Neustart

Endlich ein Lebenszeichen! Immer wieder nehme ich mir fest vor, zu mindestens für ein paar Stunden, das Einräumen und Sortieren und die leidige Hausarbeit zu unterbrechen.

Seit drei Wochen bin ich nun schon wieder im Libanon, habe Deutschland erneut für einige Monate den Rücken gekehrt. Langsam wurde es dort auch echt ungemütlich, der Herbst zeigte sich bis dato von seiner unschönen Seite. Regen, Wind und Kälte machten es mir nicht allzu schwer, in den wärmeren Mittelmeeranrainerstaat zu reisen. Auch die Aussicht, Joachim nach zwei Monaten wieder einmal in die Arme zu schließen dämmte die Abschiedstränen ein, selbst mit dem Wissen, dass ungefähr 100 Umzugskartons und deren Inhalt auf mich warteten.  Aber zunächst einmal wurde ich von meinem Mann am Flughafen herzlich willkommen geheißen und ab ging die Fahrt zu unserem neuen Zuhause.

Nach knapp fünf Minuten Autofahrt klopfte mein Herz bereits bis zum Hals, die Hände schweißnass – und leider muss ich gestehen, dass dies nicht in freudiger Erwartung auf unsere Zweisamkeit im neuen Heim geschah – sondern aufgrund des Straßenverkehrs und dem Drumherum!

2017-10-19

Nach drei Jahren gesitteten Verkehrsverhältnissen aus Jordanien und drei Monaten Deutschland auf dem Lande war ich nicht mehr daran gewöhnt, so einem Tohuwabohu ausgesetzt zu sein. Fast schon wollte ich meine Entscheidung, wieder selbst Auto zu fahren, rückgängig machen um in Zukunft mit dem Taxi chauffiert zu werden. Verschob dann jedoch diese Entscheidung auf einen ausgeschlafenen und hellerleuchteten Tag und heute bin ich froh darum. Kutschiere ich doch mit meinem inzwischen erworbenen Jeep Compass fleißig von einem Supermarkt zum anderen, um sämtliche Vorräte wieder aufzufüllen. Auch die Flut von Werbeplakaten entlang dem Highway, nachts dazu noch grell schillernd und blinkend in allen Farben – das war ich von meiner schwäbisch gemütlich dörflich anmutenden Heimat nicht mehr gewohnt! Auf den ursprünglich vier Fahrspuren fanden wie zu früheren Zeiten auch, locker fünf bis sechs Autokolonnen ihren Weg. Hupend und links und rechts ausweichend, immer wieder fuhr mal ein Zweirad am Straßenrand entgegen der Fahrtrichtung, auch kam bei Dunkelheit ein Auto rückwärts entgegen, ab und an mal ohne Rücklicht und vor allem – 90 % der Fahrer mit dem Handy in der Hand! Während der Fahrt telefonieren oder Sprachnachrichten senden ist wohl noch die harmloseste Variante. Die Unterarme am Lenkrad abstützen und das Auto somit zu steuern, wird mit dem in den Händen gehaltenem Telefon während der Fahrt ein ganzer Roman von Textnachrichten geschrieben. Das ist nun leider die bittere Realität und ich frage mich wirklich, wo bitteschön finden da die polizeilichen Kontrollen statt?

Somit war ich an diesem Abend heilfroh, im ruhigen Bergdörfchen in der stillen Wohnung angekommen zu sein. Hier versuche ich nun tagtäglich dem Chaos Frau zu werden. Räume hier ein um es am nächsten Tag dorthin umzuräumen, finde dann in diesem Karton noch was und dort noch was, es dauert noch einige Zeit, bis ich dann letztendlich fertig bin. Die hunderte von Moskitos die sich hier in der langen Zeit leerstehenden Wohnung und durch die undichten Fliegengitter und den teils geöffneten Kartons häuslich niederließen und sich von uns wohl gestört fühlen und uns in nächtlichen Attacken stundenlang um den Schlaf bringen – entspannen die Situation nicht wirklich! Mithilfe dieser elektrischen Fliegenklatschen und der systematischen Vernichtung dieser Mistviecher wird es langsam besser.

Moskitoklatsche

Habe in der ganzen Zeit nun drei Mal durchschlafen können, der arme Joachim macht dies schon seit zwei Monaten durch, deshalb wird es Zeit, dass ich endlich alles auspacke und verstaue.

Doch hier schon einmal einen Einblick in unser eingerichtetes Wohn- und Esszimmer, hoffe die restlichen Räume der Wohnung sehen auch bald so schön aufgeräumt aus.

Ansonsten fühle ich mich hier im Haus recht wohl, die Umgebung ist noch ruhig, ich hoffe in der direkten Nachbarschaft fängt niemand an zu bauen. Letzte Woche war meine Freundin aus alten Zeiten hier zu Besuch, wir hatten bis in den Abend hinein entspannte und lustige Stunden. Irgendwann werde ich dann auch einmal bereit sein, zum Frauentreff in die Evangelische Gemeinde Beirut zu gehen, um dort die altbekannten Gesichter der Vereinigung deutschsprachiger Frauen im Libanon von früher zu treffen. Außerdem gibt es ja noch den Frauenklönschnack im Libanon, welchen ich mit zwei anderen Freundinnen, die bereits wieder in Deutschland leben, vor fast sieben Jahren ins Leben gerufen habe. Doch erst einmal heißt es weiterhin auspacken und einräumen…

Bis bald, Karin

3 Kommentare zu “Neustart

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