Die Wächter des Meeres

Seit mehr als 150 Jahren wachen Generationen der Familie Cheblis über den Leuchtturm. Der allererste Turm von Beirut stammte noch aus der osmanischen Regentschaft aus dem Jahr 1840. Aus Ziegelsteinen gemauert, 25 Meter hoch, Kerosin-Lampen sorgten für das Licht. Zu damaliger Zeit war der Turm das höchste Gebäude des Landes. Hoch oben auf einem Hügel, etwas fern ab der Küste gebaut, da die Brandungswellen oft sehr hoch schwappten. Damals gab es noch nicht viele Häuser drumherum, keine Cafes oder Restaurants, am Strand gab es nur Sand und die Ziegen suchten im kargen Boden ihr Futter. Im ersten Weltkrieg wurde er dann stark beschädigt und 1918 behelfsmäßig wieder in Betrieb genommen.

1920

Jahr 1920 – Urheber unbekannt, Foto im Internet entdeckt

Einige Meter weiter wurde in den 1920-er Jahren der heutige alte schwarz-weiß gestreifte, 27 Meter hohe Leuchtturm, den Manara, wie er auch genannt wird, erbaut. Al Manara heißt auch der ganze Stadtteil im Bezirk Ras Beirut. Leider war der Neubau zugleich auch das Aus für den 1. alten Leuchtturm – er wurde abgerissen.

1925

Jahr 1925 – Urheber unbekannt, Foto im Internet entdeckt

1942

Jahr 1942 – Urheber unbekannt, Foto im Internet entdeckt

Am 22.12.1952 sank vor der Küste südlich von Beirut bei Ouzai, aufgrund eines Navigationsfehler bei schwerer See, ein grosses französisches Passagierschiff namens Champollion. Das Schiff steuerte irrtümlicherweise auf die 15 km entfernten Leuchtfeuer des Flughafens hin, lief dort auf Grund und brach auseinander. Aufgrund der Rechtsstreitigkeiten, ob der Leuchtturm brannte oder nicht, ob die Schiffsbesatzung die Leuchtfeuer verwechselten oder nicht, beschloss man dann 1953, den Leuchtturm zu modernisieren, es wurde auf elektrischen Betrieb umgestellt und zu damaliger Zeit mit der modernsten Technik ausgestattet, und somit wurde dieser dann 1957 wieder in Betrieb genommen.

1974

Jahr 1974 – Urheber unbekannt, Foto im Internet entdeckt

Während des Bürgerkriegs von 1975 bis 1990 kamen schwere Zeiten auf die Familie und den Leuchtturm zu. Gezwungenermaßen erloschen die Lichter in dieser Zeit für einige Jahre um dann Mitte der 1990-er Jahre wieder in Betrieb genommen zu werden.

Gleichzeitig begann dann natürlich auch die Bautätigkeit rings um den Turm und vielen Investoren war dieser auf dem teuren wertvollen Baugelände ein Dorn im Auge. Bald darauf erhielt dann ein einflussreicher Geschäftsmann die Genehmigung, direkt vor dem Leuchtturm ein Hochhaus mit 18 Etagen zu errichten, was für die Funktion des Gebäudes natürlich problematisch wurde. Sämtliche Beschwerden und Einwände halfen nichts, es wurde gebaut und ebenso beschlossen, einen neuen Leuchtturm, direkt am Meer zu bauen.

1995

Jahr 1995 – Urheber unbekannt, Foto im Internet entdeckt

Seit 2003 steht dieser 70 Meter hohe neue Leuchtturm aus grauem Beton und sendet alle 10 Sekunden zwei weiße Blitze aus. Es versteht sich wohl von selbst, dass der alte Leuchtturm seither ohne Funktion ist. Doch erfreulicherweise steht er noch! Bürgerinitiativen sei Dank! Und wen wundert es, dass auch im neuen Leuchtturm die Familie Chebli die Wächter sind, die den Schiffen des nachts den Weg zeigen?

2003 © by Ayman Raad

Jahr 2003 – © by Ayman Raad, Foto im Internet entdeckt

Auch dieser Turm wurde im Jahr 2006 das Ziel feindlicher Waffen. Die Leuchttürme Beiruts waren somit über all die Jahrzehnte hinweg strategisch wichtige Ziele! Zu Friedenszeiten wird der Turm und die ringsherum angegliederten Cafes und Restaurants allerdings zum Ziel von Ausflüglern aller Art. Touristen und Einheimische verbringen gerne ihre Zeit am nahen Wasser, genießen die Sonne, Land und Leute.

Somit höchste Zeit, mich nochmals selbst auf Entdeckungsreise zu machen, um euch aktuelle Fotos liefern zu können. Zu Beginn unseres Libanonaufenthaltes war ich natürlich schon an beiden Türmen, doch gestern vor dem Gottesdienst machte ich mich nochmals auf die Tour.

Von der Corniche aus, Beiruts legendäre 4,8 km lange Seepromenade, kann man den alten und den neuen Leuchtturm erblicken.

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Um den neuen abzulichten fuhr ich direkt bis zum Turm auf den Parkplatz des dortigen Restaurants. Beim Knipsen kamen aus dem Turm Männer vom Militär auf mich zu und klärten mich freundlich aber bestimmt darüber auf, dass der Leuchtturm zur militärischen Zone gehöre und das Fotografieren verboten sei. Sie wollten meine Fotos sehen, waren beruhigt dass sie selbst nicht darauf zu sehen waren und meinten dann, ich dürfte das Bild behalten aber nun keine weiteren Ablichtungen mehr machen. Sie hießen mich im Libanon willkommen, wünschten mir einen schönen Tag und zogen wieder von dannen. Warum der Turm momentan verhüllt ist bzw. welche Ausbesserungsarbeiten vorgenommen werden – das entzieht sich leider meiner Kenntnis.

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Rechts vom Turm reihen sich direkt ans Meer die verschiedensten Möglichkeiten zur Nahrungsaufnahme.

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Doch mein Weg ging weiter, ich wollte den alten Turm mitsamt der alten Villa Rosa noch ablichten. Über diese Residenz muss ich unbedingt noch Informationen sammeln bzw. mich kundig machen, ob man das Gebäude besichtigen kann. Leider stand die Sonne etwas ungünstig, sodass man die rosafarbene alte Pracht nicht ganz so gut erkennen kann.

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Nach dem Gottesdienst auf dem Nachhauseweg fuhr ich dann direkt am alten Turm vorbei und es war Ehrensache, anzuhalten und Fotos aus direkter Nähe zu machen.

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Am Sockel des Turms sind noch die alten Straßenbeschilderungen zu sehen und direkt gegenüber eine Nebentür von der Deutschen Internationalen Schule Beirut, die ich hier gleich mit verewigen möchte.

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Mein Traum wäre es ja nun letztendlich, den Ausblick von einem der Türme genießen zu dürfen – es wird wohl immer ein Traum bleiben, denke ich.

Hoffen wir, dass uns der neue Leuchtturm für alle Zeiten erhalten bleibt und nur aus Gründen der Modernisierung repariert bzw. generalüberholt werden muss und somit  weiterhin verlässlich seinen Dienst tun kann als Wächter des Meeres.

Gruß Karin

Nachtrag im Januar 2019: Hier der neu restaurierte farbige Leuchtturm. Sieht doch gleich viel freundlicher aus!

2018-12-23

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