letzten Mal vor lauter Verzückung gar nicht fotografiert hatte, bin ich nun heute mit Joachim nochmals dorthin, um euch nun davon zu berichten.

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Wie gesagt, ich habe schon viele Knafeh gegessen und probiert, die einen zu süß, zu Rosenwasserhaltig, zu pappig dann wieder als gut befunden – doch dieses hier übertrifft alles. Nun muss ich mich mal darum kümmern, dass mir jemand die richtige Zubereitung beibringt, damit ich euch beim nächsten Deutschlandaufenthalt damit überraschen kann.

Bis dahin, Gruß Karin

Blaumachen am Weltfrauentag

Der Begriff blaumachen wird heutzutage bekanntlich dazu verwendet, sich ohne triftigen Grund einen freien Arbeits- oder Schultag zu genehmigen. Woher die Redewendung ihren Ursprung hat, ist nicht ganz gesichert, es gibt mehrere Varianten, wovon ich diese bevorzuge:

Im Mittelalter hatte dieser Ausspruch eine ganz andere Bedeutung! Indigo war der wichtigste Farbstoff der Färber. Um die Blätter des einheimischen Färberwaids jedoch verarbeiten zu können, benutzte man als Lösemittel Urin. Dazu stellte man vor einer Schänke Behälter auf und hoffte auf großen Bier- oder Weinkonsum, denn mit Alkohol angereicherter Urin funktionierte noch besser. Doch die Stoffe färben sich nur blau, wenn sie mit Sauerstoff der Umgebungsluft in Berührung kommen. Das habe ich nun erst im Nachhinein beim Recherchieren gelernt. Der ganze Färbeprozess dauerte länger als bei rot, gelb oder anderen Farben. Die Leinen zum Aufhängen der Stoffe waren länger belegt da „blau gemacht wurde“.

Welch passende Überschrift für meinen Beitrag! Denn ich ging mit zwei Freundinnen am vergangenen Mittwoch am Weltfrauentag tatsächlich zum Färben.

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Abermals im Nova Creative Space fand ein Workshop der Ghor Al Safi Women’s Association for Social Development statt. Gegründet 1996 zu dem Zweck, lokale Gemeinden zu unterstützen, um vor allem Frauen in ländlichen Gebieten zu lehren, zu unterrichten, der jüngeren Bevölkerung einfachste Grundkenntnisse zu vermitteln und arme Familien finanziell zu unterstützen.

Daraus entwickelte sich 1999 die Textil-Handwerkskunst mit dem Namen Safi Crafts. Unter der Leitung eines kanadisch/amerikanischen Künstlers begannen 15 Frauen aus dem im Süden Jordaniens liegenden Dorf Ghor Al Safi ein Projekt, indem sie sticken, weben und färben lernten. Er legte Wert darauf, dass die Materialen aus der Natur und dem Land kommen, schulte ihr Auge und lehrte sie, schöne Dinge mit den Farben der Natur herzustellen. Auf dem steinigen Weg zum Erfolg der Unternehmerinnen, denn auch Marketing, Finanzen und die englische Sprache mussten gelernt werden, wuchs das Projekt immer weiter. Im Laufe der Jahre bekam der Verein auch Unterstützung der lokalen Regierung, ebenso von der Drosos Stiftung, die sich dafür einsetzt, dass Menschen in schwierigen Situationen ein Leben in Würde führen können.  Auch die UNESCO steht helfend beiseite und somit konnte 2013 die eigene Indigo Farm entstehen. Weiterhin wurde gelernt, all die Pflanzen anzubauen, die für die gesamte Farbpalette von Nutzen sind. Besonderen Wert wird auch auf die hundertprozentige Handarbeit beim Zeichnen, Schablonieren und Sticken gelegt. Bevorzugt werden Muster verwendet, die in einer Beziehung zu Jordanien stehen, so z.B. den Mosaikmustern aus der Gegend um Madaba, alter Fliesendesigns oder einheimischer Tiere.

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Die Frauen verkaufen ihre Tücher, Schals, Taschen, Kissen- oder Bettbezüge, Tischwäsche, T-Shirts, Kinderkleidchen u.v.m. auf allen möglichen Kunsthandwerkermärkten oder werden auch in den verschiedensten Museen oder Läden zum Kauf angeboten.

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Und nun sollte also der Weltfrauentag zum Anlass genommen werden, die Arbeit von Safi Crafts vorzustellen. Die Aufgabe jeder Teilnehmerin bestand darin, selbst ein Tuch einzufärben, wahlweise in Indigo oder Orange. Leider wurde ich ohne Vorkenntnisse mit meinem weißen Tuch zu der Färbestation geleitet und bedauerlicherweise war da seitens der Fachfrauen auch nicht viel mit englischer Sprache oder vertieften Erklärungen.

Da ich mich im Vorfeld für Indigo entschied, wurde ich nur gefragt ob helleres oder dunkleres blau und los ging es. Mein Handy zum Fotografieren habe ich schnell einer der zahlreichen Zuschauerinnen in die Hand gedrückt und schon wurde mir mittels Gesten erklärt, wie der Schal locker im Farbeimer zu verschwinden hat. Darin war eine kalte wässrige Pampe aus Bananenmus und Indigo, soviel ich verstand.  Der Schal wurde 5 Minuten darin belassen und kam dann grasgrün raus, wovon ich doch einen kurzen Moment erschrocken war. Sekundengleich mit dem Auswringen und dem Öffnen des Stoffs, gab es immer mehr hellblaue Sprenkel und das Grün verwandelte sich wie aus Zauberhand in Blau. Danach im klaren Wasser ausspülen, auswringen, ausschütteln und wieder locker für 5 Minuten ins Farbbad einlegen. Erst da fiel mir auf, dass manche das Tuch wie bei der Batiktechnik abgebunden hatten, um Muster zu erhalten. Ein kurzes Bedauern darüber, aber dann war ich doch froh, so ein einfarbiges Tuch zu erhalten, welches ich dann variabler tragen könnte. Nach dem erneuten Auswringen, Öffnen des Tuches und dem Abermaligen Oh! ob der tieferen Blaufärbung kam es wieder ins Wasser, danach nochmal in eine andere Flüssigkeit und fertig war mein Kunstwerk. Versehen mit meinem Namen hing ich es über einen Wäscheständer zum Abtropfen.

Und hier zu Hause nach dem abermaligen Auswaschen, Trocknen und anschließendem Bügeln nun hier mein Ergebnis:

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Meine Freundinnen entschieden sich für Orange. Leider hatte ich gar keine Zeit bei ihnen zuzuschauen. Ich sah nur, dass deren Färbebad erhitzt wurde. Doch hier ein schönes Exemplar einer meiner Mitstreiterinnen:

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Ich las mich nun auf den verschiedensten Webseiten und Blogs von Safi Crafts ein, wie die einzelnen Farbtöne zustande kommen. Mithilfe von Indigo, Tee, Eisen, Granatapfelschalen, Ockererde, Bananenmus, verschiedensten farbigen Schlamm, Ackergewächsen und Wurzeln kommen die schönen Naturfarben zustande.

Natürlich wurden wir auch von allen Seiten fotografiert, ihr findet uns auf Facebook und bestimmt weiteren sozialen Medien:

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Nach diesem interessanten Erlebnis bin ich mir sicher, wir sehen uns auf einer anderen Veranstaltungen wieder, bis dahin,

Gruß Karin

Alles Käse oder was?

Nein! Zu Ricotta, Feta, Halloumi, verschiedensten Weich- und Hartkäsevariationen gibt es auch Quark und Joghurt, gerührt oder stichfest. Und das alles in reinster Handarbeit aus bester frischer lokaler Schafsmilch. So etwas köstliches hab‘ ich selten probieren dürfen.

Durch eine Freundin bekam ich den Tipp und bin ihr unglaublich dankbar. Ende Februar ging die Saison wieder los, denn die Schafe geben nicht ganzjährig Milch. Somit hat Nisreen, die Geschäftsinhabern  von MISTAKA Artisan Cheese from Jordan, momentan samstags von 11 bis 14 Uhr in ihrer Küche ein Offenes Haus und jeder kann vorbeikommen, probieren und einkaufen.

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Von Woche zu Woche wird die Auswahl größer, denn einige Käsesorten brauchen natürlich Zeit zum Reifen. Auch probiert sie immer wieder neue Sorten oder Geschmacksrichtungen aus, generell verzichtet sie jedoch z. B. beim Joghurt oder Quark auf Salz, Konservierungs- oder sonstigen Zusatzstoffen.

Die Beduinen, die mit ihren Schafsherden umherwandern, sind ein fester Kundenstamm von ihr, sie weiß genau, wo die Schafe grasen und was sie fressen. Nisreen ist es wichtig, dass die Jordanier wieder zu ihren Wurzeln zurückkehren und die lokalen Ressourcen nutzen. Um möglichst viel Müll zu vermeiden, werden einige Produkte im Glas-Pfand-System verkauft, auch wird auf unnötige Verpackung verzichtet.

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Der Name MISTAKA, so hat sie mir versucht zu erklären, kommt von einem Baumharz, dem Mastix-Baum. Die Araber verwenden dieses Harz zum Würzen und Einlegen von Käse. So wüsste jeder Araber sofort bei dem Stichwort MISTAKA, dass es dort Käse geben würde.

So war ich bereits letzte Woche und auch heute bei ihr und ich bin mir sicher, auch die nächsten Samstage werde ich bei ihr vorbeischauen.

Besonders witzig war, beim Nachhause kommen letzte Woche, kam mir bei uns ums Eck diese Herde entgegen.

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Ich hoffe allerdings, dass  „unsere“ Schafe gesünderes Gras in freier Natur zu fressen bekommen, in diesem Sinne

bleibt gesund, bis bald, Gruß Karin

Kubanische Klassische Musik

Im Herzen des Jabal Amman, versteckt in einer Seitenstraße der bekannten Rainbow Street, steht die 100 Jahre alte Villa mit dem Namen NOFA Creative Space. Liebevoll restauriert, auch die originalen alten Steinfliesen, welche ich in anderen Gebäuden schon bewundert hatte, sind alle noch vorhanden. Nofa (1918-1997) war die Mutter des jetzigen Besitzers. Das Haus vereint Geschichte, Kultur, Musik und Kunst. Es kann für Ausstellungen, Workshops, Konzerte oder Empfänge aller Art gemietet werden, auch ein exquisiter Catering Service der Romero Gruppe kann gebucht werden. Wunderschöne gerahmte alte Fotografien zieren die Wände, jedoch auch Kunst die erworben werden kann, wird ausgestellt. Auf den Regalen stehen Bücher die zum Lesen einladen und die Hauskatze schmiegt sich anheimelnd um die Beine der Besucher.

Hier war ich diese Woche mit einer Freundin zu einem Konzert mit dem Titel „Cuban Classical Musical Evening“ mit Jose Luis Nunez Castillo, Preisträger verschiedener Musikfestivals in Kuba und seiner Partnerin Gloria Rafael Hernandez Sarria, ebenso preisgekrönte Gewinnerin nationaler Wettbewerbe in Kuba.

In gemütlicher Atmosphäre wurde man im Innenhof des Grundstückes erst einmal mit einem kostenlosen Drink und kleinen Knabbereien vom Alltagsstress auf Entspannungsmodus gesetzt.

Als die Kälte gerade so durch die Kleidung kroch und das ganze Gefühl von Entspannung zunichtemachen wollte, wurden wir hereingebeten, damit der musikalische Abend beginnen konnte. Die zuvor gekauften Tickets waren mit Platznummern versehen, somit entstand in dem engen Raum mit den ca. 90 Stühlen kein Gedränge und ein jeder fand in Ruhe seinen Platz.

Die 60 Minuten dauernde Darbietung war einfach nur schön! Gloria spielte alle 15 dargebrachten Stücke auf dem Klavier, überwiegend begleitet durch Jose mit seinem Gesang, dem Saxophon und den Trommeln. Doch auch ihre Singstimme konnte sich durchaus hören lassen.

Die Miezekatze lag während der gesamten Aufführung auf dem Bühnenpodest, erst nach dem Schlussapplaus huschte sie ganz schnell ins Freie!

Wir hatten es weniger eilig, wir schauten uns erst einmal alles in Ruhe an, fotografierten hier und da und waren uns einig, das war nicht unser letzter Besuch hier.

Bis bald, Gruß Karin

Die Partyhühner

Während der langen heißen Sommermonate verweilen viele Damen außerhalb des Landes oder dürfen bzw. müssen hier verharren. Manchmal eine schwere Zeit. Nichts los, viele Bekannte sind auf Reisen, zu heiß für Aktivitäten, zumal letzten Sommer dann auch noch Ramadan dazukam. Die meisten Restaurants und Cafés haben dann tagsüber geschlossen, in der Öffentlichkeit sollte nichts getrunken oder gegessen werden, da sitzt man dann zu Hause und kommt auf die glorreichsten Ideen! Letzten Sommer haben sich einige von meinen engeren Freundinnen zusammengeschlossen, um sich am Abend, in unregelmäßigen Abständen abwechselnd bei jeweils einer anderen zu Hause, zu treffen.  Jede bringt etwas mit und somit kann in ungezwungener Atmosphäre zusammen gegessen, getrunken, getratscht und geklatscht werden, wobei besonders zu erwähnen wäre, dass sich der jeweilige Göttergatte an diesem Abend möglichst unsichtbar im hinteren Teil der Wohnung aufhält, idealerweise natürlich außer Haus. Denn wo wäre sonst die Ungezwungenheit? Kennerinnen unter uns wissen, wovon ich schreibe. Zu diesem Zweck wurde auch eine Chatgruppe mit dem Stichwort Partyhühner eingerichtet, womit wir schnell und kostenlos untereinander kommunizieren können.

Gleich nach meiner Ankunft im September wurde ich zu dieser Gruppe eingeladen und im Oktober wurde erst einmal Geburtstag bei einem unserer inzwischen sieben Hühnern gefeiert. Unsere C. gestaltete eine wunderschöne Glückwunschkarte, wir sammelten für ein Geschenk, unser Geburtstagskind bekochte uns alle wunderbar und somit hatten wir einen wirklich netten und spaßigen Abend!

2016-10-24

Im November war dann ich die Gastgeberin. Jogi verließ am Abend brav die Wohnung, um sich mit Mitarbeitern zu treffen. Wir Frauen hatten wiederum einen geselligen, spaßigen Abend bei allerlei Köstlichkeiten auf dem Tisch und auch als Gesprächsthemen.

2016-11-16

Durch die Weihnachtszeit und die damit verbundene längere Abwesenheit der einen oder anderen Freundin war ich dann gezwungen, meine Geburtstagseinladung von Januar auf diese Woche zu verschieben.

Raclette hatte ich geplant und dafür in der Küche alles hergerichtet, damit wir im Anschluss zum Nachtisch bequem ins Esszimmer wechseln konnten. Jogi war auf Reisen, alles perfekt!

2017-02-06

Ich wurde von meinen Mitstreiterinnen so reich beschenkt! Wiederum haben alle zusammengelegt und es gab Blumen, ein Cape welches ich mir auf Nachfrage gewünscht hatte, ein Glasbild, welches von einer Künstlerin hier in Heimarbeit angefertigt wird und dann natürlich wieder eine schöne Glückwunschkarte von C. Hab ich mich gefreut, alle machten sich Gedanken und die Mühe, mir eine Freude zu bereiten. Schöne Erinnerungen an Jordanien und zu meinem 50.!

Und während unseren tiefsinnigen Gesprächen stellte sich dann heraus, dass das nächste Geburtstagshuhn nun im Februar, dann im März, im April, im Mai, im Juli ihren Ehrentag feiert und dann geht alles wieder von vorne an!

Es wird somit nicht langweilig und ich bin mir sicher, unsere Gesprächsthemen werden nie ausgehen!

Bis zum nächsten Abend, Gruß Karin