„Schwing die Hufe auf nach Ellwangen“

So wurde laut Hinweisschild dieses Pferd betitelt, welches ich in der Ellwanger Innenstadt entdeckte. Dies geht wahrscheinlich auf die regelmäßig stattfindenden Ellwanger Pferdetage, eines der größten Feste für Pferde- und Reitbegeisterte hier auf der Ostalb, zurück.

34a Schwing die Hufe auf nach Ellwangen

Ich habe es als Eingangsbild für meinen Beitrag auserkoren, um euch von meinem Kurzurlaub zu berichten, ganz nach der Devise: „Mach Urlaub in der Region“! Vorletzte Woche war ich für 4 Nächte in Espachweiler, gerade einmal 48 km von unserem Zuhause entfernt. Habe mir ein kleines Hotel auserkoren, das direkt an einem See, dem Espachweiher liegt.

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Und da es dann nur noch 5 km bis Ellwangen sind, hab ich mir die Tage in der Umgebung dort schön mit Spaziergängen, Baden im See, Sightseeing und faulem Nichtstun vorgestellt. Dass der Seegasthof der Familie Bolz direkt an einer Straße lag, war mir zwar bewusst, dass diese jedoch stark befahren ist und der Weiher wegen Blaualgen geschlossen war, das hatte ich im Vorfeld nicht so im Blick. Wer unser Zuhause kennt, der weiß wie abgeschieden wir wohnen. Der Verkehrslärm war somit eine echte Herausforderung für mich, zumal mein nettes Zimmerchen einen gemütlichen kleinen Balkon mit Seeblick hatte. Übrigens lässt es sich im Gasthof fürstlich speisen, auf deren Website könnt ihr die Restaurantöffnungszeiten in Erfahrung bringen.

Somit begann ich meinen Urlaub mit spazieren gehen entlang der Seen. Der Tag schien wieder einmal sehr heiß zu werden, vorsorglich hatte ich diesmal jedoch an alle Schutzmaßnahmen gedacht und alles mögliche in meinem Rucksack dabei. Nach diesem Espachweiher gelangt man zum Sägweiher. Dieser war zwar für Badebetrieb geöffnet, allerdings badete in diesem, für mich unappetitlich wirkenden Gewässer, auch kein Mensch. Welches Tierchen da drin seine Runden drehte, wollte ich besser nicht wissen. Trotzdem hätte ich Dutzende von Fotos machen können, diese Spiegelungen auf dem Wasser, der Himmel, die Sonne – traumhaft. Auch sonst ist die Umgebung so schön und ruhig und ich fühlte mich wirklich wie im Urlaub.

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Weiter ging mein Spazierweg in Richtung Wald zum Grießweiher. Dieser sollte laut Juniorchef auch zum Baden geöffnet sein. Aufgrund der sehr gut ausgearbeiteten Wander- und Fahrradwege kamen mir somit auch einige Frischluftfanatiker zu Fuß oder auf dem Rad entgegen. Ein weitläufiges Netz an Wegen, welches sich in der Ebene rund um diese Seen verteilt. Am besagten 3. See angekommen erwartete mich ein großer Parkplatz mit diesem Hinweisschild – hier herrschte ja Bombenstimmung!

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Ich folgte Kindergeschrei und kam somit direkt zur begehbaren Badestelle. Kinderbespaßung mit Angeln und Grillen stand auf dem Programm und die Betreuer versicherten mir, man könne durchaus hier baden. Am folgenden Tag suchte ich mir die Straßenstrecke heraus und fuhr direkt mit dem Auto dort hin. Ein abermals sehr heißer Tag, auch einige andere Badegäste suchten Abkühlung. Es war herrlich!            

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Zurück zum 1. Tag. Der lange Fußmarsch zwischen offenen Feldern und Wegen war bei dieser Hitze ziemlich anstrengend. Zurück im Hotel die erfrischende Dusche und ein kleines Nickerchen, bis ich durch Klopfen an der Tür wach wurde und überrascht wurde!

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Joachim befindet sich seit über 2 Wochen mit dem Motorrad ebenfalls im Urlaub. Eine Tour zum Nordkap hat er sich auserkoren und kreuzte an diesem Tag genau den Polarkreis und ließ mir als Einstimmung in meinen Urlaub diese Aufmerksamkeit bringen. Er kann schon nett sein wenn er will! Gell?

Mit meinem Chili-Flitzer war ich ja auch immer wieder mal unterwegs, vorbei an Pferdekoppeln und Kuhweiden, auch Schafe sah ich. Doch als ich eines Tages in einen kleineren Weg abbog  und mein Blick so zur Seite ging, rechnete ich absolut nicht mit diesen Kollegen..

Da steht mitten auf dem schwäbischen Land zwischen Pferdehöfen und Kuhställen diese Farm. Gut zu wissen!

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Desweiteren vielen mir Windräder auf. Hier bei uns gibt es in manchen Gegenden nun ja auch schon einige davon und die Meinungen hierüber sind gespalten. Sicherlich, Strom brauchen wir alle, auch mein Auto! Aber bitte keinen Strom der aus Kernkraft oder Kohle kommt, da sind wir uns alle einig – aber mal ehrlich – da bin ich doch heilfroh dass ich diese Ungetüme bei uns zu Hause nicht vor der Nase hab und ziehe meinen Hut vor meinen Mitbürgern die vor allem das stetige leise Surren ertragen müssen.

Während meiner Recherche zu den Sehenswürdigkeiten von Ellwangen gelangte ich auch zu einer Info über den Galgenberg, auf dem vor allem während der Hexenverfolgung hunderte von Menschen gehängt wurden.

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Leider führte mich mein Navi etwas in die Irre, ich parkte weit ab und lief bei brütender Hitze kilometerweit, auch ein Passant führte mich umständlich zu Fuß über die Wanderwege, obwohl ich dort sehr schöne Ausblicke erleben durfte und im Nachhinein auch froh darüber war, zumal ich ja Zeit hatte. Eine schnellere Möglichkeit bietet sich an, indem man nach Ellwangen auf den Parkplatz vom Waldstadion/Rundsporthalle fährt und von dort aus zu Fuß geht.

Mitten im Wald in einer kleinen Lichtung findet man dann in aller Stille dieses Stätte. Mehr möchte ich dazu nicht mehr schreiben, hoffe ihr könnt die Fotos vergrößern und selbst lesen.

Desweiteren wanderte ich, wie bereits erwähnt, ein Stück auf dem sogenannten Hariolf-Rundweg. Anläßlich des 1250-Jahre-Stadtjubiläums entstand dieser Weg im Jahre 2014 als ein Projekt des Hariolf-Gymnasiums. Übrigens war der heilige Hariolf ein Mitgründer der Benediktinerabtei Ellwangens – dies nur so nebenbei. An markanten Ausblicken oder Sehenswürdigkeiten wurden diese wetterfesten Tafeln installiert. Bester Ausblick fürs Foto oder direkt neben einem Anschauungsobjekt und dazu die Info – alles an einer Stelle. Super Idee!

Mein Weg führte mich weiter nach Ellwangen, ich wollte nochmals durch die Stadt schlendern und die besonders schönen Ausblicke festhalten. Zwischendurch mussten unbedingt einige Erfrischungen genossen werden, auch mein Kleiner hatte Durst und somit lud ich zum ersten Mal außer Haus an einer Ladesäule direkt am Marktplatz an der Basilika St. Vitus mit göttlichem Segen – sage da mal noch einer was gegen Elektromobilität!

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Ein besonders schönes etwas andere Resto-Café hab ich direkt schräg gegenüber entdeckt. Das Café Omnibus – nein – hier kommen keine Omnibusladungen Gäste her oder etwa nur Omnibusfahrer. Wie ich mir von der Pächterin erklären ließ, kommt der Name aus dem Lateinischen und heißt soviel wie „für alle“! So war es auch: Familien, verliebte Paare, Singels, Senioren, Studenten, Touristen und dem Augenschein nach auch Gäste aus ferneren Ländern mit Betreuern – denn die LEA (Landeserstaufnahmestelle) befindet sich ja auch in Ellwangen. Diese saßen nicht weit von mir entfernt und ich konnte vom langsam gesprochenen deutschen Dialog immer wieder einige Wortfetzen entnehmen.

Übrigens werden außer Eis und selbstgebackene Kuchen auch Kleinigkeiten zum Mittagsstisch angeboten. Im herrlichen Innenhof mit frischen Blümchen auf dem Tisch wurde ich sehr freundlich und aufmerksam bedient und mitten im Kaffee-Kuchen-Hochbetrieb um 15.30 Uhr bekam ich extra noch Pasta zubereitet. Dies nur zu den teils negativen Bewertungen – aber die gibt es wohl überall.

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Und hier nun einige, zugegeben einige viele, Stadtansichten. Viel Spaß!

Die Basilika St. Vitus habe ich natürlich auch von innen besichtigt. Die Basilika ist die Kirche rechts auf dem Bild.

An der gegenüberliegenden Seite des Altars führt eine Tür in eine Kapelle, von dort gelangt man durch eine weitere Tür in die Evangelische Stadtkirche, die linke Kirche auf dem Bild. Natürlich habe ich mir auch diese von innen angeschaut. Ursprünglich 1724 als Jesuitenkirche erbaut. Nach dem Zuzug protestantischer Christen und der Gleichstellung der Konfessionen wurde die Kirche 1806 zur evangelischen Stadtkirche umgewidmet und das Kircheninnere umgestaltet.

Somit grenzte an das ehemalige Jesuitenstift – heute Staatsanwaltschaft – die Jesuitenkirche, welche heute die evangelische Kirche ist. Wie es jedoch ursprünglich zu der Verbindungstür kam, das konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Und hier ein Auszug zur Erklärung der beiden Kirchen aus der Website der Stadt Ellwangen, die der Urheber dieses Textes ist:

Auf dem Ellwanger Marktplatz imponiert die spätromanische Basilika St. Vitus, eine der bedeutendsten romanischen Gewölbebauten Schabens. Die spätromanische Kirche wurde zwischen 1182 und 1233 als Klosterkirche erbaut. Es ist die dritte Kirche an dieser Stelle und geht in ihren Anfängen auf das Jahr 764 zurück – dem Gründungsjahr Ellwangens. 1460 wurde die Basilika zur Hofkirche der Fürstpröpste und ab dem Jahr 1952 zur heute noch genutzten Pfarrkirche.

Die ökumenische Verbindungstür zwischen katholischer und evangelischer Stadtkirche – nachdem sie über 200 Jahre geschlossen war, wurde sie im Jahr 1999 im Zeichen der Ökumene wieder geöffnet.

Mein Urlaub neigte sich langsam dem Ende zu, doch unbedingt wollte ich noch das Schloss ob Ellwangen besichtigen.

Auf 505 Meter über NN gelegen, thront die ausgedehnte Schlossanlage inmitten von Streuobswiesen. Zusammen mit der Schönenbergkirche bildet das Schloss eine weithin sichtbare Silhouette. 1266 wurde die damals mittelalterliche Burg erstmals erwähnt und diente damals als Wehrburg des seinerzeit bereits reichsunmittelbaren Klosters Ellwangen.  Ab 1460 diente diese den Fürstäbten und Fürstpröpsten der Fürstpropstei als Wohn- und Herrschaftssitz, später als kurfürstliche bzw. königliche Residenz. Die jeweiligen Herren veränderten, erweiterten und modernisierten die Anlage stetig. Im 18. Jh. wurde die ehemalige Burg zu einem Schloss umgebaut.

Die Außenanlagen des Schloßgrundstückes dürfen unentgeltlich besichtigt werden. Die Innenräume dienen als Behörde, Ausstellungsort, Veranstaltungsstätte sowie Ausbildungsseminar. So hat z. B. der Kunstverein Ellwangen e.V. einen Trakt, in einer Etage ist das Schloßmuseum Ellwangen untergebracht. Hierfür ist Eintritt zu bezahlen, was sich auf jeden Fall lohnt – sehr sehenswert! Im Museum darf auch fotografiert werden, das Treppenhaus allerdings nicht. Desweiteren hat das Landratsamt für Landwirtschaft und Forstaußenstelle Räume belegt. Außerdem befinden sich auf dem großzügigen Hof noch diese Wegweiser, auch sonst findet der Besucher überall erklärende Hinweistafeln zu den jeweiligen Gebäudeteilen.

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In die restichen Räume und in die Kapelle gelangt man nur innerhalb einer geführten und zu bezahlenden Schlossführung.

Ich begann zunächst einmal mit dem weitläufigen Hof- und Gartenareal:

Bis ich dann irgendwann in den Innenhof der Residenz gelangte

Von hier aus kommt man auch zum Museum.

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Zutritt zu Corona-Zeiten nur mit Mund-Nasen-Schutzmaske und Abstandsregeln. Die gesonderten Öffnungszeiten bitte auf der Website erfragen. Hier eine kleine Bilderauswahl:

Aufgrund meiner Uploadkapazität musste ich mich auf einige wenige beschränken. Die Decken und Kachelöfen bekamen eine gesonderte Aufmerksamkeit von mir. Die Puppenstubensammlung ist gigantisch! Insgesamt werden die Themengebiete der sakralen Kunst, fürstliches Mobiliar, Militärgeschichte, Industrie und Handwerk, Musik und Malerei, Barockkrippen, der Thronsaal, Porzellane und Fayencen aufgegriffen.

Das war es dann auch. Nach einem fürstlichen Abendessen im Restaurant meiner Gastgeber ging es am nächsten Morgen nach dem Frühstück wieder nach Hause. Eigentlich wollte ich mir noch das Limestor in Dalkingen anschauen welches gerade mal 7 km entfernt liegt – aber irgendwann ist der Kulturpegel auch mal bei mir erreicht.

Somit hab ich schon das nächste Ausflugsziel vor Augen, mal schauen wer mich begleiten mag…

Bis dahin, Gruß Karin

Alamannen oder Alemannen?

Diese Frage kann u. a. in Ellwangen im Alamannenmuseum beantwortet werden, welches ich mit meiner Freundin Christiane Anfang des Monats besuchte.

Das Museum befindet sich in einem denkmalgeschützen mittelalterlichen Gebäude aus dem Jahr 1593, bei dem sich im Zuge der Umbauarbeiten herausgestellt hat, dass das Haus sich als eines der ältesten noch erhaltenen Armen- und Siechenhäuser Südwestdeutschland erwiesen hat. Somit ist es der sogenannten Nikolauspflege zuzuordnen, einem Stift für blinde und sehbehinderte Menschen. Allein die Entstehungsgeschichte dieser Einrichtung durch die Förderung von Königin Olga von Württemberg ist eine Recherche wert und sehr lesenswert.

Doch zurück zum Museum. Vom Erdgeschoss bis unters Dach bekommt der Besucher anhand bedeutender archäologischer Funde aus ganz Süddeutschland einen Überblick über 5 Jahrhunderte alamannischer Besiedlung, vom 3. – 8. Jh. nach Christus. Desweiteren lassen Ausstellungsstücke, inszenierte Lebenssituationen, Infotafeln, interaktive Medien mit Bildschirmen und bewegten Bildern keine Langeweile aufkommen. Klimatisiert wird man von Raum zu Raum und Stockwerk zu Stockwerk weitergeleitet, wobei ich sagen muss, dass von der kühlen Luft im oberen Stockwerk nicht mehr allzuviel zu spüren ist.  Sollten die wenigen Sitzgelegenheiten nicht ausreichen, kann beim Empfang nach leicht transportablen Klappstühlen gefragt werden, auch das Museumscafé lädt zwischendurch zu einer Pause ein. Werden die vielen Treppen zu beschwerlich, steht ebenso ein Aufzug zur Verfügung.

Doch primär möchte ich euch die Frage des Titels beantworten, indem ich euch die Infotafel hier einstelle.

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Ansonsten möchte ich noch erwähnen, dass ihr viel Zeit mitbringen solltet, es gibt wirklich viel anzuschauen und zu lesen.

Erklärt und bestaunt werden darf die Anlage von frühalamannischen Siedlern und deren Siedlungs- und Grabfunden, Themen wie Gebrauchsgegenstände, Münzen,  Schmuck, Waffen, Handwerk, Gartenbau und Viehzucht werden erläutert, Bestattungsarten, Rituale usw.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wechselnde Sonderausstellungen komplettieren das Angebot. Derzeit lautet das Thema: „Gut betucht – Textilerzeugung bei den Alamannen“.

In einem separaten Raum wird die Tuchherstellung, vom Schaf bis zum fertigen Mantel nachvollziehbar. Verschiedene Webarten, Herstellungsverfahren, Färbemöglichkeiten, Kosten der Kleidung und auch die brennende moderne Frage ob wir zu konsumfreudig sind – all diese Punkte werden aufgegriffen.

Interessante Stunden, die wir dort verbrachten. Auch in der Innenstadt von Ellwangen sind wir durch unzählige Straßen und Gässchen geschlendert. Mir gefiel es dort so gut, dass ich beschloss, in der Region einige Tage Urlaub zu machen.

Somit könnt ihr demnächst hier noch mehr aus Ellwangen erfahren, bis dahin

Gruß Karin

Die Römer am Schirenhof

Bereits in meiner Kindheit wurde ich mit unserer frühchristlichen Geschichte konfrontiert. Der Limes, der einstige römische Grenzwall, welcher die Außengrenze des Römischen Reiches zu den Germanen kennzeichnete, verlief unweit am Ortsrand unseres Dorfes und somit führten unzählige Grundschulausflüge und Wandertage entlang dieses Limeswegs durch die Wälder. Auch heute, obwohl ich nun 25km entfernt vom Wohnort meiner Kindheit zu Hause bin, verläuft diese ehemalige Trennung abermals direkt vor meiner Nase. Beim sogenannten Limesknie in Lorch – nähere Details zu einem späteren Zeitpunkt.

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Die Reichsgrenze wurde durch römische Kastelle, also befestigte Kasernen, gesichert. Auch diese Überbleibsel oder Rekonstruktionen, können an den unterschiedlichsten Orten hier im Umland besichtigt werden.

Doch der Reihe nach: Im westlichen Schwäbisch Gmünder Stadtgebiet namens Schirenhof sind einige Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. In direkter Nachbarschaft der katholischen Sankt Michaelskirche zeigt ein Wegweiser zum Römerbad Schirenhof. Am dortigen Parkplatz kann das Auto geparkt werden, denn nun geht es auf einem Rundwanderweg zu Fuß weiter.

Die Grafik verdeutlicht, welche Punkte wir besichtigen werden:

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Zunächst einmal befinden sich gegenüber besagtem Parkplatz die Überreste des Badehauses, das Kohortenbad am Schirenhof oder Kastellbad Schirenhof – wie es auch bezeichnet wird.

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Als Kohorte wurde im Römischen Reich eine militärische Untereinheit der Römischen Legion bezeichnet. Als feste Einrichtungen der Truppenstandorte gehörten Kastellbäder zur Erholung und Körperpflege. Auch den Bewohnern der Siedlungen standen diese Anlagen offen, wie Funde von Toilettenutensilien und Frauenschmuck belegen.

Hier ein Modell der damaligen Anlage und nähere Infos auf der Tafel.

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Sehr viel zu sehen gibt es hier nicht. Das Relief einer Quellnymphe, welches 1894 im Bauschutt des Bades entdeckt wurde. Das Original befindet sich im Museum in Schwäbisch Gmünd. Der Stein diente ursprünglich wohl als Wandverkleidung, aus dessen runder Öffnung sich das Wasser ins Becken ergoss.  Außerdem die Überreste der damaligen Heiztechnik. Anhand Schautafeln wird ausführlich erklärt, wie die Heizung funktionierte, woher das Frischwasser kam und das Abwasser hinfloss.

Gegenüber der Anlage, direkt neben dem Parkplatz führt ein kleiner Fußgängerweg bergauf. Oben in der Straße „Am Römerkastell“ angekommen, fällt der Blick direkt auf eine große Wiese, rechts davon führt ein Feldweg mit Hinweisschild zum Kohortenkastell. Ich erkläre dies deshalb so genau, da ich selbst ursprünglich nur vom Römerbad wusste und zu Hause bei der Recherche vom Kastell und den weiteren Sehenswürdigkeiten las, die immer mit dem Signet des Römerhelms gekennzeichnet sind. Somit bin ich nochmals los um alles zu besichtigen. Leider gehen die Beschilderungen im reichen Grün etwas unter:

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Somit geht es nun ca. 150 Meter entlang der Wiese etwas bergauf, bis linker Hand diese Hinweistafeln kommen und einen in Kenntnis setzen, dass hier wohl besagtes Kohortenkastell stand.

Leider ist von dieser Anlage oberirdisch überhaupt nichts zu sehen – es wurde nie ausgegraben. 1886 entdeckt und durch Grabungen teilweise erforscht, erfolgten 1972 ergänzende Untersuchungen. Das Kastell wurde um die Mitte des 2. Jh. erbaut. Die im Fundament 1,2m breite Umwehrungsmauer umschließt ein Rechteck mit abgerundeten Ecken von 157m x 130m. Von den vier Toren sind nur zwei durch die Grabungen nachgewiesen. Doch nur an dieser weitläufigen Wiese mit Blick ins Remstal zu stehen und die Ansicht durch die Plexiglasscheibe lassen mich gedanklich zu Asterix, Obelix und Cäsar wandern und wenn ich genau hinhöre, dann vernehme ich die Befehle auf dem Exerzierplatz, ihr auch?

 

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Weiter führt der Weg bergauf, bis man zu einer Wendeplatte kommt, die von der Zubringerstraße „Am Schirenhof“ umkreist wird. Auch hier ist ein großer Parkplatz angegliedert. Direkt auf der Wendeplatte steht ein Hinweisschild über ein römisches Gräberfeld. Lest dazu bitte diese Tafel, sehr interessant!

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Folgt man dem Wanderweg immer geradeaus weiter bergauf, gelangt man zum Schwäbisch Gmünder Stadtteil Straßdorf in die dortige Kastellstraße. Mein Weg führt mich jedoch die Straße „Am Schirenhof“ bergab, bis linker Hand dann irgendwann diese Hinweistafel erscheint.

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Ich frage mich allmählich, ob der Denkmalschutz damals zu lax war und warum vor allem das Kastell nicht ausgegraben wurde?

Der Weg führt weiter bergab bis man schließlich nach rechts abzweigt um wieder „Am Römerbad“ einzubiegen und entlang der Ausgrabungsstätte zurück zum Parkplatz gelangt.

Ein sehr interessanter Rundgang, der einem die heimische Geschichte wieder ein Stückchen näher bringt. Mal schaun, was mir als nächstes so einfällt.

Bis dahin – Ave – Karin

 

Klein aber mein!

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Genau dieses Hinweisschild entdeckte ich an einem alten Häuschen entlang der Stadtmauer in Ellwangen und mitsamt den Initialen passt es zu mir und meinem nagelneuen Chili-Flitzer wie die Faust aufs Auge!

Exakt spreche ich vom ersten vollelektrischen Mini – dem neuen Mini Cooper SE – den ich seit dem 24. Juli 2020 mein Eigen nenn.

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Bereit für die Zukunft, flitze ich mit meinem chiliroten Mini rein elektrisch durch die Lande und leite eine neue Ära ein. Momentan eher ums Städtchen, weitere Touren mit Zwischenladungen habe ich noch nicht unternommen – das kommt demnächst. Somit hoffe ich, dass ich Dank verschiedenster Ladekabel, Apps und Bezahlmöglichkeiten an einer der rund 20.000 e-Ladesäulen in Deutschland, wie auch über meine Wallbox zu Hause, jederzeit frisch aufgeladen emissionsfrei unterwegs sein kann. Der lautlose E-Motor senkt den Verkehrslärm, das dezente Fahrgeräusch – meine Familie meint mein Mini würde singen – warnt den Fußgänger, trotzdem fahre ich immer noch höchst konzentriert an Passanten vorbei.

Nun wünscht mir allzeit gute Fahrt mit stets genügend Saft im Akku damit ich demnächst einmal bei euch vorbeiflitzen kann,

eure Chili-Karin

Carina’s Sprungbrett

Heute möchte ich euch die Skischanzen des Ski-Club Degenfeld vorstellen.

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Degenfeld ist ein kleiner Stadtteil von Schwäbisch Gmünd. 2014 zählte man hier 455 Einwohner, eine aktuelle Zahl konnte ich leider (noch) nicht in Erfahrung bringen. Idyllisch im Grünen gelegen auf 500-700 Höhenmetern, umgeben vom Eierberg, dem Bernhardusberg, dem Galgenberg, dem Hornberg und dem Kalten Feld. Die beiden letzteren gelten als Erholungsgebiet und Wintersportparadies.

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Blick auf Degenfeld

 

Was lag da näher, als einen Ski-Club zu gründen? Bereits im Jahr 1922 wurde dieser Club aus der Wiege gehoben mit dem Grundsatz:

Zweck des Clubs ist es, den Skilauf am Kalten Feld zu fördern, zu pflegen und zu verbessern.“

 

1926 wurde bereits die 1. Schanze eingeweiht, im folgenden Jahr fand die Erste Schwäbische Meisterschaft statt und Das Kalte Feld rückte in den goldenen 20er Jahren zum Wintersportort im Großraum Stuttgart auf. Das Vereinswappen, welches 1926 kreiert wurde, findet bis heute seine Verwendung.

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Aus dem Kader des Ski-Clubs kamen einige Sportgrößen hervor:

1952 gewann bei einer Skisprungveranstaltung auf der Großen Schanze an der Winterhalde Ewald Roscher, der spätere Bundestrainer im Deutschen Skiverband.

Desweiteren gelang es 1956 der mehrfachen Deutschen Meisterin Stefanie Köhrer sich als erste Sportlerin des Skiclubs bei den Olympischen Spielen 1956 in Cortina d´Ampezzo im Skilanglauf zu qualifizieren.

Schließlich kommt nun „unsere“ Carina Vogt ins Spiel – sprich auf die Schanze. Als Sechsjährige durfte sie im Zuge eines Sommerferiencamps die Bekanntschaft mit dem Skispringen machen. Ihre ersten Sprünge absolvierte sie auf kleineren Schanzen und war begeistert von der Sportart. Sechszehn Jahre später gelang es ihr als zweite Sportlerin des Skiclubs sich bei den Olympischen Spielen, im Skispringen 2014 in Sotschi, zu qualifizieren und den ersten Sieg im Skispringen der Damen bei den Olympischen Spielen nach Degenfeld zu holen.

Die Gmünder sind natürlich stolz auf ihre Carina, immer wieder wird damit ein Zeichen gesetzt.

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Doch nun endlich einige Fotos der Schanzen, die wirklich eine beeindruckende Anlage sind, sowohl aus der Ferne, wie auch in der Nähe. Momentan ist alles aufgrund Corona außer Betrieb, uns wunderte es schon, dass wir überhaupt so weit hinaufwandern konnten.

Hier nun ganz links im Bild die Sommerschanze K75, eine 75 Meter Mattenschanze. Der Spatenstich erfolgte im April 2013 und das Eröffnungsspringen im Sommer 2017.

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Direkt daneben die Kalte-Feld-Schanze K43.

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Ganz rechts die Galgenbergschanze K15. Obwohl sie von unten so klein aussieht, braucht es aus Sicht von oben doch gehörigen Mumm, sich da hinunter zu wagen. (Von den beiden anderen rede ich erst gar nicht!)

Diese mit Kunststoffmatten belegte Schanzen werden mit Wasser befeuchtet und erhalten somit eine ähnliche Gleiteigenschaft wie bei Schnee.

Leider hatten wir bei der Besichtigung keine Ahnung von der Winterschanze K88, die ein Stück abgelegen im Gelände liegt, erst bei der Recherche für diesen Beitrag las ich davon.

Ebenfalls recherchieren musste ich, was das „K“ bei der jeweiligen Schanzenbezeichnung bedeutet. Da ich vom Skisport so gar keine Ahnung habe und vielleicht hier der eine oder die andere ebenso, möchte ich dies kurz erklären: Der Konstruktionspunkt oder auch Kritischer Punkt in Metern angegeben, bezeichnet die Stelle, wo das Gefälle des Aufsprunghangs flacher wird. Der K-Punkt als Ausgangspunkt spielt bei der Puntebewertung eine Rolle. Heutezutage wird eher der Hillsize-Punkt zur Berechnung herangezogen.

Atemlos machte uns der Aufstieg, an diesem warmen, schwülen und sonnigen Tag und somit war es eine schweißtreibende Angelegenheit und abermals war nichts Trinkbares mit dabei. Mehr aus Zufall kamen wir nach Degenfeld und von weitem sah ich die Anlage und entschloss kurzerhand, dass wir uns das mal anschauen sollten.

Lieber Leser, vielleicht bist du ja bald der Überflieger?

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Wir wünschen jedenfalls Hals- und Beinbruch! (Auch wenn diese Redewendung zwischenzeitlich gänzlich aus der Mode gekommen sein soll)

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Gruß Karin

 

Nachtrag im August 2020:

Schaut mal, welcher Artikel am 18.08.20 in unserer Tageszeitung kam.

 

 

Erneutes Golfen

Eine andere Art zu Golfen

Abermals haben wir zum bekannten Minigolfen eine andere Art des Golfspiels endeckt. SpielGolf am Himmelsstürmer im Schwäbisch Gmünder Stadtteil Wetzgau haben wir im Familienverbund getestet.

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Himmelsstürmer nennt sich der Aussichtsturm im Landschaftspark Himmelsgarten in Wetzgau – doch dazu in einem späteren Beitrag mehr.

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SpielGolf unterscheidet sich zum herkömmlichen Minigolf in mehrfacher Weise. Großflächig angelegte Spielbahnen, in dieser Anlage hier 18 an der Zahl, sind mit Kunstrasen ausgelegt und ausdrücklich begehbar. Der Schläger ähnelt mehr den richtigen Golfschlägern als denen der Minigolfausgabe. Auch die Strafpunkte werden verschieden gezählt, doch dazu können die Spielregeln am Eingang studiert werden.

Für jede Bahn gibt es einen Paten. Handel- und Gewerbetreibende unterstützen somit die Einrichtung, deshalb ist auch hier und dort ein Werbebanner vertreten.

Bei schönstem Sommerwetter ging es nach Feierabend ins 12 km entfernte Wetzgau für uns los und was soll ich sagen – wir hatten Spaß, Häme und Verdruss – je nach Können und Siegerwille!

Besonders schön fand ich, dass selbst bei unserem erwachsenen Sohnemann noch der Familientarif galt – denn schließlich wären wir ja Familie! So die Auskunft des Kassenwarts.

 

Dass unser Können auch hier durchaus verbesserungsfähig wäre, zeigen die Punktekarten – aber für uns zählte der Spaßfaktor.

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Bis zur nächsten Aktion! Mal schaun‘ was uns weiterhin einfällt. Am gleichen Platz würde sich noch Fußball-Billiard anbieten oder ich besuche doch lieber nochmals den angrenzenden Biergarten. Wer weiß!

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Sommerliche Grüße, Karin

Auf der schwäb’sche Eisebahne…

gibts gar viele Haltstatione… genau dieses alte schwäbische Volkslied hatte ich letzten Sonntag im Kopf, als wir mit der Schwäbischen Waldbahn mit ordentlich Dampf in schönster Eisenbahnromantik von Schorndorf nach Welzheim und zurück fuhren.

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Doch der Reihe nach: Bei meinem letzten Ausflug nach Welzheim Baumriesen, Teil 2 sah ich beim Vorbeifahren am ehemaligen Bahnhof Breitenfürst das große Werbeschild für die Schwäbische Waldbahn und die Info für den damaligen Bahnhof.

Zuhause sofort recherchiert und mit Freude vernommen, dass nach der langen Winter- und Coronapause letzten Sonntag zum 1. Mal die historische Bahn ihren Dienst wieder aufnahm. Die Frage ob Dampf- oder Diesellok musste gar nicht gestellt werden, selbstredend kam nur der Dampfer für uns in Frage. Tickets online gekauft und voller Vorfreude vorgestern bei garstigem Dauerregen ins 15 km entfernte Schorndorf gefahren, wo auf Gleis 5 der Zug abfahren sollte.

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Bei Interesse ist es ratsam, auch die Website vom DBK Historische Bahn e.V.  zu besuchen, auch die Sicherheitsvorkehrungen zu Corona Zeiten sind zu beachten. Auf den Websites sind ebenfalls Tonspuren eingerichtet, die während der Fahrt mit dem Mobiltelefon genutzt werden können. Doch auch online kann der interessierte zukünftige Bahnfahrer im Vorfeld Wichtiges und Interessantes abfragen. Der Schaffner Christian Schnauffer, oder Zugbegleiter – wie die Berufsbezeichnung heute lautet – gibt so manche Anekdoten und wissenswerte Fakten über die schönste Nebenstecke im Ländle bekannt.

Die Bahnstrecke besteht seit über 100 Jahren. Damals brauchte der Zug rund 80 Minuten, heute schafft dieser die Strecke in durchschnittlich 66 Minuten – je nachdem, ob es bergauf, also von Schorndorf nach Welzheim oder wieder -ab geht. In den frühen Anfangsjahren war am Sonntag die Bahn stets überbelegt, da die Städter raus in den Welzheimer Wald zur Erholung fuhren. Auch heute noch ist Welzheim ein Kurort. Der in den 1960-er bis 1980-er Jahren bis dahin schon sehr bescheidene tägliche Personenverkehr wurde jedoch immer weniger. Als 1988 dann noch ein Erdrutsch die Strecke blockierte und der Betrieb und Erhalt nicht  mehr lohnenswert war, verfiel die gesamte Strecke in einen Dornröschenschlaf. Schließlich gründeten engagierte Freunde der Eisenbahn 1985 den Verein und arbeiten seither stetig an ihrem Traum, historischen Schienenfahrzeugen sowie Strecken und Gebäude der Nachwelt zu erhalten. 2010 wurde die gesamte Strecke bis Welzeim wiederbelebt. Pro Jahr genießen nun ca. 30.000 Fahrgäste diese atemberaubenden Landschaftsausblicke über imposante Schluchten und Viadukte, an herrlichen Obstwiesen und rauschenden Wäldern vorbei in schnaufender und dampfender Eisenbahnnostalgie.

Eigentlich legen die 22,83 km lange Bahnstrecke genaugenommen ja zwei Bahnen zurück. Eine Berg- und eine Talbahn, die Wieslauf- und die Wieslauftalbahn. Somit wird die Bahn im Volkmund auch Wiesel genannt. Eingebettet zwischen 2 Brücken und 3 Viadukten liegen z.T. noch sehr verträumt aussehnde Bahnhosgebäude im ganz speziellen Jugendstil. Heute, sofern noch erhalten, liegen diese Gebäude in Privatbesitz und stehen unter Denkmalschutz.

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Die Ingenieure von damals leisteten hervorragende Arbeit bei diesen schwierigen Bedingungen. Das Keuperbergland mit seinen vielen verschiedenen Bodenschichten, es wurde quer über tief eingeschnittene Klingen gebaut, Rampen und Dämme aufgeschüttet, Hänge gekappt, Rutschungen mit Stützmauern abgefangen, Hangschutt stabilisiert, Siedlungen durchgeschnitten, Straßen, Häuser und Scheunen verlegt, dazu monatelanger Regen wo vieles wieder abrutschte – und doch wurde es geschafft!       Beim Bau der Viadukte wurden viele Gastarbeiter aus Italien beschäftigt, diese haben dann die schwäbischen Spätzle und Mädle kennen und lieben gelernt und sind sesshaft geworden.

Doch nun genug der Theorie! Einsteigen, die Türen schließen, zurücklehnen, Seele baumeln lassen und relaxen, wie der Stuttgarter heutzutage sagt.

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Pünktlich um 10.30 Uhr ging die Fahrt lo. Der 1. Halt war kurz darauf in Haubersbronn und schon zückte ich abermals meine Kamera um dieses schöne Bahnhofsbäude abzulichten.

6Haubersbronn

Weiter ging es nach Miedelsbach und schon war mein Gemüt etwas getrübt und gleichzeitig doch erfreut dass wenigstens das Schild auf die ehemalige Funktion des wunderschönen Häuschens hinweist.

7Miedelsbach

Zwischendrin kam der Schaffner und kontrollierte die Fahrkarten, auch Kalt- und Heißgetränke wurden verkauft. Eltern verwöhnten ihre Kinder mit Zuckerperlen, die in den rot-grünen Kellen versteckt waren und die Sprösslinge nahmen das Spielzeug mit leuchtenden Augen entgegen. Hier außerdem noch eine Aufnahme unseres Abteils.

 

Kurz darauf folgte Michelau und ich war wieder beseelt, ob des schönen Anblicks.

8Michelau

Rudersberg ließ mich verständlicherweise unberührt. Vielleicht gibt das Haus im Inneren seinen Charme preis? Wer weiß!

11Rudersberg (Kopie)

Als kurz darauf das Strümpfelbachviadukt zu sehen war, kam Bewegung in die Gäste. Zum Glück war das Abteil nicht allzu voll, so dass ich bequem auf der anderen Seite zum Fenster hinaus fotografieren konnte. Auf der Rückfahrt wird die Lok ans andere Ende des Zugs rangiert und unser ehemals vorderstes Abteil wird zum letzten des Zugs. Somit ergibt sich bei Kurvenlage ein gigantischer Ausblick.

12Strümpfelbachviadukt (Kopie)

20Strümpfelbach (Kopie)

Auch die Klingenmühle, der Wasserfall und die beschwerliche Fahrt bergauf, die die Bahn viel Mühe, Schweiß und Kohlen kostet, waren eine Augenweide. Herrlich, wie der Dampf in den Bäumen hängenbleibt!

An der Klingenmühle schrieb Justinus Kerner seine lyrischen Zeilen „Der Wanderer in der Sägemühle“, welche ich bereits schon auf dem Poetenpfad im Welzheimer Stadtpark erwähnte. Diese und die Laufenmühle zusammen bilden das Tor zum Welzheimer Wald und seinen Ausflugszielen.

21 Laufenmühle

Von den eisernen Brücken haben wir leider nichts mitbekommen, diese scheinen als Zuschauer auf der Straße besser wahrgenommen zu werden. Übrigens haben uns im zeitweise strömenden Regen unzählige Passanten, Anwohner und Wanderer mit Winken begrüßt. Tagszuvor kam in der Tagespresse noch ein Artikel über die beginnende Saison. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich die Grüße freudig erwiederte.

Das Laufenmühleviadukt war ein weiteres Highlight.

16Laufenmühleviadukt (Kopie)

Am ehemaligen Bahnhof Breitenfürst, dieser wurde 1974 abgerissen – wohlweislich noch bevor dieser unter dem Siegel des Denkmalschutzes gelandet wäre – große Zuschauermenge, da eine Kreuzung komplett gesperrt war, um unserem Bähnchen Vorfahrt zu gewähren.

Es folgte der Bahnhof Tannwald, ein Teilort von Welzheim. Der Name macht dem Ort alle Ehre, viele Bäume – aber dies erwähnte ich ebenso in meinem letzten Beitrag.

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11.30 Uhr, Endstation Welzheim. Herzlich Willkommen. Als letzte württembergische Ober-Amtsstadt wurde Welzheim an das Bahnnetz angeschlossen und bekam diesen Bahnhof. Dieses Bahnhofsgebäude macht nun bei diesem tristen kühlen verregneten Sonntag so gar keinen Staat!

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Die Lok wird abgekoppelt, rangiert und fährt ein winziges Stück weiter zum Wasserkran. 9 m³ Wasser fasst die Lok!

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Nach einer halben Stunde wird abermals rangiert, ans andere Ende angekoppelt und die Fahrt geht wieder zurück nach Schorndorf.

Nicht mehr ganz so interessant, bis auf die Tatsache wie ich oben bereits beschrieb, dass sich nun in Kurvenlage super Ausblicke erboten. Jogi war so ermüdet, dass er auf der sanften Fahrt doch tatsächlich in einen Dämmerschlaf fiel.

Um 13 Uhr zurück in Schorndorf war es gerade Zeit zum Mittagessen – wie praktisch!

Doch ich möchte nicht enden, bevor wir euch nicht obligatorische Grüße senden!

Bis bald, vielleicht in Schtuegert, Ulm oder Biberach, Meckebeure oder Durlesbach!

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Baumriesen, Teil 2

Baumriesen, Teil 1

Nach meinem schönen Erlebnis mit den Mammutbäumen hier im Lorcher Wald wollte ich nun auch andere Anpflanzungsgebiete der Riesen kennenlernen. Somit machte ich mich am Pfingssonntag in das nur 14 km entfernte Welzheim auf, um dort im Tannwald die Wellingtonien anzuschaun, ein wenig spazieren zu gehen und zur Ruhe zu finden.

Auf dem weitläufigen Parkplatz fand mein Auto gerade noch Platz, mir schwante Böses! Im Geiste sah ich mich schon von lärmenden Menschenmassen umringt, aufgrund Corona ausgehungert nach „Freilauf“!

Das erste Mal vor Ort informierte ich mich zunächst einmal an den Infotafeln:

Die linke Tafel erklärt dem Wanderwilligen, dass dieser im Schwäbischen Wald auf FeenSpuren anhand des Premiumwanderweges „Drei Schluchten“ zum Edenbachtal, der Wieslaufschlucht und dem Strümpfelbachtal gelangt. Der 14,5 km lange Weg auf abwechslungsreichen Pfaden mit Schluchten, Klingen und Wasserfällen setzt festes Schuhwerk, geeignete Wanderkleidung, Verpflegung und gute Kondition voraus – nicht unbedingt dies, was ich in meinem Spaziergepäck mit dabei hatte.

Die rechte Tafel informiert, dass man ebenso auf FeenSpuren des Premiumspazierwanderweg „Römerwald“ u.a. zu den imposanten Mammutbäumen gelangt. Somit war mein Weg besiegelt, ich wusste nun nur nicht, welchen der drei abzweigenden Pfade ich einschlagen sollte. Ohne nach weiteren Wegweisern Ausschau zu halten, entschied ich mich für den linken Weg und betrat den Stadtpark.

Augenblicklich betrat ich eine andere Welt. Das üppige Grün das Geräusche und Lärm auschloss, das Zwischern der Vögel und leise in sich gekehrte entgegenkommende Spazierer ließen mich ebenso ruhiger werden. Tief durchatmend schlenderte ich so für mich allein durch den zwei Hektar großen Park, zwischen altem Baumbestand, an liebevoll angelegten Blumenrabatten und Ruhebänken vorbei, bis meine Aufmerksamkeit auf rote hölzerne Torbögen gelenkt wurde. Durch das wildsprießende Blattwerk sah ich weitere dieser asiatisch anmutenden Pfosten tief im Dickicht stehen und dann stoß ich auch schon auf eine Infotafel.

Anlässlich zum 100. Geburtstag des Stadtparks schuf die Stadt Welzheim 2012 einen Ort, an dem Geist und Körper durch Poesie und Bewegung zusammengeführt werden – den Poetenpfad. Diesen Satz entnahm ich der Website des Tourismus-Vereins Schwäbischer Wald und ich finde, er sagt genau dies aus. Ein weiterer Anlass ein Denkmal zu setzen war der 200. Jahrestag der Ankunft des Arztes und Dichters Justinus Kerner in Welzheim. Dieser war von 1812 bis 1815 in Welzheim als praktischer Arzt tätig, bevor er dann eine Stelle als Oberamtsarzt in Gaildorf annahm.

Somit wurden lyrische Zeilen des Dichters zeitgenössischen Gedichten anderer Künstler gegenübergestellt. An dem 200 m langen Pfad wurden an den 12 Torbögen beidseitig Tafeln angebracht. Auf den Rückseiten der Pfosten finden sich die Texte in Brailleschrift.

Links nun bekannte Zeilen Kerners, mir taten es jedoch die Weisheiten auf der rechten Tafel an und schwupps fühlte ich mich mindestens um ein Jahrzehnt jünger!

Entlang des Weges stehen die tollsten Ruhemöbel, ich sag euch, eine überdimensionale freischwingende Hängematte aus Holz mitten im Dickicht mit Blick auf ein Himmelszelt aus Blattwerk hat was für sich!

Beim Verlassen des Poetenpfades widmete ich mich eingehend diesem riesigen alten Baumbestand. Ein Gewächs schöner als das andere, majestätisch wiegten sie ab und an in der leichten Brise, dazu das Gezwischter der Piepmätze – es war herrlich!

Desweiteren grenzt ein großer Erlebnis-Spielplatz an, eine Boulebahn, die Haltestelle der Schwäbischen Waldbahn,  ein Bewegunsparcour mit 10 Fitnessgeräten und dieser wunderschöne Pavillion aus den 1920er Jahren.

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Nun war ich schon so verzückt und beseelt – nun wollte ich unbedingt auch noch die typischen Mammutbäume sehen. Über den Parkplatz hinweg gegenüber in den Wald hinein kommt man bereits nach ca. 100 Metern auf eine Lichtung und sofort schoss mir der Libanon vor Augen. Mein erster Blick fiel auf diese Stämme und ich kam wie vor als ob ich in Baalbek die sechs noch stehenden Säulen des Jupitertempels vor mir habe.

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Eine schön angelegte Lichtung mit vielen Tischen und Sitzgelegenheiten und einer Infotafel über diese Wellingtonien runden den Platz ab.

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Anschaulich wird erklärt, welche Bäume aus welchem Anpflanzungsjahr stehen und es ist immer wieder schön zu lesen, dass aus König Wilhelms Saatbestellung noch mehrere Ableger vorhanden sind. Übrigens stehen diese Altbäume heutzutage fast ausnahmslos unter Naturschutz, sie dürfen nicht beschädigt oder gefällt werden!

Ich war neugierig geworden. Viele Menschen kamen mir aus dem Wald entgegen, in alle Richtungen zogen sie wieder von Dannen. Ich schlug einen eher schmäleren, ruhigeren Weg ein, mein Handy und mein Tierabwehrspray gaben mir Angsthase etwas Sicherheit. Dann und wann kamen mir Frischluftkollegen entgegen, manches Mal zum Gruß kopfnickend, ein andermal ein leises zartes Hallo oder Grüß Gott oder nur stumm auf den Boden blickend! Dass ich nicht so ganz allein zu sein schien, darüber war ich inzwischen mehr als froh. Mountainbiker und normale Radler schossen aus verzweigten Wegen heraus, an den Geräten des Trimm-Dich-Pfads probierten sich auch die ein und anderen Spaziergänger aus, mich nicht ausgenommen.

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Irgendwann kreuzte dann auch das Schienenbett der Schwäbischen Waldbahn, es müsste doch herrlich sein, hier entlang zu tuckeln.

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So langsam bekam ich Durst, meine vergessene Wasserflasche rächte sich. So viele Möglichkeiten zur weiteren Freizeitgestaltung gab es hier auf dem Wanderweg. Mühlenbesichtigung, Quelle, Fischteich, die Ruine eines römischen Wachturms, der archäologische Park Ostkastell, doch nach über 3 Stunden herumwandern hatte auch ich genug, mich zog es zurück gen Parkplatz.

Diesen komisch gewachsenen Baum sah ich noch auf meinem Weg.

Mit meinem nichtvorhandenen Orientierungssinn überraschte es mich nicht, dass ich nicht direkt am Parkplatz aus dem Wald traf sondern wieder bei meinen Mammutbäumen, was ich besonders schön fand.

Somit heute kein Selfie sondern einen Gruß des Waldes,

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bis bald, Karin

Die Anhäuser Mauer

Letztes Jahr kam in der hiesigen Tagespresse ein kurzer Bericht über die Anhäuser Mauer bei Satteldorf im Landkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg. Auch wenn nicht wirklich viel zu sehen ist, hat mich auch dieses Relikt aus verganger Zeit direkt magisch angezogen und gestern nun war es endlich soweit, auch diese alten Steine (Jogis Kommentar) zu besichtigen. Zusammen mit meinem leidgeprüften Gatten machte ich mich bei schönstem Sonnenscheinwetter auf die 100 km lange Autofahrt.

Schon vom weitem ragt einsam aus den grünen Feldern der 18 Meter hohe Mauerrest empor.

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Ein Hinweisschild zeigt einem noch den Weg, Auto geparkt und die wenigen Meter zu Fuß zurückgelegt.

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Hier steht sie nun, die 10 Meter lange Ruine eines ehemaligen Pauliner-Eremiten-Klosters

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Sonst gibt es nichts weiter zu sehen oder zu lesen. Das Internet gibt noch einige Infos her, so z.B. über die Entstehung und weiterem Verlauf des Klosters und dass Luftaufnahmen anhand des Grünbewuches darlegen, dass unterirdisch mit Spuren des Konventhauses, des Hauses des Priors sowie Wirtschaftsgebäuden zu rechnen sei. Da bin ich doch mal gespannt, ob hier irgendwann einmal Ausgrabungen stattfinden werden.

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Oberirdisch zeigten sich in diesem Mauerrest der nördlichen Seitenwand des gotischen Chors der sogenannten Crailsheimer Kapelle 5 Grabdenkmäler von Angehörigen der Familie Bebenburg, die zwischen 1363 und 1472 verstarben. Heutzutage geschützt durch ein Vordach mit Regenrinne,…

deren Ablauf auf der Rückseite des Mauerrets erfolgt.

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Sonst ist dort wirklich nichts! Meiner Meinung nach trotzdem sehenswert und sehr interessant, deshalb nochmals ein Foto von der anderen Seite…

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bevor wir dann weiter den Feldweg entlangwanderten, um uns etwas weiter entfernt in der Blumenwiese niederzulassen und den Blick nochmals gen Sehenswürdigkeit zu richten,

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um uns dann mit unserem obligatorischen Selfie von euch zu verabschieden.

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Gebt auf euch acht und bleibt gesund!

Gruß Karin

Baumriesen, Teil 1

Gestern hat’s mich gepackt, bin aus dem Dornröschenschlaf erwacht, aus der Kultur-Lethargie auferstanden, dem täglichen Einerlei von wochenlanger massenhafter Garten- und Hausarbeit entkommen, die Eintönigkeit wöchentlicher Supermarkteinkäufe und Telefonate mit der Familie und einigen wenigen Freunden um mich nach deren Befinden zu erkunden hinter mir gelassen und nachdem hin und wieder Einkaufsdienste bei älteren Verwandschaftsangehörigen erledigt wurden, dürstete es meine Seele nach etwas Abwechslung. Langweilig war es mir in all den vielen Wochen der Coronakrise nun wahrlich nicht geworden. Die Tage waren ofmals zu kurz für all die viele Arbeit die anstand, nur die Energie wollte so manches Mal nicht mehr. Dazu das Wetter – zuerst eine andauernde Wärme ohne einen Tropfen Regen, dann tagelang das vermisste Nass  das sich dann, nun Anfang Mai, in Aprilwetter zu wandeln scheint. Wolkenverhangen, dann Sonnenschein um letztendlich in heftigen Regengüssen zu enden. Das schlägt aufs Gemüt, auf die Seele, das ständige Zuhausehocken macht es wahrlich nicht leichter. Zum Glück gibt es da meinen Strandkorb, den ich nun bereits schon einige Male nutzen konnte. Schlafend, lesend, lümmelnd, die Rotmilane am Himmel beobachtend, einfach faul daliegen und die Ruhe, die Natur ringsherum und das faule Nichtstun am Sonntag genießen.

Doch wie bereits erwähnt, hatte es mich gestern gepackt. Mit Sohnemanns Begleitschutz, denn allein wollte ich nicht im Wald umherspazieren, haben wir bei schönstem Frühlingswetter die Mammutbäume bei Lorch besucht. Natürlich doppelt so schön, da ich mal wieder etwas gemeinsam mit meinem Spross unternahm. Vor vielen Jahren wanderten wir einen Tag lang rund um die Schelmenklinge und das Kloster und entdeckten dabei die Bäume. Heute sind für mich solche ausgedehnten Wandertouren aufgrund meines Knies undenkbar. Unterhalb des Lorcher Stadtteils Bruck und somit am oberen Zugang der Schelmenklinge, haben wir das Auto geparkt und sind den Forstweg entlang der Wiesen bis zum Waldrand spaziert. Von dort ist es nicht mehr weit, bis das aufmerksame Auge am rechten Wegesrand die ersten Riesen stehen sieht.

Eine Infotafel klärt den Wanderer auf, diese stand damals noch nicht da und somit sind wir nun schlauer.

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Ich hoffe, dass ich euch den Text wiedergeben darf, die Informationen sind zu interessant um sie euch zu verwehren. Vielleicht bekommt ihr ja Lust und besucht die stummen Waldbewohner einmal:

DER BAUM AUS DER SIERRA NEVADA. Der Riesen-, Berg oder Gebirgs-Mammutbaum ist ein immergrüner Nadelbaum aus der Familie der Zypressengewächse. Sein wissenschaftlicher Name „Sequoiadendron giganteum“ leitet sich vom Namen des berühmten Cherokee-Indianers „Sequo Yah“ und seiner „gigantischen“ Größe ab. Der Mammutbaum ist auch unter dem Namen Wellingtonie bekannt.

Die Heimat des Riesenmammutbaums liegt an den Westhängen der Sierra Nevada in Kalifornien. Sein natürliches Vorkommen beschränkt sich dort auf ein Gebiet von 420 km Länge und 24 km Breite in Höhenlagen zwischen 1350 bis 2500 m ü. NN. In seinem natürlichen Ausbreitungsgebiet ist er eine vom Aussterben bedrohte Art.

Vor der letzten Eiszeit waren Mammutbäume auch in Europa heimisch. 1850 wurden Samen durch den englischen Sammler Lobb wieder eingeführt. Versuche zum Anbau des Baumes wurden zunächst in Parkanlagen Englands, nach 1860 auch in Deutschland unternommen.

1864 beauftragte der württembergische König Wilhelm I. die königliche Bau- und Gartendirektion gemeinsam mit der Forstdirektion, Samen des Sequoiadendron giganteum aus Nordamerika zu beziehen. Wahrscheinlich durch ein Missverständis wurde ein Pfund des Samens geordert. Woher sollte man auch wissen, dass der riesige Baum den allerkleinsten Samen hat, wovon etwa 100 000 Stück nur 500 Gramm wiegen. Diese kamen zur Aussaat im Kalthaus der Stuttgarter Wilhelma.

Die königlichen Forstdirektionen begannen 1865/66  1- bis 2-jährige Jungbäume im Land auszupflanzen. Der Erlass der königlichen Forstdirektion vom 17.04.1866 sagt hierzu, „da die Pflanzen erst einjährig und deshalb noch ziemlich klein sind, so sind dieselben zunächst in passend gelegenen, frostfreien Saatgärten zu verschulen, wobei der Abstand nicht unter zwei Fuß zu machen wäre, um mit Umgehung eines wiederholten Umschulens gehörig starke Heister erzielen zu können“. Ab 1870 wurden die Bäumchen auf ihre endgültigen Standorte verpflanzt.

1987 waren gemäß einer Erhebung der Forstdirektion Stuttgart in ihrem Bereich noch 106 Wellingtonien aus dieser ersten Aussaat vorhanden.

Die aktuellen Standorte von Mammutbäumen aus der Wilhelma-Saat in Baden-Württemberg finden sich in der Online-Plattform http://www.mammutbaum-projekt.de

Aha! Somit darf ich mich an das Ergebnis der Aussaat vergangener königlicher Zeiten anlehnen. Auf Schulterhöhe haben wir diesen Riesen mit einem vorsoglich mitgenommenen Maßband vermessen. Stolze 6,60 m Umfang hat der Kleine!

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Doch seine Artgenossen stehen ihm in nichts nach. In diesem Waldabschnitt konnten wir 8 Giganten zählen und die normalen Bäume zwischendrin wirken wie Schaschlikspieße.

Weiter ist auf der Infotafel zu lesen:

Beeindruckend ist die rotbraune Rinde, die den Stamm vor häufig vorkommenden Waldbränden in seiner Heimat schützt. Sie ist über 50 cm dick und isoliert den Baum wirksam gegen die Hitze. In den kleinen Zapfen bilden sich ca. 200 Samen, die von Eichhörnchen verbreitet werden. Die Samen keimen vor allem nach Waldbränden, wenn der Boden durch das Feuer sterilisiert und frei von Konkurrenten ist und durch die Asche gedüngt wurde.

Das rötliche Holz ist leicht und elastisch und durch den fäulishemmenden Gerbstoff Tannin sehr dauerhaft. So kann es z. B. für Verschalungen an Fassaden ohne chemischen Holzschutz verwendet werden.

Hier so ein Zapfen der am Boden lag. Nach dem Fotografieren hab ich ihn brav wieder auf den Waldboden zurückgelegt, ich denke mal, wenn die Bäume ein Naturdenkmal sind, dann sind es die Zapfen auch.

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Und zu guter Letzt noch weitere Fakten von der Infotafel:

Mammutbäume zählen zu den eindrucksvollsten, ältesten und mächtigsten Bäumen der Erde. Der berühmteste ist der General Sherman Tree im Sequoia National Park mit einer Höhe von 84 m und einem Durchmesser von 11,1 m an der Stammbasis. Mit einem Volumen von ca. 1,489 m³ ist er der voluminöseste lebende Baum der Erde. Dieser Gigant ist ca. 3500 Jahre alt.

Die Riesenmammutbäume in Deutschland sind mit bis zu 150 Jahren bedeutend jünger. In Baden-Württemberg stehen aktuell (März 2014) mit 55,8 m der höchste (Auenwald, Pflanzung 1872) und mit einem Durchmesser in Brusthöhe von 4,1 m der stärkste Riesenmammutbaum Deutschlands (Neuweiler, Pflanzung 1867). Beide Bäume gehen aus der Wilhelmasaat hervor.

Nun habe ich natürlich diese besagte Website besucht, unsere PLZ eingegeben und war sprachlos! So viele Mammutbäume im Register, sehr interessant gemacht, mit Foto, Standortangabe und z. T. ist auch das Pflanzjahr mit angegeben. Ich bin mir sicher, in Zukunft wieder etwas mehr Aufmerksamkeit beim Gang durch die Natur walten zu lassen.

Hoffe wir sehn uns auf einer der nächsten Besichtigungstouren durch den Wald, natürlich immer schön auf Abstand zu Zeiten Corona.

Bleibt gesund und zuversichtlich, Gruß Karin

 

Baumriesen, Teil 2

 

 

 

Über den Dächern von Gmünd…

wird man mit unvergesslichen Eindrücken konfrontiert. So auch vorletzten Samstag, kurz bevor der Coronavirus uns alle zu Stubenhockern degradierte (was ich in diesem Fall zu 100 Prozent befürworte!). Die Volkshochschule Schwäbisch Gmünd bat unter der Rubrik „Entdecken Sie Gmünd“ zur Münster Dachstuhlführung. Dies war wieder einmal genau mein Ding, meldete mich an und freute mich darauf.

Kein geringerer als Paul Weinmann, inzwischen pensionierter Gmünder Münstermesner und bekannt wie ein bunter Hund, wie er selbst zugibt, erzählt aus seiner langjährigen Dienstzeit die von 1973 – 2009 doch so einige Anekdoten und Geschichten hervorbringen kann und führt die gut 20 köpfige Truppe durch die Halle der Kirche und auf den Dachstuhl des Münsters. Der rüstige Mittsiebziger läuft, bis auf eine kurze Pause, in gutem Schritttempo die enge Wendeltreppe mit ihren 100 Stufen bis hinauf zur Balustrade, welche einmal komplett um die Kirche führt.

Doch bevor es losging, wurden uns draußen auf dem Münsterplatz an der Südseite des Heilig-Kreuz-Münsters, einige Grundkenntnisse vermittelt.

Begonnen wurde mit dem Bau 1315. Das Münster ist heute die älteste gotische Hallenkirche im süddeutschen Raum und steht auf einem kleineren Vorgängerbau, einer romanischen Basilika aus dem 12. Jahrhundert. Diese war damals flankiert von 2 Chortürmen. In den folgenden Jahrzehnten wurde weitergebaut. Das Langhaus kam in der Zeit von 1325-1341 dazu, der Chor 1354-1410, die Choreinwölbung 1491-1504. Da im Inneren die Sicht auf den Chor durch die Bögen versperrt war, wurde einer entfernt, was sich als fatal erwies. In der Karfreitagsnacht, dem 24.03.1497 stürzten die beiden Türme ein und beschädigten somit die im Bau befindliche Kirche. Zahlreiche Altäre und einige Säulen waren zerstört, noch heute sieht man im Innern die neu errichteten Säulen. Zum Glück gab es keine Verletzten, nur einige Eingeschlossene, die dann durch Zerschlagen von Fensterscheiben befreit werden konnten. Die Entfernung des Bogens gab den Türmen den Halt, diese Theorie wird heute für den Einsturz zugrundegelegt. Die beiden Glocken konnten geborgen werden, wurden außerhalb im Münster in einem benachbarten Turm aufgehängt und machen bis heute ihren Dienst im sogenannten Glockenturm.

Im Jahr 1507 kam die Kapelle dazu, 1515 die Sakristei, 1521 erfolgten die letzten Einwölbearbeiten, 1550 die Kanzel und 1552 wurde der Bau durch die Orgelempore vervollständigt.

Das Münster hat eine Länge von 78 Meter, eine Höhe von 51 Metern. Vom Boden bis zur Balustrade sind es 22 Meter, von dort bis zur Dachspitze noch einmal 19 Meter. Die restlichen Meter gehen auf die Turmuhr. Verbaut wurde vor allem Stubensandstein aus der Gegend um Schwäbisch Gmünd, doch im Laufe der langen Renovierungs- und Ausbesserungsarbeiten wurde auch anderer Stein wie z. B. Muschelkalk verwendet. Meine ganze Jugend hindurch kannte ich das Münster nur im Restaurationszustand. Von 1975 bis 2009 erfolgten umfangreiche Arbeiten, auch war das Gebäude 1975 wegen Einsturzgefahr eine Zeit lang ganz geschlossen.  Zur Zeit beginnen ebenfalls Außenrestaurierungen und Verbesserungen des Brandschutzes sollen vorgenommen werden, in den kommenden 10 Jahre sollen dafür rund 5 Millionen Euro aufgewendet werden. Ob in dieser Zeit dann weiterhin Führungen stattfinden bleibt fraglich, umso erfreuter war ich nun, diesen Termin doch noch angeboten bekommen zu haben.

Im Münster sind mehrere Stilrichtungen zu sehen, die verschiedenen Epochen der Gotik, Renaissance und Barock. Das Gewölbe dient nur dem Zweck der Zierde und wird innen von 22 Säulen getragen.

Das älteste Kirchenfenster stammt aus dem Jahr 1505 und wurde von Sebald Schreier gestiftet.

24 ältestes Fenster von Sebald Schreier 1505 (Kopie)

Stundenlang könnte man über das Münster erzählen, doch heute geht es einzig allein um den Dachstuhl. Alle waren gespannt, als der Weg vom Innern der Kirche endlich hinauf ging. Oben angelangt wird man auf allen vier Seiten mit einer beeindruckenden Sicht belohnt. Sehr eng ging es manches Mal zu, deshalb ist es ratsam, keine zu ausladende Jacke oder sperrige Tasche zu tragen.

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Die folgenden Fotos zeigen den Gang auf der Balustrade, der Blick zum Glockenturm und Schwäbisch Gmünds Wappentier etwas abgeändert, das Einhorn als Wasserspeier.

Als dann alle die 360° Grad Aussicht genossen hatten, ging man durch eine unscheinbare kleine Pforte in den Dachstuhl hinein und sofort erwartete mich dieser typische Geruch nach altem Holz und Staub.

Riesige Ausmasse herrschen hier! Holz so weit das Auge reicht! Balken und Dielen die z. T. 600 Jahre alt sind. Das Holz stammt vom Fuß der Mutlanger Heide, vor allem Tanne, Eiche und Fichte wurde verbaut. Unterschiedliche Balkenkonstruktionen sind sichtbar.

1970 wurde der Dachstuhl neu eingedeckt, 110.000 Dachziegel wurden gelegt, dies noch als Randnotiz. Auffallend sind zwei große hölzerne Laufräder, diese dienten als Lastenkran. Das ältere der beiden ist aus dem Jahr 1497! und Berühren war ausdrücklich verboten, zu groß sei die Angst, dass es einfach zusammenfallen würde.

15 (Kopie) Jahr 1497

Das andere Rad ist ungefähr „erst“ 200 Jahre alt und noch voll funktionsfähig. Zusammen mit Kindern demonstrierte Herr Weinmann die Funktion.

22 (Kopie)~200 Jahre alt

Desweiteren verteilen sich auf einer Seite des Dachbodens Gipsmasken und Modelle.

Diesen interessanten Plan entdeckte ich noch auf einem Tisch. Ansonsten war außer einem Staubsauger und etwas Werkzeug gähnende Leere.

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Einige Besucher wunderten sich, dass keinerlei Tiere auf dem Dachstuhl waren. Als das Dach in den 1970er Jahren neu gerichtet wurde, wurde sämtliches Holz imprägniert und von da an, nahmen Fledermäuse, Siebenschläfer und sonstiges Getier Reißaus. Die unzähligen Einflugschneißen der Tauben und Vögel sind zum Dach zu verdrahtet, halboffene Nistkästen sozusagen. Lediglich das Gurren und Piepsen ist zu vernehmen.

Herr Weinmann hätte noch ewig erzählen können, die Zeit war jedoch um. Die 100 Stufen Abstieg waren schneller vollbracht als gedacht. Der zuvor trockene, jedoch auch kühle und etwas windige Samstag hatte sich in einen garstigen regnerischen Tag verwandelt, somit blieb nur noch die Heimfahrt und ich verzichtete auf Fotos weiterer Außenansichten.

Bleibt mir gesund, bis bald, Karin

Eine andere Art zu Golfen

Letztes Wochenende hat uns Sohnemann aus München besucht und kurzentschlossen waren wir abends eine Runde beim Golfen. Jawoll, Ende Februar, abends bei Regen ist dies nun auch möglich. In Schwäbisch Gmünd, genauer gesagt mitten im Ortskern der Teilgemeinde Unterbettringen, gibt es eine 3D-Schwarzlicht-Indoor-Minigolf-Anlage.

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SIMIGOLF Schwäbisch Gmünd bietet diesen Freizeitspass natürlich auch im Sommer an, klimatisierte Räume dürften dann bei allzu heißen Sommertagen für Abkühlung sorgen.

Auf über 500 Quadratmeter verteilt sich die Anlage mit ihren 18 Spielbahnen in drei Räumen mit unterschiedlichsten Themen. Umgeben von bemalten Wänden in leuchtenden Farben die im Schwarzlicht und zusätzlicher 3-D-Brille tolle Effekte geben. Auch die Bahnen sind bemalt und durch die dreidimensionale Erscheinung bekommt man beim Spielen eine zusätzliche Herausforderung.

Leider ist der Spaß nicht ganz billig, genaue Preise bitte über die Website erfahren. Auch Öffnungszeiten und die Verfügbarkeit von Plätzen sind hierüber zu entnehmen. Desweiteren empfiehlt es sich, zu reservieren. Gegen Hinterlegung eines Pfandes bekommt die jeweilige Spielgruppe kostenlos ein Schließfach zugeteilt. Jacken, Taschen und sonstiger Krimskrams braucht somit nicht umhergetragen werden. Mitgebrachte Getränke oder Esswaren dürfen nicht mit in die Spielhalle genommen werden, Getränke können jedoch erworben werden und mit in den Spielraum genommen werden. Ball, Schläger und die 3-D-Brillen sind im Preis inklusive, letztere passen übrigens problemlos über die eventuellen eigenen Sehhilfen. Jede Spielgruppe bekommt ein mobiltelefon-ähnliches Gerät in die Hand gedrückt. Darin werden die Namen der Spielteilnehmer und die jeweiligen Spielergebnisse eingegeben. Für uns total neu, wir kannten noch Zettel und Bleistift. Und so sah unser Ergebnis nach einer Stunde Spielzeit aus – durchaus verbesserungsfähig!

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Auf jeden Fall hatten wir zusammen als Familie etwas unternommen, etwas Neues ausprobiert, dem Corona-Virus getrotzt und uns unter Menschen gewagt und sichtlich Spaß gehabt!

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Bis bald, Gruß Karin

 

Erneutes Golfen

Schrägtonmusik

in Schwäbisch Gmünd – dem Mekka der Guggenmusik.

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Was soll man sich darunter vorstellen? Für diejenigen, die überhaupt nicht wissen, wovon ich schreibe, versuche ich hier eine kleine Erklärung abzugeben:

Ihren Ursprung hat die Guggenmusik 1874 in Basel und ist inzwischen im schwäbisch-alemannischen und schweizerischen Raum nicht mehr wegzudenken. Zur Faschingszeit kostümiert sich eine Gruppe Musiker und spielt laute, schräge, stark rhythmisch unterlegte Musik möglichst in falschen Tönen. Zumindest war dies noch so zu meinen Anfangszeiten des Faschingstrubels. Man hatte das Gefühl, alle spielen irgendwas und irgendwie falsch und trotzdem passte es zusammen. Dieses Jahr nun, nach vielen Jahren Abwesenheit, hatte ich des öfteren das Gefühl, es spielen Musikvereine nach Noten. Wild kostümiert nach einem Thema, auch laut und rhythmisch – aber eben nach erkennbaren Melodien und Liedern. So sollte es eben nicht sein und es nimmt den Reiz der eigentlichen schrägen Töne.

Das 37. internationale Guggenmusiktreffen in der ältesten Stauferstadt brachte trotzdem jede Menge Trubel nach Schwäbisch Gmünd. Die 20 Guggenkapellen mit ihren 800 Musikern aus der Schweiz, Liechtenstein und Deutschland verwandelten die Innenstadt mit ihren Plätzen, Gassen und Gaststätten in ein wahres Tollhaus.

Das traumhafte Wetter brachte Menschen jeder Altergruppe auf die Straße, immer umherziehend mit den Kapellen oder zum auserkorenen Getränke- und Essensstand. Die beliebten aber wenigen Plätze der Straßencafes oder sonstigen Sitzgelegenheiten waren stets belegt, dienten sie doch auch nach stundenlangem Umherziehen zum Durchatmen und Ausruhen.

Wir fanden irgendwann ein Plätzchen in einem kleinen Restaurant, um die typischen Fasnachts-Kutteln mit Bratkartoffeln zu verspeisen, bevor es dann weiter ins Getümmel ging.

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Direkt auf dem Marktplatz beim Rathaus neben dem Narrenhaus war auch noch die Eis-Arena aufgebaut. Eine schöne Atmosphäre, bei schönstem Sonnenschein aber Kälte mit fetziger Musik im Hintergrund, den Eisläufern zuzuschauen, wie sie ihre Runden drehen.

Nach Sonnenuntergang machen die Gruppen dann Stationen in den verschiedensten Kneipen und spielen dann dort vor Ort. Was das für eine Stimmung bringt brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Auch wir wanderten in diesen Stunden viel umher, hatten viel Spaß und Vergnüngen und wir können es jedem nur empfehlen, so etwas einmal erlebt zu haben.

Vielleicht zum 38. Treffen?

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Hella, hella Gamundia!

Hexen, Narren, Gugga, Mariechen,

Wölfe, Füchse, Geister und so manches mehr, gab es letztes Wochenende in Lorch zu bestaunen.

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Welche Freude, nach 19 Jahren Abwesenheit, dieses Spektakel wieder live mitzuerleben. Und wir hatten Spaß, Jogi und ich. Leider konnte ich mich nun bei der Auswahl der Fotos so gar nicht für die schönsten entscheiden. Alle haben was für sich und verdienen es, hier veröffentlicht zu werden, obwohl ich längst nicht alle Akteure abgelichtet habe.

Der Lorcher Narrenbaum, der Ende Januar mit großem Brimborium feierlich aufgestellt wurde, symbolisiert den Start in die 5. Jahreszeit. Gülden geschmückt im Zeichen des diesjährigen Mottos – die goldenen Zwanziger – steht die 12 Meter hohe Birke beim Bäderbrunnen am Rathaus.

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85 Gruppen mit über 2000 Beteiligten liefen dieses Jahr mit. Untergliedert in Hexengruppen, Tanzgarden, Musikkapellen und Einzelfiguren. Bei schönen kalten Temperaturen damit man sich auch wie im Winter fühlt, jedoch bei schönstem Sonnenschein feierten z. T. verkleidete und gutgelaunte Zuschauer den Fasnetzug.

Eine ganz neue Sitte die ich aus früheren Zeiten gar nicht kenne, ist der Raub von Schnürsenkeln. Vornehmlich junge, hübsche, kesse Damen werden von Hexen gewaltsam gepackt und solange festgehalten, bis es gelingt die Schnürsenkel auszufädeln. Oftmals wird dazu am besten gleich der ganze Schuh ausgezogen, um diesen nach dem Erfolgreichen Ausfädeln einige Meter weiter irgendwo hinzuwerfen. Die Trophäen zieren dann die Hexenbesen oder Krückstöcke. Ebenso beliebt scheint das Konfetti- oder Holzwollenbad im Zuber zu sein. Wie Haare und Kleidung danach aussehen, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Zum Glück wurde mein Haupt nur mit Federn benetzt, die waren wesentlich leichter zu entfernen, was ja nun nicht automatisch als Beweis gilt, dass ich jung, hübsch und kess war – nein – ich war nur so unverschämt und hab nach einem Bonbon gebettelt. Wahrscheinlich müsste ich mich noch bedanken, dass ich nicht noch mit Pech übergossen wurde!

Joachim hingegen hat nur nach einem Foto gefragt und bekam als Strafe den Schriftzug HEX auf die Stirn und wohl zum Dank einen Glückskeks. So kanns auch gehn.

Akteure aus nah und fern waren dabei. Aus benachbarten Gemeinden, von der Ostalb, dem Remstal, Stuttgart, Renningen, Pfulligen, dem Schwarzwald. Sogar aus dem 150 km entfernten Trossingen war eine Gruppe angereist. Für so ein rund 11.000 Einwohner zählendes Kleinstädtchen mit all seinen Teilgemeinden, Weilern und Gehöften eine stramme Leistung!

Eine bemerkenswerte Arbeit steckt in den Kostümen und zeigt die Liebe zum Verkleiden, zum Fasching, Karneval, Fasnet, Fastnacht – wie immer ihr die 5. Jahreszeit nennen wollt. Selbst der Reporter zeigte Fantasie!

Tja, und das war es dann auch nach über 3 Stunden Applaudieren, Helau-Rufen, Winken, Schreien, Standortwechsel und Fotographieren.

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Hoffen wir, dass die Saison uns noch einige schöne Momente bescheren wird, warten wir’s ab. Bis dahin,

das (Traum)prinzenpaar Karin & Joachim

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Schwäbisches Weltwunder…

und Wahrzeichen des Südwestrundfunks und der Stadt Stuttgart, außerdem beliebtester Treffpunkt in der Region für das 1. Date –

der Stuttgarter Fernsehturm.

 

Auf dem Hohen Bopser, einer 483 Meter hohen Erhebung auf der Filderebene in Stuttgart, wurde am 5. Februar 1956 der bis dahin weltweit einzigste Fernsehturm nach gerade einmal 20-monatiger Bauzeit eingeweiht. Dies löste eine globale Welle des Turmbaus aus, inzwischen gibt es weltweit hunderte Fernsehtürme. Der Baumeister Fritz Leonhardt (1909-1999) entwarf ebenso die Zeltdachkonstruktion über dem Olympiastadion in München oder auch die Galatabrücke in Istanbul. Um nur einige wenige Highlights seines genialen Schaffens zu erwähnen.

Der 3000 Tonnen schwere Turm hat vom Boden aus eine Gesamthöhe von 217 Metern, das Fundament reicht zusätzlich noch 8 Meter tief in die Erde und hat ein Gewicht von 1,5 Tonnen. Durch den Shopeingang gelangt man zur Kasse. Selbstverständlich, dass Turmmodelle auf allen erdenklichen Waren zu erwerben sind, sei es nun Kleidung, Spielwaren, Geschirr oder sonstigem Schnickschnack. Besonders erwähnenswert finde ich die Äffle und Pferdle Artikel, die einige meiner Leser wohl durch die kurzen Werbefernseheinspielungen im SWR kennen. Ebenso das „Fernsehturmvesperbrettle“ welches als Erinnerung an die frühere Zeit gilt, als in diesem Raum die Hubertusstube untergebracht war. In dieser tafelte die High-Society von Stuttgart, wohin gegen im damals nebenan gelegenen Fernsehturmgrill der Otto Normalverbraucher speiste. Heute befindet sich neben dem Shop das Leonhardts Restaurant mit Gartenwirtschaft und oben im Turm auf 147 Metern Höhe das Panoramacafé.

An der Shopkasse erwirbt man auch das Eintrittsticket, welches man am Drehkreuz entwertet und zu den Aufzügen gelangt. Auch beim Verlassen des Aufzugs muss das Ticket abermals entwertet werden. Die Kasse ist mit dem Drehkreuz verbunden und zählt die Besucher, die sich im Turmkorb befinden. Aus Brandschutzgründen darf die Besucherzahl im Turmkorb nämlich nicht über 320 steigen. In den Jahren 2013-2016 war der Turm geschlossen. Strenge Brandschutzauflagen mussten erfüllt werden, auch ist der Turm seither energetisch auf dem neuesten Stand. Ein besonderes Augenmerk sollte man beim Drehkreuz auf das original klassische Design der 50er Jahre haben, ebenso die original hölzerne Wandverkleidung, den Granitfußboden und die Mosaikwand. Übrigens steht das Foyer und der gesamt Turm, außer die Technik natürlich, unter Denkmalschutz. Auf dem Eintrittsticket findet ihr einen QR-Code zu der kostenlosen Fernsehturm App. Diese beinhaltet u.a. einen Audioguide, worüber man sehr viele Infos bekommt. Auch auf der Website findet ihr weiteres Hintergrundwissen.

Der Aufzug bringt die Besucher dann innerhalb 36 Sekunden zur Aussichtsplattform. Diese liegt, vom Turmfuß aus gemessen, auf 150 Höhenmetern. Bis hinunter zum Schlossplatz befindet man sich sogar auf 393 Meter Höhe. Eine gut abgesicherte Rundumsicht verspricht vor allem bei klarem Wetter eine gigantische Aussicht.

 

Einige Treppenstufen höher gelangt man zur speziellen Kinderplattform. Diese sichert auch den kleinsten einen freien Rundumblick in die Ferne. Der Süddeutsche Rundfunk wählte allerdings den Standort für den Turm nicht der guten Aussicht wegen, sondern weil der Empfang hier besonders weit reicht. Wusstet ihr, dass der Turm auch noch aktiv sendet? Alle SWR Hörprogramme und der Deutschlandhörfunk strahlen von hier aus ab. Außerdem wird hier im Auftrag des Landes Baden-Württemberg sekündlich die Radioaktivität gemessen.

Übrigens ist der Fernsehturm nach dem Standesamt der beliebteste Ort zum Heiraten. Vielleicht möchten viele Paare ihr Glück der 1. Verabredung hier besiegeln und sich wie im 7. Himmel fühlen?

Wir haben uns auf jeden Fall so gefühlt!

Bis bald einmal wieder in luftiger Höhe, eure Karin

Nachtrag im Februar 2021:

Zum 65. Geburtstag am 05.02.2021 erschien in der Gmünder Tagespost folgender Artikel:

Ticke tack in Schwäbisch Gmünd

Vorletzte Woche führte uns unser Sonntagsausflug nach Schwäbisch Gmünd ins denkmalgeschützte, ehemalige Bifora Fabrikgebäude, indem heute u. a. auch das  Bifora Uhren Museum untergebracht ist.

2009 wurde der Bifora Freundeskreis e.V. gegründet. Die treuen Freunde des heimischen schwäbischen Werks wollten die Industriegeschichte der einst bedeutendsten Spezialfabrik für Armbanduhren dokumentieren und archivieren und an Hand von Exponaten der Öffentlichkeit zugänglich machen. So entstand das Museum. Immer wieder finden zu bestimmten Themen Ausstellungen statt, auch wurden die letzten Jahre Sonderuhren zu namhaften großen Veranstaltungen der Stadt herausgegeben, so z. B. 2010 die Salvator Spenderuhr, 2012 Stauferuhr, 2015 Schwäbisch Gmünder Uhr u.v.a.

  

1928 wurde in Schwäbisch Gmünd vom Firmeninhaber Josef Bidlingmaier (1870-1967) das erste in Deutschland konstruierte und gefertigte Uhrwerk Kaliber 2025 auf den Markt gebracht. Die interessante Biographie des Unternehmers mit den Anfängen in der Gold- und Silberbranche als gelernter Goldschmied, Auslandsaufenthalten in der Schweiz und Amerika und der Rückkehr in die Heimat mit dem Beginn des Bijouteriegeschäfts bis zum Großunternehmer im Uhrensektor findet ihr ebenfalls auf der Website. Auch die Zeit bis zur Konkursanmeldung im Jahr 1977, dem Verkauf an einen indischen Kaufmann und dem Einstellen der Fertigung in Schwäbisch Gmünd im Jahr 1984 wird dort dokumentiert.

Im Museum selbst wird das Thema von den Anfängen der verschiedensten Uhren, Sonnenuhr, Kerzenuhr, Sanduhr, Taschenuhren bis zu den modernsten Armbanduhren der jeweiligen Zeit behandelt.

Maschinen, Arbeitsplätze, Fotos und Werbemaßnahmen der Schaffensphasen werden ebenso ausgestellt wie die verschiedensten Neuheiten an Entwicklungen.

Sehr beeindruckend, was der Verein dort auf die Beine gestellt hat. Alles ehrenamtlich aus Liebe zur Uhr, die in der schwäbischen Heimat entstand.

Besucht das Museum. Der Eintritt ist kostenlos, natürlich freut man sich zum Unterhalt der Räume über eine Spende. Die aktuellen Öffnungszeiten am besten direkt auf der Website nachlesen, momentan mittwochs und sonntags von 14.00 – 17.00 Uhr.

Bis dahin, macht es wie die Sonnenuhr, zählt die heiteren Stunden nur,

eure Karin

Es wird Zeit…

dass ich mich aus meiner Versenkung melde. Nachdem ich mich nach meinem Sushi-Rollkurs über drei Wochen mit einem grippalen Infekt herumgeschlagen habe, die Advents- und Weihnachtsvorbereitungen mehr schlecht als recht bewältigt habe, konnten wir dann zusammen mit unserem angereisten Sohn die Weihnachtsfeiertage bei uns zu Hause, bei meiner Schwester und bei meinem Bruder feiern.

Den Jahreswechsel ließen wir wie immer völlig unspektakulär mit einem guten Film auf unserem Sofa, etwas Böllerwerk auf der Terrasse und einer Flasche Sekt an uns vorbei ziehen.

Meinen Geburtstag jedoch feierte ich in fröhlicher und geselliger Runde. Nachmittags bereits mit Kaffee und Kuchen, am Abend dann mit Semmelknödel und Szegediner Gulasch und allerlei Flüssigem. Leider merkte ich im Laufe des Tages, dass ich erneut von Erkältungssymptomen heimgesucht wurde, deshalb nur halbherzig gemachte Fotos.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch seitdem geht es wieder aufwärts. Jogi und mich machten nun sonntags auch wieder Unternehmungen, doch dazu demnächst mehr.

Bleibt gesund und munter, hoffen wir, dass die Unruhen und Naturkatastrophen, die derzeit den Erdball heimsuchen, an uns vorüberziehen.

Eure Karin

Nori, Wasabi, Maki, Nigiri & Co.

Den Kennern der fernöstlichen Küche dürften diese Begriffe sofort geläufig sein. Allen anderen darf ich erklären, dass diese Ausdrücke mit der Herstellung oder dem Verzehr von Sushi in Verbindung gebracht werden.

Bei der hiesigen Volkshochschule hatte ich letzte Woche einen Kurs belegt, in dem Anfänger lernen konnten, Sushis zu rollen. Natürlich nur die einfachste Art, alles andere würde den Rahmen sprengen.

Durch meine langjährigen Auslandsaufenthalte durfte ich die leckere japanische Köstlichkeit kennen und lieben lernen. Hier in Deutschland war ich bisweilen noch nie Sushi essen, hatte somit noch keine Vergleichsmöglichkeit. Da ich kurz vor unserem Umzug noch mit einem Arbeits- und Essset zur Herstellung und dem Verzehr der Rollen beschenkt wurde, werde ich dies in naher Zukunft auf jeden Fall zu Hause einmal selbst probieren.

Unsere Dozentin Pakwipa – waschechte Thailänderin – worüber ich natürlich innerlich lächeln musste,  führte uns geduldig, exakt erklärend, spritzig, witzig durch die 4 Stunden. Die 10 Teilnehmer in allen Altersschichten waren aufmerksame Zuhörer, konzentrierte Nachahmer und ebenso immer für ein Späßchen nebenher bereit. Kurz und bündig zusammengefasst – eine super Truppe und ich hatte einen Megaspaß!  An einer langen Tafel saßen wir uns dann gegenüber, ein jeder vor seiner Sushi-Matte nebst Wasserschale, Schneidbrett und einem empfehlenswerten superscharfen Messer. Letzteres war in der Schulküche leider nicht unbedingt vorhanden, deshalb sahen einige Exemplare leicht zerzaust aus, obwohl sie bestimmt sehr gut gerollt waren. Nebst fertig gegartem Sushi-Reis und vorgekochten Shiitakipilzen wurden von uns im Vorfeld noch Karotten, Avocados, Gurken, Lauch, Omelett, Lachs und Thunfisch selbst geschnippelt. Frische Kräuter, Surimi, Garnelen und Tofu standen ebenso zur Auswahl. Letzteres blieb den ganzen Abend eingepackt auf dem Tisch, bei der Fülle des Angebots wollte keiner die vegetarische Variante ausprobieren. Ganze und halbe Noriblätter (Algenblätter) durften natürlich auch nicht fehlen, der anzurühende Wasabi trieb mir wie auf Knopfdruck brennende Tränen in die Augen. Letztendlich wurde alles auf dem Tisch verteilt, ein jeder nahm seinen Platz ein und endlich konnte begonnen werden.

Kurz beschrieben gibt es viele verschiedene Sorten von Sushi, jedoch unterscheidet man zwei Grundarten: Maki, bei dem Reis mit Gemüse und Fisch mit einem Noriblatt eingewickelt wird und Nigiri, bei dem der Fisch lose auf dem Reis liegt.

Traditionell verwendet man in Japan typischerweise rohen Lachs, Thunfisch, Aal, Tofu, Omelett, eingelegten Rettich, Karotten und Gurken. Durch den amerikanischen Einschlag kamen noch Avocado, Frischkäse, Fleisch und Mayonnaise hinzu.

Angefangen wurde mit einem Hoso-Maki, einer dünnen Rolle. Auf ein halbes Noriblatt wird ein dünnes Reisbett gelegt und durch vielfaches sanftes und kontrolliertes tupfen, tupfen und abermaligem tupfen komprimiert und verklebt. Eine Spur von Wasabi, japanischem Meerrettich, kann in einer Linie auf dem Reis verteilt werden oder später zum Dippen mit in die Sojasauce gerührt werden. Beim Dippen soll übrigens nur das Noriblatt eingetaucht werden, sonst saugt der Reis die Würze auf und verfälscht den Geschmack des Kunstwerkes. Nun wird auf diese Spur 1 bis höchstens 2 Zutaten gelegt, mit dem besonderen Dreh und Kniff, den wir nun gelernt hatten, zusammengerollt und geschnitten.

Die Futo-Maki, die dicke Rolle, hat das gleiche Prinzip. Jedoch wird ein ganzes Noriblatt verwendet und mit 3 bis 5 Zutaten gefüllt und gerollt.

Die Ura-Maki ist die umgedrehte Variante, auch California-Rolle oder Inside-Out genannt. Und wie der Name schon erahnen lässt, war ein japanischer Einwanderer aus den USA der Erfinder. Hier befindet sich das Noriblatt innen, direkt um Gemüse oder Fisch und der Reis außen, umrahmt von Sesam oder Fischeiern. Hier empfiehlt es sich, zwei weitere Hände zur Hilfestellung um sich zu haben. Ich kann nur sagen: Danke an meinen Sitznachbarn! Die nicht sofort verzehrten Sushi wurden postwendend in die mitgebrachten Behälter verstaut und schon konnte weitergemacht werden.

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Unter Nigiri versteht man eine kleine längliche von Hand gepresste ovale Reisform, belegt mit Fisch. Um das Gebilde kann ein winziger Streifen Algenblatt gebunden werden oder mit Omelettstreifen oder Kräutern dekoriert werden. Jedoch wird beim Essen nur der Fisch in die Sojasauce gedippt, da der Reis sonst zerbrechen würde.

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Te-Maki, sind Sushi in Form kleiner spitzer Tüten. Ohne Bambusmatte, nur von Hand geformt und mit Reis, Gemüse und Fisch gefüllt werden. Dazu reichte dann meine Lust und Ruhe nicht mehr aus. Das viele Probieren meiner unterschiedlichen Leckerbissen raubte mir den Appetit auf weiteres.

Wir waren jedoch auch mit unserer Lehreinheit durch, der Abend war vorbei. Es wurde abgeräumt, gespült und aufgeräumt.
Während der einzelnen Arbeitsschritte wurde von jedem Teilnehmer ein Schaustück auf eine Platte gelegt und so sah diese am Ende des Abends aus.

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Leider vergaß ich mein Handy im Auto und somit ließ sich mein Sitznachbar Max von mir bequatschen, Fotos zu machen. Hiermit danke ich ihm nochmals recht herzlich für die Mühe, musste er zwischendurch doch immer wieder die Hände abwaschen um fotografieren zu können.

Am nächsten Morgen drapierte ich meine Leckerbissen auf eine Platte und lud den Gatten zum Sushi Frühstück ein. Zum Glück hatte ich daran gedacht, angerührten Wasabi mitzunehmen. Sojasauce befindet sich meist bei uns im Kühlschrank und liebenswerterweise rebellierte der liebe Jogi überhaupt nicht, ein für unseren Gaumen doch sehr außergewöhnliches Frühstück einzunehmen. Sobald ich mit dem Auspacken der Umzugskartons fertig bin und etwas Luft geholt habe, werde ich eine lange Einkaufsliste schreiben und einfach mal probieren, ob auch bei uns im Schwabenland die Sonne aufgehen kann 🙂 .

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Shokuyoku,

Gruß Karin

 

 

 

Remsursprung

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Eher durch Zufall kam ich nun doch schneller als gedacht an diesen Platz auf der Schwäbischen Alb. Zwischen Lauterburg und Essingen gelegen, in einem engen Tal mitten im Wald, jedoch sehr gut ausgeschildert mit Parkmöglichkeiten in direkter Nähe des Skiliftes Hirtenteich. Hier entspringt die Rems. Eigentlich ein völlig unspektakuläres winziges Rinnsal, das sich seinen Weg an diesem tristen, nebligen und verregneten Novembersonntag zwischen den Felsen hinaus in die Freiheit sucht. Völlig klar, dass dies zu einem anderen Zeitpunkt auch gewaltiger sein kann. Wenige Meter abwärts bereits als 1 Meter breiter Bach sichtbar, der sich unter einer Brücke hindurch auf seinen Weg Richtung Essingen macht. Übringes eine von 135 Brücken, die die Rems bis zum Eintritt in den Neckar passiert.

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Eine ältere Infotafel gibt weiter Auskunft:

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Der Austritt der Rems wird umringt von drei mächtigen Steinen, auf denen jeweils ein Gesicht eingemeißelt ist. Zeitungsrecherchen zufolge stammen diese vom 75-jährigen Hobbysteinmetz Fritz Sauter aus Essingen.

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Es handelt sich um drei Quellwächter, die mit einer liebreizenden Geschichte verbunden sind. Doch lest die rührende Sage bitte selbst:

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Sitzmöglichkeiten und weitere Infotafeln runden den angelegten Platz ab. U. a. liest man diese sehr interessante Informationen:

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Alles vorbei, alles Geschichte. So bleibt die Rems sensibler Lebensraum für allerlei Getier – ob winzig oder größer. Auf jeden Fall ist sämtliches Gewässer schützenswert. Und ich denke, wäre die Remstalgartenschau nicht gewesen, dann wäre die Rems nicht neu vermessen worden, dann wäre der Ursprung nicht besonders hervorgehoben und markiert worden. Das damit verbundene Wandernetz nicht neu ausgebaut worden, die Bevölkerung nicht expliziet darauf aufmerksam gemacht worden und unsere Sensibiliät auf das Thema Rems nicht geweckt worden.

So hat doch immer irgendwann alles einen Sinn.

Gruß Karin

 

 

Remsmittelpunkt

Die Rems ist ein Fluss in Baden-Württemberg. Sie hat Ihren Ursprung ganz in der Nähe von Essingen bei Aalen im Ostalbkreis und mündet dann nach 78 km bei Neckarrems, Kreis Ludwigsburg, in den Neckar.

Soviel ganz kurz zur Vorgeschichte.

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Im Zuge der Remstal Gartenschau 2019 wurde die Rems neu vermessen und dem geographischen Remsmittelpunkt sollte ein Denkmal gesetzt werden. Erfreulicherweise liegt diese Mitte zwischen Quelle und Mündung in einem Teilort von Lorch, namens Waldhausen.

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Diesen schön angelegten Platz haben wir uns endlich einmal angesehen. Zum Plantschen im Wasser war es inzwischen natürlich zu kalt, jedoch bieten sich im Sommer viele Möglichkeiten, direkt am Ufer die Füße ins fließende Nass zu halten. Entlang der Uferböschung befinden sich mehrere Sitzgelegenheiten, etwas oberhalb kann entlang des Radwegs direkt am Kinderspielplatz eine Rast eingelegt werden. Nicht zu vergessen der markante Stein, der direkt auf dem Remsmittelpunkt thront, umringt von einem Steinring.

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Parkmöglichkeiten ergeben sich entweder bei der Remstalhalle in Waldhausen oder direkt am Parkplatz des Waldhäuser Baggersees. Über eine Brücke mit malerischem Herbstblick auf den Monolith gelangt man dann zu dem Platz. Radwege entlang der Rems vervollständigen den Freizeitwert.

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Blick von der Fußgängerbrücke auf den Mittelpunkt

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Und weiter geht der Flußlauf Richtung Neckar

Das war´s auch schon.

Im Sommer werden wir uns diesen Platz auf jeden Fall nochmals anschauen und im angrenzenden Baggersee Baden gehen. Doch zuvor können wir unsere Füße schon im Götzenbach, direkt an unserer Grundstücksgrenze, baden. Dieser Bach fließt dann wie viele andere auch, in die Rems, diese in den Neckar, der wiederrum in den Rhein und dieser schließlich in die Nordsee.

Da haben wir sie wieder! Meine Liebe zur Nordsee. Ist doch witzig! Irgendwie hängt eben einfach alles zusammen.

Immer schön im Fluss bleiben, Gruß Karin

Kürbis, Kunst & Kreativität im Kloster Lorch

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Nach kühlen und regenreichen Tagen besuchte ich letzten Sonntag bei strahlendstem Sonnenscheinwetter auf dem Areal des Klosters Lorch das Kürbisfest, zugleich auch als Kunst- und Kreativmarkt angekündigt. 30 Minuten nach Eröffnung der Veranstaltung musste ich mich bereits in eine lange Schlange der Wartenden einreihen, bis auch ich meinen Eintrittspreis von 4 Euro entlohnen durfte und mich in die herbstlich anmutende Dekorationsstimmung fluten ließ. Bis zum Kauf des einen oder anderen Kürbisses, suchte sich jedoch bereits ein kleines Rinnsal den Weg am Rücken entlang, so abnormal warm war es am späten Vormittag bereits.

Die vielen Besucher verteilten sich dieses Mal sehr gut, denn es waren im Vergleich zum Staufermarkt bestimmt nur ein Drittel von Schaustellern und Verkäufern anwesend, trotzdem war es eine gute Mischung. Da gab es Wärmendes aus Lamawolle, Seifen, Cremes und Lotionen, Schmuck, Windspiele und allerlei Dekorierendes, Gestricktes und Gehäkeltes, Hüte, Mützen und Schals, Spirituosen, Hart- und Dosenwurst, Bürsten aller Art und kunsthandwerkliche Erzeugnisse aus Fremden Landen. Workshops zum Kürbisschnitzen, Anfertigung von Blumendekorationen in Verbindung mit Kürbissen und die Schmuckherstellung aus gebogenem Draht ließ Groß und Klein verweilen und vor Eifer und Stolz erröten.

Stündlich fanden Führungen durch den Klostergarten und die Kirche statt, auch für die beliebten Greifvogelflugschauen, die zweimal während der Veranstaltung stattfanden, konnten Eintritttickets erworben werden. Eine Liveband spielte rockige flotte Musik und somit konnten gefüllte Waffeln, Pommes, Grillwurst oder Salzkuchen frohen Mutes und mit wippendem Bein verzehrt werden. Beim anschließenden, abermals zu bezahlendem, Toilettengang waren dann verständlicherweise wieder einige Besucher verärgert. Der Blick hinab in die schöne Landschaft ließ einen wieder friedlich stimmen und nachdem ich in der kühlen Kirche den Proben eines Chores lauschte und vollends seelig und ruhig in mir ruhte, genehmigte ich mir noch im wärmenden Sonnenschein Kaffee und Kuchen und machte mich wieder auf den Heimweg.

Schöne ruhige Stunden verbrachte ich dort oben wieder, auch wenn die Preiskalkulationen wieder einen faden Nachgeschmack hinterließen. Im nächsten Jahr werde ich dann entscheiden, ob ich Events dieser Art weiterhin besuchen werde.

Doch zunächst geht es nach Hause um unser frisch eingetroffenes Umzugsgut auszupacken und zu verstauen.

Bis zum nächsten Mal,

Gruß Karin

 

Staufermarkt im Kloster Lorch

Seit vielen Jahren im städtischen Veranstaltungskalender ein fester Termin, für mich ein absolutes Neuland, denn zu diesem Zeitpunkt war ich entweder bereits in Aufbruchstimmung oder schon lange wieder aus D abgereist. Bei schönster Wetterlage machte ich mich auf den Weg ins Kloster, um den historischen Markt mit Lagerleben rund um das Klostergelände zu erleben. Da ich weder die Berechtigung zum ermäßigten Eintritt habe, noch gewandet war oder meine Größe unter Schwertmaß ist und auch nicht im Familienverband auftrat, musste ich leider den vollen Eintrittspreis von 8 Euro berappen, was ich definitiv zu hoch fand. Zu normalen Zeiten beläuft sich die Gebühr auf 5 Euro. Selbst für die leidige Notdurft musste noch extra bezahlt werden worüber ich dann vollends sprachlos war.

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Früh am Morgen war es zunächst noch recht still, ich konnte in aller Ruhe von Stand zu Stand gehen und alles betrachten. Die einzelnen Exponate durfte ich z. T. nicht fotographieren, die Standbetreiber fürchteten die Nachahmer.

Besonders das frühere Wachhäuschen der Klosteranlage „Luginsland“, welches im Zuge der Remstalgartenschau 2019 von 53 Frauen und 2 Männern mit einer Häkelhülle aus weißem wetterfestem Nylongarn verhüllt wurde, stach ins Auge. Etwa 114 Kilometer Garn soll verarbeitet worden sein und der Häkelarbeit somit ein Gewicht von 600 kg geben.

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Um die schöne Aussicht mit Fernblick genießen zu können, schreckten mich auch die 110 Stufen im Glockenturm der Klosterkirche nicht ab.

Im Laufe des Mittags nahm die Besucherschar zu. Lange Warteschlangen bildeten sich an Ess- und Getränkestationen, doch irgendwann bekam auch ich in Darm gepresstes Fleisch und einen Humpen vom Gerstensaft. Etwas irritiert war ich dann doch, als ich mich wiederrum wie im Orient fühlte. Kamelreiten, Bauchtanz und Trillerrufe hatte ich nun nicht unbedingt in meiner schwäbische Heimat erwartet, aber die Zeit der Kreuzzüge und Reisen ins Heilige Land brachten dies natürlich mit sich.

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Geschäftiges Markttreiben mit Handwerk aller Zünfte, Musik und Gauklerleben wurde dargestellt. Das rauchige Feuer der Schmiede vermischte sich mit den Aromen von Seifen, Blumen und Essensdüften. Alles mögliche konnte erworben werden, angefangen von der mittelalterlichen Bekleidung, Schmuck, Lederartikel, Gerätschaften, Blumengebinde, Geschirr, Seile, Borten, Wolle, Gestricktes und Gewobenes, Seifen, Bürsten und so manches mehr.

Zur Mittagszeit zogen die Lagerleute in einem schönen bunten Umzug auf das Gelände.

Für die Greifvogelflugschau in der Falknerei war ich bereits zu spät dran und auf eine Besichtigung des weitläufigen Lagerareals hatte ich keine Lust mehr und machte mich somit auf den Heimweg.

Der nächste Event auf dem Klostergelände ist bereits vermerkt,

gehabt euch wohl!

Karin

Schottland…

das Land der Dudelsäcke, Kilts, Burgen und Schlösser, Schafen, Highlands, Whiskey, Haggis, Harris-Tweed, Lochs…. und sehr viel Regen!

Genau von letzterem bekamen wir während unserer 14-tägigen Schottlandreise mehr als nötig ab. An einem Tag totaler Sonnenschein, an drei anderen Tagen trocken jedoch bewölkt, die restliche Zeit meinte Petrus wohl, wir hätten zuvor in der Wüste vegetiert.  Oftmals hatten wir schon gar keine Lust mehr irgendwo anzuhalten und uns etwas anzuschauen, denn auf etwas Sonne oder Trockenheit folgte unverhofft das Nass. Außdem verhält es sich mit Burgen, Schlössern und den vielen Seen genauso, wie wenn man in Asien die verschiedensten Tempel besichtigt. Irgendwann sieht alles gleich aus.

Nichtsdestotrotz hab ich meine Männer wohl bald in den Wahnsinn getrieben, wenn nach einer Wegbiegung nochmals angehalten oder zurückgefahren werden musste, da ich dieses ach so tolle Panorama ja unbedingt festhalten wollte.

Die Highlands waren allerdings auch wirklich ein Augenschmaus, und ein Loch (See) gleicht nun nicht unbedingt dem anderen, und jede Burg und jedes Schloss besitzt seinen eigenen Reiz. Ihr seht – meine Eindrücke sind sehr widersprüchlich. Tatsächlich haben wir nicht viele Örtlichkeiten von innen besichtigt, die Eintrittspreise summieren sich mit der Zeit gewaltig! So z. B. Loch Ness. Der See sieht aus wie jeder andere. Ob die hohen Gebühren aufgrund der Burgruinenbesichtigung zustandekommen bleibt fraglich. Tatsächlich war der Parkplatz gerammelt voll, 50 % Asiaten und alle stürmten zum Eingang. Die Uralt-Saga um das Monster muss wohl extra bezahlt werden, wenn es sich wohl auch nicht blicken lässt. Neuesten See-DNA-Proben zufolge, soll es sich um aller Wahrscheinlichkeit nach um einen oder mehrere riesige Aale handeln. Somit fotografierten wir nur über die Mauer und machten uns wieder von Dannen.

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Begonnen hatten wir unsere Reise in Glasgow, wo Sohnemann auch studierte. Eine Stadtrundfahrt mit dem inzwischen beliebten „Hop-on Hop-off“ Bus verschaffte uns in der Kürze der Zeit einen guten Überblick.

An verschiedenen Stationen stiegen wir aus und besichtigten die für uns interessanten Orte oder einfach nur, weil wir etwas in der Gegend verweilen wollten. Abends trafen wir uns zweimal mit Kommilitonen von Jan in einem Pub und desweiteren probierte ich das schottische Nationalgericht Haggis. Herz, Leber, Lunge und Fett vom Schaf werden zusammen mit Hafermehl, Zwiebeln und Pfeffer vermengt und durchgetrieben. Die Masse wird anschließend in einen Schafsmagen gefüllt und gekocht. Zusammen mit Steckrüben- und Kartoffelstampf an Whiskeysoße zeitgemäß angerichtet serviert, wie man im obigen Eingangsfoto erkennen kann. Gegessen haben wir im Ardnamurchan Restaurant in der Hope Street in Glasgow, Tischreservierung empfehlenswert! Ich bin hin und weg von dieser Spezialität, kann es nur empfehlen und Haggis reiht sich somit zu Labskaus und Frankfurter Grünen Soße :-).

Mit dem Leihwagen ging es dann durchs Land, wo wir viel Wasser und grüne Natur erleben durften. Highland Rinder, Schafe, Loch Lomond und viele weitere Seen und das Eileen Donan Castle, welches z. B. als Filmkulisse für  „Highlander“ oder den James Bond „The world is not enough“ diente, waren weitere Stationen auf unserer Tour.

Desweiteren bestaunten wir auf der Isle of Skye die Felsformation Old Man of Storr, das Dunvegan Castle, den Aussichtspunkt am Kilt Rock, auch sammelten wir sehr positive erste Erfahrungen mit Übernachtungen in einem Hostel, wo wir uns sehr aufgehoben und heimisch gefühlt hatten. Vielen Dank an das Team des Dun Flodigarry Backpackers Hostel!

Als besonders buntes und malerisches Städtchen entdeckten wir Portree, ebenso auf der Isle of Skye gelegen. Und immer wieder Wasser, Berge oder blühende Heidelandschaften. Und wie könnte es sein, wunderschöne, geheimnisvolle und fliedliche Friedhöfe und kunstvoll gestaltete Kreisverkehranlagen.

Ein weiteres Highlight unseres Urlaubes war das Glenfinnan Viadukt mitsamt dem Jacobite Steam Train, dem Glenfinnan Monument und dem Loch Shiel. Dies wird vielen unter euch nun so gar nichts sagen, wohl eher Hogwarts Express oder Harry Potter Zug und Hogwarts See. Wir hatten totales Glück, dass der Zug während unserem Besuch vorbeidampfte. Mit hunderten von Besuchern bestaunten wir hoch oben auf einem Hügel das Schauspiel. Auch die Glennfinnan Kirche war eine Augenweide.

Zum Schluss unserer Reise gelangten wir nach Edinburgh. Es war ein wunderschöner sonniger Sommertag, es schien als sei die halbe Stadt auf den Beinen. Festivals, Livemusik, die abenteuerlichsten Haarfarben und Outfits bekamen wir zu sehen. Allgemein viel uns auf, die Herrschaften hier im Land scheinen keinerlei Hemmungen vor Alter, Figur oder Wetter zu haben. Traut man sich im augenscheinlichen Alter um die 70 mit wildabstehenden Haaren in allen Regenbogenfarben, kürzesten Minis und engsten Stretchkleidern wie ein Michelinmännchen oder bei kaltem regnerischen und windigem Wetter ärmel- und beinlos auf die Straße. Und dass wir im Zeitalter einer diversen Geschlechterzugehörigeit angelangt sind, zeigt sich hier ganz deutlich.

Auf jeden Fall waren die Aussichten aus dem Riesenrad oder dem „Hop-on Hop-off“ Bus nicht nur auf die architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt beschränkt.

Das war unser Kurztrip durch Schottland. Vieles habe ich nicht erwähnt oder gezeigt, das hätte die Speicherkapazität meines Blogs gesprengt. Geplant und sämtliche Übernachtungsziele ob nun Hotel, Hostel oder private Unterkünfte hatten wir alle monatelang im voraus gebucht, da während der Hauptsaison auf die Schnelle nichts mehr zu bekommen ist oder utopische Preisvorstellungen herrschen. Somit hatte man ein Tagespensum mit dem Auto zu bewältigen, was aufgrund des Linksverkehrs, der Wetterlage oder der meist engen oder nur einspurig zu befahrenden Straßen mit hohem Zeitaufwand verbunden ist. Dies artet dann allzuoft in Stress aus, auch das fast tagtägliche ein- und auspacken der Koffer und der Verpflegung ist nicht unbedingt entspannend. Auf jeden Fall haben wir einiges von diesem schönen Land gesehen und auch gehört, brauchten wir doch einige Tage, bis wir uns an den Dialekt der heutigen Kaledonier gewöhnten.

Diese waren in der Antike ein Volk, die sich im östlichen Teil des heutigen Schottlands ansiedelten. Sie führten in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten mehrere Kriege gegen die Römer. Ihr Territorium wurde von den Römern als Kaledonien (lat. Caledonia) bezeichnet. Quelle Wikipedia

 

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Cheers – tschüss und danke, Karin

Venedig des Nordens –

bezeichnet man im Allgemeinen ja viele Städte, die mit Wasser und Brücken in Verbindung gebracht werden. In meinem speziellen Fall heute meine ich Amsterdam.

Nachdem Sohnemann sein Masterstudium in Schottland beendet hatte, besuchten Jogi und ich ihn im August und reisten durch das rauhe, landschaftlich beeindruckende Land. Vorher legten wir jedoch einen kurzen Zwischenstop im Land der Tulpen ein.

1 Amsterdam Klompen

Klompen zu groß?

Zuallererst viel mir auf, mit welcher Freundlichkeit und Hilfbereitschaft ich konfrontiert wurde – und mit hunderten von Fahrrädern! Nachdem wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kreuz und quer durch die Stadt fuhren und auch viel zu Fuß unterwegs waren, war ich nach kurzer Zeit völlig überfordert mit den hunderten von Touristen und ebensovielen Drahteseln, galt es doch stets, das jeweilige Vorfahrtsrecht zu gewähren.  Ich kam mir sprichwörtlich wie der Bauer in der Stadt vor! Schlussendlich verfrachtete mich Jogi in eines der zahlreichen Grachten-Boote, wo man viele Sehenswürdigkeiten bequem vom Wasser aus bestaunen kann. Das gefiel mir!

Doch auch zu Fuß wurde so allerhand entdeckt – mehr möchte ich dazu nicht erwähnen, war es doch sehr befremdlich für mich, mit diesem Thema in so zahlreicher Form in aller Öffentlichkeit damit konfrontiert zu werden.

Auch sonst erblickte mein Auge viel Erfreuliches, das niederländische Schriftbild hatte es mir besonders angetan. Da die Fahrräder sonst an allen möglichen Orten abgestellt werden, trifft man hin und wieder auf die schönsten Verbotsschilder.

Beim Schlendern durch die Stadt stechen die architektonischen Auffälligkeiten ins Auge.

Für einen Besuch der zahlreichen Museen im Museumsquartier hätten wir online vorab Karten bestellen müssen, an diesem Tag waren leider alle Tickets ausverkauft. Doch auch der Besuch auf dem Areal mit schönen Ausblicken und Livemusik war lohnenswert.

Das war es auch schon. Sicherlich immer wieder eine Reise wert, hätte man mehr Zeit und könnte man im Einzelnen ausgiebig etwas anschauen. Die Stadt selbst für meinen Geschmack viel zu überlaufen, interessant wäre sicherlich auch das Hinterland oder andere Städte in den Niederlanden. Für uns ging die Reise weiter nach Glasgow, unserem eigentlichen Ziel.

Doei, doei – Karin

 

Unser Abschiedsgeschenk…

an den Libanon…

der für uns seit 2002 Gastgeber, Zuhause und Arbeitgeber zugleich war. Auch wenn wir zwischendurch drei Jahre in Jordanien waren, der Brötchengeber blieb derselbe und Joachim reiste nach wie vor oft hierher zurück. Der Libanon, der uns mit Krieg und Evakuierung konfrontierte, viele Nerven und Reibereien gekostet hat, Leid zugefügt hat, wir oft mit Ignoranz, mangelndem Verständnis und fehlender Akzeptanz zu kämpfen hatten und doch hat uns dieses Land auf eine Art verzaubert, dass man fast nicht davon los kommt. Die überwältigende Natur, die Schönheit des Landes, die ursprüngliche Art und Weise der Bevölkerung, anderen Mitmenschen gegenüber zu treten, die Gastfreundschaft, der Familienzusammenhalt, die Bedeutung von Freundschaft, die Gelassenheit, die Lebensfreude und die Liebe zu Essen, Musik und Tanz – wird uns wohl ewig in Erinnerung bleiben!

Doch ich schreibe „fast“ nicht davon loskommt. Nun haben wir es getan.

Und als kleines Dankeschön und um klein wenig zurückzugeben an dieses Land der weißen Gipfel (von den weißen schneebedeckten Gipfeln leitet sich übrigens der Name Libanon ab) haben wir eine Patenschaft für eine Zeder übernommen.

Aus der Website des Shouf Biospären Reservat herauskopiert:

Wer Bäume pflanzt, liebt andere außer sich.“ 
Thomas Fuller (1654-1734). 

Das Cedars Forever-Programm wurde entwickelt, um die Kontinuität der Zeder – einer vom Aussterben bedrohten Art – zu gewährleisten. Um die Berge des Libanon wieder zu neuem Glanz zu verhelfen, plant Cedars Forever, zunächst Bäume im Libanon zu pflanzen, und zwar in Barouk, einem Wald, der einen Großteil des Naturschutzgebiets Shouf ausmacht. 
In einem ersten Schritt plant Cedars Forever, über einen Zeitraum von 10 Jahren Hunderttausende von Zedernbäumen auf einer vollständig abgeholzten Fläche von 14 Millionen Quadratmetern zu pflanzen. In Zukunft hofft sie auf andere Gebiete im Libanon zu expandieren.
Einzelpersonen und Organisationen, die einen Beitrag zum Programm leisten möchten, können dies durch die Annahme einer Zeder tun. Für 150 USD wird eine Zeder gepflanzt, die den Namen der Person trägt, die sie adoptiert hat, sowie eine Seriennummer.

Während unseres letzten Besuchs im Reservat regelten wir die Patenschaft

und zwei Tage später bekamen wir schon das Ergebnis präsentiert.

Möge dieses kleine Pflänzchen wachsen, gedeihen und sich vermehren und zusammen mit seinen tausenden von Geschwistern Sauerstoff für die kommenden Generationen liefern und als ein kleines Symbol für unser Dasein fungieren.

Von Zeit zu Zeit werden wir über die Website ein Foto anfordern, das über die Entwicklung unseres Pflänzchens Auskunft geben wird.

Bis dahin, ich werde berichten, liebe Grüsse eure Familie Zeitler

 

Aller guten Dinge sind 13!

Und damit sind in meinem speziellen Fall meine getätigten Umzüge in meinem bisherigen Leben gemeint!

Endlich nun war es soweit!

Nachdem ich Mitte Januar abermals anfing, unseren Hausrat zu sichten und diesen bestimmt um ein Drittel dezimiert habe, wird der Rest nun demnächst in unser Domizil nach Deutschland verschifft. Toaster, Waffeleisen, Mikrowelle, Kaffeemaschine, Fernseher, Lampen, Schränkchen, Heimfahrrad, Musikanlagen, Sessel, Tischchen, Leiter, Schreibtisch nebst Rollcontainer und Stuhl, Tischgrill, Digitalkamera, Matratze und Lattenrost, Flohmarktware und so manches mehr wurde von mir gereinigt, verkauft oder verschenkt, Joachim hatte schon Angst, dass ich ihm das Bett unterm Allerwertesten verkaufe, doch dazu bestand überhaupt keine Bange, denn dies gehörte zum Inventar der angemieteten Wohnung.

Nachdem sämtliche Lebensmittel so gut es ging aufgebraucht waren, nahezu sämtliche Textilien gewaschen oder gereinigt in den Schränken verstaut waren, kam gestern der Umzugsunternehmer. Innerhalb 5 Stunden war unser Hab und Gut gepackt und verladen.

Die 69 Packstücke gingen problemlos in den Container und dieser kommt hoffentlich reibungslos durch den Zoll, damit dieser auf dem Schiff durch die Meere schippern kann und Mitte September hoffentlich unbeschädigt in unserem Heim in Deutschland ankommt.

Wir sind derweil in Broummana im Hotel, Joachim arbeitet noch die letzten Tage, bevor es dann am 31. Juli auch für uns, erneut, heißt: yalla… bye!

Karin & Joachim

Der Baum Gottes, Teil 2

Der Baum Gottes, Teil 1

Die Neigungen des Herzens sind geteilt wie die Äste einer Zeder. Verliert der Baum einen starken Ast, so wird er leiden, aber er stirbt nicht. Er wird all seine Lebenskraft in den nächsten Ast fließen lassen, auf dass dieser wachse und die Lücke ausfülle.                           Khalil Gibran *06.01.1883  † 10.04.1931

So, meine Lieben, nun ist es nicht mehr Frühjahr sondern mitten im Sommer, aber wir haben diesen letzen Abschiedsbesuch noch gemeistert und es hat sich wirklich gelohnt! Auch wenn hunderte von Touristen und Besuchern in unzähligen Reisebussen und Fahrzeugen unseren Weg kreuzten und oftmals nach arabischer Art mit zu lauter Stimme durch den Wald gebrüllt wurde und man so dem Zauber der Ruhe, Entspannung und Besinnung keinen freien Lauf lassen konnte. Es tat trotzdem nochmal gut, diese faszinierenden Baumriesen in Natura sehen zu dürfen.

Wie bereits im Januar fuhren wir nach Barouk ins Zedern-Naturreservat.

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Bezahlten abermals unseren Eintritt, was aufgrund des Besucherandrangs etwas länger dauerte

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und fuhren mit dem Auto weiter bis zu einem abgegrenzten Bereich, wo Zedern per Patenschaft neu gepflanzt werden.

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Durch das weitläufige Gebiet führt auch ein Wanderweg, an dem sich zu beiden Seiten entlang der Anhöhen die Neupflanzungen befinden, bis man zu dem kleinen See gelangt. Weiter gehen wollte ich nicht,

der großen Hitze wegen genoss man/Mann lieber den Fernblick im Schatten.

Doch auch auf dem Rückweg zum Ausgang des eingezäunten Territoriums hatte man wunderschöne Ausblicke.

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Weiter ging die Fahrt hinauf in den Zedernwald. Auch hier waren die Parkplätze bereits voll belegt und während Jogi nach einem Abstellplatz fürs Auto suchte, konnte ich meinen Blick in die Ferne schweifen lassen.

Im Wald selbst war ein richtiges Getümmel. Ich freue mich ja durchaus für das Reservat und für das Land, dass so viele Besucher anwesend waren, jedoch sollte man auch hier um etwas mehr Ruhe bitten, aber davon kann ich wohl nur träumen.

Wir drehten nur eine kleine Runde und gingen zurück zum Auto, fuhren bergab Richtung Ausgang und übers Land weiter ins Maasser El Shouf Zedern Reservat, wo ich vor vielen Jahren bereits einmal war und mir dieser Platz als der schönste aller Zedernplätze in Erinnerung blieb. Mit unseren zuvor erworbenen Tickets hatten wir hier dann freien Eintritt.

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Auch hier wanderten wir nicht umher, sondern verweilten nur auf dem 1800 Meter hohen Plateau und genossen die Ruhe und Stille, den Nebeldunst und die Kühle

und machten uns endlich auf den Weg Richtung Chtoura, wo wir schon längst bei Freunden zum Mittagessen erwartet wurden.

Unterwegs jedoch noch ein allerletzter Halt um nochmals von ganz oben einen letzten Blick auf den Quaraoun-Stausee und die Umgebung zu bekommen.

Spät abends waren wir dann total erledigt, jedoch erfüllt mit Eindrücken, wieder zu Hause. Ob dies unsere letzte Tour im Libanon war?

Wir werden sehen, Gruß Karin

 

 

Dorf- und Stadtansichten

Abermals darf ich euch eine Sammlung präsentieren. Ansichten von Gebäuden oder auch einem einzelnen Baum, die es für mich wert waren, am Straßenrand anzuhalten und deren Schönheit – ob lange verblasst oder im alten Glanz aufgeputzt – abzulichten. Zum Glück kam vor einigen Jahren eine Bewegung durchs Land, die die schönen alten Häuser unter Schutz stellte und sie nicht dem Bagger und der Abrissbirne zum Fraß vorwarfen. Leider war bis dahin schon vieles verloren und wer weiß, was in 20 Jahren von meinen Schätzchen noch übrig ist, doch bis jetzt stehen sie noch als Zeitzeugen vor uns und hoffentlich überleben recht viele Häuser und deren Pracht und Schönheit wird wieder ins Licht gerückt.

Beginnen möchte ich mit diesem schönen Baum, der mich bereits bei meiner Ankunft im Libanon im Jahr 2002 beeindruckte. Viele Male versuchte ich am Straßenrand anzuhalten, doch der geschäftige Verkehr und der Sicherheitsdienst einer Parteizentrale gegenüber machten es stets unmöglich, bis zu einem ruhigen Sonntag und mit freundlichem Daumenzeig nach oben vom Bewacherposten. Hoffen wir, dass dieses schöne Exemplar noch recht lange eine grüne Lunge sein darf.

2019-06-09

Weiter geht es mit einer alten Villa in Hammana. Nicht verkäuflich, wird vom Eigentümer restauriert, so wurde uns auf Anfrage mitgeteilt.

Auch diese Ansicht mag ich besonders. Ganz links die Villa Rosa, mittig der alte Leuchtturm.

2019-05-24.2

In Bamdoun wurde diese neuere Villa wohl gar nicht richtig bewohnt, der Bürgerkrieg kam dazwischen.

Bambdoun

Im Stadtteil Gemmayzeh und vor allem in Achrafieh gibt es eine Reihe von beeindruckenden Fotomotiven, mein Speicherplatz würde gar nicht ausreichen.

Auch in Beit Mery zeigt sich dem aufmerksamen Betrachter so manche Schönheit.

Und so kann es durch alle Stadtteile und Dörfer weiter gehen, immer wieder wird man zum Glück noch auf traditionellen Baustil treffen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Dieses alte Geschäftshaus in der Innenstadt in Beirut, schaut euch links den Neubau an, welch ein Gegensatz!

2019-06-24

Zum Abschluss noch eine friedliche Perspektive aus einem Bergdorf auf die schneebedeckten Berge des Libanon.

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Wünschen wir uns, dass dieses friedliche Bild sich auf das ganze Land übertragen möge.

Bis bald, Gruß Karin

 

 

Klippenspringen in Beirut

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Die Red Bull Cliff Diving World Series findet 2019 zum 11. Mal statt und hatte am vergangenen Sonntag erstmalig ihren Auftritt in der libanesischen Hauptstadt Beirut am legendären Naturdenkmal Raouche Felsen. 10 Frauen und 14 Männer aus insgesamt 18 verschiedenen Nationen trafen sich zum Wettkampf. Nachdem im April auf den Philippinen gestartet wurde, folgte im Mai der Event in Irland, im Juni in Italien und Portugal, nun im Juli in Beirut, anschließend im August in Bosnien und Herzegovina und wird im September in Spanien mit der Ernennung von 2 Weltmeistern enden, einem männlichen und einer weiblichen Weltmeisterin.

Die Taucher springen von einer 21 und 27 Meter hohen Plattform und beeindrucken die Kampfrichter mit akrobatischen Sprüngen um somit zum Sieger des jeweiligen Tages gekürt zu werden.

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Jeder konnte dem Event kostenlos beiwohnen. Rings ums Ufer oder auch oben entlang der Strasse standen und sassen die Interessierten, gegen Gebühr konnte man sich jedoch auch auf den beiden Tribünen niederlassen. Diese bequemere Variante wählten wir für uns und hatten somit einen guten Überblick, allerdings prallte der Planet mit voller Wucht auf die Zuschauer.

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Im Minutentakt schwebten die Flugzeuge über unseren Köpfen hinweg Richtung Landebahn, Wassersportler vergnügten sich und eine Drohne surrte um uns herum und hielt die Bilder für die Nachwelt fest.

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Nachdem wir schon den Ratschlag des Betreibers befolgten und mit luftiger Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenschutz ausgestattet waren, war es für einige Zuschauer fast nicht erträglich, länger als 30 Minuten dieser Hitze ausgesetzt zu sein. Und somit kam man auf die abenteuerlichsten Ideen, um der direkten Strahlung zu entgehen. Entgegen Joachims Meinung finde ich trotzdem, dass ich mich, entgegen dem Herren einige Sitzreihen vor mir, für die chicere Methode entschied. Oder?

Die Transpirationsflüssigkeit lief schneller am Körper entlang, als mit Wasser nachgetankt werden konnte. Aber der Event machte solch einen Spaß, die Zuschauer verfolgten so gut es ging die Sprünge, obwohl die Entfernung zum Felsen schon beträchtlich war. Das Eintauchen im Wasser konnte man dann recht gut auf der Großleinwand betrachten, sollte der Blick durch unkooperative oder illoyale Mitmenschen versperrt worden sein.

Das grösste Manko war jedoch, dass der Kommentator nur in arabischer Sprache zu hören war, obwohl augenscheinlich sehr viele ausländische Gäste vertreten waren. Die Ergebnisse und Tabellen auf dem Bildschirm waren jedoch auch für uns lesbar, somit bekamen wir wenigstens etwas mit.

Nach fast 3 Stunden und jeweils 4 Durchgängen standen dann die Sieger fest. Die Australierin Rhiannan Iffland und der aus Großbritannien stammende Gary Hunt machten das Rennen. Die Deutsche Ines Schmidbauer gelegte Platz 4 der Frauen, worüber wir doch wirklich stolz sein können! Für mich sind jedoch alle Teilnehmer Spitzenstars. Aus dieser Höhe, in diese raue See mit diesen akrobatischen Verrenkungen zu springen, dies zollt meinen vollen Respekt!

Auf unserem Fußmarsch durch steiniges, sandiges und unebenes Gelände nach oben Richtung Corniche erhaschten wir noch diesen schönen Ausblick.

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Schaun‘ wir mal, ob und wann wir so einem Event als nächstes folgen dürfen, bis dahin,

Gruß Karin

Rollende Kuriositäten

Heute poste ich eine Reihe von Fotos – der deutsche Technische Überwachungsverein und die korrekten Ordnungshüter hätten ihre helle Freude daran! Meine Sammelleidenschaft hat sich herumgesprochen. Meine Freundin hielt bereits ebenso Ausschau nach allerlei auffälligen Gefährten – was ich hiermit nun zweideutig meine. Die aberwitzigsten Zeitgenossen, die hier mit ihren Benzin- und Dieselkutschen unterwegs sind. Meist sitze ich jedoch allein im Auto und somit verpasse ich oft die schönsten Schätzchen. Obwohl ich, zu meiner Schande gestehen muss, die einheimische Sitte der gleichzeitigen Bedienung von Lenkrad und Mobiltelefon inzwischen auch schon sehr gut beherrsche.

Dieser fahrende 1 $-Shop erinnert mich sehr an meine Kindheit.

Damals kam regelmäßig ein grosser Lastwagen über die Dörfer gefahren und machte in den Wohnsiedlungen Halt. Voll beladen mit allerlei Nützlichem, was die nicht motorisierte Hausfrau damals so über die Saison brauchen könnte. Der fahrende Krämerladen eben! Besonders gut kann ich mich an die erfrischende und leckere Wassermelone an einem heißen Sommertag der 1970er Jahre erinnern. Ich stand als kleiner Knirps staunend vor dem Wagen und wusste gar nicht, wo ich so schnell hinschauen sollte. Da hingen Besen, Eimer und allerlei Gartengerät, dann sah ich wieder Plastikschüsseln, Töpfe, Einmachgläser, Gummiringe und Klammern, Kittelschürzen, Saaten für Blumen und Rasen in großen Papiersäcken, Schrauben, Nägel und Beschläge und dann eben auch in einem Teil des Wagens eine unglaubliche Anzahl an Wassermelonen und Steigen von Pfirsichen und Aprikosen.
Und genau an diese Melonen und das anschließende Weitspucken der Kerne mit den Geschwistern und Kinder der Nachbarschaft und dieses Sammelsurium auf diesem Wagen – das ist mir bis heute in Erinnerung geblieben!

Und genauso ein wertvoller Lieferant scheint dieser lustige Geselle wohl für seine Kundschaft heute zu sein – auch wenn es fast 50 Jahre später sind.

Zur allgemeinen grosser Belustigung und Freude sorgte auch dieser vor Stolz dahinschmälzende Taxifahrer. Seinen Mercedes liebt er offensichtlich! Dazu noch mit unglaublichem Nationalstolz und Liebe zur einheimischen Fluggesellschaft! Wahnsinn, was man hier so zu Augen bekommt. Schaut euch das an!

Dann erscheint einem Mitten in der Pampa im Nirgendwo in den Bergen dieser Volksfestbesucher. Wohin geht seine Reise wohl? Das bunte Sammelsurium zeigt eher auf einen Verkäufer als auf einen Beschenkten.

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Oder dieser Umweltfutzi! Strampelt sich mitten auf dem mehrspurigen Highway einen ab um der Umweltverschmutzung entgegenzutreten. Einen anderen Grund kann ich mir für diese lebensgefährliche und hirnrissige Aktion gar nicht denken.

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Und dann dieses Schätzchen! Flower Power lässt grüssen! Zu schön, oder?

Für diesen alten Ford Pickup müssen wir nochmals einige Jahre an der Zeitmaschine drehen. Hoffentlich investiert sein Besitzer in die Restauration.

2019-01-26

Diese Art von Schrottsammler gibt es hier in allen Variationen. Hin und wieder fahren diese durch die Siedlungen. Der laut grölenden Stimme via Megaphon oder Lautsprecher darf man wohl entnehmen, sperrige Altlasten aller Art abzugeben. Ob defekt, intakt, Metall oder Kunststoff – alles wird mitgenommen. Eine willkommene Entsorgungsmöglichkeit, da inzwischen jeder Bewohner selbst schauen muss, wie er seinen Müll entsorgt bekommt.

Schrotthaendler

So könnte die Liste wohl endlos weitergehen, doch irgendwann muss ich diesen Beitrag einmal veröffentlichen, zumal es in drei Wochen nach D zurück geht.

Vielleicht kommt mir bis dahin noch ein besonderes Exemplar vor die Linse, dieses stelle ich dann nachträglich hier ein.

Bis dahin, Gruß Karin

Ja, so schnell kann es gehen! Hier sind bereits die ersten Fotos, aber ich kann euch beruhigen – das ist nicht unser Umzug 😀

Kirschenfestival in Hammana

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Nach Apfel- und Weinfest komme ich in den letzten Wochen unseres Aufenthaltes nun doch noch in den Genuss eines Kirschenfestivals! Ich liebe Kirschen! Somit wollte ich dort unbedingt hin und in Ermangelung einer Begleitung, machte ich mich eben alleine auf den Weg. Die Info dazu erhielt ich über Lebtivity. Eine Website, auf der man nach bevorstehenden aber auch zurückliegenden Veranstaltungen Ausschau halten kann. Jeder kann nach einer Anmeldung kostenlos Events posten. Eine prima Sache, wenn man sonst nicht viel mitbekommt oder nicht bei den großen sozialen Medien mitmischt um somit an Informationen zu gelangen.

Den Weg über die Berge ins 20 km entfernte Bergdorf Hammana kannte ich wohl, unser Weg führte uns bei unseren letzten Unternehmung oft genug hindurch. Der Name Hammana kommt vom phönizischen Sonnengott Hamman. Das Dorf ist für sein Klima und dem gesegneten Reichtum an Kirschbäumen bekannt. Jedes Jahr wird die Ernte mit einem Karaz (arabischer Name für Kirschen) Festival in Zusammenarbeit mit biologischen Lebensmittel Genossenschaften gefeiert, zu schade, dass ich die vielen Jahre zuvor nie etwas davon gehört hatte!

Bereits am Ortseingang regelte ein Polizeiposten die Parkplatzfrage und der Gesetzeshüter wies mir einen Platz zu. Somit war mein Auto zwar hoffentlich sicher vor Beschädigungen geparkt, jedoch hatte ich bestimmt einen längeren Marsch vor mir. Ich trottete einfach den anderen Fußgängern hinterher und bald schon hörte ich auch Musik. Ich wusste nun gar nicht, was mich erwarten würde, auf diese Massen an Verkaufsständen hätte ich jedoch im Traum nicht daran gedacht! In den vielen Jahren hier hatte ich schon einiges erlebt, aber so etwas noch nie! Durch zig Strassen und Gassen reihte sich ein Anbieter an den anderen.

Ohrenbetäubender Lärm aus Lautsprecherboxen, die DJs live zum Besten gaben, dann wieder Motorenlärm, der mich neugierig machte. Dutzende Edelkarossen wie Porsche, Ferrari und Jaguar zeigten sich. Auffällig waren vor allem die vielen Porsches, die in Deutschland auf dem Nummernschild schon das H erteilt bekommen hätten. Die Hauptverkehrsachse wurde geöffnet, die Fahrzeuge fuhren einen Corso, drehten unter lautem Hupen, Schreien und typisch arabischen Gesten und Beschimpfungen und kehrten wieder zurück. Dann war für einige Zeit die Strasse gesperrt, bis der Volkswagen club seine Runde drehen durfte. Das fand ich noch viel schöner, vor allem hatten einige alte Schätzchen merklich Schwierigkeiten, die Steigung des Berges zu bewältigen.

Nach einer Pause kamen die Motorräder an die Reihe. An die hundert Maschinen reihten sich parkend die Strasse hinab, viele originelle Outfits wurden fotografiert. Den Lärm mag sich keiner vorstellen, als die Wichtigtuer bei angezogener Bremse ordentlich Gas gaben, die Hinterreifen sich seitwärts bewegten und eine riesige Qualmwolke zur Folge hatten. Feinstaub ließ grüßen!

1918

Doch zurück zu den Kirschen! Darum war ich augenscheinlich ja hier! Leider konnte ich in der hiesigen Presse noch keinen Artikel finden, obwohl ich an mehreren Stellen Fernsehteams und Reporter sah. Aus einem 10 Jahre alten Zeitungsartikel des DailyStar habe ich folgende Info entnommen:

Hammana ist ein Dorf mit 7.000 Einwohnern und beherbergt 10 Kirschfarmen. Alle sind in Familienbesitz, einige gehen Hunderte von Jahren zurück. Die Größe der Farmen reicht von kleinen Betrieben (50 Kirschbäume) bis zu größeren Betrieben (700 oder mehr). Einheimische erinnern sich, dass es vor dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 mehr Bauernhöfe als Bauern gab – jeder hatte einen Garten mit einem oder zwei Kirschbäumen. Aber seitdem hat Hammana wie viele andere ländliche Gemeinden viele seiner Einwohner auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten im Ausland verloren. „Viele sind nach Nordamerika und Australien gereist. Aber im Sommer kommen sie zurück“, sagt der lokale Entwicklungsbeauftragte der Gemeinde.

Auch ich kaufte natürlich mein Tütchen Kirschen, konnte mich gar nicht entscheiden an welchem Stand und hatte mich einfach durchprobiert.

Gegen eine Gebühr konnte man eine bestimmte Menge Kirschen selbst pflücken, in der Vergangenheit wurde daraus wohl auch ein Wettpflücken veranstaltet, davon las ich dieses Jahr jedoch nichts am Stand.

Kulinarisch war jede Menge geboten, ich denke kein Wunsch blieb offen, sieht man von Leberkäse-Laugenwecken und Currywurst einmal ab, um die Nachfrage meines Mannes im Vorfeld zu beantworten. Ich entschied mich für Hausmannskost, die hier im öffentlichen Garten eines Verwaltungsgebäudes verkauft wurde und verspeiste meinen leckeren Safranreis mit Huhn und allerlei Nüssen dann gemütlich im Grünen und in relativer Ruhe.

Bis ich dann von Trommeln und Blasmusik aus meiner schläfrigen Lethargie erwachte und den angenehmen Klängen, die auch von Guggenmusik hätten stammen können, auf die Spur ging. Und siehe da, Trommeln und Blechbläser, Männlein und Weiblein zogen durch die Gassen. Die Damen der Caritas wagten ein Tänzchen und die Senoritas posierten!

Auch sonst war allerhand geboten. In letzter Zeit viel mir schon bei einigen anderen Veranstaltungen auf, dass es Trend geworden ist, alte VW Busse zum Verkaufsstand umzufunktionieren. Immer wieder eine Augenweide!

Ansonsten wurde frischer Orangensaft originell angeboten, das Honigschleudern demonstriert und besonders toll finde ich das Lamm vom Grill!

Schön war das Festival und ich war froh, schon am frühen Vormittag dort angekommen zu sein, denn einige Stunden später waren die Strassen und Gassen voller Menschen, beim Rückweg reihte sich Auto an Auto, nirgends gab es mehr Platz zum Parken. Wenn die Veranstaltung weiterhin so erfolgreich ist, wird Hammana ihren früheren Ruhm als Kirschhauptstadt des Libanon wieder herstellen. Oder vielleicht hat sie das bereits?

In diesem Sinne, seid gegrüsst und ich hoffe, mit mir ist weiterhin gut Kirschen essen,

Gruß Karin            34

 

 

Feinschmeckerpilze im Libanon

Inspiriert durch einen Verkaufsstand bei der Garden Show und durch Empfehlung einer Freundin (der ich hiermit danke), erzählte ich Joachim von der hiesigen Pilzfarm „Gourmet Mushroom“  website.

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Somit führte uns letzten Samstag die Fahrt nach Byblos, hinauf in die Berge, an Sohnemanns ehemaliger Uni LAU vorbei, dem Wegweiser nach, bis wir vor dem abgesperrten Gelände standen und per Telefonanruf um Einlass baten.

Auf dem Gelände dominieren Tunnelgewächshäuser, durchnummeriert von 1-9?, Generatorenlärm, außerdem rege Bautätigkeit für weitere Häuser.

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Foto vom Betreiber

Ein Mitarbeiter erwartete uns und geleitete uns in die Kühlhalle. Welcher Geruch!!! Für meinen Mann der Himmel auf Erden, für mich, die nicht einen einzigen Pilz zwischen ihre Zähne bekommen mag, das genaue Gegenteil!

Bis sich der liebe Gatte endlich entschied, musste ich immer wieder nach draußen gehen um frische Luft zu schnappen, war jedoch auch interessiert ob der Vielfalt, vor allem da es mir gestattet war zu fotografieren, was ich doch sehr gerne wollte.

Hier nun also die Kühlhalle. Dutzende von Kisten mit verschiedenstem Inhalt stapeln sich den Wänden entlang. Champignons verschiedenster Art wie auch Portobellos, Shiitake, Austernpilze verschiedener Art, brauner Kräuter-Seitling (Eryngii), japanisches Stockschwämmchen (Nameko), gemeiner Samtfußrübling (Enoki) und auch Kräuter wie Basilikum und Rosmarin.

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Die Farm besteht erst seit 2015. Nach wenigen Sorten zu Anfang, werden inzwischen über 15 Arten von Bio-Pilzen gezüchtet. Aufgrund einem Null-Abfall-Management und nachhaltiger Lebensmittelproduktion wurde die Farm inzwischen von einem britischen und einem italienischen Unternehmen akkreditiert und gelangte somit zur Bio-Zertifizierung.

Im Vorraum ein Dörrautomat, das daraus entströmende Aroma war etwas besser für mein Näschen geeignet.

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Außerdem wird noch aus eigener Produktion ein getrocknetes Pilzpulver aus sieben verschiedenen Pilzen verkauft.

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Da kein Verantwortlicher vom Management anwesend war, war es leider nicht gestattet, einen Blick in die Aufzuchthäuser zu werfen – sehr schade – jedoch natürlich verständlich!

Ob nun alle grösseren Supermärkte beliefert werden, entzieht sich leider meiner Kenntnis, nach dieser Art von Gemüse halte ich nicht so oft Ausschau, obwohl ein Pilz ja kein Gemüse ist. Ob bereits exportiert wird, kann ich leider auch nicht beantworten, der Mitarbeiter sprach nur wenig Englisch und auf der Website konnte ich keine Info finden.

Zu Hause verzog ich mich dann aus der Küche und Gatte war am Werkeln. Zur Abfallvermeidung sollte man sich jedoch unbedingt eine bessere Lösung einfallen lassen. Diese Plastikberge widerstreben mir gewaltig! Am besten selbst ein Behältnis mitbringen oder alles zusammen in die Papiertüte packen. Jedoch hätte ich sie dann nicht in meine kleine Kühlbox bekommen, die ich bei dieser Hitze und dem weiten Weg vorsorglich mitnahm.

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Zwischendurch musste ich natürlich doch mal spionieren, mit geschlossener Nase war dies erträglich.

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Geschmeckt hat es ihm wohl sehr, die Riesenportion reichte dann zum Mittag- und Abendessen. Vielleicht finden wir im Herbst welche im Wald? Ich geh dann gerne mit und halte Ausschau.

Bis dahin, Gruß Karin

 

Jezzine Wasserfälle

Auf unserem Nachhauseweg von Sidon wählten wir den Weg über Jezzine, weiter entlang des Qaraoun Stausees zum Weingut Kefraiya, wo wir bei Wein und Käseplatte ganz entspannt den herrlichen Ausblick auf die Weinreben, Zypressen und Berge hatten, bis wir dann am frühen Abend wieder zu Hause waren.  Total erledigt, aber froh, endlich wieder einmal etwas zusammen unternommen zu haben.

Doch zurück zu Jezzine. Auch darüber sprach ich mit meiner Freundin und ich war mir nicht sicher, ob ich dort schon einmal war. In meinem uralten Reiseführer wird kein Wort darüber verloren, Joachim war dort schon zig Mal und war sich sicher, auch ich würde den Ort kennen. Doch ich bin mir nun im Nachhinein sicher, dass dies mein erster Besuch war.

Knapp 30 km östlich von Sidon liegt dieses kleine Städtchen, eingebettet von Bergspitzen, Pinienwäldern, Obstbäumen und Weinbergen, auf einer Höhe von 950 Meter. Beliebter Sommerferienort und Touristenziel zu allen Jahreszeiten, denn Jezzine verfügt über Wasserfälle, die natürlich während der Herbst- und Wintermonaten am besten zu bestaunen sind. Wir hatten Glück, nun im Juni noch so viel Wasser zu sehen, Dank sei dem vielen Regen und Schnee, der den Libanon letzten Winter heimsuchte. Jezzine soll über 24 Quellen verfügen und hat somit ein riesiges Wasserreservoir, womit es nicht verwunderlich ist, von solch großen Grünflächen umgeben zu sein.

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Und das waren die beiden Kaskaden, die wir bestaunen konnten. Allein die Bergkette sieht schon bombastisch aus! Zum Teil stürzt das Wasser hier 70 Meter in die Tiefe.

Das Wasser entspringt den Jezzine Quellen, fließt in den Jezzine Fluss, trifft auf den Awali Fluss und von dort speist es das Litani Kraftwerk, von dem 50 % der südlichen Bevölkerung versorgt werden.

Abschließend noch ein Besuch auf der Aussichtsplattform „Unsere liebe Frau vom Wasserfall“, wo sich dies herrliche Panorama betrachten lässt.

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Für unser obligatorisches Selfie, verrenkten wir uns fast die Arme und Hälse, denn vor der Statue war nicht viel Platz und jenseits des wackeligen Geländers ging es sehr steil nach unten.

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Länger wollten wir uns in dem Ort nicht aufhalten, eine Autorallye war gerade beendet, Massen von Passanten und Fahrzeugen war unterwegs und somit fuhren wir weiter. Bestimmt wäre es schön gewesen durch das Städtchen zu bummeln, welches auch für seine handgefertigten traditionellen Dolche und Besteckteile mit dekorativen Einlegearbeiten aus Mosaiken und Knochen bekannt ist. Außerdem ist die Stadt reich an Mineralien und Naturschätzen, insbesondere Eisen und Kohle.

Somit fuhren wir also weiter, eine ganze Zeit lang entlang des Qaraoun-Stausees.

2019-06-09 Qaraoun-Stausee

1959 begannen jugoslawische Ingenieure den 60 m hohen und 1350 m langen  Damm zu bauen. Unterirdisch wird das Wasser zur hydroelektrischen Station geleitet, wo Strom produziert wird. Der künstlich erzeugte Stausee hat eine Fläche von 11 qkm und dient u.a. zur Bewässerung der landwirtschaftlichen Felder im Südlibanon und der Bekaa-Ebene. Der Litani Fluss, der bei Baalbek entspringt, speist den Stausee und fließt dann weiter Richtung Tyros, wo er im Mittelmeer endet.

Der Stausee war gut gefüllt, hoffen wir dass der Sommer nicht zu trocken wird und das Wasser lange genug vorhält.

Wie bereits erwähnt, ging es dann weiter zum Weingut Kefraiya, ab nun waren wir komplett privat unterwegs, somit keine Fotos.

Bis zum nächsten Mal,

Gruß Karin

 

Tempelanlage des Gottes Eschmun

Während der Autofahrt zu unserer nächsten Besichtigungstour meinte mein lieber Göttergatte ganz trocken in seiner eigenen Art: „Sollten wir uns eventuell irgendwann wieder einmal dazu entschließen im Ausland leben zu wollen, dann nur auf einer Insel, die neu durch einen Vulkanausbruch entstanden ist.“ Auf meine verwunderte Nachfrage kam ganz kurz die Antwort: „Da gibt es wenigstens keine alten Steine, die du dir unbedingt anschauen willst!“

Somit war bereits schon vor der eigentlichen Besichtigungstour die Einleitung für diesen Beitrag entstanden!

Auf die Idee für diesen Ausflug kam ich letzte Woche, als ich mit einer Freundin die alljährlich stattfindende Garden Show in Beirut besuchte. Beim Vorbeischlendern  am Infostand des Ministeriums für Tourismus studierte ich die reichhaltige Auslage an Faltprospekten. Alle Ziele waren mir bekannt, bis auf eines, natürlich! Nun sollte mir mein Gatte eigentlich dankbar sein, dass er sich diese historischen Steine mit mir zusammen anschauen darf!

Unser Weg führte uns diesmal durch Beirut hindurch, Richtung Süden nach Sidon (arabisch Saida). Ungefähr gegenüber des Stadions befindet sich die Anlage. Das Eingangstor weit geöffnet, frisch gepflanzte Blümchen entlang der sauber gefegten Einfahrt, drei junge Männer verweilten im Schatten eines Hauses und hießen uns willkommen. Parken und Eintritt war kostenlos, somit konnten wir direkt losmarschieren.

 

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Die phönizische Stätte stammt aus dem 6. Jhr. v. Chr. und wurde im 19. Jhr. von Archäologen freigelegt. Es handelt sich um einen Tempel, der dem Heil- und Fruchtbarkeitsgott Eschmun geweiht war. Zugleich war er auch Stadtgott von Sidon.

Der Standort wurde voraussichtlich aufgrund der Quelle gewählt, die nahe beim Tempel entspringt und deren Wasser für die Heilungszeremonien unentbehrlich war.

Allzu viel ist nicht mehr sichtbar und trotzdem wundert es, dass z.B. die Mosaiken teilweise noch so schön erhalten sind. Einige Fundstücke können im Nationalmuseum in Beirut bestaunt werden, auch fand man in der Nähe von Sidon zwei schwarze Sarkophage. Einer der beiden befindet sich im Museum in Istanbul, der andere im Louvre in Paris. Bevor mit den Ausgrabungen begonnen wurde, glich der Tempel einem Steinbruch. So benutzte u.a. Emir Fakhreddine II. die massiven Steinblöcke zum Brückenbau.

Obwohl viele Teile des Areals gemäht waren, auch während unserer Anwesenheit wurde ein Stück weit das von der Sonne verdorrte Gestrüpp entfernt, trauten wir uns nicht tiefer ins Gebüsch. Zu gut wissen wir über die Schlangen bescheid, die sich in solchen Gegenden geradezu wohl fühlen. Joachim entdeckte eine Leblose oben auf dem Podium, ich mit meiner Phobie machte einen weiten Bogen.

Interessant fand ich dann, was ich während meiner Recherche bei Wikipedia las:

Der Legende nach war Eshmoun ein junger Mann aus Beirut. Die Göttin Astarte selbst verliebte sich in ihn. Eschmun verstümmelte sich daraufhin selbst, um ihrem Werben zu entfliehen und starb an seinen Verletzungen. Daraufhin erweckte Astarte ihn wieder zum Leben – als Gott. Wie Adonis wurde er auch als Fruchtbarkeitsgott verehrt, der jedes Jahr von Neuem stirbt, um wiedergeboren zu werden. Er wurde auch als Heilgott angesehen und so mit dem griechischen Heilgott Asklepios gleichgesetzt. Eschmun wurde – wie Asklepios auch – mit dem Attribut eines Stabes ausgestattet, um den sich eine Schlange windet. Das bezeugt eine goldene Tafel, die in der Nähe des Eschmun-Tempels bei Sidon gefunden wurde.

Somit begnügten wir uns mit den wenigen Sehenswürdigkeiten, die sich entlang der Wege befanden.

Vom ehemaligen Podium hatte man einen wunderbaren Überblick.

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Blick nach links zum Eingang zeigt sich in der Ferne das Mittelmeer, auch das Stadion von Sidon ist gut sichtbar.

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Blick geradeaus auf die Obstplantagen des Nachbargrundstücks

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Blick nach rechts auf die bewirtschafteten Berge

Das Areal war frei von jeglicher Müllansammlung, wirklich lobenswert. Schmunzeln musste ich dann jedoch wieder beim Einsteigen ins Auto. Direkt daneben der typische libanesische Abstellplatz für Gerümpel aller Art, inklusive dem gesammelten Müll.

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Weiter ging die Fahrt Richtung Osten nach Jezzine, doch darüber schreibe ich einen eigenen Beitrag. Bis gleich,

Karin

Schokoladenmuseum in Beirut

Bei meiner gestrigen Fahrt gen Beirut standen nicht nur Erledigungen auf dem Programm, oh nein – ebenso folgte ich dem Ruf einer süßen Versuchung und Verführung, denn ich plante zudem einen Museumsbesuch bei ChocoStory Beirut website.

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Schokolade wird ja nun einmal von vielen Menschen auf der ganzen Welt geliebt – so auch von mir. Allein beim Anblick dieser Abbildungen läuft mir schon das Wasser im Munde zusammen!

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2000 v. Chr. wurde bereits Kakao angebaut, zunächst durch die Olmeken, später durch die Mayas. Als im 14. Jh. die Azteken die Maya-Gebiete eroberten, übernahmen sie die Güter, behielten die Kultur des Kakaos aufrecht und vertieften diese weiter. Als Kolumbus 1492 Amerika entdeckte, entdeckte er auch den Kakao, fand diesen jedoch uninteressant. Erst als 1519 Cortes das Aztekenreich eroberte und ihm bewusst wurde, welcher Gewinn sich für Spanien mit einem intensiven Anbau erzielen lassen könnte, beschäftige er sich intensiv damit und brachte 1528 den Kakao, und alle anderen Zutaten für eine schmackhafte Schokolade, mit nach Spanien. Von dort aus führte die Schokolade ihren Siegeszug zunächst nach Frankreich, später nach Belgien, bis sie dann irgendwann auch das restliche Europa einnahm. Erwähnenswert wäre noch, dass erst im Jahr 1802 der Schweizer Cailler eine Technik erfand, die Schokolade zu verfestigen.

Anschaulich wird im Museum die Entwicklung vom Kakaobaum, der verschiedenen Arten, ihrem Vorkommen, der Schote, der Bohne, der Ernte, der Fermentation, der Trockung, der Sortierung und Reinigung, der Röstung und weiteren Verarbeitung bis hin zur fertigen Schokolade dargestellt.

Galt die Kakaobohne zu früheren Zeiten als Luxusgut und Symbol für Reichtum und Macht, diente sie jedoch ebenso als Arznei- und Tauschmittel. Besonders interessant fand ich, wie viele Kakaobohnen von Nöten waren, um diese in einen Hasen, ein Hühnerei oder Gemüse einzutauschen.

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Schritt für Schritt geleiteten mich meine Museumsführer durch die Ausstellungsräume, erklärten ausführlich und beantworteten meine Fragen.

Witzige Anekdoten werden ausgetauscht, so erfahre ich z. B., dass früher so manches Dörfchen nur eine einzige Bonbonniere besaß und jedes Mal wenn jemand Besuch erwartete, die kostbare Dose zum Gastgeber wanderte, bis ein anderer Einwohner diese benötigte.

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Ebenso schön war die Sammlung von Schokoladentafeln-Verpackungen des libanesischen Süßwarenherstellers Gandour. Schade allerdings, dass sich keine weiteren Pralinen- und Gebäckverpackungen aus früheren Zeiten beschaffen ließen.

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Am liebsten hätte ich mich zu Madame gesetzt und von Schokoladentrunk und Kuchen genascht.

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Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass im ganzen Museum Schokoladenspender zur freien Verköstigung bereitstehen? Natürlich musste ich die Qualität des einen und anderen und dritten und vierten…. Plättchens probieren.

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Die Gegenstände, die sich unten im Regal befinden, sind alle nur aus Schokolade gearbeitet. Hier und da sind im Museum noch weitere Exponate ausgestellt.

Ein weiterer Schaukasten versetzte mich zurück in meine Kindheit, als meine Mutter im Winter in kleine verschiedene Förmchen flüssige Schokolade einfüllte und diese dann bis zum Aushärten in eine Schüssel mit Schnee setzte. Gab es einen schneefreien Winter, dann gab es auch kein Schokoladenkonfekt. Gleichzeitig erinnern manche Formen an die Kuchenbackformen für Osterschäfchen und -lämmchen.

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Mein besonderes Augenmerk fiel auf einen riesigen Schaukasten gefüllt mit den verschiedensten Kakaokannen und Schokoladentassen, wovon manche eher an Suppentassen oder kleine Schüsseln erinnern.

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Vor einer Ecke der Vitrine stand ich wohl völlig ratlos davor, das Hinweisschild hatte ich noch gar nicht gelesen, da meinte mein Lotse – das sind Schnurrbarttassen!

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So was hatte ich bis dato auch noch nie gesehen! Wie praktisch zu damaliger Zeit für die Herren mit wildem Wuchs oder gepflegter Pracht!

Zum Schluss wagte ich noch einen Blick zu Dutzenden von Kindern in den Workshop-raum hinein, die Geräuschkulisse von drei Schulklassen inklusive sehr sehr lautem Musikpegel machten mich doch neugierig. Verständlicherweise durfte ich die kleinen Knirpse nicht ablichten. Obwohl das Bild zu drollig war. Eingehüllt in orangefarbige Bäcker- oder braune Kochmütze nebst brauner Schürzen sass ein jedes Kind auf schwindelerregendem hohen Barhocker und kreierte auf einer Matte sein eigenes Schokoladenbild, verziert mit allerlei Süßkram. Dazu wirbelten die Betreuer umher und ein jeder musste sich anbrüllen, um dann sowieso nur die Hälfte davon zu verstehen – so laut war es in dem Raum! Unverständlich!

Die Tour war zu Ende, mein Weg führte hinab Richtung Ausgang und ich kam am kleinen Café vorbei. Nach warmer Schokolade oder Eis mit Schokoladenüberzug gelüstete es mich nun überhaupt nicht mehr, irgendwann ist dann doch mal genug.

Ein kleiner Espresso zum Abschluss und Flyer in die Handtasche gesteckt, denn ich möchte unbedingt weitere Personen zur süßen Versuchung verführen.

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Bis bald einmal auf ein Tässchen heiße Schokolade,

Gruß Karin

Silbernes Jubiläum im Luftschiff

 

Das Salz ist gut; wenn aber das Salz nicht mehr salzt, womit wird man’s würzen? Habt Salz bei Euch und habt Frieden untereinander!   

Markus 9,50

 

Vor etwas mehr als 25 Jahren wurden meinem damals zukünftigen Ehemann und mir, bei dem Vorbereitungsgespräch zur kirchlichen Trauung eine lange Liste mit Trautexten vorgelegt. Mit vornüber gebeugten Köpfen studierte ein jeder für sich allein in stiller Konzentration Absatz für Absatz, bis plötzlich wie auf Kommando der jeweilige Zeigefinger von uns beiden auf diesen Spruch hinzeigte. Ein gegenseitiges Anlächeln, ein Nicken, mehr musste nicht gesagt werden – das verstand auch unsere Pfarrerin.

Letztendlich wurde am 22.04. standesamtlich und am folgenden 23.04. kirchlich geheiratet. Und nun sind 25 Jahre vergangen und wir feierten unsere Silberhochzeit.

Zu diesem Anlass fuhren mein Mann und ich nach Friedrichshafen an den Bodensee um einen weiteren langgehegten Wunsch von mir in Erfüllung gehen zu lassen – einen Zeppelinflug!

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Monate im Voraus buchte ich bereits genau für unseren kirchlichen Hochzeitstag einen 30 Minuten-Rundflug um Friedrichshafen.

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War das eine aufregende Angelegenheit! Nach Ballonfahrt, Hubschrauber- und Segelflug und allerlei Flugzeugerfahrung der unterschiedlichsten Maschinen hatte ich von einem Zeppelinflug so gar keine Vorstellung.

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Nach Erhalt der Bordkarten wurden die 13 Passagiere wie bei jedem anderen Flug über die Sicherheitsvorkehrungen aufgeklärt und anhand eines Filmes erhielten wir noch weitere Informationen über einen Zeppelinflug. Des weiteren folgten spezielle Verhaltensvorschriften über das Ein- und Aussteigen und allgemeine Hinweise über das Verhalten an Bord.

Mit einer durchschnittlichen Fluggeschwindigkeit von 65 km/h in einer Höhe von 300 Metern schwebte der Zeppelin NT fast lautlos sehr ruhig dahin. NT steht für Neue Technologie, definiert durch die starre Innenstruktur. Gefüllt ist der Riese mit unbrennbarem Helium, weitere Infos könnt ihr hier bekommen:

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Beim Erreichen der Flughöhe durfte man sich in der Gondel frei bewegen, zwei Klappfenster konnten zum spiegelfreien fotografieren heruntergeklappt werden und machten somit das Erleben des Fluges noch  schöner. Die strahlenden glückseligen Minen der Fluggäste bezeugten, dass es für alle der erste Zeppelinflug des Lebens war.

Besonders zu erwähnen wäre noch, dass es weltweit nur fünf Zeppelins gibt. Drei in den USA, dort werden die Luftschiffe zu Werbezwecken und Übertragungen von Sportveranstaltungen genutzt. In Friedrichshafen gibt es  zwei Zeppelins, einzigartig werden diese hier zur Personenbeförderung eingesetzt. Ein dritter Zeppelin ist derzeit im Bau und wird dann einen bestehenden ersetzen.

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Ein einzigartiges und besonderes Erlebnis, welches ich jedem Interessierten wärmstens empfehlen kann.

Das Landen, Ein- und Aussteigen der neuen Gäste erfolgt sprichwörtlich im fliegenden Wechsel und somit kann man das Hochsteigen und den Abflug von einer ganz besonderen Perspektive aus verfolgen.

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Für mich ein unvergessliches Erlebnis, dazu an diesem Tage!

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Mal schaun was uns zur Goldenen Hochzeit einfällt. Vielleicht bis dahin ein Flug zum Mond? Wer weiß!?

Bewahrt euch das silberne Glitzern in euren Augen,

Gruß Karin

 

 

 

 

 

 

Erbschaften und die Auswirkungen

Unter diesem Titel vermutet man als Leser wohl so einiges, nur nicht dies:

In Beirut, im Manara Bezirk, in der Nähe des alten Leuchtturms und direkt neben der Deutschen Internationalen Schule, steht seit 1954 das wohl bekannteste Gebäude im Land. Auf Arabisch nennt man es Al Ba’sa, was ins Englische als The Grudge – Der Groll  – übersetzt wird.

Viele Jahre fuhr ich dort entlang, das Goethe-Institut war damals in der Schule untergebracht und wir waren eifrige Benutzer der Leihbibliothek. Was hab ich mich immer über die Parkplatznot entlang der Strasse geärgert, da eine Werkstatt im besagten Haus noch einen Meter der Strasse als Abstellfläche verwendete und die Autos somit immer drumherum manövrieren mussten und somit wieder 1-2 Parkplätze verloren gingen. Auch führte mich anfangs der Heimweg von der Deutschen Gemeinde daran vorbei, bis ich dann eine Abkürzung gezeigt bekam. Da das Haus an einer Einbahnstraße liegt und mein Weg immer nur bergab daran vorbeiführte, konnte ich nie die Eigenheit erkennen und hatte auch all die Jahre nie etwas davon gehört, bis mir unser Sohn eines dieser netten WhatsApp Fotos schickte und ich somit neugierig wurde.

Durch zur Vorgeschichte, die ich leider auch nur durch die Medien kenne. Ein Vater vererbt seinen beiden Söhnen jeweils ein Grundstück. Der eine Sohn bekommt ein grösseres, wo heute die Schule untergebracht ist, der andere Sohn das benachbarte kleinere. Durch Umstrukturierungen des Straßenbaus verlor das bereits kleinere Grundstück einen weiteren Teil und war plötzlich nur noch ca. 120 Quadratmeter gross. Die beiden Brüder konnten sich nicht einigen, gerecht zu teilen und somit ließ der benachteiligte aus Groll gegenüber seinem Bruder, direkt vor das Gebäude seines Kontrahenten ein Haus der besonderen Art bauen, um diesem den begehrten, komplett freien Millionen-$-Meerblick, zu verwehren. Von der Sichtweise der normalen Straßenführung her, ein ganz normales Haus. 14 Meter hoch, zwar sehr schmal, ganz genau wohl 4 Meter.

The Grudge1

Die Front auch ganz normal mit Fenstern und Balkonen, doch dann, die rechte Seite der Haushälfte misst gerade einmal 60 Zentimeter! Eigentlich eine Mauer zum Wohnen!

The Grudge2

Früher nannte man das Haus aufgrund seiner Form auch Queen Mary. Es war gelb gestrichen und auch bewohnt! Auf zwei Stockwerken befinden sich jeweils zwei Appartements, unterschiedlicher Gröβe. Während des Krieges soll eine Wohnung als Bordell genutzt worden sein, in einer anderen Wohnung war wohl eine Flüchtlingsfamilie untergebracht. Nun steht es leer, ob die Werkstatt noch genutzt wird, entzieht sich meiner Kenntnis, es war Sonntag und die Türen waren geschlossen.

Sehr wahrscheinlich konnte man damals ohne Baugenehmigung bauen, heute wäre so etwas aufgrund der Bauvorschriften bezüglich Abstandsbestimmungen zu Strasse und Nachbarn und Größe des Grundstücks undenkbar. Hoffen wir also, dass das „Mauerhaus“ noch lange stehen darf und nicht wie so vieles weichen muss – ein Neubau wäre sowieso undenkbar und eigentlich ist das Objekt doch schon fast Kunst! Oder hegt da jemand einen Groll dagegen?

Bin gespannt wie es in 10 Jahren aussieht, bitte berichtet mir, bis dahin

Gruß Karin

 

Der Wasserfall in der Baatara-Schlucht

Erneut waren Jogi und ich letztes Wochenende auf Entdeckungstour. Unser Ziel war der imposante Baatara Gorge Waterfall, und da mein Gatte in den nächsten Wochen sehr viel auf Reisen sein wird und man hier nie weiß, was einem im Alltag alles in die Quere kommen kann, nutzten wir das herrliche Wetter für diese Unternehmung.

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Somit fuhren wir über Byblos hinauf Richtung Laqlouq, über die tief verschneiten Ortschaften bis ins Bergdorf Baloue Balaa, welches von Byblos aus ca. 34 km entfernt liegt. Der Wegweiser „Gouffre des Trois Ponts“ (~klaffender Spalt/Schlund der drei Brücken) war an diesem Tag für uns eigentlich nicht von Nöten. Zahlreiche Menschen versuchten an Reisebussen und Autos vorbei, der schmalen Strasse durch die meterhoch getürmten Schneemassen zu Fuss zu folgen. Wir fuhren einfach unbeirrt weiter, bis wir von einem Parkwächter auf einen großzügig angelegten Parkplatz verwiesen wurden. Wahnsinn, augenscheinlich viele Touristen und ausländische Studentengruppen kamen uns entgegen! Zum Glück waren diese alle dabei, den Schauplatz zu verlassen!

Nach dem Bezahlen des Eintrittsgeldes von 10.000,00 Libanesischen Pfund pro Person, geht es die gut ausgebaute Treppenanlage 300 Meter bergab bis zu einer schwindelerregenden Höhle.

Unterwegs herrliche Ausblicke in die Umgebung. Könnt ihr die Hängebrücke erkennen? Musste doch sehr schmunzeln – das ausgewiesene Richtungsschild mit dem englischen Begriff „monkey bridge“ welcher mir bis dahin unbekannt war.

Auf halbem Wege kann man sich entscheiden, ob man komfortabler per Sessellift den restlichen Weg der Schlucht bergab bewältigt oder weiterhin zu Fuss unterwegs ist. Wer mich mit meinen Knieproblemen kennt, der weiß, dass ich zwar durchaus für Abenteuer zu begeistern bin – aber bitteschön bequem!

Als wir beiden dann allerdings den sogenannten Sessellift erblickten, wurde uns mulmig und wir fragten uns, ob dieser Lastenaufzug, der im Gebirge normalerweise die Almhütten mit Vorräten beliefert, für uns zwei Gewichtigen die sicherste Art des Ab- und Aufstiegs darstellen sollte. Egal – wir bezahlten für Hin- und Rückfahrt nochmals 10.000,00 Pfund pro Person und stiegen alleine in die Gondel. Rücken an Rücken, ich mit Blick zur Attraktion und Jogi das Gesicht hinauf zur Abfahrtsstation, glitten wir bergab. Bereits nach den ersten Metern jammerte ich und bibberte und mir bleib vor Angst die Luft weg, schloss die Augen und lenkte mich mit dem Aufsagen des Alphabets ab, was anderes fiel mir in dem Moment nicht ein. Mit meiner Höhenangst war das schon eine gehörige Herausforderung und was zitterten mir die Beine, als wir kurz darauf unten ankamen! Bei der Fahrt hinauf tauschten wir dann die Plätze, ich verspürte keinerlei Angst und ich muss es gestehen – ich hab innerlich leicht jubiliert, als mein starker Bär kurz vor dem Ziel eben solches Muffensausen bekam wie ich zuvor und ich relativ entspannt dem Ende der Fahrt entgegen sehen konnte. Aber alles war besser als diesen steilen Ab- und Aufstieg per pedes zu meistern.

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Ganz besonders möchte ich noch erwähnen, dass die Wege zwar gut gestaltet sind, allerdings im oberen Bereich ohne Handlauf, was vor allem ich sehr bedauerte. Auch trittfestes und solides Schuhwerk mit guter Profilsohle ist auf jeden Fall von Vorteil, da der Wasserfall bei der Schneeschmelze im Frühjahr am besten zu bestaunen ist und sämtliche Zufahrtswege, der Parkplatz und der Bereich vor dem kleinen Kiosk alle nicht befestigt sind und man somit z. T. zentimeterdick im Morast, in ablaufendem Wasser oder auch hohem Schnee versinkt. Des öfteren haben wir die jungen Damen mit Texilschlappen, Slippers und Ballerinas bemitleidet und uns gefragt, wie hoch die Umsätze in den Schuhläden an den folgenden Tagen wohl sein mögen. Zum Glück lag am Parkplatz noch genügend Schnee, damit wir uns die Schuhe säubern konnten, der Matsch quoll rings um den Schuh hoch, die dicken Profilsohlen waren voll – im Zweifelsfall lieber ein Paar zum Wechseln und eine Tüte für die dreckigen Treter mitnehmen.

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Doch nun endlich zum eigentlichen Grund unseres Ausflugs. Am Ende des Abstiegs oder beim Ankommen mit dem Sessellift hat man diese riesige, 250 Meter tiefe Höhle vor sich. Durch drei natürliche übereinander liegende Brücken fällt im Frühjahr das Schmelzwasser des Schnees 90 Meter tief  in ein Senkloch aus Kalkstein und bildet somit den Wasserfall der Schlucht. Wenn im späten Frühjahr der Schnee auf dem Gelände abgetaut ist, dann ist es auch erlaubt, die spektakuläre mittlere Brücke zu begehen. Gigantische Ausblicke müssen sich ergeben – zumindest findet man im Internet einige imposante Aufnahmen. Nun jedoch war der Bereich großräumig abgesperrt, Wachposten hielten die Besucher im Auge, dass auch ja niemand den matschigen, nassen und rutschigen Schnee der Umgebung betrat.

Die Sonne schien so unvorteilhaft von der Seite in die Höhle, Dampf stieg auf, es war trübe, besser ging das Foto einfach nicht.

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Danach noch eine kurze Rast auf Holzbänken in der Sonne sitzend, bevor die Fahrt bergauf ging.

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Auf dem Nachhauseweg boten sich uns dann noch einige tolle Ausblicke auf die schneeverhangenen Berge und die grandiose Landschaft. Diese Fotos setze ich nun kommentarlos hier rein, einfach wirken lassen!

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Und wenn man dieses Bild sieht, dann weiß man, dass wir nun bald wieder aus 1200 Höhenmetern auf Meereshöhe angelangt sind.

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Eine beeindruckende Natur, die wir heute wieder einmal erleben durften,

bis demnächst!

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Gruß Karin

Eine andere Art der Adoption

Kennt ihr das auch?

Ihr liebt es, wenn in eurem schnuckeligen und gemütlichen Heim sich die eine oder andere Grünpflanze augenfällig wohlfühlt, für alle Besucher sofort ersichtlich ist, dass ihr über den grünen Daumen verfügt! Das Geschöpf weiter wächst und gedeiht, sich prächtig und üppig entfaltet, nach allen Seiten hin, der Platz wird eng, sie steht im Weg, im Zimmer wird es duster, der eine oder andere Trieb wird – wenn auch mit sehr schlechtem Gewissen – vorsichtig gekappt, abgeschnitten oder abgesägt, abwartend die nächsten Wochen gebangt ob der liebe Mitbewohner diese grausame Tat wohl überstehen mag. Sämtliche Familienangehörige und Freunde wurden bereits mit Ablegern bedacht und winken dankend ab. Irgendwann ist der Topf gesprengt, das Gewächs schreit unübersehbar nach einem grösseren Behältnis. Aber insgeheim hat Mann oder Frau sich schon mit Trennungsgedanken beschäftigt. Man passt einfach nicht mehr zueinander! Doch wohin damit? Wer nimmt einem das Teil ab?

Oder die andere Seite der Freude. Irgendwann bekam man von einer guten Seele zum Einzug, zum Geburtstag oder zum Jubiläum ein Pflänzchen geschenkt. Von Beginn an mochte diese arme Kreatur die Schwingungen des neuen Zuhauses wohl nicht so recht leiden. Sie kümmert vor sich hin, mehr tot als lebendig und trotzdem schaffen wir es nicht, diesem Elend ein Ende zu bereiten. Ab in die Tonne oder für glückliche Gartenbesitzer, ab auf den Kompost? Somit würden wenigstens die damit verbundenen unliebsamen Gedanken ebenso wieder dem natürlichen Kreislauf zugefügt.

Dann gibt es natürlich noch eine dritte Variante. Die Lebensumstände haben sich geändert, die Pflanzen müssen weg! Doch soll man sich als Marktschreier vors Haus stellen um die liebgewordenen Raumklimaverbesserer an Passanten zu verschenken?

Für all diese Fälle hat das Frankfurter Künstlerduo 431art das Projekt botanoadopt® ins Leben gerufen. Seit 2009 werden über diese Website ungeliebte aber gesunde Pflanzen an Eltern vermittelt. Hauptsächlich innerhalb Deutschlands, aber auch in europäische Nachbarländer.

botanoadopt® engagiert sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit pflanzlichem Leben und setzt sich für die Rechte von Pflanzen ein.

Eine Adoption ist grundsätzlich kostenfrei. Bezahlt wird mit Verantwortung und zweimal pro Jahr erwarten wir ein Foto der Pflanze. Das Projekt lebt außerdem von den stillen Supportern, die botanoadopt entweder mit einem einmaligen Betrag unterstützen oder z.B. jeden Monat einen Euro an botanoadopt überweisen. Trägerverein von botanoadopt ist der Kunstverein quersumme8 e.V.

(aus der Website)

Ebenso wurde das Projekt Pflanzenklappe® erfunden. Dieses ermöglicht ein anonymes Abgeben von Pflanzen. Termine und Konditionen sind über die Website zu erfahren.

2017 wurde dieses Projekt durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Würde ich nun nicht schon seit über 20 Jahren mit den verschiedensten Frauen im Ausland die kostbaren deutschsprachigen Illustrierten und Zeitschriften tauschen und hätte ich somit gestern Abend nicht zufälligerweise die Kolumne in einer deutschen Frauenzeitschrift gelesen, so wäre mir bis dato noch nie etwas davon zu Ohren gekommen. Selbstredend, dass ich nach meiner Rückkehr aus dem Ausland unbedingt einmal selbst adoptieren möchte. Zu meiner Schande muss ich ja gestehen, dass es mir beim 1. Mal nun nicht unbedingt um die Nachhaltigkeit sondern eher um die Kuriosität und den Spaß geht! Ich bin ja ehrlich! Die Vertragsbedingungen würde ich natürlich einhalten, keine Frage! Zum Abgeben habe ich (noch) nichts, aber ich habe mich im Postleitzahlenbereich 7 schon in einige verkuckt – denke jedoch mal – dass diese Waisen bis zum Herbst nicht mehr zur Verfügung stehen werden.

Nun frage ich euch: Wer kennt diese tolle Sache? Wer hat schon mitgemacht und vor allem, wie sind eure Erfahrungen? Wer plant nun in nächster Zeit sich einen grünen Genossen ins Haus zu holen oder wer hat einen abzugeben? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Bis dahin, seid mir grün!

Eure Karin

Neue Nummernschilder

Diese kurze Info gilt besonders denjenigen, die hier einmal für längere Zeit lebten und sich nach wie vor über Mitteilungen dieser Art freuen.

Seit 01.01.2018 gibt es neue Nummernschilder, Autokennzeichen – wie immer ihr den Begriff kennt.

Die Regelung sieht folgendes vor: Alle Neufahrzeuge mit Erstzulassung ab 01.01.2018 und alle anderen Fahrzeuge die ab diesem Datum zur technischen Überprüfung müssen, bekommen ein neues Kennzeichen.

Zum TÜV müssen Fahrzeuge bei Erstzulassung nach 3 Jahren, dann jährlich.

Somit war es auch für mein Auto letzte Woche Zeit, sich vom alten Nummernschild zu trennen

1. vor 2018
und ein neues zu bekommen.

2. nach 2018

Der Sinn und Zweck soll zum einen eine bessere Lesbarkeit bei der Lasererfassung zum Tempolimit sein, zum anderen sollen die neuen Kennzeichen fälschungssicher sein. Im einzelnen enthalten die neuen Schilder eine Seriennummer, einen lasergeborten Barcode und einen 3D-gebohrten Zedernbaum. Des weiteren sollen die Sicherheitsmerkmale der neuen Beschilderung vor allem die Anzahl der doppelten roten Kennzeichen, die derzeit von nicht lizenzierten Taxis verwenden werden, verringern.

Für mich persönlich sehr schade, konnte ich doch beim Rückstau im Straßenverkehr immer nochmals meine Kenntnisse im Lesen der arabischen Ziffern überprüfen, schließlich waren die Nummernschilder maßgeblich beim Erlernen der Zahlenreihe beteiligt. Und wem nun die Zeder im Landeswappen nicht unbedingt geläufig sein sollte und der dazu kein Arabisch spricht, der weiß nun gar nicht, wo das Vehikel her kommt – sollte man es mal außer Landes sichten. Doch wohin sollte es derzeit auch wollen? Keine Himmelsrichtung wäre dafür geeignet!

Und leider sollte ich nun vielleicht auch etwas gesitteter den Berg rauf und runter düsen, nicht dass die stationären Blitzanlagen mich eines Tages doch noch erfassen!

In diesem Sinne, habt Acht,

Gruß Karin

Die Grotte von Afqa

Prasselnd und zischend
brodelnd und laut
das schäumende Wasser
sich zusammenbraut.
Und sprudelnd von oben
scheint der Fluss zu toben
wenn er dampfend fließt
in die Tiefe schießt.

Es ist Tosen und Brausen
es ist Ohrensausen
es ist gewaltige
fließende Energie
es ist eine schäumende Orgie.

Es ist geballte Kraft
die in die Tiefe rast
die unten aufknallt
und tosend hallt.
Und die Wasserfontänen
wie riesige Tränen
schäumende Gischt
 in meinem Gesicht.

(Verfasser Marius Ebert)

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Besser kann man den Ort unseres gestrigen kleinen Ausfluges gar nicht beschreiben. Da ich nach wie vor mit den Ausläufern meiner Bronchitis zu kämpfen hatte und somit wochenlang nicht richtig aus dem Haus kam, überredete mich Joachim gestern zu diesem kleinen Trip. Er musste heute bereits schon wieder beruflich auf Reisen, somit war das auch für ihn eine kleine Verschnaufpause aus dem stressigen Alltag.

Im kleinen Bergdorf Afqa, in der Nähe von Qartaba, ca. 38 km von Byblos entfernt, schießt im Winter und Frühjahr ein Wasserfall aus einer fast 200 Meter hoch gelegenen Höhle. Diese Grotte ist zugleich die Quelle des Adonis-Flusses, somit spricht man im Volksmund von der Adonis-Höhle. Einheimischen ist der Adonis-Fluss besser bekannt unter Nahr Ibrahim, der dann später im Mittelmeer mündet.

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Der Fluss entspringt einer großen Kalksteinhöhle in der Felswand. Innerhalb der Höhle befinden sich große Räume und ein Labyrinth an Gängen, die Wasser aus dem geschmolzenen Schnee der Berge speichern und kanalisieren, bevor es in Quellen und Bächen unterhalb freigegeben wird. Bei Afqa fließen mehrere Wasserfäden aus der Höhle und bilden zahlreiche kleinere Wasserfälle. Die Höhle wird seit Jahren erforscht, durch die Schneeschmelze und der somit überfluteten Gängen ist dies ein zeitraubendes Unterfangen. Die bisher erforschte Länge beträgt 5260 Meter!

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Der Fluss fließt unterhalb einer Brücke hindurch und stürzt abermals in einem Wasserfall in einen kleinen Teich, wo er dann anschließend weiter seinen langen Weg bergab ins Meer sucht.

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Der Mythologie nach, soll Adonis am Fuss des Wasserfalls geboren und gestorben sein. Das Wasser soll, natürlich!, unglaubliche Wunder bewirken. Somit hat sich auch mein Adonis mutig über die rutschigen Felsen bis zum Wasser gewagt, um sich an einigen Tropfen des sagenumwobenen Trankes zu laben. Ich kann euch berichten, bis heute Morgen fiel mir keine Veränderung am Gatten auf. Mal schau’n, welcher Adonis bis Ende der Woche hier zur Tür hereinkommt! Schade, dass meine Lippen dieses kostbare Nass nicht benetzten, wer weiß, welche Aphrodite mir heute Morgen im Spiegel begegnet wäre?

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Gegenüber der Grotte sollen sich die Ruinen eines römischen Tempels befinden.  Es sollen wohl nur noch verstreute Steinquader vorhanden sein. Leider wurden wir bei unserem Besuch an diesem Platz so bedrohlich und missmutig von drei,  offensichtlichen, Dorfbewohnern buchstäblich verfolgt und eingekreist, dass ich nur noch zurück ins schützende Auto wollte und wir davon fuhren. Das Gebiet gilt sicherheitstechnisch nicht für die beste Wahl eines Ausflugs. Das gelb/grüne Fahnenmeer entlang der Strassen zeigt eindeutig, wer hier an der Macht ist. Erwähnenswert wäre noch, dass wir total in Ruhe gelassen wurden, solange wir auf dem Platz verweilten, in dem Moment wo wir auf der Brücke entlangliefen, und auf den Teich hinabschauten, wurden wir belauert und belagert.

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Somit bekam dieser sehr interessante Ausflug für mich leider wieder einmal einen negativen Touch. Hier noch zwei sehr imposante Schnappschüsse auf dem Weg hinab auf Meereshöhe. Landschaftlich ist der Libanon schon gigantisch.

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Bis demnächst,

Gruß Karin

 

 

Beeindruckende Mineraliensammlung

Die VdFL, die Vereinigung deutschsprachiger Frauen im Libanon, bekam das Angebot, eine geführte Tour durch das MiM Museum in Beirut website zu bekommen. Für mich war dieser Ort völlig unbekannt, hatte ich doch vom Mineral Museum noch nie etwas gehört! Somit informierte ich mich vor der Anmeldung erst wieder einmal im Internet und siehe da – es handelt sich um ein privates Mineralien und Fossilien Museum, eröffnet im Jahr 2013, gilt die Kollektion als bedeutendste private Sammlung der Welt! Mehr als 2000 Mineralien aus 450 verschiedenen Arten und aus 70 Ländern dieser Welt zusammengetragen! Ich interessiere mich zwar eher für funkelnde wertvolle Kristalle aus Kohlenstoff –  ihr versteht mich – aber diese Sammlung wollte ich mir dann doch anschauen.

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Herrr Salim Edde höchstpersönlich, der seit 1997 all die herrlichen Mineralien selbst zusammensammelte und diese dann letztendlich dem Museum übergab, brachte uns die Welt dieser Kostbarkeiten nahe. In einem zweistündigen sehr eindrucksvollen und enthusiastischem Vortrag, in dem er all seine Liebe, seine Begeisterung und Leidenschaft für diese Objekte zum Ausdruck brachte, lauschten wir gespannt und bekamen auf unsere Fragen geduldig Antwort bzw. erfreuten ihn an unserem Interesse. Die Ausstellungsräume im Untergeschoss der Saint-Joseph University, direkt an der Damascus Street, sind eindrucksvoll gestaltet. Die Exponate werden speziell ausgeleuchtet in Schaukästen demonstriert, auch interaktiv bekommt der Besucher Wissen vermittelt.

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Sehr verständlich wurde uns erklärt, dass bestimmte Mineralien immer dieselbe Wuchsform haben, egal aus welchem Land sie stammen. Mehr als die Hälfte der Exponate kommen aus Brasilien, Mexiko, den USA, Namibia, Afghanistan, Pakistan und China. Nicht überall auf der Welt sind Mineralien zu finden, da die geologischen Verhältnisse dafür gar nicht gegeben sind. Auch kommt es vor, dass auf verschiedenen Kontinenten, tausende Kilometer entfernt und getrennt durch Ozeane, wiederum dieselben Objekte zu finden sind, woran die Verschiebungen der Kontinentalplatten beteiligt sind. Im Libanon werden keinerlei Minerale zu finden sein, dafür stammt der wohl älteste Bernstein von hier. Frühe Blüteneinschlüsse in seinem Inneren weisen darauf hin. Ein wirklich ganz besonders eindrucksvolles Stück!

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Die Mineralien werden in 9 Klassen eingeteilt:

Klasse 1 – Einheimische und Legierungen (z. B. Gold, Silber und Platin)

Klasse 2 – Sulfide und Sulfosalze (Beispiele: Pyrit, Galena)

Klasse 3 – Halogenid (Beispiele: Halit, Fluorit)

Klasse 4 – Oxide und Hydroxide (Beispiele: Korund, Hämatit)

Klasse 5 – Karbonate und Borate (Beispiele: Calcit, Rhodochrosit)

Klasse 6 – Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate (Beispiele: Gips, Baryt)

Klasse 7 – Phosphate, Vanadate und Arsenate (Beispiele: Apatit, Mimetit und Vanadinit)

Klasse 8 – Silikate (Beispiele: Quarz, Topas, Beryll)

Klasse 9 – Organische Stoffe (Beispiele: Mannit, Whewellit)

Auch dass je nach Lichteinfall oder Ansicht andere Farbspektren ersichtlich sind, ist ganz besonders faszinierend. In der Schatzkammer kommen dann auch Gold und Silber – und nicht zu vergessen – gepresster Kohlenstoff zur Achtung!

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Ein weiterer Teil des Museums ist die Fisch-Fossilien-Sammlung aus dem Libanon. Anhand vielen Schaumaterialen und interaktiven Einspielungen wird dem Besucher die Entstehung dieser Versteinerungen erklärt. Schwer vorstellbar, dass sich hier vor Millionen von Jahren Rochen, Mantas und Schildkröten im Wasser tummelten. Sogar eine sehr seltene einzigartige Schlange mit Füssen, eine Kreuzung zwischen Eidechse und Schlange kann ganz deutlich im Gestein ausgemacht werden und wurde als Plastik rekonstruiert.

Zu guter Letzt wird noch einer großen Entdeckung eines Fossils gedacht. Einzigartig ihrer Spezies, entdeckt im Libanon, das Fossil eines Pterodaktylus, einer bestimmten Art von Flugechse.

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Lebensgroß rekonstruiert, wurde dieses urzeitliche Tier nun amtlich Mimodactylus libanensis genannt. Das Fossil zeigt den gesamten Flugsaurier mit seiner Speisekammer mit Fisch und Schalentieren. Dieses fliegende Reptil hat die Größe eines großen Huhns. Es hat keine Federn. Im Gegensatz zu den Flügeln von Vögeln oder Fledermäusen bestehen seine aus einer großen Membran, die zwischen dem Körper und dem 4. Finger verläuft und extrem lang ist. Die anderen drei Finger bilden eine kleine Hand, die auf den Flügeln platziert sind. „Mimo“ hat am Ende seines abgerundeten Schnabels scharfe Zähne. Gestorben wohl vor 95 Millionen Jahren. Unvorstellbar!

Ebenso, für mich als Laien, unvorstellbar, dass all diese Mineralien, die den Hauptteil des Museum einnehmen, genauso in der Natur gewachsen sind. Wunderschön!

Kann jedem den Besuch in diesem Museum nur empfehlen! Vorher bitte auf der Website die Öffnungszeiten einsehen.

Farbenfrohe, glitzernde und ein wenig versteinerte Grüsse,

Karin

Der Baum Gottes, Teil 1

Siehe, ein Zedernbaum auf dem Libanon, mit schönen Ästen und dichtem Laub und sehr hoch, so dass sein Wipfel in die Wolken ragte. Wasser ließ ihn gross werden und die Flut der Tiefe in die Höhe wachsen. Ihre Ströme gingen rings um seinen Stamm her und ihre Rinnsale sandte sie zu allen Bäumen auf dem Felde. Darum ist er höher geworden als alle Bäume auf dem Felde und trieb viele Äste und lange Zweige; denn er hatte Wasser genug sich auszubreiten. Alle Vögel des Himmels nisteten auf seinen Ästen, und alle Tiere des Feldes hatten Junge unter seinen Zweigen, und unter seinem Schatten wohnten alle großen Völker. Er war schön geworden in seiner Größe mit seinen langen Ästen; denn seine Wurzeln hatten viel Wasser. So war ihm kein Zedernbaum gleich in Gottes Garten, und die Zypressen waren seine Ästen nicht zu vergleichen, und die Platanen waren nichts gegen seine Zweige. Ja, er war so schön wie kein Baum im Garten Gottes. Ich hatte ihn so schön gemacht mit seinen vielen Ästen, dass ihn alle Bäume von Eden im Garten Gottes beneideten.   Hesekiel 31, 3-9

Das Neue Jahr ist bereits schon wieder drei Wochen alt, die Zeit rinnt dahin. Sohnemann ist inzwischen wieder abgereist und ich habe seit knapp zwei Wochen Zeit, eine heftige Bronchitis auszukurieren, daher kommt dieser Beitrag so spät.

Am sehr ungemütlichen und regnerischen Dreikönigstag, zugleich der armenische Weihnachtstag und somit arbeitsfrei für Joachim, machte ich mit ihm zusammen einen kleinen Ausflug in Richtung Zedern. Diese wollte ich nochmals sehen obwohl ich mir nicht sicher war, ob dieses garstige Wetter dafür geeignet war. In den Bergen lag Schnee und das konnte dann doch gefährlich werden. Hier gibt es ja keine Winterreifen und leider sind viel zu viele Wagemutige mit normalen Personenwagen bei schwierigsten Straßenverhältnissen unterwegs. Göttergatte witterte jedoch ein kleines Abenteuer – ja klar fuhren wir! Alles war besser als einen weiteren Tag dieser endlosen Regentage in diesem Winter zu Hause zu verbringen.

Über die Berge fuhren wir ins Chouf Gebirge nach Barouk. Im dortigen Zedern-Naturreservat auf 1800 Metern stehen zwar nicht die ältesten Bäume, dafür jedoch die meisten.

Das Gebiet von Chouf ist reich an archäologischen und architektonischen Überresten, die ein Zeugnis der Geschichte dieser Berge und der ethnischen Mischung der Bewohner des Libanon sind. Trotz der großen Entfernung zwischen den Bergen des Chouf und den wichtigsten urbanen Zentren der Antike im Mittelmeerraum finden Sie neben den Ruinen libanesischer Dörfer hellenistische Denkmäler und römische Tempel. Die Mamluk-Ära hinterließ die Überreste von Straßen und Brücken, die Städte und Dörfer miteinander verbanden. Die osmanische Zeit gab uns die Paläste und Residenzen von Emiren und lokalen Führern, die immer noch die architektonische Landschaft beherrschen.

Aus der Website Biospaerenreservat

Die Zedernwälder des Libanon schreiben Geschichte, denn sie gehören zu den ältesten dokumentierten Wälder der Welt. Bei den Libanesen wird die Zeder verehrt und ist in deren Köpfen ständig präsent. Ziert sie doch die Nationalflagge, ist das Logo der nationalen Fluggesellschaft, findet sich als Parteiemblem, ist auf dem libanesischen Geld abgebildet und und und.

Im Schnitt sind die Zedern hier 500 bis 600 Jahre alt, manche auch über 1000. Im Libanon gibt es das Phänomen, dass bei einer Zeder mit 8 Metern Höhe die Spitze abstirbt. Der Baum macht dies instinktiv, da er weitere Höhen aus dem Wurzelwerk heraus nicht mit Wasser versorgen kann. Dann beginnt der Baum seine typische Form zu bilden, wie auf der Nationalflagge abgebildet. Die grösste Bedrohung für den Fortbestand dieser wunderschönen majestätischen Kiefergewächsen ist heutzutage der Klimawandel. Da die Zedernsamen zur Keimung kalte Wintertemperaturen benötigen, liegt der natürliche Lebensraum hier zwischen 1200 und 1800 Metern. Und wenn im Sommer kein Regen fällt, benötigt die Zeder zumindest den Frühdunst um daraus die Feuchtigkeit aufnehmen zu können. Doch es wird jährlich wärmer und wärmer, irgendwann sind die Berge nicht mehr hoch genug, damit dort neue Zedern wachsen können. Dann werden die Zedernwälder im Libanon verloren gehen.

Auch unsere kleine Libanon-Zeder, die wir vor zig Jahren im Koffer mitnahmen, wächst und gedeiht in unserem Garten in Deutschland. Heute, aufgrund der Einreisebestimmungen undenkbar, gab es diese zu jener Zeit am Flughafen im praktisch verpackten sicheren Beutel mit Umverpackung für die Ausreisenden extra zu kaufen!

Doch zurück zu unserem Zedernbesuch. Wir mussten gar nicht allzu hoch fahren, um an die Schneegrenze zu gelangen. Beim Bezahlen des Eintrittsgeldes ins Reservat, bekamen wir bereits mitgeteilt, dass die Strasse bis ganz noch oben schon gesperrt sei, wir wollten trotzdem mal schauen, wie weit wir wohl kommen könnten. Bereits nach einigen Metern kam uns der ersten Kleinwagen schlitternd entgegen. Die Scheiben beschlagen, der Fahrer konnte nur erahnt werden, jedoch war das Handy am Ohr ganz deutlich zu erkennen! Die haben hier Nerven! Schlittern bergab, nahe am ungesicherten Abhang, ohne geeignete Ausrüstung, eingeschränkte Sicht – aber das Handy stets in Aktion!

Tatsächlich kamen wir auch nicht weit, nach weiteren Kurven bergan war Schluss und die Strasse war gesperrt. Weitere geländegängige Fahrzeuge parkten und die Insassen vergnügten sich im Schnee und beim Fotoshooting – so wie wir auch! Der eisig kalte Wind und das stecknadelartige Schneegestöber ließen uns jedoch nicht zu lange verweilen.

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Im Frühjahr muss ich unbedingt nochmals in dieses Reservat kommen und den Blick von ganz oben genießen, die Stille hören und den würzigen Zedernduft inhalieren.

Bis dahin, eisige Grüsse mit der Hoffnung, dass bei dieser Kälte recht viele neue Samen heranreifen können und der viele viele Regen auch lange genug zu Nutzen sein wird.

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Karin

Der Baum Gottes, Teil 2

Weihnachtliche Impressionen

Bevor sich das Jahr zu Ende neigt, wollte ich noch meine gesammelten Schnappschüsse von weihnachtlicher Dekoration zeigen. Immer wieder werde ich außerhalb des Libanons darauf angesprochen, ob Weihnachten hier auch stattfinden würde. Ja, Weihnachten findet natürlich statt! Auch wenn der christliche Teil der Bevölkerung immer mehr abnimmt. Erwähnen sollte ich noch, dass wir hier immer im christlichen Teil des Landes wohnten und wohnen, und es hier generell ein anderes Straßenbild gibt als in anderen Teilen des Landes.

Jedes Jahr auf Neue versuchen die Gemeinde- und Stadtverwaltungen, die vorangegangenen Installationen an Lichterglanz, Kugel-, und Glitzerschmuck zu überbieten. Natürlich darf der Libanon dabei nicht fehlen und somit hab ich mich dieses Jahr aufgemacht, die besonderen Ausschmückungen photographisch festzuhalten.

Ob man dieses Überangebot an Bling-Bling nun gutheißen oder missbilligen soll, scheint dahingestellt zu sein. Fakt ist, dass die meisten privaten Haushalte bereits im November ihren Baum aufstellen und dieser dann auch auf jeden Fall bis Maria Lichtmess am 2. Februar stehen bleibt – der Kunstbaum machts möglich! Auch das inzwischen mannigfaltige Angebot an Adventskalender mit Schokoladenfüllungen ist heutzutage schon im November erhältlich. Das war zu unseren Anfangszeiten undenkbar! Wenn es diese Kostbarkeiten in vereinzelten Supermärkten überhaupt gab, dann erst kurz vor Weihnachten – und da war ein Adventskalender nicht mehr nötig. Für uns eigentlich nie ein Thema, da ich sowieso immer die ideenreichsten Kalenderkreationen selbst bastelte.

Aber in Deutschland hab ich die ersten Weihnachtsplätzchen und Lebkuchen auch schon wieder Ende September in den Auslagen entdecken dürfen – schrecklich!

Doch zurück zum Thema: da ich sonst nirgends hin gehe und somit die gigantischen Dekorationen der Shopping Malls nicht zu Gesicht bekomme, hab ich mich an den Rest gehalten. Sprich, hauptsächlich das Glanz- und Lichtermeer der verschiedenen Gemeinden. Hier nun ein kleiner Überblick für diejenigen, die so gar keine Vorstellung haben, wie es hier aussieht. Viel Spaß dabei.

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So – das war Weihnachten 2018. Moment, einer lief mir da noch über den Weg…

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Abschließend wünsche ich euch allen nun ein friedliches, frohes, glückliches, zufriedenes und vor allem gesundes Neues Jahr, kommt gut in 2019 an und passt auf euch auf!

Gruß Karin & Familie

 

 

Friede, Freude, Truthahnbraten

Einmal im Jahr,

wenn Kerzen brennen, Feuer knistern,
Wärme in Gedanken nistet,
wenn Kinder ihre Wünsche listen,
heute schon vom Morgen flüstern.

Wenn alles plötzlich möglich scheint,
die Welt im Glanz und Duft vereint,
wenn jeder einmal kurz verweilt
und denkt an andrer Freud und Leid.

Dann naht sie bald die Weihnachtszeit –
sei sie gesegnet und verschneit!

(Verfasser unbekannt)

 

Liebe Leser,

mein persönlicher diesjähriger Sinnspruch sieht in etwa so aus: Die Wohnung ist geschmückt, das selbst gebundene Adventsgesteck ist fast aus dem Dienst entlassen, dafür steht das treue taiwanische  Bäumchen in aller Pracht im Wohnzimmer, Quark-Marzipan-Stollen gebacken, der Vogel im Tiefkühler, Kühlschrank gefüllt, der Sohnemann für vier Wochen aus Glasgow in den Libanon eingeflogen worüber wir sehr glücklich sind, es herrscht Familienfrieden und Freude – Weihnachten kann kommen!

Plätzchen wurden aufgrund des mangelhaften Ofens nicht gebacken, Geschenke musste ich keine besorgen da wir beschlossen hatten uns nichts zu schenken – trotzdem frage ich mich, warum ich die letzten Wochen so beschäftigt war?! Lags an der vielen Abwesenheit? Bei den Vorbereitungen zum Basar in der Evangelischen Gemeinde und die Mitarbeit am Basartag selbst? Interne Schreibtischarbeit und örtliche Behördengänge verschlangen die letzten Wochen auch jede Menge Zeit und dann nicht zu vergessen, dass die Haushaltsführung hier einfach aufwändiger ist als in Deutschland. Immer wieder Unwohlsein mit starken Kopfschmerzen, anbahnende Erkältungsanzeichen bremsten mich aus. Dazu verbrachte ich die letzten Wochen Stunden im Auto.

Der Straßenverkehr hier ist, wie immer vier Wochen vor Weihnachten, eine noch grössere Katastrophe als sonst. Obwohl ich mich frage, wohin die vielen Autos nur fahren? Habe mir sagen lassen, die Einkaufszentren wären leer – keine Ahnung, denn ich gehe ja nie zum Bummeln. Muss aber stimmen, denn ich höre es von mehreren Personen. Die Händler werfen bereits vor Weihnachten mit Rabatten und Prozenten nur so um sich. Täglich werde ich per SMS Nachricht animiert, hier und da zu super Vergünstigungen einzukaufen. Alles was sonst nach Weihnachten verbilligt an die Kunden abgegeben wird, passiert jetzt schon! Die allgemeine wirtschaftliche Lage zwingt die Menschen dazu, nichts mehr auszugeben! Jeder klagt, alles wurde wieder teurer, manche Familien kommen kaum über die Runden.

Doch hier und heute ist nun wirklich nicht der geeignete Zeitpunkt um zu klagen. Obwohl ich damit mit meinen Gedanken ja auch kurz verweile und über anderer Leid sinniere – wenn ich an das Anfangsgedicht anknüpfen möchte. Vielleicht kommt man am Ende des Jahres automatisch ins Sinnieren, Innehalten und Nachdenken?

Doch am Ende des Jahres sind wir noch nicht angelangt! Zunächst wünsche ich uns allen erst einmal ein gesegnetes, friedliches und ein, klitzekleines bisschen, verschneites Weihnachten! Gerade so, dass Kerzen brennen, Feuer knistern, Wärme in Gedanken nistet und die Wünsche der Kinder in Erfüllung gehen mögen!

Frohe Weihnachten,  bleibt gesund,                             5

Gruß Karin

Weihnachtliche Zauberwelt in Bikfaya

Im Libanon geht wahrlich eine Welle der Veränderung vor sich! Diesmal eine wirklich positive. Was im Jahr 2002 bei der breiten Bevölkerungsschicht noch gänzlich unbekannt war, ist heute wohl nicht mehr wegzudenken. Eine unglaubliche Anzahl an vorweihnachtlichen Festivitäten wird angeboten. Weihnachtsmärkte, Festivals, Basare, Chorgesänge – man kann sich ob der Flut der angebotenen Vielfalt gar nicht entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Letztendlich entscheidet dann, zumindest bei uns, das Verkehrsaufkommen. So auch letzten Samstag.

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Seit Jahren findet in Bikfaya eine Art Weihnachtsmarkt statt. Da wir von Broummana direkt über die Dörfer ins 10 km entfernte Bikfaya relativ stressfrei gelangen und dieser Ort dazu noch auf ca. 1000 Höhenmetern liegt und es am Abend schön frisch und somit winterlicher ist als auf Meereshöhe, war die Entscheidung recht einfach. Dazu hatten die „Mosaikdame“, bei der ich den Kurs absolvierte und meine Bekannte mit ihren Malereien ebenso einen Stand gemietet. Ehrensache, dass ich mir dies anschauen wollte.

Schon von weitem sahen wir die hell erleuchtete Anlage. Wir staunten Bauklötze! So etwas im Libanon? Hatten wir zuvor noch nicht gesehen!

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Warm vermummt mit Winterjacken, Mütze, Schal und Handschuhen schlenderten wir über den hübsch dekorierten Platz, Feuerquellen spendeten Wärme, der Funkenflug musste am besten ignoriert werden. Nun kann man sich das nicht so wie in Europa vorstellen. Zwar waren die verschiedensten hübsch dekorierten Holzbuden mit diversem Angebot vertreten, jedoch entsprach das Sammelsurium an Krimskrams und kitschigen Dekoartikeln nicht unbedingt meinem Geschmack, sehr arabisch anmutend – aber immerhin ein Anfang! Da gab es Schmuck, Schals und Mützen, Taschen, Kinderspielzeug, bestickte Tischwäsche, reichlich dekorierte Kunstblumengebinde und -Körbe, genähte Nikolausstiefel, eingelegte Oliven, Olivenöle, Kekse und Plätzchen und natürlich nicht zu vergessen, unzählige Essens- und Getränkebuden getreu nach meinem Motto: „Wenn gar nichts mehr geht – gegessen und getrunken wird immer!“

Wir schlenderten zig Mal von einem Ende zum anderen. Lauschten den Klängen des Kinderchores oder der Weihnachtsmusik, die in einer moderaten Lautstärke aus verschiedenen Lautsprechern über den Platz zu hören war. Wir aßen hier etwas, kosteten dort den Glühwein um zum Abschluss doch noch einen Happen Süβes zu probieren – bis uns die Füsse aufgrund fehlender Sitzmöglichkeiten weh taten und wir nach Hause wollten.

Wie bereits erwähnt, schön gemacht, immerhin ein Anfang, jedoch ausbaufähig. Wir kamen etwas in Weihnachtsstimmung, schlenderten in der kühlen Nachtluft umher und hatten auch sonst unseren Spaß.

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Vielleicht wurden wir animiert, noch weitere Märkte zu besuchen?

Ich bin gespannt,

Gruß Karin

 

 

Aes cyprium

Dies erfuhr ich jedoch erst durch die Recherche für unseren Kurztrip auf die drittgrößte Mittelmeerinsel. Vom Libanon aus war es ja nun nicht allzu weit, trotzdem hatten wir es in all den vielen Jahren noch nie hierher geschafft (Klammern wir einmal großzügig unsere Evakuierung im Sommer 2006 während dem 33-Tage-Krieg aus. Per Schiff flüchteten wir von Beirut nach Lárnaka, von dort ging es damals per Flugzeug über Hannover nach Stuttgart. Unschöne Erinnerungen – wie gesagt, klammern wir aus).

Nachdem ich letzten Monat noch kurz in Amman bei meinen Partychicks vorbeigeschaut hatte und die tollen Einkaufsmöglichkeiten im Supermarkt genoss, haben Joachim und ich dann Ende November noch fünf Tage lang eine Reise nach Zypern unternommen. Nicht einmal eine Flugstunde von Beirut entfernt, landeten wir in Larnaka und nahmen uns einen Leihwagen um zum auserkorenen Hotel nach Páfos, der grössten Stadt im Westen der Insel, zu gelangen. 

Der Aufenthalt war so schön! Landschaftlich gibt es das Meer und die Berge wie im Libanon, doch die Vegetation ist durchaus verschieden. Wir fuhren ziemlich viel in der Gegend herum, hinauf in die Berge, hinab ans Wasser, rüber nach Limassol und Lárnaka und wieder zurück nach Páfos. Blieben jedoch immer im griechischen Teil, auch Nicosia haben wir leider nicht mehr geschafft – aber Zypern wird immer wieder eine Reise wert sein! Für zu viele Sehenswürdigkeiten und Unternehmungen war einfach keine Zeit mehr da. Das Wetter noch wesentlich milder als im Libanon obwohl wir auch Regen und kalten Wind zu spüren bekamen,  frei zugängliche Strandabschnitte, super ausgebaute Autobahnen die die großen Städte verbinden. Der Linksverkehr allerdings war so manches Mal für Jogi eine Herausforderung und ich war froh, als Copilotin agieren zu können und sei es auch nur mit Kommentaren wie „linke Seite fahren!“, wenn er nach dem Abbiegen fälschlicherweise wieder einmal die gewohnte Fahrspur einnehmen wollte.  

Angefangen haben wir unsere Besichtigungen mit den Königsgräbern, auch wenn dort gar keine Könige begraben waren. Die gab es zu der Zeit der Ptolemäer in den beiden letzten vorchristlichen Jahrhunderten auf Zypern nicht. Wohl eher Statthalter und ihre Familien. Ein riesen Areal sehr malerisch direkt am Meer gelegen. 

Nach diesen schweißtreibenden Kraxeleien stand uns der Sinn nach Abkühlung. Mich interessierte vor allem die Aphrodite Felsen Brauerei. Brauerei Zwei Schwestern mit englischer Abstammung und deren Familien führen in reinster Harmonie eine Kleinbrauerei mit angehörigem Biergarten und Pub. Ein wahres Kleinod etwas oberhalb von Pafos nahe Tsada.

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Wir wollten uns nur durch einige Biere probieren, die reichhaltige Speisekarte interessierte uns zu dieser Zeit nicht, die positiven Bewertungen im Netz sind jedoch durchaus erwähnenswert. Die Brauerei hat aus Hygienebestimmungen festgelegte Besichtigungszeiten, sie war zu unserer Anwesenheit leider geschlossen, ich durfte jedoch durch die offene Tür ein Foto machen.

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Ansonsten ließen wir uns die zwei verschiedenen Bierchen schmecken. Leider war es dort oben trotz der stechenden Sonne recht frisch und windig und Jogi hatte wie so oft nicht an eine Jacke gedacht und wir mussten schnell wieder aufbrechen. Gerne wäre ich noch etwas verweilt. 

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Am nächsten Tag ging die Fahrt weiter. Oftmals plan- und ziellos ließen wir uns treiben und entschieden kurzfristig, was wir uns anschauen mochten. So auch das Kloster Chrysorrogiatissa. Hoch über einem Tal in den westlichen Ausläufern des Trodoos Gebirges beim Dorf Pano Panagia. 

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Das im 12. Jahrhundert gegründete Kloster produziert Klosterweine, die auf der Terrasse mit Ausblick ins Tal gekostet werden können oder auch im Weinladen nebst Likören und Ikonen erworben werden können. Das Kloster restauriert auch alte Ikonen und besitzt eine Klosterkellerei. Diese konnte im November allerdings nicht mehr besucht werden. Im Zentrum des engen Klosterhofes steht eine geweihte Kirche mit einer wundertätigen Marienikone, die der Evangelist Lukas gemalt haben soll. 

Ganz andächtig verweilten wir kurz im Inneren, bestaunten das prachtvolle Interieur, entzündeten eine Kerze und verließen ganz ruhig und ins uns gekehrt wieder das Kloster. 

Auf der Weiterfahrt boten sich diese grandiosen Ausblicke.

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Zwischen allerlei kulinarischen Erlebnissen an den verschiedensten Orten besuchten wir natürlich auch den legendären Felsen der Aphrodite.

Den Mythen um die Göttin der Liebe, der Schönheit, der sinnlichen Begierde, der Schutzherrin der Sexualität und der Fortpflanzung wird auf Zypern, speziell in dieser Gegend, ganz besondere Aufmerksamkeit gewährt. Aphrodite Hills – ein berühmter Golfplatz, Aphrodite Tempel, Bad der Aphrodite, Apotheken, Restaurant, Hotels – sie alle bedienen sich des sagenumwobenen Namens. 

Am westlichen Ende mehrerer einsamer Kiesstrände, bildet der Abschluss an der flach gewordenen Küste ein kleiner Strand, vor dem mehrere Felsen aus dem Meer ragen. Eigentlich heißen sie Felsen der Romäer – Pétra tou Romioú, aber die Touristikwerbung nutzt sie als Felsen der Aphrodite, da laut Mythologie Aphrodite hier aus dem Schaum des Meeres entstiegen sein soll. Junge Paare schwimmen hier oder halten sich besonders gerne auf. Wer den Felsen dreimal umrundet, wird mit ewiger Liebe belohnt oder der lang ersehnten Schwangerschaft. 

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Wir nutzen das herrliche Wetter um die Seele ein wenig baumeln zu lassen und ich bewunderte das glasklare Wasser

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und bedauerte es sehr, dass es im Libanon nicht möglich ist, einfach von der Strasse ab zu fahren und ins wohltuende Wasser unterzutauchen. Zum einen ist alles zugebaut, nur per Eintrittsgelder zu erreichen oder die Wasserqualität lässt sehr zu wünschen übrig oder man befindet sich wiederum in Gegenden, wo Frau sich nicht einfach mit dem Badeanzug am Strand aufhalten kann.

Mit Staunen bemerkte ich auch die Mutigen, die sich ins kühle Nass wagen, denn in der Nacht zuvor gab es noch heftige Regenschauer. Was tut Mann oder Frau nicht alles aus dem Glauben heraus!

Auf einer Anhöhe einige hundert Meter weiter befindet sich eine von vielen Parkbuchten entlang der Küste. Wunderbare Möglichkeiten, um die Schönheiten der Umgebung noch besser auf sich wirken zu lassen.

Auch das Hafenareal von Páfos galt es zu erkunden. Am Abend sassen wir schon öfters entlang der Promenade in der einen oder anderen Lokalität um uns ein Essen, das leckere zypriotische KEO Bier oder auch einen süffigen Cocktail munden zu lassen. Doch ich wollte die Anlage auch bei Tageslicht betrachten. 

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Auch heute noch liegen hier Fischer- und Ausflugsboote. Direkt an der Mole befindet sich ein türkisches Fort, das wir jedoch nicht besichtigten. Die beiden antiken Molen sind Zeitzeugen einer anderen Epoche. Den archäologischen Park mussten wir auch auslassen, aber wie bereits erwähnt – ich bin mir sicher ich komme nochmals hierher.

Entlang des Hafenbeckens reiht sich ein Restaurant ans andere. Wir empfanden es sehr aufdringlich, wie wir von „Marktschreiern“ in allen möglichen Sprachen angeworben wurden, in das jeweile Restaurant zu kommen. Sehr unangenehm! Leider machten wir am vorletzten Abend den Fehler, direkt in eines dieser Touristenfallen zu gehen – so ein mieses Essen hatten wir den ganzen Urlaub nicht. Bis dahin immer zur höchsten Zufriedenheit getafelt – und dann so etwas! 

Eine weitere Besichtigung, die durch Zufall beim Umherfahren durchs Land zustande kam, war die mittelalterliche Burg Kolossi. 

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Ich zitiere nun hin und wieder aus dem deutschsprachigen Flyer, den man beim Eintritt bekommt, herausgegeben vom Archäologischen Dienst Zypern. Vielen Dank dafür. 

Westlich der Stadt Limassol liegt im Zentrum des üppigsten Tales im südlichen Zypern die Burg Kolossi. Schon im Mittelalter wird dieses fruchtbare Tal an der Mündung des Kouri-Flusses wegen seiner unendlichen Zuckerrohr- und Baumwoll-Plantagen, seiner Weinberge, Olivenhaine, Johannisbrotbäume und Getreidefelder von den Besuchern gepriesen. 

Zur Zeit der Frankenherrschaft war es eines der reichsten Lehen, das fränkischen Adligen gewährt wurde. 1210 wurde das Lehen durch den über Zypern herrschenden König Hugo I., dem Johanniter-Orden übergeben. Damals entstand die erste Burganlage, Überreste sind bis heute zu sehen.

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1301 verlegten die Johanniter ihren Hauptsitz nach Kolossi. 1306 kam die Burg für kurze Zeit in die kriegerischen Hände der Templer, 1308 waren jedoch die Johanniter wieder die Herren von Kolossi. 1310 wurde die Verwaltung des Johanniterordens auf die Insel Rhodos verlegt, die Burg blieb jedoch als Sitz starker militärischer Macht in Zypern bestehen, bekannt als Commanderie. Ab 1380 diente die Burg als repräsentativer Wohnsitz und Kommandozentrum. Von hier aus erfolgte die gesamte Organisation, Kontrolle und Ausbeutung der großen Plantagen des Tales von Kolossi und der weiteren Umgeben, zu der 60 Dörfer gehörten. Verheerende Angriffe der Genuesen im Jahre 1373 und der Mamelucken 1413, 1425 und 1426 sowie eine Reihe katastrophaler Erdbeben bewirkten, dass die stattliche Burg eine Ruine wurde.

1454 errichtete der Großkomtur des Ordens eine neue, mächtigere Burg, die heute noch erhaltene Burg von Kolossi.

Ein aus Steinen erbauter Festungsturm, 21 hoch, die Wandstärke 1,25 m. Dreigeschossig, durch eine enge Wendeltreppe miteinander verbunden. Das Erdgeschoss war wohl Lagerraum, auch zwei unterirdische Zisternen waren vorhanden. Der Zutritt zur ersten Etage erfolgt über die Zugbrücke. 

Auf beiden Etagen befinden sich großzügige Räume, jeweils mit Kamin ausgestattet. Im Erdgeschoss ist eine Wandmalerei erhalten geblieben, die die Kreuzigung Christi zeigt. Das Flachdach des Turm hat zahlreiche geschweifte Schießscharten und Pechnasen. 

Vom Dach aus bekommt man einen weiten Blick in alle Himmelsrichtungen, über die grüne Oase bis hin zum Meer, vom Tróodos und den Hochhäusern von Limassol. 

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Der östliche Hof wird von einem über 150 Jahre alten Baumriesen beherrscht. 

An der Ostseite der Burg haben sich Reste des Aquädukt erhalten. Das somit erhaltene Wasser trieb die Mühlräder der Zuckermühle an, die in dem großen überdachten Raum nebst Brennerei untergebracht waren.  

Zu später Stunde ging die Fahrt zurück, nicht um noch vorher an diesem schönen Platz, der Fossil Beach, anzuhalten. Ein abendlicher kühner Schwimmer entstieg gerade noch dem kalten Wasser, trocknete sich ab, entledigte sich unter dem großen Badetuch flugs seine Badehose, zog Shorts an, stieg ins Auto und fuhr von dannen. Die Dusche nach dem Arbeitsalltag war erledigt!

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Ansonsten sieht man am Straßenrand zahlreiche Ableger der Kaktusfeige, manches Mal in riesigen Dimensionen. Wie Unkraut breitet es sich anscheinend aus. Ob diese Art wohl essbar ist?

Unsere Abreise stand bevor, doch nicht ohne vorher eine der zahlreich verteilten LIDL Filialen besucht zu haben. Im Vorfeld erkundigte ich mich schon online über das Angebot. Somit wanderten doch einige liebgewordene Artikel, vor allem nun während der Adventszeit, in unseren Einkaufskorb. Wenn uns hier doch auch so ein Warenangebot zu vernünftigen Preisen angeboten würde! 

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Am nächsten Morgen nach dem letzten Frühstück auf der Außenterrasse mit herrlichem Blich auf das Meer, schoss ich noch dieses Foto und begab mich dann noch aufwärts zur Rezeption, um dort nochmals rundum den Blick einfangen zu können. 

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Mit dem Leihwagen ging es dann wieder zurück nach Larnaka zum Flughafen und heimwärts. Zypern – wir sehn uns wieder!  A′dio!

Gruß Karin

 

Stein um Stein…

…das Kunstwerk wird bald fertig sein!

Anfang des Jahres besuchte ich das kleine Atelier einer Bekannten, welches sie mit einer Nachbarin teilt. Sie selbst malt und ihre Nachbarin ist kunsthandwerklich in allerlei Sparten unterwegs. Malerei auf Leinwand, Porzellan, Glas und Holz, auch Mosaiken mit den verschiedensten Arten von Steinen und auf den verschiedensten Trägermaterialien fertigt sie an. Die Steinchen weckten sofort mein Interesse! Das wollte ich unbedingt einmal versuchen.

Die Steine die sie zur Auswahl hatte, gefielen mir so gar nicht. Somit besorgte ich mir beim letzten Osteraufenthalt in Deutschland kleine Bastelsteine aus klassischem Terracotta – das entsprach eher meinem Geschmack.

Bis ich mir einen geeigneten Untergrund, in diesem Fall ein Kuchenteller, und ein Muster aussuchte und der Termin passte, vergingen wiederum viele Wochen. Doch letzten Monat war es endlich soweit.

Zunächst musste ich das Muster auf den Teller übertragen. Dann knipste ich mit einer speziellen Zange die 2 x 2 cm großen Quadrate in gleich große Dreiecke. Das war relativ leicht, denn die Steine waren gerade einmal 4 mm stark.

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Dass sich dann das Auslegen und Zurechtrücken so schwierig erweisen sollte, war mir nicht klar. Dann einen speziellen Leim auf dem Teller verteilen und die zuvor zurechtgelegten Steine konnten geklebt werden. Das war Sisyphusarbeit! Obwohl – sinnlose, vergebliche Mühe war es ja nicht, ich kam ja irgendwann ans Ziel und als Strafe wurde mir dies auch nicht auferlegt – somit ist der Begriff eigentlich falsch gewählt. Sagen wir Puzzlearbeit – das trifft es am ehesten. Geduldig, Stunde um Stunde, Steinchen um Steinchen das Bild zusammenfügen. So was machte mir Spaß!

Erst beim Ausfugen und anschließendem Abwaschen kamen dann meine Fehler ins Licht. Ich hätte darauf achten sollen, dass alle Steine wirklich die gleiche Stärke haben, sonst ergeben sich Unebenheiten, die beim Abwaschen der Ausfugmasse eine Herausforderung darstellen.

Leider wurde mir dies zuvor nicht so deutlich gemacht, auch war ich der Meinung, dass ich das Ausfugmaterial viel zu dick auftragen sollte, das Abwaschen war eine Heidenarbeit gegen die Zeit, da das Material sehr schnell abbindete.

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Mit der Verwendung der kleinen Kiesel beim Mosaik und dem späteren Ausfugen hatte meine Kurslehrerin leider gar keine Erfahrung. Hätte ich gewusst, dass sie z. T. gar nicht sichtbar sind, hätte ich etwas grössere gewählt. Nun ja, beim nächsten Mal wird es vielleicht noch etwas schöner, aber ich bin zunächst einmal mit meinem Kunstwerk zufrieden.

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Demnächst erzähle ich euch dann von weiteren Steinen, ihr dürft gespannt sein, bis dahin

Gruß Karin

Die antike Siedlung Anjar

Letzten Sonntag konnte ich einen weiteren Punkt auf meiner inneren „Wunschliste der Unternehmungen“ abhaken. Die vielen Jahre zuvor hatten wir es nicht geschafft, im Bekaa-Tal, 60 km südöstlich von Beirut und gerade einmal 10 km von der syrischen Grenze entfernt, die Ruinen von Anjar zu besichtigen.

Dabei handelt es sich um die Überreste einer umayyadischen Stadt aus dem 8. Jahrhundert. Nach der Unabhängigkeit des Libanons wurde zwischen 1953 und 1975, im Zuge der Ausgrabungen und Restaurierungen durch das Ministerium für Altertum, die Anlage entdeckt und z. T. wiederhergestellt. Seit 1984 gehört der Ort zum Weltkulturerbe der UNESCO. Dass dieses Areal in ihren Ausmassen so gewaltig ist, war mir bis dahin nicht bekannt. Die rechteckig angelegte Stadt wurde von Umfassungsmauern umgeben, 374 x 308 Meter betragen die Masse. Zwei Hauptstraßen (N-S / O-W) durchkreuzen die Siedlung, an jedem Ende verbunden mit einem Stadttor. Heute betritt man die Anlage durch das Nordtor. Die Strassen waren mit Kolonnaden gesäumt, Reste von Säulen und Arkaden-Bögen liegen nun auf der Erde. Um die 600 Läden und Werkstätten sollen sich an die Strasse angeschlossen haben. Ein ausgeklügeltes Bewässerungssee- und Abwassersystem und die Badeanstalt erinnern sehr an römische Bauten.

Beim Eintritt auf das Gelände war ich zunächst sprachlos. Bei dunklem verhangenen Himmel starteten wir hier unsere Fahrt quer durch das Land. In Chtoura kämpften wir uns durch schlimmen Regen und verstopfte Strassen und kamen in Anjar in klarer und gereinigter Luft und sonnigem Himmel an. Das Grün, welches sich durch das karge Gestrüpp kämpfte, strahlte in schönstem Hellgrün. Es herrschte so eine friedliche entspannte Atmosphäre, ich schlenderte mit meinem Adonis durch die Überbleibsel vergangener herrschaftlicher Zeiten und genoss jeden Augenblick.

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Diese beiden Exemplare durften an so einem Ort eigentlich nicht fehlen. In völliger Ruhe hielten sie ihr Nickerchen und hatten gerade mal ein Augenzwinkern für uns übrig.

Unsere Besichtigungstour war hiermit beendet, sehr schön und lohnenswert war es. Bin gespannt, wann wir uns zu neuen Zielen aufmachen, bis dahin

Gruß Karin

 

Klassische Musik

Bis dato war ich bezüglich klassischer Musik völlig unerfahren. Das eine oder andere zu hörende Stück in den Medien konnte ich meinen Ohren zumuten, ich war mir jedoch immer sicher, dass ich für längere Zeit diesen Musikklängen nicht unbedingt folgen möchte.  Na ja, wer meinen vorherigen Beitrag über Scorpions liest, der kann mich eventuell verstehen. Eine Freundin in Amman fragte mich von Zeit zu Zeit ob ich Lust auf ein Konzert hätte, stets hatte ich abgelehnt. Nun fanden im Nachbardorf Baabdath eine Woche lange klassische Konzerte mit kostenlosem Eintritt statt. Gerade einmal acht Minuten Autofahrt entfernt und meine Freundin Anne als begeisterte Besucherin solcher Veranstaltungen mit von der Partie – da traute ich mich doch und ging letzten Sonntag einmal mit – somit hatte ich bei diesen Konditionen bei Nichtgefallen nicht viel zu verlieren.

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Les Musicales de Baabdath ist ein Konzertprogramm, welches von Les Musicales, einer unabhängigen, gemeinnützigen Organisation organisiert wird. Von einem Team aus Ehrenamtlichen, Laien und Berufsmusikern  – angetrieben von ihrer Leidenschaft zur Musik – wurde 2016 dieser Event ins Leben gerufen. Die Höhepunkte der Spielzeit 2018 sind die Arbeiten der Komponisten des 17. bis 21. Jahrhunderts. Aus einem breit gefächerten Repertoire  können internationale Musiker und Sänger aus Frankreich, Holland, Spanien, Irland, Österreich, Russland, Armenian und Libanon an neun Abenden bejubelt werden.

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Den Anfang machte ich an einem Sonntagabend und ich war völlig erstaunt über mich selbst. So lange ich die Akteure mit ihrer emotionsgeladenden Mimik im Spiel beobachten konnte, lauschte ich völlig gebannt und ging in der Musik komplett mit. War jedoch aufgrund des Sitzplatzes das Sichtfeld eingeschränkt und ich konnte nur etwas hören, schweiften meine Gedanken ab und ich wurde unkonzentriert und es kam Langeweile auf. Entspannen und genießen kann ich zudem nur bei lieblichen und eher langsamen Klängen, alles andere ist mir zu aufregend und lässt meinen Puls in die Höhe treiben.

Nachdem mein Zeitplan es dann auch für den nächsten Tag zuließ, besuchte ich auch am folgenden Abend, sogar zusammen mit Joachim, ein weiteres Konzert. Das hatte schon etwas!

An meinem dritten und letzten Abend erlebte ich dann glückselige Zufriedenheit bei der Violinsonate Nr. 7, Op. 30 von Ludwig van Beethoven, 2. Satz in Adagio cantabile. Mit geschlossenen Augen lauschte ich den lieblichen Tönen – es war so schön!

Stattgefunden haben diese Abende in der katholischen St. Anthony of Padua Church in Baabdath. Die wunderschönen Fresken in der kleinen anheimelnden Kirche werden auf Anfang des 20. Jahrhunderts datiert.

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Ein himmlischer Ort für diese Veranstaltungen, passender könnte es nicht sein und hat mir den Einstieg in die Klassische Musik erleichtert.

Mal schauen, wann ich es erneut wage, bis dahin

Gruß Karin