Tempelanlage des Gottes Eschmun

Während der Autofahrt zu unserer nächsten Besichtigungstour meinte mein lieber Göttergatte ganz trocken in seiner eigenen Art: „Sollten wir uns eventuell irgendwann wieder einmal dazu entschließen im Ausland leben zu wollen, dann nur auf einer Insel, die neu durch einen Vulkanausbruch entstanden ist.“ Auf meine verwunderte Nachfrage kam ganz kurz die Antwort: „Da gibt es wenigstens keine alten Steine, die du dir unbedingt anschauen willst!“

Somit war bereits schon vor der eigentlichen Besichtigungstour die Einleitung für diesen Beitrag entstanden!

Auf die Idee für diesen Ausflug kam ich letzte Woche, als ich mit einer Freundin die alljährlich stattfindende Garden Show in Beirut besuchte. Beim Vorbeischlendern  am Infostand des Ministeriums für Tourismus studierte ich die reichhaltige Auslage an Faltprospekten. Alle Ziele waren mir bekannt, bis auf eines, natürlich! Nun sollte mir mein Gatte eigentlich dankbar sein, dass er sich diese historischen Steine mit mir zusammen anschauen darf!

Unser Weg führte uns diesmal durch Beirut hindurch, Richtung Süden nach Sidon (arabisch Saida). Ungefähr gegenüber des Stadions befindet sich die Anlage. Das Eingangstor weit geöffnet, frisch gepflanzte Blümchen entlang der sauber gefegten Einfahrt, drei junge Männer verweilten im Schatten eines Hauses und hießen uns willkommen. Parken und Eintritt war kostenlos, somit konnten wir direkt losmarschieren.

 

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Die phönizische Stätte stammt aus dem 6. Jhr. v. Chr. und wurde im 19. Jhr. von Archäologen freigelegt. Es handelt sich um einen Tempel, der dem Heil- und Fruchtbarkeitsgott Eschmun geweiht war. Zugleich war er auch Stadtgott von Sidon.

Der Standort wurde voraussichtlich aufgrund der Quelle gewählt, die nahe beim Tempel entspringt und deren Wasser für die Heilungszeremonien unentbehrlich war.

Allzu viel ist nicht mehr sichtbar und trotzdem wundert es, dass z.B. die Mosaiken teilweise noch so schön erhalten sind. Einige Fundstücke können im Nationalmuseum in Beirut bestaunt werden, auch fand man in der Nähe von Sidon zwei schwarze Sarkophage. Einer der beiden befindet sich im Museum in Istanbul, der andere im Louvre in Paris. Bevor mit den Ausgrabungen begonnen wurde, glich der Tempel einem Steinbruch. So benutzte u.a. Emir Fakhreddine II. die massiven Steinblöcke zum Brückenbau.

Obwohl viele Teile des Areals gemäht waren, auch während unserer Anwesenheit wurde ein Stück weit das von der Sonne verdorrte Gestrüpp entfernt, trauten wir uns nicht tiefer ins Gebüsch. Zu gut wissen wir über die Schlangen bescheid, die sich in solchen Gegenden geradezu wohl fühlen. Joachim entdeckte eine Leblose oben auf dem Podium, ich mit meiner Phobie machte einen weiten Bogen.

Interessant fand ich dann, was ich während meiner Recherche bei Wikipedia las:

Der Legende nach war Eshmoun ein junger Mann aus Beirut. Die Göttin Astarte selbst verliebte sich in ihn. Eschmun verstümmelte sich daraufhin selbst, um ihrem Werben zu entfliehen und starb an seinen Verletzungen. Daraufhin erweckte Astarte ihn wieder zum Leben – als Gott. Wie Adonis wurde er auch als Fruchtbarkeitsgott verehrt, der jedes Jahr von Neuem stirbt, um wiedergeboren zu werden. Er wurde auch als Heilgott angesehen und so mit dem griechischen Heilgott Asklepios gleichgesetzt. Eschmun wurde – wie Asklepios auch – mit dem Attribut eines Stabes ausgestattet, um den sich eine Schlange windet. Das bezeugt eine goldene Tafel, die in der Nähe des Eschmun-Tempels bei Sidon gefunden wurde.

Somit begnügten wir uns mit den wenigen Sehenswürdigkeiten, die sich entlang der Wege befanden.

Vom ehemaligen Podium hatte man einen wunderbaren Überblick.

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Blick nach links zum Eingang zeigt sich in der Ferne das Mittelmeer, auch das Stadion von Sidon ist gut sichtbar.

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Blick geradeaus auf die Obstplantagen des Nachbargrundstücks

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Blick nach rechts auf die bewirtschafteten Berge

Das Areal war frei von jeglicher Müllansammlung, wirklich lobenswert. Schmunzeln musste ich dann jedoch wieder beim Einsteigen ins Auto. Direkt daneben der typische libanesische Abstellplatz für Gerümpel aller Art, inklusive dem gesammelten Müll.

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Weiter ging die Fahrt Richtung Osten nach Jezzine, doch darüber schreibe ich einen eigenen Beitrag. Bis gleich,

Karin

4 Kommentare zu “Tempelanlage des Gottes Eschmun

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