27.01.2025 Staunen, stöbern und wühlen im Wühli

Nicht zum ersten Mal erwähne ich hier, dass der Gedanken- und Informationsaustausch zwischen Frauen durchaus Früchte tragen kann. So geschah es auch zwischen mir und einer Bekannten, der ich mein Leid klagte, dass es heutzutage doch echt schwer ist, für gute Flohmarktware oder Trödel mit etwas Gewinnspanne einen neuen Abnehmer zu finden. Man bezahlt auf den Flohmärkten inzwischen eine happige Standgebühr dafür, dass man sich selbst den lieben langen Tag die Beine in den Bauch steht. Der Verkauf übers Internet ist auch nicht immer das Wahre. Doch inzwischen hab ich einen Trödler gefunden und werden diesen demnächst einmal aufsuchen.

Durch das Hin- und Herüberlegen und der Mitteilung, wo ich sonst hier im Umkreis meine Ware kostenlos zum Verschenken abgebe, kam so lapidar über ihre Lippen: Ich kenne nur das Wühli! Wühli? Habe ich richtig gehört? Ja, das Wühli in Schorndorf. Welch kurioser Name, der direkt so viel aussagt. Nach dem Gespräch habe ich im Nullkommanix das Internet befragt, kam direkt auf einen Filmbeitrag der SWR Landesschau Baden-Württemberg und sah mir mit wachsender Begeisterung den knapp 20-minütigen Beitrag an und war Feuer und Flamme und sah mich schon im Geiste mit meinem vollbeladenen Chili-Flitzer gen Schorndorf im Rems-Murr-Kreis brausen. Der Filmbeitrag entkräftete jedoch meine Vorurteile vom Namen Wühli. Ich finde dieser steht in Verbindung mit Wühlkiste, Durcheinander, schmuddelig, „kruschdelig“ wie der Schwabe sagt. Doch im Beitrag kam alles sehr schön ordentlich, sortiert und herausgeputzt rüber.

Am nächsten Tag rief ich dort sofort an und vergewisserte mich, ob ich auch dies und jenes, Hörbücher, CDs, DVDs, Musikkassetten und vor allem die alten Schallplatten mit Volksmusik und Schlager bringen dürfte und mir wurde versichert, auf Spendenbasis nehmen sie all meine Waren gerne an. Ich war hochmotiviert und wie elektrisiert und lud in rasender Geschwindigkeit mein Auto voll und los ging es am frühen Samstagmorgen nach Schorndorf in die Robert-Bosch-Straße 1. In einer ruhigen Seitenstraße mit genügend Parkplätzen klingelte ich im Erdgeschoss laut Hinweisschild für Spendenabgabe und der Juniorchef half mit starker Manneskraft beim Ausladen. Fast alle Schätzchen wurden übernommen, fast, bis auf die Plastikkleiderbügel. Die Waren sollten natürlich sauber, funktionell und vor allem die Kleidung ohne Makel sein.

Eine Etage höher kam ich dann in den Verkaufsraum und musste an der Türe erst einmal stehen bleiben und einen Rundumblick einfangen.

Zum Glück waren noch ganz wenige Kunden da. Somit schlenderte ich zunächst einmal durch das riesige Angebot und fragte dann an der Kasse höflich nach, ob ich fotografieren dürfte und dies wurde mir dann erlaubt. Im Laufe der zwei Stunden!!! nahm die Kundschaft merklich zu, ich achtete jedoch stets darauf, niemanden mit abzulichten, also wundert euch nicht und denkt nur nicht, da wäre tote Hose! Ganz im Gegenteil. Im Gebraucht-Kaufhaus ist so allerhand los. Die Suche nach Schnäppchen und Schätzchen aus vergangenen Tagen und der Neuzeit infiziert alle Schichten der Gesellschaft. Ob für den Alltag, zu festlichen Anlässen, zum Sport, zur Entspannung, fürs Hobby, fürs Kind, die Augen, die Ohren, die Seele – Second-Hand, Vintage, Ressourceneinsparung, Wiederverwertung und Wertschätzung fand schon immer seine Anhänger und nicht nur derzeit, da es voll im Trend ist. Auf fast 2000 Quadratmetern findet eigentlich jeder etwas und geht normalerweise nicht mit leeren Händen zur Tür hinaus. Außer ich, ich war gaaaanz stark! Schließlich hatte ich eine Wagenladung abgegeben und wollte mich nicht direkt wieder mit Ballast beladen. Aber schwer viel es mir schon.

Die Bekleidung hängt ordentlich auf Bügeln, ausgezeichnet mit Preis oder liegt in Wühltischen, da wird dann zum Kilopreis abgerechnet. Außerdem findet man Unterwäsche, Mützen, Schals, Tücher, Handschuhe, Krawatten, Hüte und vieles mehr.

Zusätzlich sind einige Schätzchen noch nach verschiedenen Dekaden sortiert, Modetrends ganzer Generationen – gerne fürs tägliche Leben, die Bühne oder zum Fasching.

Anprobiert werden darf natürlich ebenso und die Umkleidekabinen suchen Ihresgleichen!

Zwischendurch sind immer wieder so nette Deko-Elemente zu finden, die einen schmunzeln lassen und an denen man merkt, dass hier mit Liebe und Herzblut das Familienunternehmen geführt wird – und dies seit über 40 Jahren! Als Kunde fühlt man sich richtig wohl. Für mich war es direkt Erholung, Freude, Lust am Stöbern und Dankbarkeit an alle, die den Konsumwahnsinn auf unserer Erde ein kleines Stückchen einbremsen. Natürlich schont es auch gewaltig das Geldsäckel und wir wissen alle, dass es bei vielen Menschen finanziell nicht rosig aussieht und angewiesen sind auf solche Läden.

Glas, Porzellan, Haushaltswaren, Tisch- und Bettwäsche, Deko, Schuhe…. so vieles lässt sich finden und trotzdem merke ich, dass in manchen Wühltischen und Regalen direkt Ebbe oder ein Überangebot herrscht. Wird zuwenig abgegeben, ist die Nachfrage zu groß, zu klein oder ist es doch zu teuer?

Die Bücher werden nach Themen und dann per Farben sortiert…

…und schaut einmal, was in der Krimi-Ecke dekoriert ist

Nach einer Stunde brauchte ich eine Pause, im Wühli „Isch nix umsonscht – außer onser Kaffee! und somit ließ ich mich in den gemütlichen Sesseln nieder, allerdings nur ganz kurz, da das Auge schon wieder etwas Nettes und Kurioses in der Abteilung Musik und Gesellschaftsspiele erblickte. Nun weiß ich auch, wo die LPs meiner Eltern mit Caroline Reiber, den schönsten Chören des Nordens, Nicole, den Flippers und nicht zu vergessen Dieter Thomas Heck ein neues Zuhause finden werden.

Im Anschluss wollte ich noch einen Abstecher beim Bruderherz machen und musste dann beim Anblick dieses Schildchens ob des Schwabens Sinn für Humor wirklich schmunzeln.

Erst jetzt fällt mir auf, dass mein Bruderherz auf meine telefonischen Versuche der Ankündigung nicht reagierte….. erst Stunden später wo er sicher sein konnte, dass ich längst zu Hause war. :)) Nix für ungut, Roland, Späßle gmacht, das Schildchen hat nun einfach gepasst.

Es heißt, jeder der mal dort war, kommt wieder. Dies kann ich voll und ganz bestätigen. Ich werde wieder kommen, dann jedoch nicht mit leeren Händen gehen, soviel sei versprochen!

Bis dahin, ich sortiere schon mal wieder fleißig aus und schaffe Platz, nun habe ich ja weitere dankbare Abnehmer für bestimmte Artikel. Denn nicht jede Institution nimmt so viel verschiedene Ware an wie das Wühli.

Adele, bis bald

Ein Kommentar zu “27.01.2025 Staunen, stöbern und wühlen im Wühli

  1. Ach was bin ich froh das du immer wieder was Neues auftust 👍
    Ich kenne das wühli nur aus Erzählungen, ist aber auch schon 25 Jahre (oder länger) her. Da waren es wohl wirklich nur Berge an Kleidung und man musste wühlen . Schön das es jetzt so wunderbar geordnet ist bzw. aussieht 👍👍 danke für Deinen Bericht

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