Auf der schwäb’sche Eisebahne…

gibts gar viele Haltstatione… genau dieses alte schwäbische Volkslied hatte ich letzten Sonntag im Kopf, als wir mit der Schwäbischen Waldbahn mit ordentlich Dampf in schönster Eisenbahnromantik von Schorndorf nach Welzheim und zurück fuhren.

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Doch der Reihe nach: Bei meinem letzten Ausflug nach Welzheim Baumriesen, Teil 2 sah ich beim Vorbeifahren am ehemaligen Bahnhof Breitenfürst das große Werbeschild für die Schwäbische Waldbahn und die Info für den damaligen Bahnhof.

Zuhause sofort recherchiert und mit Freude vernommen, dass nach der langen Winter- und Coronapause letzten Sonntag zum 1. Mal die historische Bahn ihren Dienst wieder aufnahm. Die Frage ob Dampf- oder Diesellok musste gar nicht gestellt werden, selbstredend kam nur der Dampfer für uns in Frage. Tickets online gekauft und voller Vorfreude vorgestern bei garstigem Dauerregen ins 15 km entfernte Schorndorf gefahren, wo auf Gleis 5 der Zug abfahren sollte.

2 (Kopie)

Bei Interesse ist es ratsam, auch die Website vom DBK Historische Bahn e.V.  zu besuchen, auch die Sicherheitsvorkehrungen zu Corona Zeiten sind zu beachten. Auf den Websites sind ebenfalls Tonspuren eingerichtet, die während der Fahrt mit dem Mobiltelefon genutzt werden können. Doch auch online kann der interessierte zukünftige Bahnfahrer im Vorfeld Wichtiges und Interessantes abfragen. Der Schaffner Christian Schnauffer, oder Zugbegleiter – wie die Berufsbezeichnung heute lautet – gibt so manche Anekdoten und wissenswerte Fakten über die schönste Nebenstecke im Ländle bekannt.

Die Bahnstrecke besteht seit über 100 Jahren. Damals brauchte der Zug rund 80 Minuten, heute schafft dieser die Strecke in durchschnittlich 66 Minuten – je nachdem, ob es bergauf, also von Schorndorf nach Welzheim oder wieder -ab geht. In den frühen Anfangsjahren war am Sonntag die Bahn stets überbelegt, da die Städter raus in den Welzheimer Wald zur Erholung fuhren. Auch heute noch ist Welzheim ein Kurort. Der in den 1960-er bis 1980-er Jahren bis dahin schon sehr bescheidene tägliche Personenverkehr wurde jedoch immer weniger. Als 1988 dann noch ein Erdrutsch die Strecke blockierte und der Betrieb und Erhalt nicht  mehr lohnenswert war, verfiel die gesamte Strecke in einen Dornröschenschlaf. Schließlich gründeten engagierte Freunde der Eisenbahn 1985 den Verein und arbeiten seither stetig an ihrem Traum, historischen Schienenfahrzeugen sowie Strecken und Gebäude der Nachwelt zu erhalten. 2010 wurde die gesamte Strecke bis Welzeim wiederbelebt. Pro Jahr genießen nun ca. 30.000 Fahrgäste diese atemberaubenden Landschaftsausblicke über imposante Schluchten und Viadukte, an herrlichen Obstwiesen und rauschenden Wäldern vorbei in schnaufender und dampfender Eisenbahnnostalgie.

Eigentlich legen die 22,83 km lange Bahnstrecke genaugenommen ja zwei Bahnen zurück. Eine Berg- und eine Talbahn, die Wieslauf- und die Wieslauftalbahn. Somit wird die Bahn im Volkmund auch Wiesel genannt. Eingebettet zwischen 2 Brücken und 3 Viadukten liegen z.T. noch sehr verträumt aussehnde Bahnhosgebäude im ganz speziellen Jugendstil. Heute, sofern noch erhalten, liegen diese Gebäude in Privatbesitz und stehen unter Denkmalschutz.

1 (Kopie)

Die Ingenieure von damals leisteten hervorragende Arbeit bei diesen schwierigen Bedingungen. Das Keuperbergland mit seinen vielen verschiedenen Bodenschichten, es wurde quer über tief eingeschnittene Klingen gebaut, Rampen und Dämme aufgeschüttet, Hänge gekappt, Rutschungen mit Stützmauern abgefangen, Hangschutt stabilisiert, Siedlungen durchgeschnitten, Straßen, Häuser und Scheunen verlegt, dazu monatelanger Regen wo vieles wieder abrutschte – und doch wurde es geschafft!       Beim Bau der Viadukte wurden viele Gastarbeiter aus Italien beschäftigt, diese haben dann die schwäbischen Spätzle und Mädle kennen und lieben gelernt und sind sesshaft geworden.

Doch nun genug der Theorie! Einsteigen, die Türen schließen, zurücklehnen, Seele baumeln lassen und relaxen, wie der Stuttgarter heutzutage sagt.

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Pünktlich um 10.30 Uhr ging die Fahrt lo. Der 1. Halt war kurz darauf in Haubersbronn und schon zückte ich abermals meine Kamera um dieses schöne Bahnhofsbäude abzulichten.

6Haubersbronn

Weiter ging es nach Miedelsbach und schon war mein Gemüt etwas getrübt und gleichzeitig doch erfreut dass wenigstens das Schild auf die ehemalige Funktion des wunderschönen Häuschens hinweist.

7Miedelsbach

Zwischendrin kam der Schaffner und kontrollierte die Fahrkarten, auch Kalt- und Heißgetränke wurden verkauft. Eltern verwöhnten ihre Kinder mit Zuckerperlen, die in den rot-grünen Kellen versteckt waren und die Sprösslinge nahmen das Spielzeug mit leuchtenden Augen entgegen. Hier außerdem noch eine Aufnahme unseres Abteils.

 

Kurz darauf folgte Michelau und ich war wieder beseelt, ob des schönen Anblicks.

8Michelau

Rudersberg ließ mich verständlicherweise unberührt. Vielleicht gibt das Haus im Inneren seinen Charme preis? Wer weiß!

11Rudersberg (Kopie)

Als kurz darauf das Strümpfelbachviadukt zu sehen war, kam Bewegung in die Gäste. Zum Glück war das Abteil nicht allzu voll, so dass ich bequem auf der anderen Seite zum Fenster hinaus fotografieren konnte. Auf der Rückfahrt wird die Lok ans andere Ende des Zugs rangiert und unser ehemals vorderstes Abteil wird zum letzten des Zugs. Somit ergibt sich bei Kurvenlage ein gigantischer Ausblick.

12Strümpfelbachviadukt (Kopie)

20Strümpfelbach (Kopie)

Auch die Klingenmühle, der Wasserfall und die beschwerliche Fahrt bergauf, die die Bahn viel Mühe, Schweiß und Kohlen kostet, waren eine Augenweide. Herrlich, wie der Dampf in den Bäumen hängenbleibt!

An der Klingenmühle schrieb Justinus Kerner seine lyrischen Zeilen „Der Wanderer in der Sägemühle“, welche ich bereits schon auf dem Poetenpfad im Welzheimer Stadtpark erwähnte. Diese und die Laufenmühle zusammen bilden das Tor zum Welzheimer Wald und seinen Ausflugszielen.

21 Laufenmühle

Von den eisernen Brücken haben wir leider nichts mitbekommen, diese scheinen als Zuschauer auf der Straße besser wahrgenommen zu werden. Übrigens haben uns im zeitweise strömenden Regen unzählige Passanten, Anwohner und Wanderer mit Winken begrüßt. Tagszuvor kam in der Tagespresse noch ein Artikel über die beginnende Saison. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich die Grüße freudig erwiederte.

Das Laufenmühleviadukt war ein weiteres Highlight.

16Laufenmühleviadukt (Kopie)

Am ehemaligen Bahnhof Breitenfürst, dieser wurde 1974 abgerissen – wohlweislich noch bevor dieser unter dem Siegel des Denkmalschutzes gelandet wäre – große Zuschauermenge, da eine Kreuzung komplett gesperrt war, um unserem Bähnchen Vorfahrt zu gewähren.

Es folgte der Bahnhof Tannwald, ein Teilort von Welzheim. Der Name macht dem Ort alle Ehre, viele Bäume – aber dies erwähnte ich ebenso in meinem letzten Beitrag.

17Tannwald (Kopie)18 (Kopie)

11.30 Uhr, Endstation Welzheim. Herzlich Willkommen. Als letzte württembergische Ober-Amtsstadt wurde Welzheim an das Bahnnetz angeschlossen und bekam diesen Bahnhof. Dieses Bahnhofsgebäude macht nun bei diesem tristen kühlen verregneten Sonntag so gar keinen Staat!

18Welzheim (Kopie)

Die Lok wird abgekoppelt, rangiert und fährt ein winziges Stück weiter zum Wasserkran. 9 m³ Wasser fasst die Lok!

19 (Kopie)

Nach einer halben Stunde wird abermals rangiert, ans andere Ende angekoppelt und die Fahrt geht wieder zurück nach Schorndorf.

Nicht mehr ganz so interessant, bis auf die Tatsache wie ich oben bereits beschrieb, dass sich nun in Kurvenlage super Ausblicke erboten. Jogi war so ermüdet, dass er auf der sanften Fahrt doch tatsächlich in einen Dämmerschlaf fiel.

Um 13 Uhr zurück in Schorndorf war es gerade Zeit zum Mittagessen – wie praktisch!

Doch ich möchte nicht enden, bevor wir euch nicht obligatorische Grüße senden!

Bis bald, vielleicht in Schtuegert, Ulm oder Biberach, Meckebeure oder Durlesbach!

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