Baumriesen, Teil 2

Baumriesen, Teil 1

Nach meinem schönen Erlebnis mit den Mammutbäumen hier im Lorcher Wald wollte ich nun auch andere Anpflanzungsgebiete der Riesen kennenlernen. Somit machte ich mich am Pfingssonntag in das nur 14 km entfernte Welzheim auf, um dort im Tannwald die Wellingtonien anzuschaun, ein wenig spazieren zu gehen und zur Ruhe zu finden.

Auf dem weitläufigen Parkplatz fand mein Auto gerade noch Platz, mir schwante Böses! Im Geiste sah ich mich schon von lärmenden Menschenmassen umringt, aufgrund Corona ausgehungert nach „Freilauf“!

Das erste Mal vor Ort informierte ich mich zunächst einmal an den Infotafeln:

Die linke Tafel erklärt dem Wanderwilligen, dass dieser im Schwäbischen Wald auf FeenSpuren anhand des Premiumwanderweges „Drei Schluchten“ zum Edenbachtal, der Wieslaufschlucht und dem Strümpfelbachtal gelangt. Der 14,5 km lange Weg auf abwechslungsreichen Pfaden mit Schluchten, Klingen und Wasserfällen setzt festes Schuhwerk, geeignete Wanderkleidung, Verpflegung und gute Kondition voraus – nicht unbedingt dies, was ich in meinem Spaziergepäck mit dabei hatte.

Die rechte Tafel informiert, dass man ebenso auf FeenSpuren des Premiumspazierwanderweg „Römerwald“ u.a. zu den imposanten Mammutbäumen gelangt. Somit war mein Weg besiegelt, ich wusste nun nur nicht, welchen der drei abzweigenden Pfade ich einschlagen sollte. Ohne nach weiteren Wegweisern Ausschau zu halten, entschied ich mich für den linken Weg und betrat den Stadtpark.

Augenblicklich betrat ich eine andere Welt. Das üppige Grün das Geräusche und Lärm auschloss, das Zwischern der Vögel und leise in sich gekehrte entgegenkommende Spazierer ließen mich ebenso ruhiger werden. Tief durchatmend schlenderte ich so für mich allein durch den zwei Hektar großen Park, zwischen altem Baumbestand, an liebevoll angelegten Blumenrabatten und Ruhebänken vorbei, bis meine Aufmerksamkeit auf rote hölzerne Torbögen gelenkt wurde. Durch das wildsprießende Blattwerk sah ich weitere dieser asiatisch anmutenden Pfosten tief im Dickicht stehen und dann stoß ich auch schon auf eine Infotafel.

Anlässlich zum 100. Geburtstag des Stadtparks schuf die Stadt Welzheim 2012 einen Ort, an dem Geist und Körper durch Poesie und Bewegung zusammengeführt werden – den Poetenpfad. Diesen Satz entnahm ich der Website des Tourismus-Vereins Schwäbischer Wald und ich finde, er sagt genau dies aus. Ein weiterer Anlass ein Denkmal zu setzen war der 200. Jahrestag der Ankunft des Arztes und Dichters Justinus Kerner in Welzheim. Dieser war von 1812 bis 1815 in Welzheim als praktischer Arzt tätig, bevor er dann eine Stelle als Oberamtsarzt in Gaildorf annahm.

Somit wurden lyrische Zeilen des Dichters zeitgenössischen Gedichten anderer Künstler gegenübergestellt. An dem 200 m langen Pfad wurden an den 12 Torbögen beidseitig Tafeln angebracht. Auf den Rückseiten der Pfosten finden sich die Texte in Brailleschrift.

Links nun bekannte Zeilen Kerners, mir taten es jedoch die Weisheiten auf der rechten Tafel an und schwupps fühlte ich mich mindestens um ein Jahrzehnt jünger!

Entlang des Weges stehen die tollsten Ruhemöbel, ich sag euch, eine überdimensionale freischwingende Hängematte aus Holz mitten im Dickicht mit Blick auf ein Himmelszelt aus Blattwerk hat was für sich!

Beim Verlassen des Poetenpfades widmete ich mich eingehend diesem riesigen alten Baumbestand. Ein Gewächs schöner als das andere, majestätisch wiegten sie ab und an in der leichten Brise, dazu das Gezwischter der Piepmätze – es war herrlich!

Desweiteren grenzt ein großer Erlebnis-Spielplatz an, eine Boulebahn, die Haltestelle der Schwäbischen Waldbahn,  ein Bewegunsparcour mit 10 Fitnessgeräten und dieser wunderschöne Pavillion aus den 1920er Jahren.

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Nun war ich schon so verzückt und beseelt – nun wollte ich unbedingt auch noch die typischen Mammutbäume sehen. Über den Parkplatz hinweg gegenüber in den Wald hinein kommt man bereits nach ca. 100 Metern auf eine Lichtung und sofort schoss mir der Libanon vor Augen. Mein erster Blick fiel auf diese Stämme und ich kam wie vor als ob ich in Baalbek die sechs noch stehenden Säulen des Jupitertempels vor mir habe.

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Eine schön angelegte Lichtung mit vielen Tischen und Sitzgelegenheiten und einer Infotafel über diese Wellingtonien runden den Platz ab.

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Anschaulich wird erklärt, welche Bäume aus welchem Anpflanzungsjahr stehen und es ist immer wieder schön zu lesen, dass aus König Wilhelms Saatbestellung noch mehrere Ableger vorhanden sind. Übrigens stehen diese Altbäume heutzutage fast ausnahmslos unter Naturschutz, sie dürfen nicht beschädigt oder gefällt werden!

Ich war neugierig geworden. Viele Menschen kamen mir aus dem Wald entgegen, in alle Richtungen zogen sie wieder von Dannen. Ich schlug einen eher schmäleren, ruhigeren Weg ein, mein Handy und mein Tierabwehrspray gaben mir Angsthase etwas Sicherheit. Dann und wann kamen mir Frischluftkollegen entgegen, manches Mal zum Gruß kopfnickend, ein andermal ein leises zartes Hallo oder Grüß Gott oder nur stumm auf den Boden blickend! Dass ich nicht so ganz allein zu sein schien, darüber war ich inzwischen mehr als froh. Mountainbiker und normale Radler schossen aus verzweigten Wegen heraus, an den Geräten des Trimm-Dich-Pfads probierten sich auch die ein und anderen Spaziergänger aus, mich nicht ausgenommen.

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Irgendwann kreuzte dann auch das Schienenbett der Schwäbischen Waldbahn, es müsste doch herrlich sein, hier entlang zu tuckeln.

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So langsam bekam ich Durst, meine vergessene Wasserflasche rächte sich. So viele Möglichkeiten zur weiteren Freizeitgestaltung gab es hier auf dem Wanderweg. Mühlenbesichtigung, Quelle, Fischteich, die Ruine eines römischen Wachturms, der archäologische Park Ostkastell, doch nach über 3 Stunden herumwandern hatte auch ich genug, mich zog es zurück gen Parkplatz.

Diesen komisch gewachsenen Baum sah ich noch auf meinem Weg.

Mit meinem nichtvorhandenen Orientierungssinn überraschte es mich nicht, dass ich nicht direkt am Parkplatz aus dem Wald traf sondern wieder bei meinen Mammutbäumen, was ich besonders schön fand.

Somit heute kein Selfie sondern einen Gruß des Waldes,

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bis bald, Karin

4 Kommentare zu “Baumriesen, Teil 2

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