Blaumachen am Weltfrauentag

Der Begriff blaumachen wird heutzutage bekanntlich dazu verwendet, sich ohne triftigen Grund einen freien Arbeits- oder Schultag zu genehmigen. Woher die Redewendung ihren Ursprung hat, ist nicht ganz gesichert, es gibt mehrere Varianten, wovon ich diese bevorzuge:

Im Mittelalter hatte dieser Ausspruch eine ganz andere Bedeutung! Indigo war der wichtigste Farbstoff der Färber. Um die Blätter des einheimischen Färberwaids jedoch verarbeiten zu können, benutzte man als Lösemittel Urin. Dazu stellte man vor einer Schänke Behälter auf und hoffte auf großen Bier- oder Weinkonsum, denn mit Alkohol angereicherter Urin funktionierte noch besser. Doch die Stoffe färben sich nur blau, wenn sie mit Sauerstoff der Umgebungsluft in Berührung kommen. Das habe ich nun erst im Nachhinein beim Recherchieren gelernt. Der ganze Färbeprozess dauerte länger als bei rot, gelb oder anderen Farben. Die Leinen zum Aufhängen der Stoffe waren länger belegt da „blau gemacht wurde“.

Welch passende Überschrift für meinen Beitrag! Denn ich ging mit zwei Freundinnen am vergangenen Mittwoch am Weltfrauentag tatsächlich zum Färben.

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Abermals im Nova Creative Space fand ein Workshop der Ghor Al Safi Women’s Association for Social Development statt. Gegründet 1996 zu dem Zweck, lokale Gemeinden zu unterstützen, um vor allem Frauen in ländlichen Gebieten zu lehren, zu unterrichten, der jüngeren Bevölkerung einfachste Grundkenntnisse zu vermitteln und arme Familien finanziell zu unterstützen.

Daraus entwickelte sich 1999 die Textil-Handwerkskunst mit dem Namen Safi Crafts. Unter der Leitung eines kanadisch/amerikanischen Künstlers begannen 15 Frauen aus dem im Süden Jordaniens liegenden Dorf Ghor Al Safi ein Projekt, indem sie sticken, weben und färben lernten. Er legte Wert darauf, dass die Materialen aus der Natur und dem Land kommen, schulte ihr Auge und lehrte sie, schöne Dinge mit den Farben der Natur herzustellen. Auf dem steinigen Weg zum Erfolg der Unternehmerinnen, denn auch Marketing, Finanzen und die englische Sprache mussten gelernt werden, wuchs das Projekt immer weiter. Im Laufe der Jahre bekam der Verein auch Unterstützung der lokalen Regierung, ebenso von der Drosos Stiftung, die sich dafür einsetzt, dass Menschen in schwierigen Situationen ein Leben in Würde führen können.  Auch die UNESCO steht helfend beiseite und somit konnte 2013 die eigene Indigo Farm entstehen. Weiterhin wurde gelernt, all die Pflanzen anzubauen, die für die gesamte Farbpalette von Nutzen sind. Besonderen Wert wird auch auf die hundertprozentige Handarbeit beim Zeichnen, Schablonieren und Sticken gelegt. Bevorzugt werden Muster verwendet, die in einer Beziehung zu Jordanien stehen, so z.B. den Mosaikmustern aus der Gegend um Madaba, alter Fliesendesigns oder einheimischer Tiere.

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Die Frauen verkaufen ihre Tücher, Schals, Taschen, Kissen- oder Bettbezüge, Tischwäsche, T-Shirts, Kinderkleidchen u.v.m. auf allen möglichen Kunsthandwerkermärkten oder werden auch in den verschiedensten Museen oder Läden zum Kauf angeboten.

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Und nun sollte also der Weltfrauentag zum Anlass genommen werden, die Arbeit von Safi Crafts vorzustellen. Die Aufgabe jeder Teilnehmerin bestand darin, selbst ein Tuch einzufärben, wahlweise in Indigo oder Orange. Leider wurde ich ohne Vorkenntnisse mit meinem weißen Tuch zu der Färbestation geleitet und bedauerlicherweise war da seitens der Fachfrauen auch nicht viel mit englischer Sprache oder vertieften Erklärungen.

Da ich mich im Vorfeld für Indigo entschied, wurde ich nur gefragt ob helleres oder dunkleres blau und los ging es. Mein Handy zum Fotografieren habe ich schnell einer der zahlreichen Zuschauerinnen in die Hand gedrückt und schon wurde mir mittels Gesten erklärt, wie der Schal locker im Farbeimer zu verschwinden hat. Darin war eine kalte wässrige Pampe aus Bananenmus und Indigo, soviel ich verstand.  Der Schal wurde 5 Minuten darin belassen und kam dann grasgrün raus, wovon ich doch einen kurzen Moment erschrocken war. Sekundengleich mit dem Auswringen und dem Öffnen des Stoffs, gab es immer mehr hellblaue Sprenkel und das Grün verwandelte sich wie aus Zauberhand in Blau. Danach im klaren Wasser ausspülen, auswringen, ausschütteln und wieder locker für 5 Minuten ins Farbbad einlegen. Erst da fiel mir auf, dass manche das Tuch wie bei der Batiktechnik abgebunden hatten, um Muster zu erhalten. Ein kurzes Bedauern darüber, aber dann war ich doch froh, so ein einfarbiges Tuch zu erhalten, welches ich dann variabler tragen könnte. Nach dem erneuten Auswringen, Öffnen des Tuches und dem Abermaligen Oh! ob der tieferen Blaufärbung kam es wieder ins Wasser, danach nochmal in eine andere Flüssigkeit und fertig war mein Kunstwerk. Versehen mit meinem Namen hing ich es über einen Wäscheständer zum Abtropfen.

Und hier zu Hause nach dem abermaligen Auswaschen, Trocknen und anschließendem Bügeln nun hier mein Ergebnis:

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Meine Freundinnen entschieden sich für Orange. Leider hatte ich gar keine Zeit bei ihnen zuzuschauen. Ich sah nur, dass deren Färbebad erhitzt wurde. Doch hier ein schönes Exemplar einer meiner Mitstreiterinnen:

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Ich las mich nun auf den verschiedensten Webseiten und Blogs von Safi Crafts ein, wie die einzelnen Farbtöne zustande kommen. Mithilfe von Indigo, Tee, Eisen, Granatapfelschalen, Ockererde, Bananenmus, verschiedensten farbigen Schlamm, Ackergewächsen und Wurzeln kommen die schönen Naturfarben zustande.

Natürlich wurden wir auch von allen Seiten fotografiert, ihr findet uns auf Facebook und bestimmt weiteren sozialen Medien:

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Nach diesem interessanten Erlebnis bin ich mir sicher, wir sehen uns auf einer anderen Veranstaltungen wieder, bis dahin,

Gruß Karin

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