Wir sind Wiederholungstäter! Nach unserem Besuch 2019 reisten wir erneut ins Land der Dudelsäcke, Burgen und Kilts Schottland…, abermals zusammen mit Sohnemann und diesmal auch mit dessen Freundin P.
Eine Woche lang ging es von Glasgow aus mit dem Leihauto zu verschiedenen Stationen. Manches war bekannt für uns, manches wurde neu entdeckt oder wiederentdeckt. Unsere beiden männlichen Chauffeure manövrierten stets sicher und geschickt durch den Linksverkehr. Im Gegensatz zur letzten Rundreise, hatten wir diesmal nur die 1. Nacht im Voraus gebucht. Im Westhighland Way Hotel & Campsite erholten wir uns von der Anreise, der Ort liegt idyllisch inmitten der Natur.
Übernachtungen mit Frühstück und Abendessen waren unter dem Strich der Preis-Leistung gesehen viel zu teuer. Zum Abend Fish und Chips war zwar lecker, aber über 20 Pfund für diese Portion ist schon happig. Hier ist man eben auch sozial unterwegs. Diejenigen, die zum Übernachten im eigenen Zelt nicht so viel zahlen können, dürfen dies auch umsonst, die Gemeinschaft gleicht das wieder aus, sprich der Zahlende.

Es empfiehlt sich, sehr weit im Voraus zu buchen, damit man die besten Zimmer oder Stellplätze und bessere Preise bekommt. Außerdem ist man gut beraten, sehr früh aufzustehen um vom angebotenen Frühstück auch noch etwas abzubekommen. Denn es war schon gegen 9 Uhr kein Personal mehr da, die Saft, Wasser, Obst oder Toast aufgefüllt hätten und somit zog der Ausgeschlafene leider hungrig von Dannen. Wie es mit den Zelt- oder Caravan Standmieten aussieht, kann recherchiert werden. Allgemein ist Schottland teuer, doch selbst in Glasgow und Edinburgh haben wir leckerer und günstiger gegessen.
Bezüglich des Alkohols: In Schottland liegt seit Neuestem die Promillegrenze bei 0. Zumindest wurde uns dies so mitgeteilt, recherchiert habe ich etwas anderes, doch wir hielten uns strikt daran. Viele Lokale und Pubs schlossen bereits die Pforten, manche Lokalitäten oder Ausflugslokale schenken aufgrund gesetzlicher Auflagen keinen Alkohol mehr aus. So auch unser Domizil. Doch hatte man zu mitgebrachtem Alkohol oder zu erworbenem im nahen Kiosk keine Einwände. Trinkwasser wird überall kostenlos mit an den Tisch gebracht. Es handelt sich um gefiltertes und gechlortes Wasser, welches bedenkenlos getrunken werden kann, wenn auch der Chlorgeschmack sehr an mein Verschlucken bei der Aqua-Aerobic erinnerte. Am kostenlosen Kaffee und Tee durfte man sich die ganze Zeit bedienen.
Weiter ging die Fahrt zum bereits bekannten Loch Lomond für Fotomotive,
bis zu unserem eigentlichen Reisegrund, den Highland Titles. Damit Grundstücksbesitzer ihre riesigen Ländereien weiterhin erhalten und verwalten können, verkaufen die Besitzer winzige Stückländereien als Souvenir-Grundstücke. Mit dem Erlös werden Naturschutzgebiete angelegt und Wälder aufgeforstet und somit wird dem Land durch die jahrhundertelange Miss-Forstwirtschaft etwas zurückgegeben. Die geringe Größe und der fehlende praktische Nutzen werden durch die gute Sache und dem sentimentalen Wert ausgeglichen. Schottland war für unseren Sohnemann während seiner Studienzeit sein Zuhause und daher schenkte er uns allen vor einigen Jahren diese Grundstücke. Seit dieser Zeit dürfen wir uns Lord und Lady nennen und jederzeit zu den Öffnungszeiten kostenlos ins Naturreservat.

Recht aufregend war dies für uns alle. Ausgestattet mit einem Lageplan machten wir uns auf die Suche nach unserem Grund und Boden. Geführte Touren sind das ganze Jahr über schon ausgebucht. Vorbei an Wasserläufen, unzähligen Sitzgelegenheiten und dem größten Insektenhotel der Welt entdeckten wir schließlich unser Fleckchen Erde.
Wie bereits viele andere Grundstücksbesitzer kennzeichneten wir für diesen Moment die Stelle und hielten dies in einem Erinnerungsfoto fest. Danke Junior, dies war für mich echt ein Erlebnis, zumal es am Muttertag geschah.
Für die Nacht fanden wir zum Glück noch in Arisaig geeignete Zimmer mit Selbstversorgung in der gut ausgestatteten Küche. Bewaffnet mit einem Gläschen Wein setzte ich mich vor das Haus und wartete, bis der Einkauf und das Kochen vollzogen waren und wir dann gemeinsam in der Küche leckere Spaghetti Bolognese mit Salat verspeisten.

Am frühen nächsten Morgen dann schöne Aussichten auf der Fahrt nach Mallaig, wo wir darauf hofften, einen Platz auf der Fähre für die Überfahrt zur Insel Skye zu ergattern.

Es empfiehlt sich auf jeden Fall, vorab einen Platz zu buchen. Zuerst werden natürlich die gebuchten Wohnwägen, Transporter und Autos geladen, dann diejenigen, die zuerst da waren ohne Anmeldung. Zum Glück waren wir an erster Stelle der Wartenden ohne Anmeldung, denn Platz war nur noch für 3 Autos. Stunden später zu fahren hätte keinen Sinn gemacht. Unser Programm auf Skye hätte dann eine Übernachtung nötig gehabt und bezahlbare Unterkünfte waren keine zu finden. So ändern sich dann oft Reiserouten oder -pläne wenn man vorab nicht reserviert hat, jedoch ist das Fahren und Besichtigen dann auch auf jeden Fall stressfreier, dies muss jeder für sich selbst entscheiden.
Die Fairy Pools waren eine Unternehmung, die unsere P. auf jeden Fall sehen wollte. Am gut besuchten großen Besucherparkplatz hatte man eine gute Übersicht auf die gegenüberliegende Attraktion. Es schien ziemlich weit, erst bergab, dann bergauf, somit entschied sich Joachim mit mir zusammen am Auto zu bleiben, im Gras sitzend die schöne Aussicht zu genießen und in aller Ruhe auf die Rückkehr unserer Beiden zu warten. Bis ich mich dann bergauf zu den Sanitäranlagen aufmachte und die Stufen wieder hinabkraxelte, reihum fotografierte und vor mich hinträumte, waren J. und P. schon wieder zurück.
Wikipedia schreibt: Die Fairy Pools (Feenbecken) sind eine Reihe von unterschiedlich großen, natürlichen Wasserbecken, welche durch einen kleinen Bach und kleine Wasserfälle verbunden sind. Klares kaltes Wasser fließt aus der Gebirgslandschaft herab.
Weitere Punkte auf Skye waren The Oyster Shed, wo wir so schlecht wie nirgends aßen. Laut Jogi waren die Austern sehr gut, jedoch wurde der halbe Hummer mit Holzgabel und keinem weiteren Werkzeug zum Öffnen der Scheren serviert. Der Nussknacker, den man auf Nachfragen erhielt, war auch nicht wirklich nützlich. Jakobsmuscheln und die gegrillten Shrimps rissen mich überhaupt nicht vom Hocker, die mach ich in meiner heimischen Küche zig mal besser. Dabei wurde diese Imbissbude groß beworben und empfohlen, aber wie gesagt, die Austern wären super gewesen.
Schöne bereits bekannte Aussichtspunkte entschädigten uns. Mit großem Erstaunen nahmen wir zur Kenntnis, dass am Kilt Rock ein großer Parkplatz schön angelegt und geteert wurde und nun dort Parkgebühren fällig waren. Außerdem schmunzelten wir, dass der Schwabe nicht nur schwäbelt, sondern wohl auch reiselustig ist.
Desweiteren fuhren wir bei „unserem“ Dun Flodigarry Hostel vorbei, indem wir 2019 positive Erfahrungen sammelten. Eigentlich hatte sich nichts verändert, alle immer noch so freundlich, die Einrichtung noch so bunt und gleich wie damals. Ausgebucht bis unters Dach, auch hier weit im Voraus buchen! Wir kauften uns am Kiosk etwas zu trinken, genossen draußen auf demselben Bänkchen wie damals die Aussicht und verabschiedeten uns wieder.
Natürlich wollte unsere P. wie auch wir damals, in Portree die schönen bunten Häuser bestaunen. Es schüttete wie aus Kübeln, es war schon spät, somit nur schnell dieses eine bekannte Motiv abgelichtet, fettige Fish & Chips unter der Regenmarkise einverleibt, im Supermarkt eingekauft und weiter ging es.

Weitere Etappen auf unserem Weg gen Edinburgh war das Eilean Donan Castle. Auch dieses diente für P. nur als Fotomotiv, es hatte bei unserem späten Eintreffen schon geschlossen. Trotzdem ein beeindruckendes Postkartenmotiv!

Einen längeren Stopp legten wir bei Culloden Moor ein. Heute eine ebene Wiese mit Wegen und farbigen Fahnen, damals vor über 270 Jahren eine windige Moorlandschaft. Am 16. April 1746 fand die kurze Schlacht zwischen britischen Regierungstruppen und Jakobiten statt. Hier nahm der Traum der Highlander ein jähes Ende, die Stuarts wieder auf den schottischen und englischen Thron zu bringen. In etwa einer Stunde hatten die 9000 Mann der Regierung den Kampf über die 5400 aufständischen Jakobiten gewonnen.
Auf der Wiese zeigen die verschiedenen Fahnen den Verlauf der Fronten. Tafeln erklären, wo welcher Clan stand. Gedenksteine markieren die Gräber der Clans und ihrer Helden. Ein Besucherzentrum mit angrenzendem Verkaufsraum am großen Parkplatz runden das ganze Arial ab.
Essen und Trinken hält bekanntlich Leib und Seele zusammen. Ich muss hier auf jeden Fall auch erwähnen, dass wir sehr oft sehr gut aßen. Vor allem Haggis in allen erdenklichen Zusammenstellungen, Irish Stew oder Pies. Und etwas zum Runterspülen wurde natürlich auch gebraucht 🙂
In Edinburgh – oder wie die schottische Zunge rollt „Edinbarra“, der Hauptstadt Schottlands und wo die Seele Schottlands zu Hause ist, hatten wir eine schöne bezahlbare Gästewohnung für 2 Nächte mit 3 Schlafzimmern und 2 Bädern, Küche, Ess- und Wohnbereich, Waschmaschine, Trockner – eine kleine Wohnung nur für uns, in der wir uns pudelwohl fühlten. Ruhig gelegen in einer gutsituierten Wohnanlage, Bushaltestelle direkt vor dem Gebäude – passender ging es nicht.
Über Edinburgh, weithin sichtbar thront Schottlands berühmtestes Bauwerk, Edinburgh Castle. Über 1000 Jahre alt und einst die Residenz von Maria Stuart. Eine Schlossbesichtigung wünschten sich P. und ich. Sohnemann schloss sich an, Tickets wurden online für eine bestimmte Eintrittszeitspanne erworben, dies empfiehlt sich während der Saison unbedingt, und los ging es. Allerdings ohne Audioguide, wir wollten uns einfach nur umschauen und genießen. Und hier sind z. T. unsere Eindrücke und Aussichten hinab auf die Stadt.
Der Göttergatte wartete derweil im nahen Pub bis auch wir uns dazugesellten. Eine äußerst lustige Zeit verbrachten wir hier im „The Ensign Ewart“.
Ansonsten schlenderten wir durch die Stadt, schauten uns dies an, verweilten dort, auf Museumsbesuche hatten wir gar keine Lust. Anzumerken wäre noch, dass man in Schottland in allen Museen freien Eintritt hat, es kann jedoch sein, dass für Sonderausstellungen Eintritt erhoben wird.
Auf ging es zur letzten Station und Ausgangspunkt unserer Reise, der größten Stadt Schottlands – Glasgow. Ebenfalls blieben wir hier für 2 Nächte, im Social Hub Glasgow. Eine ganz neue Art von Hotel für mich, durchaus empfehlenswert.

In Glasgow waren wir mit dem Fahrdienst Uber unterwegs. Den kannte ich ja schon von Jordanien, auch 2019 ließen wir uns mit dem Dienstleistungsunternehmen günstiger als mit dem normalen Taxi durch die Stadt kutschieren. 5 Jahre nach seiner Studentenzeit konnten wir unseren Junior, entgegen 2019, davon überzeugen, uns „seine“ Uni zu zeigen. Das war nun im Nachhinein wirklich schön zu sehen, wo er studierte und sich aufhielt.
Auch haben wir hier wieder in schöner heimeliger Atmosphäre klasse gegessen. Das „Molly Malone’s“ möchte ich somit besonders erwähnen.
Am Abend ging es wieder in J. frühere Stammkneipe „The Holin Wolf“. Früh am Abend noch etwas dünn besucht, jedoch bei guter Musik fühlten wir uns auch hier sehr wohl.
Am nächsten Morgen fuhren wir bei bestem Wetter kostengünstig mit dem bewährten Hop-On Hopp-Off Bus kreuz und quer durch Glasgow. Unser aller Wege trennten sich, jeder stieg dort aus wo er wollte, am Abend traf man sich im Hotel wieder.

Und was soll ich sagen…. was ich 2019 zeitlich nicht mehr schaffte, diesmal konnte ich ihn besichtigen. Wer mich kennt, wird es schon ahnen, es ist der viktorianische Hügelfriedhof Necropolis. Auf dieser 15 Hektar großen Anlage verbrachte ich lange Zeit. 50 000 Bestattungen sollen hier bereits stattgefunden haben. Auf schlängelnden Wegen auf- und abwärts und über Treppen „arbeitete“ ich mich durch tausende Grabstätten, Gruften und Denkmäler. Natürlich bin ich nicht an allen vorbei, manche Felder habe ich nur von Weitem wahrgenommen. Erfolgreiche Händler und Architekten Glasgows haben sich hier noch im Tod ihre Bedeutung durch imposante Grabmäler dokumentieren lassen. Dieser Friedhof wurde immer nichtkonfessionell betrachtet. Das erste Begräbnis fand 1832 statt. Grabeinfassungen und Bänke ließ man entfernen, damit die Rasenpflege leichter bewerkstelligt werden kann.
Und hier nun eine kleine Auswahl der imposanten Grabmäler:
Blicke hinab auf die Stadt und die Aussicht direkt auf die Cathedral of St. Mungo. Ausgerechnet an diesem Freitag hatte die altehrwürdige Glasgower Kathedrale ab 13 Uhr geschlossen, sehr schade.
Glasgow verfolgt seit vielen Jahren das Projekt der Wandmalereien. Leerstehende oder müde aussehende Gebäude oder verwaiste Straßenzüge sollen somit mehr Aufmerksamkeit bekommen. Überall verteilt sieht der aufmerksame Besucher die unterschiedlichsten Malereien. Oft war es vom Bus aus nicht möglich zu fotografieren, daher hier nur einige wenige Aufnahmen. Künstler werden ermutigt, sich dieser Aktion des Stadtrates anzuschließen, damit Teile der Stadt wiederbelebt werden.
Mit diesen finalen bunten Bildern schließe ich nun meinen Bericht über unsere kleine Reise. Besonders berührt hat mich die Tatsache, dass dies wirklich nochmals eine Familienreise war, dann natürlich der Besuch unserer Souvenir-Grundstücke, der Schlossbesuch in Edinburgh, die Universität unseres Sohnes und natürlich die letzten Ruhestätten in Glasgow. Auch wenn es mit uns Vieren nicht immer einfach war, ich danke euch allen dass ihr dabei wart.
Grüßle Karin
Ich bedanke mich auch, obwohl ich weiß, daß meist ich der Grund war warum es nicht immer einfach war.
Joachim