Vor über einem Monat war ich aufgrund längerer Krankheit gezwungen, eine Eintrittskarte für ein Konzert in Stuttgart zurückzugeben, dafür bekam ich einen Guthabengutschein des Veranstalters mit 4-wöchiger Geltungsdauer für einen Event meiner Wahl. In der Kürze der Zeit hatte ich direkt noch Glück, 2 Karten für einen geeigneten Termin einer anderen Veranstaltung zu ergattern. Das ursprüngliche Konzert hätte eine Dauer von 1 Stunde gehabt, für die Eintrittskosten bekam ich nun 2 Karten, der Event dauerte dafür nur 30 Minuten, Beginn 22 Uhr! Somit konnte ich die für mich aufwändige Fahrt bis nach Stuttgart nicht unbedingt mit einem Einkaufsbummel verbinden. Doch ich konnte den Göttergatten für die Veranstaltung mit gewinnen und da in Stuttgart bereits auch der Weihnachtsmarkt geöffnet hatte, fanden wir doch einen hervorragenden Verbindungsgrund.
Mit der Deutschen Bahn ging die Fahrt bequem nach Zeitplan bis nach Bad Cannstatt, dort Umstieg in die S-Bahn und Weiterfahrt bis Stadt-Mitte. Von dort war es zu Fuß nicht weit bis zum Marktplatz vor dem Rathaus, wo sich einer der ältesten Weihnachtsmärkte ganz Europas befindet. Bereits im Jahr 1692 fand er erstmals urkundliche Erwähnung, seine eigentliche Entstehung liegt jedoch weiter zurück – dies nur am Rande bemerkt. Schon durch die Häuserreihen erblickten wir eine heitere große Menschenansammlung, gelöste Stimmung, Glühwein-, Punsch-, Bratwurst- und Mandelduft waberte uns entgegen. Mit Mühe schoben wir uns durch die Massen zu einem Glühweinstand und ergatterten dann auch an einem Stehtisch tatsächlich noch ein Plätzchen für uns.
Im Anschluss schlenderten wir noch an einigen Verkaufsständen vorbei und entschloss uns dann jedoch, in der Schulstraße im QQ Ramen und Kitchen ein Süppchen zu uns zu nehmen, bevor es dann zum eigentlichen Event an diesem Abend gehen würde. Die Bezeichnung Süppchen ist wohl stark untertrieben, große Schüsseln mit hausgemachter Fleischbrühe bekamen wir serviert. Leider waren wir zu spät dran, um die Herstellung der Nudeln live mit zu erleben. Befremdlich war, dass wir nach dem Studium der Menükarte, unsere Bestellung anhand Zahlencode selbst auf einen Zettel schreiben sollten. Aufgrund der Angestellten, die sich noch am Beginn des Deutschsprachkurses befinden, eigentlich eine sichere Angelegenheit, damit mit der Bestellung auch wirklich nichts schief geht.
Herrlich wärmend, wohlschmeckend und vor allem sättigend waren die verschiedenen Suppen, Gewürze und Schärfe konnte selbst bestimmt werden. Mit wohlig warmen Mägen, satt und zufrieden ging es wieder zurück zur S-Bahn und die Fahrt nach Feuersee war schnell bewältigt.
Der Feuersee im Stuttgarter Westen wurde bereits im 18. Jahrhundert als Wasserreservoir künstlich angelegt. Das neu gestaltete Ufer mit altem Baumbestand und vielen Sitzmöglichkeiten und Treppenabgang bis an Wasser, bietet einen herrlichen Blick auf eine Halbinsel, auf der ein architektonisches Highlight steht – die Johanneskirche. Diese neugotische Kirche wurde Mitte des 19. Jahrhunderts nach den Vorbildern der damaligen großen Kathedralen erbaut und wird somit zu Recht „Notre-Dame von Stuttgart“ genannt, wie ich meine. Auffällig ist jedoch, dass dieser Kirche die Turmspitze fehlt. Da das Bauwerk derzeit eingerüstet ist, möchte der Unwissende meinen, große Sanierungsarbeiten stehen an. Hier ist jedoch zu erwähnen, dass die Kirche und der ursprünglich 66 Meter hohe Turm im zweiten Weltkrieg stark zerstört wurden. Ein Wiederaufbau wurde zunächst aus Kostengründen verschoben, heute wird diese Kirche ohne Turm als Besonderheit gesehen und steht als Mahnmal gegen den Krieg.
Wir reihten uns in die Warteschlange vor dem Eingang ein, die Online-Tickets wurden gescannt und wir warteten, bis zum Einlass für: EONARIUM – Genesis – ein immersives Lichtspektakel in der Johanneskirche Stuttgart.
Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz belegt, allgemein waren die ganzen Vorstellungen ausverkauft. Die 30 Minuten waren kurzweilig, mit vielen inneren Ahhs! und Ohhs! – obwohl ich mir für meinen Teil mehr Gesang erwünscht hätte. Lohnen tut sich diese Veranstaltung auf jeden Fall, wenn man sowieso in der Nähe ist oder im Anschluss in Stuttgart noch das Nachtleben auskosten möchte. Extra Anfahrtskosten von Bahn, Auto oder Parkgebühren lohnen sich sonst nicht.
Die Lichtinstallation GENESIS inszeniert die Geburt des Lebens – immersiv und herzzerreissend. Die abstrakte Hommage an den blauen Planeten entführt Sie zum ersten Tag des Daseins und katapultiert Sie auf wundersame Weise durch die Zeit. Die Wände und Decken werden darin nicht mit Pinsel und Farbe, sondern mit der Hilfe von modernster Technik mit zauberhaften Videoanimationen ausgemalt. So verschmelzen Kunst und Technologie zu einer Erfahrung, die neue Weite und Kreativität freisetzt.
https://www.eonariumstuttgart.de/
Und hier nun einige Eindrücke von meinem Sitzplatz aus:








Danach führte unser Weg heimwärts. Leider viel komplizierter und viel länger als ursprünglich gedacht. Verspätungen und Zugausfälle aufgrund der Arbeiten an Stuttgart 21 ließen uns dann erst nach Mitternacht zu Hause eintrudeln. Und wieder einmal waren wir um eine Erfahrung reicher….
Mal schauen was mir als nächstes so einfällt, bis dahin,
Ade, Gruß Karin
Stimme dir zu hinsichtlich Gesang. Trotzdem zeigt es sich dass Kirche auch anders geht 😊 und ein „abschalten“ sehr gut getan hat