Tanztheater „Falling Minds“

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Letzte Woche war ich mit zwei Freundinnen in Beirut in der Hamra Strasse im Masra Al Madina Theater  Theater , übersetzt heißt es in etwa „Stadt-Theater“. Eingebettet zwischen Fastfood-Läden liegt etwas versteckt der schmale Eingangsbereich. Die Gründerin, die sich bereits in jungen Jahren mit Kunst und Künstlern umgab und 1994 dieses Theater zuerst in einem anderen Bezirks Beiruts gründete, zog 2005 an diesen Platz. Als historisches Kino vorgefunden, dem legendären Saroulla Cinema, daher zeugen die stummen wuchtigen und schweren gusseisernen Filmvorführmaschinen im Eingang des Gebäudes, dienen die beiden Säle heute nach umfangreichen Renovierungen als Theater, für Filmvorführungen, Konzerte, Workshops, Lesungen, Seminare und dergleichen.

Im Untergeschoss wird dann die Größe des Theaters ersichtlich. Zwei Säle für jeweils 450 und 110 Zuschauer, einer Bar, und einer Galerie. Überall hängen Fotos und Plakate vergangener Schauspielgrößen, viele arabische Persönlichkeiten, jedoch leider alles nur auf Arabisch beschriftet. Auch ist etwas unklar, ob die Aufnahmen aus dem Nachlass des alten Kinos stammen oder aus den vorangegangen Räumlichkeiten mitgebracht wurden. Egal – sie sind auf jeden Fall sehr interessant und sollten weiterhin ausgestellt werden.

Dann erschien der Klingelton und wir betraten den großen Saal. Während wir nach unseren Plätzen Ausschau hielten, fielen mir schon die komischen Gestalten auf der Bühne auf, die sich sprichwörtlich gegenseitig über den Tisch zogen um dann wiederum nur mit großen Augen ins Publikum zu starren.

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Dies gehörte also schon zur Choreographie! Bis wir uns dann gegenseitig darüber austauschten, ob der lästigen Hintergrundgeräusche, dem störenden Luftzug der mir in den Nacken blies, dem gleißenden Licht eines Deckenfluters und über das Publikum, das typisch libanesisch von einem Platz zum anderen hechtete – obwohl es ja Platzkarten gab! – und wir noch hektisch versuchten ein Foto zu machen, war es stockdunkel und totenstill und dann ging es los.

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Laut der Online-Ankündigung sollte die Show von 21 Uhr bis Mitternacht dauern. Nach kurzer Zeit vernahm ich von meiner rechten Seite: „Schieben die jetzt die ganze Zeit die Bänke hin und her? – War es das jetzt? – Hoffe da kommt noch mehr! – Ich geh sonst!“ War ich die ganze Zeit nur am innerlichen Kichern und am Versuch, ein halbwegs anständiges Foto hinzubekommen.

Szenenwechsel ohne Bänke – und ich sah gebannt zu und war so was von erstaunt ob der sportlichen Leistung und dacht mir nur: „Mein Pilates ist noch ausbaufähig!“

Alle weiteren Fotos waren total verschwommen, das Tempo der zuckenden, springenden Leiber und deren Bewegungen waren einfach zu schnell und ich sah auch nur gebannt zu und war mir sicher, ich hätte noch genug Zeit um weitere Fotos zu machen.

Plötzlich Szenenabschluss, Licht an, mein Blick auf die Uhr zeigt halb elf, Applaus, die Akteure verlassen die Bühne, das Publikum strömt nach draußen und wir erheben uns völlig ratlos und zögernd, ob dies nur die Pause ist oder ob es gar zu Ende ist? Meine Nachfrage draußen bei einem Angestellten bestätigt es: Ende!

Wie kann in der Vorschau bis Mitternacht stehen? Wie kann es so einen spärlichen Applaus für so eine super Leistung geben? Warum wurden keine Zugaben gefordert? Beirut Dance Company – warum werden die Tänzer, die Choreographin und wichtigen Menschen hinter den Kulissen nicht vorgestellt?

Wir gingen wie betäubt aus dem Untergeschoss wieder nach oben, Anne fiel noch diese alte wunderschön restaurierte Sitzbank auf.

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Allgemein wurde bei den Renovierungsarbeiten darauf geachtet, Altes neu erstrahlen zu lassen, Altes hervorzuheben um ein Mahnmal zu geben, nicht alles vergeht, nicht alles wurde zerstört, vieles bleibt bestehen und überdauert!

Auf diesen Schock hin gingen wir noch lecker Cocktail trinken, da ich Fahrdienst hatte leider alkoholfrei und um Viertel vor eins war ich dann auch zu Hause!

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Bis zum nächsten Abend,

Gruß Karin

 

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